[Sidenote: Gerbematerialien.]
Die =Roth=- oder =Lohgerberei=, die sich mit der Umwandelung der Haut in
=roth=- oder =lohgares= Leder befasst, verwendet als Materialien
=gerbstoffhaltige Vegetabilien= und =Häute=.
Was die =gerbstoffhaltigen Vegetabilien= betrifft, deren sich der Gerber
bedient, so enthalten dieselben durchgängig als wesentlichen Bestandtheil
einen adstringirenden Stoff, =Gerbsäure=, =Tannin= oder =Gerbstoff=
genannt, welcher in den verschiedenen Pflanzen verschieden ist, aber sich
dadurch charakterisirt, dass er sauer reagirt, zusammenziehend schmeckt,
mit Eisenoxydsalzen eine schwarze oder grüne Färbung giebt, Leimlösung
und Cinchoninlösung fällt und Thierhaut in Leder verwandelt. Von dem
Galläpfelgerbstoff, welcher übrigens =nie= in der Gerberei Anwendung
findet, ist es erwiesen, dass er sich durch Säuren und durch Gährung in
Glycose und in Gallussäure spaltet, welche letztere zur Lederfabrikation
nicht geeignet ist. Die Gerbsäure der Eichenrinde kann unter den in der
Lederbereitung obwaltenden Verhältnissen nicht gespalten werden, ein für
die Zwecke der Gerberei wichtiger und dieselben begünstigender Umstand.
Jede Gerbsäure wird durch alkalische Flüssigkeit (Kalkwasser, Kalilauge,
Ammoniak) bei Luftzutritt unter Bildung von braunen Humussubstanzen
sofort zerstört.
[Sidenote: Eichenrinde.]
Das wichtigste und durch nichts zu ersetzende Gerbmaterial ist die
=Eichenrinde= (Eichenborke), worunter man die innere, zwischen der
äussern Rinde und dem Splint befindliche Rinde mehrerer Eichenarten,
_Quercus robur_ und _Q. pedunculata_ versteht. Im westlichen und
südlichen Deutschland befinden sich Eichenschälwaldungen, in welchen
die Ausschläge in 9-15jährigem Alter zur Gewinnung der besseren dünnen
Rinde, der sogenannten =Spiegelborke=, geschlagen werden. Die
zerkleinerte Eichenrinde führt den Namen =Lohe=. Nach Bestimmungen von
=E. Wolff= finden sich in der Eichenrinde folgende Mengen Gerbstoff:
Alter
der Stämme
in Jahre
In der rauhen
Rinde mit Borke fanden sich 10,86 Proc. Gerbstoff 41-53
" " Bastschicht
der alten Rinde " " 14,43 " " 41-53
" " Glanzrinde " " 13,23 " " 41-53
" " rauhen Rinde
u. Glanzrinde " " 11,69 " " 41-53
" " Bastschicht und
Glanzrinde " " 13,92 " " 41-53
" " Glanzrinde " " 13,95 " " 14-15
" " Glanzrinde " " 15,83 " " 2-7
Nach den Untersuchungen =Büchner='s (1867) überschreitet dagegen der
Gerbstoffgehalt der besten Eichenrinden 6-7 Proc. nicht. Die
=Fichtenrinde= (gewöhnlich von _Pinus sylvestris_), ist eines der
vorzüglichsten Gerbematerialien, welches bei Erzeugung des Sohlleders
häufig verwendet wird. Man schält in den Fichtenwäldern die Mittel- und
kleinen Bauhölzer sofort nach dem Fällen ab. =J. Feser= fand in der
Fichtenrinde 5-15 Proc. Gerbstoff; (ich fand nur 7,3 Proc.). In
Steiermark und Oberösterreich wendet man anstatt der Fichtenrinde die
=Tannenrinde= (mit 4-8 Proc. Gerbstoffgehalt), in Ungarn und an der
Militärgrenze die =Erlenrinde= (mit 3-5 Proc. Gerbstoffgehalt), in den
Vereinigten Staaten Nordamerika's die Rinde der Schierlingstanne
(=Hemlockrinde= von _Abies canadensis_) an[141]. Die =Ulmenrinde= (mit
3-4 Proc. Gerbstoff), die junge =Rosskastanienrinde= (mit etwa 2 Proc.
