In der Zukunft wird vielleicht eine

4. =Gruppe= aufgestellt werden müssen, welche alle Substanzen umfassen

wird, die zur synthetischen Darstellung von Alkohol, von sogenanntem

=Mineralspiritus=, dienen können. =Berthelot= wies 1855 die Bildung

von Alkohol aus ölbildendem Gas und Wasser (C_{2}H_{4} + H_{2}O =

C_{2}H_{6}O) nach. Oelbildendes Gas wird bei anhaltendem

Zusammenschütteln mit concentrirter Schwefelsäure unter Bildung von

Aetherschwefelsäure absorbirt, aus der Flüssigkeit kann durch

Verdünnung mit Wasser und Destillation sofort wässeriger Alkohol

gewonnen werden. Vor der Hand ist die synthetische Bildung des

Alkohols, die vor einigen Jahren von einem französischen Techniker

auszubeuten versucht wurde, lediglich von wissenschaftlichem Interesse.

A. Darstellung der weingaren Maische.

[Sidenote: Weingare Maische aus Cerealien.]

Getreidebranntwein (Kornbranntwein) wird aus Weizen, Roggen und Gerste

dargestellt. Nie brennt man eine Getreideart allein, da die Ausbeute an

Alkohol erfahrungsmässig grösser ist, wenn man zwei Getreidearten, wie

Weizen und Gerste, Roggen und Gerste und dergl. brennt. Meist nimmt man

Gemenge von Roggen mit Weizen- oder Gerstenmalz, oder Weizen gemengt mit

Gerstenmalz. Auf 1 Th. Malz rechnet man 2 bis 3 Th. ungemalztes Getreide.

Entweder bereitet man wie in England eine wirkliche Würze, indem man, wie

in der Bierbrauerei, malzt, taigt und maischt und dann die Würze zieht,

oder man lässt die ganze Maische nebst den Trebern gähren. Letzteres

Verfahren ist in Deutschland gebräuchlich und wird auch bei nachstehender

Beschreibung zu Grunde gelegt werden. In Russland und Schweden wird (nach

mir zugekommenen Mittheilungen von =N. Witt=) vielfach Branntwein _ohne

Malz_ verarbeitet, indem bei geeigneter Einmaischung des Roggenmehls

durch gewisse Bestandtheile desselben derselbe Effect erzielt wird, wie

durch die Diastase des Malzes[122].

[122] Vergl. Zeitschrift des landwirthschaftl. Vereins in Bayern, 1866,

Januar p. 35.

Die Darstellung der weingaren Maische aus Getreide zerfällt in folgende

vier Operationen, nämlich in

1) =Das Schroten.= Das rohe so wie das gemalzte Getreide werden vor der

Verarbeitung geschroten; da es sich in der Spiritusfabrikation nicht um

die Darstellung einer klaren Würze handelt, sondern darum, dass die

Zuckerbildung eine vollständige ist, so ist es durchaus erforderlich,

dass das Schrot möglichst fein sei. In der Spiritusbereitung wird jetzt

vorzugsweise =Grünmalz= verwendet.

2) =Das Eintaigen.= Die Operation des Eintaigens ist ihrem Wesen nach

mit dem Einmaischen der Brauer identisch, mit dem Unterschiede jedoch,

dass der Brenner die vollständige Ueberführung des Stärkemehls in

Glycose beabsichtigt, während der Brauer einen Theil der Stärke nur in

Dextrin überführt. Die vollständige Verzuckerung, ferner die

vollständige Umwandelung der Glycose in Alkohol während der Gährung,

sind nur bei einer gewissen Verdünnung der Maische möglich. Unter ein

gewisses Verhältniss des Wasserzusatzes darf nicht herabgegangen

werden, wenn man nicht an Ausbeute verlieren will. Da in den meisten

deutschen Ländern nicht das fertige Produkt, der Alkohol, sondern der

Maischraum versteuert wird, so liegt es in dem Interesse des Brenners,

seinen Maischraum möglichst auszunutzen und mit höchst concentrirter

Maische zu arbeiten. Die Forderungen der Wissenschaft sind daher den

Forderungen der Praxis entgegengesetzt; erstere verlangt die grösste

Alkoholausbeute aus einem gegebenen Gewicht des Rohmaterials, letztere

aus dem kleinsten Maischvolumen. Bis zu einem gewissen Punkte wird

daher der Vortheil, welcher aus der genauen Befolgung der Grundsätze

der Chemie folgt, durch den Nachtheil mehr als compensirt, der aus den

Steuerverhältnissen entspringt. Die Erfahrung hat nun den Weg gezeigt,

auf welchem Theorie und Steuer, Gewinn und Verlust, sich mit einander

ins Gleichgewicht setzen. Ehemals rechnete man auf 1 Th. Schrot im

Mittel 8 Th. Wasser, es fand vollständige Verzuckerung und vollständige

Vergährung statt und die Trennung des Alkohols durch Abdestilliren

konnte aus einer so dünnen Maische mit Leichtigkeit geschehen. Diesen

Vortheilen stellte sich der Nachtheil grösserer Geräthschaften und

einer grösseren Brennstoffconsumtion entgegen. Dazu kam noch die

Besteuerung des grösseren Maischraumes. Man wurde so nach und nach

veranlasst, von 8 Th. Wasser auf sechs, fünf, ja bis auf 3,75

herabzugehen und erhielt in Folge einer vollständigeren Vergährung mit

weniger Kosten eine grössere Alkoholausbeute als früher. In neuerer

Zeit zieht man das Verhältniss von 1 : 4,5 vor. Bei einem Verhältniss

von 1 : 3,75 tritt schon entschieden ein Verlust ein, es bleiben zu

viel Stärkemehl und Dextrin in der Schlempe zurück.

