Unter den zarten, dachziegelähnlich übereinander liegenden Schuppen der

Hopfenkätzchen befinden sich goldgelbe nierenförmige Körner (Drüsen),

die sich durch Klopfen und Absieben von den Blättchen trennen lassen.

Diese Drüschen hat man mit dem Namen =Hopfenmehl= bezeichnet (früher

nannte man es =Lupulin= und suchte darin allein die Wirkung des

Hopfens, jetzt weiss man aber, dass auch die übrigen Theile des Zapfens

wirksame Bestandtheile enthalten). An einer gründlichen Untersuchung

aller derjenigen Hopfenbestandtheile, die in der Bierbrauerei in

Betracht zu ziehen sind, fehlt es noch, ausführliche Untersuchungen

liegen nur vor über das Hopfenöl, die Gerbsäure und die mineralischen

Bestandtheile. Was zuerst das =ätherische Hopfenöl= anbelangt, welches

sich in der Menge von 0,8 Proc. in dem lufttrocknen Hopfen findet, so

ist dasselbe gelblich gefärbt, stark, aber nicht bedeutend nach Hopfen

riechend, brennend und schwach bitter schmeckend, nicht narkotisch

wirkend, von 0,908 spec. Gewichte und Lakmuspapier kaum röthend. Es

braucht mehr als das 600fache Gewicht Wasser zur Lösung. Es ist

schwefelfrei und gehört zu der Gruppe ätherischer Oele, welche ein Oel

von der Formel C_{5}H_{8} als gemeinsamen charakteristischen

Bestandtheil enthalten; es ist ein Gemenge eines mit dem Terpentinöl

und Rosmarinöl isomeren Kohlenwasserstoffes C_{5}H_{8} mit einem

sauerstoffhaltigen Oele C_{10}H_{18}O, das mit dem Valerol die

Eigenschaft gemein hat, durch oxydirende Einwirkungen und schon an der

Luft in Baldriansäure (C_{5}H_{10}O_{2}) überzugehen. Die Oxydation des

sauerstoffhaltigen Bestandtheiles des Hopfenöles zu Valeriansäure ist

die Ursache des dem alten Hopfen eigenthümlichen Käsegeruches. Die

=Gerbsäure= des Hopfens findet sich in den verschiedenen Hopfensorten

in der Menge von 2-5 Proc. Was die Natur dieser Gerbsäure betrifft, so

hat sich herausgestellt, dass a) sie eine sogenannte eisengrünende

Gerbsäure ist, b) sie sich beim Behandeln mit Säuren und Synaptase

nicht in Gallussäure und Zucker spaltet, c) bei der trocknen

Destillation keine Pyrogallussäure bildet. Das =Hopfenharz= ist der

wichtigste Bestandtheil des Hopfens und enthält die bitteren Principe.

Es ist im Wasser sehr schwer löslich, vorzüglich in reinem Wasser und

bei Abwesenheit des ätherischen Hopfenöles. Wasser jedoch, welches

Salze, namentlich Gerbsäure, Gummi und Zucker enthält, löst davon

beträchtliche Mengen auf, besonders bei Gegenwart von Hopfenöl. Man

muss wohl mit =Rautert= gewissen Bestandtheilen des Hopfenharzes die

Mehrzahl derjenigen Wirkungen zuschreiben, um derentwillen man den

Hopfen in der Bierfabrikation verwendet. Es schmeckt anhaltend und

intensiv bitter und leidet, in dünnen Schichten der Luft ausgesetzt, in

längerer Zeit eine Zersetzung, in deren Folge es unlöslich wird in

vielen Lösungsmitteln, in denen es zuvor löslich war. Schneller geht

diese Umänderung im Sonnenlichte vor sich. Hopfenharz und Hopfenbitter

sind indessen nicht identisch, ersteres ist in Aether löslich,

letzteres nicht. Von geringerer Bedeutung sind die übrigen

Bestandtheile des Hopfens, das Gummi und extractive färbende

Substanzen. Die =mineralischen Bestandtheile= des Hopfens betreffend,

so geben bei 100° getrockneten Hopfens 9-10 Proc. Asche, welche 15

Proc. Phosphorsäure, 17 Proc. Kali u. s. w. enthält.

[Sidenote: Conserviren des Hopfens.]

Die Qualität des Hopfens ist von wesentlichem Einflusse auf die

Beschaffenheit, die Feinheit des Geschmackes und die Haltbarkeit des

Bieres. Ist während der Hopfenernte ungünstiges Wetter, so kann die

Qualität des Hopfens beträchtlich leiden. Bei feuchter Witterung lässt

sich der Hopfen kaum trocknen, ohne dass an den innern Stengeln der

Deckblättchen Schimmelflecken zum Vorschein kommen. Eine Vorrichtung

zum Trocknen des Hopfens, unabhängig von der herrschenden Witterung,

ist daher äusserst wichtig. Das Trocknen mit Hülfe von erwärmter Luft

ist ungenügend, weil es gewöhnlich an dem nöthigen Luftwechsel fehlt;

empfehlenswerth sind dagegen diejenigen =Hopfendarren=, in welchen die

Luft mittels eines Ventilators erneuert und das Wenden des Hopfens,

ohne dass Hopfenmehl verloren geht, ausgeführt wird. Der bei einer

Temperatur von etwa 40° getrocknete Hopfen wird mit Hülfe starken

Pressens gedichtet und in Säcken, am besten wasserdichten, verpackt,

versendet. Um den Hopfen haltbarer zu machen, pflegt man ihn zu

=schwefeln=, d. h. man setzt den getrockneten Hopfen den Dämpfen

brennenden Schwefels aus (auf 1 Ctr. Hopfen verbraucht man 1-2 Pfd.

Schwefel). Dieses Schwefeln des Hopfens und Abdarren desselben bei

mässiger Wärme nach dem Schwefeln, starke Pressung desselben und

Aufbewahrung in luftdicht verschlossenen Räumen -- dies sind die bis

jetzt bekannten Mittel, den Hopfen zu conserviren und dadurch den

grossen Schwankungen der Hopfenpreise Grenzen zu setzen. Das zuweilen

vorkommende Schwefeln von _altem_ dunkler gewordenen Hopfen in der

Absicht, demselben die Farbe von frischem Hopfen zu ertheilen -- die

sogenannte Schönfärberei -- lässt sich erkennen, wenn man eine Hand

voll des verdächtigen Hopfens in der Hand stark zusammenpresst und in

geschlossener geballter Faust unter die Nase hält. Die schweflige Säure

lässt sich dann, wofern der Hopfen erst vor einigen Wochen geschwefelt

worden war, leicht durch den Geruch erkennen. Die _chemische Prüfung

des Hopfens_ wird auf folgende Weise ausgeführt: Man übergiesst einige

Zapfen des zu untersuchenden Hopfens und etwas Zink in einem

Wasserstoffentwickelungsapparate mit Salzsäure und leitet das sich

entwickelnde Wasserstoffgas in eine verdünnte Lösung von Bleiessig.

Enthielt der Hopfen schweflige Säure, so ist dem Wasserstoffgas

Schwefelwasserstoff (SO_{2} + 2H_{2} = SH_{2} + 2H_{2}O) beigemengt,

der sich durch Bildung von schwarzem Schwefelblei in der Bleilösung zu

erkennen giebt. Besser noch ist es, das sich bei diesem Versuche

entwickelnde Gas in eine mit einigen Tropfen Kalilauge versetzte Lösung

von Nitroprussidnatrium zu leiten; die geringste Spur von

Schwefelwasserstoff erzeugt eine prächtige purpurrothe Färbung der

Lösung.

[Sidenote: Surrogate des Hopfens.]

Anstatt des Hopfens hat man häufig versucht, andere Substanzen wie die

Rinden der Pinusarten, Quassia, Tausendgüldenkraut, Wallnussblätter,

Wermuth, Bitterklee, Colchicumblätter, wässeriges Aloëextract,

Lactucarium u. s. w. anzuwenden; in der neuesten Zeit ist sogar die

Benutzung der Pikrinsäure vorgeschlagen worden. Abgesehen davon, dass

mehrere dieser Substanzen geradezu einen nachtheiligen Einfluss auf den

Organismus ausüben, können diese Körper wol dem Biere einen bittern

Geschmack ertheilen, ersetzen aber keineswegs diejenigen Bestandtheile

des Hopfens, um derentwillen derselbe in der Brauerei Anwendung findet.

