Das Tollste ist es, das Hauptwort aus einer solchen Redensart

herauszunehmen und in einem besondern Satze zu verwenden. Aber auch das

geschieht. Da schreibt z. B. einer: rührend war der +Abschied+, der

+genommen wurde+, ein andrer: wichtig war für meine spätern Neigungen

+die Bekanntschaft+ mit den Zeitungen, die +ich+ schon in meinen

Kinderjahren +machte+. Das soll heißen: rührend war es, als +Abschied

genommen wurde+, wichtig war, +daß ich+ schon in meinen Kinderjahren

mit den Zeitungen +Bekanntschaft machte+. Solche Sätze liegen schon

dicht an dem Wege, der zu den bekannten Späßen Wippchens führt, wie:

gebt mir +einen Haufen+, damit ich den Feind +darüberwerfen+ kann.

Vertauschung des Hauptworts und des Fürworts -- ein schwieriger Fall

Einen eigentümlichen Fehler, dem man sehr oft begegnet, zeigen in zwei

verschiednen Spielarten folgende Beispiele (das Richtige soll wieder

gleich in Klammern danebengesetzt werden): die Lage +Deutschlands+

inmitten seiner wahrscheinlichen Gegner mache es +ihm+ zur Pflicht

(+seine+ Lage macht es +Deutschland+ zur Pflicht) -- das Zartgefühl

+des Fürsten+ erlaubte +ihm+ nicht die Annahme des Opfers (+sein+

Zartgefühl erlaubte +dem Fürsten+ nicht) -- leider hat die enge

Begabung +des Dichters ihm+ nicht ermöglicht (leider hat +seine+ enge

Begabung +dem Dichter+) -- der Haß +des Berichterstatters+ gegen

Textor hat +ihn+ zu Übertreibungen geführt (+sein+ Haß hat +den

Berichterstatter+) -- die Krankheit des +Papstes+ hat +ihn+ zu einer

andern Lebensweise veranlaßt (+seine+ Krankheit hat +den Papst+) --

man hatte gleich nach dem ersten Auftreten +Raimunds ihn+ verdächtigt

(man hatte gleich nach +seinem+ ersten Auftreten +Raimund+ verdächtigt)

-- es stellt sich dabei heraus, daß die eignen Kenntnisse +des

Kritikers ihn+ zu diesen Angriffen nicht berechtigen (daß seine eignen

Kenntnisse +den Kritiker+) -- die Romanschreiber, die im Vertrauen

auf die Dummheit +der Gesellschaft dieser+ den Spiegel vorhalten

(die +der Gesellschaft+ im Vertrauen auf +deren+ Dummheit) -- nach

ältern Beschreibungen +des Kodex+ war +er+ früher in roten Sammet

gebunden (nach ältern Beschreibungen war +der Kodex+) -- die Begleiter

+des Kranken+ vermochten +ihn+ nicht zu überwältigen (die Begleiter

vermochten +den Kranken+) -- zur Zeit der Ausweisung +des Ordens

aus+ dem Deutschen +Reiche+ zählte er innerhalb +desselben+ sechzehn

Niederlassungen (zweimal der Fehler in +einem+ Satze! es muß heißen:

zur Zeit +seiner+ Ausweisung zählte der +Orden+ innerhalb des Deutschen

+Reichs+ usw.) -- angesichts der Macht +dieser Gesetze dieselben+ (!)

