Die Verdampfungskraft des Presstorfes ist also

4033,4

------ = 6,19 Kilogr.

652

[192] Die Zusammensetzung der Buttersäure und des Essigäthers ist

gleich und wird durch die Formel C_{4}H_{8}O_{2} ausgedrückt, und

dennoch giebt erstere beim Verbrennen 5647 W.-E., letztere

dagegen 6292.

[Sidenote: Probe von Stromeyer.]

Nach der (1861) von =A. Stromeyer= vorgeschlagenen Probe verbrennt man

den Brennstoff mittelst Kupferoxyd, behandelt den Rückstand mit

Salzsäure und Eisenchlorid, wobei letzteres durch das entstandene

metallische Kupfer theilweise in Eisenchlorür übergeht, dessen Menge

man durch Titriren mit Chamaeleon bestimmt. Dieses Verfahren ist

sicherlich genau, aber umständlich.

[Sidenote: Specifischer Wärmeeffect.]

Unter dem =specifischen Wärmeeffect= versteht man diejenigen relativen

Wärmemengen, welche gleich grosse Volumen der verschiedenen

Brennmaterialien liefern. Man findet ihn aus dem absoluten Wärmeeffect,

indem man denselben mit dem specifischen Gewichte des betreffenden

Brennmaterials multiplicirt.

[Sidenote: Pyrometrischer Wärmeeffect.]

Der =pyrometrische Wärmeeffect= eines Brennmaterials wird durch die

Temperatur, welche bei der vollständigen Verbrennung desselben herrscht,

ausgedrückt. Da keines der bekannten Pyrometer genügende Resultate giebt,

um die Intensität der Wärme behufs der Ermittelung der Heizkraft in

Thermometergraden wiedergeben zu können, so muss man sich vorläufig mit

der annähernden Ermittelung des pyrometrischen Wärmeeffects durch

Rechnung begnügen. Der pyrometrische Wärmeeffect eines Brennmaterials ist

gleich dem in Wärmeeinheiten angegebenen absoluten Wärmeeffecte

desselben, dividirt durch die Summe der relativen Gewichtsmengen aller

Verbrennungsprodukte seiner Bestandtheile, jede dieser Gewichtsmengen

multiplicirt mit der entsprechenden specifischen Wärme. Der pyrometrische

Wärmeeffect des Kohlenstoffes ist grösser, der des Wasserstoffs kleiner

als der jedes anderen brennbaren Körpers. Die flammbaren Brennstoffe im

Holz und in den Steinkohlen müssen mithin einen niedrigeren

pyrometrischen Wärmeeffect besitzen, als die nicht flammbaren,

verkohlten, und zwar einen um so niedrigeren, je mehr sie sich in ihrer

Zusammensetzung der reinen Kohle nähern, während bezüglich des absoluten

Wärmeeffectes das Gegentheil stattfindet. Der Grund davon liegt darin,

dass der beim Verbrennen von Wasserstoff sich bildende Wasserdampf fast

viermal so viel Wärme aufnimmt, um bei einer gewissen Temperatur erhitzt

zu werden, als Kohlensäure. Der Unterschied zwischen den pyrometrischen

Effecten der Brennmaterialien ist bei der Verbrennung in Sauerstoff weit

bedeutender als in der Luft.

Um dem theoretisch gefundenen pyrometrischen Wärmeeffect in der Praxis

möglichst nahe zu kommen, hat man besonders darauf Bedacht zu nehmen,

allen Kohlenstoff zu Kohlensäure zu verbrennen, da bei der Verbrennung

von Kohlenstoff zu Kohlenoxyd in der atmosphärischen Luft nur eine

Temperatur von 1427° (bei 2480 W.-E.), bei dessen Verbrennung zu

Kohlensäure aber eine Temperatur von 2458° (bei 8080 W.-E.) erzeugt

wird, durch passende Vorbereitung des Brennstoffes (z. B. durch

längeres Aufbewahren von Holzkohlen und Koks, durch Pressen des Torfes

zur Vermehrung seiner Dichte, durch Darstellung dichteren Koks in

Oefen, Vorwärmen des Brennmaterials etc.) durch Vorwärmung der

Verbrennungsluft, durch Effectuirung der Verbrennung unter einem

höheren Drucke als dem einer Atmosphäre.

Die Verbrennungstemperatur ist nicht nur ein Produkt des Actes der

Verbrennung, sondern wird auch wesentlich modificirt durch die bei der

Verbrennung wirkenden Luftbestandtheile. In einem Brennmaterial sind

zur vollständigen Verbrennung erforderlich:

für 1 Kilogr. Kohlenstoff bei 15° C. 9,7 Kubikmeter Luft

" 1 " Wasserstoff " 15° " 28,0 " "

Hieraus leiten sich folgende Luftmengen ab, die zur vollständigen

Verbrennung eines Brennmaterials gerade ausreichen:

1 Kilogr. Holz (mit 20 Proc. hygrosk. H_{2}O) = 5,2 Kubikmeter Luft

1 " Holzkohle = 9,0 " "

1 " Steinkohle = 9,0 " "

1 " Koks = 9,0 " "

1 " Braunkohle = 7,3 " "

1 " Torf = 7,3 " "

In der Praxis sind die theoretisch erforderlichen Luftmengen mindestens

doppelt zu nehmen, wenn die Verbrennung vollständig erfolgen soll.

[Sidenote: Mechan. Aequivalent der Wärme.]

Das Gesetz von der =Erhaltung der Kraft= lehrt, dass Wärme in Werk (oder

Arbeit) und Werk umgekehrt in Wärme übergeführt werden kann und es

entspricht dabei 1 Wärmeeinheit 424 Meterkilogrammen Arbeit. So oft durch

Wärme Arbeit geleistet wird, verschwindet die erstere und zwar immer für

424 Arbeitseinheiten 1 Wärmeeinheit. Die Zahl 424 ist mithin das

=mechanische Aequivalent der Wärme= (oder das Arbeitsäquivalent der

Wärmeeinheit). Unter einem Fusspfund versteht man jene Kraft (oder

Arbeit), welche nöthig ist, um =ein= Pfund =einen= Fuss hoch zu heben.

Wählt man die Arbeit als Einheit, welche man benutzt, um 1 Kilogramm 1

Meter hoch zu heben, so nennt man die Einheit Kilogrammometer (oder

Meterkilogramm). 1 Kilogrammometer = 6,37 Fusspfund (rhein.). (Den

Ausgangspunkt der mathematischen Entwickelung der mechanischen

Wärmetheorie bildet der zuerst von =R. Clausius= ausgesprochene Satz,

dass »in allen Fällen, wo durch Wärme Arbeit entsteht, eine der erzeugten

Arbeit proportionale Wärmemenge verschwindet oder verbraucht wird und

dass umgekehrt durch Verrichtung einer eben so grossen Arbeit dieselbe

Wärmemenge wieder erzeugt werden kann«).

Die Brennmaterialien im Besonderen.

Das Holz.

[Sidenote: Holz.]

Das Holz besteht aus mehreren in ihrer Structur von einander

unterscheidbaren Theilen, welche auf dem Querschnitt sich in folgender

Weise darstellen: Die Axe (das =Mark=) besteht aus einem lockeren,

ziemlich regelmässig gestalteten Gewebe von Parenchymzellen, welche an

vielen Stellen als =Markstrahlen= sich strahlenförmig bis zur Rinde

erstrecken. Rings um das Mark liegt das =Holz=, ein Aggregat seitlich

verwachsener Gefässbündel, welche aus den Holz- und den Gefässzellen

bestehen. Um das Holz findet sich der =Bast= gelagert, zwischen Holz und

Bast eine Lage äusserst dünnwandiger, mit einer trüben Flüssigkeit

erfüllter Zellen, von welcher die weitere Entwickelung des Stammes

ausgeht, indem die neu gebildeten Zellen theils nach Innen an die alten

Holzzellen, theils nach Aussen an Bast und Rinde sich ablagern. Ueber dem

Baste liegt nach Aussen eine Schicht Zellgewebe von eigenthümlicher

Structur der Zellen, welche mit dem Bast vereinigt die =Rinde= ausmacht,

die im jungen Zustande noch mit der =Oberhaut= bedeckt ist. Die

Markzellen zerreissen in der Regel beim späteren Wachsen der Pflanze,

sterben ab und hinterlassen eine hohle Röhre. Die Holzzellen verdicken

sich durch abgelagerte Cellulose; da dieses Wachsthum in die Dicke im

Frühling sehr rasch beginnt, im Sommer und Herbst aber sich verlangsamt

und zuletzt ganz erstirbt, so ist die Bildung von deutlich erkennbaren

=Jahresringen=, die sich durch ihre härtere, dichtere, im Herbste

abgelagerte Schicht scharf vom folgenden Jahrgange unterscheiden, leicht

zu erklären. Die Holzzellen sind nie auf den Wänden so verdickt, dass

sich nicht im Innern wenigstens eine Höhlung wahrnehmen liesse, und ihre

Berührung unter einander nie so vollständig, dass man nicht zwischen

ihnen die sogenannten Intercellulargänge wahrnehmen könnte, welche in der

Regel nur mit Luft gefüllt sind, bisweilen sind sie auch die Behälter

eigenthümlicher Säfte, z. B. von Harz, Gummi u. a.

