Man erhält nach diesem Verfahren an Fettsäuren

aus dem Suinter 47-55 Proc.

" den Olivenölabfällen 47-50 "

" dem Palmöl 75-80 "

" " Fette der Schlächtereien 60-66 "

" der Oelsäure 25-30 "

Anstatt der Schwefelsäure hat man das =Chlorzink=, welches (vgl. Seite

84) in vielen Fällen sich der Schwefelsäure ähnlich verhält, zur

Verseifung der Fette in Vorschlag gebracht. Es hat vor der Schwefelsäure

für manche Länder, so für die Staaten Südamerikas, unzweifelhafte

Vorzüge, die nicht nur, weil es immer wieder gewonnen werden kann, in dem

billigen Preise, sondern auch darin zu suchen sind, dass es sich, in

Kasten oder Fässer gegossen, mit Leichtigkeit und ohne Gefahr

transportiren lässt. Wenn man nach den Versuchen von =L. Krafft= und

=Tessié du Motay= ein neutrales Fett mit wasserfreiem Chlorzink erhitzt,

so tritt zwischen 150 und 200° eine vollständige Vermischung der beiden

Stoffe ein. Nach einige Zeit fortgesetztem Erhitzen und Auswaschen der

Masse mit warmem Wasser oder besser mit Wasser, welches mit etwas

Salzsäure angesäuert wurde, erhält man ein Fett, welches bei der

Destillation die ihm entsprechende Fettsäure giebt, wobei nur sehr

geringe Mengen von Arcoleïn sich bilden. Das Waschwasser nimmt hierbei

fast alles Chlorzink wieder auf und kann durch Eindampfen desselben

wieder gewonnen werden. Die Fettsäuren bilden sich hierbei in derselben

Menge als nach dem Verseifungsverfahren mit Schwefelsäure; sie haben

dasselbe Ansehen, dieselben Eigenschaften und denselben Schmelzpunkt. Die

Menge des zur vollständigen Verseifung erforderlichen Chlorzinks beträgt

8-12 Proc. vom Gewicht des Fettes.

[Sidenote: Verseifung mit Wasser und Hochdruck.]

IV. =Verseifung mit Wasser und Hochdruck.= Neben den Alkalien und Säuren

ist vor etwa 16 Jahren ein neues Agens zur Spaltung der neutralen Fette

in Glycerin und in Fettsäuren zur Anwendung gekommen. Dieses Agens ist

einfach durch Hochdruck überhitztes Wasser:

C_{3}H_{5} }O_{3} + 3H_{2}O = C_{3}H_{5}}O_{3} + 3{H }O

3(C_{16}H_{31}O)} H_{3} } {C_{16}H_{31}O}

Tripalmitin. Wasser. Glycerin. Palmitinsäure.

Der Gedanke, die Fette einer derartigen Behandlung zu unterwerfen, ist

nicht neu. Schon in den Arbeiten =Appert='s (1823) und =Manicler='s

(1826) finden sich Andeutungen über die Zersetzung der Fette durch

überhitztes Wasser, obgleich der von genannten Technikern beabsichtigte

Zweck durchaus verschieden von der Aufgabe war, die sich heutzutage die

Industrie stellt. Bei den Versuchen =Appert='s und =Manicler='s handelte

es sich nur um die Trennung des Talges von den Membranen, die denselben

einschliessen. Eine Temperatur von 115-121° war zu dem Ende schon völlig

genügend. Bei einer Temperatur von 180° und einem Druck von 10-15

Atmosphären kann das Wasser auf die neutralen Fette eine weit tiefer

gehende Wirkung äussern und sie sofort in ihre beiden constituirenden

Bestandtheile spalten. Die Kenntniss dieser interessanten und wichtigen

Reaction verdankt man den Arbeiten der beiden Chemiker =Tilghman= in

England und =Berthelot= in Paris, welche im Jahre 1854 fast zu gleicher

Zeit die folgenreiche Entdeckung machten. Kurze Zeit nachher gelangte

auch =Melsens= in Brüssel zu dem nämlichen Resultat. Von den drei

genannten Chemikern beschäftigten sich jedoch nur zwei, nämlich

=Tilghman= und =Melsens=, mit der industriellen Seite der Frage. Die von

beiden Technikern angewendeten Methoden haben übrigens vieles mit

einander gemein.

