Denn es soll der Schlußsatz E aus den Begriffen ABCD abgeleitet sein.

Nun muß einer dieser Begriffe zu einem anderen so im Verhältnis stehen,

daß der eine das Ganze, der andere den Teil darstellt. Denn das ist

vorhin (voriges K.) bewiesen worden, daß wenn ein Schluß stattfindet,

einige von den Begriffen sich so verhalten müssen. A verhalte sich nun

so zu B. Mithin ergibt sich aus diesen Begriffen ein Schlußsatz, also

entweder E oder C oder D oder sonst einer. Und wenn E sich ergibt, so

ist der Schluß nur aus AB gezogen. Wenn sich aber C und D so verhalten,

daß das eine wie das Ganze und das andere wie der Teil ist, so wird

auch aus ihnen eine Konklusion hervorgehen, und zwar entweder E oder

A oder B oder sonst eine. Und wenn es E oder A oder B ist, so werden

es entweder mehrere Schlüsse sein, oder wir haben die obige Weise,

nach der es freilich möglich ist, daß ein einheitliches Ergebnis durch

eine Mehrheit von Begriffen vermittelt wird. Ist es aber sonst eine

Konklusion, so haben wir eine Mehrheit von Schlüssen, die unter sich

in keinem Zusammenhang stehen. Verhält sich dagegen C zu D nicht so,

daß diese Prämissen einen Schluß ergeben, so hat man sie vergebens

angenommen, außer es müßte der Induktion wegen, oder zur Verschleierung

des Schlußsatzes, oder in sonst einer derartigen Absicht geschehen

sein. Wenn aber aus AB nicht E folgt, sondern sonst ein Schlußsatz,

und aus CD entweder eines von diesen beiden oder sonst etwas, so sind

einmal der Schlüsse mehrere und dann gehen sie nicht auf den fraglichen

Satz. Denn es wurde vorausgesetzt, daß der Schluß auf E gehe. Ergibt

sich endlich aus CD gar keine Konklusion, so folgt einmal, daß diese

Prämissen zwecklos angenommen worden sind, und dann, daß kein Schluß

auf die ursprüngliche These stattfindet.

So sieht man denn, daß jeder Beweis und jeder Schluß durch nur drei

Begriffe zustande kommt.

Ist aber dieses klar, so leuchtet auch ein, daß er aus zwei Prämissen

und nicht mehr entsteht. Denn die drei Begriffe bilden zwei Prämissen,

wenn man nicht, wie zu Anfang erklärt wurde, noch ein Mehreres zur

Vollendung der Schlüsse hinzunimmt.

Man sieht hieraus: wenn in einer syllogistischen Rede die Prämissen,

aus denen der eigentliche Schlußsatz gewonnen wird -- denn einige von

den vorausgehenden Schlußsätzen müssen Prämissen sein --, nicht der

Zahl nach gerade sind, so ist diese Rede entweder kein Schluß, oder sie

nimmt mehr auf, als für die Begründung der These erforderlich ist.

[Sidenote: 42 b]

Wenn man demnach die Schlüsse nach ihren Hauptprämissen nimmt, so wird

jeder Schluß aus Prämissen erwachsen, die der Zahl nach gerade, und

aus Begriffen, die der Zahl nach ungerade sind. Denn der Begriffe sind

um einen mehr als der Prämissen. Und was die Konklusionen betrifft, so

sind ihrer halb so viel als der Prämissen[154].

Wenn der Schluß dagegen durch Prosyllogismen (Vorschlüsse) oder durch

mehrere, nicht kontinuierliche Mittelbegriffe hergestellt wird, wie

z. B. AB durch CD, so wird die Zahl der Begriffe zwar ebenso die der

Prämissen um eins übertreffen -- denn der noch dazu kommende Begriff

wird entweder neben oder zwischen die anderen gestellt werden, aber auf

beide Weisen ergibt sich, daß der Sätze um einen weniger sind als der

Begriffe --, die Prämissen aber werden den Sätzen an Zahl gleich sein.

Aber freilich werden die Prämissen nicht immer an Zahl gerade und die

Begriffe ungerade sein, sondern es werden umgekehrt, wenn die Prämissen

gerade sind, die Begriffe ungerade, und wenn die Begriffe gerade sind,

die Prämissen ungerade sein. Denn mit dem Begriff wird je eine Prämisse

hinzugesetzt, von welcher Seite man auch den Begriff hinzusetzen mag.

