3. Der Menschensohn und der futurische Charakter der Messianität Jesu.

Der Ausdruck »Davidssohn« enthält also ein Rätsel. Darum gebraucht

ihn Jesus nie, wenn er von seiner Messianität spricht, sondern immer

redet er von sich als dem »Menschensohn«. Diese Bezeichnung war also

besonders geeignet, um sein Messianitätsbewusstsein wiederzugeben.

Er hat es auf diesen Ausdruck abgesehen. Jede messianische Bezeichnung,

die ihn betreffend gefallen ist, _=korrigiert und erläutert er durch

»Menschensohn«=_.

Nachdem es in der Scene auf dem Berg den Jüngern aufgegangen ist, dass

er »Gottessohn« sei, redet er beim Abstieg zu ihnen von sich als dem

»Menschensohn« (Mk 9 _-7-9-_).

Petrus proklamiert ihn vor den andern als »den Gesalbten« (Mk 8

_-29-_). Gleich fährt Jesus fort, sie über das Schicksal »des

Menschensohns« (Mk 8 _-31-_) zu belehren.

Bist du Christus, der Sohn des Hochgelobten? frägt ihn der Hohepriester

(Mk 14 _-61-_). Ihr werdet sehen den »Menschensohn« sitzend zur Rechten

der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels, antwortet Jesus. Das

will heissen: Ja. In der zweiten und dritten Leidensweissagung (Mk 9

_-30-32-_ und Mk 10 _-32-34-_) ebenso wie in dem Wort vom Dienen (Mk 10

_-45-_) kehrt überall derselbe Ausdruck wieder.

_=Die Messianitätsbezeichnung »Menschensohn«=_ ist _=futurischen

Charakters=_. Sie bezieht sich auf den Augenblick, wo der Messias auf

den Wolken des Himmels zum Gericht erscheinen wird. In diesem Sinne

hatte Jesus zum Volk und zu den Jüngern vom Kommen des Menschensohnes

von jeher geredet. Bei der Aussendung weist er die Seinen auf die

unmittelbare Nähe des Tages des Menschensohnes hin (Mt 10 _-23-_). Dem

Volk redet er von dem Kommen des Menschensohnes, um es zu vermahnen,

bei ihm, Jesus, auszuhalten (Mk 8 _-38-_).

Dabei sind er und der Menschensohn für die Jünger und das Volk zwei

ganz verschiedene Persönlichkeiten. Der eine ist eine _=irdische=_, der

andere eine _=überirdische=_ Gestalt; der eine gehört dem _=jetzigen=_,

der andere dem _=messianischen=_ Zeitalter an. Zwischen beiden besteht

Solidarität, indem der Menschensohn für die eintreten wird, welche zu

Jesus, dem Verkündiger seines Kommens, gestanden sind.

Von diesen Stellen muss man ausgehen, um die Bedeutung des Ausdrucks

in Jesu Munde zu verstehen. Wer um sein Geheimnis nicht weiss, für

den sind Jesus und der Menschensohn verschiedene Personen. Wem er

aber sein Geheimnis offenbart hat, für den besteht ein persönlicher

Zusammenhang zwischen beiden. Jesus ist der, welcher am messianischen

Tag als Menschensohn erscheinen wird. _=Die Offenbarung zu Cäsarea

Philippi besteht darin, dass Jesus seinen Jüngern offenbart, in welchem

persönlichen Verhältnis er zum erscheinenden Menschensohn steht.=_ Als

der, welcher Menschensohn sein wird, kann er Petri Bekenntnis, dass er

Messias sei, bestätigen. Seine Antwort auf die Frage des Hohenpriesters

ist in demselben Sinn bejahend. Er ist Messias: das werden sie sehen,

wenn er als Menschensohn auf den Wolken des Himmels erscheint.

»Menschensohn« ist also der adäquate Ausdruck für seine Messianität,

so lange er als Jesus von Nazareth in diesem Aeon auf seine zukünftige

Würde zu reden kommt. Wenn er daher zu den Jüngern von sich als dem

Menschensohn spricht, so setzt er dabei das Doppelbewusstsein voraus.

»Der Menschensohn muss leiden und wird dann von den Toten auferstehen«:

das will heissen: »als solcher, der Menschensohn sein wird bei der

Totenauferstehung, muss ich leiden«. Ebenso ist das Wort vom Dienen zu

verstehen: als solcher, der als Menschensohn zu der höchsten Herrschaft

im messianischen Aeon berufen ist, muss ich jetzt am tiefsten mich im

Dienen erniedrigen (Mk 10 _-45-_). So sagt er vor der Gefangennahme:

die Stunde ist gekommen, dass der, welcher Menschensohn sein wird, in

Sünderhände überantwortet wird (Mk 14 _-21-_ u. _-41-_).

