Ebenso wird es sich mit den partikulären Schlüssen verhalten. Denn wenn

der bejahende Vordersatz auf das einfache Sein lautet, so ist kein

Schluß möglich, mag der Satz nun allgemein oder partikulär gefaßt sein

-- dieses wird ebenso und durch dieselben Begriffe bewiesen wie oben

--; lautet aber der verneinende Vordersatz darauf, so ist ein Schluß

durch Umkehrung möglich wie oben[121].

Wenn hinwieder beide Sätze verneinend sind und der auf einfaches

Nichtsein lautende Satz allgemein ist, so ergeben die Prämissen an

sich keine Notwendigkeit, wird aber der kontingente Satz, wie vorhin,

umgekehrt, so gewinnt man einen Schluß. Wenn aber der verneinende

Satz auf das einfache Sein geht und dabei partikulär ist, so gewinnt

man keinen Schluß, sei die andere Prämisse bejahend oder verneinend;

auch nicht, wenn beide Prämissen bejahend oder verneinend, unbestimmt

oder partikulär gefaßt sind. Der Beweis ist derselbe und geht durch

dieselben Begriffe[122].

Neunzehntes Kapitel.

Wenn aber der eine Vordersatz auf das Notwendige, der andere auf das

Kontingente geht, so entsteht, falls der verneinende Satz notwendig

ist, der Schluß nicht nur auf mögliches, sondern auch auf wirkliches

Nichtsein; ist dagegen der bejahende Satz notwendig, so entsteht kein

Schluß[123].

Denn A soll notwendig keinem B, aber möglicherweise jedem C zukommen.

Kehrt man nun den verneinenden Satz um, so wird auch B keinem A

zukommen. A konnte aber jedem C zukommen. So entsteht denn wieder durch

die erste Figur der Schluß, daß B möglicherweise keinem C zukommt.

Zugleich ist klar, daß B auch wirklich keinem C zukommen wird. Denn

setzen wir den Fall des Zukommens. Wenn nun A keinem B zukommen kann

und B einem C zukommt, kann A einem C nicht zukommen. Aber nach der

Voraussetzung kommt es jedem zu[124].

Ebenso wird der Beweis geführt werden, wenn die Verneinung bei C

steht[125].

[Sidenote: 38 b]

Umgekehrt sei der bejahende Satz notwendig und der andere kontingent,

und A komme möglicherweise keinem B, aber notwendig jedem C zu. Wenn

die Begriffe sich so verhalten, so ergibt sich keinerlei Schluß, da

es der Fall sein kann, daß B dem C notwendig nicht zukommt. Denn

es sei A weiß, bei B stehe Mensch, bei C Schwan. Weiß kommt da dem

Schwan notwendig und möglicherweise keinem Menschen, und Mensch kommt

notwendig keinem Schwan zu. Daß es in diesem Falle keinen Schluß auf

die Kontingenz gibt, ist klar. Denn das Notwendige galt uns nicht als

kontingent. Aber es gibt auch keinen Schluß auf die Notwendigkeit.

Denn das Notwendige erhielten wir entweder, wenn beide Vordersätze

notwendig sind oder, wenn der verneinende es ist. Außerdem kann auch,

wenn die gedachten Annahmen gelten, B dem C zukommen. Denn nichts

hindert, daß C unter B begriffen ist und A jedem B möglicherweise, dem

C aber notwendig zukommt, wie wenn z. B. C wachend wäre, B sinnliches

Wesen, A Bewegung. Denn dem Wachenden kommt Bewegung notwendig zu,

bei Sinnenwesen aber gilt, daß sie jedem möglicherweise zukommt; und

alles Wachende ist ein Sinnenwesen. Es ist also klar, daß es da auch

keinen Schluß auf das bloße Nichtsein gibt, da ja bei solchem Verhalten

der Begriffe ein notwendiges Sein herauskommt; auch keinen auf die

entgegengesetzten Bejahungen; und so findet denn gar kein Schluß statt.