Und diese Bestandtheile sind: eine eigenthümliche Gerbsäure, Harz und

bittere Extractivstoffe und endlich das ätherische Oel. Ein

Hopfensurrogat müsste demnach diese Substanzen enthalten oder man würde

genöthigt sein, zwei bis drei verschiedene Materialien anzuwenden, die

zusammengenommen diese Bestandtheile besässen.

[Sidenote: Wasser.]

In Bezug auf das =Wasser=, dessen man sich in der Brauerei zum

Einweichen des Getreides, zum Extrahiren des Malzes und zum Einmaischen

bedient, ist zu bemerken, dass die Wahl desselben auf die Güte des

Bieres von dem grössten Einflusse ist. Man unterscheidet =weiches=

Wasser vom =harten=; ersteres löst die Seife ohne Trübung auf, setzt

beim Kochen keinen Pfannenstein ab und eignet sich zum Kochen der

Hülsenfrüchte, welche in hartem Wasser, das seine Härte kohlensaurem

und schwefelsaurem Kalk verdankt, nicht weich gekocht werden können;

hartes Wasser zersetzt Seife und die entstandene Kalkseife setzt sich

in weissen Flocken ab; in den Kochgeschirren, Dampfkesseln u. s. w.

setzt es Kesselstein ab. Ein Wasser ist um so weicher, je weniger es an

mineralischen Bestandtheilen enthält. Das =Regenwasser= ist als

destillirtes Wasser sehr weiches Wasser und enthält nur Spuren

organischer Materie, salpetersaures und kohlensaures Ammoniak, das

=Brunnenwasser= und das =Quellwasser= sind in den meisten Fällen hartes

Wasser, das =Flusswasser= dagegen ist weiches Wasser. Zur Bierbrauerei

eignet sich unstreitig am besten ein reines, weiches oder doch nur

wenig hartes Wasser; man giebt daher dem Fluss- oder Quellwasser vor

dem Brunnenwasser den Vorzug, wenigstens so weit, als es sich um die

Anwendung des Wassers zum Malzen handelt; zum Einmaischen scheint

dagegen ein kalkhaltiges Wasser nicht nachtheilig zu sein, es wird sich

zwar, wie =Mulder= sagt, der in dem Wasser enthaltene Kalk in

unlösliches Phosphat umsetzen, es bildet sich aber zu gleicher Zeit

eine genügende Menge Milchsäure, um das Phosphat wieder aufzulösen. Es

wird dadurch verhütet, dass die Phosphorsäure durch hartes Wasser

während des Brauprocesses unlöslich ausgeschieden werde. Steht kein

anderes Wasser zu Gebote, als mit trübenden und organischen Stoffen

verunreinigtes, so ist das Wasser vorher durch Absetzenlassen und

Filtration zu reinigen. Die Münchener Brauereien wenden Isarwasser an,

welches Kalk- und Magnesiasalze theils suspendirt, theils gelöst, in

reichlicher Menge enthält und deshalb nicht sofort zum Brauen

verwendet, sondern vorher in grosse Behälter geleitet wird, damit sich

hier die suspendirten erdigen Theile absetzen können, mit denen

jedenfalls auch durch Flächenanziehung ein Theil der aufgelösten Salze

niedergerissen wird; durch den Zutritt der Luft wird aber auch der

zweifach kohlensaure Kalk u. s. w. zersetzt und auf diese Weise das

Wasser von einem grossen Theile der Kochsalze befreit. An anderen Orten

reinigt man das zum Brauen anzuwendende Flusswasser durch Filtration

durch Lager von Sand, Kies und Kohle.

[Sidenote: Ferment.]

Was das =Ferment=, die Hefe, betrifft, so verweisen wir theils auf

dasjenige, was in der Einleitung zu den Gährungsgewerben im Allgemeinen

von der Hefe gesagt wurde, theils auf den speciellen Theil der

Brauerei, namentlich auf die Gährung der Bierwürze.

[Sidenote: Das Specielle des Brauverfahrens.]

Die =Schilderung des Brauverfahrens=[116] lässt sich der leichteren

Uebersicht wegen in vier Abschnitte bringen, nämlich in:

1) die Malzbereitung (das Malzen oder Mälzen),

2) die Bereitung der Bierwürze (das Maischen),

3) die Gährung der Bierwürze,

4) die Aufbewahrung und Pflege des Bieres.

[116] Für das Studium der Theorie und Praxis der Bierbrauerei sind

nachstehende Zeitschriften warm zu empfehlen:

1) Der bayerische Bierbrauer, redigirt von Dr. =Lintner=,

Professor und Vorstand der Brauerschule in Weihenstephan,

München;

2) Der Bierbrauer, begründet =G. E. Habich=, redigirt von =H.

Fleck=, Leipzig.

[Sidenote: Malzen.]

I. =Die Malzbereitung.= Die Ueberführung der Gerste in =Malz= oder =das

Malzen= ist ein =unterbrochener Keimprocess= und eine Vorbereitung des

Getreides für die Zwecke der Bierbrauerei und Branntweinbrennerei. Das

nicht gekeimte Getreide hat nur in sehr geringem Grade die Eigenschaft,

die in ihm enthaltene Stärke in Zucker (Dextrose) zu verwandeln; diese

Eigenschaft entwickelt sich erst während des Keimens und durch dieselbe

ist man im Stande, Malz von ungekeimter Frucht zu unterscheiden. Warum

man der Gerste vor anderen Getreidearten den Vorzug giebt, hat, wie

schon angeführt, darin seinen Grund, dass das Gerstenmalz die

zuckerbildende Eigenschaft in noch höherem Grade erlangt, als das Malz

anderer Getreidearten.

