Es ist spät am Nachmittage.
Das fahle Licht des Wintertages wird noch fahler, die Dämmerung quillt
förmlich aus den Wolken herab. Die Luft ist scharf, und der Ostwind, der
seit Tagesgrauen geheult hat, nimmt mehr und mehr zu.
Strix sitzt in ihrer warmen Holzhütte tief unten in dem Bauch einer
alten Esche ...
Der Wald, den sie vorgefunden hat, liegt tief zwischen Hügeln, und
ist der letzte, von den einstmals so zahlreichen Wäldern in dem großen
Fördendistrikt. Eine öde Gegend zieht sich zwischen ihm und der Heide
hin -- und auf der entgegengesetzten Seite, nur eine Meile entfernt,
braust das Meer.
Strix schläft am Tage und träumt und sitzt unbeweglich, als sei sie ein
großes unverzehrtes Stück von dem Mark des Baumes. Aber selbst im Schlaf
hört sie und hat zuverlässige Empfindungen.
Den ganzen Tag hat die Kronenwölbung gebrummt. Ein surrender,
orgeltiefer Laut ist von ihr ausgegangen. Es hat so hohl, so dumpf
getönt ... das ist der Gesang des Schneegesauses.
Bald ein Menschenalter hat Strix nun gelebt und den Wechsel der
Jahreszeiten verfolgt; sie kennt dies Sausen nur zu gut. Es wächst, wird
stärker und stärker -- und wie es zunimmt, während der Abend zur Rüste
geht, werden alle andern Laute gedämpft; ihre Klangfarbe wird ihnen
genommen. Selbst die nächsten werden gleichsam von weitem weggezogen und
klingen schließlich ganz fern. Das Bum-Bum der großen Wassermühle, das
Knurren dieses wunderlichen, von Menschen geliebten Raubtieres, das
sie zu hören gewohnt ist, wenn ein Ostwind weht, wird schwächer und
schwächer; sie merkt auch kein Fallen von Zweigen mehr, und das Heulen
und Knarren der Bäume ist ohne tönenden Schallboden; jegliches Geräusch
und Getöse wird gleichsam von Federn aufgefangen.
Der Schneesturm stiefelt über Wald und Heide, über Wiese und Moor hin,
verkittet und löscht aus -- nur die rinnenden Gewässer liegen wie vorher
da, grauschwarz und offen. Über die blanken Eisgürtel auf den stillen
Mooren, die sich wie ein Keil in den Wald hineintreiben, gleitet das
Gestöber in breiter Schlachtordnung dahin, bis es plötzlich aufgewirbelt
und in eine Schneeschlange verwandelt wird, die auf dem Schwanz steht.
Es dunkelt in der Baumtiefe um Strix herum. Ihre lichtstarken Augen
können das Spinnengewebe nicht mehr sehen, das von dem Schlackerwetter
fortwährend auf und nieder geschaukelt wird. Immer weniger scharf hebt
sich der Eingang da oben zu ihrem Hause ab ... die Nacht, die sie so
sehr liebt, naht.
Besonnen erklimmt sie die Treppe und sitzt in der Tür und heult: die
Erde hat ja die Farbe gewechselt, wie die Bäume die Rinde, die Natur
ist verwandelt, ihr alter Bekannter aus dem Wunderland gen Norden, der
Winter -- das Weißwetter -- ist gekommen! Mit einem Satz fliegt sie
hinaus und hinab in den Schnee, sie badet sich darin, sie tummelt sich
darin wie eine Ente im Wasser!
-- -- --
Der Schneesturm aber nimmt zu.
Sprung auf Sprung wirft sich das Gestöber gegen den Wald. Es wirbelt vom
Waldessaum her, es stiebt aus den Wipfeln herab, es ist, als falle der
Himmel in weißen kleinen Stückchen nieder, ununterbrochen ... ein
Wolfswetter, das drei Tage und drei Nächte anhält!
