[182] Wenn derselbe Mensch, freilich zu verschiedenen Zeiten, krank und

gesund sein kann, so kann auch das Kranke per accidens gesund sein, wie

es im vorletzten Absatz hieß. Man kommt aber durch den Syllogismus in

der 3. Figur auf die Läugnung dieser Möglichkeit, wenn man Subjekt und

Zustand durcheinanderlaufen läßt. Die Stelle bereitet dem Verständnis

Schwierigkeit, weil sie zu sagen scheint, Gesundheit und Krankheit usw.

könnten sich gegenseitig zukommen. Es ist aber an das nachträglich

Genannte zu denken, das Konträre überhaupt. Denn Ar. sagt, wie

Gesundheit und Krankheit usw., so müßte auch das Konträre überhaupt

nicht voneinander ausgesagt werden können.

[183] Für gleichschenkelig wird das Prädikat = 2 R durch das Wort

(ὄνομα) Dreieck vermittelt, für das Dreieck selbst aber nicht wieder

durch ein einzelnes Wort, da ein solches nicht existiert, sondern durch

eine Rede, d. i. durch den Beweis, daß der Außenwinkel des Dreiecks der

Summe der beiden gegenüberliegenden Dreieckswinkel gleich ist.

[184] Es erscheint unbegründet, wenn +Maier+ II a 315 A. 1 hierzu

schreibt: „In b 12 lese ich mit Waitz und Alexander, welch letzterer

sich eingehend über diese Lesart äußert (362, 4 ff.): τοῦ δ’ ἀγαθοῦ

ἑστὶν ἡ σοφία ἐπιστήμη. Es liegt hier, wie öfters, eine Nachlässigkeit

des Aristoteles vor. In 27 oder vielmehr in 24–27 ist ihm ein

wirkliches Versehen passiert. Es liegt auf der Hand, daß die beiden

Begriffe des Obersatzes sich wie Subjekt und Prädikat verhalten“. --

Auf diesen zweiten Punkt werde ich gleich zurückkommen.

[185] Der Oberbegriff Gattung wird in der Konklusion von dem

Unterbegriff das Gute in recto ausgesagt, während die Prämissen beide

in obliquo aussagen: das, wovon es eine Wissenschaft gibt, ist Gattung;

von dem Guten gibt es eine Wissenschaft; also ist das Gute Gattung.

Es fragt sich also nicht, ob man auch mit Wahrheit sagen kann, daß

Wissenschaft Gattung ist, was ja keinen Zweifel leidet, sondern es

fragt sich um die Weise, wie in unserem Falle ausgesagt wird; vgl. d.

vor. Anm.

[186] Man wolle es mir zugute halten, wenn ich hier, in lauter

trockenen logischen Zusammenhängen, eine Bemerkung über den „Theismus

des Aristoteles“ einschiebe. Das vorliegende, offenbar ganz unbefangen

gewählte Beispiel scheint mir blitzartig die Theologie des Philosophen

zu beleuchten. Gott ist ihm kein rein kontemplatives Wesen ohne jede

Tätigkeit nach außen. Wie könnte es für ein solches einen καιρός geben,

eine Gelegenheit? Wohl aber ist er das Wesen, das sich selbst genügt

und durch seine Tätigkeit keinen Zuwachs seiner Güte und Seligkeit

erhält. „Dixi Domino: Deus meus es tu, quoniam bonorum meorum non

eges“, Ps. 15, 2.

[187] Was mit Reduplikation gemeint ist, erklären die Beispiele. Sagt

man: von der Gerechtigkeit gibt es eine Wissenschaft, so hat man keine

Reduplikation; sagt man aber: es gibt von ihr eine Wissenschaft, daß

sie ein Gut ist, so hat man eine. Die Reduplikation liegt eigentlich

in dem Ausdruck „gut als Gutes“. Es gibt eine Wissenschaft von der

Gerechtigkeit als einem Gute, aber die Gerechtigkeit ist nicht gut als

ein Gut.

[188] +Maier+ übersieht 317 f. den Zusammenhang von Kap. 39 und 40 und

berichtet darum auch über Kap. 40 vor Kap. 39.