Gerbstoff) und die =Buchenrinde= (mit 2 Proc. Gerbstoff) finden hie und
da ebenfalls zum Gerben Anwendung. Die meisten Gattungen der =Weide=
liefern von den jüngeren Zweigen eine zum Gerben des Leders, namentlich
desjenigen, welches zu den sogenannten dänischen Handschuhen
verarbeitet wird, sehr brauchbare Rinde (der Gerbstoffgehalt beträgt
3-5 Proc.). In Russland wird die Rinde der Sandweide zur Bereitung des
Juften angewendet. In Tasmanien und Neusüdwales finden (nach =J.
Wiesner=) die Rinden von _Acacia dealbata_, _Ac. melanoxylon_, _Ac.
lasiophylla_ und _Ac. decurrens_ Anwendung. Von den vielen
einheimischen gerbstoffreichen Pflanzen, die zum Anbau sich eignen, ist
besonders _Polygonum bistorta_ beachtenswerth, welches, wie die
Untersuchungen von =C. Fraas= zeigen, 17-21 Proc. (?) Gerbstoff
enthält.
[141] In dem von Amerika in Europa importirten =Hemlockextract= fand
=Nessler= (1867) 14,3 Proc. Gerbsäure.
[Sidenote: Sumach.]
Nächst der Eichen- und Fichtenrinde ist der =Sumach= oder =Schmack=
eines der am häufigsten angewendeten Gerbematerialien, welches jährlich
in sehr bedeutenden Mengen aus Syrien und Südeuropa, neuerdings auch
aus Nordamerika und Algerien importirt wird. Er besteht aus den
Blättern und Blattstielen eines Strauches, des sogenannten
=Gerber-Sumachs= (_Rhus coriaria_ und _Rh. typhina_), welcher in den
genannten Ländern theils wild wächst, theils besonders angebaut wird.
Man sammelt die Wurzelschösslinge, welche im Monat Juni in die Erde
gelegt werden, und im dritten Jahre bereits so weit gediehen sind, dass
die Stengel und Blätter derselben abgehauen werden können. Die
abgehauenen Stengel und Blätter werden dann getrocknet, und hierauf die
Blätter mit den Blattstielen mittelst Stöcken abgeschlagen. Die
abgeschlagenen Blätter und Blattstiele werden zwischen Mühlsteinen
zermalmt, gesiebt und in Säcke verpackt in den Handel gebracht. Der
Sumach kommt im Handel nie anders als gepulvert vor und zwar in Gestalt
eines gröblichen Pulvers von bald gelbgrüner, bald graugrüner Farbe. Er
enthält 12 bis 16,5 Proc. Gerbsäure; in lange Zeit aufbewahrtem Sumach
ist der Gerbstoff in Folge einer freiwilligen Gährung zum grossen
Theile in secundäre Produkte umgesetzt. Neben der Gerbsäure findet sich
in dem Sumach noch ein gelber Farbstoff, welcher mit dem Quercitrin
identisch zu sein scheint.
Nicht zu verwechseln mit dem Sumach ist der =unächte Sumach=, auch
=venetianischer= und =italienischer Sumach= genannt, welcher aus den
gemahlenen und gestampften Blättern, jungen Zweigen und der Rinde des
Perückenbaumes (Färbersumach, Rujastrauches, Skumpina, _Rhus cotinus_,
von welchem das Visetholz stammt) besteht. Der Rujastrauch ist im
Banat, an der Militärgrenze, in Siebenbürgen und Illyrien und selbst in
der Gegend von Wien heimisch. Die grösste Menge des venetianischen
Sumachs wird in Ungarn und in der Türkei zum Gerben gebraucht. In
=Tyrol= gerbt man damit Ziegen-, Schaf- und leichte Kalbfelle, und
nennt dort das Pulver =Rausch=.
