1) das Einweichen der Häute,
2) das Reinigen der Fleischseite,
3) das Reinigen der Haarseite,
4) das Schwellen der gereinigten Häute.
B. =Das Gerben der Blösse=, welches durch Einsetzen in Gruben, oder
durch Gerben mit Lohauszug (Lohbrühe), oder nach dem Verfahren der
sogenannter Schnellgerberei vor sich geht.
C. =Das Zurichten der lohgaren Häute=, worunter alle diejenigen
Nacharbeiten zu verstehen sind, welche dem Leder ein dichteres Gefüge,
eine schönere Narbe, ein besseres Ansehen der Fleischseite, grössere
Gleichförmigkeit in der Dicke, grössere Geschmeidigkeit u. dergl.
ertheilen sollen.
[Sidenote: Das Reinmachen der Haut.]
A. =Das Reinmachen der Haut.= 1) Das =Einweichen= oder =Wässern der Haut=
bezweckt nicht nur eine gleichförmige Erweichung und Ausstreckung der
Haut, so dass man sie beliebig biegen kann, ohne dass Narbenbrüche sich
bilden, sondern auch eine Entfernung anhängender Blut- und Fleischtheile
auf der Fleisch- oder Aasseite. Bei frischen Häuten genügt schon ein- bis
zweitägiges Legen in fliessendes Wasser, oder, wo dieses nicht vorhanden,
in Weichbottiche oder Kufen, um Blut und Schmutz zu entfernen; bei
getrockneten, namentlich bei gesalzenen und geräucherten Häuten, lässt
man dieselben oft 8-10 Tage lang im Wasser liegen, wobei man die Häute
der Art befestigt, dass der Strich der Haare der Stromrichtung gerade
entgegengeht, um das Wasser möglichst stark auf die Hautoberfläche wirken
zu lassen. Während des Wässerns werden die Häute zweimal des Tages aus
dem Wasser gehoben und wieder eingelegt.
[Sidenote: Reinigen der Fleischseite.]
Ist die Haut genügend erweicht, so schreitet man 2) zum =Reinigen der
Fleischseite=. Zu dem Ende bringt man die Häute mit der Haarseite nach
unten auf den =Schabebaum=, einen halbrunden hölzernen Baum, der mit
seinem hinteren Ende auf der Erde ruht, mit dem vorderen auf einem
Kreuzholz oder Kreuzfuss. Das =Schabeeisen= besteht in einem eisernen
nach dem Rücken zu etwas gekrümmten Messer mit stumpfer Schneide, und ist
mit zwei hölzernen Handgriffen versehen. Der Arbeiter stellt sich vor den
Schabebaum und streicht, indem er das Schabeeisen an den Handhaben mit
beiden Händen fasst, die Haut von oben nach unten herab, wobei einerseits
das Wasser ausgepresst, anderntheils die Haut gleichmässig gereckt und
die anhängenden Fleisch- und Fetttheile und das der Fleischseite
anhängende Unterzellgewebe, sowie die das Gewebe der Haut durchsetzenden
feinen Gefässe und Nerven weggenommen werden.
Nach dem ersten Ausstreichen bringt man die Häute abermals 24 Stunden
lang in das Wasser, streicht sie den nächsten Tag nochmals aus, trägt
sie dann wieder einige Stunden ein und wäscht sie aus, worauf man sie
über den Schabebaum schlägt und abtropfen lässt. Sie sind dann zum
Enthaaren vorbereitet. Zur Beförderung des Einweichens und der damit im
Zusammenhange stehenden Reinigung der Fleischseite werden die Häute
zuweilen statt des blossen Aneinanderlegens, Auswaschens und Abtropfens
in frischem Wasser gewalkt, was entweder in einer gewöhnlichen Walke
oder in einem in die Erde eingelassenen Bottich mittelst Holzstampfen
geschieht. Man kann durch dies Verfahren die Häute in 2-3 Tagen so weit
reinigen, als sonst nach der gewöhnlichen Methode in 8-10 Tagen.
[Sidenote: Reinigen der Narbenseite.]
3) Das =Reinigen der Haar=- oder =Narbenseite= oder das =Abhaaren=
bezweckt die anatomische Scheidung der Lederhaut von der auf ihr
liegenden Epidermis und den mit letzterer zusammenhängenden Gebilden,
namentlich den Haaren. Die Haare sitzen in der gereinigten und geweichten
Haut -- nicht in dem Corium, sondern nur in einer in das Corium tief
hineinragenden Einstülpung der Oberhaut -- so fest, dass sie nicht, ohne
abzureissen, ausgerauft werden können, das Abrasiren ist nicht anwendbar,
weil dabei die Haarwurzeln zurückbleiben, was sich mit dem Ansehen von
gutem Leder nicht verträgt. Man nimmt daher in der Gerberei zu
verschiedenen vorbereitenden Operationen seine Zuflucht, welche wie das
Kalken beim Kalkäschen und die Gährung beim Schwitzen die Lockerung der
Epidermis bezwecken sollen; beim Abstossen der Haare von den gekalkten
oder vom Schwitzen kommenden Häuten wird daher hauptsächlich nur die
Epidermis und zwar mit der in ihr befestigten Behaarung von der Lederhaut
abgestossen; die Haare dienen dabei mehr als Handhabe.
Wie bereits gesagt, werden die auf der Fleischseite gereinigten und
geweichten Häute auf verschiedene Weise für die Enthaarung vorbereitet,
nämlich a) durch =Schwitzen=, b) durch =Kalken=, c) durch Anwendung von
=Rusma= und =Schwefelcalciumverbindungen=.
a) Bei dicken Häuten, die zu Sohlleder bestimmt sind, wird als
vorbereitende Operation zum Enthaaren das =Schwitzen= angewendet, da
das Kalken, weil bei dickem Leder der Kalk nie ganz vollständig
entfernt werden kann, das Leder hart und spröde machen würde. Das
Schwitzen besteht in einer durch beginnende Fäulniss eingeleiteten
Zersetzung der feuchten Haut, welche man jedoch auf die Auflockerung
der Epidermis und Haarsäcke, sowie auf eine theilweise Fäulniss der
noch in der Haut zurückgebliebenen fremdartigen Stoffe beschränken
muss. Die Häute werden der Länge nach, mit der Fleischseite nach innen,
zusammengelegt, nachdem man sie auf der Fleischseite mit Kochsalz
eingerieben oder mit etwas Holzessig getränkt hat, und dann in einem an
einem mässig warmen Orte befindlichen Kasten, dem =Schwitzkasten=, der
mit einem Deckel verschlossen werden kann, übereinander geschichtet.
Nach kurzer Zeit ist eine Steigerung der Temperatur und ein Geruch nach
Ammoniakkörpern wahrzunehmen, welchem sehr bald die Erscheinungen der
Fäulniss folgen. Sobald letztere sich kundgeben, werden diejenigen
Häute, deren Haare leicht ausgerauft werden können, sofort auf dem
Schabebaume enthaart. Bei fabrikmässigem Betriebe wendet man anstatt
der Schwitzkasten zweckmässig eine grosse, dicht verschliessbare Kammer
an, deren Temperatur entweder mittelst directem Feuer oder frei
einströmenden Wasserdämpfen oder durch Wasserheizung so ziemlich
constant auf 30-50° C. erhalten wird. Um aller nachtheiligen Einwirkung
auf das Corium vorzubeugen, wendet man häufig auch das =kalte=
Schwitzverfahren an, bei welchem man die Häute in ausgemauerte oder mit
Cäment überkleidete Gruben bringt, auf deren Boden ein hölzerner Kanal
den Abfluss des Wassers, sowie das Eindringen von Luft gestattet. Die
Temperatur der Grube ist auf 6-12° zu halten. Unter dem Dache circulirt
in einer im Viereck herumgeführten Leitung kaltes Wasser, zugleich
tropft ein Theil dieses Wassers unaufhörlich durch die Grube nieder,
deren Atmosphäre mit Feuchtigkeit gesättigt bleibt. Nach 6-12 Tagen
tritt, ohne dass eine Spur von Fäulniss bemerkbar wäre, Auflockerung
der Haare ein.
b) Bei leichteren, nicht für Sohlleder bestimmten Häuten wendet man
gewöhnlich das =Kalken= an. Die Behandlung der Haut mit Kalkmilch ist
nicht nur eine vorbereitende Operation für das Enthaaren, sondern es
wird auch das in der Haut enthaltene Fett verseift und in Kalkseife
übergeführt, welche im Wasser zwar unauflöslich ist, aber durch die
nachfolgende, theils mechanische, theils chemische Behandlung
gleichfalls beseitigt wird. Die =Kalkgruben=, in welchen das Kalken der
Häute vorgenommen wird, sind in den Boden eingelassene Bottiche, welche
bis auf Dreiviertel ihrer Höhe mit Kalkmilch angefüllt werden. In diese
Bottiche werden die Häute eingestossen, sodass sie unter der
Flüssigkeit liegen. In der Regel wendet man drei oder fünf Kalkgruben
an, von denen die eine immer grössere Mengen von Kalk enthält als die
andere. Die Kalkmilch muss in den Gruben öfter umgerührt und die Häute
täglich zweimal herausgenommen und neu eingeschlagen werden. Die Häute
bedürfen zur Gare eines 3-4wöchentlichen Verweilens in den Kalkgruben.
c) Sehr dünne Häute kleiner Thiere vertragen weder das Schwitzen noch
das Kalken; man pflegt sie daher mit sogenanntem =Rusma=, einer
salbenartigen Mischung aus 1 Th. Operment (Schwefelarsen) mit 2-3 Th.
gelöschtem Kalk zu bestreichen, welches die Haare so erweicht, dass sie
nach kurzer Zeit mit einem Schabmesser entfernt werden können.
=Böttger= hat gezeigt, dass das =Calciumsulfhydrat= das Rusma in jeder
Hinsicht ersetzt und in der Gerberei zum Enthaaren der Häute alle
Beachtung verdient. Der Kalk, welcher zur Reinigung des
Steinkohlengases gedient hat und viel Calciumsulfhydrat neben etwas
Cyancalcium enthält, der sogenannte =Gaskalk=, hat in neuerer Zeit
mehrfach, selbst bei stärkeren Fellen, zum Enthaaren Anwendung gefunden
und zwar mit dem günstigsten Erfolge, indem das Leder fester, zäher,
eleganter erscheint und mehr Gerbstoff aufnimmt.
[Sidenote: Abpälen.]
Sobald die Häute auf die eine oder die andere Weise zum Enthaaren
genügend vorbereitet sind, wäscht man sie aus und legt sie, einige
übereinander, auf den Schabebaum, die Haarseite nach oben und den
Strich der Haare aufwärts, sodass der Arbeiter mit dem stumpfen
Schabemesser nach abwärts den Haaren entgegenarbeitet und letztere von
der Narbe abstösst, eine Arbeit, die man das =Abpälen= nennt. Falls die
Haare noch zu fest sitzen sollten, wie es bei trockenen schweren Häuten
nicht selten vorkommt, so streut der Arbeiter feinen Sand in die Haare
ein, wo dann das Messer besser angreift. Die bei schweren Häuten nach
dem Enthaaren noch festsitzenden Grundhaare werden mittelst eines
gewöhnlichen grossen und scharfen Messers, des =Putzmessers=,
abgeputzt. Nach beendigtem Abpälen werden die Häute von Neuem
gewässert, mit der Narbenseite abwärts auf einen breiten Schabebaum
geschlagen und auf der Fleischseite mit dem =Scheer-= oder =Finneisen=,
einem grossen, geraden, scharfen Messer mit Griffen an beiden Enden
bearbeitet, indem man das Messer flach gegen die Haut andrückt und
dadurch sorgfältigst alles noch anhängende Fleisch etc.
abschneidet, ohne die Haut zu verletzen. -- Durch das Enthaaren und
Scheeren verliert eine trockene Haut durchschnittlich 10-12 Proc. am
Gewichte.
[Sidenote: Schwellen der Häute.]
4) Das =Schwellen oder Treiben der gereinigten Häute=. Theils um den von
dem Kalken her in der Haut in Gestalt von kohlensaurem oder in Form von
Calciumseife oder Calciumalbuminat zurückgebliebenen Kalk zu entfernen,
theils auch die eigentliche Hautfaser auf endosmotischem oder
dialytischem Wege aufzuschwellen und sie für das Eindringen der
gerbstoffhaltigen Flüssigkeit geeignet zu machen, pflegt man nach
Vollendung der vorbereitenden Reinigungsarbeiten die Häute in der
=Schwellbeize= zu behandeln, die man durch saure Gährung von
Gerstenschrot oder Weizenkleie bereitet, deren wesentlich wirksame
Bestandtheile hauptsächlich Propionsäure, Milchsäure und Buttersäure
sind. Werden die gereinigten Häute, nun =Blössen= genannt, mit dieser
Flüssigkeit behandelt, so lösen die Säuren den Kalk auf, den Kalk aus der
Calciumseife unter Abscheidung der Fettsäuren, welche sich auf der
Oberfläche der Flüssigkeit ansammeln; die in Wasser löslichen Kalksalze
werden durch das nachfolgende Auswaschen vollständig entfernt. Während
des Schwellens nimmt die Dicke der Haut um das Doppelte zu, theils indem
die Flüssigkeit der Schwellbeize in die Haut eindringt und letztere
auflockert, zum Theil aber auch dadurch, dass in den Poren der Haut, sei
es in Folge von Zersetzung von Calciumcarbonat durch die Gährungssäuren,
sei es in Folge von Buttersäuregährung oder einer anderen Gährung, die
sich in der Haut fortsetzt, sich Gasarten entwickeln; dabei wird die Haut
durchscheinend und gelblich. Diejenigen Häute, die nicht durch Kalken,
sondern durch Schwitzen vorbereitet wurden, bedürfen zum Schwellen keiner
sauren Schwellbeize, sondern erlangen die nöthige Schwellung durch
Wasser, obgleich die saure Schwellung, weil sie rascher und
gleichmässiger vor sich geht, unter allen Umständen vorgezogen zu werden
verdient.
Behufs der Umgehung des zu starken Schwellens der für Sohlenleder
bestimmten Häute, fügt man der Schwellbeize sofort etwas Lohe oder
Lohbrühe zu oder schwellt sie auch nur in der =rothen Beize=, worunter
man alte, sauer gewordene Lohbrühe versteht, welche, dem Geruch und
Geschmack nach zu urtheilen, grosse Mengen Milchsäure und Buttersäure
enthält. Die Blössen werden zuerst in stark mit Wasser verdünnte,
hierauf in concentrirtere rothe Beize gebracht. Nach Ablauf von 12-14
Tagen ist das Schwellen in hinreichender Weise vor sich gegangen.
Anstatt der Schwellbeize, in welcher organische Säuren (Milchsäure,
Propionsäure) wirksam sind, ist nach den Vorschlägen von =Macbride= und
=Seguin= verdünnte Schwefelsäure (1 : 1500) zum Schwellen empfohlen
worden; die Erfahrung hat aber gelehrt, dass hierdurch zwar eine
beschleunigte Wirkung der Haut ermöglicht wird, jedoch nur auf Kosten
der Qualität des Leders. Auch die an phosphorsauren Salzen und an
Harnsäure reichen Excremente von Hunden, Tauben u. dergl. finden zum
Schwellen Anwendung, indem diese Auswürfe in Wasser aufgeweicht und die
Blössen darin bearbeitet werden.
[Sidenote: Das Gerben.]
B. =Das Gerben der geschwellten Blösse.= Durch die vorbereitenden
Arbeiten des Reinigens, Kalkens oder Schwitzens und Schwellens ist die
eigentliche Lederhaut nun so weit entblösst und aufgelockert, dass sie
von der Gerbstofflösung gehörig durchdrungen werden kann, und die
Sättigung der Faser des Coriums mit Gerbstoff möglichst vollständig
erfolgt. Man nimmt in der Praxis an, dass eine trockene Haut bei ihrer
Ueberführung in Leder ihr Gewicht um ungefähr ein Dritttheil vermehrt,
folglich ebensoviel an Gerbstoff aufnimmt.
Die Sättigung der Hautfaser mit Gerbstoff wird auf zweierlei Weise
bewirkt, nämlich
1) indem man die Häute abwechselnd mit Lohe schichtet, was man das
=Einsetzen in Gruben= nennt, oder
2) indem man sie zuerst in verdünnte, dann in concentrirte Lohauszüge
eintaucht (=Gerben in Lohbrühe=).
[Sidenote: Gerben in Gruben.]
1) Das =Einsetzen in Gruben= findet gegenwärtig meistens nur noch bei zu
Sohlen bestimmten Häuten statt. Die hierzu dienenden =Loh=- oder
=Versetzgruben= sind in den Boden versenkte, wasserdichte Kasten von
Eichen- oder Fichtenholz, statt welcher auch runde Bottiche zuweilen
Anwendung finden. Nicht selten benutzt man auch ausgemauerte, mit
Portland-Cäment überkleidete Gruben, deren Anwendung, namentlich im
Anfang, grosse Behutsamkeit erheischt, weil der Kalk des Mörtels auf den
Gerbstoff der Lohe zerstörend einwirkt. Zuweilen (wie in einigen Theilen
Württembergs) bestehen die Gruben auch aus Liasschiefer- oder aus
Sandsteinplatten. Eine Grube fasst 50-60 Sohlhäute. Den Boden der Grube
belegt man einige Centimeter dick mit ausgelaugter Lohe, giebt eine 3
Centimeter dicke Schicht von frischer Lohe darauf, breitet darüber die
Haut mit der Narbenseite nach unten aus, streut wieder 3 Centimeter dicke
Lohe darauf, dann eine zweite Haut und schichtet in dieser Weise den
Kasten voll. Auf die dicksten Stellen der Haut legt man auch die
dicksten Schichten der Lohe, füllt alle leer bleibenden Ecken mit alter
Lohe, bedeckt etwa 1/3 Meter hoch mit derselben (der sogenannte =Hut=)
und dann mit einem gut schliessenden Deckel, nachdem man so viel Wasser
eingepumpt hat, dass es etwas über der obersten Haut steht. In diesem
Zustande überlässt man die Grube sich selbst. Wurde anstatt eines Theiles
der Lohe Knoppernmehl angewendet, so nimmt man nur ungefähr die Hälfte
der Eichenlohe.
Auf diesen =ersten Satz= bleiben die Häute etwa 8-10 Wochen; wenn
Knoppern beigemengt, so vollendet sich die Aufnahme des Gerbstoffes
schneller. Noch bevor aller Gerbstoff der Flüssigkeit entzogen ist und
ehe sich in derselben zu grosse Mengen flüchtige und riechende Säuren
gebildet haben, müssen die Häute herausgenommen und in einem zweiten
Kasten (dem =zweiten Satze=) mit frischer Lohe so geschichtet werden,
dass die früher oben liegenden nach unten zu liegen kommen. In diesem
zweiten Satze bleiben die Häute 3-4 Monate; sie sollen hier bis auf den
Kern gelohet, d. h. mit dem Gerbstoff bis in das Innerste durchdrungen
sein. Hierauf kommen die Häute 4-5 Monate lang in einen ähnlichen, noch
geringere Mengen von Lohe enthaltenden =dritten Satz=, und bei sehr
starken Häuten (namentlich Wildhäuten) muss bisweilen noch ein vierter
und fünfter Satz gemacht werden, sodass sie bis zu zwei Jahren und
länger noch in der Lohgrube behandelt werden. Die Menge der Eichenlohe,
die zum vollständigen Gerben der Haut erforderlich ist, richtet sich
nach ihrer Qualität; nach den Erfahrungen der Gerber rechnet man das
vier- bis sechsfache Gewicht der trockenen Haut, von welcher Menge, das
Gewicht der Haut zu 20 Kilogr. angenommen,
auf den ersten Satz 40 Kilogr. Lohe kommen
" " zweiten " 35 " " "
" " dritten " 30 " " "
-----------------
105 Kilogr. Lohe.
Die lohgare Haut wiegt nach dem Trocknen ungefähr 22 Kilogr. (mithin
10-12 Proc. mehr als die trockene Rohhaut[142]). Die Gare der Haut
giebt sich dadurch zu erkennen, dass sich beim Durchschneiden mit einem
scharfen Messer eine gleichförmige, von fleischigen oder hornartigen
Streifen freie Schnittfläche zeigt. Bei langsamem Biegen darf die Narbe
nicht platzen oder brechen, das Leder nicht =narbenbrüchig= sein.
[142] Im Allgemeinen verwenden die bayerischen Gerber auf 1 Ctr.
Sohlleder 5 Ctr., zu Schmalleder 3,6 Ctr., zu Kalbleder 3,4, zu
Zeugleder 3 Ctr. Eichenrinde. 1 Ctr. Eichenrinde kostet 2-1/3-4
fl. s. W.
[Sidenote: Gerben in der Lohbrühe.]
2) Das =Gerben in der Lohbrühe= findet meist bei schwächeren Häuten
statt. Die zu diesem Zweck angegebenen und üblichen Methoden sind sehr
verschieden, kommen jedoch im Wesentlichen darin überein, dass namentlich
auf gleichmässiges Schwellen der Häute gesehen werden muss, damit die
Gerbstofflösung leicht eindringen kann, dass mit sehr verdünnten Lösungen
begonnen wird, damit keine oberflächliche Gerbung die spätere Einwirkung
auf den inneren Hauttheil erschwere, dass man oft umrühre, damit stets
frische Gerbbrühe mit den Häuten in Berührung kommt, und dass man durch
Herausnehmen und Abtropfenlassen der bereits theilweise erschöpften
Flüssigkeit, durch Auspressen oder durch Walken das Eindringen neuer
Flüssigkeit befördert, und dadurch viel Zeit gewinnt im Vergleich mit der
sonst nur auf dem Wege der Endosmose stattfindenden Durchdringung der
Haut mit Gerbstoff. Die Gerbebrühe wird durch Extraction der
Gerbematerialien mit Wasser auf kaltem Wege bereitet. Leichtere Häute
bedürfen zum Gerben in der Lohbrühe 7-8, schwerere 11-13 Wochen zur Gare.
[Sidenote: Schnellgerberei.]
=Schnellgerberei.= Die hauptsächlichsten Vorschläge, die zur Abkürzung
der Zeit des Gerbeverfahrens gemacht worden sind, lassen sich in
folgender Weise classificiren: 1) =Die Haut wird einfach in die
Lohbrühe gelegt=, ein Verfahren, welches von =Macbride= herrührt,
welcher demnach als der Urheber des Schnellgerbeverfahrens zu
betrachten ist. =Seguin= (1792) verbesserte das ursprüngliche
Verfahren. =Jones= von der Idee ausgehend, dass durch den Druck,
welchen die in dem Bottich oder der Grube übereinander liegenden Häute
aufeinander ausüben, die Gerbeflüssigkeit auf die Seite gepresst und
dadurch verhindert werde, auf die Gesammtoberfläche der Haut
einzuwirken, trennt die einzelnen Häute durch Lagen von Wollstoff
(Flanell) und die Zeugschichten wieder durch Lagen eines wasserdichten
Stoffes. 2) =Circulation der Gerbeflüssigkeit= findet statt bei den
Verfahren von =Ogereau= und =Sterlingue=, sowie nach der Methode von
=Turnbull=, bei welcher eine Anzahl Gerbebottiche durch ein
Röhrensystem verbunden ist, und eine an den Röhren angebrachte Druck-
und Saugpumpe die continuirliche Circulation der Gerbeflüssigkeit in
den Bottichen unterhält. 3) Durch vermehrte =Endosmose= will =Turnbull=
das Gerbeverfahren abkürzen. Er näht zu dem Ende die Häute zu Säcken
zusammen, füllt sie mit Lohe und Wasser und bindet die Säcke zu, welche
nun in Catechulösung untergetaucht werden, deren spec. Gewicht durch
Zusatz von Melasse erhöht worden ist, um, wie der Urheber dieser
Methode meint, einen kräftigen Austausch der Flüssigkeit in den Säcken
mit der ausserhalb befindlichen einzuleiten. Die Flüssigkeitsdiffusion
oder =Dialyse=, mit welchem Namen =Graham= (1861) die durch eine
colloïdale Zwischenwand bewirkte Trennung krystallinischer Körper von
amorphen, deren Studium vielleicht den physikalischen Vorgang beim
Gerbeprocesse zu erläutern geeignet ist, bezeichnet, war, als
=Turnbull= seine Methode vorschlug, selbst in ihrer Idee noch nicht
bekannt. 4) Das =Bewegen der in die Gerbeflüssigkeit getauchten Häute=
wird zur Beförderung des Gerbens häufig angewendet, so z. B. von
=Brown=, welcher die Häute in einen offenen Cylinder, welcher die
Einrichtung einer zum Waschen der Rüben üblichen Lattentrommel hat,
bringt, der unter dem Niveau der Gerbebrühe bewegt wird. Die von
=Squire= zu gleichem Zwecke vorgeschlagene Trommel taucht nur bis zur
Achse in die Gerbeflüssigkeit und ist mit Abtheilungen versehen, es
werden daher die Häute abwechselnd bei jeder Umdrehung der Trommel aus
der Gerbebrühe entfernt und wieder eingesenkt. =C. Knoderer='s
Gerbeverfahren besteht ebenfalls zum Theil darin, dass man die Häute
mit Auszug von Lohe und mit unausgezogener Lohe in Fässer bringt,
dieselben verschliesst und sodann eine gewisse Zeit lang sich umdrehen
lässt. 5) Eine =Anwendung von mechanischem Druck= findet ebenfalls
zuweilen statt, so nimmt =Jones= von Zeit zu Zeit die Häute aus der
Gerbeflüssigkeit, breitet sie auf ein durchlöchertes Brett aus und
führt sie so unter einer Walze weg. =Nossiter= befreit von Woche zu
Woche die Häute unter einer kräftigen Presse von der erschöpften
Gerbeflüssigkeit. Nach der von =Cox= und =Herapath= angegebenen Methode
lässt man die Häute von Zeit zu Zeit durch Walzwerke laufen. 6) Der
=hydrostatische Druck= ist in neuerer Zeit öfters zur Beförderung des
Eindringens der Lohbrühe in die Häute angewendet worden. =W. Drake=
näht zwei Häute mit den Narbenseiten auf einander zu einem Sack
zusammen, der mit Lohbrühe gefüllt und zwischen zwei hölzerne Gitter
gelegt wird, deren Stäbe der Haut als Widerlager dienen. =Chaplin=
stellt die aus Häuten gebildeten und mit Lohbrühe gefüllten Säcke
einfach auf eine Rinne zum Abziehen der durchsickernden Flüssigkeit hin
und lässt nur von Zeit zu Zeit die Säcke wenden, um einen überall
gleichmässigen Druck zu erhalten. Nach =Sautelet= befestigt man je zwei
Häute durch Bügel und Schrauben zwischen drei Rahmen, in solcher Art,
dass sie die einander gegenüberstehenden breiten Seitenwände eines
kastenförmigen Raumes bilden, dessen beide anderen schmalen Seiten,
sowie der Boden und die Decke von dem mittleren Rahmen ausgemacht
werden. Durch ein in der Decke des Kastens befindliches Rohr lässt man
aus einem höher gelegenen Reservoir die Gerbebrühe eintreten, welche
nun durch hydrostatischen Druck durch die Häute hindurchgepresst wird.
7) Durch =Punktation=. =Snyder= sucht den Gerbstoff dem Innern der Haut
dadurch zugänglicher zu machen, dass er eine Seite der Haut, die
Aasseite oder die Narbenseite, vor dem Gerben auf einer Maschine mit
Nadelstichen durchbohrt und so gewissermaassen künstliche Poren
herstellt. Die Versuche von =Knapp= haben gelehrt, wie irrationell
=Snyder='s Vorschlag ist, indem die Haut so durchdringlich und in dem
Grade den Gerbstoffen zugänglich ist, dass ein Stück einer Kalbshaut in
eine syrupdicke ätherische Lösung von Gerbstoff gelegt, in höchstens
einer Stunde völlig gar und ausgegerbt ist. 8) Den =luftverdünnten
Raum= zur Beförderung des Eindringens der Gerbebrühe in die Haut
benutzten zuerst =Knowly= und =Knesbury=, indem sie die Häute in ein
verschliessbares Gefäss bringen, dessen Luft durch eine Luftpumpe
ausgepumpt wird und in welches dann die Gerbeflüssigkeit kommt. In
neuester Zeit hat =Knoderer= sich von Neuem auf das Princip des
luftverdünnten Raumes als Mittel zum Schnellgerben geworfen. Combinirt
man nach der von ihm beschriebenen Methode die drei Mittel: die
Luftverdünnung, welche die Zellen der Haut ausdehnt und zugleich die
Zersetzung des Gerbstoffs durch die atmosphärische Luft verhindert; die
Bewegung, welche die Auslaugung der Lohe beschleunigt und ein stetiges
Auswalken der Häute bewirkt, und endlich die Wärme, als unvermeidliche
Folge der Bewegung, welche die Lederbildung wesentlich befördert, so
ergiebt sich eine bedeutende Zeitersparniss.
[Sidenote: Zurichten der Häute.]
C. =Das Zurichten der lohgaren= Häute. Nach dem Ausgerben der Häute in
der Grube oder in der Brühe werden die Leder, um Handelswaare zu sein,
noch dem sogenannten =Zurichten= unterworfen, eine Arbeit, welche in
Deutschland von dem Gerber selbst vorgenommen, in Frankreich dagegen von
dem =Zurichter= (_corroyeur_) besorgt wird. Die einzelnen Operationen des
Zurichtens und ihre Aufeinanderfolge ist nicht bei allen Ledersorten
gleich, sondern richtet sich nach der Art und Bestimmung des Leders. Am
einfachsten ist die Zurichtung des =Sohlenleders=, da dieses bei seiner
Verarbeitung von Seite des Schuhmachers seine natürliche Oberfläche
verliert und auch die Geschmeidigkeit nicht in Betracht kommt, so sind
alle Arbeiten, die sich auf diese beiden Punkte beziehen, überflüssig.
Bei dem Sohlenleder handelt es sich hauptsächlich um Dichte des Gefüges,
um die erforderliche kernige Beschaffenheit, die dem Leder Schutz gegen
die Abnutzung durch Reibung gewährt. Sowie das Sohlenleder die Gruben
oder die Bottiche verlässt, hat es noch nicht die erforderliche Dichte,
um beim Gebrauch nicht nachzugeben und seine Dimensionen zu verändern.
[Sidenote: Sohlleder.]
Das =Zurichten des Sohlleders= hat mithin hauptsächlich die Bestimmung,
dem Leder auf mechanischem Wege, namentlich durch =Hämmern= diejenige
Dichte zu geben, welche es ausserdem bei seiner Benutzung als Sohle
annehmen würde.
Sobald die Häute der Grube entnommen worden sind, wird die anhängende
Lohe abgekehrt, worauf sie an einem schattigen Orte getrocknet werden.
Wenn sie beinahe trocken sind, werden sie über einen ebenen und glatten
Stein ausgebreitet und mit hölzernen oder auch eisernen Hämmern
geschlagen. In grösseren Gerbereien wendet man zum Hämmern grosse,
durch Dampf oder Wasser bewegte Schwanzhämmer an. Seit etwa 20 Jahren
bedient man sich auch vielfach der =Maschinen zum Lederklopfen=.
[Sidenote: Schmalleder.]
[Sidenote: Falzen.]
Die =Zurichtung des Schmal- oder Fahlleders= (hauptsächlich für
Schuhmacher- und Sattlerzwecke) ist weit complicirter als die des
Sohlenleders und nach der Bestimmung des Leders eine verschiedene. Die
erste mechanische Operation, welcher die genannten Lederarten in der
Regel unterworfen werden, ist das sogenannte =Falzen= (Ausschlichten,
Dolliren), welches das Entfernen der rauhen überflüssigen Fasern,
Knoten und Schorfen der Fleischseite, um der gegerbten Haut nicht nur
eine durchaus gleichmässige Dicke, sondern auch die für die
verschiedenen Anwendungen erforderliche Geschmeidigkeit zu geben, zum
Zwecke hat. Die in Rede stehende Arbeit wird mit einem scharfen
zweischneidigen Messer, dem =Falz-= oder =Dollirmesser=, verrichtet,
indem man die zu bearbeitende Haut auf dem =Falzbock=, der dieselbe
Form hat wie der Schabebock, mit der Narbenseite nach unten legt und
mit dem Falzmesser schabt. Bei der Zurichtung von Ziegen-, Lamm- und
Schafleder für Handschuhmacher, Portefeuillearbeiter u. dergl. wird das
zu falzende Fell auf eine polirte Marmorplatte aufgespannt und jede
unebene, rauhe und vorstehende Stelle der Haut durch das flach
aufgelegte, etwas bogenförmig über die Fläche geführte Falzmesser
hinweggenommen.
[Sidenote: Schlichten.]
Den nämlichen Zweck wie das Falzen verfolgt das =Schlichten= und findet
besonders dann Anwendung, wenn stärkere Schichten Leder hinwegzunehmen
sind, wie es hauptsächlich bei dem für Schuhmacherarbeiten bestimmten
Kalbleder vorkommt. Die gegerbte Haut wird nach dem Trocknen auf einem
Rahmen, den =Schlichtrahmen=, aufgehängt, in der Weise, dass nur das
eine Ende eingeklemmt ist, das andere dagegen vom Arbeiter mit einer
Zange gepackt und dadurch angespannt wird. Den angespannten Theil
schlichtet oder beschneidet er nun mit dem =Schlichtmonde=, einer
eisernen, verstählten, etwas concaven und scharf geschliffenen Scheibe,
etwa 18-30 Centimeter im Durchmesser und in der Mitte mit einem mit
Leder eingefasstem Loch versehen, in welches der Arbeiter die Hand
steckt und nun mit der convexen Schneide das Leder auf der Fleischseite
hinwegnimmt. Zur besseren Bezeichnung der Stellen, die hinweggenommen
werden sollen und damit die Schneide des Schlichtmondes besser
eingreift, bestreicht man vor dem Schlichten die Fleischseite mit
Kreide.
[Sidenote: Krispeln.]
In Folge des Trocknens des Leders kleben die Fasern der Haut etwas
aneinander und die Narbe wird flach, glatt und ungleich. Um nun die
Narbe des Leders zu heben und dem Leder selbst ein gleichmässiges und
gefälliges Ansehen zu geben, wendet man die Operation des =Krispelns=
an. Das hierzu angewendete Werkzeug, das =Krispelholz=, ist von hartem
Holze, ungefähr 30 Centimeter lang und 10-12 Centimeter breit, auf der
oberen Seite flach und eben, aber unten der Länge nach gewölbt, sodass
es in der Mitte am dicksten ist. Die untere Seite ist der Quere mit
parallelen Kerben versehen, welche von Zeit zu Zeit mit Hülfe einer
Feile wieder zugeschärft werden. Oben ist an das Krispelholz ein
Lederriemen befestigt, durch welchen der Arbeiter die Hand steckt. Das
zu krispelnde Leder wird auf eine Tafel gelegt, am Tischrande mit
eisernen Klammern befestigt, die Hautstelle, welche eben gekrispelt
werden soll, wird umgebogen, das Krispelholz auf die Biegung oder Falte
gesetzt und mit dem Leder, auf welchem sie liegt, hin- und herbewegt,
sodass die Falte ebenfalls hin- und hergeht, wodurch die natürliche
Hautnarbe gleichförmig zum Vorschein kommt. Der Vorgang zum Krispeln
ist derselbe, als wenn man bei einem trockenen Stück Leder, dessen
Narbenseite oben liegt, eine Ecke desselben über die Narbenseite
aufschlägt, die flache Hand über die Falte legt und mit der Hand die
Falte hin- und herrollt, wodurch sich die Narbe hebt und in ihrer
natürlichen Beschaffenheit zum Vorschein kommt.
[Sidenote: Ponciren.]
[Sidenote: Pantoffeln.]
[Sidenote: Plattstossen.]
[Sidenote: Pressen.]
[Sidenote: Aussetzen.]
Solche Ledersorten, welche wie die zu den Krempeln und Cylindern
dienenden keine Narbe zu besitzen brauchen, sondern glatt sein müssen,
werden nach dem Falzen genetzt, mit einem Messer (dem Aussetzer) glatt
gestrichen und dann wiederholt auf beiden Seiten mit Bimsstein
abgeschliffen. Man nennt diese Arbeit das =Ponciren= oder =Bimsen=.
Leder, welche nach dem Krispeln noch mehr Glanz erhalten sollen, wie in
der Regel die gefärbten Leder, werden noch =pantoffelt=, d. h. es wird
das mit der Narbenseite nach oben auf einer Tafel liegende Leder mit
dem =Pantoffelholz= gerieben, nämlich ebenso behandelt wie mit dem
Krispelholze. Das Pantoffelholz hat mit dem Krispelholze viel
Aehnlichkeit, nur ist ersteres auf der unteren Seite statt mit Narben
versehen, mit Korkholz (Pantoffelholz) belegt, welches auf der
Aussenseite gut geglättet ist. Das Pantoffeln giebt nicht nur der Narbe
Glanz, sondern verleiht auch der Aasseite ein zartes, sammetartiges
Ansehen. Wo noch grössere Glätte verlangt wird, wie bei dem gelben
lohgaren zu Sattlerarbeit bestimmten Leder (Blankleder), wird das Leder
nach dem Krispeln und Pantoffeln auf eine Tafel gelegt und mit der
=Plattstosskugel= die Narbe platt gestossen. Die Plattstosskugel
besteht in einer vierkantigen Platte aus Eisen, die auf der unteren
Fläche ihrer Länge nach gekerbt ist und oben mit einem hölzernen
Handgriffe versehen ist. Nach dem Plattstossen wird das Leder auf der
Narbenseite noch mit der =Blankstosskugel= oder dem
=Blankstosscylinder= glatt und blank gerieben. Letzterer besteht aus
einer Glaswalze von 0,3 Meter Länge und 10 Centimeter Dicke (ehedem
ward statt des Cylinders eine mit Handhabe versehene Kugel von grünem
Glase angewendet), womit das Leder auf dem Blankstossblocke, welcher
mit dem Falzbock übereinstimmt, geglättet wird. Häufig wird auch das
Sattelleder =gepresst=, um seine Narbe dem des Schweineleders ähnlich
zu machen, welches weniger häufig zum Gerben kommt. Diese =künstliche
Narbe= giebt man mit Hülfe von Walzen, deren Oberfläche stumpfe
Erhöhungen haben, durch welche sich entsprechende Grübchen in das Leder
eindrücken. Um das Leder gleichmässig auszudehnen und um Falten und
andere Unebenheiten, die sich durch ungleiches Zusammenziehen beim
Trocknen gebildet haben, fortzuschaffen, werden die Leder benetzt und
auf einer Tafel ausgestrichen oder =ausgesetzt=. Das Ausstreichen
geschieht mit einer stumpfen Streichklinge (=Aussetzer=,
=Ausstreicher=), die mit einer hölzernen Handhabe versehen ist und
senkrecht auf das auf der Tafel liegende Leder aufgesetzt wird. Die
Klinge ist von Eisen oder von Messing oder (bei dünnem Leder) von Horn;
und für starkes Leder mit stumpfen Zähnen versehen.
[Sidenote: Einfetten.]
Die =letzten Zurichtearbeiten= bestehen, wenn es sich um Schmal- und
Oberleder handelt, bei denen eine gewisse Geschmeidigkeit ein
Haupterforderniss ist, in dem =Einfetten=, =Einlassen=, =Schmieren= oder
=Tränken= des Leders, wozu gewöhnlich Fischthran oder ein Gemenge von
Fischthran mit Talg oder am besten sogenanntes =Gerberfett= oder =Dégras=
verwendet wird, welches letztere veränderter Thran ist, welcher in der
Sämischgerberei benutzt und aus den gegerbten Fellen durch
Potaschenlösung wieder gewonnen wurde. Das Einfetten muss im nassen
Zustande der Haut geschehen, und ist gewöhnlich die Operation, welche mit
den ausgegerbten Häuten vorgenommen wird. Beim Aussetzen der
eingefetteten oder geschmierten Häute an die Luft und in geheizte Räume
wird das Fett von der Haut gebunden und verschwindet für die Wahrnehmung
vollständig. Das gefettete Schmal- und Fahlleder hat daher eine doppelte
Gerbung durchgemacht und ist daher zugleich loh- und fettgar. Es ist
daher streng genommen nicht richtig, wenn man das Schmieren der lohgaren
Häute nur als blosse Appretur betrachtet, es ist vielmehr ein wahrer
zweiter Gerbeprocess.
Die für =Schuhe= und =Stiefel= bestimmten Leder pflegt man auf der
Fleischseite schwarz zu färben, indem man dieselben mit frischer
angefeuchteter Lohe abreibt und mit Eisenbrühe, welcher etwas
Kupfervitriol zugesetzt ist, mit einem Schwamm oder mit einer Bürste
bestreicht, hierauf auszieht, dann krispelt, schlichtet, pantoffelt und
nochmals mit einem Teig, aus Thran, Talg, Kienruss, etwas gelbem Wachs,
Seife und Eisenvitriol bestehend, einreibt. Diese Schwärze füllt die
Poren und schützt gegen die nachtheilige Einwirkung der Stiefelwichse,
welche in der Regel mit Säure versetzt ist, liefert auch beim Putzen
ein schöneres Schwarz, als bei dem auf der Narbenseite geschwärzten
Kalbleder. Zuletzt überzieht man das Leder noch mit einer Mischung aus
Talg und etwas Leimlösung, glättet das Leder mit einem convexen Stück
glatten Glases und überzieht es mit dünnem Leimwasser. Zum Erhalten der
Geschmeidigkeit des Leders bedient man sich häufig mit Vortheil eines
=Lederöles=, welches ein Gemisch ist von Oelsäureäther mit Thran.
[Sidenote: Juchten.]
Unter =Juften= oder =Juchten= versteht man ein durch seine Festigkeit,
Wasserdichte, so wie durch einen eigenthümlichen Geruch sich
auszeichnendes, meist roth oder schwarz gefärbtes Leder, welches bisher
fast ausschliesslich in Russland verfertigt und von da in grosser Menge
bezogen wird. Der Name Juften stammt von dem russischen Worte =Jufti= ab,
welches ein Paar bedeutet, und scheint für die Juftenleder hauptsächlich
daher abgeleitet zu sein, weil die Felle beim Gerben paarweise
zusammengenäht werden.
Man nimmt dazu gewöhnlich Häute von zwei- bis dreijährigen Rindern,
doch bedient man sich auch der Rosshäute, der Kalb- und Ziegenfelle.
Die bei der Fabrikation des Juchtenleders vorkommenden Operationen
sind: 1) Das Reinigen der Häute wird wie gewöhnlich, und das Enthaaren
mittelst Kalk ausgeführt; 2) das Schwellen verrichtet man entweder mit
Sauerwasser aus Gerstenschrot, mit ausgegerbter und sauer gewordener
Lohbrühe, oder mit Kaschka (mit Wasser zu einem dünnen Brei zerriebenen
Hundekoth); 3) das Gerben der Juchten geschieht nicht mit Eichenrinde,
sondern mit der Rinde mehrerer Weidenarten, auch mit Birken- und
Fichtenrinde, oder auch mit allen drei Arten von Rinden. Man beginnt
das Gerben damit, dass man die Blössen einige Tage in erschöpfter
Gerbebrühe liegen lässt, worauf man sie mit dem zerkleinerten
Gerbematerial in Gruben mit Wasser schichtet, oder auch in einen warm
bereiteten Auszug der Rinden legt. Die Dauer des Gerbens beträgt 5-6
Wochen. 4) Die garen Häute werden aufgeschlagen, auf dem Schabebock
aufgestrichen und mässig getrocknet, worauf sie mit Birkenöl (Deggut,
Dachert) getränkt werden. Dieses Oel gewinnt man in Russland durch
Theerschweelerei aus der weissen Birkenrinde (nach einigen Angaben aus
der korkigen Rinde im Frühjahre, meist mit Zusatz von Birkenzweigen mit
Knospen), es enthält die gewöhnlichen Produkte der trockenen
Destillation des Holzes -- Kreosot, Phenol (Birkenphenol nach
=Louginine=) und Paraffin. -- Mit diesem Oel werden die auf einer Tafel
mit der Fleischseite nach oben ausgebreiteten Häute mit Lappen
eingerieben und dieses so lange fortgesetzt, bis die Haut vollständig
mit dem Oel imprägnirt ist. Hierauf werden die getränkten Häute so
lange gereckt, bis sie geschmeidig geworden sind. Die Häute werden
hierauf auf der Narbenseite mit Alaunlösung bestrichen und nach dem
Trocknen mit einer gekerbten Walze überfahren, um auf der Oberfläche
ein beliebiges Korn zu bilden. Nunmehr werden die Häute getrocknet und
dann gefärbt, indem man zwei Häute mit der Narbenseite übereinander
legt, an den Kanten zusammennäht, so dass ein Sack daraus gebildet
wird, in welchen man die Farbebrühe giesst. Zur rothen Farbe bedient
man sich einer mit Kalkwasser bereiteten Abkochung von rothem
Sandelholz und Fernambukholz, zu welcher man etwas Potasche oder Soda
gesetzt hat. Nach neueren Nachrichten soll man gegenwärtig nicht mehr
die rothe Farbebrühe in die zusammengenäheten Häute giessen, sondern
damit mit Hülfe einer Bürste die Häute 5-6 Mal bestreichen. Die noch
etwas feuchten Felle werden dann aufeinander gelegt, damit sie
gleichmässig anziehen, hierauf auf der Fleischseite gefalzt,
geschlichtet, gekrispelt und pantoffelt, auf der Narbenseite noch mit
Thran und Birkenöl getränkt und mit Flanell abgerieben. Man verwendet
bekanntlich das Juchtenleder zum Einbinden von Büchern öffentlicher
Bibliotheken, wo es in Folge der riechenden Bestandtheile des
Birkenöles, womit das Juchtenleder getränkt ist, die Insekten und
Würmer vertreibt, zu Stiefeln, Säckler- und Riemerarbeiten; ferner in
der Portefeuillefabrikation.
[Sidenote: Saffian.]
Mit dem Namen =Saffian=, =Maroquin= oder =türkisches Leder= wird ein aus
Bock- oder Ziegenfellen bereitetes, sehr feines und weiches gefärbtes
(nicht lackirtes) Leder bezeichnet. Man unterscheidet die _ächten_
Saffiane (Maroquins) aus Ziegenfellen bereitet, die _unächten_ Saffiane
aus Schaffellen erhalten, gespaltene Schafleder und dünn ausgearbeitete
Kalbleder für Buchbinder- und Portefeuillearbeiten.
Die Fabrikation der Saffiane gilt für eine arabische Erfindung und noch
gegenwärtig werden im Norden Afrika's, besonders in Marokko, in der
Türkei und in Persien beträchtliche Mengen davon angefertigt, welche
noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, um welche Zeit der Saffian
in Europa erst Eingang fand, nach Europa kamen. Für die Fabrikation von
schönem Saffian ist eine sorgfältige Behandlung bei den Vorarbeiten
unerlässlich. Die Felle werden durch Aetzkalk enthaart und müssen durch
umsichtiges Beizen und Schwellen von allem Kalk befreit werden. Zum
Gerben selbst wählt man nur solche Gerbematerialien, die wenig färbende
Bestandtheile haben wie der Sumach. Die Operation des Gerbens geschieht
in verschiedener Weise. Nach der im Orient üblichen Methode werden die
Blössen in Form von Säcken zusammengenäht und dann mit einer
Flüssigkeit angefüllt, welche aus einem Gemenge von kaltem Wasser und
Sumachpulver besteht. Die Gerbebrühe durchdringt die zu Säcken
ausgespannten Felle so rasch, dass in einem Zeitraum von drei Tagen die
Gerbung derselben vollendet ist. Die nämliche Gerbemethode wird auch
hin und wieder in Deutschland, seltener in Frankreich, allgemein aber
in England bei Saffianen, ungespaltenen Schafledern und bei Kalbfellen
in Anwendung gebracht. -- Nach einem anderen Gerbeverfahren, welches
hier und da in Deutschland, allgemein aber in Frankreich in Gebrauch
ist, so auch in England für gespaltene Schafleder, bringt man die
Blössen unter anhaltender Bewegung in passende Bottiche, welche das
Gemisch von Wasser und Sumach enthalten; dieses Verfahren erfordert
ungefähr acht Tage Zeit zu vollständiger Umwandlung der Blösse in
Leder. Der Orient und die mit ihm oben namhaft gemachten Staaten
verarbeiten die rohen Ziegen- und Schaffelle nur so weit, bis sie
gegerbt und getrocknet sind; selten nur werden sie dort gefärbt und
zugerichtet. In diesem Zustande mit dem Namen =Meschinleder=
(gleichbedeutend mit dem französischen _cuir en croutes_) bezeichnet,
gehen sie nach Wien und über Leipzig, um von deutschen Fabrikanten mit
Farbe versehen, geglänzt und appretirt zu werden.
[Sidenote: Appretur des Saffians.]
Das Zurichten der für Saffian bestimmten Leder besteht zunächst in dem
=Färben= derselben, worauf sie die letzte =Appretur= erhalten. Das
=Färben= geschieht entweder =aus dem Troge= [Greek: a]) (bei ächten
Saffianen), oder mit =Hülfe der Bürste=, [Greek: b]) (bei unächten
Saffianen), [Greek: a]) Das Färben aus dem Troge geschieht in schmalen
Trögen, in welche man aus einem grösseren Reservoir nur so viel Farbe
von etwa 60° Temperatur giebt, als zur Färbung eines Felles
erforderlich ist. Die gegerbten Felle werden mit der Aasseite nach
innen der Länge nach zusammengelegt. Der Arbeiter nimmt ein Fell an dem
zusammengelegten Rande und bewegt es in der Farbenbrühe, bis dieselbe
fast absorbirt ist. Hierauf versieht er den Trog von Neuem mit Farbe
und verfährt ebenso mit einem zweiten Fell und so fort. So wie die
Felle das Bad passirt haben, werden sie ausgebreitet und 2-4 Dutzend
derselben über einander gelegt. Hierauf wendet man die Lage Felle um,
sodass das erste Fell wieder nach oben kommt, und giebt dann von diesem
an nach der Reihe das zweite Bad, und hierauf das dritte Bad. Dann
werden die Felle geöffnet oder ausgebreitet, in reinem Wasser
ausgewaschen und dann weiter appretirt. [Greek: b]) Unächte Saffiane
erhalten ihre Farbe durch Aufstreichen der Farbebrühe mittelst der
Bürste. Die Felle werden zu dem Ende vollständig durchgeweicht, dann
glatt ausgestrichen und die Farbenbrühen wiederholt aufgetragen. Es
liegt auf der Hand, dass der Effekt, welchen die Farbe macht,
grösstentheils von der Beschaffenheit der Narbe des Saffians abhängig
ist, weshalb man den Operationen des Zurichtens nach dem Färben die
grösste Sorgfalt widmet. Zunächst werden die gefärbten Felle nach dem
Trocknen mit einem Wolllappen mit etwas Leinöl auf der Narbenseite
eingerieben, dann auf einer Glänzmaschine der Länge nach geglänzt und
geglättet, hierauf werden sie in die Quere platirt, dann das zweite Mal
schräg über die Platirung. Die gelb gefärbten Felle werden nicht
geglänzt, weil sich sonst das Gelb ins Braune ziehen würde. Seit
einigen Jahren spielen die =Theerfarben= in der Lederfärberei eine
grosse Rolle[143].
[143] =Boelsche='s Referat im amtlichen Berichte über die Pariser
Ausstellung 1867. Berlin 1868 5. Heft p. 376.
Der =Corduan=, ein gefärbtes Leder, welches in früherer Zeit eine weit
grössere Rolle spielte als heutzutage, ist von dem Saffian wesentlich
nur durch die grössere Stärke der Felle und dadurch unterschieden, dass
er seine natürliche Narbe behält, während diese beim Saffian platirt,
d. h. künstlich gemacht ist. Er pflegt roth, gelb oder schwarz gefärbt
zu werden.
[Sidenote: Lackirtes Leder.]
Die Kunst, =lackirtes Leder= zu bearbeiten, dass es biegsam, geschmeidig,
dauerhaft, vollkommen trocken, nicht klebend, schön schwarz und glänzend
werde, gehört erst der neueren Zeit an, und erst seitdem ist es mehr und
mehr steigendes Bedürfniss geworden, Fussbekleidung von lackirtem Leder
zu tragen, Wagenverdecke und Wagenbekleidungen, Mützen- und Helmschirme
und viele andere Gegenstände aus lackirten Häuten zu bereiten.
Lackirtes Leder kommt in der Regel nur in schwarzer Farbe vor. Die
Herstellung des erstern besteht darin, dass man auf den entsprechend
vorbereiteten Grund des =nicht= eingefetteten lohgaren, seltener öl-
oder sämischgaren Leders, welches, nachdem es gehörig geebnet und
geglättet, auf Holzrahmen ausgespannt worden ist, einen Lackfirniss
aufträgt, welcher eine schwarze Farbe und die Eigenthümlichkeit hat, in
der Kälte dickflüssig und zähe, in der Wärme aber dünnflüssig zu sein.
Dieser dickflüssige Lack auf die Häute und Felle aufgetragen und dann
in einen auf ungefähr 50° C. erhitzten Raum gebracht, wird dann
dünnflüssig, breitet sich auf dem horizontal liegenden Leder
gleichmässig aus und trocknet ein. Die Fabrikation der =farbigen=
lackirten Leder weicht insofern von der eben beschriebenen Methode ab,
als man bei ihr nur dünnflüssige Lacke anwendet und die Trocknung
derselben nur in minder hohen Hitzgraden bewerkstelligt.
Von grosser Wichtigkeit ist die Herstellung von glatten lackirten
Häuten für Sattler- und Wagenmacher-Gebrauch. Das Dach des Wagens,
welches in vielen Fällen bald steif gestellt, bald zurückgeschlagen
werden soll, bedarf neben einer grossen, dünnen, löcherfreien Haut,
auch eine solche, die dehnbar und weich ist, und alle Biegungen ohne zu
brechen verträgt. Die Haut der Kuh bot, in Folge ihrer natürlichen
Dünne und grossen Fläche, somit das einzige Material zur Herstellung
von Wagendecken; sie wurde mit Fett weich gemacht, geschwärzt und
gekrispelt. Allein sie war von nur kurzer Dauer, denn der Sonne
ausgesetzt, trat das in ihr befindliche Fett auf ihre Oberfläche und
beschmutzte sie; ihre Farbe, ursprünglich schwarz, wurde bald roth, und
der vor Kurzem noch elegante Wagen war seiner Schönheit beraubt. Nach
der Erfindung des Lederlackes konnte man dem Wagenbauer zu Verdecken
ein lackirtes Leder liefern, welches von den erwähnten Nachtheilen
völlig frei ist. Da die vorhandenen Kuhhäute zur Befriedigung des sich
immer mehr steigernden Bedarfs an Verdeckledern nicht ausreichten, kam
man auf den glücklichen Gedanken des Spaltens grosser starker
Ochsenhäute, und indem man dieselben ihrer ganzen Fläche nach
horizontal durchschnitt, erhielt man ein Leder für die Wagendecken und
ein zweites für Garnirung der Kutschensitze, der Kothflügel u. s. w.
Zum Schlusse sei noch das =Instrumenten-= oder =Klavierhammerleder=
erwähnt, welches seiner Bestimmung nach weich, aber doch sehr elastisch
sein muss. Die Fabrikationsweise dieses Leders wurde lange Zeit als
tiefes Geheimniss behandelt, gegenwärtig weiss man, dass dieses Leder
halb in Thran, halb in Fichtenlohe gegerbt ist. Ohne die Narbe von der
Haut abzustossen, wird es in Thran gewalkt, in Lauge gewaschen und auf
der Narbenseite an der Sonne gebleicht. Dann kommt es in eine auf
Handwärme abgekühlte Abkochung von Fichtenlohe, in welcher es so lange
verbleibt, bis das Leder, ursprünglich weiss, eine Lohfarbe angenommen
hat. Hierauf wird es übrigens wie sämischgares Leder zugerichtet. Unter
=dänischem= Leder versteht man eine Sorte lohgares Handschuhleder,
welches im Norden aus Fellen von jungen Ziegen, Lämmern und aus
Rennthierhäuten mit Hülfe von Weidenrinde hergestellt wird und sich
durch einen eigenthümlichen Weidengeruch, durch helle Farben und grosse
Geschmeidigkeit auszeichnet.