Da mithin die Prämissen von gerader und die Begriffe von ungerader Zahl

waren, so müssen sie, wenn derselbe Zusatz gemacht wird, in bezug auf

Geradheit und Ungeradheit sich umkehren[155].

Die Konklusionen aber werden dann nicht dasselbe Verhältnis behalten,

weder zu den Begriffen, noch zu den Prämissen. Denn wenn ein Begriff

hinzugesetzt wird, werden so viele Konklusionen hinzugesetzt werden,

daß ihrer um eins weniger sind als der schon vorhandenen Begriffe.

Denn der neue Begriff bildet mit dem letzten keine Konklusion, sonst

aber mit allen. Wenn z. B. zu ABD noch D hinzukommt, so kommen damit

unmittelbar auch zwei Konklusionen hinzu, eine zu A und eine zu B.

Und so ist es auch, wenn man noch weitere Begriffe annimmt. Aber auch

wenn der neue Begriff in die Mitte zu stehen kommt, wird es so sein:

nur mit einem Begriff wird er keinen Schluß bilden. Sohin werden der

Konklusionen viel mehr sein als der Begriffe und der Prämissen[156].

Sechsundzwanzigstes Kapitel.

Da wir nun anzugeben wissen, worauf die Schlüsse gehen und welcherlei

Folgerungen in jeder Figur gezogen werden und auf wievielfache Weise,

so ist uns auch klar, welcherlei Probleme schwer und welche leicht zu

behandeln sind: leichter ist ein Problem zu behandeln, das in mehr

Figuren und durch mehr Modi (πτώσεις, casus, Fälle) erledigt werden

kann, schwerer ein solches, das weniger Figuren und Modi zuläßt. Das

allgemein Bejahende nun wird nur durch die erste Figur gefolgert, und

durch sie nur auf eine Weise, das allgemein Verneinende aber durch

die erste und durch die mittlere Figur zugleich: durch die erste nur

in einer Weise, durch die mittlere auf zwei Weisen. Das partikulär

Bejahende wird durch die erste und durch die letzte Figur gefolgert:

durch die erste nur auf eine Weise, durch die letzte auf drei. Das

partikulär Verneinende endlich wird in allen Figuren gefolgert, nur daß

es in der ersten Figur nur auf eine Weise möglich ist, in der mittleren

und letzten aber so, daß es in der einen auf zwei, in der anderen auf

drei Weisen geschehen kann.

[Sidenote: 43 a]

Man sieht also, daß das allgemein Bejahende am schwersten zu erhärten

und am leichtesten zu widerlegen ist.

Überhaupt aber ist die Umstoßung eines allgemeinen Satzes leichter als

die eines partikulären. Denn er ist umgestoßen, einmal, wenn etwas

keinem zukommt, und dann auch, wenn es einem nicht zukommt, und hiervon

wird das letztere, daß etwas einem oder einigem nicht zukommt in allen,

das andere, daß es keinem zukommt, in zwei Figuren gefolgert. Ebenso

ist es mit den verneinenden Sätzen. Denn die ursprüngliche Behauptung

ist aufgehoben, wenn etwas allem, aber nicht minder, wenn es einem

zukommt. Dieses aber, so haben wir gesehen, läßt sich in zwei Figuren

folgern. Bei den partikulären Sätzen aber gibt es nur eine Weise sie

umzustoßen, indem man zeigt, entweder daß das Prädikat jedem, oder daß

es keinem zukommt. Will man aber einen Satz erhärten, so geschieht es

leichter, wenn er partikulär ist, weil es dafür mehr Figuren und Modi

gibt.

Und überhaupt muß man wissen, daß wo eine Widerlegung in Frage kommt,

die allgemeinen Sätze wechselseitig durch die partikulären und die

partikulären durch die allgemeinen umgestoßen werden, was aber die

Erhärtung angeht, so lassen sich die allgemeinen Sätze nicht durch

die partikulären, wohl aber die partikulären durch die allgemeinen

beweisen. Zugleich sieht man, daß das Widerlegen leichter ist als das

Erhärten.