=Tilghman= setzt zu dem zu zerlegenden neutralen Fette 1/3 oder 1/2

Volumen Wasser und bringt das Gemisch in ein geeignetes Gefäss, worin

es der Einwirkung der Wärme, nämlich einer etwa dem Schmelzpunkt des

Bleies gleichkommenden Temperatur -- 320° -- ausgesetzt werden kann,

bis der beabsichtigte Zweck erreicht ist. Zur Erzielung des

erforderlichen Druckes und zur Verhütung der Verflüchtigung des Wassers

ist selbstverständlich ein geschlossenes Gefäss anzuwenden. Das

Verfahren lässt sich rasch und continuirlich ausführen, indem man das

Gemisch von Fett und Wasser durch ein Rohr circuliren lässt, welches

auf die erwähnte Temperatur erhitzt ist. Das Verfahren von =Melsens=

besteht einfach darin, dass man in einem =Papin='schen Digestor das zu

zersetzende Fett bei 180-200° C. mit 10-20 Proc. Wasser in Berührung

bringt, welches mit 1-10 Proc. Schwefelsäure versetzt worden ist. Sein

Apparat ist ein langer liegender Kessel, in welchem die Mengung des

Wassers mit dem Fett durch einen zweiten kleinen Kessel bewirkt wird,

den man bald mit dem erstem in Verbindung bringt, dadurch mit Dampf

füllt, diesen alsdann in die Luft entweichen lässt und den Rest

verdichtet. Das dadurch im kleinen Kessel entstandene Vacuum saugt nun

beim Oeffnen eines Hahnes Wasser und Fett aus dem untern grossen

Kessel; stellt man alsdann wieder zwischen den oberen Theilen beider

Kessel eine Verbindung her, so wird das Flüssigkeitsgemisch mit

Heftigkeit in den unteren Kessel getrieben und bewirkt die Mischung

aller dort vorhandenen Flüssigkeit. Von den übrigen Apparaten, die zu

gleichem Zwecke von verschiedenen Technikern construirt worden sind,

sei erwähnt der sinnreiche Apparat von =Wright= und =Fouché=. Dieser

Apparat besteht aus zwei starken kupfernen Kesseln, die hermetisch

verschlossen sind und über einander stehen. Zwei Röhren verbinden diese

Kessel mit einander; die eine _a_ geht in den unteren Kessel fast bis

auf dessen Boden herab und mündet mit dem andern Ende kurz über dem

Boden des oberen Kessels, die zweite Röhre _b_ geht vom Deckel des

unteren Kessels aus und mündet unter dem Deckel des oberen Kessels. Der

obere Kessel ist der Dampfgenerator, in dem zweiten geht die Zersetzung

der Fette vor sich. Soll mit dem Apparat gearbeitet werden, so füllt

man den Generator mit Wasser bis zu dem Punkte an, wo das erste Rohr

_a_ mündet; der zweite Kessel wird mit dem geschmolzenen Fette so weit

angefüllt, dass das Fett das Rohr _b_ oben berührt; es bleibt mithin

ein freier Raum -- von dem Patentträger Expansionsraum, _chambre

d'expansion_ genannt -- zwischen dem Fett und dem Deckel des zweiten

Kessels. Wird nun stark geheizt, so gelangt der Dampf aus dem Generator

durch das Rohr _b_ in den Expansionsraum, condensirt sich hier, geht

hierauf im verdichteten Zustande durch das specifisch leichtere Fett

abwärts, um durch das Rohr _a_ von Neuem in den Generator zu gelangen.

Auf diese Weise wird die neutrale Fettsubstanz bei hoher Temperatur und

hohem Druck unablässig mit Wasser innig gemischt und in kurzer Zeit

vollständig in Fettsäure und Glycerin gespalten.

[Sidenote: Fabrikation fetter Säuren mittelst überhitzter Wasserdämpfe

und nachfolgender Destillation.]

V. An die im vorstehenden Abschnitte beschriebene Verseifung mittelst

überhitzten Wassers schliesst sich die =Verseifung mittelst überhitzter

Wasserdämpfe= an, welche gegenwärtig in England von der Compagnie =Price=

im grössten Maassstabe angewendet und ausgebeutet wird.

Bereits =Gay-Lussac= und nach ihm =Dubrunfault= suchten das Factum,

dass neutrale Fette bei ihrer Destillation in Fettsäuren übergehen,

industriell zu verwerthen. Aber trotz aller Mühe, trotz der

gleichzeitigen Anwendung des Wasserdampfes entsprach der Erfolg

durchaus nicht den Erwartungen; stets war es der Fall, dass ein Theil

der Fettsubstanz unter Bildung von kohligen Produkten und von Acroleïn

sich zersetzte. =Wilson= und =Gwynne= waren mit ihren Bestrebungen

glücklicher; mit Anwendung von Destillirapparaten, welche in ihrer

Construction im Wesentlichen mit den auf Seite 702 beschriebenen

übereinstimmen, gelang unter Mitwirkung überhitzter Wasserdämpfe die

vollständige Spaltung der neutralen Fette in Fettsäure und in Glycerin.

Durch strenges Einhalten einer bestimmten Temperatur war es nicht nur

möglich, die Fette völlig zu verseifen, sondern auch die Produkte der

Verseifung, die fetten Säuren und das Glycerin, unzersetzt zu

destilliren. Die Retorten, in denen die Destillation vorgenommen wird,

haben eine Capacität von 60 Hektolitern; sie werden durch directe

Heizung auf eine Temperatur gebracht, welche genau zwischen 290-315°

liegt. Ein schmiedeeisernes Rohr führt bis auf 315° erhitzten Dampf in

die geschmolzene Fettsubstanz. Die Dampfzufuhr wird je nach der Art des

Fettes 24-36 Stunden unterhalten. Die Verseifung geht auf diese Weise

vollständig vor sich, die frei gewordene Fettsäure und das Glycerin

werden an der unteren Mündung des Kühlapparates gewonnen. Erstere wird

sofort auf Kerzen verarbeitet, während das =Glycerin= durch eine

nochmalige Dampfdestillation gereinigt wird. Wie oben hervorgehoben,

ist die geeignete Temperatur auf das sorgfältigste einzuhalten; ist sie

niedriger als 310°, so ist die Zersetzung eine äusserst langsame,

steigt sie dagegen höher, so wird ein Theil der Fettsubstanz zersetzt

und es entsteht Acroleïn in reichlicher Menge.

