[139] Möglicherweise ist jeder Mensch musikalisch; einige Menschen sind

logisch geschult oder einiges logisch Geschulte ein Mensch; also ist m.

W. ein logisch Geschultes musikalisch.

[140] Es ist möglich, daß einige Menschen nicht gebildet sind; jeder

Mensch bewegt sich; also ist es möglich, daß einiges Bewegte nicht

gebildet ist. Denn sonst wäre jedes Bewegte und somit alle Menschen

notwendig gebildet.

[141] Vgl. Kap. 16, vorletzter Absatz, und Anm. 106.

[142] Der Fall, bzw. die beiden Fälle, werden auf die erste Figur und

Kap. 16 zurückgeführt, indem je eine Prämisse nach Subjekt und Prädikat

umgekehrt wird; vgl. Anm. 96 f.

[143] Möglicherweise ist kein Mensch weiß; notwendig ist jeder Mensch

ein Sinnenwesen (oder manches Sinnenwesen ein Mensch); also ist m. W.

manches Sinnenwesen nicht weiß.

[144] Notwendigerweise ist kein Sinnenwesen eine Pflanze;

möglicherweise ist jedes Sinnenwesen weiß (oder manches Weiße ein

Sinnenwesen); also ist m. W. manches Weiße keine Pflanze. Darüber,

daß auch tatsächlich manches Weiße keine Pflanze ist, da tatsächlich

manches Weiße ein Sinnenwesen ist, vgl. Kap. 16, Abs. 3, Anm. 94.

Aristoteles sagt Z. 40 a 30 ff.: die Folge war, daß A einem C

nicht zukam, indem er C statt B sagt, entsprechend der Bedeutung

der Buchstaben in der 1. Figur. Dann sagt er: deshalb kommt A auch

notwendig einem B nicht zu, und nimmt hier die Buchstaben, wie sie in

der 3. Figur üblich sind. Notwendig bedeutet folgerichtig.

[145] Notwendig ist jeder Mensch ein Sinnenwesen: möglicherweise ist

kein Mensch weiß oder jeder Mensch weiß oder manches Weiße ein Mensch;

also ist möglicherweise manches Weiße ein Sinnenwesen.

[146] Man erhält keine negative Konklusion. Beispiel. Möglicherweise

schläft jeder Mensch; notwendig ist kein Mensch ein schlafendes Pferd.

Hier folgt nicht: es ist möglich, daß kein schlafendes Pferd schläft

oder manches schlafende Pferd nicht schläft. Man erhält auch keine

affirmative Konklusion. Beispiel. Möglicherweise schläft jeder Mensch;

notwendig ist kein Mensch ein wachendes Pferd. Hier folgt nicht: es ist

möglich, daß jedes oder manches wachende Pferd schläft.

[147] Vgl. den vorigen Abs. und Anm. 144. +Bender+ übersetzt die Zeile

40 b 4, offenbar durch die Stellung des καὶ im Satz irregeführt, sinn-

und stilwidrig: „so wird auch der Schlußsatz das einfache Nichtsein

enthalten.“ Aber warum heißt es dann „auch“, und worauf soll sich

dieses „auch“ beziehen? +v. Kirchmann+ läßt das „auch“ unübersetzt und

überträgt; „so lautet der Schlußsatz auf das einfache Nichtsein.“ Dann

versichert er von diesem Satze und seinem Beweis, aus Mißverständnis,

in der Erläuterung 136 c, daß sie bezweifelt werden müßten.

[148] Vergl. Anm. 145 f.

[149] Die Lehre von der Errichtung der Schlüsse mit kontingenten

Prämissen, wie sie von Aristoteles K. 13–22 vorgetragen worden ist,

wird nicht nur von Herrn +v. Kirchmann+, sondern auch von +Heinr.

Maier+ in seiner +Syllogistik+ d. Ar. bemängelt. „Man wird,“ so

schreibt er, „nicht leugnen können, daß die aristotelische Theorie

der Möglichkeitsschlüsse nicht überall mit gleichmäßiger Exaktheit

durchgebildet ist. Nachlässigkeiten, Inkonsequenzen, Willkürlichkeiten,

ja wirkliche Verstöße sind uns wiederholt begegnet. Gewiß ist,

daß wiederum schon die +Theophrastische Schule+ an vielen Punkten

Berichtigungen für notwendig hält, ohne daß sie eine prinzipielle

Umbildung der aristotelischen Logik beabsichtigen würde. Theophrast

überträgt den Grundsatz, daß im Syllogismus der Schlußsatz stets

der schwächeren Prämisse folge, auch auf die Möglichkeitsschlüsse.