Damit ist das Menschensohnproblem klargestellt. Eine geläufige

Selbstbezeichnung war der Ausdruck nicht, sondern eine hoheitsvolle

Art, mit welcher er in den grossen Momenten seines Lebens zu den

Eingeweihten von sich als dem zukünftigen Messias sprach, während er

für die andern von dem Menschensohn als einer von ihm unterschiedenen

Grösse redete. In allen Fällen aber zeigte der Zusammenhang an, dass

er von einer zukünftigen Grösse redete, denn in all diesen Stellen

wird entweder die Auferstehung oder das Erscheinen auf den Wolken des

Himmels erwähnt. Die philologischen Bedenken treffen hier also nicht

zu. Eingeweihte und Uneingeweihte mussten aus der Situation verstehen,

dass er von einer bestimmten Persönlichkeit der Zukunft redete und

nicht von dem Menschen allgemein, wenn auch der Ausdruck beidemal

derselbe war.

Ganz anders steht es mit einer Reihe von Stellen, wo der Ausdruck

als reine, unmotivierte Selbstbezeichnung, als einfache Umschreibung

von »Ich« vorkommt. Hier bestehen alle kritischen und philologischen

Bedenken unbedingt zu Recht.

Mt 8 _-20-_: Der Menschensohn hat nicht, da er sein Haupt

hinlege.

Mt 11 _-19-_: Der Menschensohn ist gekommen, isset und

trinket (im Gegensatz zum Täufer).

Mt 12 _-32-_: Die Lästerung wider den heiligen Geist ist noch

schwerer als die Schmähung des Menschensohnes.

Mt 12 _-40-_: Der Menschensohn wird drei Tage in der Erde

sein, wie Jonas im Bauch des Fisches.

Mt 13 _-37-_ u. _-41-_: Der Menschensohn ist der Säemann; der

Menschensohn ist der Herr, der den Befehl zur

Ernte gibt.

Mt 16 _-13-_: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?

Hier ist der Ausdruck philologisch unmöglich. Denn wenn Jesus ihn

so gebraucht hätte, mussten ihn die Hörer einfach vom »Menschen«

verstehen. Nichts zeigt an, dass es sich um die künftige messianische

Würde handelt! Hier bezeichnet er ja seinen gegenwärtigen Zustand

damit! »Menschensohn« ist aber eine Messiasbezeichnung futurischen

Charakters, _=da man dabei immer an das Kommen auf den Wolken denkt,

entsprechend Dan 7 _-13-14-_=_. Zudem wissen die Jünger in allen diesen

Stellen damals noch gar nicht um das Geheimnis Jesu. Der Menschensohn

ist für sie noch eine von ihm ganz unterschiedene Persönlichkeit. Die

Einheit des Subjekts ist ihnen ja noch unbekannt! Also konnten sie

nicht verstehen, dass er hierbei von sich rede, sondern sie mussten

alles auf den Menschensohn beziehen, von dessen Kommen er auch sonst

sprach! Damit wären aber die Stellen alle sinnlos, da sie voraussetzen,

es handle sich um eine Selbstbezeichnung seinerseits!

Historisch und philologisch ist es also unmöglich, dass Jesus den

Ausdruck als unmotivierte, selbstverständliche Selbstbezeichnung

gebraucht haben kann. Als Selbstbezeichnung, sofern er von sich im

Hinblick auf seine künftige messianische Würde redete, konnten es

erst die verstehen, welche um sein Geheimnis wussten. Darum sind alle

Stellen, in denen er sich _=vor Cäsarea Philippi=_ (für die Intimen

vor der Verklärung) _=als Menschensohn bezeichnet, unhistorisch=_.

Historisch sind für jene Zeit nur solche, wo er von dem Menschensohn

als einer mit ihm nicht identischen zukünftigen Erscheinung redet

(Mt 10 _-23-_ und Mk 8 _-38-_). Die oben erwähnten Stellen, welche

den Ausdruck als unmotivierte Selbstbezeichnung bieten, sind also

nicht historisch, sondern nur aus einem litterarischen Prozess heraus

verständlich. Wie kommt es, dass eine spätere Periode der evangelischen

Geschichtserzählung diesen Ausdruck als »Selbstbezeichnung Jesu« ansah?

Dies beruht auf einer Verschiebung der Perspektive. Sie machte sich in

dem Augenblick bemerkbar, wo man die Geschichte Jesu von dem Gedanken

aus zu schreiben begann, dass er auf Erden schon _=der Messias war=_.

Denn nun verlor man das Bewusstsein, dass für die irdische Existenz

Jesu seine Messianität selbst etwas Futurisches war und dass er sich

mit dem Ausdruck Menschensohn eben als futurischen Messias bezeichnete.

Weil nun historisch feststand, dass er von sich als Menschensohn

geredet, bemächtigte sich die Geschichtserzählung dieser emphatischen

Selbstbezeichnung. Ohne eine Ahnung davon zu haben, dass sie nur für

ganz bestimmte Worte und Situationen passte, verwandte man sie auf

beliebige Stellen, wo er von sich selbst sprach, und schuf damit diese

philologischen und historischen Unmöglichkeiten.

Dieser falsche Gebrauch beruht also auf einem litterarischen Prozess

von ausgesprochen sekundärem Charakter. Es verhält sich damit, wie mit

der unhistorischen Verwendung des Ausdrucks Davidssohn bei Matthäus.