Ebenso erbringt man den Beweis, wenn die bejahende Prämisse umgestellt

(zum Obersatz gemacht) wird[126].

Sind die Prämissen aber gleichartig (von gleicher Qualität), so gewinnt

man, falls sie verneinend sind, immer einen Schluß, indem man die

kontingente Prämisse, wie in den früheren Fällen, umkehrt. Denn A soll

B notwendig nicht zukommen und dem C möglicherweise nicht. Kehrt man

nun die Prämissen um, so kommt B keinem A zu, aber A möglicherweise

jedem C. Da ergibt sich also die erste Figur. Ebenso wenn die

Verneinung bei C steht[127].

Sind die Prämissen aber bejahend gefaßt, so ist kein Schluß möglich.

Denn ein Schluß auf nicht sein oder notwendig nicht sein, ist offenbar

darum nicht möglich, weil weder für sein noch für notwendig sein eine

verneinende Prämisse angesetzt ist. Aber auch auf möglicherweise nicht

sein kann nicht geschlossen werden. Denn wenn die Begriffe sich so

verhalten, wird B dem C notwendig nicht zukommen, wie wenn z. B. A

weiß ist, B Schwan, C Mensch. Ebenso nicht auf die entgegengesetzten

Aussagen, da es sich gewiesen hat, daß B dem C notwendig nicht zukommt.

Es ist also gar kein Schluß möglich[128].

Dieselbe Bewandtnis muß es mit den partikulären Schlüssen haben.

Ist das Verneinende allgemein und notwendig, so gibt es immer einen

Schluß sowohl auf das kontingente Sein als auf das einfache Nichtsein

-- der Beweis wird dabei durch Umkehrung geführt --, ist es aber

das Bejahende, so gibt es nie einen Schluß. Denn dieses wird ebenso

und durch dieselben Begriffe gezeigt werden wie bei den allgemeinen

Schlüssen.

Ebensowenig wenn beide Prämissen bejahend gefaßt sind. Denn auch

hierfür gilt derselbe Beweis wie vorhin.

Sind sie aber beide verneinend und ist dabei die das einfache Nichtsein

enthaltende Prämisse allgemein und notwendig, so ergeben zwar die

angenommenen Prämissen an sich nichts Notwendiges, wohl aber entsteht

durch Umkehrung der kontingenten Prämisse ein Schluß wie in den

früheren Fällen.

Sind aber beide Prämissen unbestimmt oder partikulär gefaßt, so ergibt

es keinen Schluß. Der Beweis ist hier wieder derselbe und geht durch

dieselben Begriffe[129].

[Sidenote: 39 a]

Man sieht also aus dem Gesagten, daß wenn die allgemein verneinende

Prämisse notwendig ist, immer ein Schluß, nicht nur auf kontingentes

Nichtsein, sondern auch auf einfaches Nichtsein erfolgt, dagegen

niemals, wenn die bejahende Prämisse notwendig ist. Und daß, wenn die

Begriffe sich hier und dort, in den notwendigen und in den einfachen

Sätzen, auf dieselbe Weise verhalten, ein Schluß erfolgt und nicht

erfolgt. Auch sieht man, daß alle Schlüsse hier unvollständig sind und

erst durch die vorgenannten Figuren vollständig werden.

Zwanzigstes Kapitel.

In der letzten Figur erfolgt ein Schluß, wenn beide Prämissen

kontingent sind und wenn nur eine es ist.

Lauten die Prämissen auf Kontingenz, so wird auch der Schlußsatz

kontingent sein, ebenso wenn die eine auf kontingentes und die andere

auf einfaches Sein lautet.

Ist aber die eine Prämisse notwendig, so enthält der Schlußsatz, wenn

sie bejahend ist, weder ein notwendiges noch ein einfaches Sein; wenn

sie aber verneinend ist, so erfolgt ein Schluß auf Nichtsein wie in

den früheren Fällen. Aber auch hier muß man das Kontingente in den

Schlußsätzen ebenso wie früher verstehen.

