I. _Anilinfarben._

[Sidenote: Anilinfarben.]

Aus dem Anilinöl stellt man nun fabrikmässig die =Anilinfarben=

(Toluidinfarben) dar, von denen bis jetzt folgende erhalten wurden:

1) Anilinroth, 5) Anilingelb und Anilinorange,

2) Anilinviolett, 6) Anilinbraun,

3) Anilinblau, 7) Anilinschwarz.

4) Anilingrün,

[Sidenote: Anilinroth.]

1. Das =Anilinroth= oder =Fuchsin= (auch unter den Bezeichnungen Azaleïn,

Mauve, Solferino, Magenta, Roseïn, Tyralin etc. vorkommend) ist die

Verbindung einer Base, die von =A. W. Hofmann= mit dem Namen =Rosanilin=

bezeichnet wurde, mit einer Säure, gewöhnlich mit Essigsäure und

Salzsäure[161]. Die Base selbst ist ungefärbt, ihre Salze dagegen, welche

sämmtlich leicht krystallisiren, gefärbt. Ihre Zusammensetzung wird durch

die Formel C_{20}H_{19}N_{3}, H_{2}O ausgedrückt. Sie ist auf die Weise

entstanden, dass 2 At. Toluidin sich mit 1 At. Anilin unter Austritt von

4 At. H, welche oxydirt werden, vereinigen (2C_{7}H_{9}N + C_{6}H_{7}N +

3O = 2H_{2}O + C_{20}H_{19}N_{3}, H_{2}O). Die Constitution des

Rosanilins wäre demnach (C_{6}H_{4} / 2C_{7}H_{6} / H_{3})} N_{3} =

C_{20}H_{19}N_{3}. Nach den Untersuchungen =Rosenstiehls= (1869)

findet sich in allen Fuchsinsorten des Handels die mit Rosanilin isomere

Base, das =Pseudorosanilin=.

[161] In Deutschland und in der Schweiz ist das Fuchsin das =salzsaure=

Salz des Rosanilins C_{20}H_{19}N_{3}, ClH, in England gewöhnlich

das =essigsaure=, von der Formel C_{20}H_{19}N_{3},

C_{2}H_{4}O_{2}.

Das Anilinroth kann aus dem Anilinöl auf verschiedene Weise sich bilden,

so mit Zinnchlorid (nach =Verguin=), mit Kohlensuperchlorid (=Hofmann=

und =Natanson=), mit salpetersaurem Quecksilberoxyd

(=Gerber-Keller=)[162], mit Quecksilberchlorid (=Schnitzer=), mit

Salpetersäure (=Lauth= und =Depoully=), mit Antimonsäure (=Smith=), mit

Arsensäure (=Medlock=, =Girard= und =de Laire=), mit Anilinöl,

Nitrotoluol, Salzsäure und metallischem Eisen (=Coupier=). Aus 100 Th.

Anilinöl erhält man 25 bis 33 Th. an krystallisirtem Fuchsin.

[162] Das mit salpetersaurem Quecksilberoxyd bereitete Fuchsin wird in

der Seidenfärberei und zum Färben von Liqueuren und

Conditoreiwaaren unter dem Namen =Rubin= vielfach verwendet.

Man hat meist dem =Arsensäureverfahren= den Vorzug gegeben, trotzdem,

dass die arsenhaltigen Rückstände für den Fabrikanten eine Quelle von

Unannehmlichkeiten der ärgsten Art werden. Nach dem Verfahren von

=Girard= und =Delaire= erwärmt man 1 Ctr. Anilinöl mit 2 Ctr.

Arsensäurehydrat von 60° B. (= 1,71 spec. Gewicht) 4-5 Stunden lang bei

einer Temperatur, die 190-200° nicht übersteigen darf. Die sich hierbei

bildende rothe Masse (die Fuchsinschmelze) wird in kleine Stücke

zerschlagen, mit Wasser ausgekocht und sobald die Lösung vor sich

gegangen ist, durch Filze oder Leinenbeutel in Krystallisirgefässe

filtrirt. Nach 2-3 Tagen leitet man die über den Krystallen stehende

Mutterlauge in Gruben, welche mit Sandstein ausgelegt und innen

getheert sind, und schlägt die darin befindliche Arsensäure und

arsenige Säure mit einer Mischung aus Schlämmkreide und Kalkhydrat

nieder. Der Kalkniederschlag wird auf Arsenpräparate verarbeitet[163].

