4. Die Dämonenbekämpfung und das Geheimnis des Reiches Gottes.

Für Jesus bedeuteten die Zeichen die Reichsnähe noch in einem höheren

als dem rein zeitlichen Sinn. Durch die Dämonenbekämpfung ist er

sich bewusst, _=auf das Kommen desselben einzuwirken=_. Hier spielt

das Geheimnis des Reiches Gottes mit herein. Dieser Gedanke ist in

dem Gleichnis enthalten, mit welchem er die Verdächtigungen der

jerusalemitischen Schriftgelehrten zurückweist (Mk 3 _-23-30-_).

Es erschöpft sich nämlich nicht in dem Gedanken, dass die bösen

Geister ihre Herrschaft nicht untergraben, indem der eine sich gegen

den andern erhebt; in dem Schlusswort begegnet uns nämlich unvermutet

das »jetzt und dann« aus dem Geheimnis des Reiches Gottes: »Keiner

kann in das Haus des Starken einbrechen und ihm seinen Besitz rauben,

wenn er nicht _=zuvor=_ den Starken bindet, und _=alsdann=_ mag er

sein Haus ausplündern.« Die Dämonenaustreibung bedeutet also für Jesus

das Binden und das Unschädlichmachen der widergöttlichen Macht. Diese

Thätigkeit steht deshalb, wie die sittliche Erneuerung im Geheimnis des

Reiches Gottes, mit dem Anbrechen des Reiches in kausalem Zusammenhang.

Durch die Dämonenüberwindung ist Jesus der Gewaltthätige, der das

Reich herbeinötigt; denn, wenn die widergöttliche Macht gebunden ist,

dann tritt der Augenblick ein, wo die Herrschaft von ihr genommen

wird. Damit dies geschehen kann, muss sie erst unschädlich gemacht

werden. Darum gibt Jesus den Jüngern bei der Aussendung nicht nur den

Befehl, die Nähe des Reiches zu verkündigen, sondern auch die Vollmacht

über die Dämonen (Mt 10 _-1-_). In jenem Augenblick der höchsten

eschatologischen Erwartung sendet er sie als die Gewaltthätigen aus,

welche die letzten Streiche führen sollen. Die Busse, welche durch ihre

Predigt gewirkt wird, und die Ueberwindung der widergöttlichen Macht in

den Dämonischen nötigen zusammen das Reich herbei.

So drücken die Gleichnisse vom Geheimnis des Reiches Gottes (Mk 4),

das Gleichnis in Jesu Apologie an die Pharisäer (Mk 3 _-23-30-_) und

das Gleichnis in der Würdigungsrede über den Täufer (Mt 11 _-12-15-_)

denselben Gedanken aus. Die beiden letzteren begegnen sich sogar im

drastischen Bild der Vergewaltigung, weshalb ihnen auch der Begriff des

»Raubes« gemeinsam ist (Mk 3 _-27-_ = Mt 11 _-12-_).

Für das Bewusstsein Jesu waren also die Dämonenheilungen in das

Geheimnis vom Reich Gottes hineingestellt. Dem Volk aber genügte es,

den rein zeitlichen Zusammenhang zu erfassen.

Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums Zweites Heft. Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu · 第 49 / 67 题