[Sidenote: Darstellung der Kerzen.]

B. =Darstellung der Kerzen.= Ein sehr wichtiger Theil einer Stearinkerze,

wie einer Kerze überhaupt, ist der =Docht=, in dessen engen

Zwischenräumen das durch die Wärme der Flamme geschmolzene Leuchtmaterial

in dem Grade aufgesaugt wird, als es die Flamme consumirt. Der Docht

muss mithin aus porösen Substanzen bestehen und ausserdem muss er auch --

wenigstens bei Kerzen, nicht immer bei Lampen -- verbrennlich sein.

In Bezug auf die gute Beschaffenheit der Dochte ist es wesentlich, dass

sie aus gleichförmig dickem und rein gesponnenem Garn bestehen, damit

der Docht selbst überall gleich dick sei und keine nicht eingesponnenen

Fäden (sogenannte Räuber oder Neider) von ihm abstehen. Das Garn,

welches am häufigsten genommen wird, ist schwach gedrehtes Mulegarn und

zwar gewöhnlich No. 16-20 für Talgkerzen, No. 30-40 für Stearinkerzen.

Je reiner und gleichförmiger die Dochte in ihrer ganzen Länge sind,

desto gleichmässiger geht in Folge der gleichförmigen Capillarwirkung,

genügende Reinheit des Leuchtmaterials vorausgesetzt, das Emporsteigen

der Fettsubstanz, mithin auch ein gleichförmiges Verbrennen der Länge

nach vor sich. Früher und gegenwärtig auch noch häufig bei Talg- und

Wachskerzen war der Docht =gedreht=, d. h. die einzelnen Baumwollfäden

lagen, eine steile Schraubenlinie beschreibend, nebeneinander.

=Cambacérès= war es, der die Dochtfabrikation verbesserte in der

Absicht, das zeitweilige Abschneiden oder lästige Putzen der Flamme zu

vermeiden. Diese Verbesserung bestand in der Einführung der

=geflochtenen= Dochte, wodurch der Kerze der Beistand der Lichtscheere

entbehrlich wird. Unter dem Einflusse der Spannung, in welcher sich die

einzelnen Baumwollfäden des zopfartig, gewöhnlich nur dreischnürig

geflochtenen Dochtes befinden, erleidet das aus der Kerzenmasse

hervorragende Ende desselben eine Krümmung, welche seine Spitze stets

ausserhalb der Flamme hält und ihr gestattet, in der frei umspielenden

Luft schnell zu verglimmen.

Ehe der Docht zur Kerzenfabrikation Anwendung finden kann, muss er erst

=präparirt= werden. Denn der nicht präparirte Docht hinterlässt bei

seiner unvollständigen Verbrennung einen Kohlerückstand, welcher die

Capillarwirkungen des Dochtes bedeutend schwächt. Man war daher sofort

nach der Einführung der Stearinkerzenfabrikation bemüht, den Docht mit

Substanzen zu imprägniren, welche die Verbrennung des Dochtes

befördern. Solche Körper fand =de Milly= im Jahre 1830 in der Borsäure

und Phosphorsäure, durch welche den Dochten dadurch, dass genannte

Säuren mit den Aschenbestandtheilen des Dochtes und vielleicht auch der

Fettsubstanz zu einer Glasmasse zusammentraten und am Ende des Dochtes

eine schwere Glasperle bildeten, wovon der Docht dergestalt bog, dass

er ausserhalb der Flamme endete, Verbrennlichkeit ertheilt wurde. In

den französischen Fabriken taucht man die zu präparirenden Dochte drei

Stunden lang in eine Lösung von 1 Kilogr. Borsäure und 50 Liter Wasser,

ringt sie dann kräftig aus oder befreit sie in der Centrifugalmaschine

von der überschüssigen Flüssigkeit und trocknet sie sodann in einem

doppelwandigen Blechkasten, in dessen Doppelwände Dampf einströmt. Um

die Baumwolldochte besser netzbar zu machen, ist ein Zusatz von Alkohol

zu der wässerigen Borsäurelösung zweckmässig. =Payen= empfiehlt als

Dochtbeize eine mit 3-5 pro Mille Schwefelsäure versetzte Lösung von

5-8 Grm. Borsäure in 1 Liter Wasser. In einigen österreichischen

Stearinkerzenfabriken wendet man zum Imprägniren der Dochte das

phosphorsaure Ammoniak an. =Bolley= endlich macht auf eine

Salmiaklösung von 2-3° B. als auf eine einfache und wohlfeile

Dochtbeize aufmerksam.

[Sidenote: Giessen der Kerzen.]

=Das Giessen der Kerzen.= Die Fettsäurebrote, mögen sie das Produkt der

Kalkverseifung oder das der Behandlung mit Schwefelsäure und nachheriger

Destillation oder endlich nur der Einwirkung überhitzten Wassers sein,

haben, so wie sie aus der Warmpresse hervorgehen, so ziemlich gleiche

Eigenschaften; sie erscheinen als weisse durchscheinende und ziemlich

cohärente Kuchen, sind jedoch noch nicht rein genug, um als

Kerzenmaterial Anwendung finden zu können; ihre Ränder, die der

Einwirkung der Presse sich entzogen, sind zuweilen noch ölsäurehaltig,

weich und gelblich gefärbt, und ihre Oberfläche nicht selten durch

Eisenoxyd und durch Haare der Presssäcke verunreinigt. Um die Brote zu

reinigen, entfernt man zunächst die Ränder und schabt die beschmutzte

Oberfläche ab; die Abfälle werden nochmals auf die Warmpresse gebracht.