In den Holz- und Gefässzellen hat sich während des Lebens der Pflanze

die meiste Cellulose abgeschieden; sie erscheinen daher mit den

dicksten Wänden und bilden das eigentliche Holz. Je dicker die Wände

der Holzzellen einer Holzart sind und je mehr Zellen in einem

bestimmten Raume sich angehäuft haben, desto dichter und schwerer ist

ein solches Holz; man nennt es =hartes= im Gegensatz zu solchem Holz,

welches dünnwandigere Holzzellen in geringerer Anzahl in einem gleich

grossen Raume enthält; letzteres heisst ein =weiches Holz=. Die

verschiedenen Baumarten, deren Holz in Mitteleuropa als Brennmaterial

benutzt wird, sind:

=Laubhölzer=:

Eiche (_Quercus pedunculata_ und _robur_) schlagbar im 50.- 60. Jahre

Rothbuche (_Fagus sylvatica_) " " 80.-120. "

Hain- oder Weissbuche (_Carpinus betulus_) " " 110.-120. "

Ulme oder Rüster (_Ulmus campestris_ und

_effusa_) " " 20.- 30. "

Esche (_Fraxinus excelsior_) " " 20.- 30. "

Erle (_Alnus glutinosa_ und _incana_) " " 20.- 30. "

Birke (_Betula alba_ und _pubescens_) " " 20.- 25. "

=Nadelhölzer=:

Weiss- oder Edeltanne (_Pinus abies_) " " 50.- 60. "

Fichte oder Rothtanne (_Pinus picea_) " " 70.- 80. "

Föhre oder Kiefer (_Pinus sylvestris_) " " 80.-100. "

Lärche (_Pinus larix_) " " 50.- 60. "

Zu den =harten Hölzern= rechnet man: Eiche, Weiss- und Rothbuche, Ulme,

Birke, Esche, zu den =halbharten=: Ahorn, Erle, Lärche, Föhre; zu den

=weichen=: Fichte, Weisstanne, Linde, Aspe, Pappel, Weide.

[Sidenote: Bestandtheile des Holzes.]

Das Holz besteht im Wesentlichen aus der eigentlichen Holzfaser, kleinen

Mengen von Saft- und Aschebestandtheilen und einer veränderlichen Menge

hygroskopischen Wassers.

=Holzfaser= (Cellulose). Die reine Holzfaser, deren Menge etwa 96 Proc.

von dem völlig trocknen Holze beträgt, ist nach der Formel

C_{6}H_{10}O_{5} zusammengesetzt und besteht in 100 Theilen aus

Kohlenstoff 44,45

Wasserstoff 6,17

Sauerstoff 49,38

Der =Pflanzensaft= besteht zum grössten Theile aus Wasser und enthält

organische und unorganische Substanzen theils aufgelöst, theils

suspendirt. Die unorganischen Saftbestandtheile, welche nach dem

Verbrennen des Holzes als =Asche= zurückbleiben, sind ihrer Qualität nach

bei allen Holzarten gleich (vergl. Seite 133). In der Praxis nimmt man

an, dass der Aschengehalt der Brennhölzer durchschnittlich 1 Proc.

betrage[193].

[193] Im Durchschnitte aus allen Holzarten geben an Asche:

Prügelholz 1,23 Proc.

Scheitholz 1,34 "

Aeste 1,54 "

Wellen 2,27 "

Der =Wassergehalt= ist im Allgemeinen bei den weichen Hölzern grösser als

bei den harten. Man fand in 100 Gewichtstheilen des frisch gefällten

Holzes:

Hainbuche 18,6

Birke 30,8

Traubeneiche 34,7

Stieleiche 35,4

Weisstanne 37,1

Föhre 39,7

Rothbuche 39,7

Erle 41,6

Ulme 44,5

Fichte 45,2

Gewöhnliches =lufttrockenes= Holz lässt sich betrachten als bestehend

aus:

40 Th. Kohle (incl. 1 Th. Asche),

40 " chemisch gebundenem Wasser,

40 " hygroskopischem Wasser.

Nachdem durch starkes Erhitzen bis auf 130° alles hygroskopische Wasser

ausgetrieben worden ist, bleibt =gedarrtes Holz= zurück von der

Zusammensetzung:

50 Th. Kohle (incl. 1 Th. Asche),

50 " chemisch gebundenes Wasser.

Das lufttrockne =Buchenholz=, wie es gewöhnlich als Brennholz benutzt

wird, enthält in 100 Theilen:

Kohlenstoff 39,10

Wasserstoff 4,90

Sauerstoff 36,00

Wasser und Asche 20,00

------

100,00

[Sidenote: Heizwerth des Holzes.]

Die =Brennbarkeit= der weichen Hölzer ist grösser als die der harten;

unter den weichen lassen sich die Nadelhölzer (wegen ihres Harzgehaltes)

am leichtesten entzünden und brennen am besten fort. Den Nadelhölzern

steht das Birkenholz sehr nahe. Was die =Flammbarkeit= betrifft, so geben

die harzreichen Nadelhölzer die längste Flamme.

Aus seinen Versuchen folgert =Winkler= hinsichtlich des Verhältnisses

der Heizkraft der Holzarten, dass 1 Klafter Fichtenholz ersetzt werde

durch

1,07 Klafter Linde, 0,70 Klafter Buche,

0,94 " Föhre, 0,665 " Birke,

0,92 " Pappel, 0,65 " Ahorn,

0,91 " Weide, 0,635 " Ulme,

0,89 " Tanne, 0,59 " Eiche.

=Scheerer= nimmt den absoluten Wärmeeffect der verschiedenen,

gleichförmig getrockneten Holzarten als gleich gross an, ferner, dass

der specifische Wärmeeffect von Holzarten mit gleichem Wassergehalte

sich wie das specifische Gewicht derselben verhält. Der =pyrometrische

Wärmeeffect= des halbgedarrten Holzes (mit 10 Proc. Wassergehalt) kann

nach =Scheerer= = 1850°, der des gedarrten = 1950° gesetzt werden. Nach

=Péclet= entwickelte sich eine Temperatur von 1683° C. beim Verbrennen

von reinem und trocknem Holz unter der Voraussetzung, dass aller

Sauerstoff der Verbrennungsluft absorbirt werde, dagegen nur eine

Temperatur von 960°, wenn der Sauerstoff nur zur Hälfte consumirt wird,

was gewöhnlich in grossen Feuerräumen der Fall ist.

Die Verdampfungskraft der Holzarten ist nach den Versuchen von =Brix=:

_Wassergehalt._ _Ungetrocknet._ _Getrocknet._

Föhrenholz 16,1 Proc. 4,13 5,11

Ellernholz 14,7 " 3,84 4,67

Birke 12,3 " 3,72 4,39

Eiche 18,7 " 3,54 4,60

Rothbuche 22,2 " 3,39 4,63

Weissbuche 12,5 " 3,62 4,28

D. h. 1 Kilogr. Föhrenholz mit 16,1 Proc. Wasser verdampft 4,13 Kilogr.

Wasser.

[Sidenote: Holzkohlen.]

