II. Beleuchtung mittelst Lampen.

[Sidenote: Beleuchtung mittelst flüssiger Substanzen.]

Die flüssigen Substanzen, welche als Leuchtmaterialien Anwendung finden,

zerfallen a) in fette Oele, b) in flüchtige Oele, welche letzteren

entweder ätherische Oele sind, wie das =Camphin=, oder Produkte der

Verarbeitung des Theeres wie =Photogen= und =Solaröl=, oder endlich das

von der Natur gespendete =Petroleum= (Erdöl, Steinöl). Von den _fetten

Oelen_ wendet man vorzugsweise das =Raps=- oder =Kohlsaatöl= (_huile de

colza_), das =Winterrübsenöl=, das =Oliven=- und =Baumöl=, den

=Fischthran= und zuweilen auch das eintrocknende =Mohnöl= an.

[Sidenote: Reinigen des Oeles.]

Um die fetten Oele zu reinigen (=raffiniren=), giesst man 2 Proc.

englische Schwefelsäure oder eine concentrirte Lösung von Chlorzink in

dieselben und rührt gut um. Die Schwefelsäure oder das Chlorzink greifen

das Oel nicht an, zerstören aber alle schleimigen und fremdartigen

Bestandtheile und scheiden sich mit denselben ab. Durch Waschen mit

Wasser wird die Säure oder das Chlorzink entfernt und das Oel gereinigt.

In neuerer Zeit werden (vergl. Seite 233) die Oele aus den Oelsamen

vielfach durch Extraction mit Schwefelkohlenstoff dargestellt. Die zur

Beleuchtung dienenden fetten Oele fasst man mit dem Namen =Brennöl=

zusammen. Seit dem Emporblühen der =Paraffin=- und =Solarölindustrie= und

der Einführung des amerikanischen und galizischen =Petroleums= hat die

Bedeutung der fetten Oele als Leuchtmaterial sich wesentlich verringert.

[Sidenote: Lampen.]

=Die Lampen.= Die Lampe diente schon in den ältesten Zeiten und zwar weit

früher als die Kerze zu Beleuchtungszwecken. Man schreibt ihre Erfindung

den alten Aegyptern zu. Von Griechenland und Rom aus verbreitete sich ihr

Gebrauch im übrigen Europa. Ist nun auch nicht zu verkennen, das, was die

künstlerische Vollendung der Form der Lampen betrifft, die Griechen und

Römer die moderne Zeit bei weitem übertrafen, obgleich derartige Lampen,

technologisch betrachtet, die unvollkommenste Construction darboten, so

ist es doch als ausgemacht anzusehen, dass, wenn man von einigen, im 17.

und 18. Jahrhundert auf empirischem Wege gefundenen Verbesserungen in der

Lampeneinrichtung (so von der Einführung des Glascylinders durch den

Pariser Apotheker =Quinquet= und der Erfindung der runden und hohlen

Dochte durch =Argand= im Jahre 1786) Umgang nimmt, erst mit der

Ausbildung der Chemie, namentlich der Aufstellung einer begründeten

Theorie der Verbrennung und der Beleuchtung, mit der Anwendung

physikalischer Principien auf Oelzufuhr in den Lampen und Bestimmung der

Lichtstärke der Lampenflamme, mit dem Aufkommen der Oelraffination und

somit der Beschaffung eines neuen Leuchtstoffes und endlich mit dem

Entstehen der Solaröl- und Petroleumindustrie die Construction einer

normalen Lampe, freilich oft unter Nichtberücksichtigung der Form,

möglich war. Alle Lampen, die wir heutzutage in den Salons der höheren

Stände, in den Läden und Werkstätten der Bürger und in den Dörfern

wohlhabenderer Gegenden finden, gehören daher sämmtlich der neuesten Zeit

an. In wenigen Industriezweigen ist der enorme Einfluss des

Fortschrittes der auf Naturwissenschaft und Mechanik basirten Gewerbe für

die jetzt lebende Generation so augenfällig, als in der

Lampenfabrikation. Vor etwa dreissig Jahren noch war in Deutschland fast

allgemein die nach unsern heutigen Begriffen ans Ungeheuerliche

streifende Kranzlampe die hauptsächlich eingeführte. An ihre Stelle trat

gegen das Jahr 1840 die Sturzlampe und um das Jahr 1850 die Camphinlampe,

wenn nicht die aus Frankreich stammenden Regulatoren und Moderatoren den

Vorzug erhielten. In den fünfziger Jahren begann ein Kampf, einerseits

der Oellampen unter sich, andererseits des Gaslichtes gegen die

Rüböllampen. Dieser Kampf ist heute noch nicht beendigt und wird um so

sicherer zum Nachtheile der mit Rüböl gespeisten Lampe ausschlagen, als

in der Mineralöl- und Petroleumlampe neue und mächtige Gegner aufgetreten

sind, die allerorts, wohin das Leuchtgas bisher nicht dringen konnte, die

Brennölbeleuchtungsapparate zum Wohle der Allgemeinheit und im Interesse

des Comforts und der Cultur siegreich und wol für alle Zeiten aus dem

Felde geschlagen haben.

Betrachten wir die Lampe vom allgemeinsten Standpunkte aus, so treffen

wir an ihr dieselben Theile, die wir an der Kerze wahrnehmen, nämlich

das Leuchtmaterial und den Docht. Bei der Lampe wie bei der Kerze ist

das Leuchtmaterial flüssig und der Unterschied besteht nur darin, dass

in der Kerze und zwar in dem oberen Theile (der Vertiefung mit dem

Dochtende) die Fettsubstanz (Stearinsäure, Talg oder Paraffin) im

=geschmolzenen= Zustande gebrannt wird, während in den Lampen das

Leuchtmaterial in bei gewöhnlicher Temperatur flüssigem Zustande sich

befindet und desshalb ein Gefäss, ein Reservoir erforderlich macht,

welches den flüssigen Leuchtstoff enthält und ununterbrochen und

möglichst gleichmässig die Flamme mit Material speist. In der

verschiedenen Art des als Leuchtstoff verwendeten Körpers -- ob Rüböl,

ob Solaröl, ob Petroleum -- in der verschiedenen Form des Dochtes und

der Art der Luftzufuhr zu der Flamme -- ob ohne, ob mit Zugglas, in der

Form des Oelbehälters, seiner Lage in Bezug auf den Docht und der Art

seiner Anbringung und endlich und hauptsächlich in der Art und Weise

der Zuführung des Leuchtstoffes zu der Stelle des Dochtes, wo die

Verbrennung vor sich gehen soll -- ob nur durch Capillarität des

Baumwolldochtes, ob in Verbindung mit hydrostatischem oder sonst auf

mechanischem Wege hervorgebrachten Drucke, alles dies, aber auch =nur=

dies bedingt die grosse Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit, die wir

in den Lampenconstructionen antreffen.