Die auskrystallisirte Masse wird durch Umkrystallisiren gereinigt. In

den französischen Fabriken löst man die Fuchsinschmelze in Salzsäure

und Wasser auf und neutralisirt mit Soda. Hierbei scheidet sich fast

alles Fuchsin in Form eines aus krystallinischen Blättchen bestehenden

Kuchens aus, der durch Auskochen in Wasser gelöst und dann zum

Krystallisiren gebracht wird. Das so erhaltene Fuchsin ist stets

arsenhaltig. Handelt es sich daher um das Färben von Spirituosen und

Conditorwaaren, so ist ein Rosanilinsalz zu verwenden, welches mittelst

Chlorkohlenstoff oder Quecksilberchlorid dargestellt wurde. Die =Salze

des Rosanilins= zeigen meist im reflectirten Lichte den grünen

metallischen Glanz gewisser Käferflügeldecken, während sie in

durchfallendem Lichte roth erscheinen. Das salzsaure Salz heisst

vorzugsweise =Fuchsin=, das essigsaure =Roseïn=, das salpetersaure

=Azaleïn=. Ihre Lösungen in Wasser oder Alkohol besitzen die bekannte

prächtig carminrothe Farbe. Sie sind von äusserst grosser Färbekraft; 1

Kilogr. Fuchsin reicht hin zum Färben von 200 Kilogr. Wolle. Das

=gerbsaure= Rosanilin ist in Wasser schwer löslich. Das Fuchsin ist

die Grundlage fast aller übrigen Anilinfarben, so giebt Fuchsin mit

Anilinöl Violett oder Blau, Fuchsin mit Jodäthyl Blau oder Violett u.

s. w. Die Wirkungsweise der Arsensäure bei der Rosanilinbildung lässt

sich auf folgende Weise vorstellen:

(C_{6}H_{7}N / 2C_{7}H_{9}N) } = C_{20}H_{25}N_{3} + 3As_{2}O_{5}

Anilinöl. Arsensäure.

= C_{20}H_{19}N_{3} + 3As_{2}O_{3} + 3H_{2}O.

Rosanilin. Arsenige Wasser.

Säure.

[163] Nach =Bolley= kann man die bei der Fuchsinbereitung fallenden

arsenhaltigen Flüssigkeiten durch Destillation mit Salzsäure

wieder nutzbar machen. Verdünnt man das Chlorarsen enthaltende

Destillat mit Wasser, so fällt arsenige Säure heraus. -- Ein

Chemnitzer Anilinfabrikant sendet die arsenhaltigen Rückstände

auf die Arsenhütte nach Schwarzenberg, wo sie auf Arsen

verarbeitet werden.

[Sidenote: Anilinviolett.]

2. Das =Anilinviolett= oder der =Anilinpurpur= (Anileïn, Indisin,

Phenameïn, Harmalin, Violin, Rosolan, Mauveïn) wurde am 26. August 1856

von =W. H. Perkins= in London entdeckt und aus dem Anilinöl mittelst

Kaliumbichromat und Schwefelsäure dargestellt. Später wurde es auch auf

andere Weise erhalten, so durch Behandeln eines Anilinsalzes mit

Chlorkalklösung (=Bolley=, =Beale= und =Kirkham=), mit Mangansuperoxyd

(=Kay=) oder Bleisuperoxyd (=Price=) bei Gegenwart von Schwefelsäure, mit

Kaliumpermanganat (=Williams=), mit Ferridcyankalium (=Smith=), mit Chlor

(=Smith=), mit Kupferchlorid (=Caro= und =Dale=) u. s. w. Von all' diesen

Vorschlägen hat nur der mit Kaliumbichromat industrielle Wichtigkeit

erlangt.

Das nach diesem Verfahren erhaltene Violett hat zur Base das =Mauveïn=

C_{27}H_{24}N. Von dem vorstehenden Anilinviolett ist verschieden das

von =Girard= und =de Laire= erhaltene _Violet Imperial_, welches man

durch Einwirkenlassen von Kaliumchromat auf ein Gemenge von Anilinöl

und salzsaurem Rosanilin bei 180° erhält. Ein anderes Violett wird nach

=Nicholson= durch Erhitzen von Fuchsin bis auf 200-215° erhalten. Auch

beim Erhitzen eines Rosanilinsalzes mit überschüssigem Anilin

entstehen, ehe Anilinblau sich bildet, violette Farben, von denen (nach

=Hofmann=)