Die Prämissen seien also zuerst kontingent und A und B kommen

möglicherweise jedem C zu. Da nun das Bejahende partikulär konvertibel

ist und B jedem C zukommen kann, so kann es auch C einem B. Und wenn so

A jedem C und C einem B zukommen kann, so kann es auch A einem B. Denn

es ergibt sich die erste Figur.

Und wenn A möglicherweise keinem und B möglicherweise jedem C zukommt,

so ist es notwendig, daß A einem B möglicherweise nicht zukommt. Denn

wir werden wieder durch Umkehrung die erste Figur erhalten[130].

Setzt man aber beide Prämissen verneinend, so kann sich zwar aus den

angenommenen Prämissen selbst keine Notwendigkeit ergeben, aber man

erhält durch Umkehrung der Prämissen einen Schluß wie vorhin. Denn wenn

A und B möglicherweise dem C nicht zukommt und man statt dem setzt

möglicherweise zukommen, so ergibt sich wieder durch Umkehrung die

erste Figur[131].

Ist aber der eine Begriff allgemein und der andere partikulär und

verhalten sich die Begriffe ebenso wie in den einfach aussagenden

Sätzen, so wird auch ebenso ein Schluß möglich und nicht möglich sein.

Denn A komme möglicherweise jedem und B möglicherweise einem C zu. Da

wird man wieder durch Umkehrung der partikulären Prämisse die erste

Figur erhalten. Denn wenn A jedem C und C einem B zukommen kann, kann A

einem B zukommen.

Das gleiche gilt, wenn BC allgemein ist[132].

Ebenso liegt die Sache, wenn AC verneinend und BC bejahend ist. Man

erhält wieder durch Umkehrung die erste Figur[133].

[Sidenote: 39 b]

Setzt man aber beide Prämissen verneinend, die eine allgemein, die

andere partikulär, so wird zwar durch die angenommenen Prämissen selbst

kein Schluß entstehen, wohl aber bei ihrer Umkehrung, wie vorhin[134].

Läßt man aber beide Prämissen unbestimmt oder partikulär sein,

so entsteht kein Schluß. Denn notwendig kommt A jedem und keinem

B zu. Begriffe für Zukommen: sinnliches Wesen, Mensch, weiß; für

Nichtzukommen: Pferd, Mensch, weiß; Mittleres: weiß[135].

Einundzwanzigstes Kapitel.

Wenn aber die eine Prämisse das einfache, die andere das mögliche Sein

enthält, so sagt der Schlußsatz das mögliche, nicht das einfache Sein

aus, und es entsteht ein Schluß, wenn sich die Begriffe auf dieselbe

Weise verhalten wie vorhin (im 20. K.).

Denn sie sollen zuerst bejahend sein und A jedem C zukommen, B aber

jedem zukommen können. Kehrt man nun BC um, so erhält man die erste

Figur und den Schlußsatz, daß A einem B zukommen kann. Denn wenn die

eine Prämisse in der ersten Figur ein kontingentes Sein aussagt, so

war auch der Schlußsatz kontingent. Ebenso wenn BC das Sein und AC die

Möglichkeit aussagt[136].

Und wenn AC verneinend, dagegen BC bejahend ist, so wird, mag nun

der eine oder der andere Satz das einfache Sein aussagen, in beiden

Fällen der Schlußsatz kontingent sein. Denn man erhält wieder die erste

Figur, und es ist gezeigt worden, daß wenn der eine Satz in ihr das

kontingente Sein aussagt, auch der Schlußsatz kontingent sein muß[137].

Steht die kontingente Verneinung bei dem Unterbegriff, oder sind beide

Prämissen verneinend gefaßt, so kann sich aus den Prämissen selbst kein

Schluß ergeben, wohl aber erhält man einen Schluß bei ihrer Umkehrung,

wie in den früheren Fällen[138].