Dazu stimmt, dass auch die fraglichen Menschensohnstellen einer

sekundären Schicht des Matthäus angehören.

Vor allem bekunden diesen Charakter: die Umformung der einfachen Frage

zu Cäsarea Philippi (Mt 16 _-13-_), die Deutung des Gleichnisses

vom Säemann (Mt 13 _-37-_ u. _-41-_) und die falsche Auslegung des

Jonaswunders (Mt 12 _-40-_).

Ebenso sekundär ist die Darstellung der Rede über die Sünde wider

den heiligen Geist, wo ein Unterschied zwischen der Lästerung wider

den heiligen Geist und der wider den Menschensohn statuiert wird (Mt

12 _-32-_), während doch in dem Gedanken Jesu beides auf dasselbe

hinauskommt, da es die bewusste Verstockung gegen die in ihm wirkenden

Kräfte des nahen Reichs bedeutet. In den Stellen Mt 8 _-20-_ und Mt 11

_-19-_ ist der Ausdruck unmotiviert, da Jesus dort nur sagen will: ich

habe nicht, da ich mein Haupt hinlege, ich esse und trinke im Gegensatz

zu dem asketischen Verhalten des Täufers.

Eine eigene Bewandtnis hat es mit den beiden unhistorischen

Menschensohnstellen im Markustext.

Mk 2 _-10-_: Der Menschensohn hat das Recht, auf Erden Sünden

zu erlassen.

Mk 2 _-28-_: Der Menschensohn ist Herr des Sabbattages.

Das Sekundäre besteht darin, dass Jesus den Ausdruck als

_=Selbstbezeichnung=_ gebraucht haben soll. Historisch ist, dass er

ihn in jenem Zusammenhang gebraucht hat, entweder vom Menschensohn als

einer dritten, eschatologischen Grösse oder vom Menschen überhaupt.

Beidemal gibt es einen Sinn.

1. Der Mensch als solcher kann durch die Heilung die

Sündenvergebung auf Erden bekunden.

Der Mensch als Mensch ist Herr des Sabbattages.

2. Im Hinblick auf den kommenden Menschensohn findet jetzt schon

Sündenvergebung auf Erden statt, wie die Heilung zeigt.

Im Hinblick auf das Kommen des Menschensohns ragt jetzt schon

ein Höheres in die gesetzliche Sabbatbeobachtung hinein. Vor dem

Höheren verschwindet das Gesetz. Das zeigt der Fall Davids.

Wie man sich die Stellen auch zurechtlegen mag, eines ist klar:

hier hat der Ausdruck historisch vorgelegen und die Aussage Jesu

irgendwie motiviert. Sekundär ist nur, dass jetzt der Ausdruck als

Selbstbezeichnung erscheint, während Jesus vom Menschen oder vom

Menschensohn geredet hat. So stehen diese Stellen auf der Schwelle vom

geschichtlichen zum litterarisch-ungeschichtlichen Gebrauch des Wortes

»Menschensohn«.

Von hier aus erfasst man erst die eigentliche Schwierigkeit des

Menschensohnproblems. Je tiefer bisher die Untersuchung ging, in

desto weitere Ferne schien die Lösung zu rücken. Dies rührte daher,

dass keine Ueberlegung eine Scheidung unter den so ungleichwertigen

Stellen herbeiführen konnte. So blieben die litterarische und die

historische Seite des Problems unlösbar verquickt. Mit dem Augenblick

aber, wo man von dem Studium des Messianitätsbewusstseins Jesu aus

entdeckt, dass der Ausdruck Menschensohn der einzige war, in welchem

er das Geheimnis seiner futurischen Würde aussprechen konnte, ist

auch die Scheidung gegeben. Historisch sind alle Stellen, wo der

danielisch-eschatologische Charakter des Ausdrucks wirksam ist,

unhistorisch alle diejenigen, wo dies nicht der Fall ist. Zugleich

erklärt sich durch die Verschiebung in der Perspektive, wie für

eine spätere Geschichtserzählung der Ausdruck im Munde Jesu nur die

Bedeutung einer unmotivierten Selbstbezeichnung haben konnte, die in

allen Situationen, wo er von sich selbst sprach, angebracht schien.

Endlich löst sich auch das letzte Rätsel. Warum verschwindet der

Ausdruck in der Sprache des Urchristentums? Warum bezeichnete niemand

den Messias als Menschensohn (ausser Akt 7 _-56-_), da ihn doch Jesus

ausschliesslich für seine Würde gebraucht hatte? Das rührt daher, dass

»Menschensohn« der messianische Ausdruck nur für eine klar bestimmte

Episode des messianischen Dramas war. Menschensohn war der Messias in

dem Augenblick, wo er auf den Wolken des Himmels der Welt zum Gericht

und zur Herrschaft offenbar wurde. An jenen Augenblick dachte Jesus

ausschliesslich, weil er erst von da an für die Menschen Messias war.