[Sidenote: Dividivi.]
Ein anderes Gerbematerial sind die =Dividivi= oder =Libidibi=, flache,
etwa 6 Centimeter lange, S-förmig gebogene, etwas rauhe, braunrothe
Schoten, die glatte, eiförmige, glänzende, olivengrüne Samen enthalten
und von einem in Caraccas und Maracaibo und auf mehreren Inseln der
Antillen wachsenden Baume, der _Caesalpinia_ oder _Poinciana coriaria_
herrühren. Sie wurden zuerst im Jahre 1768 von den Spaniern nach Europa
gebracht und statt der Knoppern für Gerberzwecke empfohlen. Der in der
äussern Rinde der Schote enthaltene Gerbstoff -- =Müller= fand in den
Schoten über 49 Proc., =H. Fleck= 32,4 Proc., ich fand darin 19-26,7
Proc. -- macht zwar die =Dividivi= zu einem brauchbaren, doch theuern
Gerbematerial geeignet, doch werden sie zuweilen in der Färberei
benutzt. Dasselbe gilt von dem =Bablah= oder dem =indischen Gallus=,
den Schoten der in Ostindien wachsenden _Acacia Bambolah_; es giebt
davon mehrere Sorten, die von _Acacia arabica_, _Ac. cineraria_ und
_Ac. Sophora_ gesammelt und in den Handel gebracht werden sollen. =H.
Fleck= fand darin 20,5 Proc. Gerbstoff, meine Probe gab mir 14,5 Proc.
Die =Algarobilla=, die von Chile eingeführten Samenkapseln von
_Prosopis pallida_ (oft mit Rinde gemengt) sind in England
versuchsweise zum Gerben angewendet worden. Die aus Ostindien (Bombay)
kommenden =Myrobalanen= (die Früchte von _Terminalia citrina_, _T.
Bellirica_, _T. Chebula_) enthalten zu wenig Gerbstoff, um in der
Gerberei ausgedehntere Anwendung finden zu können.
[Sidenote: Galläpfel.]
Mit dem Namen =Galläpfel= bezeichnet man die bekannten kugligen
Auswüchse, welche an den jungen Zweigen und Blattstielen verschiedener
Eichenarten, namentlich der _Quercus infectoria_ durch den Stich des
Weibchens der Gallwespe (_Cynips gallae tinctoriae_) sich bilden, das
Insect legt seine Eier in die durch den Stich entstandene Oeffnung, um
welche dann bald durch den Ausfluss der Säfte und durch die Erweiterung
der Drüsen des Zellgewebes pathologische Anschwellungen entstehen, in
welchen die Eier ausgebrütet werden. Man sammelt die Galläpfel zu
verschiedenen Zeiten, ehe das Insect darin ausgebildet ist, zu welcher
Zeit die Galläpfel am reichsten an Gerbsäure sind, ferner wenn das
ausgebildete Insect anfängt, seine Hülle zu durchbrechen, und endlich
zu der Zeit, wo sämmtliche Galläpfel entleert und trocken geworden
sind. Darnach unterscheidet man drei Hauptsorten: die schwarzen, die
grünen und die weissen Galläpfel. Die =schwarzen= und =grünen=
Galläpfel heissen die Anschwellungen, die zu der Zeit eingesammelt
wurden, als die Gallwespe noch nicht völlig ausgebildet war und vor dem
Ausschlüpfen in dem Gallapfel starb; sie zeigen daher aussen keine
Oeffnung, aber im Innern einen scharf abgegrenzten kugligen Kern, der
aus einer hellbraunen zerreiblichen Substanz besteht und in seiner
kleinen Centralhöhle die vertrocknete Larve enthält. Die Galläpfel sind
gewöhnlich kuglig und oben, seltener an den Seiten, mit unregelmässigen