3) =Das Ab- und Zukühlen der Maische.= Nachdem die Verzuckerung

vollendet ist, muss die Temperatur der Maische so schnell als möglich

auf die zum Hefengeben und zum Einleiten der Gährung geeignete

Temperatur herabgebracht werden. Das Kühlen geschieht theils durch

=Abkühlung= auf Kühlschiffen, genau so wie in der Bierbrauerei, theils

durch Vorrichtungen (Kühlapparate), welche die Verdunstung befördern,

theils auch durch =Zukühlen= mit kaltem Wasser oder mit Eis. Die

Temperatur, bis zu welcher gekühlt werden muss, richtet sich nach der

Temperatur des Gährlokales, ferner nach der Dauer der Gährung; wendet

man dreitägige Gährung an, so braucht man begreiflicherweise eine etwas

höhere Temperatur als bei viertägiger Gährung. Nachdem die Maische bis

zur erforderlichen Temperatur -- im Durchschnitt bis auf 23° C. --

abgekühlt worden ist, setzt man ihr einen Theil des Zuckerkühlwassers

zu und bringt sie in den Gährbottich.

4) =Die Gährung der Maische.= Die Gährbottiche sind meist aus Holz,

doch wendet man auch solche aus Stein an. Erstere verdienen den Vorzug,

da sie weniger schnell die Wärme ableiten. Aus dem nämlichen Grunde

zieht man grössere Bottiche den kleineren vor. Eine Capacität von 4000

Litern wird selten überschritten. Man benutzt entweder Bierhefe

(Oberhefe oder Unterhefe) im flüssigen Zustande, oder =Presshefe=, wie

die durch Abpressen der Bierhefe oder der bei der Gährung der

Branntweinmaische sich bildenden Hefe gewonnen wird. Letztere wird vor

ihrer Anwendung in warmem Wasser zertheilt. Von der flüssigen Bierhefe

rechnet man auf 1000 Liter Maische 8-10 Liter, auf 3000 Liter Maische

reicht man mit 15-20 Liter Hefe. Von der Presshefe verwendet man auf

1000 Liter Maische 1/2 Kilogr., auf 3000 Liter 1 Kilogr. Da man Bier-

und Presshefe nicht immer von der erforderlichen Qualität und zu

billigem Preise haben kann, so pflegt man in den grösseren Brennereien

künstliche Hefe zu bereiten. Das Zugeben der Hefe zu der gekühlten

Maische geschieht auf ähnliche Weise wie das Anstellen der Bierwürze.

Nach 3 bis 5 Stunden tritt die Gährung ein, wobei sich die Temperatur

auf 30-32° erhöht. So wie die Kohlensäureentwickelung aufhört, sinken

die schwereren Theile unter und machen den flüssigen Platz. Diese

Erscheinung tritt am vierten Tage ein und gilt als Zeichen der

Beendigung der Gährungsprocesses. So wie die Maische =weingar= oder

=reif= ist, muss sofort zur Abscheidung des Alkohols geschritten

werden. Dass man hier unter Reife nicht die absolute Vollendung der

Gährung, sondern die relative mit Berücksichtigung des ökonomischen

Vortheiles versteht, welcher mit der rechtzeitigen Unterbrechung der

Gährung verbunden ist, bedarf kaum der Erwähnung.

[Sidenote: Maische aus Kartoffeln.]

Die =Kartoffeln= bestehen aus 28 Proc. Trockensubstanz (mit 21 Proc.

Stärkemehl und 2,3 Proc. Albuminkörpern) und 72 Proc. Wasser und

enthalten ebenso wie die Cerealien nur das in Dextrose überführbare

Stärkemehl, nicht aber auch den Umbilder, welchen man Diastase genannt

hat. Dieser Stoff wird auch nicht in den Kartoffeln durch das Keimen

erzeugt. Damit daher die Stärke der Kartoffeln in Dextrose übergehe, muss

man entweder bei der Verarbeitung der Kartoffeln Malz zugeben, oder die

vorbereiteten Kartoffeln mit verdünnter Schwefelsäure behandeln. Je

nachdem nun das erstere oder das letztere geschieht, unterscheidet man:

a) Darstellung der Maische mit Hülfe von Malz, b) Darstellung der Maische

mittelst Schwefelsäure. Die erstere Art der Maischdarstellung ist die

gewöhnliche und von ihr wird vorzugsweise im Folgenden die Rede sein.