Wie demnach jeder Schluß zustande kommt und durch wie viele Begriffe

und Prämissen, und wie sich diese zueinander verhalten müssen, ferner,

welcher Art Satz in jeder Figur, welcher in mehr und welcher in

weniger Figuren gefolgert wird, das alles ist durch das Vorgetragene

klargestellt worden.

Siebenundzwanzigstes Kapitel.

Wie wir aber selbst zu der jeweiligen Aufgabe reichlich Schlüsse

finden und auf welchem Wege wir die jeweiligen Prinzipien für dieselbe

erhalten können, müssen wir jetzt angeben. Denn man muß doch wohl

nicht nur die Entstehung der Schlüsse betrachten, sondern auch

imstande sein, solche zu errichten[157].

Von allem nun, was ist, ist das eine so beschaffen, daß es von nichts

anderem wahrhaft allgemein ausgesagt werden kann, wie Kleon und Kallias

und das Einzelne und Sinnenfällige, während anderes von ihm ausgesagt

werden kann -- denn Kleon und Kallias sind Menschen und sind sinnliche

Wesen --; anderes dagegen wird zwar selbst von anderem ausgesagt, aber

von ihm wird nicht vorher anderes ausgesagt; noch anderes endlich ist

so beschaffen, daß es selbst von anderem und anderes von ihm ausgesagt

wird, wie von Kallias Mensch und von Mensch sinnliches Wesen[158].

Daß nun manches, was ist, seiner Natur nach von nichts ausgesagt wird,

liegt am Tage: jedes sinnliche Einzelne dürfte so ziemlich von der

Art sein, daß es von nichts anderem prädiziert wird, es sei denn etwa

mitfolgender Weise. Denn wir sagen wohl, das Weiße da sei Sokrates,

und was da herankommt, sei Kallias. Daß man aber auch beim Aufsteigen

zu höheren Begriffen einmal an eine Grenze kommt, werden wir ein

anderes Mal auseinandersetzen (2. Anal. 1, 22), doch einstweilen sei

es als wahr angenommen. Von letzterem nun läßt sich nichts anderes als

Prädikat beweisen, außer etwa in dialektischer Weise, sondern nur es

selbst von anderem[159]. Das Einzelne oder Individuelle hinwieder läßt

sich nicht als Prädikat von anderem, wohl aber anderes als Prädikat von

ihm beweisen. Bei demjenigen endlich, was zwischen beiden in der Mitte

steht, ist offenbar beides möglich: es selbst wird von anderem und

anderes von ihm ausgesagt werden, und mit ihm haben es die Erörterungen

und Untersuchungen vorzüglich zu tun.

[Sidenote: 43 b]

Man muß nun die Prämissen für das jeweilige Objekt in der Weise

erheben, daß man zuerst das Ding selbst mit seiner Begriffsbestimmung

und allem, was ihm eigentümlich ist, zugrunde legt, sodann alles, was

logisch auf das Ding folgt und worauf umgekehrt es selbst folgt, und

was ihm nicht zukommen kann. Das aber, dem es selbst nicht zukommen

kann, braucht man nicht zu erheben, weil das Verneinende konvertibel

ist. Auch muß man bei dem, was auf das Ding folgt, unterscheiden

zwischen solchem, was zu seinem Begriff gehört und solchem, was als

Proprium und solchem, was als Akzidenz von ihm ausgesagt wird, und hier

wieder zwischen solchem, was auf Grund bloßer Meinung und solchem, was

gemäß der Wahrheit von ihm behauptet wird. Denn über je mehr solche

Bestimmungen man verfügt, desto eher findet man den Schlußsatz, und je

wahrer sie sind, desto eigentlicher und strikter beweist man[160].

Man darf aber nicht solches erheben, was einem einzelnen Individuum,

sondern nur solches, was der ganzen Art folgt, z. B. nicht was einem

bestimmten, sondern was jedem Menschen folgt. Denn der Schlußsatz

kommt durch die allgemeinen Prämissen zustande. Ist darum ein Begriff

unbestimmt, so bleibt es ungewiß, ob die Prämisse allgemein ist, ist er

aber bestimmt, so ist es klar.