Höckern besetzt; übrigens sind sie glatt und schwärzlichgrün und wie
grau bestäubt; die Höcker sind gewöhnlich hellbraun. Die =weissen= oder
=gelben= Galläpfel sind eingesammelt worden, nachdem die Gallwespe
darin ausgebildet und nach Durchbohrung ihrer Hülle entflohen ist; sie
sind durchschnittlich grösser und schwammiger als die vorigen und
unterscheiden sich von den durch ihre röthliche oder bräunlichgelbe
Farbe; im Innern findet sich nicht nur eine Höhlung, sondern auch ein
kleines rundes Loch, welches von der Peripherie des Gallapfels in diese
Höhlung führt. Obschon in allen Ländern Europa's Galläpfel sich bilden,
so sammelt man doch nur die aus den südlichen Gegenden, indem die bei
uns vorkommenden oft nur 3-5 Proc. Gerbstoff enthalten. =v. Fehling=
fand in Aleppo-Galläpfeln 60-66 Proc. =H. Fleck= 58,71 Proc. Gerbstoff,
ausserdem 5,9 Proc. Gallussäure.
[Sidenote: Knoppern.]
Von den =Knoppern=, die den Galläpfeln zunächst stehen, unterscheidet
man unnatürliche oder eigentliche Knoppern und natürliche oder
orientalische Knoppern. Die =unnatürlichen= (oder pathologischen)
=Knoppern= sind ebenso wie die Galläpfel braune Auswüchse des
Eichbaumes, welche durch den Stich einer Gallwespe, _Cynips Quercus
calycis_, entstehen, nur mit dem Unterschiede, dass sie sich nicht auf
den Zweigen und Blattstielen, sondern aus dem Saft der jungen Eicheln
(aber nicht der Fruchtbecher, wie man früher annahm) bilden. Sie
umgeben die Eichel meist nur an einer Seite, seltener ganz. Die
Knoppern kommen in dem Handel in unregelmässigen, unebenen, eckigen,
braungelben Stücken bis zu Wallnussgrösse vor; an der einen Seite ist
die verkümmerte Eichel sichtbar, durch deren Verwundung sie entstanden,
oder, falls die Eichel fehlt, die durch sie bewirkte schalenförmige
Vertiefung. Man sammelt sie besonders in Ungarn, Mähren, Slavonien,
Steiermark, Krain und bringt sie in den Handel. Ihr Gerbstoffgehalt
beträgt 45 Proc. Die Knoppern finden neben der Eichenrinde vielfach zur
Bereitung von lohgarem Sohl- und Fahlleder Anwendung, welchem sie eine
schöne braune Farbe mittheilen. Seit einer Reihe von Jahren kommt auch
=Knoppernextract= im Handel vor. Die =natürlichen= (oder
physiologischen) =Knoppern=, auch =Valonia=, =Acker=- oder
=Eckerdoppen= genannt, sind keine Auswüchse als Folge von
Insectenstichen, sondern sind die natürlichen Fruchtbecher der auf
griechischen Inseln, in Kleinasien und Syrien vorkommenden _Quercus
aegilops_ und _Valonia camata_. Die grossen Fruchtbecher sind durch
abstehende, stumpfe oder eckige, sehr grosse, dicke Schuppen (Bracteen)
charakterisirt; sie kommen theils mit, theils und meist ohne Eichel
vor. Im letzteren Falle sind sie geschätzter. Ihr Gerbstoffgehalt
beträgt 40-45 Proc.; in Valoniamehl, welches durch Mahlen
eichelhaltiger Waare erhalten worden war, fand ich in dem einen Falle
19, in dem anderen 27 Proc. Gerbstoff. Die Kelchschuppen der Valonia
finden sich unter dem Namen =Drillot= im Handel; sie sind reicher an
Gerbstoff als die Valonia selbst. (=Rothe= fand darin 43-45 Proc.)
