Der Weber daneben, der ziemlich sicher auf seinem Pferde saß, war ganz

Ohr bei der fabelhaften Beschreibung des Landes, und dankte im Stillen

seinem Gott und dem Professor, daß er nicht in völliger Blindheit an

diesem merkwürdigen Platz vorübergefahren, sondern mit Sack und Pack

ausgestiegen sei, und nun natürlich auch im Stande sein würde mit

zuzulangen, wenn es hier einmal Brei oder Goldstücken regnete, denn

weiter blieb, nach des Amerikaners Beschreibung und Aussichten, wirklich

nicht viel mehr übrig.

Am wenigsten achtete von Hopfgarten darauf der, nicht in der Absicht

sich hier niederzulassen, wenig Interesse dabei fand in wie fern die

Stadt den Hoffnungen, die ihr neuer Freund dafür hegte, entsprechen

würde, und mehr darauf achtete das sich jetzt rasch vor ihnen aufrollende

Land mit seinen Eigenthümlichkeiten zu beobachten. Das aber fesselte

auch bald die Aufmerksamkeit der beiden Anderen, und als sie eine

Strecke lang im Wald, durch den sich die Straße um Sumpflöcher und

Baumwurzeln hinwand, fortgeritten waren, die erste Lichtung, und mit

dieser eine Farm -- eine wirkliche Farm im Inneren von Amerika

-- erreichten, hielten sie wie auf gemeinsame Verabredung ihre Pferde

an, und schauten still und schweigend, jeder mit seinen eigenen Gedanken

beschäftigt, den Platz an, der sich hier vor ihnen ausbreitete. --

Aber wie anders hatten sie sich eine Ansiedlung in Amerika gedacht, wie

freundlich sich das ausgemalt, und die stille Wohnung im Walde, mit all

dem Zauber geschmückt, den die Natur fähig ist einem solchen Bilde zu

geben. Das rege Schaffen der Menschen dabei, muntere fette Heerden, ein

freundlicher Garten, schattige fruchtschwere Obstbäume, unter denen

die lauschigen Fenster freundlich und versteckt hervorschauten; der

reinliche Kies oder Rasenplatz dann vor der Thür, auf dem die Kinder

spielten, und die niederen Nebengebäude mit Ställen und Scheunen, die

sich dicht an das Wohnhaus schmiegten --Lieber Gott, wie anders sah das

hier aus.

Eine sogenannte Wurmfenz -- die langgespaltenen Hölzer ohne weitere

Befestigung untereinander, nur im Zickzack immer Enden über Enden gelegt

-- umschloß ein Stück von etwa zehn Acker »geklearten« Landes, wie sich

der Pensylvanier ausdrückte, d. h. ein Theil der Stämme vor etwa drei

Fuß vom Boden, je nach Bequemlichkeit des Fällers, theils umgeschlagen

und das überflüssige Holz auf große Haufen geschafft, verbrannt zu werden,

theils standen die übrigen Bäume noch eingeringelt oder »getödtet« dürr

und trocken die nackten Arme gen Himmel streckend, einzeln zerstreut

über den Plan. Der Wald begrenzte an der Rückseite diese Rodung, aber

noch war ihm keine Zeit gegeben da, wo er erst kürzlich seines Schmuckes

beraubt worden, wieder frisch auszuschießen, und die grüne Wand die er

bildete sah zerrissen, rauh und wüst aus, eben wie der Boden, der mit

dem Pflug gelüftet ein wildes trostloses Gewirr und Chaos von Wurzeln,

Schollen und zackigen Furchen bot, daß es dem Fremden gar nicht so

schien, als ob er je im Leben im Stande sein würde eine ordentliche

Erndte zu tragen.

Die Straße die hindurchlief und an beiden Seiten von Fenzen eingefaßt

war hatte man, kein besonderes Zeichen für den _Werth_ des Landes -- fast

vierzig Schritt breit gelassen, und der Fuhrweg zog sich, sumpfigen

Stellen, Klötzen und Stümpfen aus dem Weg gehend, herüber und hinüber in

ausgefahrenen Gleisen, während einzelne niedere Blockhäuser, mehr

Ställen als Wohnungen gleichend, zerstreut über den Platz weglagen, und

mit dem Rauch der aus ihren Schornsteinen stieg nur zu wohl verriethen

wie sie bewohnt seien.

