9. Im Kampf mit einem Adler

Es ist spät am Nachmittage.

Das fahle Licht des Wintertages wird noch fahler, die Dämmerung quillt

förmlich aus den Wolken herab. Die Luft ist scharf, und der Ostwind, der

seit Tagesgrauen geheult hat, nimmt mehr und mehr zu.

Strix sitzt in ihrer warmen Holzhütte tief unten in dem Bauch einer

alten Esche ...

Der Wald, den sie vorgefunden hat, liegt tief zwischen Hügeln, und

ist der letzte, von den einstmals so zahlreichen Wäldern in dem großen

Fördendistrikt. Eine öde Gegend zieht sich zwischen ihm und der Heide

hin -- und auf der entgegengesetzten Seite, nur eine Meile entfernt,

braust das Meer.

Strix schläft am Tage und träumt und sitzt unbeweglich, als sei sie ein

großes unverzehrtes Stück von dem Mark des Baumes. Aber selbst im Schlaf

hört sie und hat zuverlässige Empfindungen.

Den ganzen Tag hat die Kronenwölbung gebrummt. Ein surrender,

orgeltiefer Laut ist von ihr ausgegangen. Es hat so hohl, so dumpf

getönt ... das ist der Gesang des Schneegesauses.

Bald ein Menschenalter hat Strix nun gelebt und den Wechsel der

Jahreszeiten verfolgt; sie kennt dies Sausen nur zu gut. Es wächst, wird

stärker und stärker -- und wie es zunimmt, während der Abend zur Rüste

geht, werden alle andern Laute gedämpft; ihre Klangfarbe wird ihnen

genommen. Selbst die nächsten werden gleichsam von weitem weggezogen und

klingen schließlich ganz fern. Das Bum-Bum der großen Wassermühle, das

Knurren dieses wunderlichen, von Menschen geliebten Raubtieres, das

sie zu hören gewohnt ist, wenn ein Ostwind weht, wird schwächer und

schwächer; sie merkt auch kein Fallen von Zweigen mehr, und das Heulen

und Knarren der Bäume ist ohne tönenden Schallboden; jegliches Geräusch

und Getöse wird gleichsam von Federn aufgefangen.

Der Schneesturm stiefelt über Wald und Heide, über Wiese und Moor hin,

verkittet und löscht aus -- nur die rinnenden Gewässer liegen wie vorher

da, grauschwarz und offen. Über die blanken Eisgürtel auf den stillen

Mooren, die sich wie ein Keil in den Wald hineintreiben, gleitet das

Gestöber in breiter Schlachtordnung dahin, bis es plötzlich aufgewirbelt

und in eine Schneeschlange verwandelt wird, die auf dem Schwanz steht.

Es dunkelt in der Baumtiefe um Strix herum. Ihre lichtstarken Augen

können das Spinnengewebe nicht mehr sehen, das von dem Schlackerwetter

fortwährend auf und nieder geschaukelt wird. Immer weniger scharf hebt

sich der Eingang da oben zu ihrem Hause ab ... die Nacht, die sie so

sehr liebt, naht.

Besonnen erklimmt sie die Treppe und sitzt in der Tür und heult: die

Erde hat ja die Farbe gewechselt, wie die Bäume die Rinde, die Natur

ist verwandelt, ihr alter Bekannter aus dem Wunderland gen Norden, der

Winter -- das Weißwetter -- ist gekommen! Mit einem Satz fliegt sie

hinaus und hinab in den Schnee, sie badet sich darin, sie tummelt sich

darin wie eine Ente im Wasser!

-- -- --

Der Schneesturm aber nimmt zu.

Sprung auf Sprung wirft sich das Gestöber gegen den Wald. Es wirbelt vom

Waldessaum her, es stiebt aus den Wipfeln herab, es ist, als falle der

Himmel in weißen kleinen Stückchen nieder, ununterbrochen ... ein

Wolfswetter, das drei Tage und drei Nächte anhält!