[Sidenote: Chines. Galläpfel.]
An die vorstehenden Produkte des Eichbaumes schliessen sich an die
sogenannten =chinesischen Galläpfel=, die seit dem Jahre 1847 im Handel
sich finden und aus China, Japan und Nepal kommen. Es sind blasige
Anschwellungen, welche durch den Stich von _Aphis chinensis_ an einer
Sumachart, der _Rhus javanica_ oder _Rh. semialata_ sich bilden und
meist länglich walzenförmig, aber auch plattgedrückt, birnförmig,
kuglig vorkommen und auf ihrer mit gelblichgrauem Filz bedeckten
Oberfläche mancherlei hohle Höcker und Zacken zeigen. Ihre Länge
variirt von 3-10 Centimeter und ihre Dicke von 1,5-4 Centimeter; ihre
Wände sind dünn, hornartig durchscheinend und spröde. Sie zeichnen sich
durch hohen Gehalt von Gerbstoff, nämlich 60 bis 70 Proc. aus.
[Sidenote: Catechu.]
Seit ungefähr fünfzig Jahren werden in der Gerberei ausländische
gerbstoffhaltige Extracte vielfach angewendet, welche in der Medicin
unter dem Namen =Catechu= und =Kino= längst schon Verwendung finden.
Das =Catechu= oder =Cachon= wird durch Auskochen des Kernholzes von
_Acacia catechu_ in Ostindien und vorzüglich in Bengalen und auf
Coromandel, Coliren der Abkochung und Eindampfen bis zur Trockniss
bereitet; diese Sorte Catechu (=Bombay-Catechu=) kommt in ungleich
grossen und unregelmässigen, meist quadratischen, unten glatten und
oben schwach gewölbten Stücken im Handel vor, die mit Blättern einer
Palmenart durchzogen sind. Auf dem Bruche erscheint es fettglänzend von
lederbrauner bis schwarzbrauner Farbe. Aussen sind die Stücke matt und
leicht zerreiblich. Eine andere Catechuart (=bengalisches Catechu=),
die aus den Nüssen von _Areca catechu_ dargestellt werden soll, kommt
in grossen, unregelmässigen, kuchenförmigen Brocken, die äusserlich
gleichmässig braun sind und inwendig hellere und dunklere Schichten
zeigen, dabei ziemlich schwer und fest sind, im Handel vor. Dem Catechu
ähnlich ist des =Gambir=, ein auf Sumatra, Singapore, Malacca und
besonders der Insel Rhio aus den Blättern und dünnen Zweigen der
_Uncaria Gambir_ bereitetes Extract, das zu uns in kleinen,
würfelförmigen trocknen, leichten, zerreiblichen Stücken von erdigem
Bruche und zimmetbrauner Farbe kommt. Die Catechusorten enthalten 40-50
Proc. einer eigenthümlichen Gerbsäure (Catechugerbsäure von der Formel
C_{15}H_{14}O_{6} nach =J. Löwe=) und ausserdem eine eigenthümliche
Säure, die Catechusäure (C_{16}H_{14}O_{6}), die jedoch beim
Gerbeprocess, wie es scheint, ausser Spiel bleibt.
[Sidenote: Kino.]
Das =Kino= ist eine dem Catechu sehr ähnliche Drogue; es soll der
eingetrocknete Saft verschiedener Pflanzen sein, nämlich
das afrikanische Kino von _Pterocarpus erinaceus_,
" ostindische " " " _Marsupium_,
" " " nach Anderen von _Butea frondosa_,
" westindische " von _Coccolaba uvifera_,
" neuholländ. " " _Eucalyptus resinifera_.