=Die Holzkohlen.= Es ist ein allgemeines Kennzeichen der organischen

Verbindungen, dass dieselben unter dem Einfluss der Wärme sich zersetzen

und dabei Kohlenstoff als Kohle ausscheiden. Wird die Erhitzung des

=Holzes= in einem abgesperrten sauerstoffleeren Raum ausgeführt und ist

zu gleicher Zeit die Vorkehrung getroffen, dass die gas- und

dampfförmigen Produkte entweichen können, wird überhaupt das Holz der

trocknen Destillation unterworfen, so bleibt ein Theil des Kohlenstoffs

als =Holzkohle= zurück. Werden die flüchtigen Produkte aufgefangen, so

findet man gasförmige, aus Kohlensäure, Kohlenoxyd und Grubengas

bestehend, und condensirbare Körper, welche letztere nach der Verdichtung

ein gelblich oder braun gefärbtes Oel bilden, unter welchem eine

wässerige Flüssigkeit sich befindet. Die wässerige Flüssigkeit besteht

aus unreiner Essigsäure (=Holzessig=; vergl. Seite 550) und einer

alkoholischen Flüssigkeit, dem =Holzgeiste= (vergl. Seite 553); die ölige

Flüssigkeit, der =Holztheer=, besteht aus einer Anzahl flüssiger und

fester Körper, unter denen das Paraffin, das Kreosot (oxyphensaures

Methyl), die Oxyphensäure und die Carbolsäuren (d. i. die eigentliche

Carbolsäure, die Kresylsäure und die Phlorylsäure) und mehrere flüssige

Kohlenwasserstoffe hervorzuheben sind. Alle diese Stoffe sind brennbar.

Folgendes Schema (vergl. Seite 551) zeigt die hauptsächlichsten, bei der

trocknen Destillation des Holzes sich bildenden Produkte:

{Acetylen Kohlenoxyd

{Elayl Kohlensäure

{[Greek: a]) Leuchtgas{Benzol Methylwasser-

{ stoff

{ {Naphtalin (?) Wasserstoffgas

{

{a) Holzmasse } { {Benzol Oxyphensäure

{ } { {Naphtalin (?) Kresylsäure

Holz{b) Hygroskop.} {[Greek: b]) Theer {Paraffin Phlorylsäure

{ Wasser } { {Reten Brandharze

{ {Carbolsäure Kreosot

{

{[Greek: g]) Holzessig{Essigsäure Aceton

{ {Propionsäure Holzgeist

{[Greek: d]) Holzkohle

[Sidenote: Zweck der Verkohlung.]

Der gewöhnliche Zweck der =Verkohlung= des Holzes besteht darin, die in

demselben enthaltenen Brennstoffe zu concentriren, sie durch bedeutende

Verminderung des Gewichts und des Volumens transportabler zu machen und

dadurch ihren Markt zu erweitern, die Holzpreise zu steigern, einige für

gewisse technische Anwendungen nachtheilige Eigenschaften des Holzes zu

entfernen oder endlich auch Kohle zu anderer Benutzung als der

gewöhnlichen zu erlangen, z. B. zur Pulverfabrikation. In allen diesen

Fällen wird die =Kohle= als Hauptprodukt der Verkohlung angesehen. Bei

der =Theerschwelerei= ist es vorzüglich auf die Gewinnung von Theer

abgesehen und die dabei sich ergebende Kohle erscheint mehr nur als ein

Nebenerzeugnis. Bei der =Holzgasfabrikation= werden endlich durch die

Verkohlung nicht blos Holz und Theer, sondern auch die dabei sich

entwickelnden brennbaren und leuchtenden Gase gewonnen und in einer Weise

zur Entwickelung von Licht und Wärme benutzt, dass jedenfalls jene nicht

als Hauptsache erscheinen. Die Verkohlung des Holzes im Walde kann

entweder in regelmässigen auf verschiedene Weise aufgebauten Haufen, den

=Meilern= und den =Haufen=, in beiden Fällen unter beweglicher Decke,

oder unter unbeweglicher Decke in =Gruben= und =Meileröfen= vor sich

gehen.

[Sidenote: Meilerverkohlung.]

Unter einem =Meiler= versteht man einen aus grösseren Holzstücken

zusammengeschichteten Haufen, welcher mit einer Decke von Erde oder

Kohlenlösche (Kohlenstaub mit Erde gemengt) versehen ist. Die Holzscheite

werden entweder fast =senkrecht= gegen die Axe des Meilers geneigt, oder

man legt sie =horizontal=, in radialer Richtung von der Axe auslaufend.

Im ersten Falle heisst ein Meiler ein =stehender=, im anderen Falle ein

=liegender= Meiler. Die Axe des Meilers wird =Quandel= genannt.

[Sidenote: Richten des Meilers.]

Behufs des Aufstellens des Holzes (=Richten des Meilers=) richtet man

im Mittelpunkte der Meilerstätte eine dicke Stange, den =Quandelpfahl=

oder, wenn mehrere Stangen angewendet werden, die =Quandelstäbe= auf.

Die =stehenden Meiler= unterscheidet man als

a) wälsche Meiler (Fig. 301),

b) slavische Meiler (Fig. 302),

c) Schwartenmeiler (Fig. 303).

[Illustration: Fig. 301.]

[Illustration: Fig. 302.]

Ein =wälscher= oder =italienischer Meiler= (Fig. 301) hat als Quandel

einen aus drei oder vier Stangen bestehenden Quandelschacht, in welchem

die Stangen durch Holzspreise _n_ auseinandergehalten werden, und

besteht aus zwei oder drei Holzschichten (er ist =zwei-= oder

=dreischichtig=); die conische Holzmasse wird durch horizontal gelegte

Scheite abgerundet und der dadurch entstehende Aufsatz auf den

eigentlichen Holzschichten heisst die =Haube= (_chemise_). Im unteren

Theile des durch die Quandelstäbe gebildeten Schachtes häuft man

harziges Holz an, durch welches später der Meiler in Brand gesetzt

wird.

Der =slavische Meiler= (Fig. 302) unterscheidet sich von dem

vorhergehenden durch den Quandel, der hier aus einem eingerammten Pfahl

besteht, ferner durch die =Zündgasse= _b_, einen bis zum Quandel

gehenden Kanal, durch welchen der Meiler entzündet wird.

[Illustration: Fig. 303.]

Eine dritte Art stehender Meiler ist der in Norwegen gebräuchliche

=Schwartenmeiler= (Fig. 303), aus =Schwarten=, d. h. unregelmässig

geformten, dünnen Brettern zusammengesetzt. Drei der grössten bilden

den Quandelschacht _a a_, um welchen Raum man brennbare Stoffe anbringt

und darauf einen kegelförmig aufgeschichteten Haufen von grösseren

Holzabfällen, mit leicht entzündlichen Stoffen untermengt, setzt.

Dieser Haufen bildet den Kern des Meilers, an welchen die Schwarten

gelehnt werden.

Die =liegenden Meiler= bekommen im Aeusseren die Gestalt der stehenden

Meiler; die Scheite aber werden horizontal und radial in ein oder zwei

concentrische Lagen eingelegt; die äussere Fläche wird parallel mit dem

innern Holzkerne gemacht, welchen man zunächst um den Quandel herum in

Gestalt eines Kegels aus aufrechtstehenden Scheiten errichtet. Der

Quandel ist entweder Quandelschacht oder Quandelpfahl mit Zündgasse.

Der gerichtete Meiler wird mit einer =Decke= von Erde versehen. Weil

aber die lockere Erde zu leicht durchfallen und das Feuer ersticken

würde, so muss man den Meiler, ehe man ihn mit Erde bewirft, noch mit

einer Decke von Rasen oder Reissig, Moor, Haidekraut, Schilf,

Tannennadeln, Laub etc. versehen. Das Auflegen der Decke auf den Meiler

geschieht nicht sofort vollständig, sondern der Meiler muss am Fusse

bis zu einer Höhe von 6-12 Zoll vor der Hand unbedeckt bleiben. Die

hierzu erforderliche Vorrichtung heisst die =Rüstung= oder

=Unterrüstung=. Man versteht darunter eine rings um den Umfang des

Meilers laufende horizontale Umfassung mit dürren Aesten, welche in

hölzernen Gabeln (Rüstgabeln) liegen. Die Rüstung hat den Zweck, theils

der Decke Halt zu geben, theils aber auch, den Dämpfen beim Anzünden

des Meilers durch die Zwischenräume an der Sohle Ausgang zu gestatten.