Das Urchristentum aber erblickte, weil sich eine Zwischenzeit einschob,

Jesum als Messias droben im Himmel zur Rechten Gottes. Er war schon

der Messias und wurde es für sie nicht erst mit dem Augenblicke der

Erscheinung des Menschensohns. Weil sich also auch hier die Perspektive

verschoben hatte, gebrauchte man den allgemeinen Ausdruck »Messias«,

nicht das auf eine besondere Scene hinweisende »Menschensohn«.

_=Jesus hätte sich ungenau ausgedrückt, wenn er gesagt hätte: ich bin

der Messias; denn er war es erst mit seinem überirdischen Erscheinen

als Menschensohn. Im Urchristentum hätte man sich ungenau ausgedrückt,

wenn man gesagt hätte: Jesus ist der Menschensohn. Denn nach der

Auferstehung war er der Messias zur Rechten Gottes, dessen Erscheinen

als Menschensohn man erwartete.=_

4. Die Totenauferstehung und der futurische Charakter der Messianität

Jesu.

Welche Bedeutung haben die Auferstehungsweissagungen? Es fällt

uns schwer, anzunehmen, dass Jesus so präcis ein solches Ereignis

vorhergesagt habe. Weit eher scheint es uns erklärlich, dass seine

allgemeinen Aussagen von einer Herrlichkeit, die seiner wartete, ex

eventu in Auferstehungsweissagungen redigiert worden seien.

Diese Kritik ist berechtigt, solange man meint, mit der geweissagten

Auferstehung handle es sich um ein _=isoliertes Ereignis=_ in der

Existenz Jesu. Das ist aber nur für unser modernes Bewusstsein der

Fall, weil wir auch in der Auferstehungsfrage uneschatologisch

denken. Für Jesus und die Jünger hatte aber die Auferstehung, von der

er redete, eine ganz andere Bedeutung. Sie war _=ein messianisches

Ereignis=_, welches den Anbruch der ganzen zukünftigen Herrlichkeit

bedeutete. Wir müssen auch hier vom Modernen, Apotheosenhaften in der

geweissagten Auferstehung abstrahieren. Das zeitgenössische Bewusstsein

verstand diese »Rehabilitierung« als Offenbarung seiner Messianität

beim Anbruch des Reichs. Wenn also Jesus von seiner Auferstehung

sprach, dachten die Jünger _=an die grosse messianische Auferstehung,

in der er als Messias auferstehen würde=_.

In dieser Hinsicht ist das Gespräch beim Abstieg vom Berg nach der

Verklärungsscene entscheidend. Er redet dort den Intimen zum erstenmal

von »der Auferstehung des Menschensohnes von den Toten« (Mk 9 _-9-_).

Sie können sich aber »die Auferstehung des Menschensohnes« ohne

Zusammenhang mit der messianischen Auferstehung gar nicht denken. Ihre

Aufmerksamkeit ist ganz von dem messianischen Ereignis, das ihnen Jesus

damit in Aussicht stellt, gefangen genommen. Sie machen sich deshalb

Gedanken über die Totenauferstehung. Wie verhält es sich damit (Mk 9

_-10-_)? Die Bedingungen dafür sind nämlich, soviel sie sehen, noch

nicht gegeben. Der Elias ist ja noch nicht erschienen (Mk 9 _-11-_).

Jesus beruhigt sie mit dem Hinweis, dass er schon da war, wenn ihn die

Menschen auch nicht erkannt haben. Er meint den Täufer (Mk 9 _-12-13-_).

Dieses Gespräch, in dem man sonst überhaupt keine fassliche

Gedankenfolge statuieren kann, wird also in dem Augenblick vollständig

durchsichtig und natürlich, wo man bemerkt, wie die Jünger die von

Jesus in Aussicht gestellte Auferstehung _=nur in demselben Gedanken

mit der grossen, allgemeinen, messianischen Auferstehung denken

können=_! Darum wirft diese Rede beim Abstieg ein helles Licht auf

die spätere Leidens- und Auferstehungsweissagungen, weil wir hier im

stande sind, die Gedanken und Erwägungen, die diese Worte im Herzen

der Jünger wachriefen, zu kontrollieren. Ueberdies fehlt in dieser

»Auferstehungsweissagung« die Erwähnung der drei Tage, die gerade den

Anlass zum Einsetzen der Kritik in den folgenden Leidensweissagungen

bietet. In dieser Hinsicht stimmt das Wort beim Abstieg mit dem letzten

Ausspruch vor dem Hohenpriester überein. Beiden fehlt die zeitliche

Bestimmung, wann die Auferstehung oder das Erscheinen auf den Wolken

des Himmels statthaben wird. In dem messianischen Ereignis fällt beides

zusammen: Auferstehung und Kommen auf den Wolken bedeuten nur die

Offenbarung seiner Messianität am grossen Auferstehungstag.

Diese Erwartung der eschatologischen Totenauferstehung beherrschte

das Bewusstsein Jesu und seiner Zeitgenossen. Er setzt sie in seinen

jerusalemitischen Reden voraus. Die Reichserwartung und der Glaube an

die bevorstehende Totenauferstehung gehören eng zusammen. Es ist, wie

schon früher bemerkt wurde, ein perspektivischer Fehler, den Gedanken

Jesu, wenn er vom kommenden Reich spricht, eine Orientierung nach

vorwärts zu geben, als bezöge es sich auf kommende Generationen. So

denkt der moderne Geist. Bei ihm war es gerade umgekehrt. _=Beim Reich

handelt es sich um die vergangenen Generationen!=_ Sie erstehen zum

Gericht, welches das Reich einleitet.