Und nichts -- gar nichts Freundliches boten sie, kein Gärtchen schmiegte

sich an sie an, kein Fruchtbaum verrieth die sorgsame Hand des Gärtners

-- keine Blume blühte, kein Grashalm fast war hier soweit das Auge

reichte zu sehn, die Einzackungen der Fenzen ausgenommen, die Pflug- oder

Wagengleis nicht hatte erreichen können; Alles war umgewühlt und roh,

und einzelne Schweine die in den Pfützen arbeiteten und mit dem Rüssel

den Schlamm aufschaufelten, schienen hier in der That den Ton anzugeben

und auch die einzigen Wesen zu sein, die sich wirklich wohl und

behaglich fühlten.

»Und das ist eine Farm?« sagte Herr von Hopfgarten, der zuerst die

Sprache wieder gewann, und mit keineswegs freudiger Überraschung die

Scene um sich her betrachtete; »guter Gott, die Geschichte habe ich mir

doch eigentlich anders gedacht.«

»Das ist eine Farm Gentlemen« sagte aber Ezra Ludkins freundlich -- »oder

soll vielmehr erst eine werden, denn die Leute haben erst vorigen Winter

angefangen den ersten Baum zu fällen und es sieht noch eher ein Bischen

wild und unbehaglich aus; die Sache kriegt aber ein anderes Ansehn,

wenn hier erst das #corn# (Mais) zwölf und vierzehn Fuß hoch mit seinen

armstarken Kolben und wehenden grünen Blättern steht, wenn ordentliche

Cabins gebaut und Obstgärten angelegt sind, und die Leute erst beginnen

sich ein wenig comfortabel zu fühlen -- nachher »schwätze mer anders«

und die #railroad# (Eisenbahn) wird keine zweihundert #yards# von hier

vorbeilaufen.«

»Es ist das der erste Beginn« sagte aber auch jetzt der Professor

seufzend, »der erste Kampf der Civilisation gegen die Wildniß; die erste

Verschmelzung, wie man beinah sagen könnte, des Waldes mit der Cultur,

in der der Mensch wieder mit zurück in seinen Urzustand gezogen wird,

und ein Stadium, das wir allerdings ebenfalls gezwungen sein werden

durchmachen zu müssen. Wie gefällt es Ihnen, Brockfeld?«

»Mir?« sagte der Weber, wie überrascht durch die Anrede, »ih nu -- es

ist -- es ist recht hübsch hier -- scheint gutes Land zu sein und -- und

recht viel Platz; nur noch ein Bischen wild. Tüchtiges Stück Arbeit

noch, die Baumstümpfe alle herauszukriegen, ehe man mit dem Pflug hinein

kann.«

»Mit dem Pflug hinein?« sagte der Pensylvanier sich erstaunt nach ihm

umdrehend -- »das _ist_ ja hier schon gepflügt.«

»Das hier?« rief der Weber, sich erstaunt im Sattel aufrichtend, »aber

wahrhaftig es sieht so aus, als ob hier Jemand mit einem Pflug drin

herum gekratzt wäre -- nun das ist ein Kunststück? wie kommt man denn

damit einem Pflug _durch_? Da muß unser Einer freilich wieder von vorn

anfangen zu lernen.«

»Aber kommt Gentlemen, kommt« sagte der Amerikaner, »wir verlieren hier

zu viel Zeit und haben noch einen guten Ritt vor uns.«

»Sollten wir uns nicht einmal lieber hier die Häuser im Inneren ansehn?«

sagte der Professor.