So ergibt sich unmittelbar die allgemeine Regel, daß in +sämtlichen

Kombinationen, die eine Möglichkeitsprämisse enthalten, der Schlußsatz

ein Möglichkeitsurteil sein müsse+“, a. a. O. 206. Ähnlich hatte Maier

Anstoß genommen an der Behauptung, vgl. oben K. 9, Anm. 50–52, daß aus

einer notwendigen und einer tatsächlichen Prämisse ein notwendiger

Schlußsatz hervorgehen kann. „Die aristotelische Lehre“, sagt er,

„daß aus gewissen Verbindungen mit tatsächlichen Prämissen notwendige

Schlußsätze hervorgehen, hat im Altertum eine lebhafte Kontroverse

hervorgerufen. Auch hier weichen schon die Schüler des Aristoteles,

+Theophrast+ und +Eudem+, vom Meister ab. Ihre Theorie, die in der

älteren peripatetischen Schule und zum Teil auch in der Akademie zur

Geltung kam, ist, das in den Syllogismen, in denen die eine Prämisse

notwendig, die andere tatsächlich ist, sich nur ein tatsächlicher

Schluß gewinnen lasse“, a. a O. 125. Hier nimmt Maier freilich noch

nicht bestimmt Stellung, vgl. 136, letzter Abs., wohl aber deutet er

S. 217 am Schluß des 2. Kapitels seinen ablehnenden Standpunkt an,

um später genauer auf die Sache einzugehen. Man muß aber gleichwohl

sagen, daß Aristoteles recht hat. Ich verweise auf die Anm. 98. Das

dort Gesagte kann auch auf bestimmte Schlüsse mit einer notwendigen

und einer tatsächlichen Prämisse angewandt werden. Maier bringt S. 126

unter verschiedenen Beispielen für Syllogismen mit einem tatsächlichen,

nicht notwendigen Schlußsatz an letzter Stelle dieses: allem Gehenden

kommt notwendig Schenkelbewegung zu; aller Mensch geht tatsächlich;

allem Menschen kommt tatsächlich, nicht notwendig Schenkelbewegung zu.

Aber dem ist nicht so. Diese Bewegung muß der Mensch haben, als animal

gressile, durch Gehen sich fortbewegendes Wesen, da ohne sie kein Gehen

sein kann, wenn auch, falls alle Menschen einmal tatsächlich gingen,

dies nur zufällig wäre. Anders ist es mit den anderen Beispielen,

wie etwa mit diesem: alles der Grammatik Kundige besitzt notwendig

Wissenschaft; aller Mensch ist tatsächlich der Grammatik kundig; aller

Mensch besitzt tatsächlich, nicht notwendig Wissenschaft. Es ist nicht

notwendig, daß der Mensch Wissenschaft hat, da, wenn auch alle Menschen

der Grammatik kundig sind, sie es doch nur zufällig sind.

[150] Dieses widersprechende Ergebnis mag nach Ar. daraus abgeleitet

werden, daß, da die Summe der Quadrate der beiden Katheten eines

rechtwinkligen Dreiecks dem Quadrate der Hypotenuse gleich ist,

trotzdem das eine durch eine grade, das andere durch eine ungrade Zahl

dargestellt wird, wenn man Hypotenuse und Kathete kommensurabel sein

läßt.

[151] Im Griechischen: die anderen Kategorien. Damit ist nicht, wie

+v. Kirchmann+ annimmt, der Unterschied der Quantität gemeint, von dem

schon die Rede war; auch nicht, wie +Alexander+ für möglich hält, daß

eine Prämisse falsch oder unmöglich ist. Denn das ist einmal keine

Kategorie, und dann ist es in dem gedachten Falle nicht notwendig,

daß auch der Schlußsatz falsch oder unmöglich ist. Auch ist wohl

nicht mit A. daran zu denken, daß eine Prämisse auf das meistenteils

Geschehende oder Geltende lautet, was schon in „möglichst“ einbegriffen

ist. Vielmehr scheinen, was A. als letzte Möglichkeit bezeichnet, die

verschiedenen Kategorien gemeint, die Quantität, die Qualität usw. Wenn

der Schlußsatz auf die Quantität geht, muß auf sie auch wenigstens eine

von den Prämissen gehen.

