II. _Die Alaun- oder Weissgerberei._

[Sidenote: Alaungerberei.]

Die =Alaun-= oder =Weissgerberei= umfasst denjenigen Theil der

Gesammtgerberei, welcher sich hauptsächlich gewisser Thonerdesalze zur

Ueberführung der Haut in Leder bedient, das in diesem Falle =alaun-= oder

=weissgares Leder= genannt wird.

Man unterscheidet drei Modificationen der Weissgerberei, nämlich: 1)

die =gemeine Weissgerberei=, welche nur schwache Häute, wie

Hammelfelle, Ziegenfelle und Schaffelle verarbeitet, dieselben erst in

Kalkäscher vorbereitet und dann mit Alaun und Kochsalz (mit Gerbesalz)

weissgar macht, ohne sie hierauf mit Fett zu tränken; 2) durch die

=ungarische Weissgerberei= werden starke Häute (Ochsen- und

Büffelhäute, Kuh- und Rosshäute) zu Sattler- und Riemerarbeit, ohne sie

vorher mit Kalk zu behandeln, weissgar gemacht und dann mit Fett

getränkt. An die ungarische Weissgerberei schliesst sich die Bereitung

des =Klemm='schen =Fettleders= an; 3) die =französische= oder =Erlanger

Weissgerberei=, welche Felle von jungen Ziegen (Kitzen), jungen Kälbern

(Kalbkid) und Lämmern, seltener Gemsenfelle, nach einem eigenthümlichen

Verfahren zu Handschuhleder, sowie zu Leder zu Galanterieschuhwaaren

gar macht. An diese Methode des Weissgerbeverfahrens schliesst sich 4)

die Lederbereitung mit =unlöslichen Seifen= nach dem Vorschlage von

=Knapp= an.

[Sidenote: Gemeine Weissgerberei.]

1) Die =gemeine Weissgerberei= verarbeitet Schaf- oder Hammel- und

Ziegenfelle, welche dem Gerber entweder mit der Wolle oder bereits

geschoren überliefert werden. Im ersten Falle sind bei der Behandlung der

Felle besondere Rücksichten durch den Werth der Wolle geboten, da häufig

der Gewinn des Gerbens mehr in dem Verkauf der Wolle (=Gerberwolle=,

=Raufwolle=), als in dem des weissgaren Leders besteht. Die weisse Farbe,

grosse Weichheit und zarte Narbe, welche man vom weissgaren Leder

verlangt, führen grosse Sorgfalt bei den vorbereitenden Operationen mit

sich, welche ausserdem mit den bei der Lohgerberei beschriebenen

zusammenfallen.