Man macht die Bedeckung (das =Bewerfen=, =Schwarzmachen= oder

=Schwärzen=) aus Erde oder besser mit einem Gemenge von Lehm, Erde und

Kohlenstaub und giebt ihr eine überall gleiche Dicke von 3-5 Zoll. Die

Haube des Meilers erhält eine stärkere und dicht geschlagene Erddecke,

weil sie der Wirkung des Feuers am meisten ausgesetzt ist. Dort, wo

Winde dem Meiler nachtheilig werden können, muss er an der Windseite

mit =Windschauern=, aus Brettwänden oder Hecken bestehend, versehen

werden. Wie schon angeführt, unterscheidet man zwei verschiedene Arten

des =Anzündens=: 1) das Anzünden =von unten= geschieht durch die

=Zündgasse= oder das Zündloch mittelst einer Stange, der Zündstange und

Zündruthe, an deren einem Ende ein brennender Strohwisch, Birkenschale

oder dergleichen befestigt und zu dem Quandel hineingebracht wird; 2)

das Anzünden =von oben= geht vor sich, indem man die im Quandelschacht

enthaltenen Materialien anzündet, oder indem man in den Schacht zuerst

glühende Kohlen und dann Kohlen und Brände darauf schüttet.

[Sidenote: Kohlenbrennen.]

Bei dem eigentlichen Kohlenbrennen sind drei Phasen zu unterscheiden:

1) das Schwitzen oder Abbähen, 2) das Treiben, 3) das Zubrennen des

Meilers. Der angezündete Meiler braucht zum Umsichgreifen des Feuers in

seinem Innern eine weit grössere Luftmenge als ein schon längere Zeit

angebrannter. Aus diesem Grunde ist der Fuss des Meilers im Anfange

entweder ganz oder nur unvollständig bedeckt; durch die Ausbreitung des

Feuers im Meiler entwickeln sich Wasserdämpfe, gemengt mit Produkten

der trocknen Destillation des Holzes, welche sich an den kälteren

Stellen des Meilers zum Theil verdichten und eine Durchnässung, ein

=Schwitzen= derselben bewirken. Während des Schwitzens ist der Meiler

dadurch gefährdet, dass in seinem Innern durch Mischen von

Kohlenwasserstoffen mit atmosphärischer Luft sich knallgasähnliche

Gemische bilden können, welche durch ihre Explosion ein stellenweises

Abwerfen der Decke, selbst ein Bersten der Holzmasse bewirken können.

Man nennt dies das =Werfen= des Meilers. Geringe und deshalb für den

Meiler gefahrlose Explosionen haben nur ein »=Schütteln=« der

Meilerdecke zur Folge. Durch die schnelle Ausbreitung des Feuers,

theils durch das wirkliche Verbrennen eines Theiles des Holzes, theils

endlich durch das Schwinden der Holzmasse als Folge der durch das

Austrocknen und Verkohlen bewirkten Volumenverminderung, entstehen im

Meiler hohle Räume (das =Hohlbrennen=). Diese hohlen Räume müssen

sorgfältig ausgefüllt werden. Sobald die am Fusse des Meilers

auftretenden Dämpfe eine hellere Farbe zeigen, beginnt die Periode des

=Treibens=. Der Zutritt der Luft muss jetzt verringert werden; zu dem

Zwecke wird die locker gewordene Decke überall wieder an das Holz

angeschlagen. Man nennt die Arbeit das =Umfassen= oder =Umfangen= des

Meilers. So bleibt derselbe 3-4 Tage ganz in Ruhe und sich selbst

überlassen, indem bei fast gänzlichem Abschluss der Luft die Verkohlung

in dem treibenden Meiler durch die hohe Temperatur des Kerns geschieht.

Nach etwa 4 Tagen ist der grösste Theil des Holzes verkohlt,

ausgenommen eine sich unterhalb der Haube rings um den Meiler ziehende

mantelförmige Schicht, deren Dicke gegen den Fuss hin zunimmt. Das

Feuer muss nun so geleitet werden, dass es von der Haube aus abwärts

und vom Kerne gegen den Meilerumfang zu gehe. Diese Operation heisst

das =Zubrennen=, je langsamer sie vollendet wird, desto reichlicher ist

die Kohlenausbeute. Wird der Rauch der Zuglöcher hell und blau, so ist

dies ein Zeichen der Gare; die Löcher müssen dann geschlossen werden.

Nachdem das Garen des Meilers überall erfolgt ist, bleibt er etwa 24

Stunden lang zugedeckt und gegen den Luftzutritt geschützt zum

=Abkühlen= stehen; darauf wird der Meiler =abgeputzt= und =gelöscht=.

Gestübe und Decke werden mit der Krücke abgekratzt und dann wird das

reine trockene Gestübe wieder auf den Meiler geworfen, damit es

zwischen die Kohlen rinne und das Feuer ersticke. Nachdem der gelöschte

Meiler 12-24 Stunden gestanden ist, schreitet der Köhler zum

=Kohlenziehen= oder =Kohlenlangen=.

[Illustration: Fig. 304.]

[Illustration: Fig. 305.]

[Sidenote: Haufenverkohlung.]

Die Verkohlung des Holzes in =Haufen= oder in =liegenden Werken= wird

besonders im südlichen Deutschland, in Russland und Schweden angewendet,

sie unterscheidet sich dadurch von der Meilerverkohlung, dass bei

derselben das Holz allmälig theilweise verkohlt wird, während man die

verkohlten Stücke sogleich zieht. Das Holz kommt dabei in runden Stämmen

oder Kloben, sehr selten als Scheitholz zur Verkohlung. Die Meilerstätte

bildet ein rechtwinkliges längliches Viereck, dessen vordere und hintere

Seite kürzer sind, als die beiden anderen. Von vorn nach hinten steigt

die Stätte etwas und die beiden langen Seiten werden durch eine Reihe

senkrecht stehender, starker hölzerner Pfähle dergestalt begrenzt, dass

beide Reihen parallel laufen. Fig. 304 und 305 zeigen einen gerichteten

Haufen und zwar 304 in der perspectivischen Ansicht und Fig. 305 im

verticalen Durchschnitte. _a a_ sind die Pfähle mit den Schindeln, _h_

ist die Löschdecke, _b_ ein am Fussende befindlicher, für das Anzünden

aufgesparter Raum (das =Feuerhaus=). In dem Maasse, als das Feuer

vorrückt, werden die vorn erzeugten Kohlen schon gezogen, wobei der

Köhler nur darauf zu sehen hat, dass sich das Feuer nicht ungleich

fortziehe und dass das sogenannte =Segel=, der Rücken des Haufens, immer

gerade oder auf die beiden Pfahlreihen senkrecht bleibe.

[Sidenote: Verkohlung in Meileröfen.]

Die =Meileröfen= sind als feststehende und gemauerte Meiler zu

betrachten, in welchen genau so wie in den gewöhnlichen Meilern durch die

Verbrennung eines Antheiles Holz im Innern durch geringen Luftzutritt die

Verkohlungshitze erzeugt wird. Sie haben vor den Meilern mit beweglicher

Decke das voraus, dass die condensirbaren Produkte der trocknen

Destillation -- Holzessig und Theer -- besser und vollständiger

condensirt werden können, dagegen soll die dabei gewonnene Kohle, was

Menge und Güte betrifft, der Meilerkohle nachstehen. Man unterscheidet

Meileröfen, die hinsichtlich ihrer Form den eigentlichen Meilern und den

Haufen entsprechen oder sich bereits den Verkohlungsöfen nähern.

[Illustration: Fig. 306.]

Fig. 306 zeigt einen der einfachsten Meileröfen; die zu verkohlenden

Scheite werden darin wie in dem Meiler stehend oder liegend

aufgeschichtet. Das Holz wird entweder durch die Oeffnung _a_ oder

durch die Thüre _b_ eingeführt; von der Thüre bis in die Mitte der

Sohle geht die Zündgasse. Mit Ausnahme eines geringen Theiles der

Thüröffnung und des Loches _a_ werden alle Oeffnungen vermauert und

erst bei dem Kohlenziehen wieder geöffnet. Nachdem das Holz genügend in

Brand gerathen ist, werden _b_ und _a_ verschlossen. Die an dem oberen

Ende des Meilerofens befindlichen kleinen Oeffnungen entsprechen den

Rauchlöchern des Meilers. Bei dem Fig. 307 abgebildeten Meilerofen

dienen die beiden Thüröffnungen _a_ und _b_ zum Eintragen des Holzes,

_b_ ausserdem auch zum Kohlenziehen, _c c c_ sind die

Registeröffnungen, durch das eiserne Rohr _d_ werden die flüchtigen

Produkte in einen Verdichtungsapparat geleitet. Während der Verkohlung

sind _a_ und _b_ verschlossen. Der Theer sammelt sich grösstentheils

auf der Ofensohle und fliesst in ein Reservoir. Unter der gewölbten

Thüröffnung _b_ befindet sich eine kleine Oeffnung, welche als Mündung

der Zündgasse dient. Der Fig. 308 abgebildete Meilerofen ist so

eingerichtet, dass der Zutritt der Luft durch den Rost _r_ stattfindet.