Ist aber die eine Prämisse allgemein, die andere partikulär und sind

gleichzeitig beide bejahend, oder ist die allgemeine verneinend, die

partikuläre bejahend, so werden alle Schlüsse in derselben Weise

zustande kommen: sie gehen sämtlich durch die erste Figur, und so muß

sich offenbar ein Schluß auf mögliches, nicht auf wirkliches Sein

ergeben[139].

Ist aber die bejahende Prämisse allgemein und die verneinende

partikulär, so wird der Beweis durch das Unmögliche geführt werden.

Denn B soll jedem C zukommen und A möglicherweise einem C nicht

zukommen. Dann muß A einem B möglicherweise nicht zukommen. Denn wenn A

notwendig jedem B zukommt und B nach der Voraussetzung jedem C zukommt,

wird A notwendig jedem C zukommen. Denn das ist früher nachgewiesen

worden. Aber die Voraussetzung war, daß es möglicherweise einem nicht

zukommt[140].

[Sidenote: 40 a]

In dem Falle aber, daß beide Prämissen unbestimmt oder partikulär

gefaßt sind, ist kein Schluß möglich. Der Beweis ist derselbe wie bei

den allgemeinen Sätzen und geht durch dieselben Begriffe[141].

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Ist aber die eine Prämisse notwendig, die andere kontingent, so erhält

man, wenn die Begriffe bejahend sind, immer einen Schluß auf das

Kontingente; ist aber der eine Satz bejahend und der andere verneinend,

so erhält man, falls der bejahende notwendig ist, einen Schluß auf

kontingentes Nichtsein, falls aber der verneinende notwendig ist, einen

Schluß sowohl auf kontingentes wie auf wirkliches Nichtsein. Dagegen

erhält man keinen Schluß auf notwendiges Nichtsein, wie auch nicht in

den anderen Figuren.

Es sollen also die Begriffe zuerst bejahend sein und A jedem C

notwendig, dagegen B jedem C kontingenterweise zukommen. Da nun A jedem

C notwendig und C einem B kontingenterweise zukommt, so wird auch A

einem B kontingenterweise, nicht einfach zukommen; denn so geschah es

in der ersten Figur. Ebenso muß der Beweis geführt werden, wenn BC

notwendig und AC kontingent sein soll[142].

Es soll hinwieder die eine Prämisse bejahend, die andere verneinend

und die bejahende notwendig sein; und A soll möglicherweise keinem C

zukommen, aber B notwendig jedem. Es wird sich dann wieder die erste

Figur ergeben, weil auch die verneinende Prämisse die Kontingenz

aussagt. Es muß also offenbar der Schlußsatz kontingent sein; denn

wenn sich die Prämissen in der ersten Figur so verhielten, war auch

der Schlußsatz kontingent[143]. Ist aber die verneinende Prämisse

notwendig, so wird sich der Schlußsatz ergeben, sowohl daß einem etwas

möglicherweise nicht zukommt, wie daß es ihm wirklich nicht zukommt.

Denn A soll C notwendig nicht zukommen und B jedem C zukommen können.

Dann stellt sich durch Umkehrung des bejahenden Satzes BC die erste

Figur ein, und die verneinende Prämisse ist dabei notwendig. Wenn sich

aber die Prämissen so verhielten, war die Folge, daß A einem C sowohl

möglicherweise nicht zukam, wie wirklich nicht zukam. Deshalb kommt

notwendig A auch einem B nicht zu[144]. Steht aber die Verneinung in

dem Untersatz, so ergibt sich, falls er kontingent ist, durch andere

Fassung des Satzes ein Schluß wie früher[145]. Ist er aber notwendig,

so ergibt sich kein Schluß. Denn es kommt dann eines jedem anderen

notwendig und gleichzeitig kontingenterweise keinem zu. Begriffe für

jedem Zukommen: Schlaf, schlafendes Pferd, Mensch; für keinem Zukommen:

Schlaf, wachendes Pferd, Mensch[146].