Das =Einweichen= und =Ausstreichen= der Felle geschieht wie in der

Lohgerberei und zwar letzteres ebenfalls mit einem Streichmesser. Der

Arbeiter legt einen Decher (Corruption von Decuria, 10 Stück) über den

Streichbaum übereinander, und streicht ein Fell nach dem anderen auf

der Fleischseite, die Schaffelle behufs des Reinigens der Wolle auch

auf der Narbenseite aus, bis er zum letzten Fell gelangt, welches als

unmittelbar auf dem Streichbaum liegend leicht verletzt werden könnte

und deshalb auf den nächsten Decher gebracht wird. Die Felle werden

hierauf =enthaart=; bei mit Haaren versehenen Häuten oder Schafhäuten,

deren Wolle vorher abgeschoren wurde, geschieht das Enthaaren auf

dieselbe Weise wie beim Lohgerben, nur werden die mit Kalkmilch

hinlänglich behandelten Häute auf dem Streichbaum nicht mit dem

Schabeeisen, sondern mit einem kurzen Holzstabe von der Wolle oder den

Haaren befreit. Die noch mit der Wolle versehenen Felle werden, ehe man

sie dem Kalkäscher übergiebt, mittelst des =Anschwödens= enthaart, um

die Wolle als Waare nicht zu entwerthen. Zu dem Ende werden die Felle

mit der Fleischseite nach oben auf der Erde ausgebreitet, mittelst des

Schwödenwedels (eines in Gestalt eines Pinsels zubereiteten

Ochsenschweifes oder eines aus Werg zusammengebundenen Pinsels) mit

einem aus gleichen Theilen Kalk und gesiebter Asche und Wasser

bereiteten Brei bestrichen, darauf der Kopf und die Füsse nach der

Aussenseite zu einwärts gelegt; hierauf wird jedes Fell dergestalt

zusammengeschlagen, dass die Wolle nicht vom Kalk berührt wird und so

8-10 Tage liegen gelassen, bis die Wolle sich löst. Alsdann werden die

Felle auf der Fleischseite und auf der Haarseite rein ausgewaschen, um

sie vom Kalk zu befreien und vom Schmutz zu reinigen, worauf die Wolle

zum Theil abgepflückt, zum Theil aber auch auf dem Streichbaume

abgestossen wird. Die durch das Anschwöden enthaarten Felle werden nun

in den Kalkäscher gepackt und weiter behandelt, wie oben angegeben

worden ist. Um den in den Häuten enthaltenen Teig so vollständig als

möglich zu entfernen, kommen die enthaarten Blössen in den sogenannten

=faulen Aescher=, worunter ein Reservoir verstanden ist, welches von

Zeit zu Zeit aufgerührt ist und in Folge des öfteren Gebrauches

thierische Substanzen in reichlicher Menge enthält, die unter

Mitwirkung des Kalkes sich nach und nach zersetzen und dadurch zur

Ammoniakentwicklung Veranlassung geben. Hierdurch wird ein guter Theil

Fett aus den Häuten entfernt. Nach dem Behandeln im Kalkäscher werden

die Häute im Schabebaum =verglichen=, d. h. es werden die zur

Lederfabrikation unbrauchbaren Stücke wie die Spitzen der Beine und des

Kopfes, die Ohren, die Brustzipfel und der Schwanz behufs der Bereitung

von Leim abgeschnitten. Die verglichenen Häute werden dann eine Nacht

im Wasser eingeweicht, dann auf dem Schabebocke mit einem stumpfen

Streicheisen auf der Fleischseite wie auf der Narbenseite gut

ausgestrichen und geschabt, dann mit einer hölzernen Stosskeule mit

Wasser einige Zeit gewalkt, ausgewaschen und abermals auf dem

Streichblock bearbeitet, wobei zugleich der rückständige Kalk und die

Kalkseife ausgedrückt und die Haare der Häute vollständig entfernt

werden. Um die letzten Mengen des Kalkes zu beseitigen und um die Häute

zu =schwellen=, kommen dieselben in die Kleienbeize, in welcher sie 2-3

Tage bleiben. Dann werden sie herausgenommen, in Wasser gespült,

ausgewunden und unmittelbar zum =Gerben= in die =Gerbebrühe= gebracht.

Auf je einen Decher bereitet man eine Alaunbrühe aus 0,75 Kilogr.

Alaun, 0,30 Kilogr. Kochsalz, 22,5 Liter Wasser. Von dieser heiss

bereiteten Brühe giesst man 1 Liter in einen Waschtrog, lässt sie bis

zur Handwärme abkühlen und zieht ein Fell ein oder zwei Mal durch, bis

die Brühe das Fell überall gleichmässig imprägnirt hat. Nach dem

Herausnehmen schichtet man die Felle auf einander, ohne sie

auszuringen, lässt sie 2-3 Tage so liegen, wodurch sie die Gare

bekommen, ringt sie dann aus und trocknet sie langsam, auf Latten

aufgehängt.