Das Pflanzenleben zerfällt in drei Perioden. In der ersten entwickelt

sich die Pflanze auf Kosten einiger ihrer Organe, welche dabei

vollständig erschöpft werden und absterben. Diese Periode ist die Zeit

des =Keimens=. In der zweiten Periode, die des Wachsthums, lebt die

Pflanze auf Kosten der Aussenwelt und in der dritten, die der Blüthen-

und Fruchtbildung, leben einzelne Theile der Pflanze, die

Fortpflanzungsorgane, auf Kosten der ganzen Pflanze, die dabei so

erschöpft wird, dass sie ihrem Untergange entgegengeht. Das Keimen, und

nur mit dieser ersten Phase des Pflanzenlebens haben wir uns hier zu

beschäftigen, bezweckt das werdende junge Pflänzchen für seine erste

Entwickelung zu ernähren, namentlich für die Ausbildung der Wurzeln,

bis zu dem Punkte, bei welchem sie selbst im Stande sind, der Pflanze

Nahrung zuzuführen. Zu diesem Zwecke hat die Natur eine bestimmte Menge

von Nahrungsstoff in eigens dazu bestimmten Gebilden aufgespeichert,

welche Nahrung dann der Pflanze so lange zugeführt wird, bis sie sich

unabhängig von den Hülfsorganen und selbständig zu erhalten vermag. Das

keimende Korn hat mithin grosse Aehnlichkeit mit dem bebrüteten Eie. In

dem Eie finden wir unter der Schale das Eiweiss mit dem Dotter und dem

Embryo. Ist die Entwickelung des letzteren eingetreten, so erleiden die

ihnen zunächst liegenden Theile des Eies eine Veränderung und dienen

ihm dann zur Ernährung, die so lange währt, bis das genügend erstarkte

Thier auf Kosten der Aussenwelt zu leben im Stande ist. Was bei dem Ei

die Schale, das ist an dem Getreidekorne die lederartige Samenhaut (bei

der Gerste mit den stehen gebliebenen Spelzen), was wir dort als

Eiweiss und Dotter erkennen, unterscheiden wir bei der Gerste als

Eiweiss- oder Mehlkörper, aus Eiweisssubstanz (Kleber) und Stärkemehl

bestehend, was endlich im Eie als Embryo auftritt, zeigt sich in der

Gerste als Keim, welcher vorn hart an die Samenhaut angedrückt ist,

hinten vom Eiweisskörper bedeckt wird. Der Keim besteht aus dem

Würzelchen (_radicula_), welches sich zuerst entwickelt und dem

Blattfederchen oder Knöspchen (_plumula_), das erst später hervortritt

und den kräftigen Halm bildet. Das Blattfederchen nimmt, ehe ihm das

Würzelchen aus dem Boden Nahrung zuzuführen vermag, aus dem

Eiweisskörper seine Nahrung; es kann aber davon nur Gebrauch machen,

wenn durch Einweichen der Gerste der Eiweisskörper löslich gemacht

worden ist. Mit der Entwickelung des Keimes findet in dem Samenkorne

eine energische chemische Action statt, deren Sitz wesentlich in dem

Kleber des Kornes zu suchen ist. Die Quantität der löslichen

Bestandtheile des Klebers nimmt zu, ebenso die Eigenschaft, die Stärke

ebenfalls in einen löslichen Körper, in Dextrin und Zucker zu

verwandeln. Hier ist nun die Stelle, an welcher sich die Zwecke der

natürlichen Keimung behufs der Entwickelung der Pflanze, und die Zwecke

der Industrie, die Malzbereitung begegnen. Das Wesen der letzteren

liegt nämlich in der Entwickelung der höchsten zuckerbildenden

Eigenschaft der gekeimten Gerste, das Schwierige der Operation, das

Keimen zur rechten Zeit zu unterbrechen, damit nicht der Blattkeim

einen grossen Theil des Eiweisskörpers verschlinge und zur Entwickelung

der Gerstenpflanze beitrage.

Die Bedingungen des Keimens der Gerste sind immer dieselben, möge sich

dieselbe als Saat in dem Ackerboden befinden, oder das Material zur

Malzbereitung sein. Diese Bedingungen sind: Sättigung der Gerstenkörner

mit Feuchtigkeit, eine Temperatur, welche nicht höher als 40°, nicht

niedriger als 4° sein darf, Zutritt der atmosphärischen Luft zu den

Samen und Abhaltung des Lichtes.

a) Das =Einweichen oder Einquellen= der Gerste in Wasser geschieht in den

Quellbottichen oder Weichen. Man will dadurch der Gerste die zum Keimen

erforderliche Feuchtigkeit geben, ferner sucht man dieselbe dabei von

allen Unreinigkeiten und tauben Körnern zu befreien. Die Bottiche oder

Weichen sind von Holz, Sandstein oder Cäment aufgeführt; man füllt sie

zur Hälfte mit Wasser an und schüttet die Gerste in dieselben unter

beständigem Rühren ein. Es wird soviel Wasser zugesetzt, dass es einige

Zoll hoch die Gerste bedeckt. Die gesunden Körner sinken nach einigen

Stunden unter, während die sich auf der Oberfläche des Wassers

abscheidenden tauben und beschädigten Körner abgeschöpft werden und unter

dem Namen =Abschöpfgerste= als Viehfutter Verwendung finden.

Indem das Wasser nach und nach die Substanz der Körner durchdringt und

diese erweicht und aufschwellt, löst es gewisse Bestandtheile aus der

strohigen Hülse auf; dadurch nimmt das Wasser eine braune Farbe und

einen eigenthümlichen Geruch und Geschmack an und grosse Neigung in

Milch-, Buttersäure- und Bernsteinsäuregährung überzugehen. Diese

Veränderung würde einen nachtheiligen Einfluss auf das Malz ausüben,

wenn man ihm nicht durch das Wechseln des Weichwassers zuvorkäme,

welches letztere so oft wiederholt werden soll, bis das Wasser nicht

mehr trübe abfliesst. Die Dauer des Einweichens ist von der

Beschaffenheit und dem Alter der Gerste, von der Temperatur des

Wassers u. s. w. abhängig. Bei junger frischer Gerste sind 48 bis 72

Stunden genügend, während bei älterer und kleberreicher Gerste oft 6-7

Tage erforderlich sind. Um eine gleichmässige Weiche zu erzielen, muss

desshalb Gerste von möglichst gleicher Beschaffenheit und gleichem

Alter angewendet werden. Nachdem die Quellreife eingetreten ist, lässt

man die Gerste noch 8-10 Stunden zum Abtropfen in der Weiche liegen,

bevor man sie auf die Malztenne zum Keimen bringt. Die Quellreife

erkennt man daran: 1) dass das Korn mit dem Nagel leicht gebogen werden

kann, ohne zu zerbrechen, 2) die Hülse sich leicht löst, wenn man das

Korn der Länge nach zwischen den Fingern drückt, 3) das Korn an einem

Holze gestrichen, einen mehlartigen Strich giebt. Es ist rathsam, die

Gerste eher etwas zu wenig als zu viel zu weichen, weil durch zu langes

Weichen die Keimkraft leicht zerstört wird, mithin beim Wachsen viele

Körner ausbleiben. Die normal geweichte Gerste besitzt einen

aromatischen, an Aepfel erinnernden Geruch. Im Allgemeinen beträgt die

Menge des von der Gerste aufgenommenen Wassers 40-50 Proc., wodurch ihr

Volumen um 18-24 Proc. zunimmt. Ungeachtet dieser Gewichtszunahme durch

Wasserabsorption erleidet die Gerste einen Gewichtsverlust an Substanz

von 1,04-2 Proc. =Lermer= wies in dem frischen Weichwasser

Bernsteinsäure (auf 1 Scheffel Gerste etwa 30 Grm.) nach.

b) =Das Keimen der gequellten Gerste.= Sobald die Gerste mit Feuchtigkeit

gesättigt ist, beginnt die Thätigkeit des Keimes und die Umwandlung des

Stärkemehls in Zucker. Letztere geht langsam vor sich und hält mit der

Entwickelung und dem Nahrungsbedürfniss des jungen Pflänzchens gleichen

Schritt. Kurze Zeit nach der beginnenden Entwickelung des

Blattfederchens, wo die zuckerbildende Kraft der Gerste ihr Maximum

erreicht hat, muss der Keim getödtet werden. Mit der Tödtung desselben

erlischt jedoch die zuckerbildende Kraft nicht. Es ist die Aufgabe des

Mälzers, durch Regulirung der Temperatur das Keimen zu überwachen und zur

gehörigen Zeit zu unterbrechen. Das Local, in welchem das Keimen vor sich

geht, heisst die =Malz=- oder =Haufentenne= oder der =Wachskeller=.

Das Keimen der Gerste wird dadurch eingeleitet, dass man die geweichte

Gerste auf dem Fussboden der Malztenne zu einem 4-5 Zoll hohen Haufen

-- der =Malzscheibe= oder dem =Beet= -- ausbreitet, und anfangs alle

sechs, später alle acht Stunden umschaufelt, bis die Oberfläche

getrocknet erscheint. Während des Abtrocknens der Haufen (Malzscheiben

oder Beete genannt) erscheint der Keim als weisser Punkt, aus welchem

sich mehrere Würzelchen entwickeln. Dieses beginnende Keimen wird das

=Guzen= oder =Aeugeln= genannt. Sobald dasselbe bei allen Körnern

gleichmässig eingetreten ist, steigert man die Temperatur durch

stärkeres Zusammensetzen der Haufen, d. h. dadurch, dass man dem Haufen

eine Dicke von einem Fusse giebt und längere Zeit, ohne zu schaufeln,

liegen lässt. Die Temperatur des Haufens steigt 6-10° über die der

Umgebung und bewirkt eine starke Verdunstung von Feuchtigkeit, die sich

in den oberen Schichten des Haufens verdichtet. Man nennt letztere

Erscheinung das =Schweisstreiben= oder =Schwitzen=. Zu gleicher Zeit

entwickeln sich grosse Mengen von Kohlensäure, und es ist dabei ein

angenehmer, obstartiger Geruch wahrzunehmen. Das Umschaufeln wird

gewöhnlich zum dritten Male wiederholt. Die Würzelchen haben zu dieser

Zeit bereits die Länge von einigen Linien und sind ineinander

geschlungen und gleichsam verfilzt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen,

wo der Entwickelung des Keimes entgegengetreten werden muss; dies

geschieht durch Erniedrigung der Temperatur auf die Weise, dass der

Haufen =ausgezogen=, d. h. um einige Zoll dünner gelegt wird. Der

Mälzer beurtheilt das Fortschreiten und die Beendigung des Keimens nach

der Länge der Wurzelfasern; bei hinreichend gekeimter Gerste sollen die

Keime die Länge des Kornes um den vierten Theil oder um die Hälfte

übertreffen, und so ineinander verfilzt sein, dass mehrere Körner

ineinander hängen bleiben. Die Dauer des Keimens beträgt während der

wärmeren Jahreszeit 7-10 Tage; gegen das Ende des Herbstes 10-16 Tage.