[Sidenote: 40 b]

Ebenso wird es sein, wenn sich der eine Begriff allgemein und der

andere partikulär zu dem mittleren verhält. Denn wenn beide bejahend

sind, entsteht ein Schluß auf das kontingente, nicht auf das einfache

Sein, und so auch, wenn das eine verneinend, das andere bejahend

und dabei das Bejahende notwendig gefaßt ist. Ist dagegen das

Verneinende notwendig gefaßt, so wird der Schlußsatz auch das Nichtsein

aussagen[147]. Denn es greift dieselbe Weise der Begründung Platz, wenn

die Begriffe allgemein und wenn sie nicht allgemein sind. Denn die

Schlüsse müssen durch die erste Figur vollendet werden, und deshalb muß

in dem einen Falle dasselbe gelten wie in dem anderen.

Steht aber die Verneinung, allgemein gefaßt, in dem Untersatz,

so ergibt sich, wenn sie auf Kontingentes geht, ein Schluß durch

Umkehrung, wenn aber auf Notwendiges, so ergibt sich kein Schluß.

Dieses wird auf dieselbe Weise und durch dieselben Begriffe gezeigt,

wie wenn die Prämissen allgemein sind[148].

So sieht man denn, auch in Beziehung auf diese Figur, wann und wie ein

Schluß möglich ist, und wann er das kontingente, wann das einfache Sein

enthält. Klar ist auch, daß diese Schlüsse sämtlich unvollkommen sind

und daß sie durch die erste Figur vollendet werden[149].

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Aus dem Bisherigen sieht man, daß die Schlüsse in diesen Figuren durch

die allgemeinen Schlüsse in der ersten Figur vollendet werden und auf

sie zurückgehen. Daß dieses aber von jedem Schluß überhaupt gilt, soll

jetzt dargetan werden, indem wir zeigen, daß jeder Schluß durch eine

von diesen Figuren geht.

Jeder Beweis und jeder Schluß erhärtet notwendig entweder ein Sein oder

ein Nichtsein, entweder allgemein oder partikulär, und entweder durch

unmittelbaren Nachweis oder auf Grund einer Voraussetzung. Von dem

Nachweis aus einer Voraussetzung ist der Nachweis durch das Unmögliche

ein besonderer Fall.

Wir wollen nun zuerst von den unmittelbar beweisenden Schlüssen reden.

Ist unsere Behauptung bei ihnen erhärtet, so muß sie auch für die

Schlüsse, die auf das Unmögliche führen, und überhaupt für die Schlüsse

aus einer Voraussetzung einleuchten.

[Sidenote: 41 a]

Wenn man also von A in Bezug auf B den Schluß ziehen soll, daß es ihm

entweder zukommt oder nicht zukommt, so muß man notwendig irgend etwas

von irgend etwas angenommen haben. Hat man nun A von B angenommen,

so hat man eben das angenommen, was von Anfang an die Frage ist; hat

man es dagegen von C angenommen, und C von nichts anderem, und auch

nichts anderes von C, und auch von A nichts anderes, so ist keinerlei

Schluß möglich. Denn darum, weil eines von einem angenommen wurde,

folgt nichts mit Notwendigkeit. Demnach muß man noch (zu AC) eine

andere Prämisse hinzunehmen. Nimmt man nun A von einem anderen (D =

A), oder ein anderes von A (A = C), oder von C etwas an (C = D), so

steht zwar der Bildung eines Schlusses nichts im Wege, aber es wird

kein Schluß sein, der auf Grund der gemachten Voraussetzungen zu B

gelangt. Und auch wenn C einem anderen und dieses wieder einem anderen

und das Dritte einem Vierten beigelegt wird, aber nichts davon mit

B in Verbindung steht, auch dann gibt es keinen Schluß von A auf B.