»Verdammt wenig, was wir da würden zu sehn kriegen« lachte Ludkins; »so

kahl wie's von außen ist, sind auch die Wände im Innern, und die Leute

haben höchstens einen Kasten oder #gum#[27] zum draufsitzen, und einen

roh zusammengenagelten Tisch, ein paar Blechbecher, einen Kaffeetopf und

ein #skillet# (Bratpfanne). Das finden wir auch wohin wir kommen; wer

aber Lust dazu hat, kann sich das selber bald ganz anders und viel

behaglicher einrichten -- diese #squatter# wissen es eben nicht besser.«

Er hatte dabei seinem Pferd langsam den Zügel gelassen, und die Männer

ritten durch die lange »#lane#« oder eingefenzte Straße hindurch, wieder

in den Wald hinein, bis sie zu einer anderen, eben solchen Lichtung

kamen. Die nächste Farm stand aber schon etwas länger, und zum Theil

wenigstens mit Mais bepflanzt der reif und abgetrocknet noch im Feld

gelassen war, bot sie ein freundlicheres Bild. Die Gebäude freilich

sahen eben nicht viel besser aus und aus den Thüren schauten, als sie

vorüberritten, das etwas bleiche Gesicht einer jungen Frau in einem

lichten baumwollen Kleid, und vier oder fünf blondhaarige sonst aber

sehr vernachlässigte Kinderköpfe heraus.

Ezra Ludkins begann jetzt, freilich mit sehr geringem Erfolg, ihnen die

Grenzen der verschiedenen Besitzungen, ja sogar hie und da die Bäume zu

zeigen, an denen die Ecken der Sectionen mit Buchstaben und Zahlen

angemarkt waren; er besaß darin eine außerordentliche Ortskenntniß der

verschiedenen Stellen, und wurde nicht müde ihnen die Vortheile der

einzelnen Sectionen, mit ihrem Fruchtboden und ihren Weidegründen

auseinanderzusetzen. Die Krone der Ganzen war aber seiner Aussage nach

doch die Farm, die er für sie bestimmt hatte, ebenso in Lage, wie in

Boden, Gebäuden und Baumwuchs, wenn sie auch jetzt noch, wie er übrigens

vorsichtig dazu setzte, ein wenig #unpromising# (wenig versprechend)

drein schaute, und der Verbesserungen noch manche bedürfe ehe sie

_vollkommen_ wäre.

So waren sie eine Strecke recht eigentlich mitten im Walde, der

nur hie und da von kleinen Lichtungen mehr gestört als belebt wurde,

hingeritten, ohne selbst von diesem mehr gesehn zu haben, als in ihrem

Wachsthum gestörte grüne Wände, die ihre zerbrochenen Zweige und

mishandelten Stämme wie anklagend gen Himmel streckten; als sie endlich

durch dünnes Kiefergebüsch und über dürren Boden fort, für den selbst

der Pensylvanier keine Entschuldigung fand, vielleicht eine englische

Meile berganreitend den Kamm eines Hügels erreichten, und hier ihren

Pferden überrascht in die Zügel fielen.

»Mein Gott wie schön!« rief der Professor fast unwillkürlich, als sich

ein weites sonniges Thal, im Ganzen dicht bewaldet und nur hie und da

von freundlichen grünen Lichtungen unterbrochen, vor ihren Blicken

soweit das Auge reichte ausspannte, und nur im Hintergrund von blauen,

wellenförmigen, aber ebenfalls holzbedeckten Hügeln begrenzt wurde. Die

Wildniß lag hier in aller Pracht und Herrlichkeit vor ihren entzückten

Blicken, und der Herbst, der in keinem Lande der Welt den Bäumen solchen

Farbenschmuck verleiht wie in Amerika, hatte den Wald mit seinen

wundervollen Tinten förmlich übergossen. In roth und grün in gelb und

braun und lilla schmolzen die Lichter, hier in blitzenden Flächen

glühend, dort in sanften Schatten verschwimmend abscheinend durch

einander, und während die jungen schlanken Hickorystämme wie flammende

gelbe Lichter aus dem dunkleren Hintergrund hervorstachen, prangte Ahorn

und Eiche in so wundervollem Purpur und saftigem Braun, das nur von dem

hindurchgeflochtenen in allen Farben schillernden wilden Wein fast noch

übertroffen wurde, und zitterten die Pappeln mit ihrem silberleuchtenden

Schmuck in dem blitzenden Sonnenlicht, daß das Auge, geblendet von der

Pracht, die Wunder dieser neuen Welt kaum zu fassen, zu begreifen

vermochte.