Das Keimen ist um so schneller beendigt, je mehr sich die Temperatur

während desselben steigert. Die mittlere Keimzeit beträgt 8 Tage. Der

Frühling und der Herbst sind dem Keimen günstiger als der

Sommer. Der Gewichtsverlust, welchen die Gerste während des Keimens

erleidet, macht gegen 2 Proc. aus; er kommt auf Rechnung des

Kohlenstoffs der Gerste, welcher durch den atmosphärischen Sauerstoff

zur Kohlensäure oxydirt wird.

c) =Das Trocknen und das Darren der gekeimten Gerste.= Sobald der

Keimprocess der Gerste hinreichend vorgeschritten ist, wird durch

schnelles Entziehen von Wärme und Feuchtigkeit der Keim getödtet. Zu

diesem Zwecke bringt man die gekeimte Gerste (das Grünmalz) auf den

Trockenboden (=Schwelkboden=, =Welkboden= oder =Schwelche=), ein

gewöhnlicher Getreideboden, oder ein anderer dem Luftzug ausgesetzter

Ort, der in der Nähe der Darre liegt. Das Grünmalz wird auf dem

Trockenboden 3-5 Centimeter ausgebreitet und täglich zur Verhinderung

jeder Erhitzung 6-7mal umgerührt. Nachdem das Malz getrocknet ist,

entfernt man die Würzelchen; ein Theil derselben fällt von selbst ab, ein

anderer Theil wird durch Treten mit Holzschuhen von dem Malze getrennt

und vermittelst einer Wurfmaschine gesondert. Das so erhaltene Malz,

=Luftmalz= (Schwelchmalz) unterscheidet sich von der gekeimten Gerste nur

durch Verminderung der Feuchtigkeit, die chemische Beschaffenheit ist

dieselbe geblieben.

Für einige Biere wendet man das Malz nur im getrockneten Zustande als

Luftmalz an, für die meisten Biersorten jedoch wird es vorher einem

besonderen Röstprocesse, dem =Darren= unterworfen, wodurch das Luftmalz

in =Darrmalz= übergeht. Wird nämlich das Malz während des Trocknens

einer Temperatur ausgesetzt, die der Siedehitze des Wassers nahe liegt,

so erleidet das Malz eine wesentliche Veränderung, welche sich durch

eine dunklere Farbe und durch einen angenehmen Geschmack kundgiebt.

Diese Veränderung ist eine Folge der fortgesetzten Einwirkung der

zuckerbildenden Kraft auf das Stärkemehl, hauptsächlich ist sie aber

durch Rösten der Malzbestandtheile hervorgebracht. Die bei dem Darren

angewendete Temperatur ist von dem grössten Einflusse, weil die

Temperaturgrade, bei welchen das Malz die günstige Umwandelung erfährt

und diejenigen, wobei es untauglich wird, nicht weit von einander

liegen. Ehe man das Malz der zum Darren erforderlichen Temperatur

aussetzt, wird es vorher auf den Trockenboden gebracht und sodann auf

der Darre bis 30-40° erhitzt. Wollte man das Grünmalz sofort stark

erhitzen, so würde das Stärkemehl in Kleister übergehen und sich das

Korn in eine hornartige für das Wasser undurchdringliche Substanz

(=Glasmalz=, =Steinmalz=) umwandeln, wodurch es zum Brauen untauglich

wird.

Von den jetzt üblichen =Malzdarren= seien folgende angeführt, von

vornherein aber bemerkt, dass jede Darre wesentlich aus zwei Theilen

besteht, nämlich der =Darrfläche= oder =Darrplatte=, auf welche das zu

darrende Malz gebracht wird, und der =Darrheizung=, durch welche man

das auf der Darrfläche befindliche Malz erhitzt. Ehedem bestand die

Darrfläche aus Kacheln oder Steinplatten, gegenwärtig ist sie stets

durchbrochen (Hürde) und besteht entweder aus siebähnlich

durchlöchertem Metallblech (Blechdarren, Plattenhürden) oder aus

Drahtgeflecht oder Kupfer (Drahtdarren, Drahthürden). Man unterscheidet

=Rauch=- und =Luftdarren=. Zu den ersteren werden die aus der

Darrfeuerung sich entwickelnden heissen Verbrennungsgase durch den

Heizkanal in einen oberhalb befindlichen, trichterförmig sich

erweiternden Raum, die Sau, geführt, auf welchem sich die Darrplatte

befindet. Diejenigen Brennmaterialien, welche wie Koks keinen Rauch

geben, sind für diese Art Darren am zweckmässigsten. Bei Anwendung von

Holz wird das Malz dunkler und nimmt einen Rauchgeschmack an, welcher

sich dem aus dem Malz erzeugten Biere mittheilt. Die Construction der

=Luftdarren= ist der Art, dass die Verbrennungsgase in keine

unmittelbare Berührung mit dem zu darrenden Malze kommen, sondern durch

die Feuerung und die Feuergase ein Strom erwärmter Luft erzeugt wird,

welcher sich unter der Darrfläche vertheilt und dieselbe durchdringt.

Wenn dabei die Darrplatte nicht horizontal liegt, sondern nach zwei

Seiten hin sich abdacht, so nennt man die Darre eine =Satteldarre=. In

Bayern combinirt man in den grösseren Brauereien Luft- und Rauchdarren,

indem man die Verbrennungsgase, die von den Braupfannen abziehen, durch

einen unter der Darrfläche hin- und hergehenden Kanal von Eisenblech

leitet, dagegen die Feuergase von einer besonderen Feuerung

(Darrfeuerung) unmittelbar mit Hülfe steinerner durchbrochener Kanäle

unter die Darrfläche strömen lässt. Neuerdings construirt man häufig

sogenannte =Doppeldarren=, bei welchen über der gewöhnlichen Darrfläche

im Abstande von etwa 1 Meter eine zweite angebracht ist.

Es wird das =Darrmalz= nicht überall und in allen Fällen demselben

Grade der Darrung (50-100° C.) unterworfen, deren Produkt man nach der

Farbe als =gelbes=, =bernsteingelbes= und =braunes= Malz unterscheidet.

Während bei den genannten Malzarten das Darren nur eine schwache und

oberflächliche Veränderung bewirkt hat, stellt man zuweilen Malz

(=Farbemalz=) von dunkelkaffeebrauner Farbe dar, welches in seiner

ganzen Masse durch Röstung verändert ist und in den englischen

Brauereien zum Färben des Porters angewendet wird; man röstet es

ähnlich dem Kaffee in blechernen Cylindern, über freiem Feuer. Die

zuckerbildende Kraft des Malzes ist darin völlig vernichtet, die Stärke

ist in Leiokom, der Zucker in Caramel übergegangen. Nach dem Darren

befreit man das Malz von den Malzkeimen auf dieselbe Weise, wie dies

beim Luftmalze geschieht.