Hierauf werden die weissen Kuchen in mit Bleiblech ausgefütterten

Bottichen mit Schwefelsäure von 3° B. zusammengebracht und darin etwa

eine Stunde lang mit Dampf behandelt. Der Zweck dieser Behandlung ist

nicht, wie zuweilen angegeben wird, die letzten Spuren von Calciumstearat

zu zersetzen, welches gar nicht mehr vorhanden sein kann, sondern

vielmehr das Eisenoxyd aufzulösen und die Fasern, von den Presssäcken

herrührend, zu zerstören. Nach hinreichender Einwirkung entfernt man die

Schwefelsäure und wäscht die Fettsäure mit siedendem Wasser aus, bis die

letzten Spuren von Schwefelsäure entfernt sind. Hierauf setzt man zu der

geschmolzenen Fettsubstanz eine gewisse Menge Eiweiss, rührt gut um und

erhitzt bis zum Sieden. Beim Coaguliren hüllt das Eiweiss alle

Unreinigkeiten ein und setzt sich mit ihnen am Boden des Bottichs ab. Die

grosse Neigung der Stearinsäure zu krystallisiren und zwar in grossen

Krystallblättern, wenn das Erkalten der geschmolzenen Säure langsam

geschieht, war im Anfange der Einführung der Stearinkerzenfabrikation ein

grosser Missstand. Man erhielt beim Giessen ungleichartig durchsichtige

Kerzen, welche leicht brachen. Ein Zusatz von arseniger Säure gab

allerdings sehr viel gleichmässiger aussehende minder kristallinische

Kerzen, allein dieser Zusatz, obgleich derselbe nur in geringer Menge

gemacht wurde, war mit den Forderungen der Hygiene ganz unvereinbar, und

musste sehr bald auf dem Continente dem Verbote der Behörden, in England

dem verdammenden Urtheile der öffentlichen Meinung verfallen. Die Mittel,

die man gegenwärtig anwendet, erfüllen ihren Zweck eben so gut, man setzt

nämlich der geschmolzenen Stearinsäure 2-6 Proc. weisses Wachs zu, oder

noch gewöhnlicher, man lässt die geschmolzene Säure unter Umrühren bis

nahe zu ihrem Erstarrungspunkt erkalten, ehe man sie in die fast bis auf

den Schmelzpunkt der Säure erhitzte Form eingiesst. Durch das Abkühlen

und Umrühren wird eine Art flüssigen Fettbreies erhalten, der nicht mehr

krystallisirt. Seitdem es in den Stearinkerzenfabriken gebräuchlich ist,

die geschmolzene Stearinsäure mit Paraffin (bis zu 20 Proc.) zu

versetzen, ist von einer Neigung der Fettmasse zu krystallisiren, keine

Rede mehr.

[Illustration: Fig. 269.]

[Illustration: Fig. 270.]

Die =Kerzenformen= bestehen aus einer Legirung von Zinn und Blei, in

der Regel 20 Th. Zinn auf 10 Th. Blei; sie sind enge, etwas konische

Röhren, welche inwendig sehr glatt sein müssen, um den Kerzen eben

diese Glätte mitzutheilen. In die Axe derselben wird der Docht

eingezogen, der einerseits in einem kleinen Loche am untern Ende,

andererseits an einem auf das obere weite Ende gesetzten Trichter

befestigt ist. Durch diesen Trichter wird zugleich die geschmolzene

Fettsubstanz gegossen. Die Formen, wie sie in den französischen

Fabriken üblich sind, zeigt Fig. 269. _a_ stellt eine aus zwei Theilen

bestehende Form, den Cylinder und den Talgtrichter, dar. _b_ zeigt die

Vorderansicht der zusammengesetzten Form, _c_ einen Längendurchschnitt

derselben und die Lage des Dochtes, _d_ den Drahthaken, mittelst dessen

der Docht durchgezogen wird. Die jetzt angewendeten Formen haben

gewöhnlich eine Kapsel (Trichter) für 30 Formen. Fig. 270 zeigt einen

solchen Giessapparat. _A D_ ist ein grosser Blechkasten, in welchem

sich die Formen befinden; dieser Kasten steht in einem zweiten _B B_,

welcher durch Wasserdampf bis auf 100° erwärmt wird. Sobald die

Kerzenformen bis auf 45° erwärmt sind, entfernt man den Kasten _A D_

aus _B B_ und füllt die Formen mit der geschmolzenen Stearinsäure. Nach

der Füllung überlässt man die Formen sich selbst, bis die Kerzen

erkaltet sind und herausgenommen werden können. In neuerer Zeit wendet

man fast überall =Giessmaschinen= mit continuirlichem Betriebe an; sie

haben fast sämmtlich das gemein, dass die aufgespülten Dochtschnüre

durch die Formen gezogen und erst nach erfolgtem Gusse der Kerze und

nachdem die Kerze aus der Form genommen wurde, abgeschnitten werden.