[152] Der bloßen Anlage nach, δυνατόν, wenn der Schluß nicht vollkommen

ist.

[153] Der Satz, daß +ein+ Schluß nur drei Begriffe hat, wird so

bewiesen. Im 1. Absatz wird der Obersatz bewiesen: kein Schluß, der

dieselbe Konklusion entweder durch mehr Begriffe oder durch eine

vermittelnde Konklusion gewinnt, ist +ein+ Schluß; im 2. Abs. wird der

Untersatz bewiesen: hat ein Schluß mehr als drei Begriffe, so gewinnt

er dieselbe Konklusion entweder durch mehr Begriffe oder durch eine

vermittelnde Konklusion. Daß z. B. der Mensch lacht, kann man einmal

entweder daraus beweisen, daß er vernünftig ist, oder daß er weint, und

dann stufenweise, in dem man zuerst zeigt, daß er vernünftig ist, und

dann, daß das Vernünftige lacht.

[154] Der Begriffe sind drei, also sind sie der Zahl nach ungrad.

Der Hauptprämissen sind zwei, also sind sie der Zahl nach grad. Der

Schlußsatz ist einer, also sind der Schlußsätze um die Hälfte weniger

als der Prämissen. -- Dieses ist ein zweites Korollarium zu dem

Hauptsatze des Kap. Das erste brachte der vorausgehende Absatz. Zwei

weitere bringen die zwei letzten Absätze.

[155] Wenn es heißt, daß der Sätze um einen weniger sind als der

Begriffe, so sind unter Sätzen, διαστήματα, die unmittelbaren

Prämissen zu verstehen, die nicht noch durch einen Prosyllogismus

oder vorgängigen Schluß bewiesen werden. Ein weiterer Begriff wird

neben den anderen oder von außen, als nicht kontinuierlicher oder

stetiger Begriff, zugesetzt, wenn er entweder über dem Oberbegriff

oder unter dem Unterbegriff steht. Er wird zwischen die anderen oder

innerhalb ihrer als kontinuierlich gesetzt, wenn er zwischen dem

Mittelbegriff steht. Nach Silvester Maurus. Man sieht, daß es nach

dieser Erklärung Zeile 42 b 6 heißt: μέσων μὴ συνεχῶν, und daß das

μὴ nicht gestrichen werden darf, wie Julius Pacius, Waitz und Bender

wollen. Man sieht auch, was die Worte im Anfang des Absatzes wollen:

„durch Prosyllogismen oder durch mehrere, nicht kontinuierliche

Mittelbegriffe“: sind die Mittelbegriffe kontinuierlich, so sind es

Prosyllogismen, die die Konklusion vorbereiten.

[156] In nicht einfachen Syllogismen verhält sich die Zahl der Begriffe

und Prämissen zu der Zahl der Konklusionen nicht so wie in einfachen,

sondern mit jedem neuen Begriff kommen so viele neue Konklusionen

hinzu, als, mit Ausnahme von einem, der Begriffe sind. So erhält man

denn viel mehr Konklusionen, als der einfache Schluß Begriffe und

Prämissen hat.

[157] Die Kapitel 27–31 bilden den 2. Teil des 1. Buches der Ersten

Analytik und handeln von der Auffindung des Mittelbegriffs.

[158] Von dieser letzten Art ist, wie im folgenden Absatz gesagt wird,

dasjenige, wonach die Wissenschaft in der Regel fragt und was sie

schlußweise ermitteln will. Sie fragt nicht, wovon das Konkreteste und

nicht, was vom Allgemeinsten gilt. Zu der Unterscheidung des Seienden

bezüglich der Prädizierung vergleiche man das 2. Kap. der Kategorien.