100 Th. Gerste geben durchschnittlich 92 Th. Luftmalz. Die 8 Th.

Verlust vertheilen sich in folgender Weise:

das Einquellwasser führt weg 1,5

Verlust auf der Malztenne 3,0

Verlust an Wurzelkeimen 3,0

anderer Verlust 0,5

---

Gesammtverlust 8,0

Der Feuchtigkeitsgrad des Luftmalzes ist dem der Gerste gleich und

beträgt 12-15,2 Proc., welche beim Darren vollständig ausgetrieben

werden. Nach =C. John= (1869) geben 100 Th. Gerstentrockensubstanz:

I. II.

Malz 83,09 85,88

Blattkeime 3,56 3,09

Wurzelkeime 4,99 4,65

Gasige Produkte 8,36 6,38

--------------

100,00 100,00

Die Veränderungen, welche das Luftmalz beim Uebergang in gedarrtes Malz

erleidet, lassen sich am besten aus folgenden von =Oudemans=

angestellten Analysen übersehen:

Luftmalz. Gedarrtes Malz. Stark gedarrtes Malz.

Röstprodukte 0,0 7,8 14,0

Dextrin 8,0 6,6 10,2

Stärkemehl 58,1 58,6 47,6

Zucker 0,5 0,7 0,9

Zellenstoffe 14,4 10,8 11,5

Eiweissstoffe 13,6 10,4 10,5

Fett 2,2 2,4 2,6

Asche 3,2 2,7 2,7

Der Zuckergehalt erhöht sich daher während des Darrens nur unbedeutend,

der Gehalt an Dextrin (Leiokom, Röstgummi) nimmt dagegen beim starken

Darren zu und zwar in demselben Verhältnisse, in welchem der

Stärkemehlgehalt abnimmt. Die Wirkung des Malzes, Stärke in Dextrin und

Zucker zu verwandeln, rührt bekanntlich von dem Gehalte desselben an

=Diastase= her. =Dubrunfaut= hat nun kürzlich (1868) aus dem Malz einen

andern Stoff dargestellt, der viel wirksamer als die Diastase ist, und

von ihm =Maltin= genannt wird. Derselbe unterscheidet sich, obwol

bisher noch nicht ganz rein dargestellt, doch sehr wesentlich von der

Diastase, indem er sich gegen Gerbsäure wie eine Base verhält; er

verbindet sich mit derselben, ohne dabei seine wirksamen Eigenschaften

zu verlieren. Das Maltin bildet in guter gekeimter Gerste den

hundertsten Theil. Da seine activen Eigenschaften um so bedeutend

grösser als die der Diastase sind, so kann man mit derselben Menge

Maltin, welche in einer bestimmten Portion Malz enthalten ist, zehnmal

so viel Bier erzeugen, als wenn man nur die Diastase benutzt.

=Dubrunfaut= hat noch einen zweiten aber ungleich weniger wirksamen

Körper dargestellt. Dieser verhält sich in Betreff der Zersetzung der

Stärke wie die Diastase; das Malz enthält davon 1-1/2 Proc., während es

1 Proc. Maltin enthält. Die energische Behandlung mit Alkohol, welcher

man den Malzaufguss aussetzt, um die Diastase zu gewinnen, zerstört das

Maltin. =Dubrunfaut= glaubt daher, dass die Diastase nur eine

unwirksamer gewordene Modification seines neuen Stoffes sei.

[Sidenote: Bereitung der Bierwürze.]

II. =Die Bereitung der Bierwürze[117].= Unter der Bezeichnung Bierwürze

versteht man die aus Malz und Hopfen bereitete zucker- und dextrinhaltige

Flüssigkeit, welche später durch Gährung in Bier übergeht. Ihre Bereitung

zerfällt in drei Operationen, nämlich in:

a) das Schroten des Malzes,

b) das Maischen oder Einmaischen,

c) das Kochen und Hopfen der Würze.

[117] Es sei hier ausdrücklich hervorgehoben, dass bei der Beschreibung

der Bereitung der Bierwürze die gegenwärtig häufig angewendeten

=Malzsurrogate= wie Stärkezucker, Glycerin u. dgl.

unberücksichtigt geblieben sind.

a) =Das Schroten des Malzes.= Die Bierwürze wird durch Extraction des

Malzschrotes mit Wasser erhalten. Zu diesem Behufe muss das Malz

zweckmässig zerkleinert (=geschroten=, =gerissen=, =gebrochen=) werden.

Eine feine Pulverung zu Mehl würde zwar die Extraction der auflöslichen

Theile des Malzes befördern, allein aus einem zu feinem Malzmehle würde

nur äusserst schwierig die Würze klar, durch Filtration (im Maischkasten)

erhalten werden können.

Das Schroten geschieht entweder auf gewöhnlichen Mahlmühlen, wo es dann

erforderlich ist, um das Zerreiben der Hülse möglichst zu vermeiden,

das Malz vorher mit Wasser zu netzen oder auf Schrot- oder

Malzquetschmaschinen, welche zum Zerkleinern des Malzes vor den

Mahlmühlen unstreitig den Vorzug verdienen, indem so behandeltes Malz

sich vollständiger extrahiren lässt, beim Maischen leichter bearbeitet

werden kann und die Würze schnell ablaufen lässt. Es lässt sich

erklären, dass das zwischen Walzen zerquetschte Malz mehr Extract

giebt, als das durch Schroten zerstückte, weil die Walze jeden Theil

des Kornes gleich stark trifft und so die Hülse gleich gut abdrückt und

löst.

[Sidenote: Maischen.]

b) Das =Maischen= hat zum Zweck, nicht nur den in dem Malz erhaltenen

Zucker und das Dextrin, überhaupt alle extrahirbaren Stoffe auszuziehen,

sondern auch aus dem noch vorhandenen unveränderten Stärkemehl mit Hülfe

der sogenannten Diastase, des Wassers und einer geeigneten Temperatur,

Zucker und Dextrin zu bilden. Dem eigentlichen Maischen geht das

=Einteigen= voran, wobei das gebrochene Malz mit Wasser befeuchtet und

erweicht wird. Uebergösse man das Malz sogleich mit heissem Wasser, so

würden sich klumpige Massen bilden, die sich nur schwierig zertheilen

lassen. Zu heisses Wasser würde das Stärkemehl des Malzes in Kleister

verwandeln, der die auflöslichen Theile umhüllt und das Eindringen des

Wassers verhindert; die Diastase wird ferner durch zu heisses Wasser

unwirksam. Das zur Extraction des Malzes nothwendige Wasser wird nie auf

einmal, sondern in getheilten Portionen angewendet. Die höhere Temperatur

ist in einer dicken Maische auch besser zu erhalten als in einer dünnen;

die Zuckerbildung wird also auf diese Weise befördert, da die thätigen

Theile bei einander bleiben. Die Versuche von =Musculus= haben gezeigt,

dass durch die Wirkung der Diastase auf Stärkemehl nur ein Theil

derselben in Zucker übergeführt wird. =Lermer= fand, dass beim

Einmaischen von Gerstenmalz im besten Falle nur die Hälfte der dem

Stärkemehl entsprechenden Zuckermenge gebildet wird.

Die Maischmethoden sind sehr verschieden; darin kommen aber alle

überein, dass man die Zuckerbildung (Verzuckerung) in denselben

Behältern vornimmt, in welchen das Ausziehen erfolgt. Je nach der Art

und Weise, die Maische auf die zur Verzuckerung geeignete Temperatur

von 75° C. zu bringen, unterscheidet man folgende zwei Maischmethoden:

a) die =Infusionsmethode=, nach welcher die Maische einen bestimmten

Wärmegrad erhält, ohne dass irgend eine Portion derselben bis zum

Sieden erhitzt wurde. Man bringt das eingeteigte gebrochene Malz

durch heisses Wasser (_erster Guss_) auf die Maischtemperatur, lässt

die Würze nach hinreichend erfolgter Verzuckerung von dem Rückstande

ab und gewinnt diejenige Portion Würze, die von den Trebern

zurückgehalten wird, durch nochmalige Zusätze von heissem Wasser

(_zweiter_, _dritter Guss_); die Infusionsmethode ist in einem

grossen Theile des nördlichen Deutschlands, in Frankreich, in

England, zum Theil in Oesterreich und in einigen Gegenden Bayerns

gebräuchlich;

b) die =Decoctionsmethode=. Nach ihr macht man im Gegensatze zu der

Infusionsmethode vom theilweisen Siedenlassen der Maische Gebrauch;

[Greek: a]) wendet man das =Dickmaischkochen= an, so wird das mit

vielem Wasser eingeteigte Malzschrot nicht auf die

Maischtemperatur erhoben, sondern diese dadurch erzielt, dass man

einen Theil der Maische in der Braupfanne bis zum Sieden erhitzt,

dann zu der übrigen Maische im Maischbottich giebt und dies

einigemal wiederholt, bis die Maische die zur Verzuckerung

geeignete Temperatur erlangt hat;

[Greek: b]) nach dem =Lautermaischkochen= bringt man das eingeteigte

Malzschrot auf die Maischtemperatur, giebt die erste Würze in die

Pfanne und bringt sie siedend auf das Schrot zurück.

Das =Einteigen= oder =Einmaischen= geht in den =Maischgefässen= vor

sich; sie sind entweder runde Bottiche oder viereckige Maischkasten von

Holz und mit einem doppelten Boden versehen. Der obere der beiden Böden

ist durchlöchert und befindet sich einige Zoll über dem unteren.

Zwischen den Böden ist ein Hahn zum Ablassen der Würze angebracht. In

grösseren Brauereien ist der hölzerne Seihboden durch einen metallenen

Seihboden verdrängt. Man lässt das heisse Wasser nicht von oben,

sondern =von unten= in den Maischbottich einfliessen und so zu dem

Malzschrot gelangen, zu welchem Behufe ein hölzerner vierseitiger Kanal

oder zweckmässiger ein weites kupfernes Rohr (der =Pfaffe=) vom obern

Rande des Bottichs bis unter den Seihboden herabreicht. Wird das

Maischen mit Hülfe einer Rührvorrichtung ausgeführt, so steht der

Pfaffe nicht in dem Bottich selbst, sondern ausserhalb desselben und

zwar am zweckmässigsten auf dem Rohr des Abschlusshahnes. Unter den

Maischgefässen befindet sich ein grosser Behälter, der =Biergrand=;

dieser Behälter ist entweder von Stein, Cäment, Holz oder aus

Mauerwerk, stets aber mit Kupferblech begleitet und hat die Bestimmung,

die von den Maischgefässen ablaufende Flüssigkeit aufzunehmen. Dort, wo

die Maische sogleich in die Braupfanne fliesst, fällt

selbstverständlich der Biergrand hinweg. Das Durcharbeiten der Masse

während des Maischens geschieht entweder durch Handarbeit mit Hülfe von

Krücken oder durch besondere mechanische Rührvorrichtungen

(=Maischmaschinen=), die durch Wasser- oder Dampfkraft in Bewegung

gesetzt werden.

[Sidenote: Decoctionsmethode.]

Gehen wir nun zur Beschreibung des eigentlichen Maischprocesses über und

beginnen wir mit der =Decoctionsmethode=. Das Einteigen geschieht in dem

Maischbottich, in welchen man vorher die bestimmte Menge Wasser bringt

und dann das geschrotete Malz hineinschüttet. Die Wassermenge, die zum

Einteigen gebraucht wird, beträgt auf 100 Volumen Malz 202 Volumen Wasser

von gewöhnlicher Temperatur. Nachdem das gebrochene Malz mit dem Wasser

gut umgerührt worden ist, bleibt das Ganze 6-8 Stunden lang stehen.

Während dieser Zeit wird das für das Maischen nothwendige Wasser in der

Braupfanne zum Kochen erhitzt; die Menge desselben richtet sich darnach,

ob Schenkbier oder Lagerbier gebraut werden soll. Das Quantum Wasser, das

zur Herstellung einer bestimmten Menge Bieres verwendet wird, heisst

=Guss=, das Verhältniss der Malzmenge zur Qualität der zu erzeugenden

Würze die =Schüttung=. Im Königreich Bayern ist die Biermenge, die aus

einem bestimmten Malzquantum hergestellt wird, gesetzlich bestimmt und

beträgt beim Schenkbier (Winterbier) 7 Eimer, beim Lagerbier (Sommerbier)

6 Eimer pro Scheffel Malz, oder mit anderen Worten:

} 202,3 Volum. Schenkbier,

100 Volum. Malz liefern }

} 173,4 " Lagerbier.

Um nun diese Quantität Bier zu erzeugen, muss man natürlich beim Brauen

eine grössere Wassermenge anwenden. So werden z. B. in einer Brauerei

Bayerns folgende Quantitäten Wasser genommen:

pro Scheffel Malz zum Schenkbier zum Lagerbier

zum Einteigen 7 Eimer 7 Eimer

" Maischen 6 " 4,5 "

-------------------------------

13 Eimer 11,5 Eimer

oder für

100 Vol. Malz

zum Einteigen 202,3 Vol. 202,3 Vol.

" Maischen 170,0 " 130,0 "

--------------------------

372,3 Vol. 332,3 Vol.

Diese Verhältnisse wechseln nach Qualität der Gerste, nach Witterung,

Länge der Zeit der Aufbewahrung u. s. w.

Von den verschiedenen Modificationen der Decoctionsmethode seien 1) die

=bayerische= oder =Münchner Maischmethode=, und 2) =das

Augsburg-Nürnberger= oder =schwäbische Maischverfahren= oder das »=auf

Satz brauen=« angeführt.

[Sidenote: Dickmaischverfahren.]

Nach dem =Münchner Maischverfahren= (Dickmaisch- oder

Lautermaischkochen) wird die zum Sud erforderliche Wassermasse (der

Guss) getheilt, zwei Dritttheile werden im Maischbottich mit dem

Malzschrot zum Einteigen verwendet. Nachdem die Maische in dem Bottich

2-4 Stunden lang eingeteigt war, trägt man das letzte Dritttheil

Wasser, welches unterdessen in dem Braukessel bis zum Sieden erhitzt

worden ist, unter fortwährendem Umrühren ein, wodurch die Maische eine

Temperatur von 30-40° annimmt. Darauf folgt das =erste

Dickmaischkochen=; zu diesem Zwecke zieht der Brauer das eingemaischte

Schrot auf der einen Seite des Bottichs zusammen und schöpft einen

Theil davon in die Braupfanne, worin er es bei Schenkbier 30 Minuten,

bei Sommerbier 75 Minuten sieden lässt. Die Quantität der

zurückgeschöpften Masse beträgt gewöhnlich die Hälfte vom Guss. Die

siedende Masse wird in das Maischgefäss zurückgeschöpft. Darauf folgt

das Ueberschöpfen der =zweiten Dickmaische= in die Braupfanne, in

welcher man dieselbe bei Schenkbier 75 Minuten, bei Sommerbier eine

Stunde sieden lässt. Durch die erste Dickmaische erhöht sich die

Temperatur im Maischbottich auf 48-50°, durch die zweite auf 60-62°.

Nach beendigtem Maischen der zweiten Dickmaische beginnt das

Ueberschöpfen der =Lautermaische=, d. h. des dünneren Theiles der

Maische in den Braukessel, in welchem man sie ungefähr 15 Minuten lang

sieden lässt und sodann in den Maischbottich zurückbringt. Die

Temperatur der Maische beträgt jetzt 72-75° und ist die zur

Zuckerbildung geeignetste. Die Maische bleibt nun in dem bedeckten

Bottich 1-1/2-2 Stunden sich selbst überlassen. Während dieser Zeit

wird, sobald die Lautermaische die Pfanne verlassen hat, dieselbe

wieder mit Wasser gefüllt und zwar mit so viel, als man zum

Nachbierbereiten (=Anschwänzen=) braucht. Nach beendigter Verzuckerung

wird die erste fertige =Würze= in den Grand abgelassen oder unmittelbar

aus dem Maischbottich in die Pfanne gepumpt. Nachdem die Würze

abgelassen, schreitet man zum Anschwänzen, d. h. zum vollständigeren

Ausziehen der zurückbleibenden Trebern, auf welche man nochmals heisses

Wasser giesst; die Masse wird durchgearbeitet, nach etwa einer Stunde

zieht man die zweite Würze ab, welche entweder mit der ersten gemischt

oder getrennt von jener gebraut wird, um die Erschöpfung der Trebern so

weit als ausführbar zu treiben, wiederholt man den Nachguss und benutzt

die erhaltene Würze zum =Nachbier= (Schöps, Heinzeln, Dünnbier, Covent

oder Convent); vom Scheffel Malz bereitet man ungefähr 30-40 Maass

Nachbier. Die dann noch bleibenden Rückstände übergiesst man nochmals

mit Wasser und benutzt diesen letzten Auszug (=Glattwasser=), sowie die

taigartige Masse, welche sich aus den mehligen Theilen des Malzes

bildet und auf den Trebern beim Maischen absetzt, den sogenannten

=Malztaig=, auf Branntwein, sowie zur Fabrikation von Essigwürze. Der

Malztaig findet auch zur Brotbereitung Anwendung. Die Trebern werden

als Viehfutter benutzt.