[189] Das hat bezug auf Kap. 37: das Zukommen hat auch insofern einen

verschiedenen Sinn, als es eine verschiedene Zuteilung der Begriffe

gibt. Es ist ein Unterschied, ob das B, schön, nur einigem C, weiß,

zukommt, oder allem. Man sagt zwar auch im ersten Falle: B kommt dem C

zu; aber es braucht nicht jedem C zuzukommen.

[190] Wenn A, etwa klug, dem B zukommt, aber nicht allem, wovon B

ausgesagt wird, so braucht A keinem C zuzukommen, mag nun B einigem

oder auch allem C zukommen: alle Weißen mögen schön sein, es braucht

deshalb kein Weißer klug zu sein, weil die Schönen, die klug sind,

nicht weiß zu sein brauchen. Wir erhalten nämlich die Prämissen: Ein B

= A; ein oder alles C = B; hieraus folgt aber nach Kap. 4 kein Schluß,

weil der Obersatz in der 1. Figur nicht partikulär sein darf. Wenn aber

A allem zukommt, wovon B gilt, oder einfacher allem B, so gilt es auch

von allem, was seinem ganzen Umfang nach B ist: alle Weißen sind klug,

wenn alle Schönen klug und alle Weißen schön sind. Wir haben dann einen

Schluß in 1 a: alles B = A; alles C = B; also alles C = A. Ein dritter

Fall würde sich, wenn der Text stimmte, so stellen: C = B; alles C =

A. Das wären Prämissen, wie sie in der 3. Figur vorkommen. Wenn es nun

heißt: nichts hindert, daß dem C das B zukommt, so kann man das deuten:

nichts hindert, daß B allem C zukommt. Wenn es aber weiter heißt, daß

möglicherweise A nicht jedem oder gar keinem C zukommt, so ist das

gegenüber der Prämisse: alles C = A sinnlos, und wenn man etwa statt

des C das B denken wollte, so wäre das nach den Schlußregeln der 3.

Figur, vgl. Kap. 6, unrichtig. Es hat nun +Waitz+ I, 469 f. folgende

Auskunft getroffen: das Komma Z. 26 nach λέγηται fällt aus, und es

ergibt sich: „wenn jedoch A von dem gelten soll, wovon nach dessen

ganzem Umfang B gilt“, usw. Die Worte: wovon usw., sollen nämlich

denselben Sinn haben wie die Worte Z. 23: „von dem wahrheitsgemäß B

ausgesagt wird“, und der Gedanke hier nur der größeren Klarheit wegen

wiederholt und zum vorigen hinzugefügt werden. Denn wahrheitsgemäß

ausgesagt werden, soll bedeuten: im eigentlichen Sinne ausgesagt

werden; wie die Gattung von der Art, nicht per accidens, wie etwa schön

von weiß, S. 469. Ähnlich +Maier+ II a 319. Ich muß die Sache dahin

stehen lassen.

[191] Davon, daß wir die Begriffe in der ekthetischen Linie graphisch,

durch Buchstaben, darstellen, nach +Maier+ a. a. O. 320.

[192] Ein allgemein bejahender Schlußsatz wird nur in der ersten, ein

allgemeiner überhaupt nie in der dritten Figur gewonnen usw. Man muß

also, sei es bei der Haupt-, sei es bei der Zwischenkonklusion, hierauf

achten, um sie durch die rechte Figur zu leiten. -- Hier begegnet

uns eine weitere Verschiedenheit in der Zuteilung der Begriffe, vgl.

Kap. 37: ein Begriff wird dem anderen durch Vermittelung mehrerer

Syllogismen zugeteilt.

[193] Die im Text angegebene Begründung für den Satz, daß nicht alles

Konträre unter +ein+ Vermögen fällt, ist falsch, also kein Beweis.

Daher verdient die von +Waitz+ rezipierte Variante den Vorzug.

[194] Vgl. Anm. 150.

[195] Geschieht 1. Anal. 2. B. und in der Topik, sofern sie lehrt, wie

man aus wahrscheinlichen Prämissen, deren Wahrheit also vorausgesetzt

wird, schließt.

[196] Dies je ein Beispiel für Reduktion des verneinenden Schlusses in

der 1. auf die 2. Figur.