Das Eintragen des Holzes geschieht durch die Oeffnungen _a_ und _b_.

_q_ ist das Abzugsrohr für die flüchtigen Produkte.

[Sidenote: Ofenverkohlung.]

=Ofenverkohlung= (Ofenköhlerei). Die Verkohlung des Holzes im

verschlossenen Raum ohne Zutritt der atmosphärischen Luft geschieht 1) in

Retorten, 2) in Röhren oder in Cylindern, zuweilen mit erhitzter Luft

oder mit Gichtgasen der Hohöfen oder mit Wasserdämpfen oder mit Anwendung

von Gebläseluft.

[Illustration: Fig. 307.]

[Illustration: Fig. 308.]

[Illustration: Fig. 309.]

Was die Verkohlung des Holzes in =Retortenöfen= betrifft, so geht

dieselbe dadurch vor sich, dass man das in eisernen oder thönernen

Retorten eingeschlossene Holz von aussen erhitzt und für den Abzug und

die vollständigste Verwerthung der flüchtigen Produkte Sorge trägt. In

einzelnen Fällen ist die Theergewinnung, in anderen die Gaserzeugung

Hauptzweck. In den =Röhrenöfen= geschieht die Erhitzung und Verkohlung

der eingeschlossenen Holzmasse nicht von aussen, sondern von innen durch

glühend gemachte eiserne Röhren, welche durch den Ofen hin- und

hergezogen sind, ausserhalb mit einer Feuerung in Verbindung stehen und

in eine Esse ausmünden. Anstatt die heisse Luft und die Flamme durch

eiserne Röhren zu leiten, kann man auch die eisernen Röhren beseitigen

und das Holz ohne Weiteres durch die erhitzte Luft verkohlen, wenn man

dafür sorgt, dass die Flamme und die heisse Luft so vollständig als

möglich ihres Sauerstoffs beraubt sind. Hierdurch erspart man nicht nur

die Röhren und beträchtlich an Brennmaterial, sondern bewirkt auch eine

schnellere und gleichmässigere Verkohlung. Nach diesem Princip ist der

von =Schwarz= construirte =schwedische Verkohlungsofen= eingerichtet.

Fig. 309 zeigt den senkrechten Längendurchschnitt dieses Ofens. _b_ ist

der von dem Mauerwerk _a_ umgebene Verkohlungsraum; durch die Oeffnungen

_c c_ tritt die zur Verkohlung dienende Feuerluft in den Ofen. Die auf

der geneigten Sohle verdichteten Flüssigkeiten treten durch eingemauerte

Röhren durch die Heberröhren _e e_ in die Theerfässer _f f_; die Dämpfe

der flüchtigen Flüssigkeiten (Holzessig, Holzgeist etc.) treten durch die

Röhren _g g_ in die Verdichtungskästen _h h_, welche letztere mit einer

hohen Esse _i_ (Fig. 310) in Verbindung stehen, welche dem Apparat den

erforderlichen Zug geben soll. Die Feuerherde haben keinen Rost. Die

überwölbten Oeffnungen _d d_ dienen zum Eintragen des Holzes.

[Illustration: Fig. 310.]

=Verkohlung mit gleichzeitiger Theerproduktion.= Ist der Hauptzweck der

Holzverkohlung die Gewinnung von Theer, so bedient man sich mit Vortheil

des in Russland üblichen Verfahrens.

[Illustration: Fig. 311.]

Nach der von =Hessel= (1861) gegebenen Beschreibung wählt man

Stammkienholz (Brawica) und Wurzelholz (Luczina) und zwar von

absterbenden Bäumen, welches mit der Hacke in 3 bis 4zöllige Stücke

gespalten und zum Aufbauen des Meilers benutzt wird. Die Meilerstätte

(Fig. 311) ist trichterförmig und in der Mitte mit einer Einsenkung

versehen; die ganze Fläche ist mit einem Thonanstrich überkleidet und

mit Dachschindeln belegt, über welche der Theer dem Centrum zufliesst,

von wo aus er durch eine Röhre in ein im Boden befindliches Gewölbe in

ein untergestelltes Gefäss abläuft. Das Kienholz wird in diesen Meilern

stehend in 6-8 Lagen übereinander aufgestellt, mit Stroh, Heu oder Mist

bedeckt und hierauf mit Sand oder Erde einige Zoll dick überschüttet.

Ist der Meiler beschickt, so zündet man an der Basis desselben an 40-50

Oeffnungen Feuer an und verschüttet diese Oeffnungen mit Sand, sobald

sich das Feuer im ganzen Meiler nach obenhin fortgepflanzt hat. Nach

etwa 6 Tagen, während welcher Zeit unaufhörlich das Füllen fortgesetzt

wurde, sinkt die Spitze des Meilers etwas ein und es zeigt sich eine

hohe und starke Flamme. Nach 10-12 Tagen beginnt man mit dem Abnehmen

des Theeres, was jeden Morgen fortgesetzt wird. Das Schwelen dauert 3-4

Wochen. Die Kohlenausbeute ist höchst gering; da die Theerschwelerei in

Meilern nichts weiter ist als eine langsame Verbrennung von aussen nach

innen, der eine trockne Destillation und Theerbildung in der nämlichen

Richtung vorausgeht, so sind die meisten Kohlen längst verbrannt, bis

das Abschwelen den Kern des Meilers erreicht hat. -- In

Niederösterreich wird (nach =Thenius=) der Holztheer auf ähnliche Weise

durch Meilerverkohlung und zwar zum grossen Theile aus solchem Holze

der Schwarzföhre gewonnen, welches wenig oder gar keinen Terpentin mehr

giebt. In Böhmen dagegen verwendet man zum Holztheer harzreiche Hölzer,

namentlich Wurzelstöcke, welche viele Harztheile enthalten. -- In

Russland erhält man aus 100 Th. Kienholz 17,6 Th. Theer und 23,3 Th.

Kohle.

[Illustration: Fig. 312.]

Seit dem Jahre 1853 wendet man in Russland die ursprünglich in Schweden

üblichen Thermokessel an, welche in jeder Hinsicht der Meilerverkohlung

vorgezogen zu werden verdienen. Nach der Beschreibung von =Hessel=

besteht ein solcher Kessel _A_, dessen einzelne Theile Fig. 312 zeigt,

aus starkem Eisenblech und hat eine Capacität von ungefähr 8

Kubikmetern. Die Beschickung geschieht durch das Mannloch. Die Heizung

geht aus der Feuerung _a_ mit Hülfe der Züge _b b_ ... um die

Seitenwände. Um das zu destillirende Holz schnell auf 100° zu bringen,

leitet man durch das Rohr _e_ einen Dampfstrom in den Kessel. Der schon

im Kessel sich ansammelnde Theer läuft durch das Rohr _c_ nach der

Sammeltonne _B_, während die Theerdämpfe durch _d_ in den Condenser

_B'_ gelangen; was sich hier verdichtet, läuft durch _h_ nach _B_, das

dampfförmig Gebliebene wird in dem Kühlapparate _C_ condensirt. Die

brennbaren Gase werden in die Kesselfeuerung geführt. Ausser Theer

erhält man bei Beginn der Destillation noch Terpentinöl und Holzessig.

Die zurückbleibenden Kohlen, die man unter Anwendung von Wasserdämpfen

löscht, entfernt man aus dem Kessel durch die Oeffnung _a_.

Bei einer (1865) von =Thenius= ausgeführten Untersuchung, wobei er

festzustellen suchte, ob der als Nebenprodukt der Holzgasfabrikation

auftretende Theer eben so gut wie der durch die Meilerverkohlung

erhaltene zum Schiffbau, zur Darstellung von Schusterpech und zur

Fabrikation von Schmierpech Verwendung finden könne, hat sich gezeigt,

dass dieses nicht der Fall ist.