Die Totenauferstehung ist die Vorbedingung zur Reichserrichtung.

Dadurch werden alle Generationen der Welt aus ihrer zeitlichen Folge

herausgehoben und für das Urteil Gottes als gleichzeitig gesetzt.

So verlangt z. B. gerade das Gleichnis vom Weinberg Gottes (Mk 12

_-1-12-_) die Annahme der Totenauferstehung. Die ganze Geschichte

Israels wird dort in dem Verhalten der Pächter beschrieben. Jesus redet

von den Generationen Israels von den Tagen der Propheten bis zu der

gegenwärtigen, der seine Warnung gilt. Im Gleichnis aber ist es nur

eine Generation, weil das ganze Volk in seinen aufeinanderfolgenden

Geschlechtern als Kollektivgrösse vor Gott tritt, wenn es sich um das

Gericht handelt; es ist dann als Ganzes in der Auferstehung erstanden.

Ebenso erklärt es sich, dass für den Gerichtstag dem Geschlecht derer

von Sodom noch ein erträglicheres Los in Aussicht gestellt wird als dem

gegenwärtigen von Kapernaum (Mt 11 _-23-24-_).

Wer das Kommen des Reichs erwartete, der glaubte auch an die

bevorstehende Totenauferstehung. Darum richtet sich der Angriff der

Sadducäer gerade auf diese Frage. Wenn Jesus ihnen antwortet, »dass,

wenn sie von den Toten auferstehen, sie weder freien noch gefreit

werden, sondern sein werden, wie die Engel im Himmel« (Mk 12 _-25-_),

so ist dies von dem Zustand im Reich Gottes zu verstehen, in das sie

durch die Totenauferstehung eingehen.

In letzter Linie war die »Totenauferstehung« nur die Art, wie sich

die Veränderung der ganzen Existenzform an denjenigen vollzog, die

schon in den Tod gesunken waren. Durch das Kommen des Reiches Gottes

wird aber die irdische Existenzform überhaupt in eine damit nicht

zu vergleichende andere erhoben. In dieser Hinsicht erleben auch

diejenigen, welche vor dem Ereignis nicht in den Tod sinken, eine

»Auferstehung«, denn auch ihre Daseinsweise wird plötzlich durch eine

höhere Macht in eine andere verwandelt, welche sie nun mit denen

teilen, die aus dem Tod erweckt sind. Verglichen mit dieser neuen

Existenzform ist die vorhergehende indifferent. Es ist gleich, ob man

aus dem irdischen Dasein oder aus dem Totenschlaf in die messianische

Seinsweise eingeht! Im Verhältnis zur letzteren ist alles Sein

»_=Tod=_«. Sie allein ist »_=Leben=_«.

Darum redet Jesus zu den Lebenden von dem Weg, der zum »Leben« führet

(Mt 7 _-14-_). Er empfiehlt, eher ein Glied dieses Leibes daran zu

geben, wenn es sich um das »Leben« handelt, als bei der Auferstehung

nicht an der messianischen Existenz teil zu haben (Mt 18 _-8-_ u.

_-9-_). Der reiche Jüngling frägt, was er thun soll, »um das ewige

Leben zu ererben«. Als er der erhaltenen Weisung nicht folgen will, ist

Jesus sehr betrübt, weil es so schwer ist, dass ein Reicher »in das

Gottesreich eingehe« (Mk 10 _-17-_ u. _-25-_).

Diese Entwertung der irdischen Daseinsform geht bis zur Darangabe des

irdischen Lebens überhaupt, um des Lebens im zukünftigen Aeon gewiss

und versichert zu werden. Darum erklärt Jesus, wo er von der Nachfolge

in Leiden und Schmach redet, dass »wer sein Leben retten will, der wird

es verlieren«. Das heisst: Wer sich aus Angst für sein irdisches Dasein

unwürdig macht, dass der Menschensohn vor Gott für ihn eintrete, der

verwirkt dadurch das messianische Leben, das mit der Totenauferstehung

anhebt (Mk 8 _-35-_).

Wenn das Reich anbricht, ist es einerlei, ob man in einem lebendigen

oder in einem toten Leib existiert. Diese Erwägung allein gibt das

richtige Verhalten in der Verfolgung an. Darum sagt Jesus zu den

Jüngern bei der Aussendung: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib

töten, die »Seele« aber nicht vermögen zu töten; fürchtet euch hingegen

vor dem, der vermag sowohl die »Seele« als auch den Leib zu verderben

in der Hölle (Mt 10 _-28-_).