In einem solchen Wetter werden alle Raubtiere reizbar; es wird ihnen
schwer, Beute zu finden, und sie haben kein Glück beim Fang. Alle
Grasfresser suchen ihr Versteck auf; die zanksüchtigen unter ihnen
werden friedlich und die streitbaren fügsam, sie erkennen ihre
gemeinsame Ohnmacht und halten sich notgedrungen in Ruhe. Den Raubtieren
ergeht es umgekehrt. Das Wetter peitscht sie auf, sie empfinden den
Hunger doppelt, die Mordlust wird angespornt, und sie spüren einen
eigenartig brennenden Durst nach Blut.
Es ist mitten in der Nacht nach dem dritten Tage.
Der Schneesturm hat sich gelegt, und der Wald liegt reifüberpudert und
mit großen Schneeklecksen da. Abenteuerlich sieht er aus -- großartig
phantastisch erscheint er in der Dunkelheit.
Alle Blattknospen in den Windeln, alle Anemonen in der schwarzen
Fruchterde, die Puppen, die zu Schmetterlingen werden, die Larven, aus
denen sich einstmals beschwingte Insekten entwickeln sollen, sehen ihn
-- ohne ihn zu sehen -- im Traume!
Ja, es ist, als wenn die Erde, auf der der Wald steht, selbst träumt --
und der Wald in seinem phantastisch weißen Wetterkleide ist der
wundervolle Mitwintertraum der Erde!
Der Vollmond, der rot und groß und flachgedrückt aus dem schneebewölkten
Horizont weit hinten zwischen den Hügeln aufgestiegen ist, ward schon
längst klein, weißschimmernd und rund. Ein kalter und beißender Atem
weht zwischen den Stämmen herein; Strix, die schon stundenlang auf
ihren Fangstellen gelauert hat, fühlt den eiskalten Hauch bis auf ihren
Körper; mit großen Frosttropfen im Brustbart sitzt sie da.
Dreimal hat sie vergebens im Schnee nach einem Hasen geschlagen. Der
Hase hat sie genarrt und sich in eine Dickung gerettet. Dann hat sie
es mit einem Wiesel versucht, das am Graben entlang schnürte; aber das
Wiesel ist ihr zwischen den Fängen entwischt, ist bis auf den Grund
gesunken und ist von da aus durch einen seiner vielen Tunnel unter dem
Schnee geschlüpft. Schließlich hat sie sich sogar herabgelassen, auf ein
Moorschwein niederzuschlagen -- jedoch alles ist vergeblich gewesen.
Sie hat Hunger, einen wahren Wolfshunger, Gekröse wie Magen sind gleich
leer, und sie spürt schon die schrecklichen Halluzinationen des Hungers.
Da ist kein Tier zu groß ... wenn sie es sich rühren sieht schlägt sie
blindlings drauf los, nur um Beute zu machen!
-- -- --
Auf der Leeseite des Waldes, wo der eisige Atem fast niemals hingelangt,
sitzt auf einem Ast ein reisemüder Adler.
Er hat sich den ganzen Tag durch den Äther gewiegt, hat eine Landschaft
nach der andern unter sich wechseln sehen; zuerst vom Meer zu Land,
dann von großen steinigen Flecken, wo gleichsam Berg an Berg lag --
Städte der Menschen -- zu offenen, weitgedehnten Feldern, aus deren
schneebedecktem Erdreich nur ein vereinzelter viereckiger Steinhaufen
aufragte.
Schließlich war er wieder übers Meer gekommen und hatte schwarze,
schwankende Waldessäume erblickt, Zweig hinter Zweig und Baum hinter
Baum tauchte am Horizont auf. Er hatte sich beeilt, dahin zu kommen ...
dort lag ja Wald, sein lieber Wald!
Im roten Schein des Sonnenuntergangs hatte er sich über den Wipfeln
hingearbeitet, war in großen Bogen rund herum gesegelt und hatte sich
tiefer und tiefer nach der ruhewinkenden Stätte hinabgesenkt.
Und dann war das Tageslicht entschwunden, die Dämmerung verdichtete sich
zwischen den Stämmen und sprang gleichsam aus Rinde und Zweig heraus,
sie wimmelte aus den Wipfelzweigen hervor und wirbelte empor wie Wolken
von Mücken, den dunklen Fleck der Waldmasse verdoppelnd -- die lag da
wie ein großes Floß mit Baumstämmen beladen und schwamm auf dem Schnee.