Man unterscheidet bei der Bereitung der weingaren Kartoffelmaische

folgende Operationen: 1) _Das Waschen und Kochen der Kartoffeln._ Ehe

man die Kartoffeln dämpft oder kocht, reinigt man dieselben in der

Regel von der anhängenden Erde. Das Waschen geschieht entweder in einem

Troge oder in einer Trommel. Nach dem Waschen schreitet man zum Kochen

der Kartoffeln, ohne sie vorher von der Schale zu befreien. Früher

kochte man die Kartoffeln mit Wasser, gegenwärtig allgemein mit

Dämpfen. 2) _Das Zerkleinern der gargekochten Kartoffeln._ Sobald die

Kartoffeln gargekocht sind, schafft man die Kartoffeln aus dem Bottich

auf den Rumpf, der sie nach den zum Zerkleinern dienenden Apparate

führt. Dabei wird die Dampfzufuhr nur ermässigt, nicht unterbrochen,

damit die Kartoffeln heiss bleiben. Beim Erkalten nehmen gekochte

Kartoffeln bekanntlich häufig eine seifige Beschaffenheit an, in deren

Folge sie nur schwierig zerkleinert und nicht mehr gleichmässig mit

Wasser gemischt werden können. Eine vollständige Ueberführung des

Stärkemehls in Dextrose ist aber nur dann erreichbar, wenn durch die

Quetschmaschinen eine lockere, mehlartige Substanz und nicht eine

zusammengeballte Masse geliefert wird. Die einfachste Vorrichtung zum

Zerkleinern der Kartoffeln besteht in zwei hohlen gusseisernen Walzen,

deren Axen in Lagern eines Gestelles liegen und welche durch zwei Räder

so mit einander verbunden sind, dass bei der Umdrehung die Walzen in

entgegengesetzter Richtung sich bewegen. 3) _Das Einmaischen._ Die

Kartoffeln werden auf ähnliche Weise wie das rohe Getreide unter Zusatz

von Malz gemaischt. Man zieht das Gerstenmalz, weil es am kräftigsten

und vortheilhaftesten wirkt, allen übrigen Malzarten vor, doch wendet

man nicht selten Roggenmalz mit Gerstenmalz gemischt an. Das Grünmalz

wirkt kräftiger als das Luftmalz und bedingt eine grössere

Alkoholausbeute. Das Verhältniss des Malzschrotes zu den Kartoffeln

wird verschieden angegeben, während auf der einen Seite behauptet

wird, dass 2 bis 3 Proc. Gerste (als Malz) auf 100 Th. Kartoffeln

genügend seien, wollen andere, dass man 10 Proc. Gerste nehme. Wie so

häufig in der Welt möchte auch hier das Richtige in der Mitte liegen

und in der That ist ein Zusatz von 5 Th. Gerste oder auch Luftmalz zu

100 Th. Kartoffeln am gebräuchlichsten. 100 Th. Kartoffeln (mit etwa 20

Proc. Stärkemehl) geben im Durchschnitt 17,3 Th. wasserfreies Extract

in die Maischwürze, 5 Th. Gerstenmalz geben 3 Th. wasserfreies Extract;

die Spiritusausbeute ist daher auf diese beiden Materialien zu

vertheilen. Bei dem Dickmaischen der Kartoffeln geht man etwas weiter

als beim Maischen des Getreides, nämlich bis zu einem Verhältnisse der

Trockensubstanz zum Wasser, wie 1 : 4,5, 1 : 4, selbst 1 : 3. Es ist

klar, dass der grosse Wassergehalt der Kartoffeln (72-75 Proc.) bei

diesem Verhältnisse in Abzug gebracht wurde.

Das =Ab=- und =Zukühlen= erfolgt auf dieselbe Weise, wie früher

beschrieben worden ist. Auf dem Kühlschiffe erleidet die Maische

Veränderungen, welche theilweise zum Vortheil, aber auch zum Theil

nachtheilig auf die Alkoholausbeute sind. Zu den günstigen

Veränderungen ist die Zunahme des Zuckergehaltes zu rechnen. In der

abgekühlten Maische ist mehr Glycose enthalten als vorher, eine

Thatsache, die sich nur durch die Gegenwart von Proteïnkörpern in der

Maischwürze erklären lässt, welche die Eigenschaft besitzen, das

Dextrin in der ungekühlten Maische in Dextrose überzuführen[123]. Eine

andere Veränderung der Maische besteht in der Bildung von Milchsäure,

die sich stets unter Mitwirkung eines eigenthümlichen

Milchsäurefermentes auf Kosten des Zuckers bildet. Die Milchsäure

bildet sich um so reichlicher, je langsamer die Abkühlung der Maische

auf die Gährtemperatur vor sich geht. Das beste Mittel, ihre Bildung

auf ein unschädliches Maass zu erniedrigen, besteht daher in der

möglichst schnellen Abkühlung. Seit einiger Zeit hat man in der

=schwefligen Säure= ein ausgezeichnetes Mittel entdeckt, um die

Ausbeute von Alkohol aus der Maische durch Verhinderung der

Milchsäurebildung zu vergrössern. Man maischt unter Zusatz einer

wässerigen Lösung von schwefliger Säure ein.

