Wir haben oben gesehen, dass niemand in dem Täufer den Elias erkennen
konnte, weil seine zeichenlose Thätigkeit und Reichspredigt der
schriftgemässen Vorstellung der Vorläuferepoche nicht entsprachen.
Nur einer machte eine Ausnahme, indem er ihm diese Würde zuerkannte:
_=Jesus!=_ Er war der erste, welcher dem Volk eine geheimnisvolle
Andeutung machte, jener sei der Vorläufer: »Wenn ihr es fassen mögt, so
ist er selbst Elias, der Kommen-Sollende« (Mt 11 _-14-_). Er ist sich
aber bewusst, damit ein unbegreifliches Geheimnis auszusprechen, das
ihnen ebenso dunkel bleibt, wie das damit zusammenhängende Wort von den
Gewaltthätigen, die seit den Tagen des Täufers das Reich herbeinötigen
(Mt 11 _-12-_). Darum beschliesst er diese beiden Sprüche mit dem
Orakelwort: Wer Ohren hat zu hören, der höre (Mt 11 _-15-_).
Das Volk aber war weit entfernt zu begreifen, dass der in der Gewalt
des Herodes befindliche Täufer die Persönlichkeit sein könne, die auf
der Schwelle der vormessianischen zur messianischen Periode stand.
So verhallte das geheimnisvolle Wort Jesu und das Volk blieb dabei,
Johannes sei wirklich ein Prophet gewesen (Mk 11 _-32-_).
Auch die Oberen konnten zu keinem Schluss über die Persönlichkeit
des Täufers kommen. Darum unterlagen sie Jesu, als sie ihn über die
Tempelreinigung zur Rede stellen wollten (Mk 11 _-33-_).
Mit den Jüngern verhielt es sich nicht anders; sie waren von sich
aus unfähig, in Johannes den Elias zu erkennen. Beim Abstieg vom
Verklärungsberg kommen ihnen Bedenken über die Möglichkeit der
Messianität Jesu und über die Möglichkeit der Totenauferstehung, die
er in seiner Rede berührt hatte. Dadurch wurde ja die Gegenwärtigkeit
der messianischen Aera vorausgesetzt, und diese konnte noch nicht
angebrochen sein, denn »Elias muss zuvor kommen, wie die Pharisäer
und Schriftgelehrten darthun« (Mk 9 _-9-11-_). Darauf antwortet ihnen
Jesus, dass Johannes dieser Elias war, wenn er auch in der Menschen
Gewalt geliefert wurde (Mk 9 _-12-_ u. _-13-_).
Wie war Jesus zur Ueberzeugung gekommen, dass der Täufer der Elias war?
Durch einen notwendigen Rückschluss von seiner eigenen Messianität
aus. Weil er sich als Messias wusste, musste jener der Elias sein.
Zwischen beiden bestand eine notwendige Wechselbeziehung. Niemand
konnte wissen, dass der Täufer der Elias war, ohne diese Erkenntnis
von der Messianität Jesu herzuleiten. Niemand konnte auf den Gedanken
kommen, Johannes sei der Elias, ohne zugleich in Jesu den Messias sehen
zu müssen. Denn nach dem Vorläufer blieb für eine zweite derartige
Erscheinung kein Raum. Nun wusste niemand, dass Jesus sich für den
Messias hielt. Also sah man in dem Täufer einen Propheten und fragte
sich, ob Jesus nicht der Elias wäre. Die geheimnisvollen Schlusssätze
der Würdigungsrede über den Täufer hatte niemand in ihrer vollen
Tragweite verstanden. _=Für Jesus allein war Johannes der verheissene
Elias.=_