[197] Von den Schlüssen der 2. Figur werden die beiden allgemeinen auf

die 1. zurückgeführt: Cesare durch Umkehrung des Obersatzes, Camestres

durch Umkehrung des Untersatzes, Umstellung der Prämissen und Umkehrung

des Schlußsatzes, vgl. Kap. 5, Abs. 3–5. Von den beiden partikulären

Schlüssen wird Festino auf Ferio durch Umkehrung des Obersatzes

zurückgeführt, vgl. Kap. 5, Abs. 9. Barocco kann auf die 1. Figur nicht

durch Umkehrung zurückgeführt werden. Denn der partikulär verneinende

Untersatz läßt sich überhaupt nicht umkehren, und der Obersatz nur in

einen partikulären Satz; zwei partikuläre Sätze ergeben aber keinen

Schluß.

[198] Eine Schwierigkeit könnte Disamis bereiten, sofern man den

Obersatz umkehren muß. Aber weil man die Prämissen umstellen muß, wird

dieser zum Untersatz, vgl. Anm. 40.

[199] +Maier+ macht in dankenswerter Weise darauf aufmerksam, daß auf

diesen Beweis für den bejahenden Charakter der Sätze mit unbestimmtem

Prädikat in Kap. 3 Ende, Zeile 25 b 24, im voraus hingewiesen worden

ist, Syllogistik II a 27 und Anm. 1, sowie S. 324 Anm. 1.

[200] Etwas kann nicht zugleich A (weiß) und C (nichtweiß) sein, und

etwas kann zugleich B (nichtweiß) und D (kein nichtweißes) sein, weil B

und D reine Negationen sind. Besser ist vielleicht folgendes Beispiel:

B = kein weißes Holz, D = kein nichtweißes Holz. So kann B und D

zugleich Prädikat von Mensch sein.

[201] Wenn es schwarze und weiße Menschen oder Tiere gibt, so gilt:

nicht alle sind oder nicht jeder oder jedes ist weiß, aber nicht: alle

sind oder jeder oder jedes ist nichtweiß, woraus wieder erhellt, daß

diese Aussagen verschieden sind.

[202] Die drei angeführten Modi sind Celarent in der 1. und Cesare und

Camestres in der 2. Figur.

[203] Bisher ist in diesem Kapitel gezeigt worden, wie sich die

bejahenden Sätze mit unbestimmtem und die verneinenden mit bestimmtem

Prädikat, oder einfacher die unbestimmten Bejahungen und die bestimmten

Verneinungen, logisch folgen. Jetzt werden hieraus vier Regeln für die

Folgerungen abgeleitet, die sich bei der Bejahung oder der Verneinung

des logischen Antecedens oder Consequens ergeben. Erste Regel: wenn

sich etwas wie Antecedens und Consequens verhält, so folgt auf das

Contradictorium des Consequens das Contradictorium des Antecedens.

Z. B. weil auf C (Mensch) A (animalisches Wesen) folgt, so folgt auf

B (nichtanimalisch) D (Nichtmensch). Zweite Regel: wenn sich etwas

wie Antecedens und Consequens verhält, ohne sich umkehren zu lassen,

so folgt auf das Contradictorium des Consequens das Contradictorium

des Antecedens ohne Möglichkeit der Umkehrung: was Mensch ist, ist

Sinnenwesen, aber was Sinnenwesen ist, ist nicht Mensch; also ist

zwar was kein Sinnenwesen ist, kein Mensch, aber von dem, was kein

Mensch oder was Nichtmensch ist, braucht nicht zu gelten, daß es

kein Sinnenwesen oder daß es Nichtsinnenwesen ist. Dritte Regel: das

Consequens kann zugleich mit dem Kontradiktorium des nicht umkehrbaren

Antecedens bestehen: Sinnenwesen folgt auf Mensch, nicht umgekehrt,

deshalb kann dasselbe zugleich Sinnenwesen und Nichtmensch sein. Vierte

Regel: das Antecedens kann nicht mit dem Kontradiktorium des Consequens

verbunden werden: dasselbe kann nicht Mensch und nichtanimalisch sein.

Diese vier Regeln werden in den folgenden vier Absätzen bewiesen, die

2. an 4. Stelle.