Dieselbe Verbindung der urchristlich eschatologischen Erwartung mit der

Totenauferstehung findet sich in klassischer Weise bei Paulus (1 Kor

15 _-50-54-_). Es handelt sich hier gar nicht um genuin paulinische

Gedanken, sondern um eine urchristliche Anschauung, welche schon Jesus

ausgesprochen hat. Fleisch und Blut, ob belebt oder unbelebt, können in

keiner Weise am Reich teil haben. Darum wenn die Stunde schlägt, wo die

Toten unvergänglich auferstehen, werden auch die Lebendigen in diese

Unvergänglichkeit verwandelt.

Die Totenauferstehung ist die Brücke vom »Jetzt« zum »Dann«. Auf ihr

beruht die Doppelheit des Selbstbewusstseins. Wenn daher Jesus von

seiner Auferstehung sprach, gliederten die Jünger dieses Wort in

einen grossen Zusammenhang ein. Es bedeutete für sie die allgemeine

Auferstehung, wo auch sie in die Existenzform des Reiches Gottes

auferstehen würden. Wohl erwarteten sie seine Auferstehung: aber nicht

als »Osterereignis«, sondern als den Anbruch des messianischen Reiches.

Als Auferstandener sollte er offenbar werden, wenn er auf den Wolken

des Himmels als Menschensohn ankäme und den grossen messianischen Tag

heraufführte.

Für unser Empfinden verhält sich der Tod Jesu zur Auferstehung wie die

Dissonanz zu ihrer Auflösung. Bei der Entwertung jeglicher Seinsform

vor der messianischen Aera lag auf dem Tod, für das Empfinden der

Jünger, _=ein viel schwächerer Accent=_. Es handelt sich für sie um

einen unendlichen ewigen Accord mit einem kurzen, irdischen Vorschlag.

Wo wir ein _=Nebeneinander=_ von Messianitätserklärung,

Leidensvorhersagung und Auferstehungsweissagung sehen, erfassten

sie eine viel straffere Gedankenverbindung. Sie erblickten alles

im messianischen Licht. Darum entnahmen sie seiner Rede nicht drei

verschiedene Thatsachen: 1. dass er Messias sei, 2. dass er leiden und

sterben müsse, 3. dass er auferstehen werde, sondern sie bedeutete für

sie: _=unser Meister wird nach seinem Tod, bei der Auferstehung, als

Menschensohn geoffenbart werden=_. Zugleich machen sie sich Gedanken,

was dann sie wohl sein werden und welche Würde ihnen in der neuen

Existenz zufallen wird.

So erklärt sich, wie ihre messianische Vorstellung durch den Gedanken

»des leidenden und sterbenden Messias« nicht vollständig umgeworfen

wurde. Jesus hat ihnen weder den leidenden, noch den sterbenden, noch

den auferstehenden Messias geoffenbart, sondern er hat ihnen von dem

erscheinenden Menschensohn geredet und ihnen offenbart, dass er es sein

werde, wenn er im Leiden hier sich vollendet haben würde.

Man kann es nie genug betonen, dass damit seine Messianität vollständig

in der Bahn der volkstümlichen Anschauung sich bewegte. Das Drama

in seinem Leben beruht nicht darin, dass seine Messianität der

gewöhnlichen Erwartung entgegenlief und daraus sich nun Konflikte

ergaben, die seinen Tod herbeiführten. Das ist erst die Anschauung

des vierten Evangeliums. _=Der historische Jesus beanspruchte die

Messianität erst vom Augenblick der Totenauferstehung an.=_

Diese Auffassung der altsynoptischen Messianitätseröffnungen Jesu

wird durch die urchristliche Vorstellung absolut gefordert. Das

Urchristentum setzt voraus, dass Jesu Messianitätsbewusstsein, als

er zu den Jüngern redete und noch als er dem Hohenpriester Antwort

gab, futurisch war! Denn auch die Petrusreden in Akt datieren die

Messianität erst von seiner Auferstehung an. Bis dahin war er Jesus

von Nazareth. Nur ist an die Stelle des Kommens auf den Wolken des

Himmels der vorläufige Zustand des Sitzens zur Rechten Gottes getreten.

»Jesum den Nazarener, einen Mann, ausgewiesen von Gott her bei euch

mit gewaltigen Thaten und Wundern und Zeichen (Akt 2 _-22-_), ihn hat

Gott auferweckt (Akt 2 _-32-_) und hat ihn zum Herrn und zum Messias

gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt« (Akt 2 _-36-_).

Dieses Zeugnis der urchristlichen Auffassung der Messianität Jesu

ist allein schon so gewichtig, dass es die ganze synoptische

Ueberlieferung, wenn sie anders redete, zum Schweigen bringen würde.