In einem solchen Wetter werden alle Raubtiere reizbar; es wird ihnen

schwer, Beute zu finden, und sie haben kein Glück beim Fang. Alle

Grasfresser suchen ihr Versteck auf; die zanksüchtigen unter ihnen

werden friedlich und die streitbaren fügsam, sie erkennen ihre

gemeinsame Ohnmacht und halten sich notgedrungen in Ruhe. Den Raubtieren

ergeht es umgekehrt. Das Wetter peitscht sie auf, sie empfinden den

Hunger doppelt, die Mordlust wird angespornt, und sie spüren einen

eigenartig brennenden Durst nach Blut.

Es ist mitten in der Nacht nach dem dritten Tage.

Der Schneesturm hat sich gelegt, und der Wald liegt reifüberpudert und

mit großen Schneeklecksen da. Abenteuerlich sieht er aus -- großartig

phantastisch erscheint er in der Dunkelheit.

Alle Blattknospen in den Windeln, alle Anemonen in der schwarzen

Fruchterde, die Puppen, die zu Schmetterlingen werden, die Larven, aus

denen sich einstmals beschwingte Insekten entwickeln sollen, sehen ihn

-- ohne ihn zu sehen -- im Traume!

Ja, es ist, als wenn die Erde, auf der der Wald steht, selbst träumt --

und der Wald in seinem phantastisch weißen Wetterkleide ist der

wundervolle Mitwintertraum der Erde!

Der Vollmond, der rot und groß und flachgedrückt aus dem schneebewölkten

Horizont weit hinten zwischen den Hügeln aufgestiegen ist, ward schon

längst klein, weißschimmernd und rund. Ein kalter und beißender Atem

weht zwischen den Stämmen herein; Strix, die schon stundenlang auf

ihren Fangstellen gelauert hat, fühlt den eiskalten Hauch bis auf ihren

Körper; mit großen Frosttropfen im Brustbart sitzt sie da.

Dreimal hat sie vergebens im Schnee nach einem Hasen geschlagen. Der

Hase hat sie genarrt und sich in eine Dickung gerettet. Dann hat sie

es mit einem Wiesel versucht, das am Graben entlang schnürte; aber das

Wiesel ist ihr zwischen den Fängen entwischt, ist bis auf den Grund

gesunken und ist von da aus durch einen seiner vielen Tunnel unter dem

Schnee geschlüpft. Schließlich hat sie sich sogar herabgelassen, auf ein

Moorschwein niederzuschlagen -- jedoch alles ist vergeblich gewesen.

Sie hat Hunger, einen wahren Wolfshunger, Gekröse wie Magen sind gleich

leer, und sie spürt schon die schrecklichen Halluzinationen des Hungers.

Da ist kein Tier zu groß ... wenn sie es sich rühren sieht schlägt sie

blindlings drauf los, nur um Beute zu machen!

-- -- --

Auf der Leeseite des Waldes, wo der eisige Atem fast niemals hingelangt,

sitzt auf einem Ast ein reisemüder Adler.

Er hat sich den ganzen Tag durch den Äther gewiegt, hat eine Landschaft

nach der andern unter sich wechseln sehen; zuerst vom Meer zu Land,

dann von großen steinigen Flecken, wo gleichsam Berg an Berg lag --

Städte der Menschen -- zu offenen, weitgedehnten Feldern, aus deren

schneebedecktem Erdreich nur ein vereinzelter viereckiger Steinhaufen

aufragte.

Schließlich war er wieder übers Meer gekommen und hatte schwarze,

schwankende Waldessäume erblickt, Zweig hinter Zweig und Baum hinter

Baum tauchte am Horizont auf. Er hatte sich beeilt, dahin zu kommen ...

dort lag ja Wald, sein lieber Wald!

Im roten Schein des Sonnenuntergangs hatte er sich über den Wipfeln

hingearbeitet, war in großen Bogen rund herum gesegelt und hatte sich

tiefer und tiefer nach der ruhewinkenden Stätte hinabgesenkt.

Und dann war das Tageslicht entschwunden, die Dämmerung verdichtete sich

zwischen den Stämmen und sprang gleichsam aus Rinde und Zweig heraus,

sie wimmelte aus den Wipfelzweigen hervor und wirbelte empor wie Wolken

von Mücken, den dunklen Fleck der Waldmasse verdoppelnd -- die lag da

wie ein großes Floß mit Baumstämmen beladen und schwamm auf dem Schnee.