[204] Das ist die Lösung eines sophistischen Einwurfs gegen die eben

bewiesene 2. Regel, nach der auf das Contradiktorium B des Antecedens

(nichtsinnlich) das Contradictorium D des Consequens (Nichtmensch),

aber nicht umgekehrt auf Nichtmensch nichtsinnlich folgt. Der Einwurf

will, daß auch auf Nichtmensch nichtsinnlich folgt. Denn das gemeinsame

Contradictorium von sinnlich und nichtsinnlich ist: weder sinnlich noch

nichtsinnlich, und auf dieses folgt: weder Mensch noch Nichtmensch. Nun

folgt aber nach der 1. Regel auf das Contradictorium des Consequens

das des Antecedens, also auf das Contradictorium von weder Mensch noch

Nichtmensch das von weder sinnlich noch nichtsinnlich. Contradictorium

von weder Mensch noch Nichtmensch ist aber auch: nicht Mensch. Also

folgt auf nicht Mensch das Contradictorium von weder sinnlich noch

nichtsinnlich. Aber davon ist das Contradictorium auch: nichtsinnlich.

Also folgt auf Nichtmensch nichtsinnlich. Die Lösung ist: das

Contradictorium von sinnlich kann nicht sein: weder sinnlich noch

nichtsinnlich. Denn Kontradiktorisches ist nicht zugleich falsch. Nun

ist es aber zugleich falsch, daß die Pflanze z. B. Sinne hat und daß

sie weder Sinne hat, noch nicht.

Zum zweiten Buche.

[205] Der Inhalt des 1. Buches wird nach seinen drei Teilen

unterschieden. Die beiden „ferner“, ἔτι, grenzen die Teile deutlich

voneinander ab. Als Inhalt des 2. Teiles wird zu verstehen gegeben die

Auffindung des Mittelbegriffs bei bejahenden und verneinenden Sätzen,

die zur Erörterung stehen. Das „nach jedweder Methode“ geht auf die

Unterscheidungen in Kap. 28 f.

206 Das 1. Buch der 1. Analytik hat die Schlüsse gleichsam in ihrer

Entstehung verfolgt, das 2. untersucht die schon errichteten Schlüsse

nach ihrer Tragweite und ihren Mängeln und führt gewisse Begründungen

auf den Schluß zurück. Die Tragweite der Schlüsse besteht zunächst

darin, daß +ein+ Schluß mehrere Schlußsätze ergeben kann. Aristoteles

geht in diesem Absatz ohne weiteres daran, dieses zu erklären.

[207] Das gilt nicht nur für die bejahenden, sondern auch für die

verneinenden Konklusionen. Der Satz: kein Mensch ist ohne Gebrechen,

sagt etwas anderes aus als der Satz: viele Menschen sind nicht ohne

Gebrechen.

[208] Die zwei ersten Modi der 1. Figur ergeben virtuell, daß man

den Oberbegriff auch in bezug auf alles, bejahend oder verneinend,

erschließen kann, was unter den Mittelbegriff und den Unterbegriff

fällt. Hat man z. B. von allem Lebenden durch den Mittelbegriff Körper

als Prädikat Substanz erschlossen -- der Schluß lautet: jeder Körper

ist Substanz; jedes Lebende ist ein Körper; also ist jedes Lebende

Substanz. Das Beispiel ist mangelhaft; weil alles (auf Erden) Lebende

nicht ein Körper ist, sondern einen Körper hat --, so folgt, daß auch

jeder Stein, weil er unter Körper, und jeder Mensch, weil er unter

lebend fällt, Substanz ist. Wenn man ebenso sagt: kein Lebendes ein

Stein, alles Animalische lebend, also kein Animalisches ein Stein, so

ist damit virtuell auch gesagt, daß keine Pflanze und kein Mensch ein

Stein ist, da Pflanze unter lebend fällt und Mensch unter animalisch.

[209] Wenn es heißt: man kann in der 2. Figur nur auf das

schließen, was unter die Konklusion fällt, so ist mit Konklusion

selbstverständlich das Subjekt derselben gemeint. -- Daß das Prädikat

allem, was unter den Mittelbegriff fällt, nicht zukommen kann, ist

zwar wahr, folgt aber nur, wenn man den Obersatz des ursprünglichen

Schlusses umkehrt.