Das Kino bildet gewöhnlich kleine, eckige, scharfkantige, spröde, zu
einem braunrothen Pulver zerreibliche, glänzend schwarze Stücke, die
stark zusammenziehend, hintennach süsslich schmecken und sich in
siedendem Wasser und in Alkohol fast vollständig zu einer blutrothen
Flüssigkeit auflösen. Es enthält 30-40 Proc. einer der Catechugerbsäure
ähnlichen Gerbsäure. Catechu und Kino kommen besonders bei vielen
sogenannten Schnellgerbeverfahren in Anwendung.
[Sidenote: Untersuchung der Gerbematerialien.]
Da der Werth der Gerbematerialien allein von der Menge der in ihnen
enthaltenen Gerbsäure abhängig ist, so ist es von Wichtigkeit, eine
Prüfungsmethode zu haben, welche den Gehalt an Gerbstoff annähernd
angiebt. Die in Wasser leicht lösliche Gerbsäure wird aus ihrer Lösung
durch verschiedene Mittel ziemlich vollständig niedergeschlagen, so
durch Leim und Thierhaut, durch essigsaures Kupferoxyd, durch
essigsaures Eisenoxyd, durch Alkaloide (Chinchonin, Chinin) etc.; sie
wird ferner durch eine Lösung von übermangansaurem Kali vollständig
zerstört. Darauf gründen sich nachstehende Methoden der
Gerbsäurebestimmung: 1) Die Gerbsäure wird mit =Leim= oder =Thierhaut=
ausgefällt; a) die Thierhaut wird vor dem Versuche und nach dem
Versuche gewogen; die Gewichtszunahme giebt die Menge der Gerbsäure
(=Davy=); b) die Gerbsäure wird mit titrirter Leimlösung ausgefällt
(=v. Fehling=); c) die Gerbsäure wird mit einer mit =Alaun= versetzten,
titrirten Leimlösung ausgefällt (=G. Müller=); d) es wird das
specifische Gewicht der Gerbstofflösung mittelst eines Araeometers
bestimmt, die Gerbsäure mit Hülfe von Thierhaut entfernt, und von Neuem
das specifische Gewicht der Flüssigkeit ermittelt. Die Abnahme des
spec. Gewichts ist dem Gerbstoffgehalt der ursprünglichen Flüssigkeit
proportional (=C. Hammer=); 2) Die Gerbsäure wird durch =Kupferacetat=
ausgefällt und zwar das Verhältniss zwischen Gerbsäure und Kupferoxyd
im Niederschlage; a) volumetrisch (=H. Fleck=) oder b) durch Wägung des
Kupferoxydes (=E. Wolff=) bestimmt; 3) Die Gerbsäuremenge wird durch
=Ferriacetat= und auf volumetrischem Wege ermittelt (=R. Handtke=); 4)
Man sucht die Gerbsäure durch eine titrirte Lösung von
=Kaliumpermanganat= zu zerstören (=Löwenthal=); 5) Die Gerbsäure wird
aus ihrer Lösung durch =Cinchonin=, dessen Lösung mit etwas Fuchsin
rothgefärbt ist, gefällt. Zum Fällen von 1 Grm. Eichengerbsäure braucht
man 0,7315 Grm. Cinchonin, welche 4,523 Grm. krystallisirtem neutralem
schwefelsaurem Cinchonin entsprechen (=R. Wagner=).
[Sidenote: Die Häute.]