=Rüböl= und =Mineralöl=, sei letzteres aus dem Braunkohlen- oder

Torftheer, oder aus dem Petroleum dargestellt, unterscheiden sich in

Bezug auf ihre Eigenschaften als Leuchtmaterial dadurch von einander:

1) dass das Rüböl bei gewöhnlicher und selbst bei bis über 100°

gesteigerter Temperatur nicht verdunstet (es ist daher geruchlos), auch

sich nicht entzünden lässt. Erst wenn eine solche Erhitzung des Oeles

stattgefunden hat, dass die Produkte der trockenen Destillation sich

bilden, wozu beiläufig 200° gehören, findet eine Entzündung und ein

Verbrennen des Oeles statt. Das Mineral- oder Solaröl, selbst das

»geruchlose« der Fabriken besitzt dagegen einen Geruch und verliert

beim Stehen an der Luft nach und nach an Gewicht; bei höherer

Temperatur verdampft es und kann unverändert destillirt werden, bei

noch höherer Temperatur vergast es und geht zum grossen Theil in

Leuchtgas über; 2) das Rüböl besteht aus Kohlenstoff, Wasserstoff und

Sauerstoff und ist nach der Formel C_{10}H_{18}O_{2} zusammengesetzt.

Bei der trocknen Destillation, die das Rüböl in dem Dochte unmittelbar

unter der Flamme erleidet, zerfällt es in Elaylgas und Kohlensäure:

Rüböl 2C_{10}H_{18}O_{2} = 340 geben

{9 Molek. Elaylgas 9C_{2}H_{4} = 252

{2 " Kohlensäure 2CO_{2} = 88

---

340

25,8 Proc. vom Gewicht des Rüböles tragen also nicht nur nichts zur

Leuchtkraft der Flamme bei, sondern berauben auch noch die Hälfte des

Volumens vom Volumen der Kohlensäure an Elaylgas der Leuchtkraft. Das

Rüböl im raffinirten Zustande verbrennt in einer zweckmässig

construirten Lampe nur in vergaster Form und vollständig zu den

geruchlosen Verbrennungsprodukten Kohlensäure und Wasser; 3) das

Solaröl und das Petroleum sind Gemenge verschiedener

Kohlenwasserstoffe, höchst wahrscheinlich der höheren Glieder der

homologen Reihe, von welcher das Sumpfgas das erste ausmacht, und

sauerstofffrei. Es beginnt bei 250° zu sieden und zerfällt bei höherer

Temperatur in gasige Produkte (Sumpfgas und Elaylgas) und in sich

ausscheidenden Kohlenstoff. Der Kohlenstoffgehalt des Solaröles ist

weit grösser als der des Rüböles, daher verbrennt das erstere auch in

freier Luft mit russender Flamme, die aber sofort in eine fast blendend

weisse, stark leuchtende übergeht, wenn man durch Aufsetzen eines

Zugglases und dadurch vermehrte Luftzufuhr für die Verbrennung des

Ueberschusses an Kohlenstoff sorgt. Während, wie bereits bemerkt, das

Rüböl nur in vergaster Gestalt zur Flamme gelangt, kommt das Solaröl,

und der ihm durchaus ähnlich constituirte minder flüchtige Theil des

Petroleums, zum grössten Theil dampfförmig in die Flamme. Es ist daher

die Mineralöllampe so zu construiren, dass die Verbrennung so

vollständig als möglich geschehe und keine Spur des unangenehm

riechenden Dampfes unverbrannt oder mindestens unvergast entweiche. Die

Feuergefährlichkeit des Solaröles anlangend, so ist dieselbe bei

sorgfältiger Behandlung der Lampen -- gute Beschaffenheit des Solaröles

vorausgesetzt, nicht viel grösser als die des Rüböles; 4) das Rüböl ist

ein fettes und schmieriges Oel, das Solaröl nicht; gewisse

Lampenconstructionen wie z. B. die Uhrlampen und Moderateurlampen, in

welchen das Oel durch den Druck eines Kolbens dem Verbrennungsort

zugeführt wird, eignen sich, weil nur das fette Oel, nicht aber das

Mineralöl die Liederung des Kolbens schlüpfrig und öldicht macht, nicht

für Mineralölbeleuchtung.

Unabhängig von der Art des Leuchtstoffes, sei derselbe Rüböl, Solaröl

oder Petroleum, soll die Construction einer normalen Lampe der Art

sein, 1) dass sie das Maximum von Licht und dasselbe zwar innerhalb

einer bestimmten Zeit (3 bis 8 aufeinander folgende Stunden) möglichst

gleichförmig spende. Diese Bedingung, eine Folge der vollständigen und

in gleicher Intensität fortdauernden Verbrennung des Leuchtmateriales

kann nur erfüllt werden [Greek: a]) bei Anwendung von gereinigtem

Leuchtmaterial, [Greek: b]) bei Anwendung eines Dochtes von gleicher

Stärke, [Greek: g]) bei möglichst gleichmässiger Zufuhr des

Leuchtstoffes zur Flamme, [Greek: d]) bei genügender Erhitzung an der

Stelle, wo die Verbrennung stattfindet, damit die Vergasung vollständig

vor sich gehe, [Greek: e]) durch die Regulirung der Zufuhr von Luft.