Die gebräuchlichsten Giessmaschinen sind die von =Cahouet= und

=Morgane=.

Die soweit fertigen Stearinkerzen werden nun, ehe man zum Beschneiden

und Poliren derselben schreitet, in einigen Fabriken =gebleicht= und zu

dem Ende der freien Luft, d. h. dem abwechselnden Einflusse der

Sonnenstrahlen und des Thaues ausgesetzt. Dem Bleichplane werden sie

mittelst eines endlosen Tuches zugeführt. Man legt sie hierbei auf eine

gereinigte Tafel, von welcher das endlose Tuch sie aufnimmt. Dieses

Tuch ist mit abgerundeten Querstäben besetzt, durch welche die Aufnahme

der Kerzen vermittelt wird. Zum Aussetzen der Kerzen an die Luft dient

ein tischartiges Gestell, welches statt der Tischplatten zwei Gewebe

von Bleidraht enthält. Jedes dieser Gewebe bildet eine horizontale

Fläche und beide sind reichlich eine halbe Kerzenhöhe von einander

entfernt. Die Maschen des oberen Gewebes sind so weit, dass durch jede

Masche eine Kerze hindurchgesteckt werden kann. Die Maschen des unteren

Gewebes dagegen sind kleiner. Die Kerzen werden nun Stück für Stück,

und mit ihrer Spitze nach oben, durch die Maschen des oberen Gewebes

hindurchgesteckt und ruhen dann, vertical stehend, mit ihren Fussenden

auf dem unteren Gewebe. In dieser Lage bleiben sie je nach der

Jahreszeit kürzere oder längere Zeit der Luft ausgesetzt. Nach dem

Bleichen werden die Kerzen =beschnitten= und =polirt=.

[Sidenote: Talgkerzen.]

2) =Talgkerzen.= Der gereinigte Talg ist das Material der Fabrikation der

=Talgkerzen= (Unschlittlichte), welche in jene für die =gezogenen= Kerzen

und für die =gegossenen= Kerzen zerfällt.

Die =gezogenen= Kerzen werden durch wiederholtes Eintauchen der Dochte

in geschmolzenen Talg erzeugt. Bei dem Betriebe im Kleinen verfährt man

auf folgende Weise: Der Talgtrog wird mit geschmolzenem Talg angefüllt

und die auf den Dochtspiessen angereihten Dochte werden in denselben

eingetaucht. Die Dochtspiesse sind Holzstäbchen von 0,75 Meter Länge

und an beiden Enden etwas zugespitzt, um die Schlingen der Dochte mit

Leichtigkeit darauf schieben zu können. Je nach dem Gewicht, welches

man den Kerzen geben will, versieht man die Spiesse mit 16 oder mit 18

Dochten in möglichst gleichmässiger Entfernung, und taucht die Dochte

nun senkrecht in den Talg und zwar mit einer schnell stossenden

Bewegung, damit die Dochte ihre gerade Lage behalten. Bei diesem ersten

Eintauchen, welches besonders das Tränken der Dochte zum Zwecke hat,

muss der geschmolzene Talg noch ziemlich heiss sein, nicht nur deshalb,

weil der heisse und daher flüssigere Talg die Capillaröffnungen des

Baumwolldochtes besser erfüllt, sondern auch, weil der Docht vor dem

Erkalten noch Zeit gewinnt, sich durch die eigene Schwere in die gerade

Linie zu richten. Nach dem ersten Ziehen werden die Spiesse auf den

Rand des Talgtroges gelegt, dann einer um den andern, nachdem die etwa

verrückten Dochte wieder gerichtet worden sind, in den Werkstuhl zum

Abtropfen gehängt. Letzterer ist ein einfaches Holzgestelle mit den

Querleisten, auf welche die Enden der Dochtspiesse aufgelegt werden.

Haben alle Dochtspiesse den ersten Zug erhalten und ist der Talg im

Troge soweit abgekühlt, dass der Talg am Rande bereits eine dünne Haut

zeigt, so schreitet man zum zweiten Eintauchen und so fort, bis die

Kerzen die gewünschte Stärke erlangt haben. Da die untere Hälfte der

Kerze leichter dicker wird als die obere, so hält man, um diesen

Missstand wieder auszugleichen, nur das untere Stück in den Talgtrog,

damit der überflüssige Talg wieder abschmelze. Der Talg im Talgtroge

wird von Zeit zu Zeit, um ihn gleichmässig flüssig zu erhalten, mit

einem Stabe umgerührt. Beim letzten Ziehen senkt man die Kerzen etwas

tiefer ein, um dem obersten Theile der Kerze den sogenannten Kragen, d.

h. eine konisch zulaufende Spitze zu geben. Das untere Ende der Kerze,

des in eine unsymmetrische Spitze ausläuft, wird entweder durch

Abschneiden oder durch Abschmelzen auf einer erhitzten, mit

Abflussrinne versehenen kupfernen Platte entfernt.