[Sidenote: Eigenschaften der Kohle.]

Je nach der Art des Holzes, welches zur Darstellung der Holzkohle diente,

unterscheidet man =harte Kohle= (Kohle von harten Hölzern) und =weiche

Kohle= (Kohle von weichen Hölzern), welche letztere entweder =Laubholz-=

oder =Nadelholzkohle= ist, je nach dem Grad der Verkohlung, die

vollständig verkohlte =Schwarzkohle= und die durch unvollständige

Verkohlung erhaltene =Röst-= oder =Rothkohle= (_charbon roux_).

Nach der Grösse theilt man die Holzkohlen in:

1) =Stück-=, Grob-, Lese- oder Ziehkohlen, die grössten und dichtesten

Stücke;

2) =Schmiedekohlen=, dichte Stücke, aber nur von Faustgrösse;

3) =Quandelkohlen=, aus der Nähe des Quandels, kleine undichte Stücke;

4) =Kohlenklein=, Kohlenlösche, Kläre, kleine Stücke und Staub;

5) =Brände=, rohe oder rothe Kohlen, unvollständig verkohlte Stücke.

Die Angabe der Kohlenausbeute dem =Volumen= nach kann sich entweder

beziehen auf das =wirkliche Volumen= der Holz- oder Kohlenmasse, d. h.

auf das Volumen der Masse nach Abzug der Zwischenräume, oder auf das

=scheinbare Volumen= (Gemässvolumen) ohne Abzug der Zwischenräume. Man

kann vergleichen

a) das scheinbare Volumen des Holzes mit dem scheinbaren Volumen der

Kohle;

b) das wirkliche Volumen des Holzes mit dem wirklichen Volumen der

Kohle;

c) das wirkliche Volumen des Holzes mit dem scheinbaren Volumen der

Kohle;

Man kann die erste Methode das Ausbringen nach dem scheinbaren Volumen

(I), die zweite das Ausbringen nach dem wirklichen Volumen (II), die

dritte das Ausbringen nach beiderlei Volumen (III) nennen.

Nach der Methode (I) erhielt man folgende Resultate:

Eichenholz 71,8-74,3 Proc. Kohle

Rothbuchenholz 73,0 " "

Birkenholz 68,5 " "

Hainbuchenholz 57,2 " "

Föhrenholz 63,6 " "

Dem wirklichen Volumen nach (II) betrug als Mittel verschiedener

Versuche die Kohlenausbeute 47,6 Proc. Nach beiderlei Volumen (III)

erhielt man in Eisleben folgende Resultate:

Scheinbares Beiderlei

Gewicht. Volumen. Volumen.

Eichenholz 21,3 Proc. 71,8 Proc. 98,7 Proc.

Rothbuchenholz 22,7 " 73,0 " 100,4 "

Birkenholz 20,9 " 68,5 " 94,2 "

Hainbuchenholz 20,6 " 57,2 " 78,6 "

Föhrenholz 25,0 " 63,6 " 87,2 "

[Sidenote: Zusammensetzung der Kohle.]

Wenn man von dem geringen Gehalt der Schwarzkohle an Wasserstoff und

Sauerstoff absieht, so lässt sich die durchschnittliche Zusammensetzung

einer lufttrockenen Schwarzkohle auf folgende Weise ausdrücken:

Kohlenstoff 85 Proc.

hygroskopisches Wasser 12 "

Asche 3 "

[Sidenote: Brennbarkeit und Heizwerth.]

Die =Brennbarkeit= der frisch dargestellten Schwarzkohle ist

ausserordentlich gross, insofern dieselbe, einmal entzündet, bei dem

nöthigen Luftzuge fortbrennt; die Entzündungstemperatur derselben liegt

dagegen, weil die Kohle fast keine flüchtigen brennbaren Substanzen

enthält und ausserdem ein schlechter Wärmeleiter ist, sehr hoch.

Der Wärmeeffect verschiedener Holzkohlen ergiebt sich aus folgender

Tabelle, wobei der Wärmeeffect des Kohlenstoffs als Einheit gilt.

[A] = 1 Gewichtstheil Kohle reducirt Blei

[B] = 1 Gewichtstheil Kohle erwärmt Wasser von 0-100° C.

Absol. Specif. Pyrom. [A] [B]

Schwarzkohle lufttrocken 0,97 -- 2450 --

Schwarzkohle völlig trocken 0,84 -- 2350 -- Im

Birkenkohle " " -- 0,20 -- 33,71 Durchschnitt

Eschenkohle " " -- 0,19 -- -- 75,7

Rothbuchenkohle " " -- 0,18 -- 33,57 Theile

Rothtannenkohle " " -- 0,17 -- 33,51

Ahornkohle " " -- 0,16 -- --

Eichenkohle " " -- 0,15 -- 33,74

Erlenkohle " " -- 0,13 -- 32,4

Lindenkohle " " -- 0,10 -- 32,79

Fichtenkohle " " -- -- -- 33,53

Weidenkohle " " -- -- -- 33,49

Die =Verdampfungskraft= von Föhrenholzkohle beträgt mit 10,5 Proc.

H_{2}O und 2,7 Proc. Asche 6,75 Kilogr., wasserfrei und 3,02 Proc.

Asche 7,59 Kilogr.

[Sidenote: Die Roth- oder Röstkohle.]

Da die vollständige Verkohlung des Holzes einen fast 40 Proc. betragenden

Verlust von Brennstoff nach sich zieht, so hat man sich seit einer Reihe

von Jahren bemüht, die Verkohlung des Holzes nur bis zu dem Grade

fortzusetzen, bei welchem die Kohle noch eine schwärzlich braune Farbe

zeigt. Die Erfahrung hat gelehrt, dass, wenn das lufttrockene Holz etwa

60-70 Proc. von seinem Gewicht verloren hat, man diejenige Kohle erhält,

welche man =Roth-= oder =Röstkohle= (_charbon roux_) nennt. Sie liegt in

der Mitte zwischen Holzkohle und gedarrtem Holz, ist weit

sauerstoffreicher, leicht zerreiblich, locker, aber weniger porös. Ihre

Brennbarkeit und Flammbarkeit sind bei weitem grösser als die der

Schwarzkohle. Als Brennmaterial in Schachtöfen zu metallurgischen Zwecken

ist die Rothkohle ein wichtiges Brennmaterial.

Die Zusammensetzung der frisch und normal bereiteten Rothkohle ist

ungefähr folgende:

Kohlenstoff 74 Proc.

chemisch gebundenes Wasser 24,5 "

Asche 1,5 "

die von gelagerter Rothkohle:

Kohlenstoff 66,5 Proc.

chemisch gebundenes Wasser 22 "

hygroskopisches Wasser 10 "

Asche 1,5 "

[Sidenote: Rothholz.]

Der Verein für chemische Industrie in Mainz producirt seit einigen Jahren

ein Zwischenprodukt zwischen Holz- und Rothkohle, welchem der Name

=Roth-= oder =Röstholz= (_bois roux_) gegeben wurde. Es wird aus

Buchenholz dargestellt und ist das Nebenprodukt bei Gewinnung von

Essigsäure und Kreosot; wenn man von der braunen, zum Rothbraun neigenden

Farbe absieht, hat es noch ganz das Ansehen des Holzes, ist aber weit

entzündlicher als gewöhnliches Buchenholz. Es enthält im Mittel

Kohlenstoff 52,66 Proc.

Wasserstoff 5,78 "

Asche 0,43 "

Wasser 4,49 "

Sauerstoff 36,64 "

Nach Versuchen von =R. Fresenius= verhält sich die Verdampfungskraft des

lufttrocknen Buchenholzes zu der des Rothholzes wie 54,32:100.

Der Torf.

[Sidenote: Torf.]