[159] Was wir übersetzt haben mit: „in dialektischer Weise“, heißt bei

Ar.: κατὰ δόξαν. Man kann z. B. zeigen, daß es auch den obersten Genera

zukommt, eins und seiend zu sein; nach Alexander, der an den Satz der

Topik 1, 2 erinnert: „Die Dialektik ist eine Kunst der Erfindung und

darum beherrscht sie den Weg zu den Prinzipien aller Wissenschaften.“

[160] Von dem, was einem Ding folgt oder zukommt, gehört das eine

zu seiner Wesenheit oder seinem Begriff, wie z. B. daß das Dreieck

eine gradlinige geschlossene Figur mit drei Seiten ist, anderes

ist Proprium, wie z. B. daß das ebene Dreieck eine Winkelsumme von

zwei Rechten hat, anderes ist Akzidenz, wie z. B. daß ein Dreieck

gleichseitig oder gleichschenklig ist. Einiges kommt einem Ding in

Wahrheit, einiges auf Grund der eigenen oder der fremden Meinung zu.

Dieses heißt δοξαστῶς, entsprechend dem vorausgehenden κατὰ δόξαν,

siehe die vorige Anmerkung.

[161] Vgl. Perihermenias 7, 17 b 12 ff.: „Wird von allgemein Gefaßtem

das Allgemeine ausgesagt, so ist das unwahr. Denn keine Bejahung, in

der von allgemein Gefaßtem das Allgemeine ausgesagt wird, kann wahr

sein. Als Beispiel diene der Satz: jeder Mensch ist jedes Sinnenwesen.“

[162] Will man finden, was der Art folgt, so darf man sich nicht an

die Gattung halten, und ebenso nicht, wenn man finden will, wem die

Art folgt. Das ist z. B. bei Mensch lachen. Auf lachen folgt zwar auch

animalisches Wesen, aber nur mittelbar, unmittelbar folgt darauf Mensch.

[163] Um den Schlußsatz zu gewinnen: jeder Mensch ist lebend, sieht

man, worauf lebend folgt: auf animalisches Wesen, und, was auf Mensch

folgt: wieder animalisches Wesen; also ist dieses ein Mittelbegriff für

den Schluß.

[164] Um den Schlußsatz zu gewinnen: manches animalische Wesen ist

vernünftig, sieht man, worauf vernünftig und animalisches Wesen folgt:

beides folgt auf Mensch; also ist dieses ein Mittelbegriff für einen

Schluß in der dritten Figur.

[165] Um den Schlußsatz zu gewinnen: kein Mensch ist ein Pferd, sieht

man bei Mensch auf das, was ihm folgt: vernünftig, und bei Pferd auf

das, was ihm nicht beiwohnen kann; wieder vernünftig. So folgt in der

2. Figur: Kein Pferd ist vernünftig; jeder Mensch ist vernünftig; also

ist kein Mensch ein Pferd. Oder man schließt in der Figur, indem man

den Obersatz umkehrt: kein Vernünftiges ist ein Pferd; jeder Mensch

ist vernünftig; also ist kein Mensch ein Pferd. Man kann aber auch

umgekehrt bei Mensch sehen, was ihm nicht beiwohnen kann: unvernünftig,

und bei Pferd, was ihm folgt: unvernünftig, so ergibt sich der Schluß

in der 2. Figur: jedes Pferd ist unvernünftig; kein Mensch ist

unvernünftig; also kein Mensch ein Pferd.

[166] Um den Schlußsatz zu gewinnen: manches animalische Wesen ist

nicht vernünftig, sieht man bei: manches animalische Wesen, was ihm

folgt: Tier, und bei vernünftig, was ihm nicht beiwohnen kann: Tier.

Dann errichtet man den Schluß in der 3. Figur: kein Tier vernünftig;

jedes Tier an. Wesen; also manches an. Wesen nicht vernünftig; oder in

der 1. Figur, indem man den Untersatz umkehrt in: manches an. Wesen ein

Tier.

[167] A sei Körper, B Substanz, C Element, D Geist; wieder: E Erde,

F Element, G schwer und trocken, H leicht. C ist mit F identisch.