[123] Jeder Eiweisskörper besitzt in einem bestimmten Zersetzungsgrade

die Eigenschaft, Stärkemehl in Dextrose überzuführen, so Blut,

Galle, Gehirnsubstanz, Hefe, Albumin von gekeimter Gerste,

Speichel, faules Fleisch. Wenn =Mulder= will, dass das Wort

=Diastase= aus der Wissenschaft gestrichen werde -- er schlägt

dafür den Namen =Satzmehlumbilder= vor -- so lässt sich vom

Standpunkte der chemischen Wissenschaft aus kaum etwas erwidern,

da die Diastase als chemisches Individuum nicht existirt. In der

Technologie dagegen kann die Diastase beibehalten werden, nur sei

unter ihr nur der Inbegriff von solchen in Zersetzung begriffenen

Eiweisssubstanzen verstanden, welche das Stärkemehl in Dextrose

umzuwandeln vermögen.

[Sidenote: Maische mittelst Schwefelsäure.]

=Darstellung der Maische mittelst Schwefelsäure.= Wie auf Seite 466

angegeben worden ist, kann die Umwandelung des Stärkemehls in Dextrose

ausser durch die sogenannte Diastase des Malzes auch noch durch verdünnte

Säuren, namentlich verdünnte Schwefelsäure, geschehen. Diese Art der

Maischbereitung ist von =Leplay= empfohlen worden.

Bei der Ausführung werden die rohen Kartoffeln zu einem Brei zerrieben;

der Brei wird in einen grossen Bottich gebracht und mit viel Wasser

übergossen. Das aus den zerrissenen Zellen des Kartoffelbreies

ausgeschiedene Stärkemehl setzt sich theils auf den Boden des Bottichs,

theils auf der zerriebenen Kartoffelmasse ab. Die überstehende braune

Flüssigkeit und mit ihr das Eiweiss der Kartoffeln, welches der

Einwirkung der Schwefelsäure Schwierigkeiten machen würde, wird mit

Hülfe eines Hebers entfernt. Die Flüssigkeit selbst dient für das Vieh

entweder zum Tränken oder zum Annetzen des trocknen Futters. Während

der Kartoffelbrei ausgelaugt wird, erhitzt man in einem zweiten Bottich

die erforderliche Menge verdünnter Schwefelsäure mit Hülfe eines

Dampfrohres bis zum Sieden. Auf das Hektoliter Kartoffeln rechnet man

1,5-2 Kilogr. englische Schwefelsäure und zu deren Verdünnung 3-4 Liter

Wasser. In diese siedende Flüssigkeit wird nach und nach der

ausgelaugte Kartoffelbrei eingetragen. Das Kochen wird fortgesetzt, bis

nicht nur kein Stärkemehl, dessen Anwesenheit durch Jodwasser erkannt

wird, sondern auch kein Dextrin in der Flüssigkeit mehr ist. Eine Probe

der Flüssigkeit in einem Probirgläschen mit starkem Alkohol gemischt,

darf nicht milchig werden, gegenfalls das Kochen fortgesetzt werden

muss. Nach etwa fünfstündigem Kochen ist die Zuckerbildung beendigt.

Die Flüssigkeit wird in einen Bottich mit Doppelboden gebracht und

behufs der Trennung des ungelösten Faserstoffes in einen anderen

Bottich abgelassen und darin mit Hülfe von Kreide neutralisirt. Die vom

ausgeschiedenen Gypse abgelassene Flüssigkeit wird wie die mittelst

Gyps erhaltene Maische mit Hefe zur Gährung gebracht. Ueber den Werth

des =Leplay='schen Verfahrens hat die Praxis noch nicht endgültig

entschieden. In dem, was bis jetzt vorliegt, findet sich viel

Widersprechendes. Im Allgemeinen stimmen alle Urtheile darin überein,

dass mit dem neuen Verfahren im Ganzen wenig Vortheil verknüpft ist;

was an Malz erspart wird, absorbirt die Ausgabe für Schwefelsäure und

Brennmaterial, von welchem wegen des mehrstündigen Kochens bedeutend

mehr verbraucht wird.