auf ihre Annehmbarkeit zu prüfen ist dem Gesetzgeber nicht eingefallen

(angesichts +ihrer+ Macht +diese Gesetze+ zu prüfen) -- wie war es

möglich, daß der Besitzer +dieses Schatzes denselben+ so geheim hielt

(der Besitzer +diesen Schatz+) -- man wollte trotz der von den Gehilfen

beschlossenen Kündigung +des Tarifs+ an +letzterm+ (!) festhalten

(trotz der beschlossenen Kündigung an +dem Tarif+ festhalten) -- wir

betrauern den Heimgang des liebenswürdigen Kollegen, der seit Gründung

+der Ärztekammer derselben+ angehört (der +der Ärztekammer+ seit

+ihrer Gründung+ angehört) -- wegen Reinigung +der großen Ratsstube+

bleibt +dieselbe+ (!) nächsten Montag geschlossen (wegen Reinigung

bleibt die +große Ratsstube+) -- wegen Neubaues der Schleuse +in der

Zentralstraße+ bleibt +letztere+ (!) für den Fahrverkehr gesperrt

(wegen Neubaus der Schleuse bleibt +die Zentralstraße+) -- sie heiratet

darauf den Grafen Tr., +dessen+ Frau +ihm+ kurz vorher durchgegangen

ist (+dem seine Frau+) -- der Bedauernswerte, +dessen+ Eltern +ihm+

gestern einen Besuch zugedacht hatten (+dem seine+ Eltern) -- der

Vorwurf trifft nur den, +dessen+ Männerstolz +ihm+ nicht gestattet

(+dem sein+ Männerstolz) -- der Verfasser, +dessen+ Bescheidenheit

+ihn+ bis in sein Greisenalter zögern ließ, seine Arbeit zu

veröffentlichen (+den seine+ Bescheidenheit) -- Scharnhorst ist einer

jener schicksalvollen Männer, +deren+ Genius +sie+ zu Dolmetschern

eines ganzen Volkes gemacht hat (+die ihr+ Genius) -- es wird das auch

von solchen bestätigt, +deren+ Auftrag +sie+ zu möglichst gründlicher

Prüfung verpflichtet (+die ihr+ Auftrag) -- Menschen, +deren+

Halbbildung +sie+ unempfänglich macht (+die ihre+ Halbbildung) -- die

Italiener, +deren+ Freude an der farbigen Oberfläche der Dinge +sie+

abhält, in den Chor der Naturalisten einzustimmen (+die ihre+ Freude).

In allen diesen Sätzen ist ein Begriff doppelt da: das einemal in Form

eines Hauptworts (in den zuletzt angeführten Relativsätzen in Form

eines relativen Fürworts), das andremal in Form eines persönlichen

Fürworts (wozu hier auch +derselbe+ und +letzterer+ gerechnet werden

müssen). Der Fehler liegt nun darin, daß beide am falschen Platze

stehen: sie müssen ihre Plätze wechseln, wenn der Satz richtig werden

soll. Warum? Weil das Hauptwort in allen diesen Sätzen nur in einem

Attribut (meist in einem abhängigen Genitiv) und damit gleichsam im

Hintergrunde, im Schatten, das persönliche Fürwort dagegen als Subjekt

oder Objekt im Vordergrunde, im vollen Lichte des Satzes steht. Gerade

umgekehrt muß es sein: das Hauptwort gehört in den Vordergrund, der

bloße Ersatz dafür, das Fürwort, in den Hintergrund. Nicht selten

kann nach dem Platzwechsel das Fürwort ganz wegfallen. Wer lebendiges

Sprachgefühl hat, bildet solche Sätze von selber richtig, ohne zu

wissen, warum. Andern wird die Sache vielleicht auch durch diese

Erklärung nicht deutlich geworden sein. Es ist wirklich ein etwas

schwieriger Fall.

Die fehlerhafte Zusammenziehung

Ein Fehler, der die mannigfachsten Spielarten zeigt, obwohl er im

Grunde immer derselbe ist, entsteht durch jene äußerliche Auffassung

der Sprache, die nicht nach Sinn und Bedeutung, sondern nur nach dem

Lautbilde der Wörter fragt. Kehrt dasselbe Lautbild wieder, so glaubt

es der Papiermensch das zweitemal ohne weiteres unterdrücken zu dürfen,

obwohl es dieses zweitemal vielleicht einen ganz andern Sinn hat als

das erstemal. Eine Abart dieses Fehlers ist schon früher besprochen

worden: die Vernachlässigung des Kasuswechsels beim Relativpronomen

(S. 130). Hierher gehört es aber auch, wenn man einen Fügewortsatz

oder Fragesatz zugleich als Objekt und als Subjekt verwendet, z. B.:

daß der Verfasser ein Jurist ist, +kann man+ mit Händen greifen, +hält

ihn+ jedoch nicht ab -- ob das Wort schon früher in Gebrauch war,

+können wir+ nicht feststellen, +ist+ auch ohne Belang. Oder wenn man

ein Zeitwort gleichzeitig als selbständiges Zeitwort (oder Kopula) und

als Hilfszeitwort verwendet und schreibt: er +hatte sich+ aus kleinen

Verhältnissen +emporgearbeitet+ und wirklich +das Zeug+ zu einem

tüchtigen Künstler -- er +war+ vor kurzem erst ins Dorf +gezogen+ und

ein +kleiner+, kugelrunder +Mann+ -- er +wurde+ später sächsischer

+Minister+ und in den Freiherrnstand +erhoben+ -- jeden Morgen, wenn

der Kaiser +rasiert+ und der +Kopf+ Habys am Fenster +sichtbar wird+ --

oder gar: wenn ein Grenzstein +verrückt+ oder +unkenntlich geworden+

ist (anstatt: +verrückt worden+ oder +unkenntlich geworden+) -- glauben

Sie nicht, daß eine Errungenschaft darin liegen würde, wenn Frauen

medizinisch +gebildet+ und +praktizieren würden+? (anstatt: +gebildet

würden+ und +praktizierten+)[131]. Ferner wenn man ein persönliches

Fürwort zugleich als Dativ und als Akkusativ verwendet, z. B.: +sich+

stets betastend und die Hände reichend -- die Gelegenheit, +sich+

kennen zu lernen, bzw. (!) näher zu treten -- kurz alle Fälle, wo ein

Wort gleichzeitig in zwei verschiednen Auffassungen gebraucht wird,

also auch z. B.: in Halle +ist+ er +gestorben+ und +begraben+ (wo

das Perfektum das einemal einen Vorgang, das andremal einen Zustand

bezeichnet) -- die Pferde stürzten so unglücklich, daß +die Deichsel

brach+, das eine Pferd aber +den Oberschenkel+ -- er war darauf

angewiesen, sein +Leben+, an das er große +Ansprüche machte+, durch

erbitterten Kampf gegen die Konkurrenz zu +gewinnen+ (wo +Leben+ das

einemal als +Lebensweise+, das andremal als +Lebensunterhalt+ gemeint

ist).

Eine der häufigsten, aber auch widerwärtigsten Spielarten dieses

groben logischen Fehlers ist es, ein Femininum und einen Plural unter

demselben Artikel, Fürwort oder Adjektivum zusammenzukoppeln (vgl.

englisch: ~the life and times~) und zu schreiben: +die Höhe und Formen+

des Gitters -- +die Umrahmung und Seitenflügel+ des Altarbildes -- +die

Metalle und Spektralanalyse+ -- +die Verbreitung und Ursachen+ der

Lungenschwindsucht -- +die Stellung und Ansprüche+ des Zentrums -- die

Sicherung +der Post und Transporte+ -- die Analyse +der Gestalten und

Kunst+ Shakespeares -- Handbuch +der Staatswissenschaften und Politik+

-- das Gebiet +der Mathematik und Naturwissenschaften+ -- die Angaben

+der Bevölkerungsdichtigkeit und Temperaturverhältnisse+ -- +seine

Reue und Gewissensbisse+ -- im Kreise +seiner Frau und drei Kinder+ --

durch +ihre Taten und Hingebung+ -- eine Darstellung ihrer +Schicksale

und Bauart+ -- die Bühne, die +keine Dekoration und Kulissen+ kannte

-- die Gegner +der deutschen Landwirtschaft und Getreidezölle+ -- zur

Erforschung +vaterländischer Sprache und Altertümer+ -- trotz +der

papistischen Gesinnung und Bestrebungen+ des Herzogs usw.[132]