Also kommt Körper notwendig jeder Erde zu. Denn Element kommt jeder

Erde zu und Körper jedem Element, demnach, wenn man die Prämissen

umstellt, in Barbara: jede Erde ist ein Körper. Von den früheren

Erklärern hat niemand für die sämtlichen Buchstaben dieses Absatzes

Begriffe eingesetzt. Denn es zeigt sich, daß man für die folgenden

Absätze mit den Begriffen wechseln muß. In unserem Absatze galt es,

den Mittelbegriff für einen allgemein bejahenden Schlußsatz zu finden,

im folgenden für einen partikulär bejahenden. Darum müssen C und

G identisch sein: das, worauf A und das worauf E folgt. -- Zu den

folgenden 4 Abs. sind Abs. 2–4 dieses Kapitels zu vergleichen.

[168] Eine zusätzliche Regel, um einen partikulär bejahenden Schlußsatz

zu gewinnen! Er heiße: manches Lebende ist ein Mensch. B, animalisches

Wesen, sei mit C identisch, folge auf Mensch und ihm selbst folge

lebend. So gilt denn: jedes an. W. lebt; jeder Mensch ein an. Wesen;

also jeder Mensch lebt, also auch: manches Lebende ein Mensch.

[169] Eine Anweisung bezüglich der 1. Regel, vgl. A. 163. Man muß aus

dem, was auf das Subjekt folgt, als Mittelbegriff das Allgemeinste

wählen, wenn nur darauf das Prädikat folgt. Um z. B. den Schlußsatz zu

gewinnen: jeder Mensch ist eine Substanz, muß man nicht animalisches

oder lebendes, sondern körperliches Wesen verwenden und sagen: jedes

körperliche Wesen ist eine Substanz; jeder Mensch ist ein körperliches

Wesen; also jeder Mensch eine Substanz. Denn wenn das Prädikat auf das

Allgemeine folgt, muß es auch auf das Besondere folgen, das unter ihm

begriffen ist. Wenn es aber auf das Besondere folgt, braucht es nicht

auf das Allgemeine zu folgen; wenn z. B. auf sinnlich lebendes Wesen

Gefühl folgt, braucht es nicht auf körperliches oder auf lebendes Wesen

zu folgen. Die toten Körper und die Pflanzen haben ja kein Gefühl.

[170] Vgl. Kap. 5 und Anm. 22; vergl. auch Kap. 27 Ende.

[171] Die Regeln zur Auffindung des Mittelbegriffs, die hier abgelehnt

werden, sind: 1) wenn das, was auf das Subjekt und das, was auf das

Prädikat folgt, sich ausschließt, kann ein allgemein verneinender, 2)

wenn das, was auf das Prädikat folgt und dem Subjekt vorangeht, sich

ausschließt, kann ein partikulär verneinender Satz gefolgert werden.

Sie werden abgelehnt 1) weil der Mittelbegriff einer sein soll, 2) weil

sie auf die früheren Regeln zurückgehen und ohne sie nicht gelten.

[172] Die hypothetischen Schlüsse sind, wie wir schon wissen, gegenüber

den apagogischen die Gattung. Sie legen einen Satz zugrunde, auf

den das Gewollte folgt, und beweisen ihn. Dieser Satz ist entweder

anerkannt als das Gewollte oder er sagt die Qualität eines bestimmten

Subjekts aus, von der man annimmt, daß auch Verwandtes sie hat. Für

solche Schlüsse sind die gewöhnlichen, schon aufgestellten vier oder

fünf Regeln maßgebend. Man muß aber auch diese Schlüsse nach Quantität

und Qualität unterscheiden.

[173] Nach den aufgestellten Regeln gewinnt man einen partikulär

bejahenden Schlußsatz, wenn der Mittelbegriff das Prädikat und

das Subjekt nach sich zieht. Läßt man ihn aber zugleich mit dem

Subjekt umkehrbar sein, so gewinnt man vermittelst seiner auch einen

allgemein bejahenden Satz. Beispiel: alles Vernünftige (rationale)

ein Sinnenwesen; alles Vernünftige ein Mensch; also mancher Mensch

ein Sinnenwesen. Weil aber vernünftig mit Mensch konvertibel ist, so

kann der Untersatz allgemein umgekehrt werden in: jeder Mensch ist

vernünftig, und dann folgt: jeder Mensch ist ein Sinnenwesen. Ebenso

gewinnt man einen partikulär verneinenden Satz, wenn der Mittelbegriff

dem Prädikat widerstreitet, aber das Subjekt nach sich zieht, aber

einen allgemein verneinenden Satz, wenn er mit dem Subjekt konvertibel

ist. Beispiel: kein Vernünftiges ein Pferd; alles Vernünftige ein

Mensch. Die Buchstaben sind aus Kap. 28 genommen, vgl. Anm. 167.