Die =gegossenen= Kerzen werden wie die Stearinkerzen durch Giessen des

geschmolzenen Talges in eignen Formen erzeugt, in deren Axe der Docht

ausgespannt ist. Der Talg, der zum Giessen der Kerzen dient, ist

gewöhnlich von höherer Qualität als der zum Ziehen angewendete; er ist

härter und sorgfältiger gereinigt. Häufig ist er ein Gemenge von

gleichen Theilen Rinds- und Hammeltalg. Der letztere giebt den Kerzen

Härte. Die =Gussformen= (aus einer Blei-Zinnlegirung) sind den bei der

Stearinkerzenfabrikation üblichen ähnlich und werden in der genügenden

Anzahl in die Löcher des Formtisches eingesteckt. Hierauf wird der an

seinem obern Ende in geschmolzenen Talg eingetauchte Docht mittelst der

Dochtnadel eingezogen; zu dem Ende wird die Nadel durch die untere

Oeffnung der Kerzenform gesteckt, mit dem Häkchen die Dochtschlinge

gefasst, letztere durch die Oeffnung gezogen und das obere Ende des

Dochtes mit einem Stückchen Draht oder einem Holzstifte, welcher quer

über den Rand der Form gelegt wird, festgehalten, wenn nicht, wie es

jetzt gewöhnlich der Fall ist, der Trichter oder die Kapsel der

Giessform in der Mitte mit einem Haken oder einem Vorsprung zum

Festhalten des Dochtes versehen ist; hierauf wird er unten an der

Schlinge etwas angezogen, damit er in der Axe der Form die völlige

Spannung annehme. Nach diesen Vorbereitungen schreitet man zum Giessen

der Kerzen. Während des Erkaltens des Talges zieht sich die Fettmasse

etwas zusammen, in dessen Folge die obere Fläche der gefüllten Form

etwas einsinkt; diese Höhlung wird durch Nachgiessen ausgefüllt. Sind

die Formen mit Kapseln versehen, so erhält die Kerze einen Giesskopf,

welcher die Dichtigkeit des Gusses befördert und das Nachfüllen

überflüssig macht. Ehe der Talg in den Formen völlig erstarrt, zieht

man die Dochte etwas an, um sie gerade zu richten und dadurch genau in

die Mitte der Kerze zu bringen. Nachdem die erkalteten Kerzen aus den

Formen genommen worden sind, werden mittelst eines Messers noch die

Giessköpfe abgeschnitten. -- Mechanische Giessvorrichtungen werden in

neuerer Zeit zum Giessen der Talgkerzen ebenfalls angewendet.

[Sidenote: Paraffinkerzen.]

3) =Paraffin=- und =Belmontinkerzen=. Unter =Belmontin= versteht man das

aus dem Stein- oder Erdöle abgeschiedene Paraffin, während das durch

trockne Destillation des Torfes, der Braunkohle, des Blätterschiefers,

der Bogheadkohle u. s. w. gewonnene =Paraffin= diesen Namen [Greek: kat'

exochên] erhält. Die =Paraffinkerzen= werden genau nach demselben

Verfahren und mit den nämlichen Apparaten fabricirt wie die

Stearinkerzen. Das in den Paraffinkerzenfabriken angewendete Material ist

ein Gemenge verschiedener Paraffine mit verschiedenem Schmelzpunkte;

Paraffin

aus Bogheadkohle schmilzt bei 45,5 bis 52°

" Braunkohle " " 56°

" Torf " " 46,7°,

dagegen Belmontin

aus Rangoontheer schmilzt erst bei 61°

" Ozokerit " " " 65,5°.

In den deutschen Fabriken, in denen man mit wenigen Ausnahmen Paraffin

aus Braunkohle und Torf mit einem Schmelzpunkt von 45-53° verarbeitet,

setzt man zur Erhöhung des Schmelzpunktes allgemein Stearinsäure zu.

Die Grösse dieses Zusatzes richtet sich nach dem Schmelzpunkt des zur

Verfügung gestellten Paraffins, nach der Sorte der herzustellenden

Kerzen und nach der Jahreszeit. Einige Fabriken verwenden für die im

Sommer zu brennenden Kerzen Paraffin von höherem Schmelzpunkt und geben

einen grösseren Zusatz von Stearinsäure, während sie für die

Winterkerzen die Paraffinsorten mit niedrigerem Schmelzpunkt verwenden

und wenig Stearinsäure nur zusetzen. Der Zusatz der Stearinsäure

beträgt 3-15 Proc., während andererseits die Masse zu den Stearinkerzen

häufig mit 15-20 Proc. Paraffin versetzt ist, sodass thatsächlich das

Material zu den Paraffin- und Stearinkerzen heutzutage ein Gemisch von

Paraffin und Stearin, jedoch in verschiedenen Verhältnissen ist. Ein

geringer Zusatz von Stearinsäure dürfte in den meisten

Paraffinkerzenfabriken geboten sein, um das Krummwerden der Kerzen im

Leuchter bei längerem Stehen, welches früher häufig Veranlassung zu

Klagen gegeben hat, zu verhindern. Die Paraffinkerzen werden nur durch

Giessen, nie durch Ziehen dargestellt. Hierbei begegnet man dem

Uebelstande, dass die Kerzen schwierig aus den Formen gehen und nicht

leicht gleichmässig durchsichtig und frei von Sprüngen, welche von der

Krystallisation des Paraffins herrühren, zu erhalten sind. Um diesen

Uebelstand zu beseitigen, wird das geschmolzene Paraffin bei einer

Temperatur von ungefähr 60° C. in die Formen gegossen, welche bis zu

derselben Temperatur oder besser noch etwas stärker (bis auf 70° C.)