Aber auch da, wo Geschlecht und Numerus zweier Begriffe dieselben

sind, ist es eine grobe Nachlässigkeit, sie unter einem Artikel

unterzubringen und zu schreiben: die Zustimmung +des Bundesrats und

Reichskanzlers+ -- der Direktor +der Bürger- oder Bezirksschule+

-- eine Sitzung +des Bau-, Ökonomie- und Finanzausschusses+ -- ein

Ausflug +nach dem Süßen und Salzigen See+ -- +der Rote und Schwarze

Kocher+ -- +das alte und neue Buchhändlerhaus+ -- +die katholische

und evangelische Kirche+ -- +der Renaissance- und Barockstil+ -- +das

sächsische und schlesische Gebirge+ -- +die religiöse und weltliche

Poesie+ der Juden -- +die weiße und rote Rose+ -- +das Sol- und

Seebad+ -- der Wert +der klassischen und modernen Sprachen+ -- die

Knochen waren nicht die Überreste +eines Frauen- und Kinderskeletts+,

sondern +eines Ferkel- und Kaninchengerippes+! Auch in diesen Fällen

muß der Artikel unbedingt wiederholt werden; wird er nur +ein+mal

gesetzt, so erweckt das die Vorstellung, als ob sichs nur um +einen+

Begriff handelte. Niemand kann erraten, daß der +Bau-, Ökonomie- und

Finanzausschuß+ drei verschiedne Ausschüsse sind. +Der König von

Preußen und Kaiser von Deutschland+ -- das ist richtig, denn beides ist

dieselbe Person; +das belgische und deutsche Herrscherpaar+ -- das ist

falsch, denn das sind zwei verschiedene Paare.

Die Nachlässigkeit wird um so störender, wenn durch das im Plural

stehende Prädikat oder auf irgendeine andre Weise noch besonders

deutlich fühlbar gemacht wird, daß es sich um mehrere Begriffe handelt,

z. B.: der deutsche Handel war bedeutender als +der englische und

amerikanische zusammen+ -- +der Nominativ und Vokativ sind+ eigentlich

keine Kasus -- +die erste und letzte Strophe zerfallen+ in zwei Hälften

-- +der lyrische und epische Dichter bedürfen+ dieses Mittels nicht

-- 1830 +starben der Bruder und Vater+ -- westlich davon +stehen

die Thomas- und Matthäikirche+ -- an der Nordseite +befinden sich

der Dresdner, Magdeburger und Thüringer Bahnhof+ -- die Anlage,

die +die Mit- und Nachwelt+ an Bismarck zu bewundern alle Ursache

+haben+ -- +zwischen (!) dem+ 13. +und+ 15. Grade südlicher Breite

-- der Unterschied +zwischen (!) den staatlichen und kirchlichen+

Einrichtungen -- wo ist die Grenze +zwischen (!) der Wahrheit+, die

man mitteilen, und [+der+!], die man nicht mitteilen darf -- die

deutsche Umgangssprache schwankt +zwischen dem Extrem barscher Kürze

und bedientenhafter Redseligkeit+ -- das Zentrum möchte einen Keil

treiben +zwischen den rechten und linken Flügel+ des Blocks. Wie kann

etwas „zwischen“ einem Grade liegen, „zwischen“ einem Extrem schwanken,

„zwischen“ einen Flügel getrieben werden?

Bei mehr als zwei Gliedern kann die sorgfältige Wiederholung des

Artikels freilich etwas schleppendes bekommen, und wo mehr aufgereiht

als gegenübergestellt wird, da schreibe man getrost: mit +den Geruchs-,

Geschmacks- und Gefühlsnerven+, die Gewohnheiten +des Fastens,

Beichtens und Betens+, ein Schatz +des Wahren, Guten und Schönen+.

Wo aber unterschieden und gegenübergestellt wird, da muß auch der

Artikel wiederholt werden. Darum steht auch auf dem Titelblatte dieses

Buches: Grammatik +des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen+,

denn jeder dieser drei Begriffe bezeichnet eine andre Art von Fällen.

Manche glauben genug zu tun, wenn sie den Artikel bei einem Wechsel

des Geschlechts wiederholen, und schreiben: die Gelübde +der Armut,

Keuschheit+ und +des Gehorsams+. Ganz irrig! Die Gleichmäßigkeit

verlangt den Artikel bei jedem Gliede der Reihe.