[210] Beispiel: Jedes Sinnenwesen ist sterblich; manches Vernünftige

ist ein Sinnenwesen. Hier folgt nur: manches Vernünftige ist sterblich,

nicht alles, z. B. nicht die reinen Geister. Wohl aber folgt es für

alles, was unter den Mittelbegriff fällt, aber nicht auf Grund des

zuvor errichteten Schlusses. Dazu ist vielmehr der Schluß erforderlich:

jedes Sinnenwesen ist sterblich; alle Menschen und Tiere sind

Sinnenwesen; also sind sie alle sterblich.

[211] Wenn es heißt, daß der aufgestellte Satz schon für die

allgemeinen Modi bewiesen worden ist, so sind die der 2. Figur gemeint,

von denen nach den allgemeinen Modi der 1. Figur die Rede war. Die

3. Figur hat keine allgemeinen Modi. Wenn nun der Satz für die

allgemeinen Modi gilt, dann auch für die partikulären. Ein Beispiel

in der 3. Figur: jeder Mensch ist ein Sinnenwesen; jeder Mensch hat

Verstand; also ist manches, was Verstand hat, ein Sinnenwesen. Hier

kann Sinnenwesen nicht für alles gefolgert werden, was unter „Verstand

haben“ fällt, nicht für den reinen Geist, wohl aber für alles, was

unter Mensch fällt. Denn der Obersatz enthält virtuell einen dahin

gehenden Schluß.

[212] Auf die Ausführung der Analytik, nach der man aus Falschem Wahres

schließen kann, wird in der +Topik+ hingewiesen, 8, 11. 162 a 11. Ein

Beispiel dafür, wenn auch nicht in regelrechter Schlußform sei: 2 > 3;

10 > 7, also 12 > 10, nach dem Grundsatz: Größeres zu Größerem addiert,

gibt Größeres. Die eine Prämisse, um sie so zu nennen, ist falsch.

Dennoch ist der Schluß formell richtig und der Schlußsatz materiell

wahr. Aber der Schluß ist kein Beweis, weil er nicht auf der Wahrheit

und dem Warum fußt: Um ein Beweis zu sein, müßte er etwa diese Fassung

haben: 4 > 3; 8 > 7; also 12 > 10. -- Vgl. unten Kap. 4, 57 a 44 ff.

und Anm. 17; auch 2. Anal. 1, 2.

[213] Vgl. oben Kap. 46 gegen Ende die Regel: auf die Verneinung des

Consequens folgt die Verneinung des Antecedens, siehe Anm. 203.

[214] Vgl. oben Kap. 15, 34 a 16 ff.

[215] Beispiel für einen solchen Schluß, 1. in Barbara: jedes Weiße

ist ein Sinnenwesen: jeder Mensch ist weiß; also ist jeder Mensch ein

Sinnenwesen; 2. in Celarent: kein Weißes ein Sinnenwesen; jeder Stein

weiß; also kein Stein ein Sinnenwesen.

[216] Ein Schluß in Barbara mit falscher Konklusion: Jedes Sinnenwesen

ein Stein; jeder Mensch ein Sinnenwesen; also jeder Mensch ein Stein.

Da der Obersatz ganz falsch ist, so ist das Kontrarium wahr: kein

Sinnenwesen ein Stein. Nimmt man dazu den Untersatz: jeder Mensch ein

Sinnenwesen, so folgt in Celarent: kein Mensch ein Stein. Wäre nun auch

der Schlußsatz wahr: jeder Mensch ein Stein, so wäre Konträres wahr.

[217] Ein Schluß in Celarent mit falscher Konklusion: kein Mensch ein

Sinnenwesen; alles Lachende Mensch; also kein Lachendes ein Sinnenwesen

usw., wie in Anm. 12. Es wäre auch wahr: jedes Lachende ein Sinnenwesen.

[218] Keine Klugheit ist ein Sinnenwesen; jede theoretische Tugend ist

Klugheit; also keine theoretische Tugend ein Sinnenwesen.

[219] Bisher ist gezeigt worden, wie Wahres aus Falschem in den

allgemeinen Modi der 1. Figur geschlossen werden kann, jetzt wird

dasselbe von den partikulären Modi der 1. Figur behauptet und mit Bezug

auf die verschiedenen Fälle der Reihe nach erhärtet.

[220] Wahl ist Zeile 35 durch ἔκθεσις ausgedrückt. Das griechische Wort

hat hier den weiteren Sinn von Wahl, Aushebung, nicht den engeren und

technischen, wie z. B. bei dem Reduktionsverfahren.