Ebenso muß man dasjenige erheben, dem das Ding selbst als Ganzem folgt,

aus demselben Grunde.

Von dem, was folgt, selbst aber, darf man nicht die Annahme machen,

daß es ganz folgt, darf z. B. auf Mensch nicht jedes animalische

Wesen und auf Musik nicht jede Wissenschaft oder Kunst folgen lassen,

sondern beides nur schlechthin, wie wir entsprechend auch die Prämissen

aufstellen. Das andere wäre verkehrt und unmöglich, wenn z. B. jeder

Mensch jedes animalische Wesen oder die Gerechtigkeit jedes Gut sein

sollte, vielmehr steht „jedes“ bei dem, worauf etwas folgt[161].

Wenn aber das Subjekt, zu dem man das, was ihm folgt, finden soll,

unter einem Anderem begriffen ist, so darf man bei solchem nicht

das auswählen, was dem Allgemeinen folgt oder nicht folgt -- denn

es ist unter ihm begriffen, da alles, was dem animalischen Wesen

folgt, auch dem Menschen folgt, und mit dem, was nicht zukommt

(dem Subjekt zuwiderläuft), ist es ebenso --, sondern man muß das

jeweilig Eigentümliche erheben. Denn die Art hat ihr Eigenes neben

der Gattung, da den verschiedenen Arten bestimmte Eigentümlichkeiten

zukommen müssen. Man darf also auch nicht durch das Allgemeine die

Bestimmungen erheben, auf die das unter ihm Begriffene folgt, z. B.

nicht durch animalisches Wesen das, worauf Mensch folgt. Es muß ja,

wenn animalisches Wesen auf Mensch folgt, es auch auf alle diese

Bestimmungen folgen. Aber dieselben berühren jene Auswahl näher, die

man für Mensch treffen muß[162].

Man muß auch herbeiziehen, was meistenteils folgt oder vorausgeht (als

consequens oder antecedens). Denn bei Problemen, die das meistenteils

Geltende berühren, geht auch der Schluß aus meistenteils geltenden

Prämissen hervor, seien nun alle Prämissen oder nur ein Teil von dieser

Art. Denn der jeweilige Schlußsatz richtet sich nach den Prinzipien.

Endlich darf man nicht solches auswählen, was auf alles folgt (auf

Subjekt und Prädikat): denn aus solchem kann sich kein Schluß ergeben.

Der Grund davon wird im folgenden klar werden (vgl. Kap. 28, 44 b 20).

Achtundzwanzigstes Kapitel.

Wenn man nun etwas von etwas als Ganzem erhärten soll, so muß man

bezüglich des zu Erhärtenden auf die Subjekte sehen, von welchen

es ausgesagt werden mag, bezüglich dessen aber, wovon es ausgesagt

werden soll, muß man sehen, was ihm folgt. Denn wenn von diesem etwas

identisch ist, so kommt das eine notwendig dem anderen zu[163].

[Sidenote: 44 a]

Wenn die Aussage aber nicht von jedem, sondern nur von einigem gelten

soll, so muß man sehen, wem beides folgt. Denn wenn von diesem etwas

identisch ist, so kommt sie notwendig einigem zu[164].

Wenn die Aussage aber keinem zukommen soll, so muß man bei dem, dem

sie nicht zukommen soll, auf das sehen, was ihm folgt, dagegen bei

dem, was nicht zukommen soll, auf das, was ihm nicht beiwohnen kann;

oder man muß umgekehrt bei dem Subjekt, dem etwas nicht zukommen soll,

sehen, was ihm nicht beiwohnen kann, dagegen bei dem Prädikat, das ihm

nicht zukommen soll, auf das, was ihm folgt. Denn mag das eine oder das

andere von diesen beiden Paaren identisch sein, so ist die Folge immer,

daß keiner von beiden Begriffen dem anderen zukommen kann. Denn wir

erhalten hier das eine Mal einen Schluß in der ersten, das andere Mal

einen Schluß in der mittleren Figur[165].

Wenn endlich eine Aussage einigem nicht zukommen soll, so muß man bei

dem, dem sie es nicht soll, sehen, was ihm folgt, dagegen bei dem, was

nicht ausgesagt werden soll, muß man sehen, was ihm nicht beiwohnen

kann. Denn wenn von diesem etwas identisch ist, so kommt die Aussage

notwendig einigem nicht zu[166].