»Nun? -- wollen wir nicht weiter?« frug der Pensylvanier der diesen

Farbenreichthum zu oft gesehn, etwas Außerordentliches darin zu finden,

und jetzt nicht recht begreifen konnte weshalb die Fremden gerade hier

anhielten, wo eben gar Nichts zu sehen und zu bewundern war, nicht

einmal ein Eckbaum irgend einer Viertelsection mit zierlichen, auf der

abgeschlagenen Rinde gemalten Buchstaben -- »hier haben wir allerdings

Nichts wie Wald, aber ein kleines Stückchen weiter unten kommen wir

wieder zu einer Farm, und dann ist's genau noch eine Quartersektion bis

zu dem Platz wohin wir heute wollen.«

»Welches wundervolle Farbenspiel in dem Laub hier« rief aber der

Professor, die Mahnung kaum hörend -- »sehn Sie nur Hopfgarten, jene

Gruppe dort hinten, mit dem mächtig dunklen Baum zum Mittelpunkt, aus

dem die Lichter ordentlich wie Strahlen nach allen Seiten schießen.«

»Und jene schillernden Festons die sich um jene Eiche schlängeln, mit

den Gold und Purpur durchwirkten Blättern« rief von Hopfgarten, »und den

Massen dunkelblauer, daran niederhängender Trauben -- oh wie schön, wie

wunderbar schön ist dieß Land!«

»Ja, 's ist #putty considerable# hübsch« sagte der Amerikaner, der

Nichts dagegen hatte daß die Fremden den blanken Wald schön fanden,

während er sein rechtes Bein, der Bequemlichkeit halber nach links mit

über den Sattel legte und den rechten Arm darauf stemmte, »'s läßt sich

ansehn, und famoser Boden dazu. Da unten wachsen Zucker-Ahorn und wilde

Kirschen in Masse, nur ein Bischen viel Holz steht d'rauf, sonst wär'

es ebenfalls schon lange gekleart worden. Aber das wird schon noch

hübscher, wenn die Eisenbahn erst hier durchgeht; seht Ihr Leutchen,

gerade über die kleine Ridge[28] da drüben wo die vielen Hickorys stehn

-- sie sehn jetzt alle gelb aus -- da soll sie weg gehn, und ein Bruder

von mir hat sich da oben schon angekauft -- aber 's ist jetzt noch ein

Bischen einsam da.«

Die Männer konnten sich kaum von dem wundervollen Schauspiel, über dem

sich der Himmel jetzt klar und rein ausspannte, losreißen, als Ezra

Ludkins aber glaubte daß sie sich nun lange genug die »Blätter«

angesehn, warf er sein Bein wieder zurück, angelte ein paar Secunden

damit nach dem schlenkernden Steigbügel, und ritt dann langsam voraus

den Hang hinab.

Eine halbe Stunde später, und immer noch in dem prachtvollen Wald

hinreitend, wobei sie die ziemlich schlechte Straße ganz übersahen,

erreichten sie endlich die Marken des bezeichneten Platzes, und Ezra

hatte von dem Augenblick an das Wort. Hier kannte er jeden Baum,

gezeichnet und ungezeichnet, auf jede Senke in der die Bäume stärker und

laubiger standen, machte er sie aufmerksam, auf den sprudelnden Bach

und den lehmig sandigen Boden, auf jede einzelne Pflanze die gern auf

üppigem Boden wächst, auf die stämmigen Maisstengel endlich als sie

die kleine Rodung erreichten, auf die guten und hohen Fenzen, auf den

vortrefflichen Weideboden und die gesunde Lage, auf die netten Häuser

-- die sich allerdings nur wenig oder gar nicht von den früher gesehenen

unterschieden, auf das kräftige Vieh, von dem sie einige Stücke im Wege

trafen, bis sie zuletzt vor der Hütte selber hielten, und ein junger,

etwas bleich aussehender Mann der nicht weit davon arbeitete, mit der

Axt ein Ochsenjoch auszuschlagen, auf sie zukam, sie zu begrüßen und

ihnen, mit Hülfe eines anderen etwa zehnjährigen Knaben die Pferde

abzunehmen.