4) _Die Gährung der Kartoffelmaische._ Das Zugeben der Hefe zu der

gekühlten Maische in den Gährbottichen geschieht auf dieselbe Weise wie

bei der Maische aus Cerealien. Als Gährmittel wendet man auch hier

Bierhefe an. Auf 100 Kilogr. rechnet man 1-2 Liter breiiger Bierhefe

oder 3/4-1 Kilogr. Presshefe. In der Kartoffelmaische befindet sich

neben Malz- und Getreidehülsen auch fein zertheilter Zellenstoff; diese

Substanzen werden während der Gährung auf die Oberfläche gehoben und

bilden daselbst eine Decke, deren Ansehen und Verhalten einen Schluss

auf den Verlauf der Gährung zu ziehen gestattet. Man unterscheidet in

dieser Hinsicht =regelmässige= und =unregelmässige Gährung=. Erstere

tritt nach 4-6 Stunden nach dem Hefegeben ein und verläuft innerhalb

einer dem zugesetzten Hefenquantum und der Temperatur entsprechenden

Zeit. Die Gährung geht ruhig, nicht stürmisch vor sich, die Decke wälzt

sich durcheinander, indem dieselbe in einer Art rollender Bewegung an

einer Seite niedersinkt, an der anderen Seite sich aus der Maische

wieder emporhebt (=Gährung mit wälzender Decke=). Zuweilen bläht sich

die Decke ähnlich dem gährenden Brotteig auf und steigt, bis das

Kohlensäuregas entweicht, worauf dieselbe wieder zusammensinkt (=Ebbe=

und =Fluth=). Unregelmässige Gährungsarten sind dagegen die Gährung

=unter der Decke=, die Gährung =mit durchbrochener Decke= und die

Gährung =ohne Decke=; bei der Gährung =unter= der Decke bleibt die

Decke während der Gährung unbeweglich liegen und der Gährungserfolg ist

gewöhnlich ein mangelhafter; der Grund davon ist in einem fehlerhaften

Maischprocess und unvollkommener Verzuckerung, in der Benutzung eines

zu schwachen Hefenquantums oder endlich einer zu niederen Temperatur

der Maische und des Gährlokales zu suchen. Wenn während der Gährung die

Decke =durchbrochen= wird und der Schaum über die Decke emportritt, die

Decke aber ziemlich ruhig liegt, so ist zwar die Gährung kräftiger, als

wenn sie unter der Decke erfolgt, das Resultat ist aber dennoch nicht

befriedigend. Wenn endlich die Gährung =ohne= Decke verläuft, so ist

dies ein Beweis zu einer schwachen Gährung, indem die

Kohlensäureentwickelung nicht kräftig genug vor sich geht, um die

Treber an der Oberfläche der Maische halten zu können. Bei normalem

Verlaufe der Gährung ist die Hefe nach 60-70 Stunden weingar und zur

Destillation reif. In neuerer Zeit stellt man grosse Mengen von

Spiritus aus =Mais=[124] und versuchsweise auch aus =Reis=[125] dar.

[124] Vergl. Jahresbericht der chem. Technologie 1861 p. 457; 1868

p. 571; 1869 p. 470.

[125] Vergl. Jahresbericht der chem. Technologie 1869 p. 473.

[Sidenote: Maische aus Rüben.]

Bei der Anwendung von solchen Vegetabilien zur Spiritusfabrikation, in

welchen der alkoholbildende Körper bereits als Rohrzucker oder als

Dextrose vorhanden ist, erspart man den Zuckerbildungs- oder

Maischprocess und kann sofort zur Einleitung der Gährung schreiten,

sobald die zuckerhaltigen Zellen aufgeschlossen worden sind und der

Zucker in eine passende Lösung gebracht wurde. Der grosse Vortheil,

welcher den Spiritusfabrikanten durch die Umgehung des Maischprocesses

erwächst, springt zu sehr in die Augen, als dass man sich nicht mit aller

Kraft bestreben sollte, die zuckerhaltigen Vegetabilien anstatt der

stärkemehlhaltigen in die Spiritusfabrikation einzuführen, wobei jedoch

nicht übersehen werden darf, dass nur dann eine solche zuckerhaltige

Substanz Anwendung finden kann, wenn sie sich mit den bestehenden

Steuerverhältnissen verträgt und sonst den Anforderungen Genüge leistet,

die vom technischen und mercantilischen Standpunkte aus an die

Spiritusfabrikation gemacht werden.

Unter den zuckerhaltigen Vegetabilien, die als Spiritusmaterialien

Beachtung verdienen, stehen die =Zuckerrüben= oben an[126]. Die

Zuckerrübe ist als Spirituspflanze dann besonders von hohem Werthe,

wenn die Kartoffelproduktion in Folge von Kartoffelkrankheit einen

Ausfall erlitten hat, um die Kartoffeln der Consumtion für die Menschen

zu erhalten, ferner, wenn in Folge von niedrigen Zuckerpreisen oder

misslichen Steuerverhältnissen die Zuckerfabrikation aus Rüben nicht

mehr lohnend ist. Die Gewinnung des Saftes ist, so einfach wie sie

scheint, doch ausserordentlich schwierig, da die zerriebenen Rüben

ungeachtet ihres Saftreichthums einen sehr consistenten Brei bilden,

indem die 4 Proc. Marksubstanz (Cellulose oder Pektose) hinreichen, um

die 96 Proc. Saft aufgesogen zurückzuhalten. Diese schwammige

Beschaffenheit des Rübenbreies steht nun der Verwandelung der ganzen

Rüben in eine hinreichend concentrirte Maische im Wege und es hat sich

bis jetzt noch kein Mittel gefunden, eine Verflüssigung des Breies

herbeizuführen. Könnte man den consistenten Rübenbrei zur vollständigen

Vergährung bringen, so würden 100 Kilogr. desselben gegen 6 Liter

Alkohol liefern, eine Ausbeute, die selbst bei sehr niedrigen

Spirituspreisen eine Verarbeitung der Rübe auf Spiritus gestatten

würde. Da eine vollständige Vergährung des Rübenbreies nicht ausführbar

ist, so lag es nahe, nur den Saft der Rüben zu verarbeiten und zwar

diesen wie bei der Rübenzuckerfabrikation durch Pressen oder durch

Maceriren zu gewinnen. Je nach der Art der Gewinnung des Saftes kann

man folgende Methoden unterscheiden:

[Greek: a]) Gewinnung des Saftes durch Reiben und

a) Pressen,

b) Ausschleudern in Centrifugalapparaten;

[Greek: b]) Gewinnung des Saftes durch Maceration (oder auf

dialytischem Wege), wobei man

a) die Rübenschnitte entweder mit kaltem oder mit heissem Wasser

auslaugt (Verfahren von =Siemens= und =Dubrunfault=),

b) die Rübenschnitte mit heissem Spülicht (Schlempe) von der

vorhergehenden Destillation auslaugt (Verfahren von

=Champonnois=);

[Greek: g]) Nach dem Verfahren von =Leplay= (und einer Modification

desselben von =Pluchart=) unterwirft man die zerschnittenen Rüben der

Gährung, ohne den Saft zu extrahiren und ohne Hefe zuzusetzen, und

destillirt den Alkohol aus den gegohrenen Rübenstücken mit Hülfe von

heissen Wasserdämpfen ab.

[126] Die Rübenbrennerei ist neuerdings von =C. Thiel= (Neue

landwirtschaftl. Zeitung 1869 p. 57, 88, 181, 207, 258, 295, 321)

ausführlichst geschildert worden.

[Sidenote: Spiritus aus den Abfällen der Zuckerfabrikation.]

Auf den Antillen sowie in Ostindien werden die =Abfälle der

Zuckerfabrikation= wie Zuckerschaum, Melasse u. dergl. in Gährung

übergeführt und die gegohrene Flüssigkeit der Destillation unterworfen.

Der durch Destillation der mit Wasser verdünnten und gegohrenen

Rohrzuckermelasse erhaltene Branntwein führt in den englischen Colonien

den Namen =Rum= (Rhum, Taffia) und auf Madagascar und Isle de France den

Namen =Guildive=. Die bei der Destillation zuerst übergehenden Theile

enthalten das eigenthümliche Aroma des Rums. Durch Gährung und

Destillation des Rohrzuckerschaumes erhält man einen brenzlichen, scharf

sauren Branntwein, der gewöhnlich den schwarzen Arbeitern gegeben und

=Negerrum= genannt wird. In England und Deutschland fabricirt man viel

ordinären Rum, indem man die verdünnte Melasse der Zuckerraffinerien mit

Hefe hinstellt und nach 3-4 Tagen die gegohrene Flüssigkeit destillirt.

Das dem Rum eigenthümliche Aroma rührt von einer kleinen Menge Aether

flüchtiger fetter Säuren, wol Pelargonäther her.

Auch die in so grosser Menge bei der Rübenzuckerfabrikation sich bildende

=Rübenmelasse= dient zur Spiritusfabrikation (vergl. Seite 137). Für sich

allein vergährt die Melasse nur sehr schwer vollständig. Beseitigt man

aber vorher die alkalische Beschaffenheit der Melasse und führt man den

Rohrzucker durch Kochen der Melasse mit verdünnter Schwefelsäure in

intervertirten Zucker über, so ist die Gährung leicht einzuleiten und zu

Ende zu führen. 100 Kilogr. Melasse geben im Durchschnitt 40 Liter

Branntwein. Der anfänglich widerliche Geruch des Rübenbranntweins (das

Rübenfuselöl besteht aus kleinen Mengen Propylalkohol, dann Butyl- und

Amylalkohol, Pelargonsäure und Caprylsäure; ferner haben neuere

Untersuchungen darin die Gegenwart eines Gemenges von Oenanth-, Capron-

und Valeriansäure wahrscheinlich gemacht) verliert sich grösstentheils

durch längeres Lagern. Der in der Blase nach dem Abdestilliren des

Spiritus verbleibende Rückstand wird auf Schlempekohle (vergl. Seite 136)

verarbeitet. Der Zusatz von Schwefelsäure hat indessen nicht nur die

Function den Rohrzucker in einen leicht vergährbaren Zucker überzuführen,

sondern vor Allem auch der sonst leicht eintretenden Milch- und

Schleimsäuregährung vorzubeugen. Nach =Al. Müller= wird die Schwefelsäure

passend durch Phosphorsäure zu ersetzen sein.

[Sidenote: Spiritus aus Wein und Weintrestern.]

Die Destillation von =Spiritus aus Wein= ist besonders in Frankreich,

aber auch in Spanien und Portugal zu Hause. Man schätzt die jährliche

Produktion von Weinspiritus oder Franzbranntwein (alcool de vin) in

Frankreich auf 450,000 Hektoliter von 85 Proc. und an 400,000 Hektoliter

Branntwein von 60 Proc. Die Qualität des aus Wein destillirten

Branntweins ist von dem Reifgrade der Trauben, von der grösseren oder

geringeren Sorgfalt bei der Gährung und Destillation, von der mehr oder

minder innigeren Mischung der flüchtigen Principien des Weines mit dem

Alkohol, von dem Alter des Weines und von der Art desselben abhängig.

Alte Weine liefern eine bessere Qualität als junge, gallisirte und

petiotisirte Weine eignen sich besonders zur Destillation. Der frisch

destillirte Branntwein ist farblos und bleibt auch ohne Farbe, wenn man

ihn sofort auf Flaschen füllt. Da man ihn aber in Fässern aus Eichenholz

aufzubewahren pflegt, so löst er eine kleine Menge von Farb- und

Extractivstoffen daraus auf und nimmt eine gelbliche Färbung an. Die

besten Sorten von Weinbranntwein werden im Charentedepartement

destillirt; sie führen sämmtlich im Handel den Namen =Cognac= und

zeichnen sich durch seine eigenthümliche und gewürzhafte Milde aus, die

man bis jetzt vergeblich nachzuahmen gesucht hat. Auch aus den

=Weintrestern= und dem =Weingeläger= destillirt man Branntwein

(Tresterbranntwein und Drusenbranntwein). Die bei der Destillation des

Spiritus aus Wein verbleibende Schlempe (_Vinasse_) enthält grosse Mengen

von =Glycerin= und lässt sich mit Leichtigkeit zur Fabrikation desselben

verwenden.

B. Destillation der weingaren Maische.

[Sidenote: Destillation der Maische.]

Die weingare Maische (Kartoffelmaische) ist ein Gemenge von

nichtflüchtigen und flüchtigen Stoffen. Zu den ersteren gehören Fasern,

Malzhülsen, unorganische Salze, Proteïnsubstanzen, unzersetzte und

zersetzte Hefe, Bernsteinsäure, Milchsäure, Glycerin u. s. w., zu den

flüchtigen der Alkohol, die Fuselöle, das Wasser und kleine Mengen von

Essigsäure. Die durch die Gährung entstandenen flüchtigen

Maischbestandtheile werden von den nicht flüchtigen durch =Destillation=

getrennt, indem man die flüchtigen Bestandtheile in Dämpfe verwandelt und

diese Dämpfe durch Abkühlung wieder condensirt. Wenn man die weingare

Maische bis zum Sieden erhitzt, so bilden sich Dämpfe, welche wesentlich

aus Alkohol und Wasser bestehen; die durch die Condensation dieser Dämpfe

erhaltene Flüssigkeit ist demnach ein Gemisch von Wasser und Alkohol.

Wasser siedet bei +100° C. bei 760 Millimeter Barometerstand

Alkohol " " +78,3° " " " " "

Da nun der Siedepunkt des Wassers um 21,7° C. höher liegt als der des

Alkohols, so könnte man vielleicht glauben, dass, wenn die weingare

Maische bis auf etwa 80° erhitzt wird, =nur der Alkohol= übergehen werde,

das Wasser dagegen zurückbleiben würde. Dies ist bekanntlich nicht der

Fall und der Siedepunkt eines Gemenges von Wasser und Alkohol ist unter

allen Umständen sogleich vom Anfange des Erhitzens an höher als der von

reinem Alkohol und die sich bildenden Dämpfe sind stets ein Gemenge von

Alkohol- und Wasserdämpfen. Der Grund hiervon liegt theils in der

Anziehung des Alkohols zum Wasser, theils auch in der Verdunstung;

erstere hält den Alkohol zurück und verhindert denselben, bei der

Siedetemperatur des Alkohols (bei 78,3°) in Gestalt von Alkoholdampf zu

entweichen. Ist durch Erhitzen der Siedepunkt des Gemisches von Alkohol

und Wasser erreicht, es sei derselbe 90° C., so wird von dem Alkohol der

grösste Theil dampfförmig sich entwickeln, weil dessen Siedepunkt der

niedrigere ist; von dem Wasser wird dagegen nur so viel verdunsten, als

wenn durch bis auf 90° erhitztes Wasser ein Luftstrom geleitet würde,

denn die sich entwickelnden Alkoholdämpfe verhalten sich genau so wie ein

Luftstrom und nehmen während ihres Durchganges durch das Gemisch von

Alkohol und Wasser eine von der Temperatur abhängige Quantität

Wasserdampf auf. Da die aus einer Flüssigkeit entweichende Dampfmenge im

direkten Verhältnisse steht zu der Temperatur der Flüssigkeit, so wird

die Menge der Wasserdämpfe in dem Dampfgemisch in dem Verhältniss

zunehmen, je höher der Siedepunkt des Gemisches steigt, bis endlich, wenn

der Siedepunkt des Wassers (= 100°) erreicht ist, in den sich

entwickelnden Dämpfen keine Spur von Alkohol sich mehr befindet. Bei

Beginn der Destillation bestehen daher die Dämpfe aus viel Alkohol und

=sehr wenig= Wasser, später aus =mehr= Wasser, endlich =nur= aus Wasser.

Man kann daher nie ohne weiteres durch blosse Destillation aus einer

weingaren Maische den Alkohol von den übrigen flüchtigen

Maischbestandtheilen trennen. Unterbricht man die Destillation dagegen

zur gehörigen Zeit, so hat man in dem Destillat allen Alkohol, nebst

einem kleinen Theile Wasser, während die Destillationsrückstände

(Phlegma) keine Spur von Alkohol mehr enthalten.