Diese Regeln lassen sich vielleicht besser in folgender Weise je für

sich verdeutlichen.

Was logisch auf A folgt, soll B sein, das, worauf es selbst folgt, C

und das, was ihm nicht zukommen kann, D. Wieder soll was dem E zukommt,

F sein, das, worauf es selbst logisch folgt, G, und das, was ihm nicht

zukommen kann, H. Wenn nun ein C mit einem F identisch ist, so kommt A

notwendig jedem E zu. Denn F kommt jedem E zu und A jedem C, demnach A

jedem E[167].

Ist aber C und G identisch, so kommt A notwendig einigen E zu. Denn auf

jedes C folgt A, und auf jedes G folgt E.

Ist aber F und D identisch, so kann, auf Grund eines Prosyllogismus,

A keinem E zukommen. Denn da das Verneinende konvertibel, und F mit D

identisch ist, so kann A keinem F, und muß F jedem E zukommen.

Wieder kann, wenn B und H identisch ist, A keinem E zukommen. Denn B

wird jedem A, aber keinem E zukommen. Denn es war mit H identisch, und

H kam keinem E zu.

Wenn aber D und G identisch ist, so wird A einigen E nicht zukommen.

Denn es wird dem G nicht zukommen, weil es auch dem D nicht zukommt.

G ist aber unter E begriffen, und A wird demnach einem oder einigen E

nicht zukommen.

Wenn aber B mit G identisch ist, wird der Schlußsatz umgekehrt lauten.

Denn G wird jedem A zukommen -- da B jedem A zukommt --, und E jedem B

-- da B mit G identisch war --, A dagegen kommt nicht notwendig jedem E

zu, wohl aber manchem, weil eine allgemeine Aussage in eine partikuläre

umgekehrt werden kann[168].

Man sieht also, daß man bei jedem Problem die für beide Begriffe,

Subjekt und Prädikat, angegebenen Beziehungen ins Auge fassen muß, da

alle Schlüsse auf ihnen beruhen.

[Sidenote: 44 b]

Man muß aber auch bei dem, was einem folgt, und bei dem, worauf etwas

folgt, das Erste und Allgemeinste ins Auge fassen, bei E z. B. mehr das

KF als nur das F, und bei A mehr das KC als nur das C. Denn wenn A dem

KF zukommt, kommt es auch dem F und dem E zu; wenn es aber diesem nicht

folgt, kann es doch dem F folgen. Ebenso muß man auf das sehen, worauf

etwas folgt. Denn wenn es dem Ersten folgt, dann auch dem unter ihm

Begriffenen; wenn es aber Letzterem nicht folgt, dann kann es doch dem

unter diesem Begriffenen folgen[169].

Es leuchtet aber auch ein, daß diese Untersuchung vermittels der drei

Begriffe und der zwei Prämissen geführt wird und daß alle Schlüsse

durch die oben bezeichneten Figuren gehen. Denn es ist bewiesen, daß

das A jedem E zukommt, wenn gefunden ist, daß ein C und ein F identisch

ist. Dieses wird aber Mittelbegriff und A und E werden Außenbegriffe

sein. So erhält man also die erste Figur. Daß es dann einem zukommt,

ist bewiesen, wenn gefunden ist, daß C und G identisch ist. Das ist

die letzte Figur. Denn G wird Mittelbegriff. Es kommt keinem zu, wenn

D und F identisch ist. So hat man die erste und die mittlere Figur

zugleich: die erste, weil A keinem F zukommt, da ja das Verneinende

konvertibel ist, und F jedem E zukommt, die mittlere, weil D keinem

A und jedem F zukommt. Endlich kommt es einem nicht zu, wenn D und G

identisch ist. Das ist die letzte Figur. Denn A wird keinem und E jedem

G zukommen.

Man sieht also, daß alle Schlüsse durch die angegebenen Figuren gehen,

und daß man nicht solches auswählen darf, was logisch auf alles folgt,

weil sich daraus kein Schluß ergibt. Denn aus lauter solchem, was auf

das Subjekt folgt, erhält man, wie wir gesehen haben, keine Bejahung

und ebensowenig eine Verneinung. Denn zu dem Ende müßte es dem einen

zukommen und dem anderen nicht zukommen[170].