Kein grammatischer, aber ein grober Denkfehler liegt vor in

Verbindungen wie: Lager von +Schneider- und Schuhartikeln+ -- Fabrik

von +Bambus-, Luxus- und Rohrmöbeln+. Der Schneider kann nicht den

Schuhen, Bambus oder Rohr nicht dem Luxus gegenübergestellt werden,

denn Bambus und Rohr geben den Stoff an, Luxus den Zweck (oder die

Zwecklosigkeit). Man könnte ebensogut +Kaffee-, Porzellan- und

Teetassen+ verbinden.

Tautologie und Pleonasmus

Während die fehlerhafte Zusammenziehung aus einem irregeleiteten

Streben nach Kürze entsteht, beruht ein andrer Fehler auf dem Streben

nach Breite und Wortreichtum: der Fehler, einen Begriff doppelt oder

gar dreifach auszudrücken. Man bezeichnet ihn mit Ausdrücken der

griechischen Grammatik als Tautologie (Dasselbesagung) oder Pleonasmus

(Überfluß).

In den seltensten Fällen will man durch die Verdopplung etwa

den Ausdruck verstärken,[133] gewöhnlich fällt man aus bloßer

Gedankenlosigkeit hinein. Zu den üblichsten Tautologien gehören:

+bereits schon+, ich +pflege gewöhnlich+, +einander gegenseitig+

oder gar +sich einander gegenseitig+.[134] Aber es gibt ihrer von

den verschiedensten Arten. Auch in Verbindungen wie: +schon gleich+

(die Bedenken fangen schon gleich beim Lesen der ersten Seite an),

+auch selbst+, +nach abwärts+, +nach dieser Richtung+ (statt: +nach+

dieser +Seite+ oder +in+ dieser +Richtung+), +nach+ verschiednen

+Richtungen+ (!), +unsre Gegenwart+ (statt: unsre +Zeit+ oder +die+

Gegenwart), +unsre deutsche+ Jugend, +unser deutsches+ Vaterland,

+mein mir übertragnes+ Amt, +rückvergüten+, +gemeinschaftliches

Zusammenwirken+, etwas +näher bei Lichte+ besehen, nicht +ganz+ ohne

+jede+ gute Regung, Personen beider+lei Geschlechts+ (statt +beider

Geschlechter+), Hilfeleistungen +weiblicher Schwestern+, es +kann

möglich sein+, +ich darf mit Recht+ beanspruchen, das Lob, das ihm +mit

Recht gebührt+, man +muß+ von einem Geschichtschreiber +verlangen+,

die +Forderung+ ist +unerläßlich+, er hat +Anspruch+ auf +gebührende+

Beachtung, ehe das Einschreiten zur +zwingenden Notwendigkeit+ wird,

die Innung +geht+ mehr und mehr dem +Rückgange entgegen+, die Übung der

Denkkraft, die +angeblich+ durch die Mathematik erzielt werden +soll+

-- überall ist hier ein Begriff ganz unnötigerweise doppelt da. Es

genügt, zu sagen entweder: +mein+ Amt oder: das +mir übertragne+ Amt,

entweder: man kann von einem Geschichtschreiber +verlangen+, oder:

ein Geschichtschreiber +muß+, entweder: die Übung, die +angeblich+

erzielt +wird+, oder: die erzielt werden +soll+. In Leipzig werden

immer noch Dinge +meistbietend versteigert+ -- das soll heißen: an den,

der das Meiste bietet, was doch schon in dem Begriffe des Versteigerns

liegt --, und dann natürlich gegen +sofortige Barzahlung+! Auch

Zusammensetzungen wie +Rückerinnerung+, +vollfüllen+ und +loslösen+

sind nichts als Pleonasmen; ebenso die beliebten Partizipzusätze,

die zum Teil aus schlechtem lateinischem Unterricht stammen: auf

+erhaltnen+ mündlichen Befehl -- nach +gehaltner+ Frühpredigt -- die

+erfahrne+ unwürdige Behandlung -- ohne +vorhergehende+ Beschaffung

geeigneter Verkehrsmittel -- nach einer +vorhergehenden+ Fermate --

bis zur +getroffnen+ Entscheidung -- die +angestellte+ Untersuchung

ergab -- meine Erörterung gründet sich auf +schon gemachte+ Erfahrungen

-- die Aussteller sind in der Reihe ihrer +erfolgten+ Anmeldung

aufgeführt. Man streiche die Partizipia, und der Sinn bleibt derselbe,

der Ausdruck aber wird knapper und sauberer (vgl. auch, was S. 167 über

+stattgefunden+ und +stattgehabt+ gesagt ist).

Der häufigste Pleonasmus aber und der, der nachgerade zu einer

dauernden Geschwulst am Leibe unsrer Sprache zu werden droht und

trotzdem allgemein als Schönheit, ja als eine Art von Bedürfnis

empfunden zu werden scheint, ist der, nach den Begriffen der

Möglichkeit und der Erlaubnis, der Notwendigkeit und der Absicht

beim Infinitiv diese Begriffe durch die Hilfszeitwörter +können+,

+dürfen+, +wollen+, +sollen+, +müssen+ zu wiederholen, also zu

schreiben: niemand schien +geeigneter+ als Ranke, dieses Werk zur

Vollendung bringen zu +können+ -- die +Leichtigkeit+, die gepriesensten

Punkte Süditaliens erreichen zu +können+ -- die +Möglichkeit+, die

Sozialdemokratie mit gleichen Waffen bekämpfen zu +können+ -- auf

diese Weise ist es +möglich+, während des Umbaus den Verkehr aufrecht

erhalten zu +können+ -- die +Fähigkeit+, über sich selbst lachen zu

+können+ -- die +Mittel+, an Ort und Stelle mit Nachdruck auftreten

zu +können+ -- es ist +Gelegenheit+ gegeben, auch am Polytechnikum

Vorlesungen hören zu +können+ -- er hatte +genügendes+ Kapital, etwas

ausführen zu +können+ -- die Finanzwirtschaft ist gar nicht +imstande+,

das Kreditwesen des Staates entbehren zu +können+ -- ich +getraute+

mir nicht, das Gespräch mit ihm aufrecht erhalten zu +können+ --

wenn es mir +gelingen+ sollte, hierdurch meine Verehrung an den Tag

legen zu +können+ -- es ist zu beklagen, daß so aufrichtige Naturen

sich nicht anders zur Kirche stellen zu +können vermögen+ (!) --

der Thronfolger kann von Glück sagen, wenn es ihm +erspart+ bleibt,

seine Herrscherautorität +nicht+ erst durch die Schärfe des Schwerts

erkämpfen zu +brauchen+[135] -- es sei mir +gestattet+, einen Irrtum

berichtigen zu +dürfen+ -- der Biograph hat das schöne +Recht+,

Enthusiast sein zu +dürfen+ -- eine Stellung, die ihm +erlaubte+,

ohne Frage nach dem augenblicklichen Erfolg produzieren zu +dürfen+

-- einer Deputation war es +vergönnt+, Glückwünsche darbringen zu

+dürfen+ -- die +Freiheit+, seiner innern Eingebung folgen zu +dürfen+

-- der +Anspruch+, Universalgeschichte sein zu +wollen+ -- er sprach

seine +Bereitwilligkeit+ aus, auf diesem Wege vorgehen zu +wollen+ --

die +Absicht+, blenden oder über ihre Verhältnisse leben zu +wollen+

-- er hat +versprochen+, in den ruhmreichen Bahnen seines Großvaters

fortwandeln zu +wollen+ -- die +Aufgabe+, die Akademie reformieren zu

+sollen+ -- es gehört zu den schönsten +Aufgaben+, das Leben eines

Zeitgenossen beschreiben zu +wollen+ (!) -- die +Zumutung+, Gott ohne

Bilder anbeten zu +sollen+ -- ein Volk, das sich dazu +erwählt+ glaubt,

große Dinge erfüllen zu +müssen+ -- die Verhältnisse +zwangen+ den

König, auf die Führung seines Heeres verzichten zu +müssen+.

Statt in Nebensätzen die Hilfszeitwörter +sein+ und +haben+

wegzulassen, wo sie oft ganz unentbehrlich sind (vgl. S. 137), bekämpfe

man lieber diese abscheuliche Gewohnheit; die unnützen +können+,

+dürfen+, +wollen+, +sollen+ und +müssen+ sind wirklich wie garstige

Rattenschwänze.[136]

Die Bildervermengung

Bei dem Worte Bildervermengung denkt wohl jeder an Wendungen wie:

das ist wie ein +Tropfen+ auf einen +hohlen Stein+, oder: er wurde

an den +Rand des Bettelstabes+ gebracht, oder: der +Zahn der Zeit+,

der schon so manche +Träne getrocknet+ hat, wird auch über dieser

+Wunde Gras wachsen+ lassen -- und meint, dergleichen werde wohl

beim Unterricht als abschreckendes Beispiel vorgeführt, komme aber

in Wirklichkeit nicht vor. Zeitungen und Bücher leisten aber fast

täglich ähnliches; gilt es doch für geistreich, möglichst viel in

Bildern zu schreiben! Oder wäre es nicht ebenso lächerlich, wenn

von einer Nachricht gesagt wird, daß sie wie ein +Donnerschlag+ ins

+Pulverfaß+ gewirkt habe, wenn in einem Aufsatz über das Theater von

+gaumenkitzelnden Trikotanzügen+ gesprochen wird, oder wenn es in einem

Börsenberichte heißt: der +Verkehr wickelte sich+ in +ruhigem Tone+

ab, in dem Bericht über eine Kunstausstellung: was bei den Russen zum

+Zerrbilde+ des Fanatismus geworden ist, leuchtet bei den Spaniern als

+Flamme+ der Begeisterung, oder wenn gar geschrieben wird: wo finden

wir einen +roten Faden+, der uns aus diesem +Labyrinth+ hinausführt?

-- das politische +Knochengerüst+, über dessen +Nacktheit+ durch eine

schöne +Verbrämung+ hinweggetäuscht werden soll -- der Zauber seiner

Persönlichkeit teilt sich dem Leser in einem +bestrickenden Fluidum+

mit -- unsre Universitäten sind wie +rohe Eier+: sobald man sie

antastet, +stellen sie sich auf die Hinterbeine+ -- der bureaukratische

Staat +schert+ (!) alles +über einen Leisten+ -- +pilzartig+ schossen

die Lust-, Schau- und Trauerspiele seiner Feder +ins Kraut+ -- alle

diese Mitteilungen +schweben in der Luft+, aus der sie +geschnappt+

sind (in der Luft schweben, aus der Luft greifen, nach Luft schnappen

-- drei Bilder vermengt!) -- das ist eins jener +Kolumbuseier+, deren

der Genius Shakespeares verschiedne +ausgebrütet+ hat -- das sind

vom nationalökonomischen +Gesichtswinkel+ aus in +kargem Gerippe+

die geistreich variierten +Grundzüge+ seiner Lehre -- die Millionen

+fliegen zum Fenster hinaus+ und leeren das +Reichsfaß+ bis zum

Boden -- natürlich muß das +Pflaster+ auf die verschiednen +kalten

Wasserstrahlen+ gegen ihre Eitelkeit ein wenig +gekitzelt+ werden --

dieses +Schreckgespenst+ ist schon +so abgedroschen+, daß nur noch

ein politisches +Wickelkind+ darauf +herumreiten+ kann -- um ihrem

geschwächten Parteimagen +neue Nahrung+ zuzuführen, +angeln+ sie in dem

Wasser des Bauernbundes nach +faulen Fischen+ -- die lauteste +Trommel+

bei dieser Hetze +blasen+ natürlich die Geistlichen -- wenn man den

Herren einen +Floh+ ins Ohr setzt, wird sofort ein +Elefant+ daraus

gemacht und dann auch noch öffentlich +breitgetreten+.[137]

Allerhand Sprachdummheiten Kleine deutsche Grammatik des Zweifelhaften, des Falschen und des Häßlichen · 第 23 / 41 段