[221] „Mit Notwendigkeit“ Z. 40 und „notwendig“ Z. 37 bedeutet nicht

nur, daß der Schluß notwendig folgt, denn das ist, auf Grund der

Definition des Schlusses, bei allen Schlüssen erforderlich, sondern daß

er von dem Zusammenhang der Dinge selbst gefordert wird. Man sehe auch

oben Anm. 8 und im Text Kap. 2, Abs. 2. +Silvester Maurus+ deutet an

beiden Stellen die Worte so, als ob der Schlußsatz nicht darum folgen

sollte, weil die Vordersätze falsch sind, was mir minder zusagt. Der

wahre Gedanke des Ar. ergibt sich aus dem, übrigens von Maurus richtig

wiedergegebenen Beweise in den zwei folgenden Absätzen, und auf diesen

Beweis nimmt auch die Stelle Kap. 2, Abs. 2 Bezug. Es kann unmöglich

gelten: wenn A weiß ist, ist B groß, und auch gelten: wenn A nicht weiß

ist, ist B groß, als ob sowohl die Weiße wie die Nichtweiße von A die

reale und objektive Ursache, das Warum, der Größe von B wäre. Denn dann

würde auch die offenbar unmögliche Folgerung gelten: wenn A groß ist,

ist A nicht groß. Denn was notwendig auf das Consequens folgt, folgt

auch notwendig auf das Antecedens. Es gälte ja: wenn A weiß ist, ist B

groß. Wenn aber B groß ist, ist C nicht weiß. Mithin: wenn A weiß ist,

ist C nicht weiß. Entsprechend gälte: wenn A weiß ist, ist B groß. Wenn

also B nicht groß ist, ist A nicht weiß. Mithin ist, wenn B nicht groß

ist, B groß. Beweis: wenn B nicht groß ist, ist A nicht weiß. Denn wenn

A weiß ist, war B groß. Wenn aber A nicht weiß ist, ist B groß. Denn es

sollte gelten: wenn A weiß ist, ist B groß, und auch wenn es nicht weiß

ist.

[222] Die drei Begriffe wären ABC. +Maier+ sagt S. 261, I: „daß die

drei letzten Worte (ὡς διὰ τριῶν) nicht von Aristoteles stammen, steht

mir fest.“ Ich enthalte mich des Urteils.

[223] Der Zirkelbeweis ist hier kein logischer Fehler, sondern ein

rechtmäßiges Verfahren, das aber nur in zwei Fällen angewandt werden

kann, wenn die eine oder wenn die andere Prämisse eines Schlusses, den

man errichtet hat, konvertibel ist. In Zeile 20 ist die Form λαβόντα

sehr ungezwungen, korrekter hieße es λαμφθῆναι. Zwei Beispiele für den

Zirkelbeweis: 1. Der Syllogismus, durch den man schließt: jeder Mensch

lacht, sei: alles Vernünftige lacht, jeder Mensch ist vernünftig;

jeder Mensch lacht. Aus dieser Konklusion und der Umkehrung des

Untersatzes in: jedes Vernünftige ist ein Mensch, folgt wieder der

Obersatz: alles Vernünftige lacht. Der Grund davon ist, daß dieser

Obersatz, wie er virtuell die erste Konklusion enthält, so auch in ihr

virtuell enthalten ist. 2) Aus dieser Konklusion und der Umkehrung

des Obersatzes folgt der Untersatz. Der Schluß heißt: alles Lachende

vernünftig; jeder Mensch lacht; jeder Mensch vernünftig.

[224] Beispiel. Jedes Sinnbegabte lebt; jeder Mensch ist sinnbegabt,

jeder Mensch lebt. Die Prämissen müssen hier durch andere Termini

bewiesen werden, weil sie nicht umgekehrt werden können. Nicht jedes

Lebende ist sinnbegabt, und nicht jedes Sinnbegabte ist ein Mensch.

[225] Sind alle drei Begriffe konvertibel, so lassen sich unter

Umständen alle drei Sätze, Obersatz, Untersatz und Schlußsatz,

auseinander beweisen, ebenso deren Umkehrungen. Dieses wird der

Reihe nach in den vier Modi der 1. Figur bis zum Schluß des Kapitels

gezeigt, in dem vorliegenden Absatz in Barbara. Der ursprüngliche

Schluß soll wieder lauten: jedes Vernünftige lacht; jeder Mensch ist

vernünftig; jeder Mensch lacht. Wie der Obersatz aus der Konklusion

und der Umkehrung des Untersatzes und dieser aus der Konklusion und

der Umkehrung des Obersatzes folgt, haben wir schon gesehen, vgl. Anm.