Das Dickmaischkochen ist keineswegs eine rationelle Methode, da das

Herüber- und Hinüberschöpfen der Maische nur unnöthige Arbeit macht,

zur vollständigen Extraction des Malzes nicht so viel beiträgt, als man

gewöhnlich glaubt, und die Ueberführung des Stärkemehls in Dextrin und

Dextrose nicht nur nicht beschleunigt, sondern dadurch, dass durch zu

hohe Temperatur ein Theil der sogenannten Diastase unwirksam gemacht

werden kann, unsicherer macht. Alle Diejenigen, welche das Braugewerbe

auf physikalische und chemische Principien zurückzuführen bemüht sind,

erklären sich gegen die so häufig, aber mit Unrecht hervorgehobenen

Vorzüge des Dickmaischkochens -- die Würze werde bei dem wiederholten

Kochen der Maischen gegen Säuerung oder nachtheilige Veränderung mehr

geschützt; der durch wiederholtes Kochen bewirkte grössere Gehalt an

Dextrin (in Folge von Tödtung der Diastase), mache es möglich, durch

dieses Maischverfahren ein schwaches Bier von grösserer Haltbarkeit zu

gewinnen u. s. w. -- und schlagen, um die Nachtheile dieser Methode

möglichst zu verringern, vor, das Einteigen ziemlich warm vorzunehmen

(etwa bis 60-65° C.), damit man mit einer einmaligen Dickmaischkochung

der Maische im Maischbottich die verlangte Temperatur gebe.

[Sidenote: Auf Satz brauen.]

Verschieden von dem vorstehenden Maischverfahren ist das sogenannte

»=auf Satz brauen=«, wie es in vielen Brauereien Schwabens und Frankens

(Augsburg, Ansbach, Erlangen, Nürnberg, Kulmbach, Kitzingen) angewendet

und die =schwäbische= oder =Augsburg-Nürnberger Maischmethode= genannt

wird. Das Wesentliche derselben besteht darin, dass man die durch

Ausziehen des Malzschrotes mit kaltem und dann mit dem ersten heissen

Wasser erhaltene dextrinreiche Flüssigkeit zur Verhinderung der

ferneren Verzuckerung von der Maische trennt. Das gebrochene Malz wird

in dem Malzbottich mit kaltem Wasser eingeteigt (auf 7 bayer. Scheffel

30-35 Eimer Wasser); nach etwa 4 Stunden lässt man zwei Drittheile der

Flüssigkeit durch den Hahn in den Grand fliessen, worin die Flüssigkeit

als »=kalter Satz=« aufbewahrt wird. Zur Beförderung des Maischens wird

das Schrot in dem Maischbottich umgestochen, darauf mit einer Krücke

geebnet und dann ruhig stehen gelassen. Während dieser Zeit ist in dem

Braukessel Wasser bis zum Sieden erhitzt worden (bei Anwendung von 7

Scheffel Malzschrot 48 Eimer Wasser). Sobald das Wasser siedet, wird es

zum Theil in den Maischbottich geschöpft, bis die Temperatur der

Maische 50-52° beträgt. Diese Arbeit wird das =Annebeln= genannt. Der

im Grand befindliche kalte Satz wird zu der Wassermasse im Braukessel

gebracht; er enthält Eiweiss, Diastase, Dextrin und Dextrose gelöst und

trägt, indem das Eiweiss gerinnt und alle Unreinigkeiten des Wassers

einhüllt, zum Reinigen des Wassers bei; freilich wird dabei auch die

werthvolle Diastase zerstört. Man lässt die Maische eine Viertelstunde

lang ruhig im Bottich, öffnet dann den Hahn und lässt fast alle

Flüssigkeit von der Schrotmasse schnell ab; diese (die =erste Maische=)

wird in den Kessel geschöpft und zum Sieden erhitzt. Die Flüssigkeit

muss deshalb schnell abgelassen werden, damit der Zwischenraum des

Doppelbodens des Zapfens ganz leer wird, worauf man den Hahn wieder

verschliesst. Während die erste Maische in dem Kessel bis zum Sieden

erhitzt wird, sammelt sich in dem Doppelboden des Bottichs wieder eine

helle und klare Flüssigkeit, welche der »=warme Satz=« genannt wird.

Dieser Satz kommt aus dem Bottich in den Grand und von da auf die

Kühler, wo er vor der Hand bleibt und von Zeit zu Zeit umgerührt wird.

Die im Braukessel bis zum Sieden erhitzte Flüssigkeit wird nach dem

Maischbottich übergeschöpft, bis die Maische darin eine Temperatur von

72-75° erreicht hat. Diese =zweite Maische= wird vollständig, bis auf

eine kleine Quantität, die in dem Maischbottich zurückbleibt, um das

Erkalten derselben zu verhüten, in den Kessel zurückgeschöpft und unter

fortwährendem Umrühren eine Stunde lang gekocht. Nach dieser Zeit wird

die Maische nach dem Bottich zurückgeschöpft; sie heisst dann die

=dritte Maische=. Der in den Kühlern befindliche warme Satz wird nach

dem Braukessel gebracht, in welchen man jetzt Hopfen schüttet, ohne den

Hopfen aber mit dem Satz innig zu vermengen. Während sich die

Flüssigkeit in dem Kessel allmälig bis auf 25-28° erhitzt, wird

»=gezogen=«, die zuerst abfliessende trübe Würze in den Maischbottich

zurückgeschöpft und die andere allmälig klar abfliessende aus dem

Biergrand auf den in dem Braukessel befindlichen Hopfen gebracht. Erst

jetzt wird der Kessel geheizt und das Ganze 3/4 bis 1 Stunde lang

gelinde gekocht. Die gehopfte Würze wird nachher auf die Kühle

gebracht. Was von dem altbayerischen Verfahren gesagt wurde, gilt in

noch höherem Grade von dem »=auf Satz brauen=«, einem Brauverfahren,

das auf falschen Principien beruht und nur zu einer Zeit aufkommen

konnte, wo man sich über die chemischen Vorgänge beim Maischprocess

noch keine Rechenschaft zu geben vermochte.

[Sidenote: Infusionsmethode.]

Die =Infusionsmethode= unterscheidet sich von dem Decoctionsverfahren

dadurch, dass man das eingeteigte gebrochene Malz durch heisses Wasser

auf die Maischtemperatur (70-75°) bringt, ohne einen Theil der Maische

bis zum Sieden zu erhitzen, die entstandene Würze zieht und zur

vollständigen Erschöpfung der Trebern noch mehrere Güsse macht; sie

findet in England, Nordamerika, Frankreich, Belgien und Norddeutschland

Anwendung.

Das zum Einteigen und Maischen dienende Wasser wird ganz oder nur zum

Theil in dem Braukessel und zwar im Winter bis auf 75°, im Sommer bis

auf 50-60° erhitzt und davon die nöthige Menge in den Maischbottich

gebracht, in welches man das gebrochene Malz schüttet und mit dem

Wasser zu einer gleichförmigen Masse verarbeitet. Sobald das Wasser in

dem Braukessel siedet, wird zum Maischen geschritten. Zu diesem Zwecke

lässt man das siedende Wasser durch den Pfaffen in den Maischbottich

fliessen, wo es, durch das Einteigwasser etwas abgekühlt, durch die

Oeffnungen der Seihplatten aufwärts steigt und sich mit dem Malzschrot

mischt. Die Erhöhung der Temperatur bis auf 75° als der zur

Verzuckerung geeignetsten Temperatur geschieht nur allmälig, damit

keine Kleisterbildung stattfinde, welche der Einwirkung der Diastase

Hindernisse in den Weg legen würde. Da die Ueberführung des Stärkemehls

in Dextrin und Dextrose nur nach und nach erfolgt, so muss die

Maischtemperatur oder Zuckerbildungstemperatur einige Zeit lang

erhalten werden, mit der Vorsicht jedoch, dass die Temperatur nicht zu

lange einwirke, weil sonst in Folge von Bildung von Milchsäure (und

wahrscheinlich auch Propionsäure) die Maische trebersauer werden würde.