Da strich der Adler durch die Wipfel hinab und nahm schwerfällig einen

Ast in Besitz. Er umfaßte ihn gierig, faltete die Flügel zusammen und

legte sie hübsch zurecht an dem Körper. Wie gut es tat zu sitzen!

Er sah sich um; er vergewisserte sich, indem er lange den Kopf drehte.

Aber alles, was er sah, und alles, was er erlauschte, gehörte zu dem

Walde, zu dem lieben alten Bekannten! Dann bewegte er sich seitlich, den

Zweig entlang, bis er dicht an den Stamm kam, er schüttelte sich wie ein

Pferd nach langem Ritt, wetzte die Krallen an dem Zweig, putzte die

Federn und gähnte müde.

Noch ein paar Bewegungen nach der Seite, um eine Rundung an dem Zweig

zu finden, die für seine Fänge paßte, damit er in der Nacht keinen

Sitzkrampf darin bekam, dann gähnte er noch einmal, wohl zufrieden --

jetzt endlich _saß_ er -- jetzt endlich saß er gut!

Es ist die Gewohnheit des Adlers, ruhig zu schlafen; es ist, als seien

diese Vögel mit der Überzeugung geboren, daß sie nichts zu fürchten

brauchen. Sie verschlafen Unwetter, Sturmgebrause, Fußtritte und

Schüsse.

Der reisemüde Adler schläft und schläft ...

Sein schweres, langgezogenes Schnarchen, das regelmäßig steigt und

fällt, wie das eines Menschen, kommt und geht durch den Wald -- ein

wunderliches, bullerndes Geräusch, das in der klaren Frostluft gleichsam

verstärkt wird.

Zuweilen klingt es, als müsse der Riesenvogel von seinem eigenen

Geschnarch geweckt werden, das zu _einem_ langen, bullernden Schnarchen

anschwillt und schließlich gleichsam in einem Befreiungsruf endet. Dann

hat der Adler im Schlaf den Hals lang gemacht, hat den Kopf geschüttelt

-- und dadurch wieder Luft in die Nasenlöcher bekommen.

Verschwenderisch liegt der Schnee auf allen Ästen und Zweigen -- jedes

dünne kleine Reis hat sein Teil abbekommen! Selbst an den Stämmen, die

nicht kerzengrade stehen, hat er sich festgekittet; er drängt sich in

Borkenrisse, hakt sich ein in dürre Reiser, und liegt als verlorener

Klecks auf allen Knorren und Narben.

Oft, wenn sich das Schnarchen des Adlers plötzlich zu einem Orkan

steigert, verlieren die aufgetürmten Schneemassen in den Baumkronen

das Gleichgewicht; da fallen sie in langen, weißen Spritzern herab und

bohren sich mit hohlem, dumpfen Plumpsen in den Bodenschnee.

Der Adler aber schläft mit einem guten Gewissen! Er bedarf der Ruhe,

während er sich wieder bis an den Rand mit der mächtigen, unerklärlichen

Kraft des Schlafes füllt. Nachtfarben und groß wie ein Auerhahn sitzt er

da und läßt sich weder von dem Mond stören, dessen bleiche Lichtstrahlen

um seine Augenlider spielen, noch von Klein-Taa, der vorüberkommt. Teils

um den fußhohen Schnee zu meiden, teils aus Furcht, seinem alten,

halbsteifen Erzeuger wieder zu begegnen, durchjagt Klein-Taa den Wald

oben in den Baumkronen.

Plötzlich wird der Adler durch einen Stoß von seinem Ast

heruntergetrieben; er hat das Gefühl, als wenn er durch eine drohende

Gefahr jäh geweckt wird und sich gleich in die Luft hinausstürzen muß.

Ein paar feste Griffe klemmen sich ihm in die Seite, bohren sich in sein

Fleisch; er will schlagen, aber eine scharfe Klammer schraubt sich ihm

um den Nacken, so daß er, ohne es zu wissen, den Hals ausstrecken muß.