Was die =Theorie der Anwendung der Alaunbrühe= in der Weissgerberei

betrifft, so neigte man sich früher allgemein der Ansicht zu, dass nur

das Chloraluminium darin -- durch Umsetzung der Bestandtheile des

Thonerdesulfates des Alauns und der Bestandtheile des Kochsalzes

entstanden -- wirksam sei, man glaubte, dass ein basisches

Chloraluminium (Aluminiumoxychlorür) mit der Haut sich verbände,

während saure salzsaure Thonerde in der Gerbebrühe zurückbliebe. Die

Sulfate der Alkalien in der Alaunbrühe hielt man für Ballast. Dass

Aluminiumacetat (essigsaure Thonerde) anstatt der Alaunbrühe

angewendet, von guter und schneller Wirkung sei, war ebenfalls bekannt.

Die von =Knapp= _senior_ mit Alaun, Aluminiumacetat und Chloraluminium

angestellten Versuche haben gelehrt, dass bei der Aufnahme des

Aluminiumsalzes durch die Hautfaser keine Zersetzung des Salzes

stattfindet; es wurden durch die Haut aufgenommen

von Alaun 8,5 Proc.

" Aluminiumsulfat 27,9 "

" Chloraluminium 27,3 "

" Aluminiumacetat 23,3 "

Die Thonerdesalze verbinden sich aber keineswegs mit der Haut unter

allen Umständen stets in obigen Verhältnissen, die Erfahrung lehrt im

Gegentheile, dass die Häute aus concentrirten Salzlösungen mehr

aufnehmen als aus verdünnten. Was die Rolle des Kochsalzes bei der

Bereitung der Gerbebrühe betrifft, so ist das Kochsalz keineswegs nur

das Mittel, das Thonerdesulfat des Alauns in Chloraluminium

überzuführen (neuere Versuche von =Knapp= -- 1866 -- haben sogar

gelehrt, dass bei Anwendung von 1 At. Kalialaun und 3 At. oder 37 Proc.

Kochsalz, beide Salze sich =nicht= mit einander umsetzen), sondern es

übt auch einen eigenen und zwar activen Einfluss aus, theils als eine

die Wirkung des Alauns auf dialytischem Wege lebhaft befördernde

Substanz, theils weil es auch als Lösung, gleich dem Alkohol, die

Eigenschaft besitzt, den thierischen Geweben ihren Wassergehalt so weit

zu entziehen, dass die Fasern beim Trocknen nicht mehr zusammenkleben,

und somit bei der Lederbildung mitwirkt.

Die gegerbten Felle schrumpfen beim Trocknen etwas ein und besitzen

eine ziemliche Steifheit, welche ihnen durch die Arbeit des =Stollens=

genommen wird; die Felle werden nämlich über den convexen Theil eines

bogenförmigen Eisens, der =Stolle=, und zwar über die stumpfe Schneide

der Breite nach hinweggezogen, um die Felle auszudehnen und alle Falten

zu beseitigen. Vorher benetzt man sie mit Wasser oder legt sie einige

Tage in den Keller, damit sie während des Stollens nicht zerreissen.

Nach dem Stollen werden sie auf dem =Streichrahmen= oder

=Streichschragen= mit Hülfe der =Streiche= gestrichen und dann sind sie

Waare. Das fertige Leder wird unter der Benennung »=Weissleder=« in

grossen Massen zu ordinärem Schuhfutter und dergl. verwendet.

[Sidenote: Ungarische Weissgerberei.]