Das aus Alkohol und Wasser bestehende Destillat heisst =Lutter=

(Läuter, Lauer); unterwirft man dasselbe einer nochmaligen Destillation

oder Rectification, so wird das Destillat alkoholreicher, bis es

endlich durch wiederholtes Rectificiren oder Weinen einen gewissen

Alkoholgehalt erlangt hat, der durch Destillation nicht mehr erhöht

werden kann. Die letzten Antheile Wasser werden von dem Alkohol so

hartnäckig zurückgehalten, dass deren Entfernung durch Destillation

nicht ausführbar ist, wohl aber erreicht werden kann, wenn man zu dem

wasserhaltigen Alkohol eine Substanz setzt, die zum Wasser mehr

Verwandtschaft, als letzteres zum Alkohol hat. Solche Körper sind z.

B. der Aetzkalk, das geschmolzene Chlorcalcium u. s. w.; sie geben bei

der Digestion und nachfolgenden Destillation =absoluten Alkohol=,

welcher in der Technik im Grossen niemals Anwendung findet. Das bei der

Rectification des Lutter zuerst übergehende, sehr alkoholreiche

Destillat heisst =Vorlauf=, das spätere =Nachlauf=. Ein zweimal

rectificirter Alkohol enthält gegen 50 Proc. Alkohol; durch

Rectification kann man den Alkohol nicht stärker als 95procentig

darstellen. Der nach dem Abtreiben des Alkohols bleibende Rückstand

heisst =Schlempe= (auch Spülicht).

[Sidenote: Destillirapparate.]

Ein =Destillirapparat=, wie er zur Spiritusgewinnung Anwendung findet,

besteht in seiner einfachsten Form aus vier Theilen, nämlich der

Destillirblase, dem Helm, dem Kühlapparate und der Vorlage zur Aufnahme

des Destillates.

Die =Blase= oder der Destillirkessel (auch Brennkessel, Brennblase) ist

gewöhnlich aus Kupferblech, seltener aus Eisenblech angefertigt und hat

in der Regel die Gestalt eines flachen Kessels, der aber bis auf eine

obere runde Oeffnung von 12-24 Zoll Durchmesser geschlossen ist. Die

Oeffnung ist mit einem einige Zoll hohen, starken Halse versehen. Der

Boden ist entweder eben oder in der Mitte nach oben aufgebogen. Zum

Ablassen der Schlempe ist unmittelbar über dem Boden ein mit Hahn

versehenes Abflussrohr angebracht. Auf dem Obertheile der Blase

befindet sich seitlich noch ein Ansatzrohr zum Füllen der Blase mit

Maische. Der =Helm= oder =Hut= führt die entwickelten Dämpfe aus der

Blase in den Condensationsapparat. Obgleich hierzu ein einfaches Rohr

schon genügend wäre, zieht man es bei einfachen Destillirapparaten vor,

den Helm gross und weit zu machen, um nicht nur die Maischtheilchen,

die das Destillat verunreinigen würden, abzuscheiden, sondern auch ein

alkoholreicheres Produkt zu erhalten, indem in Folge der grösseren

Oberfläche die Dämpfe eine Abkühlung erleiden, welche die Fortführung

der zuerst condensirten Wasserdämpfe verhindert. Grössere Helme haben

endlich auch den Vortheil, dass sie Steigraum für die beim Erhitzen

sich ausdehnende Maische gewähren. Da das Volumen der Dämpfe während

der Abkühlung sich verringert, so würde die Gestalt eines Kegels die

beste Helmform sein. Die =Kühlapparate= haben die Bestimmung, die durch

den Helm zugeführten Dämpfe nicht blos möglichst vollständig zu

condensiren und in eine tropfbare Flüssigkeit zu verwandeln, sondern

auch so weit abzukühlen, dass davon nichts verdunstet; sie dürfen den

Dämpfen keinen unnöthigen Spielraum gestatten, weil sonst während der

Destillation atmosphärische Luft eindringt, die sich mit Alkoholdämpfen

imprägnirt und dadurch beim Austritt oder Wechsel einen Alkoholverlust

nach sich zieht; sie müssen endlich auch einfach und dauerhaft

construirt sein und eine leichte und vollständige Reinigung zulassen.

Die Kühlapparate sind Leitungen aus Zinn oder Kupfer (seltener Blei),

welche von aussen durch Wasser oder wie bei den neueren

Destillirapparaten durch Maische abgekühlt werden.

[Sidenote: Verbesserte Destillirapparate.]

Die =Destillirapparate=, mit deren Hülfe man =sofort= durch eine

einmalige Destillation =starken Alkohol= erhalten kann, haben, so

verschieden wie auch ihre Construction sein möge, das mit einander

gemein, dass die gemischten Alkohol- und Wasserdämpfe auf ihrem Wege von

der Blase bis zum Kühlapparate ununterbrochen an Alkohol reicher werden,

bis sie endlich, auf die Stärke von Alkohol gebracht, in den Kühlapparat

zur Verdichtung kommen.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 97 / 167 题