7. Zusammenfassung.

1. Die Annahme einer glücklichen galiläischen Periode, auf welche

dann die Zeit des Niedergangs folgt, ist historisch nicht haltbar.

2. Paulinischer Einfluss kann die Fassung der altsynoptischen

Leidensaussprüche nicht bedingt haben.

3. Nicht der ethische, sondern der überethische, eschatologische

Reichsgedanke beherrscht die Leidensvorstellung Jesu.

4. Die Aussprache des Leidensgedankens geschah nicht in der Form

einer ethischen Betrachtung, sondern es handelt sich um ein

unbegreifliches Geheimnis, das die Jünger gar nicht zu verstehen

brauchten und auch nicht verstanden haben.

So steht es um die vier Grundpfeiler des modern-historischen

Lösungsversuchs. Mit ihnen stürzt der ganze Bau zusammen. Es ist doch

nur ein unlebendiger Gedanke! Das Modern-Kraftlose zeigt sich darin,

dass man es dabei über eine Art repräsentativer Bedeutung des Todes Jesu

nicht hinausbringt. Jesus beschafft durch seine Dahingabe nichts

schlechthin Neues, weil er ja das Reich Gottes als Sündenvergebung oder

als die sich sittlich vollendende Gemeinschaft während seiner ganzen

öffentlichen Wirksamkeit als schon vorhanden voraussetzt. Es ist mit

seinem Auftreten selbst gegeben. Eine geleistete Sühne verlangt aber

eine _=effektive=_ Bedeutung des Todes.

Darin besteht auch die Schwäche der modernen Dogmatik gegenüber der

alten. Paulus, Anselm und Luther wissen um einen absolut neuen Zustand,

der zeitlich und kausal aus Jesu Tod resultiert. Die moderne Dogmatik

redet darum herum; aber sie weiss nichts anzugeben, sondern hüllt sich

in die Wolke ihrer eigenen Voraussetzungen. Unhistorisch sind sie zwar

beide. Religiös berechtigt ist allein die moderne. Die alte Dogmatik ist

aber hier historischer, denn sie postuliert doch eine effektive Wirkung

des Todes Jesu, wie es die synoptischen Stellen verlangen.

Worin besteht aber dort die schlechthin neue Grösse, welche an den Tod

gebunden ist? Die synoptischen Sprüche geben darauf nur _=eine=_ Antwort:

_=die eschatologische Realisierung des Reiches=_! Von der Sühne, die Jesus

leistet, hängt das Kommen des Reiches Gottes in Macht ab. Das ist der

Grundzug des Leidensgeheimnisses.

Wie ist dies zu verstehen? Nur die Geschichte Jesu kann darüber

Aufschluss geben. _=An die Stelle des modern-historischen tritt nun der

eschatologisch-historische Lösungsversuch.=_

Zweites Kapitel.

Die Entwicklung Jesu.

Das Abendmahl im Zusammenhang mit dem Leben Jesu und der Geschichte des Urchristentums Zweites Heft. Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis. Eine Skizze des Lebens Jesu · 第 36 / 67 题