Während dessen flattert er auf einem Flimmern von Flügeln durch die

Luft. Schneeklumpen und kleine Lawinen stürzen um ihn herab, bis er in

dem fußhohen Schnee am Erdboden endet. Sein Hals und sein Nacken sind

schon _ein_ blutiges Fleisch und die Klammer um den Hinterkopf schraubt

sich immer dichter zusammen. Der Vogel der Nacht, der Dämon der

Finsternis, kämpft mit dem Sohn der Sonne, mit dem König aller Tagvögel

-- und auf Dämonenart hat der Angreifer seine Stärke in dem

Ungewöhnlichen und scheinbar Übernatürlichen.

Da schüttelt sich der Adler; Strix hängt über seinem Rücken wie eine

sturmgepeitschte Riesenklette und muß sich ununterbrochen ihrer

Flügelarme und Schlagfedern bedienen.

Der Adler kommt auf den Einfall, sich zu rollen, er steigt in die Höhe,

wirft sich auf den Rücken, so daß Strix zu unterst kommt, schlägt dann

mit den Flügeln, so daß er das Gleichgewicht wieder gewinnt und macht

plötzlich einen Satz in die Luft hinauf, wie eine Elster. Aber Strix

sitzt fest; sie hat schon früher alle möglichen Purzelbäume geschlagen

und noch viel schlimmere, halsbrecherische Schwenkungen mitgemacht.

Der Schnee stiebt auf unter den Flügelschlägen der beiden großen Vögel,

er weicht ihnen aus und öffnet willig ihren schwer arbeitenden Körpern

seinen Schlund. Da stürzt eine Lawine von dem Baum herab, unter dem sie

kämpfen -- und begräbt sie.

Lange Zeit sind sie weg; nur eine flackernde Spitze von ein paar

Schlagfedern ist sichtbar.

Dann graben sie sich langsam aus der Tiefe heraus und steigen nach dem

Untertauchen wieder auf: _ein_ Vogel scheinbar, mit _einem_ Kopf und

_einem_ Hals, aber mit vier Flügeln.

Die Natur des Adlers ist wie der helle Tag; er ist mutig und offen und

ohne Tücke. Der Adler will seinen Gegner sehen, will ihn vor sich haben,

Brust gegen Brust.

Strix aber ist hinterlistig und grausam wie die Finsternis; sie läßt

nicht los, was sie hinterrücks gefaßt hat -- --

Der Adler hat Schlund und Schnabel voll Schnee bekommen ... es wird ihm

schwer zu atmen, aber seine Kräfte und seine Energie sind noch gleich

ungeschwächt. Er will den Teufel auf seinem Rücken in den Fängen

haben -- und er langt mit seinem mächtigen Raubvogelfuß -- er hat die

Spannweite einer ausgewachsenen Männerhand -- nach dem Eulenleib hinauf.

Aber die Fänge wühlen in einem Berg von Daunen herum und es gelingt

ihnen nicht, etwas anderes als die Haut zu fassen.

Zähe und ebenbürtig, unter lautlosen Kraftgriffen, kollern sich die

beiden großen Gesellen im Schnee herum; nur das Blasen ihrer Nasen und

das stöhnende, heftige Ringen nach Luft hört man.

Da glückt es dem Adler, während einer jähen Bewegung, seinen langen,

spitzgekrümmten Schnabel in den Schenkel seines zottigen Gegners zu

bohren; er reißt eine Wunde da hinein, die brennt.

Strix stößt ihr wildestes, unheimlichstes Geheul aus; als sei es eine

Eingebung, löst sie ihren Griff aus der linken Seite des zitternden

Adlerleibes, führt den freien Fang vor und schlägt beide Fänge um den

Nacken des Tagraubvogels zusammen. Ihre langen, pfriemspitzen Krummfänge

feiern aufs neue einen Triumpf -- ohne jegliche Kraftanstrengung, als

glitten sie durch Butter, versinken sie bis auf den Grund in dem Kopf

des Gegners.

Der Adler dreht sich herum wie ein mächtiger Mistkäfer ... er weiß nicht

mehr, daß er lebt. Aber es währt lange, bis seine Flügel, seine Fänge,

seine Unmengen von Muskeln still werden. Strix ist zu hungrig, um darauf

zu warten; so bald es möglich ist, beginnt sie unbekümmert ihre

wohlverdiente Mahlzeit.

-- -- --

»Ein herrlicher Auerhahn«, fand Strix. Aber es war ja auch lange her,

seit sie Auerhahn bekommen hatte.

Sieben fette Jahre verlebte Strix hier im Westerwald!

Der Wald war gut genug, nicht groß, aber so recht nach ihrem Geschmack.

Ein unzulängliches Wegenetz und unzureichende Bahnverbindungen hatten

die Forstverwaltung davon abgehalten, den Wald schlagen zu lassen.

Die Gegend war überhaupt nur dünn bevölkert und öde.

Wie man auf einem großen, reich bestellten Gut mit einem Überfluß an

schwerem Weizen und tiefgrünen Rübenfeldern plötzlich mitten in aller

Üppigkeit auf einen unfruchtbaren, von Unkraut überwucherten Steinplatz

stoßen kann, so lag das Land hier um den Westerwald herum. Jahrhunderte

schienen daran vorbei gelaufen zu sein; er lag da, gleichsam gefeit

gegen die moderne Zivilisation.

Aber das Gefeitsein war nur scheinbar. Langsam aber sicher breiteten

sich die Menschen beständig aus! Sie säeten sich über die Landschaft aus

wie die Blumen, die sie in ihren Gärten zogen. Strix entdeckte anfangs

nur eine vereinzelte, gleichsam verirrte Blume: ein Ansiedlerhaus,

frisch ziegelgedeckt, taucht aus einem Heidetal auf, wie eine große

scharlachrote Mohnblüte. Dann kam »die Pflanze« allmählich häufiger

vor, sie füllte Flecken und ganze Strecken -- und ihr folgten Pflug

und Spaten und Entwässerungsrohre und Windmotore, während Moos und

Heidekraut den Eindringlingen mehr und mehr Platz machen mußten.

Kaum zehn Jahre bevor Strix nach dem Westerwald kam, hatte man von dem

Gipfel seiner Waldhügel über lauter Moore und Heidehöhen, über niedriges

Gesträuch und Sümpfe hinausgeschaut; jetzt wurde das Kahle und Eintönige

allgemein! Die Buschflecken und Sumpfwasserspiegel verschwanden, die

schwarzen Heidehügel schrumpften ein -- und Strix sah lange, weiße

Wegestreifen sich wie getrockneten Schleim hinter Schnecken die Kreuz

und die Quer durch die Landschaft ziehen.

Wie einstmals im dichten Wald ertönte jetzt auch hier der Ruf: hört, sie

pflügen, sie graben, sie schaufeln, sie entwässern -- der Wasserspiegel

wird zu Morast, das Röhricht zu Gras, Inseln und Werder zu landfestem

Boden, die Katze geht trocknen Fußes, wo einst der Otter schwamm ...

Regenpfeifer und Brachvögel pfiffen es klagend hinaus, Krickenten und

Schnatterenten plapperten es trauernd nach, und dumpf und unheimlich

trommelten rauschende Birkhähne es heraus.

Der alte, herrliche Urpelz, den die Erde anhatte -- ach, nun waren die

Menschen dahinein gekommen!

Es schritt rüstig weiter mit der Zivilisation ... und der Raum, den

einst ein alter Fuchs, ein großer Marder oder Uhu inne hatte, um sich

darauf zu bewegen, ward kleiner und kleiner.

Und dann eines Tages, als ein armer Edelhirsch, gejagt und verfolgt,

sich vor seinen Nachstellern in ein letztes Überbleibsel von Dickung im

Westerwald zu retten suchte, stand dort weit hinten auf einem großen

Platz, wo die schönste Zierblüte der Kultur, das Wahlvereinsbanner sich

entfaltet hatte, ein Reichstagsabgeordneter und befürwortete den Bau

einer Lokalbahn.

Da hatte aber Strix den Westerwald schon längst verlassen.

Strix: Die Geschichte eines Uhus · 第 21 / 31 题