erwärmt sind. Die gefüllten Formen lässt man einige Minuten lang stehen

und taucht sie dann in kaltes Wasser. Die dadurch bewirkte plötzliche

Abkühlung des Paraffins verhindert die Krystallisation desselben und

man erhält durchscheinende Kerzen, die leicht aus den Formen gehen. Für

die Paraffinkerzen werden ebenfalls geflochtene Baumwolldochte benutzt,

welche vorher mit Borsäure imprägnirt wurden. Zur Darstellung

=schwarzer= Paraffinkerzen, wie sie zuweilen bei Trauerfesten und

Begräbnissen verwendet werden, erwärmt man das Paraffin fast bis zum

Kochen, thut einige Anacardiumschalen hinein und lässt diese einige

Zeit lang darin liegen. Das Paraffin löst dabei das in den Schalen

enthaltene Harz auf und bekommt dadurch eine dunkelbraune Farbe, die

nach Abkühlung der Masse schwarz wie Steinkohle wird. Diese schwarzen

Kerzen brennen ohne Dampf und Geruch, wenn sie einen dünnen Docht

haben, den überhaupt alle Paraffinlichter haben müssen. Die sogenannten

=Apollo=- oder =Melanylkerzen= (vergl. Seite 698) bestehen aus einem

Gemenge von Stearin (einem Gemisch von Palmitin- und Stearinsäure) mit

weichem (bei 43° schmelzendem) Paraffin.

[Sidenote: Kerzen aus Fettsäure.]

Als ein beachtenswertes Kerzenmaterial, welches besonders dazu

verwendet werden könnte, den Paraffinkerzen und Kerzen aus anderem

Material einen höheren Schmelzpunkt zu ertheilen, ist die =Fettsäure=

(Sebacylsäure C_{10}H_{18}O_{4}) zu nennen, welche man bei der

trockenen Destillation der Oelsäure oder besser noch beim Behandeln von

Ricinusöl mit höchst concentrirter Natronlauge erhält. Im letzteren

Falle ist es die darin enthaltene Ricinusölsäure, welche die Fettsäure

liefert:

Ricinusölsäure C_{18}H_{34}O_{3} = 298 }

Natronlauge 2NaOH = 80 } geben

---

378

{ Fettsaures Natrium C_{10}H_{16}Na_{2}O_{4} = 246

{ (= 184 Fettsäure)

{ Caprylalkohol C_{8}H_{18}O = 130

{ Wasserstoff H_{2} = 2

---

378

Nach diesem Schema würden 100 Th. Ricinusölsäure über 81 Th. Fettsäure

liefern. Ohne Zweifel ist die Fettsäure auch in den Produkten der

Destillation der durch Schwefelsäure gebildeten Fettsubstanzen

enthalten, wo sie aus der Oelsäure sich gebildet hat. Der hohe

Schmelzpunkt der Fettsäure (bei 127°) und ihre leichte Verbrennlichkeit

machen sie besonders geeignet zum Versatz leicht schmelzbarer Kerzen,

insbesondere der aus weichem Paraffin (bei 43° schmelzend), nicht nur

um ihren Schmelzpunkt zu erhöhen, sondern auch, um ihnen Härte und ein

glänzendes Ansehen zu geben. Da die Fettsäure ferner die

Krystallisation der Stearinsäure verhindert, so kann sie zweckmässig

den zu weichen und leicht krystallisirenden Produkten der Destillation

der Fettsubstanzen beigemischt werden. Ein Zusatz von 1-5 Proc.

Fettsäure ertheilt diesen Produkten Wachshärte. Die gleichzeitige

Bildung von Caprylalkohol, der zur Lack- und Firnissfabrikation benutzt

werden kann, erhöht noch die industrielle Bedeutung der Fettsäure.

[Sidenote: Wachskerzen.]

4) =Wachskerzen.= Das =Wachs=, dessen sich die Bienen zum Bau der Zellen

und Vorrathskammern für den Honig bedienen, wird von dem Körper der

Arbeitsbienen unter den schuppigen Ringen, welche den unteren Hintertheil

ihres Körpers bilden, in Gestalt kleiner Tröpfchen abgesondert, welche

sehr bald zu kleinen Wachsschuppen erhärten. Der lange Zeit gehegten

Ansicht entgegen, hat es sich nach den Beobachtungen von =J. Hunter= und

=Fr. Huber= herausgestellt, dass der von den Bienen eingetragene

wachshaltige Blütenstaub ausschliesslich zur Nahrung der jungen Brut

dient und das Wachs ein Produkt des Thierkörpers und zwar ein

Umwandlungsprodukt des Zuckers ist. Um das Wachs zu gewinnen, nimmt man

nach dem Tödten oder Austreiben der Bienen aus dem Bienenstocke die Waben

heraus, entfernt daraus den Honig durch freiwilliges Ausfliessenlassen

und durch Auspressen. Durch Auspressen in heissem Wasser und langsames

ruhiges Erkaltenlassen erhält man die gelben Wachsscheiben, welche in dem

Handel vorkommen, nachdem die untere unreine Schicht abgeschabt worden

ist.