Wie sollte man es begreifen, dass die Jünger verkündeten, Jesus sei

durch seine Auferstehung in sein messianisches Dasein eingegangen, wenn

er ihnen schon auf Erden von seiner Messianität als gegenwärtiger Würde

geredet hätte! Nun entsprechen sich aber die altsynoptische Tradition

und die Auffassung des Urchristentums vollkommen. Beide erklären

einstimmig: _=Jesu Messianitätsbewusstsein war futurisch!=_

Besässen wir dieses Zeugnis nicht, so wäre uns die Erkenntnis seiner

historischen Persönlichkeit auf immer verschlossen. Denn nach seinem

Tode stellen sich alle Voraussetzungen ein, die dahin wirken, das

Bewusstsein von dem futurischen Charakter seiner Messianität ausser

Kraft zu setzen. Seine Auferstehung als Messias fiel mit dem Beginn

der messianischen Aera in der Totenauferstehung zusammen: so war die

Perspektive für die Jünger vor seinem Tod. Nach dem Tode wurde seine

Auferstehung als Messias ein Faktum für sich. _=Jesus war Messias vor

der messianischen Aera! Das ist die folgenschwere Verschiebung in

der Perspektive. Darin beruht das Tragische, zugleich aber auch das

Grossartige in der Erscheinung des Christentums überhaupt.=_

Das urchristliche Bewusstsein machte die grössten Anstrengungen, die

Kluft zu überwinden und Jesu Auferstehung dennoch als Anbruch der

messianischen Aera in der allgemeinen Totenauferstehung aufzufassen.

Man suchte sich begreiflich zu machen, dass es sich gleichsam um

die etwas in die Länge gezogene Zwischenpause zwischen den beiden

Auftritten des ersten Akts des Dramas handelte. Eigentlich aber stand

man schon in der messianischen Auferstehung. So ist für Paulus Jesus

Christus durch die Totenauferstehung als Messias erwiesen, »der

Erstling der Entschlafenen« (I Kor 15 _-20-_). Auf diesem Gedanken

beruht überhaupt die ganze paulinische Theologie und Ethik. _=Weil man

sich in dieser Zeit befindet, sind die Gläubigen eigentlich mit Christo

begraben und mit ihm auferstanden durch die Taufe.=_ Sie sind die

»neue« Kreatur, sie sind die »Gerechten«, deren »Bürgertum« im Himmel

ist. Erst von diesem Grundgedanken aus erfasst man die Einheit in der

für uns sonst so mannigfach zusammengesetzten Gedankenwelt Pauli.

Die christliche Geschichtsüberlieferung suchte sich anders zu behelfen.

Sie nahm eine _=Art Vorauferstehung=_ an, die mit der Auferstehung

Jesu zusammenfiel. Dieser lieh sie die Farben des messianischen Tages.

Mt 27 _-50-53-_ ist uns eine solche Zurechtlegung in Legendenform

erhalten. Mit Jesu Kreuzestod bricht das neue Weltalter an. Nach seinem

Verscheiden zerreisst der Tempelvorhang und Erdbeben, die Zeichen der

Endzeit, erschüttern die Erde; die Felsen zersplittern; die Gräber

thun sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen werden

auferweckt. _=Nach Jesu Auferstehung=_ gehen sie aus den Gräbern heraus

in die heilige Stadt und erscheinen vielen. So hält diese Erzählung

daran fest, dass im Anschluss an Jesu Tod mit seiner Auferstehung die

allgemeine Totenauferstehung unter den Anzeichen des messianischen

Tages erfolgte -- jedoch nur als eine Art Vorspiel.

Die Zeit war eben mächtiger als die ursprünglichen Anschauungen.

Unerbittlich schob sie sich wie ein auseinandertreibender Keil zwischen

Jesu Auferstehung und die erwartete allgemeine Auferstehung am

messianischen Tag und zerstörte mit dem zeitlichen auch den kausalen

Zusammenhang im ursprünglichen Sinne. Die Messianität Jesu stand

aus der Vergangenheit fest. Für die, welche sich dazu bekannten und

zugleich das Reich als zukünftig erwarteten, schwand das Bewusstsein,

dass in Jesu Verkündigung seine Messianität und das Reich zukünftige,

_=koïncidierende Ereignisse=_ waren. Man fing an, die evangelische

Geschichte unter dem Gesichtspunkt zu betrachten: _=Jesus war der

Messias.=_ Die Ueberschrift zu dieser neuen Geschichtsauffassung hat

Paulus geschrieben. Sie heisst »_=Jesus Christus=_«: die Würde des

Auferstandenen wird mit der historischen Persönlichkeit in einem

Begriff verbunden. Der vierte Evangelist hat die Konsequenz daraus

gezogen und die Geschichte Jesu so dargestellt, als ob er auf Erden als

Messias aufgetreten wäre.

Es ist die Aufgabe der historischen Forschung, sich von der religiösen

unhistorischen Perspektive für einen Augenblick zu emancipieren und die

synoptischen Berichte in die richtige Stellung zu rücken. Dann erst,

wenn man das Futurische in Jesu Messianitätsbewusstsein erfasst hat,

versteht man, warum er seine Würde den Jüngern als ein »Geheimnis«

offenbart hat, warum er sich dabei als Menschensohn bezeichnete und in

welchem Sinne er von seiner Auferstehung sprach.

5. Der Verrat des Judas -- die letzte Bekanntgebung des

Messiasgeheimnisses.