Der Pensylvanier, der dem jungen Mann zurief indessen, bis sie wieder

zurückkämen »etwas zu essen« für sie bereit zu halten, führte die

Fremden jetzt vor allen Dingen in das Maisfeld selber, wo die Kolben

noch nicht gepflückt und eingesammelt, aber zum großen Theil nieder

geknickt waren, damit Spechte und Raben nicht oben hineinpicken

konnten, und einfließender Regen dann die Frucht anfaulte. Die Stengel

standen aber in der That kräftig und stämmig da, die Kolben selber waren

groß und stark, und mächtige Kürbisse lagen, mit dem Mais gepflanzt,

durch das ganze Feld. Der Boden mußte hier allerdings fruchtbar sein,

und der Weber besonders konnte sein Erstaunen und seine Freude über das

herrliche Land kaum zurückhalten.

Auch die Gegend war reizend; die Farm lag in einem kleinen, rings von

bewaldeten Hügeln eingeschlossenen Kessel, ein nicht großer, aber sehr

klares Wasser haltender Bach lief munter plätschernd hindurch, und eine

nicht unbedeutende Anpflanzung von jungen Äpfel- und Pfirsichbäumen,

die allerdings noch keine Früchte trugen, aber für spätere Jahre reiche

Erndten versprachen, gaben dem ganzen Platz auch schon eher etwas

freundliches, wohnliches, und konnten einen guten Anfang bilden zu

späterer Obstzucht und Gärtnerei. Die Verhältnisse mit dem Land waren

ebenfalls annehmbar, und vierzig Acker die, wie ihnen der Pensylvanier

sagte, schon von ihm als Eigenthum vom Staat erworben worden, während

leicht noch mehr Land, wenn auch nicht gerade mehr zum Congreßpreis, in

der Nähe zu kaufen lag. Nur die Wohnungen sahen noch wild und unbehaglich

aus, und nachdem sie einen langen Spatziergang um das ganze Grundstück

herumgemacht, und auch noch zu einer anderen Rodung geführt waren, wo

der jetzige Eigenthümer eben begonnen hatte weitere fünf Acker urbar zu

machen, sein Feld zu vergrößern, gingen sie langsam zu dem Haus zurück,

in deren Thüre sie eine junge schlanke Frau in die einfache aber

geschmackvolle selbstgewebte Tracht der Waldestöchter gekleidet,

freundlich begrüßte.

Es war eine schlanke, fast edle Gestalt mit wundervollem Haar und Auge,

aber wieder störten den Professor die bleichen Gesichtszüge, störte ihn

die fast durchsichtige Haut -- nur die Kinder, ein kleiner Bube von drei

und ein Mädchen von zwei Jahren, sahen frisch und munter aus.

Das Haus war übrigens nur eine der gewöhnlichen Blockhütten, ohne

Fenster und Ofen, mit einem riesigen Camin der fast die ganze hintere

Wand einnahm, und ein paar eingetriebene Plöcke auf denen ungehobelte

Breter lagen, die wenige Wäsche wie ein paar Bücher zu tragen, bildeten

mit drei ordinairen Rohrstühlen und einem mit der Axt zugehauenen Tisch,

das ganze Hausgeräth. Auf dem Tisch lag aber ein schneeweißes Tuch

ausgebreitet, blanke zinnerne Teller und Blechbecher, die ihnen ordentlich

entgegen blitzten, standen darauf, und eine riesige Kaffeekanne wie ein

großer steinerner Krug voll Milch schienen die Gäste schon lange erwartet

zu haben.