die rothviolette Monophenyl-Rosanilin,

" blauviolette Diphenyl-Rosanilin

ist; letztere Verbindung geht bei weiterem Erhitzen in

Triphenyl-Rosanilin = Anilinblau über. Demnach ist

Rosanilin roth C_{20}H_{21}N_{3}O

Monophenyl-Rosanilin rothviolett C_{20}H_{20}(C_{6}H_{5})N_{3}O

Diphenyl-Rosanilin blauviolett C_{20}H_{19}(C_{6}H_{5})_{2}N_{3}O

Triphenyl-Rosanilin blau C_{20}H_{18}(C_{6}H_{5})_{3}N_{3}O

Vorstehendes Violett führt gegenwärtig den Namen =altes Violett= oder

_Violet nonpareil_. Ausser diesem giebt es nun noch die sogenannten

=Neu=- oder =Jodviolette= (=Hofmann's Violette= oder =Dahliafarben=),

welche sich von den vorigen dadurch unterscheiden, dass in ihren Basen

nicht das Phenyl, sondern die Alkoholradikale Aethyl, Methyl und Amyl die

Substituirung vollführen. Man erhält sie, indem man Fuchsin in

geschlossenen Cylindern mit den =Jodüren= (neuerdings jedoch meist den

Bromüren) der Alkoholradikale und etwas Alkohol als Lösungsmittel auf

100-110° C. erhitzt, wobei je nach der Dauer der Einwirkung

Monäthyl-Rosanilin

Diäthyl-Rosanilin

oder Triäthyl-Rosanilin

sich bildet. Die höchst äthylirte Base ist blauviolett, die minder

äthylirten zeigen röthliche Nüancen. Die methylirten und äthylirten

Violette haben vor den mit Phenyl substituirten eine grössere Brillanz

voraus. Das von =Poirrier= und =Chappat= eingeführte _Violet de Paris_

ist das Produkt der Einwirkung von Zinnchlorid und ähnlichen Agentien auf

Methyl- oder Aethyl-Anilin.

[Sidenote: Anilinblau.]

3. Das =Anilinblau= (Azulin, Azurin) wurde am 2. Januar 1861 von =de

Laire= und =Girard= erhalten, indem sie ein Gemenge von Fuchsin mit

Anilinöl einige Stunden lang erhitzten und das Produkt mit Salzsäure

aufnahmen. Das so erhaltene Blau ist unter dem Namen _Bleu de Paris_ oder

_Bleu de Lyon_ in den Handel gekommen. Es erscheint im trocknen Zustande

kupferglänzend, ohne die Beimischung von grün oder gelb, welche das

Fuchsin und das Anilinviolett charakterisirt. Um das Anilinblau zu

reinigen, löst man es in concentrirter Schwefelsäure und digerirt die

Lösung 1-1/2 Stunden lang bei 150° C. Durch Zusatz von Wasser wird das

Blau aus der Lösung in modificirter und in Wasser löslicher Form

abgeschieden. Letzteres heisst _Bleu soluble_. Unter den Bildungsweisen

des Anilinblau auf anderen Wegen sei angeführt die aus Rosanilin und

Aldehyd (=Lauth=), aus Rosanilin und rohem Holzgeist (=E. Kopp=), aus

Rosanilin und alkalischer Schellacklösung (nach =Gros-Renaud= und

=Schäffer=), wodurch das sogenannte _Bleu de Mulhouse_ sich bildet,

ferner durch Oxydation von Methylanilin (=J. Wolff=), aus Rosanilin und

bromirtem Terpentinöl (=Perkins=), aus Rosanilin und Isopropyljodid

(=Wanklyn=), aus Rosanilin und Aethylenjodid und -bromid (=M. Vogel=),

aus Rosanilin und Jod- und Bromaceton (=Smith= und =Sieberg=).

Die Umwandelung des salzsauren Rosanilins (Fuchsins) durch Erhitzen mit

Anilinöl in Anilinblau geht nach folgender Gleichung vor sich:

C_{20}H_{19}N_{3}, ClH + 3C_{6}H_{7}N =

Rosanilinsalz. Anilin.

C_{20}H_{16}(C_{6}H_{5})_{3}N_{3}, HCl + 3NH_{3}

Anilinblau. Ammoniak.