Da strich der Adler durch die Wipfel hinab und nahm schwerfällig einen
Ast in Besitz. Er umfaßte ihn gierig, faltete die Flügel zusammen und
legte sie hübsch zurecht an dem Körper. Wie gut es tat zu sitzen!
Er sah sich um; er vergewisserte sich, indem er lange den Kopf drehte.
Aber alles, was er sah, und alles, was er erlauschte, gehörte zu dem
Walde, zu dem lieben alten Bekannten! Dann bewegte er sich seitlich, den
Zweig entlang, bis er dicht an den Stamm kam, er schüttelte sich wie ein
Pferd nach langem Ritt, wetzte die Krallen an dem Zweig, putzte die
Federn und gähnte müde.
Noch ein paar Bewegungen nach der Seite, um eine Rundung an dem Zweig
zu finden, die für seine Fänge paßte, damit er in der Nacht keinen
Sitzkrampf darin bekam, dann gähnte er noch einmal, wohl zufrieden --
jetzt endlich _saß_ er -- jetzt endlich saß er gut!
Es ist die Gewohnheit des Adlers, ruhig zu schlafen; es ist, als seien
diese Vögel mit der Überzeugung geboren, daß sie nichts zu fürchten
brauchen. Sie verschlafen Unwetter, Sturmgebrause, Fußtritte und
Schüsse.
Der reisemüde Adler schläft und schläft ...
Sein schweres, langgezogenes Schnarchen, das regelmäßig steigt und
fällt, wie das eines Menschen, kommt und geht durch den Wald -- ein
wunderliches, bullerndes Geräusch, das in der klaren Frostluft gleichsam
verstärkt wird.
Zuweilen klingt es, als müsse der Riesenvogel von seinem eigenen
Geschnarch geweckt werden, das zu _einem_ langen, bullernden Schnarchen
anschwillt und schließlich gleichsam in einem Befreiungsruf endet. Dann
hat der Adler im Schlaf den Hals lang gemacht, hat den Kopf geschüttelt
-- und dadurch wieder Luft in die Nasenlöcher bekommen.
Verschwenderisch liegt der Schnee auf allen Ästen und Zweigen -- jedes
dünne kleine Reis hat sein Teil abbekommen! Selbst an den Stämmen, die
nicht kerzengrade stehen, hat er sich festgekittet; er drängt sich in
Borkenrisse, hakt sich ein in dürre Reiser, und liegt als verlorener
Klecks auf allen Knorren und Narben.
Oft, wenn sich das Schnarchen des Adlers plötzlich zu einem Orkan
steigert, verlieren die aufgetürmten Schneemassen in den Baumkronen
das Gleichgewicht; da fallen sie in langen, weißen Spritzern herab und
bohren sich mit hohlem, dumpfen Plumpsen in den Bodenschnee.
Der Adler aber schläft mit einem guten Gewissen! Er bedarf der Ruhe,
während er sich wieder bis an den Rand mit der mächtigen, unerklärlichen
Kraft des Schlafes füllt. Nachtfarben und groß wie ein Auerhahn sitzt er
da und läßt sich weder von dem Mond stören, dessen bleiche Lichtstrahlen
um seine Augenlider spielen, noch von Klein-Taa, der vorüberkommt. Teils
um den fußhohen Schnee zu meiden, teils aus Furcht, seinem alten,
halbsteifen Erzeuger wieder zu begegnen, durchjagt Klein-Taa den Wald
oben in den Baumkronen.
Plötzlich wird der Adler durch einen Stoß von seinem Ast
heruntergetrieben; er hat das Gefühl, als wenn er durch eine drohende
Gefahr jäh geweckt wird und sich gleich in die Luft hinausstürzen muß.
Ein paar feste Griffe klemmen sich ihm in die Seite, bohren sich in sein
Fleisch; er will schlagen, aber eine scharfe Klammer schraubt sich ihm
um den Nacken, so daß er, ohne es zu wissen, den Hals ausstrecken muß.
