Bei von mir und von Anderen ausgeführten Versuchen gab

Rothbuchenholz 3,78 Kilogr. Dampf

Zwickauer Pechkohle ( 6 Proc. Asche) 6,45 " "

Böhmische Kohle von Nürschau (19 " " ) 5,58 " "

Saarbrücker Schmiedekohlen (21,5 " " ) 6,06 " "

Ruhrer Russkohle (5,5 " " ) 6,90 " "

Cannelkohle (4,0 " " ) 7,74 " "

[Sidenote: Reductionsprobe nach Berthier.]

=Methode von Berthier.= Nach dem =Welter='schen Gesetze (welches

indessen nicht durch die Erfahrung bestätigt wird, da neuere

Untersuchungen grosse Abweichungen von diesem Gesetze, namentlich in

Bezug auf den Wasserstoff nachgewiesen haben) stehen die aus

verschiedenen Brennmaterialien entwickelten Wärmemengen unter sich in

demselben Verhältnisse, wie die zur Verbrennung erforderlichen

Sauerstoffmengen. Die Richtigkeit dieses Gesetzes angenommen, ist es

leicht, wenn die Zusammensetzung eines Brennmaterials bekannt ist,

seinen absoluten Wärmeeffect zu berechnen. Man ermittelt nämlich, wie

viel es Sauerstoff, mit Berücksichtigung seines eigenen Gehaltes davon,

aufnehmen würde, um seinen Kohlenstoff völlig in Kohlensäure und seinen

Wasserstoff in Wasser zu verwandeln. Hierauf vergleicht man diese Menge

mit der, welche ein anderes Brennmaterial, dessen Heizkraft bekannt

ist, z. B. Kohle, erfordert. Geht man von diesen Grundsätzen aus, so

ist es klar, dass die Brennkraft eines Brennmaterials, ohne seine

Zusammensetzung zu kennen, leicht zu erfahren ist, wenn man das Gewicht

des bei dem Verbrennen absorbirten Sauerstoffe bestimmen kann.

Praktische Erfahrungen und Berechnungen haben gezeigt, dass das

=Berthier='sche Verfahren vermöge eines constanten Fehlers um etwa 1/9

hinter der Wahrheit zurückbleibt. Die Ausführung der Methode ist

folgende: Man verwandelt das Brennmaterial in das feinste Pulver und

mengt 1 Grm. davon mit einer etwas grösseren Menge reiner Bleiglätte,

als es reduciren kann, also mit mindestens 20 und höchstens mit 40 Grm.

derselben. Das Gemenge wird in einen irdenen Tiegel gebracht und mit

20-40 Grm. Bleiglätte bedeckt. Der Tiegel wird mit einem Deckel bedeckt

und durch Kohlenfeuer allmälig erhitzt. Die Masse wird weich, kocht und

bläht sich zuweilen auf. Ist sie völlig geschmolzen, so giebt man etwa

zehn Minuten ein kräftiges Feuer, damit das Blei sich zu einer Masse

vereinige. Hierauf wird der Tiegel aus dem Feuer genommen, nach dem

Erkalten zerbrochen und der Bleiregulus gewogen. Er hängt gewöhnlich

weder an dem Tiegel, noch an der Schlacke und löst sich mit einem

Hammerschlage leicht ab. Die Versuche müssen 2-3mal wiederholt werden

und die Resultate dürfen nicht über 0,1-0,2 Grm. von einander

abweichen. =G. Forchhammer= wendet anstatt des reinen Bleioxydes eine

Mischung von 3 Th. Bleiglätte und 1 Th. Chlorblei (mithin ein

Bleioxychlorid) an, welche man vorher in einem irdenen Tiegel schmilzt

und nach dem Erkalten pulvert. Reine Holzkohle giebt mit Bleiglätte

oder mit Bleioxychlorid erhitzt das 34fache ihres Gewichtes und

Wasserstoff das 103,7fache seines Gewichts an metallischem Blei, also

etwas mehr als das 3fache der Kohle. Mittelst dieser gegebenen Werthe

kann man den absoluten Wärmeeffect für ein Brennmaterial finden. Da man

gegenwärtig annimmt, dass 1 Th. Kohle die Temperatur von 8080 Th.

Wasser um 1° zu erhöhen vermag, da ferner reine Kohle nach dem

Verfahren von =Berthier= 34 Th. Blei giebt, so entspricht jeder durch

ein Brennmaterial reducirte Gewichtstheil Blei (8080 / 34 =) 237,6

Wärmeeinheiten. Das Verfahren von =Berthier= eignet sich in Folge der

nachgewiesenen Unhaltbarkeit des =Welter='schen Gesetzes nur für

Brennstoffe, welche nur eine sehr geringe Menge Wasserstoff enthalten.

Für solche wasserstoffhaltige Brennmaterialien, welche sich schon bei

einer unter der Rothglühhitze liegenden Temperatur zu zersetzen

beginnen, ist es durchaus nicht anwendbar, da ein Theil der

reducirenden Gase entweichen kann, ohne die entsprechende Menge von

Blei abgeschieden zu haben.

_Beispiel_: 1 Grm. Presstorf gab mir 17,76 Grm. Blei, dies entspricht

4124,5 W.-E. (denn 237,6 × 17,76 = 4124,5) oder mit anderen Worten 1

Kilogr. Presstorf liefert 6,3 Kilogr. Wasserdampf von 150°

(denn 4124,5 / 652 = 6,3).

[Sidenote: Elementaranalyse.]

Die =Elementaranalyse=. Wenngleich durch neuere genaue Untersuchungen

nachgewiesen worden ist, dass die beim Verbrennen gleich

zusammengesetzter (oder isomerer) organischer Stoffe[192] entwickelte

Wärme sich nicht genau verhalte wie die zum Verbrennen nöthige

Sauerstoffmenge, dass die gleiche Quantität Sauerstoff unter

verschiedenen Umständen verschiedene Wärmemengen erzeugen kann, so darf

doch dreist angenommen werden, dass bei ähnlichen Brennstoffen aus der

Zusammensetzung ein Resultat sich ziehen lassen wird, welches, wenn

auch nicht absolut genau, doch für die Praxis hinreichende

Anhaltepunkte giebt. Wenn es sich daher um Prüfung des relativen

Werthes von gleichnamigen Brennmaterialien handelt, wendet man

zweckmässig die Elementaranalyse an, nachdem zuvor durch einen

besonderen Versuch die Aschenquantität der Brennstoffe ermittelt wurde.

_Beispiel_: 1 Grm. Presstorf gab mir bei der Elementaranalyse 0,4698

Grm. Kohlenstoff und 0,0143 Grm. Wasserstoff, mithin 4288,7 W.-E. denn

Kohlenstoff 0,4698. 8080 = 3795,9

Wasserstoff 0,0143. 34462 = 492,8

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4288,7 W.-E.

In dem Presstorf waren ferner vorhanden:

15,5 Proc. hygroskopisches Wasser } = 48,28 Proc. Wasser

31,78 " chem. gebundenes " }

zu deren Verdampfung 255,3 W.-E. erforderlich sind, daher 4288,7 -

255,3 = 4033,4 W.-E.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 138 / 167 题