Denn wir stellen als Regel auf, daß überhaupt nie ein Schluß von einem

aufs andere möglich ist ohne Annahme eines Mittleren, das durch die

Prädizierungen zu jedem von beiden in einem bestimmten Verhältnis

steht. Denn der Schluß überhaupt erfolgt aus Prämissen, der Schluß auf

dieses aus Prämissen, die auf dieses gehen, und der Schluß von diesem

auf dieses aus Prämissen, die von diesem auf dieses gehen. Nun kann man

aber keine Prämisse annehmen, die auf B ginge, wenn man von B nichts

bejaht oder verneint, und wieder keine, die von A auf B ginge, wenn man

nichts Gemeinsames annimmt, sondern von jedem etwas Besonderes bejaht

oder verneint. Man muß demnach ein Mittleres zwischen beiden annehmen,

das bestimmt ist, die Aussagen zu verbinden, wofern ein Schluß zustande

kommen soll, der dieses von diesem aussagt.

Wenn man nun etwas beiden Gemeinsames annehmen muß und dieses auf

dreifache Weise geschehen kann -- indem man nämlich entweder A von

C und C von B aussagt, oder C von den beiden anderen, oder diese

von C --, und wenn wir damit die angegebenen Figuren haben, so muß

offenbar jeder Schluß durch eine dieser Figuren gehen. Denn es ist

dasselbe Verhältnis, wenn A auch durch mehrere Zwischenglieder mit B

zusammenhängt. Denn auch bei einer Mehrheit solcher Glieder ist die

Figur dieselbe.

Hiermit ist dargetan, daß die unmittelbar beweisenden Schlüsse durch

die vorgenannten Figuren zustande kommen. Daß es aber auch bei der

Zurückführung auf’s Unmögliche der Fall ist, soll das Folgende zeigen.

Immer, wenn man etwas durch die Unmöglichkeit erhärtet, schließt

man zwar auf Falsches, weist aber damit das, was ursprünglich zur

Erörterung steht, aus der Voraussetzung nach, wenn bei Annahme seines

kontradiktorischen Gegenteils etwas Unmögliches folgt. So zeigt man

z. B. die Inkommensurabilität der Diagonale daraus, daß bei Annahme

ihrer Kommensurabilität ungrade Zahlen graden gleich werden[150].

Daß also Ungrades Gradem gleich wird, wird geschlossen, daß aber die

Diagonale und die Seite sich nicht durch +ein+ Maß messen lassen,

zeigt man aus der Voraussetzung, weil nämlich wegen der Annahme des

Gegenteils etwas Falsches eintritt. Denn darunter, daß man durch

das Unmögliche schließt, verstanden wir eben dieses, daß man aus

der ursprünglichen Voraussetzung eine unmögliche Folge ableitet. Da

sohin bei der Zurückführung aufs Unmögliche ein unmittelbarer Schluß

auf das Falsche geschieht, während die ursprüngliche Behauptung aus

einer Annahme bewiesen wird, und da wir soeben von den unmittelbar

beweisenden Schlüssen erklärt haben, daß sie durch die angeführten

Figuren zustande kommen, so werden offenbar auch die Schlüsse durch das

Unmögliche durch diese Figuren gehen.

Dasselbe gilt von allen anderen Schlüssen, die auf einer Voraussetzung

beruhen: bei ihnen allen richtet sich der Schluß auf die eingesetzte

Behauptung (τὸ μεταλαμβανόμενον), die ursprüngliche Behauptung aber

gewinnt man durch Zugeständnis oder sonst eine Annahme.

[Sidenote: 41 b]

Ist dieses aber wahr, so kommt jeder Beweis und jeder Schluß notwendig

durch die drei vorgenannten Figuren zustande. Wenn aber dieses bewiesen

ist, so ist klar, einmal, daß jeder Schluß durch die erste Figur

vollendet wird, und dann, daß er auf die allgemeinen Schlüsse in ihr

zurückgeht.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Ferner muß in jedem Schluß ein Begriff bejahend sein und ein

allgemeiner Satz vorkommen.