[174] Solches, was nicht ist, aber sein kann, ist ein Kontingentes im

strengen Sinne: quod potest esse et non esse; mit den sonstigen Weisen

der Aussage, „den anderen Kategorien“, wie es im Text heißt, sind

die Sätze über Tatsächliches, aber Zufälliges, und über Notwendiges

gemeint; das „in derselben Ordnung“ geht auf die Reihenfolge in Kap.

28, vgl. Anm. 167.

[175] Dieses Kapitel bildet eine Art Ruhepunkt und schließt das

Bisherige ab, da das folgende, 31. Kapitel nur eine nachträgliche

Ergänzung bringt. Die Regeln für die Errichtung der Schlüsse und die

Auffindung des Mittelbegriffs sind erledigt, und so folgt denn eine

Erwägung über die Bedeutung und Tragweite dieser Regeln: sie finden

ihre Anwendung im ganzen Umfang des menschlichen Wissens und Forschens;

denn hier gilt es überall, durch den Schluß aus vorhandenen Daten

neue Erkenntnisse zu gewinnen und demgemäß den Schluß selbst so zu

fassen, daß er dieser Bestimmung entspricht: die aufgewandte Mühe,

um die Gesetze der Syllogistik zu finden, ist also nicht vergeblich

gewesen! -- Was in diesem Kapitel von den Prinzipien steht, ist

bemerkenswert, weil es klar zeigt, was auch unter den Prinzipien 2.

Anal. 2, 19 zu verstehen ist: es sind die eigentümlichen Prinzipien der

Einzelwissenschaften, wobei Prinzip im weiteren Sinne zu nehmen ist,

gemäß dem es nicht bloß die ersten Grundsätze, sondern auch selbst den

Begriff der betreffenden Disziplin umfaßt. Mich hat lange und oft der

Zweifel beschäftigt, ob unter den dort genannten Prinzipien, ἀρχαί,

nicht etwa die höchsten Denkgesetze zu verstehen seien und somit nach

dem Ursprunge der allgemeinen Begriffe gefragt werde, mit denen die

Denkgesetze zugleich gegeben sind. Aber das vorliegende 30. Kapitel

zeigt zusammen mit dem Schluß der 2. Analytik und mit dem Anfang der

Metaphysik als dritter Parallelstelle, daß an die besonderen Prinzipien

der Einzelwissenschaften zu denken ist. -- Auf sie könnte man versucht

sein auch die Bemerkung am Schluß dieses 30. Kapitels zu beziehen, daß

das Nähere über die Auswahl der Prämissen in der Topik zu finden ist,

wenn auch hier sicher mit Prämissen nicht bloß die allerersten Sätze

einer Wissenschaft gemeint sind. Maier glaubt in seiner Syllogistik II

a 305, A. 1, diese Bemerkung treffe in Wahrheit nur auf die Prämissen

der dialektischen Schlüsse zu. Aber Aristoteles erklärt ausdrücklich

die Topik für zuständig, die Prinzipien aller Einzelwissenschaften zu

bestimmen. Man sehe Topik I, 1 f., besonders den letzten Absatz von

Kap. 2 und in unserer Übersetzung die Anm. 6 zum 1. B. Es sind z. B.

Metaphysik I, 2 wahrscheinliche Sätze, mittelst deren die Definition

der Metaphysik gewonnen wird. Am nächsten kommt man aber zweifellos

dem Sinn des A., wenn man ihm sagen läßt, das bisher Vorgetragene sei

das Erste, was zu beobachten sei, um die notwendigen Begriffe für ein

Beweisobjekt oder überhaupt einen Schluß zu finden; das noch weiter

Erforderliche, besonders wie man es angehen muß, um reichlichen Stoff

für die Begriffe zu sammeln, lehre die Topik. Man vergleiche hierzu die

Aporien, mehr oder minder wahrscheinliche Gründe, die im dritten Buche

der Metaphysik aufgestellt und erörtert werden, um dann in den späteren

Büchern die streng wissenschaftliche Untersuchung der Probleme folgen

zu lassen; vgl. auch in unserer Topik d. Ar. Einleitung VI.