Man sieht aber auch, daß die anderen Fragen wegen der Auswahl der

Begriffe für die Bildung eines Schlusses wertlos sind, ob z. B. was

beiden Begriffen folgt, identisch ist, oder ob es das ist, worauf A

folgt und was dem E nicht folgen kann, oder auch das, was beiden nicht

zukommen kann. Denn durch derlei Identisches entsteht kein Schluß.

Denn bei Identität dessen, was logisch folgt, wie B und F, entsteht die

mittlere Figur mit bejahenden Prämissen (die keinen Schluß zuläßt).

Ist identisch wem A folgt und was dem E nicht folgen kann, wie C und H,

so entsteht die erste Figur mit negativem Untersatz.

Ist endlich identisch was dem einen wie dem anderen nicht zukommen

kann, wie D und H, so sind beide Prämissen verneinend, entweder in der

ersten oder in der mittleren Figur. So aber entsteht keinerlei Schluß.

Man sieht aber auch, daß man bei dem Suchen nach den Begriffen

ermitteln muß, was für welche identisch, nicht, was für welche

verschieden und konträr sind, erstens deshalb, weil die Ausschau dem

Mittelbegriff gilt und ein solcher Mittelbegriff erhoben sein will, der

nicht verschieden, sondern identisch ist.

[Sidenote: 45 a]

Sodann auch aus diesem Grunde: wo ein Schluß auch dadurch möglich ist,

daß man Konträres nimmt oder solches, was nicht einem und demselben

zukommen kann, da muß man immer auf die vorgenannten Modi zurückgehen,

z. B. wenn B und F sich konträr ist oder nicht einem und demselben

zukommen kann. Denn bei dieser Annahme ergibt sich der Schluß, daß A

keinem E zukommt, aber nicht aus der Annahme an sich, sondern erst auf

Grund des vorbezeichneten Modus. Denn B wird jedem A, aber keinem E

zukommen, so daß B notwendig mit einem H identisch ist.

Wieder ist, wenn B und G nicht einem und demselben beiwohnen kann,

der Schluß gegeben, daß A einem E nicht zukommt. Denn auch so erhält

man die mittlere Figur. Denn B wird jedem A und keinem G zukommen,

und so ist B notwendig mit einem H identisch. Denn wenn B und G nicht

einem und demselben zukommen kann, so heißt das nur, daß B mit einem H

identisch ist, weil in H alles begriffen ist, was dem E nicht zukommen

kann.

Hieraus sieht man also, daß auf Grund solchen Suchens an sich kein

Schluß gewonnen wird, daß aber, wenn sich B und F konträr ist, B mit

einem H identisch ist und der Schluß durch diese beiden, B und H,

zustandekommt. So begegnet es denn denen, die auf diese Weise suchen,

daß sie nach einem anderen als dem notwendigen Wege sich umschauen,

weil ihnen die Identität von B und H entgeht[171].

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Dieselbe Bewandtnis wie mit den direkt beweisenden Schlüssen hat es mit

denen, die auf das Unmögliche führen.

[Sidenote: 45 b]