2) Die =ungarische Weissgerberei= unterscheidet sich von der gemeinen

Weissgerberei dadurch, dass sie dicke Ochsen-, Büffel-, Kuh- und

Rosshäute zu Sattler- und Riemerarbeit, zuweilen auch Eberhäute und

Farrenhälse für Dreschflegel verarbeitet, die Häute nicht in den Kalk

bringt und sie nach dem Gerben mit Fett tränkt. Die rohen Häute werden

blos =eingeweicht=, bis alles Blut und alle Unreinigkeiten entfernt sind,

und dann =enthaart=; zu dem Ende werden die Häute, sowie sie aus dem

Wasser kommen, mit einem scharfen Putzmesser abgeschoren. Hierauf kommen

sie sofort in die Alaunbrühe, welche für eine Haut von ungefähr 25

Kilogr. Gewicht aus 3 Kilogr. Alaun, 3 Kilogr. Kochsalz und 20 Liter

Wasser bereitet wird. Die Alaunbrühe wird im lauwarmen Zustande in einem

länglich-runden Bottich auf die Felle gegossen, dergestalt, dass die

Narbenseite nach oben gekehrt ist. Ein Arbeiter tritt alsdann mit den

Füssen in dem Bottiche einige Mal auf den Fellen herum, worauf sie acht

Tage lang in der Brühe liegen bleiben. Nach dieser Zeit werden sie

nochmals gut durchgetreten, worauf man das Leder auf Stangen trocknet.

Nach dem Trocknen werden die Häute gereckt und dann mit Fett getränkt. Zu

dem Ende werden die gegerbten Häute auf Stangen über Kohlenfeuer erwärmt,

dann auf einem Tisch ausgebreitet und auf der Fleischseite wie auf der

Narbenseite mit geschmolzenem Talg eingerieben. Jede Haut erhält etwa 3

Kilogr. Talg. Nachdem dreissig Häute so getränkt worden sind, werden sie

einzeln über einem Kohlenfeuer etwa eine Minute lang durch zwei Arbeiter

hin und her gezogen, wodurch das Fett die Häute besser durchdringt,

worauf man sie in der freien Luft, die Fleischseite einwärts gekehrt,

aufhängt. Der Talg verbindet sich (wenigstens zum Theil) mit der Haut.

Das Leder ist nun für die Verwendung fertig. Sein Hauptverbrauch ist zu

ordinärem Pferdegeschirr, der sich in Frankreich so weit ausdehnt, dass

man auch die Geschirre für die Artilleriebespannung daraus fertigt, da

nicht leicht ein zweites Leder so viel Stärke und Zähigkeit besitzt,

und auch nicht leicht ein anderes so rasch und so wohlfeil hergestellt

werden kann.

[Sidenote: Handschuhleder.]

3) Die =französische= oder =Erlanger Weissgerberei= befasst sich nur mit

der Herstellung von Glacéhandschuhleder und von Leder für

Galanterieschuhwaaren. Bei dem Leder für Glacéhandschuhe bleibt die Narbe

der Felle unverändert, während bei waschledernen Handschuhen, welche mit

Thran gegerbt wurden, stets die Narbe der Felle abgenommen ist. Das

alaungare Handschuhleder erheischt, weil es zu Luxusartikeln, den

Glacéhandschuhen, verarbeitet wird, die Eigenschaften des Weissleders in

hohem Grade, da diese Leder, wenn sie weiss bleiben, ein gleichmässiges

Weiss erhalten sollen, und wenn sie gefärbt werden, dieses fast durchweg

mit hellen und delicaten Farben geschieht. Nur durch sorgfältiges

Behandeln der Felle in den vorbereitenden Operationen, durch pedantische

Reinlichkeit, durch Fernhalten von Allem, was Flecke hervorrufen könnte

wie Eichenholz, eisenhaltiges Wasser und dergl. ist man im Stande, diese

Bedingungen zu erfüllen. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die

Handschuhe grosse Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit, dabei möglichste

Haltbarkeit und eine unversehrte Narbe besitzen müssen.

Zu dem besseren Glacéhandschuhleder werden zwei Fellsorten verwendet;

die eine theurere ist das Fell der nur mit Milch ernährten jungen Ziege

(Zickel oder Kitz), die eine wohlfeilere ist das Fell des Lammes. Jedes

dieser Felle liefert im Durchschnitt zwei Paar Handschuhe. Für Leder zu

Galanterieschuhwaaren verwendet man die Felle junger Kälber (sogenannte

=Kalbkid=).