Der =Torf= ist das Produkt der freiwilligen Zersetzung von Vegetabilien,

namentlich Sumpfpflanzen, in vielen Fällen gemischt mit Mineralstoffen,

wie Sand, Lehm, Thon, Kalk, Eisenkies, Eisenocker u. s. w. Torflager

werden sich vorzüglich an solchen Orten bilden, welche zwar noch eine

genügende Temperatur zur Entwickelung der Vegetation, aber vor Allem

stehendes Wasser besitzen, welches den Torf den grössten Theil des Jahres

von der Luft abschliesst; es stauen sich die Wasser an und bilden Sümpfe,

in denen die Sumpf- oder Torfpflanzen, vorzüglich folgende Arten wachsen:

_Eriophorum_, _Erica_, _Calluna_, _Ledum palustre_, _Hypnum_, vor Allem

aber _Sphagnum_, welche Pflanze zur Torfbildung sich vorzugsweise eignet,

weil sie nie ganz abstirbt, sondern oben beständig fortwächst und sich

verzweigt, während die älteren Theile vertorfen.

Die abweichende Beschaffenheit des Torfes ist theils von der

Verschiedenheit der Pflanzen abhängig, aus denen er sich bildet, theils

von der vollkommeneren oder unvollkommeneren Zersetzung der

Vegetabilien, theils auch von der Natur und der Quantität der mit der

Torfsubstanz sich vermengenden erdigen Theile. Es ist einleuchtend,

dass der verschiedene Druck, welchem der sich bildende Torf unterliegt,

auf die Dichtigkeit seiner Masse von Einfluss ist. Nach der

Verschiedenheit der Vegetabilien, aus welchen der Torf sich erzeugte,

lassen sich unterscheiden: 1) =Moortorf=, zu welchem Sphagnumarten

hauptsächlich das Material darboten; 2) =Haidetorf=, der besonders aus

den Wurzeln und Stämmen der eigentlichen Haidepflanzen sich erzeugte;

3) =Wiesentorf=, aus Gras und Schilf gebildet; 4) =Wald-= oder

=Holztorf=, der hauptsächlich aus dem Holze von Waldbäumen entstand; 5)

=Meertorf=, der aus Tangen sich bildete. Hinsichtlich seiner Gewinnung

theilt man den Torf ein 1) in =Stechtorf=, welcher unmittelbar aus den

Torfmooren in ziegelähnlichen Stücken ausgestochen wird; die Ziegel der

obersten jüngeren und faserigen Schicht heissen =Rasentorf=, die der

darunter liegenden schweren =Moortorf=; 2) =Baggertorf= und 3)

=Streich-= und =Presstorf= werden aus breiförmiger Moormasse, deren

weiche Beschaffenheit das Stechen nicht zulässt, gebildet oder gleich

Mauerziegeln geformt. Ist die Masse zu dünnflüssig, wie es in Holland,

Westphalen, auch im nördlichen Frankreich der Fall ist, so wird ein

Theil des Wassers durch die sogenannten Baggernetze abgeseiht. Diese

Operation nennt man das =Baggern= und den so erhaltenen Torf

=Baggertorf=. Um dem Torf eine grössere Dichte zu ertheilen, wird er

zuweilen durch besonders construirte Torfpressen gepresst und führt

dann den Namen =Presstorf=.

Der Wassergehalt von frischem Torf ist sehr beträchtlich; durch

längeres Lagern kann er 45 Procent von seinem ursprünglichen Gewichte

verlieren. Nehmen wir an, dass die organische Masse des Torfes als

bestehend betrachtet werden kann aus

Kohlenstoff 60 Proc.

Wasserstoff 2 "

Wasser 38 "

so besteht die beste Sorte von lufttrocknem Torf aus

fester Torfmasse (incl. Asche) 75 Proc.

hygroskopischem Wasser 25 "

oder aus

Kohlenstoff 45,0 Proc.

Wasserstoff 1,5 "

chemisch gebundenem Wasser 28,5 "

hygroskopischem Wasser 25,5 "

Die Zusammensetzung der Torfasche ergiebt sich aus folgenden Analysen.

Charakteristisch ist der Gehalt an Phosphorsäure, welcher weit grösser

ist als in der Holzasche.

Nach =E. Wolff= enthielten zwei Torfaschen aus der Mark (a und b) und

nach mir eine Torfasche aus Südbayern (c):

(a) (b) (c)

Kalk 15,25 20,00 18,37

Thonerde 20,50 47,00 45,45

Eisenoxyd 5,50 7,59 7,46

Kieselerde 41,00 13,50 20,17

Calciumphosphat mit Gyps 3,10 2,60

Alkali, Phosphorsäure, }

Schwefelsäure } 8,55

u. s. w. }

------

100,00

[Sidenote: Entwässern des Torfes.]

Die Brauchbarkeit und der Werth einer Torfart ist von ihrem Gehalte an

Wasser und mineralischen Bestandtheilen abhängig. Die theilweise

Entwässerung geschieht:

1) durch =Trocknen an der Luft= im Freien oder in Stadeln; der Torf

enthält lufttrocken immer noch 25 Proc. hygroskopisches Wasser;

2) durch =Darren= bei einer Temperatur von 100 bis 120° C. Man wendet

hierzu Darröfen oder Darrkammern an, welche entweder durch eine eigene

Feuerung oder durch die verloren gegangene Hitze einer anderen Feuerung

geheizt werden;

3) durch =Pressen= (von =Pernitzsch= 1821 zuerst angeregt); die dadurch

zu erzielenden Vortheile sind _a_) Verdichtung der Masse, mithin

grösserer pyrometrischer Wärmeeffect, _b_) vermindertes Volumen, daher

bequemerer Transport, namentlich zu Wasser, wo die Transportkosten mehr

dem Volumen als dem Gewichte nach berechnet werden; _c_) Entwässerung.

So einfach und sicher die Aufgabe des Torfpressens scheint, so überaus

schwierig ist die praktische Ausführung. Das Pressen des Torfes ohne

weiteres ist ohne grosse Abschwächung der Qualität nicht ausführbar,

weil das durch Pressen entfernte Wasser werthvolle schlammige

Torfbestandtheile mit sich fortführt. Wollte man diesen Uebelständen

durch Anwendung siebartig durchlöcherter Formen in der

Centrifugalmaschine, durch Benutzung von Presstüchern oder Presssäcken

etc. auszuweichen suchen, so würde man sehr bald wahrnehmen, dass die

Siebe sich bald verstopfen und die Tücher und Säcke bersten. Ferner

zeigt sich, dass der Grad der Condensation gewöhnlich der aufgewendeten

Kraft nicht entspricht, weil der Torf, namentlich der Fasertorf und die

aschenarmen Rasentorfarten nach dem Pressen an einem warmen und

feuchten Orte aufbewahrt, sich leicht unter Volumenzunahme aufblättert.

Endlich scheiterten fast alle Unternehmungen, welche das Pressen der

=frischen= Torfmasse zum Zweck hatten, an der complicirten und

kostspieligen Construction der maschinellen Vorrichtungen. Dieser Weg

ist daher fast überall verlassen (mit Ausnahme von Schleissheim bei

München, wo man ihn jetzt noch, allerdings mit zweifelhaftem Erfolge,

betritt). Der Gedanke, die Verdichtung des nassen Torfes durch

chemisch-physikalische Agentien, wie Natronlauge, Salzsäure, Alaun,

gekochte Kartoffeln, Stärkekleister etc., zu unterstützen, erwies sich

in der Praxis gleichfalls als ein unfruchtbarer.

Es war ein wichtiger Fortschritt in der Geschichte der Torfgewinnung,

als man die Ueberzeugung gewann, dass die rohe Torfmasse vor der

Verdichtung eine Vorbereitung erheische, dass ferner die Presse

erfolgreich nur zur Condensation des =trocknen= Torfes dienen könne.