Obgleich im Allgemeinen die =Häute= aller Quadrupeden zur Lederbereitung
sich eignen, so schliessen doch häufig zu geringe Dimensionen oder ihr
Nutzen als Pelzthiere die Häute vieler Thiere aus. Unter den in der
Gerberei angewendeten Häuten nehmen die des Rindviehes den obersten Platz
ein, an Festigkeit und Güte stehen ihnen nach die Haut des Pferdes und
des Esels. Wie die Praxis gezeigt hat, ist die Festigkeit der Haut nicht
allein abhängig von der Art des Thieres, sondern auch von dessen
Lebensart, so übertrifft das wilde Rindvieh bei weitem das zahme, und bei
letzterem wieder ist die Festigkeit der Haut grösser bei Weidevieh als
bei im Stall gefütterten Thieren. Die Dicke der Haut eines bestimmten
Thieres ist ausserordentlich wechselnd; in der Mitte des Rückens oder am
Kopfe ist es häufig doppelt so dick als am Bauche. Bei den kleineren
Thieren sind die Unterschiede in der Dicke weniger wahrnehmbar, bei den
Schafen behauptet man übrigens gefunden zu haben, dass die Qualität und
Dicke der Haut in Beziehung zu der Dicke des Vliesses im Augenblick des
Schlachtens steht; je dicker und länger seine Wolle, desto dünner und
weniger haltbar die Haut, da, wie es scheint, die Theile, welche zur
Ernährung und Bildung der Haare dienen, der Ernährung der Haut entgehen.
Das dickste und derbste Leder, besonders als Sohlenleder für das
Schuhwerk verwendet, liefern Stier- und Ochsenhäute, welche man im
rohen unbearbeiteten Zustande =grüne Häute= nennt, und theils im
frischen, ungetrockneten Zustande aus den nächstliegenden Metzgereien
(eine frische Ochsenhaut, so wie sie vom Metzger kommt, wiegt 25-30
Kilogr., verliert aber bei Austrocknen etwas über die Hälfte an
Gewicht), theils im getrockneten Zustande aus entfernten Gegenden
bezieht. Letztere sind zum Theil nur getrocknet wie die aus
Buenos-Ayres, zum Theil gesalzen und getrocknet, wie die von Bahia und
Fernambuk in den Handel gebrachten, bisweilen auch geräuchert. Ein
dünnes, weniger dichtes Leder und von minder feinem Korn als die
Stierhäute geben die Kuhhäute, welche zu leichten Sommersohlen gegerbt,
unter dem Namen =Vacheleder= bekannt sind; die stärksten Kuhhäute
stammen aus den südamerikanischen Ebenen, sie werden wie gesagt zu
leichtem Sohlenleder, dann zu Oberleder u. dergl. verarbeitet. Die
Häute der Kälber sind dünner als die der Kühe, aber dicker als die der
meisten anderen Thiere und liefern gegerbt ein sehr zähes, dabei
weiches und biegsames Leder (=Kalbkid=), welches besonders als
Oberleder des Schuhwerkes (=Schmalleder=, =Fahlleder=), verwendet wird,
während die Stirnhäute und stärkeren Kuhhäute nur als =Sohl=- und
=Pfundleder= Verwendung finden. Die Pferdehäute sind dünn und geben ein
fast nur zu Sattlerarbeiten benutztes Leder. Die Schaffelle liefern
Leder von geringerer Stärke für Buchbinderarbeiten, Waschleder,
gefärbtes Leder u. s. w. Die Häute der Lämmer und jungen Ziegen liefern
Leder für Handschuhe, die Häute der ausgewachsenen Ziegen das beste
Material für Saffian und Maroquin. Hirsch- und Rehhäute, sowie
Gemsenfelle werden in der Regel sämischgegerbt und als Wildleder
verwendet. Schweine liefern ein dünnes, äusserst festes, besonders für
Sattelsitze verwendetes Leder. Seehundsleder wird seiner grossen
Zähigkeit wegen vorzüglich zum Einfassen der Sattlerarbeiten verwendet.
[Sidenote: Die einzelnen Arbeiten der Lohgerberei]
Die =einzelnen Arbeiten in der Lohgerberei= lassen sich auf drei
Hauptarbeiten, A. auf das Reinmachen der Haut auf der Fleisch- und auf
der Narbenseite, mit anderen Worten auf eine Blosslegung des Coriums; B.
auf das eigentliche Gerben, und C. auf eine Zurichtung der lohgaren
Häute, um sie in Waare zu verwandeln, zurückführen. Diese drei
Hauptarbeiten zerfallen wieder in folgende Operationen: