VIII. Abschnitt.

Die Heizmaterialien und die Heizapparate.

A. Die Heizmaterialien.

[Sidenote: Allgemeines über Brennmaterialien.]

Unter Brennmaterialien (Brennstoffen) versteht man diejenigen brennbaren

Körper, welche für gewerbliche und ökonomische Zwecke zur Hervorbringung

von Wärme oder von Kraft Anwendung finden. Es gehören zu den Brennstoffen

Holz, Torf, Braunkohle, Steinkohle, Anthracit, Bogheadkohle, Holzkohle,

Torfkohle, verkohlte Braunkohle, Koks, Petroleum und brennbare Gase

(Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoffe). Mit Ausnahme der als Brennmaterial

Anwendung findenden Gase sind alle Brennstoffe, was ihren Ursprung

betrifft, mit einander nahe verwandt, indem sie theils aus Cellulose oder

Holzfaser bestehen, theils daraus entstanden sind. Die natürlichen oder

rohen, d. h. unverkohlten Brennstoffe (Holz, Torf, Braun- und Steinkohle,

so wie Anthracit) bestehen wesentlich aus Kohlenstoff, Wasserstoff und

Sauerstoff, die Steinkohle auch noch aus geringen Mengen von Stickstoff

und gewissen mineralischen Bestandtheilen (Schwefel, Phosphor,

Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd, alkalischen Erden und Alkalien), welche

mit Ausnahme des Schwefels und Phosphors beim Verbrennen der Brennstoffe

als Asche zurückbleiben. Von allen den im Vorstehenden aufgeführten

Körpern sind nur zwei, nämlich der Kohlenstoff und Wasserstoff brennbar;

diese beiden Stoffe allein bedingen den Werth der Brennstoffe. Bei

vollständiger Verbrennung liefern alle Brennmaterialien nur Wasser und

Kohlensäure, unter Hinterlassung der unorganischen Bestandtheile. In der

Asche von vegetabilischen Brennstoffen herrscht im Allgemeinen das

Calciumcarbonat, in der von mineralischem der Thon vor.

Hinsichtlich der Wirkung, welche die Brennmaterialien während des

Verbrennens äussern, ist zu unterscheiden

a) die Brennbarkeit,

b) die Flammbarkeit, und

c) der Wärmeeffect.

[Sidenote: Brennbarkeit.]

Unter =Brennbarkeit= der Brennmaterialien versteht man die grössere oder

geringere Leichtigkeit, mit der dieselben entzündet werden können und

sodann zu verbrennen fortfahren. Sie ist abhängig von der Beschaffenheit

und der Zusammensetzung des Brennstoffes. Ein poröses, weniger dichtes

Brennmaterial ist leichter brennbar, als ein weniger poröses. Was den

Zusammenhang der Brennbarkeit mit der Zusammensetzung betrifft, so hat

sich herausgestellt, dass ein Brennstoff um so leichter brennbar ist, je

mehr er Wasserstoff enthält.

[Sidenote: Flammbarkeit.]

Mit dem Namen =Flammbarkeit= bezeichnet man die Eigenschaft gewisser

Brennstoffe, mit Flamme zu verbrennen. Da letztere nur durch brennende

Gase gebildet wird, so ist es einleuchtend, dass die wasserstoffreichsten

Brennstoffe auch die flammbarsten sein müssen. Brennmaterialien, welche

wie die Holzkohlen und Koks durch Verkohlung entstanden sind, können

daher keine andere Flamme beim Verbrennen bilden, als bei unvollständiger

Verbrennung die Kohlenoxydflamme, welche hier nicht in Betracht kommt.

[Sidenote: Wärmeeffect.]

Die bei vollständiger Verbrennung eines Brennstoffs entwickelte Wärme

lässt sich in zweierlei Hinsicht messen:

1) auf die =Quantität der Wärme=,

2) auf den =Temperaturgrad= (Intensität der Wärme).

Misst man die Wärme nur ihrer Quantität nach, so erhält man die

=Brennkraft= (specifischer oder absoluter Wärmeeffect); bestimmt man den

Grad der Wärme, so wird die =Heizkraft= (pyrometrischer Wärmeeffect)

ermittelt. Brennkraft und Heizkraft zusammengenommen, bestimmen den Werth

eines Brennmaterials. Wird die Brennkraft auf den Preis des Brennstoffes

bezogen, so erhält man dessen =Brennwerth=, welcher selbstverständlich

nur für den Consumtionsort maassgebend ist.

[Sidenote: Ermittelung der Brennkraft.]

=Ermittelung der Brennkraft oder der Wärmemenge eines Brennstoffes.= Da

für die Wärme kein bestimmtes Maass vorhanden ist, so muss man sich damit

begnügen, die relativen Wärmemengen zu ermitteln, mit anderen Worten,

anzugeben, um wieviel die aus einem Brennstoff entwickelte Wärmemenge die

aus einem anderen übertrifft. Führt man die erzielten Resultate auf ein

bestimmtes Volumen der Brennstoffe zurück, so findet man den

=specifischen Wärmeeffect=, bezieht man sie dagegen auf ein bestimmtes

Gewicht, den =absoluten Wärmeeffect=. Die Verbrennungswärmen der

verschiedenen Körper sind folgende:

Wasserstoff giebt 34,462 Wärmeeinheiten

Kohlenstoff

(zu Kohlensäure verbrennend) " 8080 "

" (zu Kohlenoxyd " ) " 2474 "

Kohlenoxyd " 2403 "

Sumpfgas " 13,063 "

Elaylgas " 11,857 "

Petroleum, rohes " 11,773 "

Aether " 9027 "

Alkohol " 7183 "

Holzgeist " 5307 "

Terpentinöl " 10,852 "

Wachs " 10,496 "

Holz " 3600 "

Holzkohle " 7640 "

Torf " 3000 "

Presstorf " 4300 "

Steinkohle " 6000 "

Fett " 9000 "

Man bestimmt den =absoluten= Wärmeeffect nach den Methoden von

=Karmarsch=, =Berthier= oder durch die Elementaranalyse.

[Sidenote: Verdampfungsprobe nach Karmarsch.]

Nach der =Methode= von =Karmarsch= (die später auch von =Playfair= bei

der Untersuchung englischer Kohlen, von =Brix= mit preussischen und von

=Hartig= und =Stein= mit sächsischen Steinkohlen benutzt worden ist)

wird diejenige Wassermenge ermittelt, welche von einem Pfunde

verschiedener Brennstoffe in Dampf übergeführt wird. Nach =Regnault='s

Formel sind 652 W.-E. (= Wärmeeinheiten) erforderlich, um 1 Kilogr.

Wasser von 0° in Dampf von 150° zu verwandeln. Es können daher

verdampfen:

( 8080)

1 Kilogr. Kohlenstoff (-----) = 12,4 Kilogr. Wasser

( 652)

(34462)

1 " " (-----) = 52,9 " "

( 652 )

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 137 / 167 题