2. Männchen und Junge

Strix steht in ihren Kraftjahren, in den jubelvollen Tagen ihres

glücklichen Alters.

Alles, wonach sie greift, fängt sie, und alles, was sie schlägt, fällt

und stirbt; sie hat Wachstum in den Federposen, Griff in den Fängen und

einen ewig brennenden Hunger im Magen; sie ist riesenstark. Wenn sie nur

einen Hasen anrührt, spritzt das Blut gleich aus den zur Ader gelassenen

Pulsen; sie hat Lust zur Paarung und Freude an den Jungen, sie besitzt

alles, was reizt.

Ihr Jagdgrund ist groß! Sie wohnt hier in den Hochwäldern, ganz am Ende

der Förde und kann bis zum nächsten Nachbar jagen.

Es sind alte, pfadlose Wälder, voll von Dickicht und sauren Erlenmooren,

umgestürzte Bäume und herabgewehte Zweige liegen überall umher, und

überall stehen zunderige, hohle Bäume und knarren. Unter der Geißel

eines großen Wildbestandes sind die Wälder aufgewachsen: Urwald-,

Kronenhirsche und Rudel von Rehen hatten hier zu allen Zeiten ihren

Stand und haben sich den Winter über kümmerlich im Holz durchgeäst.

Daher das viele verkrüppelte Eichen- und Buchengestrüpp, daher die

vielen verrenkten Eschen und Erlen, daher das urwaldähnliche Gewirr, das

einem großen Uhu das Leben des Lebens wert machen kann.

Aber der Lärm der Menschen rückt Strix näher und näher. Es werden

häufiger Bäume im Walde gefällt, neue Menschenwege werden angelegt,

kleine Steinhaufen und große Steinhaufen, aus denen Rauch aufsteigt und

in denen Menschen wohnen, tauchen in wachsender Zahl längs des

Waldsaumes auf. Schon mehrmals hat sie ihren Wohnbaum ändern und tiefer

in den Wald hineinziehen müssen. Wo die Bäume am höchsten sind, wo der

Sturm am meisten zu nehmen findet, wo er die härtesten Wunden schlagen

kann, so daß große Löcher in das morsche Holz kommen -- da ist sie immer

am besten gediehen.

Aber sie hat kaum ein halbes Jahr in ihrem neuen Versteck gewohnt, als

auch schon der große Naturzerstörer mit Säge und Axt dorthin gelangt

ist. Sie ahnt ihn, lange bevor er sich auch wirklich hat blicken lassen,

denn vor sich her treibt er eine Schar anderer Tiere, denen es so

ergeht, wie der großen Horneule selbst.

Es sind Hirsche und Kahlwild, Hühnerhabichte und Wanderfalken,

Edelmarder und Wildgänse -- alle fliehen sie vor den Axthieben, vor

Hundegeläut und Schüssen und vor der scharfriechenden Fährte des

arbeitstollen Menschen! Die ursprünglichen Bewohner des Waldes weichen

dieser lärmenden neuen Welt; sie ballen sich zusammen an den Stellen,

wo sie noch Lebensbedingungen nach ihren Gewohnheiten und Bedürfnissen

finden -- in den öden Landecken, in entlegenen Winkeln, zwischen Heide-,

Moor- und Sumpfstrecken. Hier halten sie sich am Tage auf -- sie warten

die Nacht ab!

_Das mächtige Lichtgezücht_, das mit dem Tage erwacht und die Unruhe,

den Lärm, die Veränderung und die Umbildung der Erde und der Natur

schafft, die die Tiere scheuen, zwingt sie, sich zu verbergen, so lange

es rast! Aber des Nachts kehren sie zurück zu den alten Stätten,

verbreiten sich auf schnellen Sohlen, auf schleichenden Läufen über das

Reich, das einstmals das ihre war. Die Hirsche und das Kahlwild äsen den

Roggen der Ansiedler, die Dächse tummeln sich in den Saatfeldern, Marder

und Fuchs stehlen Tauben und Hühner -- und Strix nimmt an Katzen und

Ratten, was sie ergattern kann! In der Nacht gehört die Erde noch den

Tieren!

Aber die Erde wird doch kleiner und kleiner. So dicht liegen bald die

Steinhöhlen der Menschen um die Hochwälder herum, daß stellenweise Tag

und Nacht eine angsteinflößende Wolke ihres eigentümlichen Geruches

aufsteigt.

Eines schönen Abends merkt Strix, daß sie um der Nachbareule willen gern

so weit jagen kann, wie sie Lust hat. Die Nachbareule läßt ihre

Kampfstimme nicht mehr ertönen, sie muß wohl weiter weg bessere

Jagdgründe gefunden haben!

Die Nachbareule ist fort -- der große Moloch, das Götzenbild der

Menschheit: die Zivilisation, hat sie getötet. Der Ausrottungskrieg

gegen die Stämme des großen Uhus geht seinen fürchterlichen Gang.

In den letzten Jahren haben die Menschen angefangen, auf eine andere

Weise angreifend vorzugehen.

Auf den Gütern jenseits der Förde tauchen plötzlich große, bunte,

langschweifige Vögel in Mengen auf.

Es sind Fasanen!

Sie sind in kleinen Feldhölzungen ausgesetzt, wo sie sich durch Kunst im

Überfluß vermehren. Es wimmelt von Ihnen am Waldboden und in den Bäumen.

Sie sind so fett und gleichgültig, daß sie weder laufen noch fliegen

mögen.

Sie ziehen aus allen Richtungen viele von den großen Uhus an; _hier_

brauchen sie ja nur ins Gras niederzustoßen, gleich haben sie die Fänge

voll Nahrung.

Rings um diese kleinen Gehölze, einladend über Dickicht und Gestrüpp

aufragend, stehen hohe, schlanke Pfähle aufgepflanzt. Auf der Spitze

eines jeden liegt -- so recht dazu gemacht, um sich darauf zu setzen --

ein kleines strammgespanntes Tellereisen.

Diese Eisen machen es im Umsehen Uhu-leer um Strix herum.

Zu dieser Zeit trifft sie ihr letztes Männchen.

Er ist alt und abgelebt, aber ihr bleibt keine Wahl -- da sind keine

andern Männchen ihrer Art.

Er singt und heult ihr einen Winter lang etwas vor und betört sie

fälschlich, indem er trotz der schlechten Zeiten beständig mit Beute in

den Klauen fliegt.

Es ist ein Eisen, das er schleppt. Er trägt es solange, bis die Federn

des Eisens sich ihm durch das Bein geklemmt haben, dann stirbt der Fuß

ab, und eines schönen Tages fällt er mit Eisen und Fang zu Boden.

Ein erstklassiger Freier ist er ja freilich nicht, aber was tut das --

-- er ist ein Uhu und kein Kanarienvogel!

-- -- --

Da thront er neben ihr ...

Jedesmal, wenn sie die Hautblende von den Augen fortzieht, sieht sie

einen Schatten ihrer selbst vor sich: einen großen, braunen Uhu mit

Federbüscheln wie ein paar Katzenohren und mit einer Mundspalte, die

sich darunter weit nach hinten zu fortsetzt ...

Das ist der einklauige: UF!

Er ist an die hundert Jahre; seine Zeitgenossen sind der Wolf und der

Adler gewesen -- der letzte Überrest von Tieren, die noch etwas von der

großen Zeit an sich haben.

Den ganzen Winter sitzen sie zusammen in dem hohlen Baumstamm und würgen

an ihrem Gewöll. In der Regel schlafen sie gut -- und erwachen sie

zufällig, so haben sie genug zu tun.

Bald fordern die Nackenfedern einen Besuch ihrer Krallen, bald

wollen die Lichter gerieben und die Wangen gewaschen werden,

oder der Schnabelbart mit den vielen eingetrockneten Blut- und

Fleischüberbleibseln meldet sich und bittet eindringlich, daß man ihn

reinigt und bürstet.

Dann pudern sie sich halbe Stunden lang und nehmen die possierlichsten

Stellungen ein. Uf wird zu einem jämmerlichen Großvater in der

Nachtmütze und mit Haarzotteln um die Ohren; Strix wird zur Furie; zu

einem wilden Gespenst -- bereit zu kratzen und um sich zu schlagen!

Aber zur Frühlingszeit, wenn die Märzstürme den Wald »stimmen«, wenn die

Larven in dem faulen Holz des Baumstamms mit offenbar fieberhafter Hast

anfangen, ihr eifriges Klopfen und Hämmern zu beschleunigen, wenn die

Träume, die sie träumen, immer wiederkehren, da geht es nicht mehr an,

nur zu schlafen und sich zu putzen! Da müssen sie auf -- auf und die

Hörner sträuben und mit den Flügeln schlagen, während sie auf dem

Zunder, auf dem sie sitzen, hüpfen und tanzen; da müssen sie schwänzeln

und sich kröpfen und hu--u, hu--u heulen ...

Und dann bauen sie ihren Horst.

In einem Bett aus Reisig liegen zwei graubedaunte Junge!

Sie sind runzelig im Gesicht wie alte Weiber und häßlich für alle, nur

nicht für Strix. Der Horst liegt in einer großen Vertiefung unter einem

alten Baumstumpf, aber er geht in den Baumstumpf hinein, weit hinein, so

daß man in ein tiefes, undurchdringliches Dunkel sieht. Es ist ein ganz

vorzügliches Nest, da ist ein Fußboden und da ist ein Dach -- auf dem

Fußboden liegen allerhand Federreste. Ganz hinten im Baumstumpf ist die

Vorratskammer; da gibt es Amseln und Birkhühner und Hasen -- und alle

Speisen sind frisch, die Tiere sind ganz kürzlich geschlagen. Aber vor

dem Baumstumpf ist der Fußboden in weitem Umkreis mit Flügeln und

Knochen übersät; da sieht es aus wie vor einer Räuberhöhle.

Die Jungen sind noch klein. Vor zwölf Tagen erst sind sie aus dem Ei

gekrochen, und Strix' einkralliges, altes Männchen sitzt getreulich

über ihnen, um durch die Wärme seines Körpers den Lebensfunken in ihnen

zu erhalten. Uf kann schlecht fangen, kaum für den eigenen Bedarf,

geschweige denn für den anderer; seine Kralle ist stumpf und seine Augen

sind schwach -- da haben er und sie die Rollen vertauscht. Ihr liegt es

also ob, alle Vorräte zu beschaffen!

Und sie ist zu allen Zeiten ein kühner Jäger gewesen. Gleich bei

Tagesanbruch fliegt sie vom Nest auf. In dem blanken, sonnenfreien

Licht, das der ganzen Umgebung und allen Gegenständen ihre richtige

Größe verleiht, jagt sie am eifrigsten und fängt sie am besten. Da

durchsucht sie den Wald, steigt über Mooren und kleinen Wiesen auf ...

sie rüttelt wie ein Falke auf hastig klappenden Flügeln und späht hinab.

Während die Holztauben gurren und die Drosseln singen, während die Hasen

ganz davon in Anspruch genommen sind, auf Freiers Füßen zu gehen,

während die Wasserhühner in den Moortümpeln sich um Männchen und

Brutplätze balgen, kürt sie zwischen dem Überfluß und macht Beute.

Oder sie fliegt auf ein baumfreies Feld hinaus, hinaus auf Äcker und

Heiden, und läßt, während das Tageslicht mehr und mehr Übermacht

gewinnt, die Ferne unter sich aufsteigen: neue Wälder weit da draußen

fangen an zu winken, Anger mit Lämmern und Zicklein kommen verlockend

nahe, sie gewahrt ferne Feldraine und Menschennester, in deren Nähe es

von Wieseln und Ratten wimmelt.

Rings umher unter ihr ertönt das Kullern des Birkhahns und das

herausfordernde Zusammenrufen streitbarer Rebhähne ... abgezehrte und

abgearbeitete Fehen sieht sie mit Stöcken von Schwänzen anstelle der

früher so dicken, buschigen Lunten herumhuschen. Die Geburt der Jungen

hat alle Haare mitgenommen.

Aber die Fangzeit ist kurz zu dieser Zeit des Jahres ... bald surrt

glühende Luft vor ihrem Blick, scharfe, ätzende Strahlen beißen sie in

die Augen -- und auf einmal ist es, als werde die Erde unter ihr

sonnenbestrichen, der letzte Rest von Klarheit verzieht sich -- und nun

blinkt und flimmert und glitzert das Gras.

Da nimmt sie mit dem fürlieb, was sie zwischen den Fängen hat, und

fliegt schleunigst zurück nach ihrer Behausung, das rote Licht des

Sonnenaufgangs über den Flügeln.

So holt sie Ratten aus den weitentlegenen Dörfern, Birkhühner aus der

Heide, Hasen vom Felde, Krähen aus dem Walde -- sie müht sich getreulich

ab und nimmt, was sie kriegen kann. Mit einem triumphierenden Hu-u

bringt sie ihrem Gatten den Fang, und wenn Uf sieht, was sie hat,

sträubt er die Hörner und gibt einen zufriedenen, gurrenden Laut von

sich --! Wieder ein Hase! sagt er überrascht in seiner Sprache! ja! sie

strengt sich an!

Dann erhebt er sich von den beiden Jungen mit den scharfen Fängen; ihre

unheimlichen, halbkahlen Köpfe gucken hervor und zeigen sich ihrem

mütterlichen Ursprung. Sie will ihm bei der Beute behilflich sein, will

ihm helfen, sie abzuziehen und zu zerlegen, aber er reißt sie ihr weg:

sie soll nur fangen, nichts als fangen -- -- --!

Doch Strix läßt sich nicht kommandieren; sie kennt ihn und weiß, daß er

gern für seinen eigenen Schnabel sorgt; so tranchiert sie denn das Wild

nach bester Regel, zermalmt die Knochen und macht zähe Muskeln weich;

sie kaut die Bissen durch und pfropft sie holterdiepolter ihren

heißhungrigen Kleinen in die Schnäbel.

Uf sitzt da und schmollt -- --: sie soll nur fangen, nichts als fangen

-- --

Es dämmert ... es ist ein früher Morgen im Mai! Die Fledermäuse heben

sich noch wie Möwen vom Himmel ab. Die Drosseln schlagen ihre ersten,

tastenden Schläge, nur ein ganz kurzes Flöten ohne Zusammenhang.

Dann fängt ein Birkhahn draußen am Waldrand an zu kullern und zu

schleifen. Eine Amsel trillert, ein kleiner Zaunkönig piepst -- der

ganze Wald erwacht und begrüßt den dämmernden Tag mit Gesang. Der

Kuckuck ruft in unaufhaltsamen Kaskaden, aber die Weibchen sind zu

geschäftig, um zu lauschen -- sie sind ganz davon in Anspruch genommen,

ein Pflegeheim zu finden! Rastlos fliegen sie umher, sie gucken in

Astlöcher hinein und zwischen Baumwurzeln, oder sie flattern tief unten

über Nessel- und Wildkerbelinseln hin; ihre langen Schwänze streifen

förmlich an den Kräutern entlang und jagen die brütenden kleinen Vögel

auf.

Strix ist auf Fang aus! Sie muß in der letzten Zeit immer weiter hinaus,

die zunächst gelegenen Jagdgründe sind erschöpft.

Von ihren früheren Ausflügen weiß sie, daß dort auf der andern Seite des

Waldes unter einem mit Gestrüpp bestandenen Abhang eine große Herde

Ziegen mit Zicklein zu weiden pflegt. Heute Morgen ist ihr das Glück

hold! Eine der Ziegen hat gelammt und die kleinen, neugeborenen Zicklein

drücken sich neben der Mutter an deren Euter.

Die Erde ist im Begriff, die Nebel der Nacht abzuschütteln: alle kleinen

Niederungen zwischen den Hügeln stehen in einem Dampf, so daß es für

Strix ein leichtes ist, die Tiere zu überrumpeln. Keine von den vielen,

neidischen Krähen oder wachsamen Kiebitzen, deren Gebiet sie hat

durchfliegen müssen, hat sie eräugt. Ungeahnt dringt sie vor ... sie

sieht das Gestrüpp schon in der Ferne. Sie hat nicht den Mut, sogleich

niederzustoßen und Beute zu machen. Es gilt jetzt ja mehr, als nur zu

fangen! Die Beute muß mit ... mit in die Luft hinauf und nach Hause in

den Fängen.

So stürzt sie sich denn in einen Wipfel hinein, der aus dem Dickicht

aufragt ...

Der Zweig kracht unter ihrem Gewicht und dem Griff ihrer Fänge, so daß

alle Ziegen spähen und sich aufrichten; aber jetzt, wo sie sich gesetzt

hat, verschwimmt sie mit dem Kronengewölbe und mit dem Abhang -- und die

Morgenschläfrigkeit senkt sich wieder auf die Tiere herab. In völliger

Ruhe kann sie ihre Beute auswählen: dasjenige der Zicklein das zu

äußerst liegt.

Es sind Ziegen von der kleinen, ungekreuzten verkümmerten Landrasse, ein

Zicklein wird sie schon tragen können, wenn sie es nur richtig gefaßt

kriegt. Geduldig wartet sie den günstigen Augenblick ab.

Auf einmal ist sie da!

Die Fänge bereit, vorn unter der Brust, stürzt sie sich herab. Im

Vorübersausen versetzt sie der halbschlafenden Mutterziege eine

Ohrfeige, dann paßt sie es so ab, daß sie das Zicklein noch im Fliegen

packt.

Sie hat es ... sie flattert damit über den Erdboden hin.

Es ist schwer, sie merkt, daß es nicht so recht mit in die Luft hinauf

will -- es gehört mehr Aufstiegschwung unter die Flügeldecken dazu.

Mechanisch gebraucht das Zicklein die Beine, und Strix reizt es durch

ihr Kampfgeheul zu den äußersten Anstrengungen. Der Druck unter den

Flügeln wird stärker. Bald hebt sie es leicht über Gräben und

Erderhöhungen -- und jetzt, mit einer mächtigen Kraftanspannung, nimmt

sie endlich ihren Passagier mit in die Luft hinauf.

Sie hat die Fänge in beiden Flanken des Zickleins, tief drinnen in dem

zarten Rumpf, die Qual des kleinen Opfers wird auch nur kurz, schlaff

hängt der Kopf herab, ehe Strix nur die Hälfte ihrer Flughöhe erreicht

hat. -- -- --

An diesem Morgen hat Strix etwas zu schleppen! Aber die Last ist ihr

teuer! Als sie um Sonnenaufgang, schachmatt und abgehetzt, einen langen

Schwanz von Krähen und kleinen Vögeln hinter sich, schwer durch die

Baumwipfel herabgeflogen kommt, als es Uf klar wird, daß sie die Fänge

wirklich voll hat -- da vernimmt sie die zärtlichsten Liebeslaute seiner

alten Kehle: Wap, wap, wap!

Das sind Zeiten für Strix! Tag und Nacht wechseln nicht schnell

genug ...

Der ganze hohle Baumstamm liegt voll von teilweise unangerührten

Tierleichen. Da sind Birkhühner und Rebhühner, Holztauben und Krähen,

Hasen und Rehkitzchen -- ein unvergleichlich anheimelnder, gedeckter

Tisch! Die Kleinen können nicht so schnell äsen, wie sie fangen kann,

aber ihr Sinnen ist darauf gerichtet, daß sie immer einen gewissen

Überfluß vor Augen haben; dadurch sollen sie ihre Abstammung erkennen.

Ihrem alten Uf aber ist dies Wohlleben nicht zum Vorteil! Fett und

rundlich ist er geworden, und noch älter und bequemer. Längst hat er

aufgehört, Kinderwärterin zu sein und hat sich in seine eigene

Privathöhle zwischen einem Haufen großer Steine zurückgezogen. Aber

darum hat Strix ihn nicht aufgegeben. Wenn sie in der Dunkelheit der

Nacht sein flehendes Rufen hört und begreift, daß er leidet, weil er

seinen Hunger nicht hinreichend stillen kann, so fliegt sie regelmäßig

mit seiner täglichen Nahrung zu ihm hinab.

Strix: Die Geschichte eines Uhus · 第 6 / 31 题