Während dessen flattert er auf einem Flimmern von Flügeln durch die
Luft. Schneeklumpen und kleine Lawinen stürzen um ihn herab, bis er in
dem fußhohen Schnee am Erdboden endet. Sein Hals und sein Nacken sind
schon _ein_ blutiges Fleisch und die Klammer um den Hinterkopf schraubt
sich immer dichter zusammen. Der Vogel der Nacht, der Dämon der
Finsternis, kämpft mit dem Sohn der Sonne, mit dem König aller Tagvögel
-- und auf Dämonenart hat der Angreifer seine Stärke in dem
Ungewöhnlichen und scheinbar Übernatürlichen.
Da schüttelt sich der Adler; Strix hängt über seinem Rücken wie eine
sturmgepeitschte Riesenklette und muß sich ununterbrochen ihrer
Flügelarme und Schlagfedern bedienen.
Der Adler kommt auf den Einfall, sich zu rollen, er steigt in die Höhe,
wirft sich auf den Rücken, so daß Strix zu unterst kommt, schlägt dann
mit den Flügeln, so daß er das Gleichgewicht wieder gewinnt und macht
plötzlich einen Satz in die Luft hinauf, wie eine Elster. Aber Strix
sitzt fest; sie hat schon früher alle möglichen Purzelbäume geschlagen
und noch viel schlimmere, halsbrecherische Schwenkungen mitgemacht.
Der Schnee stiebt auf unter den Flügelschlägen der beiden großen Vögel,
er weicht ihnen aus und öffnet willig ihren schwer arbeitenden Körpern
seinen Schlund. Da stürzt eine Lawine von dem Baum herab, unter dem sie
kämpfen -- und begräbt sie.
Lange Zeit sind sie weg; nur eine flackernde Spitze von ein paar
Schlagfedern ist sichtbar.
Dann graben sie sich langsam aus der Tiefe heraus und steigen nach dem
Untertauchen wieder auf: _ein_ Vogel scheinbar, mit _einem_ Kopf und
_einem_ Hals, aber mit vier Flügeln.
Die Natur des Adlers ist wie der helle Tag; er ist mutig und offen und
ohne Tücke. Der Adler will seinen Gegner sehen, will ihn vor sich haben,
Brust gegen Brust.
Strix aber ist hinterlistig und grausam wie die Finsternis; sie läßt
nicht los, was sie hinterrücks gefaßt hat -- --
Der Adler hat Schlund und Schnabel voll Schnee bekommen ... es wird ihm
schwer zu atmen, aber seine Kräfte und seine Energie sind noch gleich
ungeschwächt. Er will den Teufel auf seinem Rücken in den Fängen
haben -- und er langt mit seinem mächtigen Raubvogelfuß -- er hat die
Spannweite einer ausgewachsenen Männerhand -- nach dem Eulenleib hinauf.
Aber die Fänge wühlen in einem Berg von Daunen herum und es gelingt
ihnen nicht, etwas anderes als die Haut zu fassen.
Zähe und ebenbürtig, unter lautlosen Kraftgriffen, kollern sich die
beiden großen Gesellen im Schnee herum; nur das Blasen ihrer Nasen und
das stöhnende, heftige Ringen nach Luft hört man.
Da glückt es dem Adler, während einer jähen Bewegung, seinen langen,
spitzgekrümmten Schnabel in den Schenkel seines zottigen Gegners zu
bohren; er reißt eine Wunde da hinein, die brennt.
Strix stößt ihr wildestes, unheimlichstes Geheul aus; als sei es eine
Eingebung, löst sie ihren Griff aus der linken Seite des zitternden
Adlerleibes, führt den freien Fang vor und schlägt beide Fänge um den
Nacken des Tagraubvogels zusammen. Ihre langen, pfriemspitzen Krummfänge
feiern aufs neue einen Triumpf -- ohne jegliche Kraftanstrengung, als
glitten sie durch Butter, versinken sie bis auf den Grund in dem Kopf
des Gegners.
Der Adler dreht sich herum wie ein mächtiger Mistkäfer ... er weiß nicht
mehr, daß er lebt. Aber es währt lange, bis seine Flügel, seine Fänge,
seine Unmengen von Muskeln still werden. Strix ist zu hungrig, um darauf
zu warten; so bald es möglich ist, beginnt sie unbekümmert ihre
wohlverdiente Mahlzeit.
-- -- --
»Ein herrlicher Auerhahn«, fand Strix. Aber es war ja auch lange her,
seit sie Auerhahn bekommen hatte.
Sieben fette Jahre verlebte Strix hier im Westerwald!
Der Wald war gut genug, nicht groß, aber so recht nach ihrem Geschmack.
Ein unzulängliches Wegenetz und unzureichende Bahnverbindungen hatten
die Forstverwaltung davon abgehalten, den Wald schlagen zu lassen.
Die Gegend war überhaupt nur dünn bevölkert und öde.
Wie man auf einem großen, reich bestellten Gut mit einem Überfluß an
schwerem Weizen und tiefgrünen Rübenfeldern plötzlich mitten in aller
Üppigkeit auf einen unfruchtbaren, von Unkraut überwucherten Steinplatz
stoßen kann, so lag das Land hier um den Westerwald herum. Jahrhunderte
schienen daran vorbei gelaufen zu sein; er lag da, gleichsam gefeit
gegen die moderne Zivilisation.
Aber das Gefeitsein war nur scheinbar. Langsam aber sicher breiteten
sich die Menschen beständig aus! Sie säeten sich über die Landschaft aus
wie die Blumen, die sie in ihren Gärten zogen. Strix entdeckte anfangs
nur eine vereinzelte, gleichsam verirrte Blume: ein Ansiedlerhaus,
frisch ziegelgedeckt, taucht aus einem Heidetal auf, wie eine große
scharlachrote Mohnblüte. Dann kam »die Pflanze« allmählich häufiger
vor, sie füllte Flecken und ganze Strecken -- und ihr folgten Pflug
und Spaten und Entwässerungsrohre und Windmotore, während Moos und
Heidekraut den Eindringlingen mehr und mehr Platz machen mußten.
Kaum zehn Jahre bevor Strix nach dem Westerwald kam, hatte man von dem
Gipfel seiner Waldhügel über lauter Moore und Heidehöhen, über niedriges
Gesträuch und Sümpfe hinausgeschaut; jetzt wurde das Kahle und Eintönige
allgemein! Die Buschflecken und Sumpfwasserspiegel verschwanden, die
schwarzen Heidehügel schrumpften ein -- und Strix sah lange, weiße
Wegestreifen sich wie getrockneten Schleim hinter Schnecken die Kreuz
und die Quer durch die Landschaft ziehen.
Wie einstmals im dichten Wald ertönte jetzt auch hier der Ruf: hört, sie
pflügen, sie graben, sie schaufeln, sie entwässern -- der Wasserspiegel
wird zu Morast, das Röhricht zu Gras, Inseln und Werder zu landfestem
Boden, die Katze geht trocknen Fußes, wo einst der Otter schwamm ...
Regenpfeifer und Brachvögel pfiffen es klagend hinaus, Krickenten und
Schnatterenten plapperten es trauernd nach, und dumpf und unheimlich
trommelten rauschende Birkhähne es heraus.
Der alte, herrliche Urpelz, den die Erde anhatte -- ach, nun waren die
Menschen dahinein gekommen!
Es schritt rüstig weiter mit der Zivilisation ... und der Raum, den
einst ein alter Fuchs, ein großer Marder oder Uhu inne hatte, um sich
darauf zu bewegen, ward kleiner und kleiner.
Und dann eines Tages, als ein armer Edelhirsch, gejagt und verfolgt,
sich vor seinen Nachstellern in ein letztes Überbleibsel von Dickung im
Westerwald zu retten suchte, stand dort weit hinten auf einem großen
Platz, wo die schönste Zierblüte der Kultur, das Wahlvereinsbanner sich
entfaltet hatte, ein Reichstagsabgeordneter und befürwortete den Bau
einer Lokalbahn.
Da hatte aber Strix den Westerwald schon längst verlassen.