Die Vorbereitungsarbeiten sind die gewöhnlichen der Weissgerberei, die

Gerberei selbst weicht aber vollständig ab, indem die Felle mit einem

Gerbebrei (der =Nahrung=) gegerbt werden, durch welchen sie nicht nur

weissgar werden, sondern auch das zur völligen Geschmeidigkeit nöthige

Oel erhalten. Dieser Brei besteht aus Weizenmehl, Eidotter, Alaun,

Kochsalz, welche man mit Wasser zu einem flüssigen Brei anrührt. Das

Weizenmehl bewirkt das Aufgehen des Leders, indem die

Kleberbestandtheile und zwar als Thonerdeverbindungen von der Haut

aufgenommen werden; die Stärke des Mehles tritt nicht in den garen

Bestand des Leders ein. Das Eidotter wirkt durch seinen Gehalt an

Eiweiss, aber viel wesentlicher durch seinen Gehalt an Eieröl, welches

im Eigelb im Zustande einer natürlichen Emulsion sich findet. Es giebt

dem Leder Weichheit und Zug, und dem Handschuh die Eigenschaft, sich

nach der Hand zu modelliren, ohne Falten zu werfen, ohne eine

empfindliche Spannung zu erzeugen, und ohne zu zerreissen. Emulsionirte

Oele wie Mandelöl, Olivenöl, Thran, ja selbst Paraffin scheinen das

Eieröl vollständig ersetzen zu können. Die Felle werden darin einige

Zeit getreten und gewalkt. In neuerer Zeit soll man in Frankreich der

Nahrung 2-3 Proc. =Carbolsäure= zusetzen, um dem zu starken Erhitzen

der mit Nahrung versehenen Felle beim Lagern derselben

entgegenzuwirken. Dann werden sie durch einfaches Ausziehen gereckt, an

der Luft, so schnell es geht, getrocknet, gelinde angefeuchtet,

dutzendweise zwischen Leinwand gelegt, getreten, um sie zu erweichen

und dann einzeln der Länge und Quere nach auf der Fleischseite bis zu

genügendem Ausrecken über das Stolleisen gezogen, darauf getrocknet und

nochmals gestollt, wodurch die letzten Spuren anhängenden Mehles

entfernt werden und die erforderliche Geschmeidigkeit gegeben wird. Die

Narbenseite nach aussen gekehrt, wird dieses Leder in den

Glacéhandschuhen verwendet, denen man durch Glätten oder Glänzen

(mittelst der gläsernen Blankstosskugel oder mit Hülfe der

Appretirmaschine), oder auch durch Ueberstreichen mit Eiweiss,

Senegalgummi, Tragant oder Seife Glanz giebt. Das =Färben= der

alaungaren Handschuhleder findet gewöhnlich auf der Narbenseite,

seltener auf der Fleischseite statt und geschieht entweder durch

Eintauchen oder durch Anstrich. Letzteres Verfahren, unter dem Namen

des =englischen Verfahrens= oder der =Fixfärberei= bekannt, ist das

gewöhnlichere.

Nach =Knapp='s Versuchen lässt sich ein schönes weiches Glanzleder

erzeugen, wenn man Blösse aus Lamm- oder Ziegenfell in einer

gesättigten alkoholischen lauen Stearinsäurelösung ausgerbt. Das so

erzeugte Leder ist geschmeidig, von weisserer Farbe als gewöhnliches

Glacéhandschuhleder und von ganz besonders schönem natürlichen Glanz

der Narbe.

[Sidenote: Knapp's Leder.]

4) =Die Lederbereitung mit unlöslichen Seifen=, von =Knapp= erfunden,

scheint für die Gerberei von einiger Wichtigkeit werden zu wollen. Die

gerbende Eigenschaft des Eisenoxydes ist längst bekannt und noch im

Jahre 1855 liess sich =Belford= für England ein Patent auf ein

Verfahren zur mineralischen Gerbung der Häute patentiren, welches auf

der Anwendung des Eisenoxydes beruht. Es ist bis jetzt aber nicht

gelungen, ein brauchbares Leder damit herzustellen. In einer Auflösung

von schwefelsaurem Eisenoxyd und Eisenchlorid färbt sich die Blösse

rothbraun, in einer Lösung von Chromchlorid blaugrau, jedoch nach dem

Trocknen erhält man schlechtes, narbenbrüchiges, oft ganz sprödes

Leder, selbst dann noch, wenn die Gerbeflüssigkeit möglichst wenig oder

keine freie Säure enthält. Es ist wahrscheinlich, dass die Eigenschaft

des Eisenoxydes, durch Sauerstoffabgabe zerstörend auf die Faser

einzuwirken, beim Brüchig- und Sprödewerden des mit Eisenoxyd gegerbten

Leders eine Rolle spielt. Wird die Eisenchloridlösung vor dem Gerben

mit so viel Natron (Soda oder Aetznatron) versetzt, als sie verträgt,

ohne einen bleibenden Niederschlag zu bilden, so wird das Oxyd leichter

und reichlicher auf die Faser niedergeschlagen; nebenbei hat man den

Vortheil, dass die saure Reaction auf die Haut gehoben und eine dem

Zusatz der Soda entsprechende Menge Kochsalz gebildet wird. Aus dieser

Lösung nun gerbt sich die Haut weit leichter und mit voller

Geschmeidigkeit. Das so gegerbte Leder hat jedoch das mit dem

weissgaren gemein, dass es im Wasser die Gerbung verliert und deshalb

nur für Gegenstände sich eignet, welche mit Wasser nicht in Berührung

kommen. Um ihnen Widerstand gegen die Feuchtigkeit zu geben, sind die

Metalloxyde auf der Faser in unlösliche Verbindungen überzuführen,

welche zugleich der Biegsamkeit und Weichheit der Hautfaser sich

anschliessen, die Raschheit der Gerbung befördern und möglichst haltbar

auf der Faser fixirt sind. Hierzu eignen sich am besten die

Verbindungen der Oxyde von der Formel R_{2}O_{3} mit den fetten Säuren,

mithin die Thonerde-, Eisenoxyd- und Chromoxydseifen, die in Wasser

unlöslich, ferner biegsam sind und, was für die Praxis erheblich ist,

sich durch doppelte Zersetzung aus in Wasser löslichen Verbindungen

herstellen lassen. Bei der Ausführung der Gerbung mit unlöslichen

Seifen giebt es zwei Wege, nach dem =einen= (minder zu empfehlenden)

bereitet man zwei Bäder, eines mit Seifenwasser, welches 3-5 Proc.

Kaliseife enthält, und ein zweites, eine Auflösung des gerbenden

Salzes, welches 5 Proc. davon enthält. Die Blössen werden zuerst in die

Salzlösung gebracht, fleissig darin bewegt, öfters zum Abtropfen

herausgenommen, dann von Neuem hineingelegt, bis sie gehörig imprägnirt

sind, wozu 1-2 Tage gehören. Nach dem Abtropfen kommen sie zum

Ausgerben ebenfalls 1-2 Tage lang in die Seifenlösung. Nach beendigtem

Gerben werden die Häute abgespült und getrocknet. Ein besseres Resultat

und eine sattere Gerbung der Blösse erhält man nach dem =zweiten=

Verfahren, nach welchem man die Seifenlösung mit der Alaunlösung

ausfällt und in der entstandenen zarten schlammigen Masse die Haut

durchknetet. Die =Knapp='sche Gerbung mit unlöslichen Seifen ist, wenn

auch nicht im Princip, doch in der Tendenz einer Combination der

Alaungerberei mit der Sämischgerberei ähnlich. Das mit der

Thonerdeseife gegerbte Leder ist weiss und besitzt an Stelle der

trocknen, fast kreidigen Oberfläche der weissgaren Leder eine weiche,

glänzende und fettig anzufühlende Oberfläche. Gerbt man aus einer

Flüssigkeit, die Eisen- und Chromsalze gemischt enthält, so erhält man

Leder von einer Farbe, die bei geeignetem Verhältniss der beiden Salze

der Farbe des rothgaren Leders täuschend ähnlich ist.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 104 / 167 题