19. Aber die Umkehrung des Obersatzes und des Untersatzes muß noch

bewiesen werden. Der Obersatz: jedes Lachende ist vernünftig, wird es

durch den Untersatz und die Umkehrung des Schlußsatzes, der Untersatz:

jedes Vernünftige ist ein Mensch, durch die Umkehrung des Schlußsatzes

und den Obersatz. In diesen beiden Schlüssen ist aber die Umkehrung des

Schlußsatzes: jedes Lachende ist ein Mensch, noch nicht bewiesen. Das

kann nun geschehen durch die Konversion des Unter- und des Obersatzes,

so daß der Syllogismus herauskommt: jedes Vernünftige ist ein Mensch;

jedes Lachende vernünftig; jedes Lachende Mensch.

[226] Den Obersatz darf man nicht umkehren, weil er verneinend bleibt

und auch die Konklusion verneinend ist und aus zwei verneinenden

Vordersätzen kein Schluß geschieht, sondern man muß bejahende

Vordersätze bilden und etwa sagen: alles, wovon A allgemein verneint

wird, ist B; C ist ein solches, wovon A allgemein verneint wird; alles

C ist B. Begriffe: unvernünftig, vernünftig, Mensch.

[227] Weshalb man in Ferio die allgemeine Prämisse nicht beweisen kann,

erklärt der vorige Absatz. Die partikuläre Prämisse beweist man durch

Umwandlung der allgemein verneinenden in eine allgemein bejahende. Der

ursprüngliche Schluß soll lauten: kein Vernünftiges ist unvernünftig;

einiges Animalische ist vernünftig; einiges Animalische ist nicht

unvernünftig. Dann lautet der Beweis für den Untersatz in Darii:

alles, wovon jegliches Unvernünftige verneint wird, ist vernünftig;

einiges Animalische ist nicht unvernünftig und ist mithin ein solches,

wovon jegliches Unvernünftige verneint wird; einiges Animalische

ist vernünftig. Von dieser Umwandlung gebraucht Ar. den allgemeinen

Ausdruck Proslepsis, Hinzunahme, Zuhilfenahme. Ohne sie gibt es keinen

Schluß, weil der Untersatz: einiges Animalische nicht unvernünftig

(ebenso wie der Obersatz), verneinend wäre und ein bejahender Satz nur

aus 2 bejahenden Prämissen bewiesen werden kann.

[228] a) Jeder Mensch vernünftig; kein Pferd vern.; kein Pferd ein

Mensch. -- Jedes Vernünftige ein Mensch; kein Pferd ein Mensch; kein

Pferd vern. b) kein Pferd vern.; jeder Mensch vern.; kein Mensch ein

Pferd. -- Kein Mensch ein Pferd; jedes Vernünftige ein Mensch; kein

Vernünftiges ein Pferd; kein Pferd vernünftig. Hier erhält man also

den Obersatz nur, wenn man den in Celarent erhaltenen Schlußsatz

umkehrt. Auf die Umkehrung wird hier mit demselben Wort πρόςληψις,

προςλαμβάνεσθαι hingewiesen, daß im vorigen Kap. stand; vgl. die vorige

Anm. Auch 59 a 12 und 22 findet sich das Wort προςλαμβάνεσθαι.

[229] Sie sind unvollkommen, da sie unmittelbar nicht die betreffende

Prämisse, sondern ihre Umkehrung ergeben. -- Wir haben Kap. 5 gesehen,

daß bei den verneinenden Schlüssen der 1. Figur die Prämissen der 3. zu

Hilfe genommen werden, der Fall, daß einem, dem nach dessen ganzem oder

teilweisem Umfang a zukommt, b ebenso nicht zukommt. Desgleichen hat

Kap. 6 f. gezeigt, daß die Schlüsse durch die Figuren gehen, die in den

zwei letzten Absätzen von Kap. 7 angegeben sind.

Lehre vom Schluss · 第 16 / 19 段