Das durch Ausschmelzen der Waben erhaltene Wachs besitzt durchgängig

eine mehr oder minder gelbe Farbe. Das gelbe Wachs ist bei gewöhnlicher

Temperatur knetbar, wird bei niederer Temperatur spröde, hat einen

körnigen Bruch, ein spec. Gewicht von 0,962 bis 0,967 und schmilzt

zwischen 60 und 62°. Der körnige Bruch des Wachses, eine Folge der in

dem gelben Wachse vorhandenen Unreinigkeiten, sowie die gelbe Farbe

sind für die Fabrikation der Wachskerzen ein unangenehmer Umstand und

schon des Ansehens wegen zu entfernen. Dies geschieht durch das

=Bleichen=. Das Wachs wird zunächst geläutert und zu dem Ende in einen

verzinnten Kupferkessel, in welchem zuerst eine Portion Wasser bis zum

Sieden erhitzt worden ist, unter Zusatz von 0,25 Proc. Alaun oder

Weinstein oder Schwefelsäure unter kräftigem Umrühren umgeschmolzen.

Nach einigen Minuten Ruhe lässt man das Wachs nebst dem Wasser in einen

Bottich fliessen. Hier lässt man die Unreinigkeiten sich absetzen;

damit das Wachs nicht erstarre, setzt man einen Deckel auf den Bottich

und umgiebt letzteren mit Wolldecken. So gereinigt, wird das Wachs auf

der =Bändermaschine= in dünne Bänder verwandelt, damit in Folge der

vergrösserten Oberfläche beim Bleichprocess Luft und Licht besser

einzuwirken vermögen. Die Bänder kommen auf den Bleichplan auf in

Rahmen gespannte Leinwand, wo sie unter zeitweiligem Umrühren der Luft

und der Einwirkung der Sonne ausgesetzt bleiben, bis keine Abnahme der

Färbung mehr zu bemerken ist, worauf man, um auch den Kern zu bleichen,

die Bänder umschmilzt, das Wachs nochmals bändert, die Bänder von Neuem

bleicht und diese Operation wiederholt, bis die Bänder auch im Innern

vollkommen gebleicht erscheinen. Das Bleichen nimmt je nach der

Wachssorte und der Gunst der Witterungsverhältnisse eine Zeit von 20-35

Tagen in Anspruch. Der Gewichtsverlust dabei macht 2-10 Proc. aus. Nach

dem vollständigen Bleichen wird das Wachs geschmolzen, durch ein

seidenes Sieb gegeben und entweder in grössere Blöcke oder zu runden

Täfelchen geformt. Was die =künstliche Bleichung= des Wachses betrifft,

so fehlt es nicht an zahlreichen Vorschlägen, die indessen sämmtlich

mehr oder weniger zu wünschen übrig lassen. Die Anwendung des Chlores

und des Chlorkalkes zum Wachsbleichen hat den Uebelstand, dass feste

und spröde gechlorte Produkte sich bilden, die dem Wachse beigemengt

bleiben und bei der Verbrennung der daraus gefertigten Kerzen zur

Bildung von Salzsäure Anlass geben. Durch Ozonisiren lässt sich der

farbegebende Körper aus dem Wachse leicht entfernen, so unter Anderem

dadurch, dass man Wachs mit etwas Terpentinöl zusammenschmilzt und dann

nach dem Bändern der Luft aussetzt; die Bleichung geht schnell und

vollständig vor sich; das Terpentinöl wird durch längere Zeit

fortgesetztes Schmelzen des Wachses entfernt. Nach dem Vorschlage von

=Solly= mischt man zu dem geschmolzenen Wachse eine kleine Menge

Schwefelsäure, die mit der doppelten Menge Wasser verdünnt ist, und

einige Stücken Chilisalpeter, wo durch die sich entwickelnde

Salpetersäure die färbende Substanz des Wachses in kurzer Zeit zerstört

wird. Beachtenswerth ist der Vorschlag =Watson='s, Wachs mittelst

übermangansauren Kalis und Schwefelsäure, und der =A. Smith='s, mit

Hülfe von chromsauren Kali und Schwefelsäure zu bleichen. Die

=chemischen Eigenschaften= des Wachses betreffend, so beobachtete

zuerst =John=, dass es ein Gemenge zweier Stoffe sei, die sich durch

ihre Löslichkeit in Alkohol von einander unterscheiden: der eine, in

siedendem Alkohol lösliche, bildet die =Cerotinsäure= C_{27}H_{54}O_{2}

(früher =Cerin= genannt), der andere, in Alkohol wenig lösliche Stoff

ist unter dem Namen =Myricin= bekannt und besteht nach =Brodie= aus

=palmitinsaurem Myricil= C_{46}H_{92}O_{2} =

C_{16}H_{31}(C_{30}H_{61})O_{2}. Ausser diesen beiden Körpern enthält

das Bienenwachs noch 4-5 Proc. eines bei 28° schmelzenden Körpers, das

=Ceroleïn=, welchem das Wachs seine Fettigkeit verdankt. Die

Verhältnisse der Cerotinsäure und des Myricins variiren beträchtlich im

Bienenwachse. Aus der Verschiedenheit der Mengenverhältnisse der beiden

Wachsbestandtheile erklärt sich der bei den einzelnen Wachssorten

beobachtete verschiedene Schmelzpunkt.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 126 / 167 题