Die nasse Aufbereitung hat den Zweck, den Torf durch eine Art

Schlemmung, wodurch nicht nur die groben Fasern, Wurzeln und

Holztheile, sondern auch zum Theil die beigemengten Mineralstoffe

entfernt werden, in einen feinzertheilten Brei zu verwandeln. In dem

Torfwerke zu Staltach bei München wendet man folgendes, von =Weber=

herrührendes Verfahren der Torfzerkleinerung an: Die im Torfmoore

gestochenen Massen gelangen auf einer Eisenbahn zum Zerkleinerungswerk

und werden mit Hülfe eines aus Brettchen bestehenden und auf zwei

hölzernen Walzen laufenden endlosen Bandes gehoben und der Maschine

übergeben. Letztere ist ein stehender, unten verjüngter Cylinder,

welcher in seinem Innern mit vier Reihen sichelförmiger Messer besetzt

ist. In der Axe des Cylinders befindet sich eine durch Dampfkraft

bewegte eiserne Welle, welche ebenfalls sichelförmige Messer trägt. Der

bereitete Torf kommt als ziemlich steife Masse aus dem Schneidewerk auf

ein Tuch ohne Ende und wird darauf dem Trockenlokal zugeführt. Aehnlich

ist =Schlickeysen='s Torfmaschine, bei welcher man es durch andere

Stellung der Messer und sonstige Einrichtung dahin gebracht hat, dass

der Wasserzusatz zum Torf überflüssig ist, wodurch die Trocknung

wesentlich erleichtert wird. Die von =Fr. Versmann= (in London)

neuerdings construite vortreffliche Torfaufbereitungsmaschine besteht

wesentlich aus einem Trichter aus Kesselblech, in welches von oben nach

unten kleine Löcher siebähnlich eingeschlagen sind. In dem Trichter

bewegt sich ein eiserner Conus, welcher um seine Peripherie herum ein

schneckenartig gewundenes Messer trägt. Wird nun der aufzubereitende

Torf in den Zwischenraum zwischen Conus und Trichterwandung geworfen,

so wird der Torf durch den rotirenden Conus fein geschnitten und

zugleich als Brei durch die Trichteröffnung gedrückt, der nun in Form

von wurmförmigen Strähnen nach aussen tritt. Die gröberen Fasern, die

nicht durch die Löcher hindurch können, gelangen durch die untere

Trichteröffnung in einen Kasten und können entweder als Brennstoff

benutzt oder auch wieder auf den Trichter aufgegeben werden.

Im =Haspelmoor= (zwischen Augsburg und München) suchte man bis zum

Jahre 1856 nach dem (älteren) Verfahren von =Exter= (in München) den

Torf in einer Maschine zu zerkleinern, welche im wesentlichen aus 0,5

Meter starken, mit Stacheln besetzten Walzen bestand; die Stacheln

hatten eine Länge von 6 Centimeter und waren in zwei Reihen dergestalt

angeordnet, dass sie gegen eine eiserne Platte mit stumpfen Rippen

wirkte, welche zwischen die einzelnen Reihen von Stacheln eingreifen.

Ueber die Walzen ergiesst sich während der Arbeit auf die Torfmasse

Wasser aus einer Brause; die Torfstücken werden von den Stacheln

vorwärts getrieben, von den Rippen zurückgehalten, dadurch zermalmt und

mit dem übrigen Schlamm über die schräge Bühne in Kippwagen nach den

Formplätzen geführt, wo sie geformt werden. Die zwischen den Stacheln

zurückbleibenden Wurzeln und Latschen werden durch passende

Vorrichtungen entfernt. Bei dem von =Challeton= im Jahre 1824 zu

Montanger bei Corbeil (Dep. der Seine und Oise) eingeführten Verfahren

der Torfaufbereitung findet ein vollständiges Schlämmen des Torfes

statt. Der in ziegelähnlichen Streifen gewonnene Torf wird durch ein

Paternosterwerk in die Verkleinerungsmaschinen gehoben. Dieselben

bestehen aus einem System von sich rasch bewegenden, 1,3 Meter langen

und mit Messern besetzten Walzen, so wie aus zwei kaffeemühlartig

gestellten und mit Stacheln versehenen Cylindern, von denen sich der

innere mit grosser Geschwindigkeit bewegt. Zwischen den Walzen und

Cylindern ist ein Sieb mit Bürstenapparat angebracht, auf welches die

von den Walzen zerkleinerte Torfmasse fällt, um hier unter Mitwirkung

von einströmendem Wasser durch den Bürstenapparat in die mit Stacheln

besetzten Cylinder geworfen zu werden, wo die vollkommene Zertheilung

vor sich geht. Der Torfschlamm gelangt nun in Schlämmständer, wo er

seine schweren mineralischen Verunreinigungen absetzt und dann in höher

gelegene Rinnen, die den Schlamm in die Sickerbassins führen. Letztere

sind 0,3 Meter tiefe Gruben, deren Boden mit Schilf oder Rohr belegt

ist, durch welches das Wasser des Torfschlammes in den Untergrund

absickert. Der Schlamm bleibt in den Sickergruben, bis er die geeignete

Consistenz erlangt hat. Durch Aufdrücken eines gitterförmigen Rahmens

wird dann die Torfmasse in (500) Torfsoden zertheilt, welche durch

Liegen an der Luft völlig ausgetrocknet werden. Aehnliche

Torfbereitungsanstalten wie zu Montanger befinden sich zu Rheims und

St. Jean am Bielersee in der Schweiz. In der Anstalt von =Challeton=

sollen 100 Ctr. Torfmasse 14 bis 15 Ctr. fertigen Torf liefern und der

Aschengehalt um 7/8 verringert werden.

Den unzweifelhaften Vorzügen des Schlämmens stellen sich grosse

Nachtheile gegenüber, man braucht nämlich grosse Wassermengen, durch

die Reinigung und Beseitigung der gröberen Theile bildet sich viel

Abfall, die Transportkosten sind sehr erheblich und endlich ist man

während des Trocknens, welches nur langsam und vorsichtig geschehen

kann, vom Wetter abhängig. Es liegt mithin auf der Hand, dass es weit

rationeller sein würde, den gewöhnlichen unaufbereiteten Torf zu

verdichten. Die hierher gehörigen Verfahren des =trocknen Pressens=,

die eine neue Epoche in dem Torfaufbereitungsverfahren begründen, sind

die von =Gwynne= und von =Exter= (neues Verfahren). Nach dem Verfahren

von =Gwynne=, durch welches zuerst im Grossen =Presstorf= oder

_solidified peat_ erhalten wurde, wird der Torf vorläufig in der

Centrifugalmaschine getrocknet, dann zu einer Breimasse zermalmt, die

durch Wärme vollends entwässert und darauf durch Mühlen in Torfklein

verwandelt wird, welches endlich zum Formen in die mit Dampf geheizten

Pressen gelangt. Von weit grösserer wirtschaftlicher Wichtigkeit ist

die neue =Exter='sche Methode der Presstorffabrikation, wie sie seit

1856 auf dem Haspelmoor und seit 1859 auch in einer auf Actien

begründeten Presstorffabrik zu Kolbermoor bei Aibling (Südbayern, an

der von München nach Salzburg und Innsbruck führenden Bahn) ausgeübt

wird. Auch diesem Verfahren liegt die Idee zu Grunde, die frische, in

kleine Schollen zertheilte Torfmasse erst zu trocknen und dann unter

der Presse zu formen. Die Darstellung des Presstorfes in Kolbermoor (so

wie auch auf dem Staatswerke von Haspelmoor) beginnt mit der Gewinnung

und dem Lufttrocknen des rohen Torfes. Nach der Trockenlegung der zu

bearbeitenden Moorparcelle wird die Oberfläche von der Vegetation (in

Südbayern namentlich die Legföhre) befreit und die entblösste Torfmasse

zu einer ebenen Fläche ausgeglichen. Aus dem Torffeld wird nun mit

Hülfe von durch Locomobilen in Bewegung gesetzten Pflügen, durch Eggen

und zeitweiliges Wenden (wie beim Heumachen) der rohe Torf gewonnen.

Das lufttrocken gemachte Torfklein wird mit einem Schneepfluge

zusammengeschaufelt, durch einen Sammler auf Wagen gebracht und vom

Moore in die Magazine geführt. Behufs der Verdichtung kommt der

lufttrockne Torf in eine Zerkleinerungsmaschine, in welcher er

feingerissen wird, und dann in den Trockenofen, und zuletzt mit einer

Temperatur von 50-60°C. in die Presse (eine einfach wirkende

Excentrikpresse), in welcher die dunkelbraunen und glänzenden

Torfziegel dargestellt werden. =Presstorf= aus dem Kolbermoor (a) und

dem Haspelmoor (b) enthält:

(a) (b)

Asche 4,21 8,34

Wasser 15,50 15,50

Kohlenstoff 46,98 49,82

Wasserstoff 4,96 4,35

Stickstoff 0,72 }

Sauerstoff 27,63 } 26,99

---------------

100,00 100,00

[Sidenote: Heizwerth des Torfes.]

Die Brennbarkeit des Torfes ist wegen des in der Regel grossen Aschen-

und Wassergehaltes geringer als die des Holzes, dasselbe gilt von der

Flammbarkeit.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 139 / 167 题