Auch sie kommen zustande durch das, was logisch auf beide zu

verbindenden Begriffe folgt, und das, worauf sie folgen. Bei beiden

wird auch dieselbe Umschau angestellt. Denn was direkt bewiesen wird,

läßt sich mit Hilfe derselben Begriffe auch durch das Unmögliche

folgern, und was durch das Unmögliche, auch direkt, wie z. B. der

Satz, daß A keinem E zukommt. Denn es soll einem zukommen. Da nun B

jedem A und A einem E zukommt, so wird B einem E zukommen. Nach der

Voraussetzung aber kommt es keinem zu. Wieder der Satz, daß es einem

zukommt. Denn wenn A keinem E und E jedem G zukommt, wird A keinem

G zukommen. Nach der Voraussetzung aber kommt es jedem zu. Dieselbe

Bewandtnis hat es mit den anderen Sätzen, um deren Beweis es sich

fragt: immer und überall erfolgt der Beweis durch das Unmögliche aus

dem Consequens und dem Antecedens der beiden Begriffe. Und bei jedem

Problem ist die Untersuchung dieselbe für den, der direkt beweisend

schließen, wie für den, der aufs Unmögliche führen will: beide Beweise

erfolgen aus denselben Begriffen. Wenn z. B. der Satz, daß A keinem

E zukommt, daraus bewiesen worden ist, daß sich ergibt, daß auch B

einem E zukommt, was unmöglich ist, so ist ebenso, wenn man annimmt, B

komme keinem E und jedem A zu, klar, daß A keinem E zukommen kann. Und

wenn wieder durch direkten Beweis gefolgert worden ist, daß A keinem E

zukommt, so wird an Hand der Annahme, daß es einem zukommt, durch das

Unmögliche gezeigt werden, daß es keinem zukommt. Ebenso ist es mit

den anderen Sätzen: bei ihnen allen muß man einen gemeinsamen Begriff

ermitteln, der von den zugrunde gelegten Begriffen verschieden ist und

mit Bezug auf den der Schluß auf das Falsche gezogen wird, so daß, wenn

dieser Satz umgekehrt wird und der andere bleibt, wie er ist, durch

dieselben Begriffe ein direkt beweisender Schluß zustande kommt. Denn

der direkt beweisende Schluß unterscheidet sich von dem Schluß auf das

Unmögliche dadurch, daß in dem ersten jede der beiden Prämissen nach

der Wahrheit, in dem zweiten aber die eine fälschlich aufgestellt wird.

Was wir meinen, wird durch das Folgende (Buch 2, K. 11 ff.) deutlicher

werden, wenn wir von dem Unmöglichen handeln; für jetzt sei uns

ausgemacht, daß man diese Gesichtspunkte ins Auge fassen muß, mag man

nun vorhaben, direkt beweisend zu schließen oder apagogisch.

Bei den anderen hypothetischen Schlüssen, die also auf einem

eingesetzten Satz oder auf der Qualität fußen, wird man auf die

Voraussetzung sehen, nicht die ursprüngliche, sondern die eingesetzte,

dagegen wird die Betrachtungsweise dieselbe sein. Man muß aber auch

sehen und unterscheiden, wie vielerlei hypothetische Schlüsse es geben

kann[172].

So wird denn jeder Satz, der aufgegeben ist, so bewiesen. Gleichwohl

läßt sich auf einen Teil dieser Sätze auch noch in anderer Weise

schließen, auf allgemeine Sätze nämlich mittels des Verfahrens bei

partikulären Problemen, und zwar auf Grund einer Voraussetzung. Denn

wenn die A und die G identisch sind und angenommen wird, daß E nur

den G zukommt, so wird A jedem E zukommen, und wenn wieder D und G

identisch sind und E nur von den G ausgesagt wird, so wird A keinem

E zukommen. Hieraus erhellt, daß man auch diese Betrachtungsweise

anwenden muß[173].

Ebenso (wie bei den hypothetischen Sätzen) verfährt man bei den

notwendigen und den kontingenten Sätzen: die Auffindung des

Mittelbegriffes geschieht auf dieselbe Weise, und der Schluß kommt

durch dieselben und in derselben Ordnung sich folgenden Begriffe

zustande, es mag sich um das einfache oder das kontingente Sein

handeln. Bei kontingent muß man auch solches mit verstehen, was nicht

ist, aber sein kann. Denn es ist gezeigt worden, daß ein Schluß auf das

kontingente Sein auch mit Hilfe solcher Sätze geschehen kann. Ebenso

wird es sich bei den sonstigen Weisen der Aussage verhalten[174].

[Sidenote: 46 a]

Man sieht nun aus dem Gesagten nicht nur, daß auf diesem Wege alle

Schlüsse gewonnen werden können, sondern auch, daß dieses auf keinem

anderen Wege möglich ist. Denn es ist gezeigt worden, daß jeder Schluß

durch eine der vorgenannten Figuren geht, diese Figuren aber lassen

sich anders nicht bilden als durch das jeweilige logische Consequens

und Antecedens, da daraus die Prämissen gewonnen und der Mittelbegriff

gefunden wird; und so kann dann auch anders kein Schluß gebildet werden.

Dreißigstes Kapitel.

Lehre vom Schluss · 第 5 / 19 段