Denn ohne ein Allgemeines kommt entweder kein Schluß zustande, oder er

erhärtet die Behauptung nicht, oder man postuliert was zu beweisen ist.

Denn es soll zu beweisen sein, daß die Lust, die einem die Musik

gewährt, sittlich gut ist. Wenn man sich nun einräumen lassen will, daß

Lust sittlich gut ist, ohne zu sagen: jede Lust, so ist kein Schluß

möglich. Will man aber zugestanden haben, daß eine Lust gut ist, und

ist dieselbe eine andere, so trägt es für die Behauptung nichts aus;

ist es aber eben die in Frage stehende Lust, so nimmt man an was zu

beweisen ist.

Man kann sich das an den geometrischen Figuren noch besser

verdeutlichen. Es handle sich z. B. um den Satz, daß die Winkel an

der Grundlinie eines gleichschenkligen Dreiecks einander gleich sind.

Die Linien AB sollen dann nach dem Mittelpunkt gezogen sein. Wenn

man nun annimmt, daß der Winkel AC dem Winkel BD gleich ist, ohne

die gleichzeitige Forderung, daß überhaupt die Winkel der Halbkreise

einander gleich sind, und wieder annimmt, daß Winkel C dem Winkel D

gleich ist, aber nicht noch dazu, daß jeder Winkel jedem Winkel auf

demselben Bogen gleich ist, und dann noch daß die Restwinkel EF nach

Abzug der gleichen Winkel von den gleichen gleich sind, so setzt man

voraus was zu beweisen ist, falls man nicht annimmt, daß gleiches von

gleichem abgezogen gleiches läßt.

Es leuchtet mithin ein, daß zu jedem Schluß das Allgemeine erforderlich

ist und daß das Allgemeine erwiesen wird, wenn alle Begriffe allgemein

sind, das Partikuläre dagegen so oder so, so daß, wenn der Schlußsatz

allgemein ist, auch die Begriffe allgemein sein müssen, wenn aber die

Begriffe allgemein sind, der Schlußsatz auch nicht allgemein sein kann.

Klar ist auch, daß in jedem Schluß entweder beide oder eine Prämisse

dem Schlußsatz gleich sein muß. Ich meine damit, nicht nur sofern sie

bejahend oder verneinend ist, sondern auch, sofern sie ein notwendiges

oder ein einfaches oder ein mögliches Sein enthält. Man muß aber auch

die anderen Arten der Aussage in Betracht nehmen[151].

Klar ist auch überhaupt, wann ein Schluß stattfindet und wann nicht,

wann er ein solcher der bloßen Anlage nach[152], und wann er ein

vollkommener ist, endlich, daß wenn ein Schluß stattfindet, die

Begriffe sich in einer der angegebenen Weisen verhalten müssen.

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

[Sidenote: 42 a]

Es leuchtet auch ein, daß jeder Beweis durch drei und nicht mehr

Begriffe zustande kommen muß, wenn nicht derselbe Schlußsatz durch

andere und wieder andere Beweisgründe gewonnen wird, wie z. B. E durch

AB und CD; oder durch AB, AC und BC. Denn es kann wohl sein, daß es

für dieselben Konklusionen eine Mehrheit von Mittelbegriffen gibt.

In diesem Falle hat man aber nicht nur einen Schluß, sondern ihrer

mehrere. Oder in dem Falle, daß man jede der beiden Prämissen A und

B für sich durch Schluß erhält, wie A durch DE und B wieder durch

FG. Oder wenn man die eine Prämisse durch Induktion und die andere

durch Schluß erhält. Aber auch so sind es mehrere Schlüsse; denn es

sind mehrere Schlußsätze, wie A, B und C. Wenn aber nun nicht mehr

Schlüsse sind, sondern nur einer, so kann derselbe Schluß zwar in der

angegebenen Weise durch mehrere Begriffe zustande kommen, aber er kann

es unmöglich, wenn er so vor sich gehen soll, wie man C durch A und B

erhält[153].

Lehre vom Schluss · 第 4 / 19 段