[176] Diese Verwahrung gegen das Beweisverfahren durch Einteilung kehrt

sich vielleicht gegen Plato, und dann nur, weil er nicht streng auf

die schulgerechte Form sah. Mit der Einteilung allein läßt sich nichts

beweisen, so lange nicht gezeigt ist, in welche Klasse der Einteilung

ein Ding gehört. Der Begriff eines Dinges läßt sich überhaupt nicht

beweisen, wie in der Folge gezeigt werden wird. Der Mittelbegriff

darf auch nicht allgemeiner sein als der Oberbegriff. Bei dem

Einteilungsverfahren ist er das aber. Wenn ich z. B. zeigen will, daß

Mensch die und die Art von Sinnenwesen ist, und als Mittelbegriff alle

verschiedenen Arten von Sinnenwesen verwende, so hat der Mittelbegriff

einen weiteren Umfang als der Oberbegriff. -- Von der Einteilung

handelt auch 2. Anal. 2, 5.

[177] Von diesem Kapitel bis zum Schluß geht der dritte und letzte

Teil des 1. Buches: von der Reduktion der formlosen Begründungen auf

einen normalen Syllogismus. Die ersten zwei Kapitel handeln von der

Fassung der Prämissen, die folgenden von der Fassung oder Exposition

der Termini gemäß der in Abs. 3, Kap. 32 bezeichneten und begründeten

Methode.

[178] Der Schluß lautete vollständig: eine Substanz kann nicht zugrunde

gehen, wenn das, womit sie zugrunde geht, nicht auch eine Substanz ist;

nun geht aber der Mensch mit dem Leibe zugrunde; also ist der Leib

Substanz.

[179] Der Schluß oder die Schlüsse würden vollständig lauten: ist

Mensch, so ist sinnliches Wesen; nun ist Mensch; also sinnliches Wesen.

Wenn weiterhin sinnliches Wesen ist, ist Substanz; nun ist sinnliches

Wesen; also ist Substanz.

[180] Ein Problem, d. h. ein zu beweisender Satz, der allgemein

bejahend ist, geht nur durch die erste Figur. Deshalb braucht man hier

nach den anderen Figuren nicht zu fragen. Kann der Schlußsatz aber

durch mehrere Figuren gewonnen werden, so ergibt die zutreffende sich

aus der Stellung des Mittelbegriffs.

[181] Zu den Fällen des vorigen Kapitels, in denen kein schulgerechter

Schluß vorliegt, tritt ein weiterer: wenn die Begriffe zwar die rechte

Stellung haben und zwei Prämissen bilden, aber ohne daß eine von ihnen

allgemein ist. Die Folge kann sein, daß weder ein Schluß noch eine

wahre Konklusion herauskommt. Hieraus folgt die Reduktionsregel, daß

die Begründungen, um rechtmäßig zu sein, in einen Schluß mit einer

allgemeinen Prämisse müssen aufgelöst werden können. Es werden zwei

Beispiele eines scheinbaren Schlusses angeführt: 1. der denkbare

Aristomenes ist immer; Aristomenes ist ein denkbarer Aristomenes;

also ist Aristomenes immer. Hier müßte, wenn der Schlußsatz wahr und

rechtmäßig abgeleitet sein sollte, der Obersatz gelten: jeder denkbare

Aristomenes ist immer. Aber das ist unmöglich. Der denkbare Aristomenes

ist zwar als solcher selbstverständlich immer. Aber daß jeder denkbare

Aristomenes immer sein soll, ist eine Ungereimtheit. Hier gibt es kein

jedes; denn Aristomenes ist einer. 2. Mikkalos ist ein gebildeter

Mikkalos; der gebildete Mikkalos stirbt morgen; also stirbt Mikkalos

morgen. Hier mag der Schlußsatz wahr sein, aber der Schluß ist falsch.

Er erheischt die Prämisse: jeder gebildete Mikkalos stirbt morgen, was

nicht wahr und ein Unsinn ist. -- Es scheint nicht nötig, Zeile 47 b 26

mit Waitz und Maier γὰρ st. ἄρα zu lesen.

Lehre vom Schluss · 第 15 / 19 段