Das mit Rosanilin und Anilinöl dargestellte Anilinblau ist Rosanilin

(C_{6}H_{4} / 2C_{7}H_{6} / H_{3})} N_{3}, in welchem die 3 At.

basischen Wasserstoffs durch 3 At. Phenyl C_{6}H_{5} ersetzt wurden,

mithin Triphenyl-Rosanilin, dessen salzsaure Verbindung die Formel hat

C_{38}H_{32}N_{4}Cl. Erhitzt man ein Rosanilinsalz mit Toluidin, so

erhält man das analoge =Toluidinblau= (Tritolyl-Rosanilin)

C_{41}H_{37}N_{3} = C_{20}H_{16}(C_{7}H_{7})_{3}N_{3}. Erhitzt man

Anilinblau, so findet sich unter den Produkten der trocknen

Destillation =Diphenylamin= C_{12}H_{11}N, weisse Krystalle bildend,

welche mit Salpetersäure übergossen sich prachtvoll blau färben. Das

Diphenylamin und seine Homologen, namentlich das Phenyltolylamin

C_{13}H_{13}N, welches bei der trocknen Destillation des sogenannten

=Bleuin= C_{39}H_{33}N_{3} sich bildet, wendet man seit einiger Zeit

zur Darstellung von neuen Blauvarietäten an. =A. W. Hofmann= fand,

dass, wenn man, wie oben bemerkt, Rosanilin mit Jodäthyl oder Jodamyl

längere Zeit erhitzt, sich als höchst äthylirtes oder amylirtes Produkt

(Triäthyl-Rosanilin oder Triamyl-Rosanilin) Anilinblau (Jodblau)

bildet. Auch durch Einschieben von Naphtyl in Fuchsin lässt sich (nach

=J. Wolff=) prächtiges Blau (=Naphtylblau=) erhalten. -- Eine Sorte

Anilinblau, welche bei künstlichem wie bei Tageslichte rein blau

erscheint, heisst _Bleu de lumière_ oder _Bleu de nuit_, eine andere

ins Violette schimmernde Nüance _Bleu de Parme_.

[Sidenote: Anilingrün.]

4. Das =Anilingrün= existirt in zwei verschiedenen Varietäten, nämlich

als Aldehydgrün und als Jodgrün. Das =Aldehydgrün= (Emeraldin) wurde im

Jahre 1863 von =Cherpin= (Chemiker in der Fabrik von =Usèbe= zu

Saint-Ouen) durch Behandeln einer mit Schwefelsäure versetzten Lösung von

schwefelsaurem Rosanilin mit Aldehyd, wobei man vorsichtig erhitzt, bis

die Lösung eine dunkelgrüne Farbe angenommen hat, erhalten. Das

Aldehydgrün ist schwefelhaltig. Nach =A. W. Hofmann= ist seine

Zusammensetzung der Formel C_{22}H_{27}N_{3}S_{2}O entsprechend. Dann

setzt man Natriumhyposulfit hinzu und kocht einige Minuten. Alles Grün

bleibt in Lösung und dient so zum Färben der Seide. Das Natriumhyposulfit

kann durch Schwefelammon oder durch Schwefelwasserstoff ersetzt werden.

Durch ein Gemenge von Kochsalz und Natriumcarbonat kann die grüne Farbe

aus der Lösung gefällt werden. Sie wird in einer Mischung von 2 Th.

Schwefelsäure und 50-70 Th. Alkohol gelöst. Das Anilingrün ist von

prächtiger Nüance, besonders bei Kerzenlicht, wodurch es sich von jedem

anderen Grün vortheilhaft unterscheidet. Die zweite Art Anilingrün ist

das 1863 von =A. W. Hofmann= entdeckte =Jodgrün= (_vert à l'iode_),

welches als Nebenprodukt bei der Fabrikation der durch Methylirung und

Aethylirung aus dem Rosanilin gebildeten violetten Farbstoffe (=Hofmann's

Violett=) entsteht.

Man erhält es auf folgende Weise: 1 Th. essigsaures Rosanilin, 2 Th.

Jodmethyl und 2 Th. Methylalkohol erhitzt man unter hohem Drucke

mehrere Stunden lang. Nach beendigtem Erhitzen hat man ein Gemenge

violetter und grüner Farbstoffe in Methylalkohol gelöst. Nachdem die

flüchtigen Produkte durch Destillation entfernt sind, bringt man das

Gemisch der Farbstoffe in eine grosse Menge siedenden Wassers. Das Grün

löst sich vollständig, die violetten Farbstoffe bleiben ungelöst. Das

Grün wird aus der Lösung durch eine kaltgesättigte Lösung von

Pikrinsäure in Wasser gefällt. Das Pikrat des Jodgrüns wird auf einem

Filter gesammelt, flüchtig mit Wasser gewaschen und nach dem Abdampfen

_en pâte_ in den Handel gebracht. Im krystallisirten Zustande hat das

(pikrinsäurefreie) Jodgrün die Formel C_{25}H_{33}N_{3}OJ_{2}.