Was hat Judas eigentlich verraten? Nach den Schilderungen unserer

Evangelien sieht es so aus, als hätte er dem Synedrium angegeben, wo

sie zu einer bestimmten Stunde Jesum fassen könnten. Wenn nun auch

diese Angabe des Orts eine Rolle bei dem Verrat des Judas gespielt hat,

so war dies nur _=nebensächlich=_. Wo Jesus sich aufhielt, konnten

sie jederzeit erfahren, da er nichts that, um sein Kommen und Gehen

zu verheimlichen. Wenn sie ihn also greifen wollten, so brauchten

sie ihm bei seinem Weggang am Abend aus Jerusalem nur einen Späher

nachzusenden, um über seinen Aufenthalt orientiert zu sein. Dafür

hätten sie keinen aus dem intimen Kreis gebraucht.

Nun lag aber die Hauptschwierigkeit auf einem ganz andern Gebiet.

Nicht ihn zu _=verhaften=_, sondern ihn zu _=verurteilen=_ wollte

ihnen nicht gelingen, denn sie konnten nichts gegen ihn aufbringen.

Sie befanden sich ihm und seinem Anhang gegenüber in der unbequemen

Lage, in die jedes ehrbare Kirchenregiment notwendig einmal kommt:

die Leute waren ihnen zu fromm, unordentlich fromm, indem sie mit

zu grossem Enthusiasmus glaubten, was die andern mit Mässigung und

Ordnung in ihrem Bekenntnis mitfühlten, dass nämlich das Reich nahe

sei. Aus der Vorläuferwürde, die das Volk Jesu beilegte, konnten sie

keine Verurteilung gewinnen, denn durch seine Zeichen hatte er diese

Würde bewährt. Ueberdies hatte er diese Würde nie öffentlich für

sich in Anspruch genommen. Dennoch war die Art, wie er auftrat, für

sie in höchstem Masse gefährlich. An der Spitze des frommen Volkes

terrorisierte er sie. Darum hätten sie sich seiner gern entledigt und

konnten es nicht.

Man versteht die Haltung und die Schwierigkeiten des Synedriums nur,

wenn man immer bedenkt, dass aus der ganzen Wirksamkeit Jesu niemand

auf den Gedanken gekommen war, er könne sich für den Messias halten. So

wussten sie nichts gegen ihn vorzubringen und waren darauf angewiesen,

ihn in Reden zu fangen, um ihn beim Volke zu diskreditieren, was ihnen

nicht gelang.

Da erscheint Judas bei ihnen und gibt ihnen die tödliche Waffe in

die Hand. Als sie hörten, was er ihnen kund that, »_=freuten sie

sich=_«, denn jetzt war er in ihre Hand gegeben. Nun sucht Judas einen

geeigneten Augenblick, um ihnen den Verratenen in die Hände zu liefern

(Mk 14 _-11-_).

Was er ihnen verraten hatte, ersieht man aus der Gerichtsverhandlung.

Die Zeugen der Pharisäer können nichts vorbringen, woraufhin man ihn

verurteilen kann. Als aber die Zeugen abgetreten sind, stellt der

Hohepriester an Jesus direkt die Frage, ob er der Messias sei. Für

solche Ansprüche Jesu konnten sie die erforderlichen Zeugen nicht

aufbringen -- denn es gab keine. _=Der Hohepriester befindet sich hier

im Besitz des Geheimnisses Jesu. Das war der Verrat des Judas!=_ Durch

ihn wusste das Synedrium, dass er etwas anderes zu sein beanspruchte,

als wofür ihn das Volk hielt, ohne dass er dagegen Einspruch erhob.

Aus dem verratenen Geheimnis von Cäsarea Philippi gewannen sie die

entscheidende Anklage. Der Prophet der Endzeit, Elias, zu sein, das

war keine Gotteslästerung. Aber zu behaupten, Messias zu sein, das war

Frevel! Die Perfidie in der Anklage lag darin, dass der Hohepriester

Jesus ohne weiteres unterschob, er hielte sich so, wie er vor ihm

stand, für den Messias. Das wies Jesus aber zurück mit dem stolzen Wort

von seinem Erscheinen als Menschensohn. Nichtsdestoweniger wurde er

wegen Gotteslästerung verurteilt.

Wir haben also drei Offenbarungen des Messianitätsgeheimnisses, die

unter sich eng zusammenhängen, so, dass jede folgende die vorhergehende

voraussetzt. Auf dem Berg bei Bethsaida wird den drei Intimen das

Geheimnis offenbart, welches Jesus in der Taufe aufgegangen war. Das

war nach der Erntezeit. Einige Wochen später wird es den Zwölfen

bekannt, indem Petrus zu Cäsarea Philippi die Frage Jesu aus dem, was

er vom Verklärungsberg her weiss, beantwortet. Von den Zwölfen verrät

einer das Geheimnis an den Hohenpriester. Diese letzte Offenbarung

des Geheimnisses war verhängnisvoll, denn sie führte den Tod Jesu

herbei. _=Er wurde als Messias verurteilt, obwohl er nie als solcher

aufgetreten war.=_

Neuntes Kapitel.

Das Geheimnis des Leidensgedankens.

Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums Zweites Heft. Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu · 第 58 / 67 题