Eine zu geringe Luftmenge giebt oft eine russende Flamme, eine zu

grosse Luftzufuhr erniedrigt die Temperatur und giebt gleichfalls

dadurch zur Abscheidung von Russ und Bildung von übelriechenden

Produkten der Destillation Veranlassung, abgesehen davon, dass selbst

vollständige Verbrennung der Flamme vorausgesetzt, zu viel Luft die

Leuchtkraft der Flamme beeinträchtigt, [Greek: z]) durch die

Möglichkeit der Regulirung der Flammengrösse; 2) dass das entwickelte

Licht auch möglichst zweckmässig benutzt werde. Die bekannten

Lichtschirme und Reflectoren sind hier als wesentliche

Unterstützungsmittel der Beleuchtungszwecke zu nennen. Das Reservoir

für den Leuchtstoff muss ferner der Art angebracht sein, dass

einestheils sein Schatten nicht störend auf die zu beleuchtenden

Gegenstände wirkt, anderentheils der Schwerpunkt der Lampe in keiner

ihren Gebrauch beeinträchtigenden Weise verrückt wird.

[Sidenote: Eintheilung der Lampen.]

=Eintheilung der Lampen.= Wenn man die Art und Weise, nach welcher das

Leuchtmaterial mittelst des Dochtes zu der Stelle gelangt, wo die

Verbrennung vor sich geht, als Eintheilungsgrund gelten lässt, so kann

man sämmtliche Lampen unterscheiden als:

1) =Sauglampen=, in welchen der Leuchtstoff allein durch die

Capillarwirkung des Dochtes aus dem etwas tiefer liegenden Reservoir an

das Dochtende gelangt; je nach der Lage des Oelreservoirs zum Dochte

kann man die Sauglampen eintheilen [Greek: a]) in solche, bei welchen

das Reservoir ungefähr in gleicher Höhe liegt mit der Flamme des

brennenden Dochtes; [Greek: b]) in Lampen, bei welchen das Reservoir

für das Oel höher liegt als der Brenner (Lampe mit Sturzflasche). 2)

=Drucklampen=, bei welchen neben der Capillarität des Baumwolldochtes

noch eine mechanische oder physikalische Vorrichtung thätig ist, um dem

Dochte das Leuchtmaterial zuzuführen. Der Oelbehälter ist bei allen

Drucklampen im Fusse der Lampe. Nach der Art der Vorrichtung, die das

Oel zum Dochte treibt, zerfallen die Drucklampen [Greek: a]) in

=aërostatische=, bei welchen das Princip des Heronsbrunnens Anwendung

findet. Es wird in das geschlossene Oelreservoir Luft eingepresst,

welche in Folge ihres Bestrebens, sich mit der äusseren Luft ins

Gleichgewicht zu setzen, auf das Oel drückt und dasselbe in einem

Steigrohr dem Brenner zuführt; [Greek: b]) in =hydrostatische= Lampen,

auf das Princip der communicirenden Röhren sich stützend, nach welchem

die Höhen im Gleichgewicht befindlicher Flüssigkeiten von verschiedenem

specifischem Gewicht in communicirenden Röhren im umgekehrten

Verhältnisse zum specifischen Gewichte stehen. Die Flüssigkeit, welche

dem Oel in der Lampe das Gleichgewicht halten und bewirken soll, dass

der Brenner ununterbrochen mit der erforderlichen Oelmenge versehen

werde, muss specifisch schwerer sein als das Oel; [Greek: g]) in

=statische= Lampen, bei welchen das Oel aus dem unteren Behälter durch

das Gewicht eines festen Körpers (z. B. Bleigewicht) oder durch den

=directen= (nicht durch mechanische Vorrichtung bewirkten) Druck eines

in dem Oelreservoir abwärts gehenden Kolbens ausgetrieben und zum

Aufsteigen nach dem Brenner gezwungen wird; [Greek: d) in =mechanische=

Lampen, in welchen das Oel aus dem Oelreservoir einfach entweder a)

durch eine Pumpe, welche durch ein uhrwerkähnliches Räderwerk in

Thätigkeit gesetzt wird (=Carcel='s Uhr- oder Pumplampe) oder b) durch

den Druck einer sich ausdehnenden Spiralfeder (Moderateur- oder

Federlampe) zu dem Brenner gehoben wird. Die mechanischen Lampen haben

meist noch das Charakteristische, dass dem Dochte das Oel in grösserer

Menge, als er zu consumiren vermag, zugeführt wird; der nicht zur

Verbrennung kommende Theil tropft ab und wird in einem besondern

Sammler aufgefangen. An die vorstehenden, auf Rüböl eingerichteten

Lampen schliessen sich an 3) die =Mineral=- oder =Solaröl=- und

=Petroleumlampen=, die stets Sauglampen von solcher Einrichtung sind,

dass der Behälter für den Leuchtstoff stets unmittelbar unter dem Docht

und in der Axe des Brenners sich befindet. Das geringere specifische

Gewicht und die dünnflüssigere Beschaffenheit der hier in Betracht

kommenden Leuchtmaterialien (Solaröl, Petroleum) kommt der

Capillarwirkung des Dochtes wesentlich zu Hülfe und macht alle

Druckvorrichtungen, so lange es sich um Lampen für Zimmerbeleuchtung

handelt, überflüssig. Hierher gehört auch die =Ligroïn=- oder

=Schwammlampe=, in welche der flüssige Leuchtstoff (Ligroïn, die

flüchtigeren Theile, die bei der Rectification des Mineralöles und des

Petroleums für sich aufgefangen werden) durch Schwamm, womit das

Reservoir ausgefüllt, absorbirt ist.

[Sidenote: Sauglampen.]

1) =Sauglampen.= Zu den Sauglampen rechnen wir alle diejenigen Lampen, in

welchen das Oel durch die Capillarität des Dochtes (und nicht durch Druck

oder sonst durch mechanische Hülfsmittel) aus dem etwas tiefer gelegenen

Oelreservoir an das Dochtende gelangt. Je nach der Lage des Oelreservoirs

zum Docht können die Sauglampen eingetheilt werden [Greek: a]) in solche,

bei welchen das Oelreservoir ungefähr in gleicher Höhe liegt mit der

Flamme des brennenden Dochtes, wobei folgende zwei Falle zu unterscheiden

sind, nämlich a) der brennende Docht befindet sich im Oelreservoir selbst

wie bei der Küchenlampe und antiken Lampe, oder b) Oelreservoir und

Brenner sind von einander getrennt und zwar ist das Reservoir seitlich

vom Brenner, oder das Reservoir geht wie bei den Kranzlampen ringförmig

um den Docht herum; [Greek: b]) in Lampen, bei welchen das Reservoir für

das Oel höher liegt als der Brenner. Als Beispiel gelten die Lampen mit

Sturzflasche.

[Illustration: Fig. 271.]

[Illustration: Fig. 272.]

[Illustration: Fig. 273.]

[Illustration: Fig. 274.]

[Illustration: Fig. 275.]

Von diesen verschiedenen Arten von Sauglampen seien einige im Folgenden

speciell beschrieben. In der =antiken Lampe= (Fig. 271) liegt in einem

langgestreckten offenen oder verschlossenen Oelgefässe ein

Büscheldocht, welcher vorn am Schnabel entweder einfach durch eine

runde Oeffnung oder von einer Blechdille gehalten wird. Diese Lampe ist

bei aller Schönheit und Vollendung der Form eine höchst unvollkommene.

Der hauptsächlichste Nachtheil dieser antiken Lampe liegt darin, dass,

weil mit dem Verbrauch das Niveau des Oeles sinkt, der Docht gezwungen

werden soll, das Oel auf eine Höhe zu heben, die seine capillare Kraft

weit übersteigt; aus Mangel an Oelzufuhr wird daher die Flamme immer

düsterer werden und endlich auslöschen. Dazu kommt noch, dass bei der

Dicke des Büscheldochtes die Menge des bei der Verbrennung zersetzten

Oeles zu der Menge der zuströmenden Luft in einem höchst ungünstigen

Verhältnisse steht; die Verbrennung findet daher nur unvollständig und

unter Russbildung statt. Uebrigens ist auch der Schatten, den das

Oelreservoir wirft, ein grosser Uebelstand dieser Art von Lampen. Bei

einer andern Art von Küchenlampe, welche Fig. 272 in der Seitenansicht,

Fig. 273 von oben gesehen, abgebildet ist, ist letztgenannter

Uebelstand in geringerem Grade vorhanden, weil durch den Schnabel die

Entfernung des Oelbehälters von dem Brenner vergrössert oder der Winkel

_c a b_ weit spitzer wird. Die sogenannte =Wormser Lampe= (Fig. 274 und

275), am Rhein längere Zeit hindurch im Gebrauch, zeichnet sich durch

die Form des Dochtes _t_ aus, der kein Büscheldocht, sondern ein

=flacher= oder ein =Banddocht= ist; dadurch ist der Luftzutritt zu

allen Theilen des sich zersetzenden Oeles so weit geregelt, dass eine

vollständige Verbrennung stattfinden kann. Der Docht wird durch die

flache Dille _c_ festgehalten, welche in den Ring aus Blech _d_

gelöthet ist. Letzterer liegt mit seinem umgebogenen Rande auf dem der

Glaskugel auf, welche als Oelbehälter dient. Der Docht kann durch die

Zähne eines Triebes _e_ und _e'_, die den Docht gegen die Rückseite

anklemmen, auf und abwärts gedreht und dadurch die Helligkeit der

Flamme regulirt werden. Der Stiel _a_ wird in ein Stativ oder in ein

Leuchterrohr gesetzt. Ueber die Flamme wird gewöhnlich ein Zugglas

gesetzt. Ungeachtet der ziemlichen Verbreitung der Wormser Lampe ist in

der Construction derselben ein Fortschritt nicht zu erkennen. Die

Nachtheile der gewöhnlichen Küchenlampe, das Sinken des Oelniveaus und

der Schatten des Oelbehälters sind auch bei ihr vorhanden.

Von denjenigen Sauglampen, bei denen Oelreservoir und Brenner in

ungefährer =gleicher Höhe=, aber =getrennt= sind, seien in der Kürze

erwähnt die nicht mehr gebräuchlichen Lampen, die sogenannte mit Schirm

versehene =Studirlampe=, bei welcher das Oelreservoir nicht wie bei den

im vorigen Abschnitt erwähnten Lampen =unter= dem Dochte, sondern

seitlich von dem Brenner ist, und die =Kranzlampen=, d. h. Lampen mit

einem ringförmigen Oelbehälter, welcher zugleich meist zum Tragen des

Lampenschirmes dient. Da es bei dieser Art Lampen, welche als Arbeits-

oder Tischlampen Anwendung finden, auf Concentration des Lichtes auf

einen verhältnissmässig kleinen Raum ankommt, so umgiebt man die Flamme

in passender Entfernung mit einem =Schirme=, welcher entweder alles

Licht auf einen kleinen Raum der Lampe zurückwirft, oder doch nur einen

Theil hindurchlässt und den grössten Theil durch Reflection

concentrirt. Soll alles Licht möglichst vollständig reflectirt werden,

so wählt man einen trichterförmigen Blechschirm, der inwendig weiss

lackirt ist, im zweiten Falle ist der Schirm aus diaphanem Material

(Milch- oder Beinglas, unglasirtem Porcellan, matt geschliffenem Glase,

geöltem Papier, Taffet u. s. w.). Alle die Lampen, bei denen Brenner

und Oelbehälter in gleicher Höhe liegen, geben zwar bei Benutzung des

Argandbrenners ein schönes Licht, doch ist dasselbe meist nur von

kurzer Dauer und die Intensität des Lichtes eine fortwährend

abnehmende. Der Grund davon liegt in der Veränderlichkeit des Niveau

des Oeles. Ist das Oelreservoir gefüllt, so steht das Oel in geringer

Entfernung unter der Brenneröffnung und der Docht saugt mit

Leichtigkeit die erforderliche Qualität bis an sein oberes Ende. In dem

Maasse nun, als durch die Consumtion des Oeles dieses Niveau sinkt,

wird das in gleicher Zeit durch den Docht aufsteigende Oelquantum

geringer, nicht nur weil das Oel in dem Dochte zu einer grösseren Höhe

emporsteigen muss, sondern auch, weil Unreinigkeiten einen Theil der

Capillaröffnungen des Dochtes verstopfen und ihn dichter machen. Da nun

jetzt weniger Oel in die Flamme gelangt als vorher, so nimmt das Licht

an Intensität ab und es verkohlt der obere Theil des Dochtes, wodurch

die Capillaröffnungen verschlossen werden; die Flamme muss mithin

endlich verlöschen. Um dieser nachtheiligen Veränderung der Flamme

möglichst zu begegnen, ist es von Belang, das Oelreservoir dergestalt

breit und niedrig zu machen, dass das Oel darin zu einer grossen

Oberfläche ausgebreitet ist, folglich selbst durch ziemlich starke

Consumtion nicht beträchtlich sinkt.

[Sidenote: Sturzlampe.]

Um die Verminderung der Lichtintensität während des Brennens der Lampe

möglichst zu verhindern, ist es, wie aus dem Vorstehenden folgt, einfach

genügend, das Oel in dem Brenner möglichst in gleicher Höhe zu erhalten;

dies lässt sich nun bei den Sauglampen dadurch erreichen, dass man den

Oelbehälter =höher= stellt als den Brenner. Selbstverständlich ist aber

bei dieser Einrichtung eine besondere Vorrichtung erforderlich, welche

die Zufuhr des Oeles zu dem Brenner nach Maassgabe der dort stattgehabten

Consumtion regelt, weil ausserdem das Oel aus dem Reservoir in den

Brenner strömen und letzterer überlaufen würde. Die in Anwendung

gekommene Vorrichtung der Art trifft man bei der =Sturz-= oder

=Flaschenlampe=.

[Illustration: Fig. 276.]

Fig. 276 zeigt den senkrechten Durchschnitt der gewöhnlichen Form einer

Flaschenlampe. Das Oelreservoir ist eine bewegliche Blechflasche _a_

und an ihrer Mündung durch ein Ventil verschliessbar, welches, wenn die

Flasche aufrecht, d. h. mit der Mündung nach oben steht, die Oeffnung

behufs der Füllung mit Oel freilässt. Wird das Ventil an dem daran

befestigten Theil aufgehoben, so ist die Mündung der Flasche

verschlossen, und die Flasche selbst kann umgekehrt und in den Mantel

_b b_ eingesenkt werden. Hier wird nun durch den Stiel des Ventils,

indem derselbe auf den Boden des Mantels aufstösst, die Mündung

geöffnet und das Oel fliesst aus der Flasche aus, bis es in _b_ und in

dem Brenner _e_ so hoch gestiegen ist, dass es die Mündung der Flasche

versperrt. Von nun an steht das Oel in den beiden Schenkeln der

communicirenden Röhre bei _e_ und _e'_ im Gleichgewicht, da man die

Oeffnung der Flasche _a_ mit der Brennermündung _e_ gleich hoch

gerichtet hat. Auf diese Weise hat die Lampe in der That zwei

Oelreservoirs, eines, welches den Docht unmittelbar speist, und das

zweite, die Sturzflasche, welche den Zweck hat, das verbrauchte Oel im

unteren Behälter von Zeit zu Zeit zu ersetzen, und das Oelniveau in _b_

möglichst gleichmässig zu erhalten. Eine kleine Seitenöffnung _c_ in

dem Mantel gestattet der äusseren Luft einzutreten, so dass die

Oberfläche des Oeles in _b_ dem gewöhnlichen Luftdruck ausgesetzt ist.

Die Flaschen- oder Sturzlampe hat den Nachtheil, wenn mehr Oel in den

Brenner fliesst als consumirt wird, das Oel überfliesst, was ein

Verlöschen der Flamme und andere Unannehmlichkeiten zur Folge hat. Die

übergrosse Oelzufuhr kann hervorgerufen sein durch nicht vollständigen

Verschluss der Sturzflasche oder durch zu starkes Neigen der Lampe. Ist

die Sturzflasche nicht mehr ganz mit Oel angefüllt, so kann durch

Ausdehnung der darin enthaltenen Luft ein Ueberfliessen des Oeles

stattfinden. Die Ausdehnung kann sein eine Folge von verändertem

Luftdruck (Fallen des Barometers) oder steigender Temperatur. Der

Einfluss der Wärme ist der gewöhnlichere Fall. Wird z. B. eine

Flaschenlampe mit halb angefüllter Flasche aus einem Zimmer in ein

anderes gebracht, dessen Temperatur um 20° höher ist, so dehnt sich die

Luft um nahe 1/14 ihres ursprünglichen Volumens aus, drückt auf das Oel

und drängt dieses aus der Flasche.

[Sidenote: Drucklampe.]

2) Die =Drucklampen= unterscheiden sich von den Sauglampen dadurch, dass

das Oelreservoir nicht wie bei letzteren im gleichen Niveau oder höher

als der Brenner, sondern =tiefer= angebracht ist. Bei allen

Constructionen der Drucklampen ist der Oelbehälter =im Fusse= der Lampe

und daher weit entfernt vom Brenner. Da die Capillarröhren des Dochtes

das Oel auf eine so bedeutende Höhe nicht zu heben vermögen, so ist bei

jeder Drucklampe eine besondere Vorrichtung zum Heben des Oeles

vorhanden, die dem Dochte das Oel in =grösserer Menge=, als er zu

consumiren im Stande ist, zuführt; der nicht zur Verbrennung kommende

Theil tropft ab und wird in einem besonderen Sammler aufgefangen.

Die Drucklampe, die als Salonlampe, sofern man sich noch des Oeles als

Leuchtstoff bedient, fast alle anderen Lampenarten siegreich aus dem

Felde geschlagen hat, ist, die Einfachheit des Mechanismus zum Zuführen

des Oeles zum Brenner vorausgesetzt, hinsichtlich der Standfestigkeit,

der äusseren Form, die sie zu mannichfacher und geschmackvoller

Verzierung geeignet macht, der Beseitigung des Schattens, der

Einfachheit des Füllens mit Oel, der Gleichförmigkeit der Oelzufuhr zum

Brenner, der Unmöglichkeit des Ueberlaufens u. s. w., unstreitig die

vollkommenste aller Oellampen.

Je nach der Art der Vorrichtung, welche das Oel zum Brenner hebt,

unterscheidet man

[Greek: a]) =Aërostatische Lampen.= Bei diesen Lampen findet das

Princip des Heronsbrunnens Anwendung. Es wird in das geschlossene

Oelreservoir Luft eingepresst, welche in Folge ihres Bestrebens sich

mit der äusseren Luft ins Gleichgewicht zu setzen, auf des Oel drückt

und dasselbe in einer Steigröhre dem Brenner zuführt. Die

aërostatischen Lampen, so interessant sie auch vom physikalischen

Standpunkte aus sein mögen, sind eigentlich nie dauernd in die Praxis

übergegangen. Die zum Füllen der Lampe dienenden Nebenvorrichtungen

waren gewöhnlich zu complicirt und vertheuerten dadurch die an sich

nicht wohlfeile Lampe.

[Greek: b]) =Hydrostatische Lampen.= Während bei den aërostatischen

Lampen das Oel durch den Druck der verdichteten Luft zum Brenner

gehoben wird, findet bei den hydrostatischen Lampen das Heben des Oeles

durch den unmittelbaren Druck einer anderen Flüssigkeit, ohne

Mitwirkung von Luft statt. Sie gründen sich auf das physikalische

Gesetz, dass, wenn zwei mit einander communicirende Gefässe

Flüssigkeiten von verschiedenem specifischen Gewichte enthalten und

diese Flüssigkeiten einander das Gleichgewicht halten, die Höhe der

Flüssigkeitssäulen im umgekehrten Verhältnisse zum specifischen

Gewichte steht. Die Flüssigkeit, welche bei dieser Art von Lampen dem

Oel das Gleichgewicht halten soll, muss specifisch schwerer sein als

Oel, darf weder die Lampe noch das Oel angreifen und selbst einige

Grade unter dem Gefrierpunkte des Wassers nicht erstarren. Als

drückende Flüssigkeit ist Quecksilber, Kochsalzlösung, Melasse, Honig,

Chlorcalciumlösung, Chlormagnesiumlösung u. s. w. vorgeschlagen worden.

[Greek: g]) =Statische Lampen.= Bei dieser Art von Lampen wird das

Brennöl aus dem im Fusse der Lampe befindlichen Reservoir durch das

Gewicht eines festen Körpers oder durch den Druck eines im Oelbehälter

nach und nach abwärts gehenden Kolbens in ein Steigrohr getrieben und

auf diese Weise nach dem Brenner geführt. Im ersteren Falle bringt man

das Brennöl in einen dichten Sack von Leder, Kautschuk, Wachstaffet

oder in eine Blase, und diese biegsame Hülle in den leeren Behälter.

Indem man nun auf die Oelhülle ein Bleigewicht wirken lässt, wird das

Oel nach dem Brenner gehoben. Eine grosse Schwierigkeit bei der

Construction von statischen Lampen besteht in der genauen Regulirung

der Oelzufuhr zum Brenner. -- Die zweite Einrichtung, bei welcher ein

abwärts gehender Kolben auf das in einem cylindrischen Behälter

befindliche Oel drückt und dasselbe nach und nach durch ein enges

Steigrohr nach dem Brenner treibt, ist als der Vorläufer der

mechanischen Lampen zu betrachten und verdient insofern Erwähnung.

[Sidenote: Mechanische Lampen.]

[Greek: d]) =Die mechanischen Lampen= besitzen eine mechanische

Vorrichtung, durch welche das Oel aus dem Reservoir im Fusse der Lampe zu

dem Brenner und zwar in einem Quantum gehoben wird, welches den Bedarf

des Dochtes während der Brennzeit übersteigt. Wenn mithin bei allen

bisher betrachteten Lampen der Inhalt des Brenners eine ruhige Oelsäule

bildet, die von oben nach unten stetig abnimmt oder von Zeit zu Zeit sich

ergänzt, so bildet das Oel in den mechanischen Lampen einen continuirlich

aufsteigenden Strom, welcher dem Dochte den zur Unterhaltung der Flamme

nöthigen Oelbedarf liefert, und den Ueberschuss des Oeles an der

Aussenseite des Brenners wieder in den Fuss der Lampe zurückführt.

[Illustration: Fig. 277.]

Unter den mechanischen Lampen sind besonders zwei erwähnenswerth,

nämlich

[Sidenote: Uhrlampe.]

1) Die =Uhrlampe=, =Pumplampe= oder =Carcel-Lampe= wurde 1800 von dem

Lampenfabrikanten =Carcel= in Paris erfunden und später von anderen

verbessert. Die Kraft, mit welcher das Oel aus dem im Fusse der Lampe

befindlichen Reservoir durch eine selbstthätige Pumpe oder eine

pumpenähnliche Vorrichtung ununterbrochen zu dem Brenner emporgehoben

wird, wird von einer, in einem Federhause eingeschlossenen Uhrfeder

ausgeübt. Zum Behufe ihrer Uebertragung ist ein uhrwerkähnliches

Räderwerk vorhanden. Der Hebeapparat ist gewöhnlich eine wirkliche

Pumpe mit combinirtem Saug- und Druckwerk, jedoch giebt es auch Lampen,

bei welchen die archimedische Schraube zum Heben des Oeles in Anwendung

gebracht worden ist. In dem Sockel der Uhr ist das Oelreservoir mit der

Pumpe und unter diesem das Uhrwerk; des Steigrohr, in welchem das Oel

zum Brenner steigt, geht im Schafte der Säule nach oben. Der

Oelbehälter und das Uhrwerk sind von einander durch einen horizontalen

Boden getrennt. Ein einfaches Pumpwerk, wie es in der Carcel-Lampe

nicht selten Anwendung findet, ist durch Fig. 277 im Durchschnitt

dargestellt. Der mittlere Theil der Abtheilung in der Lampe, in welcher

das Pumpwerk liegt, bildet den Stiefel, in dem sich der horizontal

liegende Kolben _m_ hin- und herbewegt; der obere Raum _n_ steht mit

dem Steigrohr in Verbindung, der untere Raum, in dessen Mitte eine

Scheidewand sich befindet, vermittelst zweier Ventile _a b c_ aus

Taffet oder Goldschlägerhaut mit dem Oelreservoir. Bewegt sich der

Kolben _m_ nach _d c_ hin, so tritt Oel aus dem Reservoir durch _b_ ein

und das zwischen _c a_ und _m_ befindliche Oel ist gezwungen, durch _c_

in den oberen Raum und von dort aus in das Steigrohr zu treten; bei

Bewegung des Kolbens nach _d b_ tritt das Oel durch _a_ ein und durch

_d_ in das Steigrohr. Der obere Theil der Abtheilung dient zugleich als

Windkessel, indem die darin zusammengepresste Luft ein gleichförmiges

Aufsteigen des Oeles in dem Steigrohre bewirkt. Das unter dem

Oelreservoir befindliche Räderwerk setzt den Kolben in Bewegung. Die

Einrichtung der Pumpe ist der Art, dass sie, wie oben erwähnt, weit

mehr Oel heraufpumpt, als zur Speisung der Flamme erforderlich ist.

Dieses ununterbrochene Ueberfliessen bezweckt einestheils, dass es dem

Dochte nie an Oel fehle, anderntheils, dass sowol der Brenner als auch

das aus ihm hervorragende Dochtende abgekühlt werde, sodass Verkohlung

des Dochtes, welche die Capillarwirkung des Dochtes schwächen würde,

ausgeschlossen ist. Das überfliessende Oel gelangt in den offenen

Behälter zurück, um später wieder aufgepumpt zu werden. Das Räderwerk

im Fusse der Lampe ist so beschaffen, dass es 12-15 Stunden

ununterbrochen fortgeht; in den ersten 7-8 Stunden, in der Regel die

längste Brennzeit an einem Abende, ist der Gang und mithin das

Aufsteigen des Oeles im Steigrohr ziemlich gleichförmig. -- Noch sei

bemerkt, dass unten an einer Seite des Lampenfusses ein kleiner, nach

aussen gehender Riegel angebracht ist, welcher, wenn er vorgeschoben

wird, die zur Regulirung des Werks dienenden Windflügel auffängt und

das Werk dadurch in Stillstand bringt.

[Sidenote: Federlampe.]

[Illustration: Fig. 278.]

[Illustration: Fig. 279.]

[Illustration: Fig. 280.]

2) Die =Federlampe= (Moderateur-, Regulateur-Lampe, Kolbenlampe,

Neocarcellampe). Seit der Erfindung der Federlampe durch =Franchot= im

Jahre 1837, die sich durch grössere Einfachheit und Wohlfeilheit und

dadurch auszeichnet, dass sie selten in Unordnung kommt, sind die

Uhrlampen fast ganz in den Hintergrund gedrängt worden. Das Wesentliche

der Federlampe ist, dass ein mit zweckmässiger Liederung versehener

grosser Kolben sich auf die Oberfläche des Oeles in dem Oelbehälter

legt, dieselbe mit Hülfe einer über ihm angebrachten gespannten Feder

drückt und somit das Oel durch ein enges Steigrohr in den Brenner

treibt. Fig. 278 zeigt eine Federlampe und zwar im oberen Theile in der

Vorderansicht, im unteren Theile im Durchschnitt. In die aus Metall

angefertigte Umhüllung ist im Fuss der Lampe das cylindrische

Oelreservoir eingelöthet. Dieses Reservoir dient zugleich als Stiefel

für den Kolben _A_, aus einer flachen Scheibe mit einem nach unten

gebogenen Lederrand bestehend, welcher letztere zugleich als Liederung

und als Ventil dient. Von dem Kolben erhebt sich die messingene

Kolbenstange _B_, welche auf dem grössten Theile ihrer Länge

eingeschnittene Zähne hat, in welche die Zähne eines am Griffe _D_

umzudrehenden Getriebes eingreifen. Auf diese Weise wird der Kolben

nach aufwärts bewegt. Nach abwärts geht der Kolben durch den Druck der

Spiralfeder, welche zwischen dem Kolben und dem oberen Ende der

cylindrischen Lampensäule steht und sich oben gegen _E_ stützt; sie ist

so beschaffen, dass sie den Kolben bis auf den Boden des Oelbehälters

hinabtreiben kann, ohne sich völlig ausgedehnt zu haben. Im

nichtgefüllten Zustande ruht der Kolben auf dem Boden. Giesst man nun

durch den am oberen Ende der Lampensäule befindlichen Trichter Oel ein,

so sammelt sich dasselbe über dem Kolben _A_ an. Wird derselbe nun

durch Umdrehen von _D_ nach aufwärts bewegt, so strebt die Erhebung des

Kolbens zwischen ihm und dem Boden des Oelbehälters einen

luftverdünnten Raum zu erzeugen; der äussere Atmosphärendruck drückt

daher das Oel neben dem als Ventil dienenden Lederrand des Kolbens nach

abwärts, bis nach und nach alles Oel unter den Kolben getreten ist.

Sobald _D_ nicht mehr festgehalten wird, fängt die Feder, welche durch

die Erhebung des Kolbens zusammengepresst wurde, sofort an, mittelst

des Kolbens auf das Oel zu drücken. Der Lederkranz am Rande des Kolbens

wird durch den Druck, den das Oel ausübt, dicht an die Wandung des

Oelbehälters getrieben, so dass kein Oel entweichen kann. Der einzige

Abflusskanal, welcher dem Oel gestattet ist, ist durch das Rohr _C_,

welches oben mit dem Brenner communicirt. Die Feder ist genau adjustirt

und ihre Ausdehnung ist gleich dem Volumen des verbrennenden Oeles,

daher immer ein gleiches Niveau erhalten bleibt. Hat nach mehrstündigem

Brennen der Kolben den Boden des Oelcylinders erreicht, so hört die

Oelbewegung auf; man muss deshalb schon ehe dieser Zeitpunkt eintritt

die Lampe aufziehen, d. h. durch Umdrehung des Griffes _D_ die

Zahnstange _B_ und mit ihr den Kolben heben, wodurch die Feder

zusammengepresst, also gespannt wird. Wäre dem Oel das Aufsteigen in

dem Steigrohre _C_ ohne alle Hindernisse gestattet, so würde die Lampe

nicht nur schnell erschöpft und das Wiederaufziehen in sehr kurzen

Zeiträumen nöthig werden, ja es könnte sogar der Fall sein, dass das

Oel aus dem Brenner, statt unmerklich überzufliessen, hastig

hervorsprudelte. Um dies zu verhindern, ist an der Federlampe eine

einfache Vorrichtung angebracht, durch welche die Geschwindigkeit des

nach dem Brenner strömenden Oeles =moderirt= werden kann. Diese

Vorrichtung, =Moderateur= genannt, besteht (Fig. 278 und 279) aus einer

in der Mitte des Steigrohres _C_ hängenden, nach unten sich etwas

verjüngenden Nadel _G_, die oben rechtwinkelig gebogen und an das

innere Dochtrohr angelöthet ist. Der untere verschiebbare engere Theil

des Rohres _C_ steht nur beim höchsten Stande des Kolbens so, dass _G_

auch in _C_ steckt; beim Abwärtsgehen des Kolbens zieht _C_ sich

zurück, so dass _G_ nicht mehr hineinreicht. Beim höchsten Kolbenstande

übt die Feder auf den Kolben den grössten Druck aus, daher wird das

Abwärtsgehen des Kolbens und das Aufwärtsströmen des Oeles zum Brenner

anfangs schneller erfolgen, als später, wenn die Feder einen Theil

ihrer Spannung verloren hat. Um nun diese Schwankungen in der Wirkung

der Feder aufzuheben, wird im Anfang des Niederganges des Kolbens durch

die Nadel _G_ das Steigrohr verengert. Um den Zeitpunkt zu erfahren, wo

die Lampe aufzuziehen ist, hat man vor einigen Jahren angefangen, durch

den abwärts gehenden Stempel ein Zeigerwerk in Bewegung zu setzen,

welches gestattet, in jedem Augenblick zu sehen, wie tief der Kolben

bereits herabgegangen ist. Ferner fertigt man gegenwärtig

Moderateurlampen, bei welchen, sobald der Stempel nahe an seiner

tiefsten Stelle angelangt ist, eine Glocke anschlägt, welche, an der

Lampe angebracht, zur Decoration derselben dient. Das Anschlagen der

Glocke ermahnt die Anwesenden, die Lampe aufzuziehen.

[Sidenote: Die Solaröl- und Petroleumlampen.]

3) Die =Solaröl-= und =Petroleumlampen=. Die Mineralöle, die unter den

Namen =Solaröl=, =Pyrogen=, =Photogen=, raffinirtes =Petroleum=,

=Petrosolaröl=, =Kerasin=, =Pitt-Oel= u. s. w. seit etwa fünfzehn Jahren

das Rüböl fast ganz in den Hintergrund gedrängt haben, werden nur in

Sauglampen verbrannt, bei denen entweder das Reservoir für das

Leuchtmaterial unterhalb des Dochtes oder ähnlich den Sturzlampen

seitlich davon sich befindet. Mechanische Lampen, namentlich die

Moderateurlampe, sind auf Solaröl und Petroleum nicht zu brauchen, weil

beide Oele der Fettigkeit bar sind und deshalb nicht die Elasticität und

Weichheit des Leders am Kolben, welches zugleich als Liederung und als

Ventil dient, zu erhalten vermögen. Bei der Sauglampe wirkt die

dünnflüssige Beschaffenheit der Mineralöle in Folge des dadurch

erleichterten Aufsteigens in den Capillarröhren des Dochtes vortheilhaft

ein; durch das Sinken des Niveau's im Behälter wird keine merkliche

Abnahme der Intensität der Flamme verursacht. Bei dem grossen

Kohlenstoffgehalt der neuen Leuchtstoffe ist zum rauch- und russfreien

Verbrennen eine kräftige Zufuhr von atmosphärischer Luft erforderlich;

diese wird vermittelt durch ein geeignetes Zugglas, ferner dadurch, dass

der Docht nur äusserst wenig aus dem Brenner hervorragt, und endlich (bei

gewissen Arten von Solaröllampen) durch Aufsetzen einer gewölbten

Messingkapsel, welche in der Mitte mit einer Oeffnung versehen ist, etwas

länger und breiter als die Mündung des Dochtrohres (mit flachem Dochte);

unter der Wölbung findet eine Vermengung der Luft mit den brennenden

Dämpfen des Mineralöles statt, worin das Mittel zur stärkeren Luftzufuhr

und Verhinderung des Russens liegt. Zum Verständniss der Construction der

Solar- und Petroleumlampen ist das Eine nicht zu vergessen, dass alle

diese Lampen in Folge des verhältnissmässig niedrigen Siedepunktes der

genannten Leuchtmaterialien =Dampflampen= sind, d. h. es verbrennen in

denselben die Dämpfe, die sich in der Nähe des Brenners aus der

Flüssigkeit, ohne dass dieses eine Zersetzung erleidet, bilden, während

bei den Oellampen Zersetzungsprodukte in der Flamme zur Verbrennung

kommen, die erst bei weit höherer Temperatur sich bilden, als die Dämpfe

aus dem Solaröl und Petroleum. Man hat daher, um selbst die Möglichkeit

der Explosion zu entfernen, bei allen diesen Lampen Vorkehrungen zu

treffen, dass die Flüssigkeiten in dem Reservoir sich nicht erwärmen.

Namentlich sucht man den die Flamme speisenden Luftstrom zur Abkühlung

des Brenners heranzuziehen.

[Illustration: Fig. 281.]

Von den vielen Constructionen von Petroleum- und Solaröllampen sei eine

der bewährtesten und zwar die von =Ditmar= (in Wien) speciell

beschrieben. Dieselbe besteht (Fig. 281) aus einem metallenen

Oelbehälter _b_, der ringförmig die Dochtröhre umgiebt und mit dieser

nur durch eine horizontale Röhre in Verbindung steht, um das Oel dem

Docht zuzuführen. _a_ ist eine mit einer durchbohrten Schraube

verschlossene Oeffnung zum Einfüllen des Oeles in den Behälter _b_. Die

Lampen haben einen runden Docht und doppelten Luftzug, sie sind ferner

mit eingezogenem Glascylinder _c_ versehen, dessen Träger _f_

verschiebbar ist, um jenem eine passende Stellung zu geben, weil

dadurch die Wirkung der Flamme theilweise bedingt ist. Die Einbiegung

des Glases soll ungefähr 3 Linien über dem Dochtende stehen, wie dies

die Linien _d_ und _e_ andeuten, so dass der grössere Theil der

leuchtenden Flamme, die im Ganzen ungefähr 6-8 Centim. hoch brennen

soll, sich über der Einbiegung des Glases befindet. Steht das Glas zu

hoch, so brennt das Oel roth; steht es zu tief, so wird die Flamme

klein und unansehnlich. Der Oelbehälter erwärmt sich während der ganzen

Brennzeit nicht, weil er bei seiner ringförmigen Gestalt eine grosse

Oberfläche hat, die in Folge der starken Luftströmung, welche durch das

Brennen selbst bedingt ist, fortwährend mit kalter Luft in Berührung

steht. Eine bedeutendere Dampfbildung ist deshalb bei diesen Lampen

nicht zu befürchten. Die =Ligroïn-= oder =Schwammlampe= wurde bereits

Seite 717 erwähnt.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 128 / 167 题