[Sidenote: Anilingelb.]

5. =Anilingelb= und =Anilinorange=. Bei der Darstellung von rothen Farben

aus Anilinöl entsteht neben Fuchsin stets ein harzähnlicher Körper, aus

welchem =Nicholson= einen prächtigen gelben Farbstoff, das =Anilingelb=,

=Anilinorange=, =Aurin= oder =salzsaures Chrysanilin= isolirte, welcher

Wolle und Seide schön gelb färbt. Das Chrysanilin ist eine Base und hat

die Formel C_{20}H_{17}N_{3}. Das interessanteste Salz derselben ist das

Nitrat, welches unlöslich ist in Wasser. Die Darstellung des

Chrysanilingelbes ist höchst einfach. Der Rückstand von der Bereitung des

Fuchsins wird mit Wasserdämpfen behandelt; sobald sich eine gewisse Menge

von Base gelöst hat, fällt man das Chrysanilin mittelst Salpetersäure.

=Schiff= erhielt Anilingelb durch Einwirkenlassen von Antimonsäure- oder

Zinnsäurehydrat auf Anilin, =M. Vogel= durch die Einwirkung von

salpetriger Säure auf eine alkoholische Lösung von Rosanilin. Letzteres

Anilingelb hat die Formel C_{20}H_{19}N_{2}O_{6} und ist in Alkohol,

nicht in Wasser löslich.

[Sidenote: Anilinschwarz und Anilinbraun.]

6. Das =Anilinschwarz= C_{6}H_{7}NO_{6} (ein dunkles Anilingrün,

entstanden durch die Einwirkung oxydirender Agentien auf Anilinöl), von

J. von =Fritzsche= bereits im Jahre 1843 wahrgenommen, wurde früher aus

den Rückständen von der Bereitung von Anilinviolett mit Kaliumbichromat

dargestellt, gegenwärtig aber erhalten durch Einwirkenlassen von

Kaliumchlorat und Kupferchlorid auf salzsaures Anilin (=Lightfoot=). Wie

=Cordillot= nachgewiesen, kann das chlorsaure Kali und das Kupferchlorid

durch Ferridcyanammonium, oder nach =Lauth= durch frischgefälltes

Schwefelkupfer ersetzt werden. Letzteres wirkt nach =Bolley=, indem es

sich zu Kupfervitriol oxydirt und zugleich Sauerstoff auf das Anilin

überträgt. Das nach letzterem Verfahren erhaltene Schwarz, welches seiner

Unlöslichkeit wegen auf dem zu färbenden Stoffe selbst erzeugt werden

muss, ist auch =schwarzer Indig= oder =Indigschwarz=, genannt worden. Ein

neueres Anilinschwarz ist das =Lukasschwarz= (Peterson's Schwarz), dessen

werthvollste Eigenschaft darin besteht, dass es bereits Farbe ist und zu

seiner Entwickelung nur noch schwach oxydirt zu werden braucht. Es ist

eine schwarze flüssige Masse aus salzsaurem Anilin und essigsaurem Kupfer

bestehend, die mit Kleister vermischt aufgedruckt wird. Das Schwarz

oxydirt sich von selbst an der Luft; die Oxydation wird aber

beschleunigt, wenn man die Stoffe in einem feuchten Raume bei 40°

aufhängt. Man verwendet das Anilinschwarz in der Färberei und

Zeugdruckerei.

7. Das =Anilinbraun= (Havannabraun) stellt man nach =de Laire= durch

Erhitzen eines Gemenges von Anilinviolett oder Anilinblau mit

salzsaurem Anilin bis auf 240° C. dar, bis die Farbe der Mischung in

Braun übergeht. Das so erhaltene Braun ist in Wasser, Alkohol und

Säuren löslich und kann unmittelbar zum Färben benutzt werden.

Gewöhnlich ist das, was der Färber unter dem Namen Anilinbraun erhält,

zu hoch erhitzte (verbrannte) Fuchsinschmelze. Ein anderes Anilinbraun

(=Bismarckbraun=) gewinnt man durch Schmelzen von Fuchsin mit

salzsaurem Anilin.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 113 / 167 题