»So Kitty, trag auf was Du hast« sagte Ezra Ludkins in englischer

Sprache, ohne sich auch nur die Mühe zu geben der Frau guten Tag zu

bieten, »die Herren hier sind schon seit Tagesanbruch auf und draußen,

und werden Hunger haben -- keine süßen Kartoffeln?«

»Ja wohl Mr. Ludkins« sagte die junge Frau -- »wenn die Herren

niedersitzen wollen, es ist Alles bereit.«

Der Professor hatte wirklich Hunger bekommen, und ein braunes

kuchenartiges Gebäck, das ihm aus der einen Schüssel warm entgegenduftete,

sah so einladend aus, daß er selbst die Examination des inneren Hauses

bis auf weiteres verschob, und der freundlichen Einladung, von Hopfgarten

gefolgt, rasch nachkam. Nur der Weber blieb verlegen in der Thür stehn

und betrachtete sich höchst aufmerksam das große Baumwollen-Spinnrad das

unfern davon, mit der weißen Flocke noch am aufgewickelten Garn hängend,

in der Ecke stand. Er dachte gar nicht daran sich mit dem Professor,

seinem jetzigen Herrn, und dem Herrn Baron aus der Cajüte, an einen

Tisch zu setzen.

»Nun Mister?« sagte der Pensylvanier -- »keinen Hunger? kommen Sie her

und fallen Sie zu; hier ist Ihr Platz.«

»Oh ich bitte -- ich kann ja warten« stammelte der Mann.

»Warten? -- weshalb; hier haben wir alle Platz.«

»Aber die Madame« meinte Brockfeld, denn es war allerdings nur noch ein

Sitz am Tisch frei.

»Kitty? -- die ißt nachher -- kommen Sie nur es wird kalt.«

»Machen Sie doch keine Umstände lieber Brockfeld« sagte ihm aber auch

jetzt der Professor freundlich -- »hier sind wir nun einmal in Amerika,

und wo uns da etwas geboten wird müssen wir zulangen.«

»Nun wenn Sie denn befehlen« sagte der Weber, dessen Weigerung fehlender

Appetit keineswegs verschuldet hatte, und über ein rundes wunderliches

Gestell, das wie ein abgesägtes Stück Baumstamm aussah und mit einem

dünnen Bret übernagelt war hintretend, setzte er sich darauf und langte

tüchtig mit zu.

Den Mittelpunkt der Mahlzeit bildete übrigens ein groß mächtiges Stück

warm aufgetragener Speck, von dem Ludkins jetzt, der hier förmlich zu

Hause zu sein schien, große dicke Scheiben abschnitt und jedem vorlegte;

eine dunkle Sauce wurde dabei herumgegeben, von der sich alle nahmen,

und der Professor, der sich besonders viel von dem Brode zugelangt, dem

ihm etwas zu fetten Braten damit nachzuhelfen, hatte seinen Speck kaum

in die Brühe getunkt und zum Munde geführt, als er die Gabel auch

erschreckt wieder absetzte, niederlegte und an zu lachen fing.

»Ich habe aus Versehn _Syrup_ zu meinem Fleisch genommen,« sagte er

dabei schmunzelnd, »das hätte doch curios schmecken sollen.«

»Du hast noch keinen Syrup? -- oh, #beg your pardon#, hier steht er,«

sagte Ezra freundlich.

»Essen Sie Syrup zum Speck?« frug der Professor, eben nicht angenehm von

der neuen Kost überrascht.

»Thust Du das _nicht_?« frug der Pensylvanier mit einem halb ungläubigen

Lächeln.

Die Fremden glaubten sich aber keine Blöße geben zu dürfen und langten

von da an, ohne irgend eine Einwendung zu machen, wacker zu; aber auch

das wunderschön aussehende Gebäck mit dunkelgelber krustiger Rinde, das

dem schönsten Sandkuchen glich, erwieß sich als etwas sehr trockenes,

bröckliges Maisbrod, das genau so schmeckte als ob wirklicher Sand

dazwischen wäre, und nur auch in der That mit dem sehr fetten Fleisch

genießbar schien. Auch gegen die sogenannten _süßen_ Kartoffeln hatten

sie, schon des Namens wegen, eine Art Widerwillen zu überwinden, und der

_gebratene_ Speck, den die Amerikaner zum _Gekochten_ aßen, konnte den

nicht zerstören.

Nichts destoweniger ging die Mahlzeit besser vorüber als sich den

Umständen nach erwarten ließ. Die Leute waren eben _hungrig_, und da

schmeckt Manches gut, was der gesättigte Magen selbst mit Widerwillen

zurückweisen würde; so mit dem heißen Kaffee dazu, standen sie auch

gesättigt vom Tische auf, ohne übrigens von der Amerikanischen

Farmerskost, von der sie hier die erste Probe bekommen, sonderlich

erbaut zu sein.

Vor allen Dingen besichtigten sie jetzt die Gebäude, fanden da aber

allerdings noch viel zu wünschen übrig, denn die kleine Hütte,

in der sie gegessen, mit einer Art Speisekammer daneben machte den

Hauptbestandtheil derselben aus. Dann stand noch ein Maisschuppen etwa

dreißig Schritt vom Haus entfernt, und eine Entschuldigung für einen

Stall, ein offenes Gestell, eben nur nothdürftig gedeckt und kaum im

Stande das dahineintretende Vieh gegen einen Nordweststurm zu schützen,

da es jedem anderen Winde preisgegeben blieb. Aber die Summe für das

Ganze war auch, wenigstens nach Europäischen Begriffen nicht hoch. Das

schon vom Staat gekaufte Land sollte nur sieben Dollar der Acker kosten,

wobei allerdings das Urbarmachen selbst wie die errichteten Fenzen und

Hütten besonders zu bezahlen waren. Aber auch die Erndte selber mit dem

dazu gehörigen Vieh, einige zwanzig Rinder, vielleicht vierzig Schweine

und zwei Pferde nebst vier Zugochsen erbot sich ihm der Amerikaner

billig zu überlassen -- einzig und allein nur weil sein Sohn »nach dem

Westen» zu ziehn beabsichtige, und er selber von der Stadt aus die

Bebauung des Platzes nicht leiten könne, auch wirklich zu viel mit

seinen städtischen Einrichtungen zu thun habe, und zu viel Geld dort

brauche zu allen beabsichtigten Anlagen.

Die für Vieh und andere Einrichtungen geforderten Preise kamen dem

Professor, wie auch Herrn von Hopfgarten und dem Weber mäßig vor; jedoch

wollte der Erstere keinesfalls abschließen ohne mit seiner Frau vorerst

darüber gesprochen und ihr den Platz ebenfalls gezeigt zu haben;

überdieß konnte er gar nicht dort einziehn ehe noch ein anderes

Blockhaus dicht neben dem schon stehenden errichtet wäre, dem man dann

zwei Abtheilungen geben, und die Familie wenigstens so lange darin

unterbringen konnte, bis er selber im Stande war ein bequemes, und

seinen Wünschen wie Bedürfnissen entsprechendes Wohnhaus aufzurichten.

Nach allen Einrichtungen, die er sich übrigens schon im Geist machte,

schien der Professor mehr als halb gewillt die Farm, die er jedoch noch

zu einem mäßigeren Preis zu bekommen hoffte, zu kaufen. Er konnte ja

doch auch nicht mit seiner ganzen Familie und der nun einmal engagirten

Dienerschaft im Lande herumziehn, wo er jedenfalls beinah soviel verzehrt

hätte, als das ganze Land hier, mit Wohnungen und Vieh kostete -- und

die Familie hier lassen, während er allein reiste, war fast eben so

mislich. Das Bedürfniß einen Platz zu haben den er sein nannte, und wo

er anfangen konnte zu wirken und zu schaffen, kam dazu, und als er auf

dem Heimweg, während der Pensylvanier mit dem Weber vorausritt, mit

Herrn von Hopfgarten darüber sprach, und dieser ihm rieth doch am Ende

nicht zu rasch in einer so wichtigen Sache zu handeln, vertheidigte er

den Kauf schon, selbst nur den dritten Theil der Hoffnungen angenommen

die der Amerikaner mit solcher Zuversicht über den Wachsthum der kleinen

Stadt ausgesprochen hatte, auf das Lebendigste.

Nach Amerika! Ein Volksbuch. Dritter Band · 第 14 / 17 段