Das Fortschreiten der Dextrin- und Dextrosebildung lässt sich am besten

mit Hülfe einer wässerigen Lösung von Jod (oder einer Lösung von 0,1

Grm. Jod und 1,0 Grm. Jodkalium in 100 Kubikcentimetern Wasser)

erkennen, welche zuerst in der Maische eine dunkelblaue, dann eine

weinrothe und endlich, wenn nur noch Dextrin und Dextrose vorhanden

sind, keine Färbung mehr in der klaren Würze hervorbringt, wenn man zu

einer kleinen Menge der Jodlösung 2-3 Tropfen der Maische bringt.

Nachdem die Maische etwa eine Stunde lang auf der

Zuckerbildungstemperatur erhalten worden ist, zapft man die entstandene

Würze ab und zwar entweder in den Grand oder einen besonderen

Würzebottich oder endlich sogleich in die Braupfanne. Nach dem

Abfliessen der ersten Würze macht man den zweiten Guss (Nachguss), um

die Trebern möglichst zu erschöpfen, indem man die Trebern mit

siedendem Wasser übergiesst und aufmaischt und die Maische 1/2-1

Stunde lang wieder bei etwa 75° stehen lässt. Sobald die zweite Würze

gewonnen ist, übergiesst man die Trebern in dem Maischbottich abermals

mit Wasser, nachdem man zuvor den Malztaig (Obertaig) entfernt hat.

Es ist klar, dass die Infusionsmethode hinsichtlich der Anzahl der

zu machenden Güsse, des Wasserquantums und der Temperatur desselben

verschieden ausgeführt werden kann, immer ist es aber nothwendig, um

Bier von einer gewissen Beschaffenheit zu erhalten, Würze von gleicher

Concentration zu verarbeiten. Man ermittelt die Concentration mit

Hülfe von =Kayser='s oder =Balling='s =Saccharometer=, welches in

Zuckerlösungen Procente an reinem Zucker anzeigt und, wie =Balling=

nachgewiesen hat, Lösungen von wasserfreiem Malzextract dasselbe

specifische Gewicht besitzen wie gleichprocentige Rohrzuckerlösungen.

Für die Zwecke der Brauerei braucht das Saccharometer

(=Malzextractmesser= oder =Würzeprober=) nur für Lösungen bis zu 20-30

Proc. construirt zu sein.

[Sidenote: Extract der Würze.]

Der =Extractgehalt=, den eine Würze haben muss, um eine bestimmte

Biersorte zu erzeugen, richtet sich natürlich nach den Eigenschaften,

die man von dem Biere verlangt, ob es ein Extract- oder ein

alkoholisches (starkes) Bier sein soll. Die Menge an Malzextract

variirt in den verschiedenen Bieren von 4-15 Proc., die des Alkohols

von 2-8 Proc. Wie aus dem (S. 469) Gesagten hervorgeht, liefert 1 Proc.

Zucker in der Würze bei der geistigen Gährung ungefähr 0,5 Proc.

Alkohol. Daraus ergiebt sich, zu welchen Bieren eine concentrirte und

zu welchen eine weniger concentrirte erforderlich ist. Verlangt man z.

B. von dem herzustellenden Biere, dass es einen Alkoholgehalt von 5

Proc. und einen Malzextract von 7 Proc. habe, so muss die Würze vor der

Gährung am Saccharometer 17 Proc. zeigen. Ein Bier von 3,5 Proc.

Alkohol und 5,5 Proc. Extractgehalt erfordert eine Würze von 12,5

Saccharometerprocenten.

[Sidenote: Kochen der Würze.]

c) =Das Kochen der Würze= (Bierkochen). Die fertige aber ungekochte Würze

enthält Dextrose, Dextrinstoffe, zuweilen unverändertes Stärkemehl,

Proteïnsubstanzen, namentlich Pflanzenleim, extractive Substanzen und

unorganische Salze. Sie ist je nach der Farbe des angewendeten Malzes von

brauner oder gelbbrauner Farbe, angenehmem Geruche und süssem Geschmacke.

In Folge des Vorhandenseins einer kleinen Menge von Phosphorsäure,

Milchsäure u. s. w. ist die Reaction der Würze stets sauer. Diese

Reaction ist aber nie so stark, wie bei der trebersauren Würze, bei

welcher sich die Gegenwart an freier Säure (Milchsäure, Propionsäure,

unter Umständen auch wohl Buttersäure) schon durch den Geschmack und

Geruch zu erkennen giebt. Das Würzekochen hat nun zum Zweck, die Würze zu

concentriren, den Hopfen zu extrahiren, einen Theil der

Proteïnsubstanzen, welche die Haltbarkeit des Bieres beeinträchtigen

würden, zu coaguliren und nebst dem noch unveränderten Stärkemehl durch

die in dem Hopfen enthaltene Gerbsäure zu fällen. Durch letzteres wird

die Würze geklärt. In vielen Brauereien sucht man durch Zusatz von Gyps

zur kochenden Bierwürze, den Gehalt an stickstoffhaltigen Substanzen im

Ganzen zu verringern.

Man bedient sich zum Würzekochen entweder der runden, tiefen

=Braukessel= oder der flachen =Braupfannen=. Sie sind fast immer von

Kupfer und nur in seltenen Fällen von Eisen. Meist sind die Pfannen

viereckig, flach und so in den Brauofen eingemauert, dass sie bis zur

halben Höhe vom Feuer umspült, in der oberen Hälfte dagegen mit

Mauerwerk fest umgeben und auf diese Weise gegen directe Einwirkung des

Feuers geschützt sind. Durch zweckmässige Anlage der Feuerung sucht man

einen möglichst geringen Verbrauch an Brennstoff zu erzielen, wobei

jedoch immer dem Umstande Rechnung getragen werden muss, dass die Würze

möglichst schnell zu erhitzen ist.

[Sidenote: Hopfenhalten.]

Die Art =des Hopfenhaltens=, d. h. die Anwendung des Hopfens in der

Bierbrauerei ist eine verschiedene, da sich die Art und Weise des

Zugebens und die Quantität des Hopfens nach der Güte und der Sorte des

Hopfens, nach dem grösseren oder geringeren Extractgehalt des Bieres und

vorzüglich nach der Art der Aufbewahrung richtet. Zum Winter- oder

Schenkbier, welches in der Regel schon 4-6 Wochen nach dem Brauen

consumirt wird, nimmt man in Bayern gewöhnlich nur (alten) Hopfen vom

vorigen Jahre und rechnet auf den Scheffel Malz (= 2,22 Hectoliter) 2-3

Pfund, je nach seiner Güte. Zum Sommer- oder Lagerbier nimmt man neuen

Hopfen und rechnet für jenes Bier, welches für die ersten Monate, Mai und

Juni, bestimmt ist, auf den Scheffel trocknes Malz 4 bis 5 Pfund. Für die

letzten Keller oder für jenes Bier, welches sich am längsten, vielleicht

bis September oder October, halten soll, rechnet man 6-7 Pfund neuen

Hopfen auf jeden Scheffel Malz oder auf den Eimer 1-1,5 Pfund.

Von den Bestandtheilen des Hopfens, die bei der Bierbereitung in

Betracht kommen, sind zu erwähnen in erster Reihe die bitteren

(ungeachtet neuerer Untersuchungen noch immer nicht genügend bekannten)

Stoffe, welche dem Biere neben dem bittern Geschmack auch die

narcotischen Eigenschaften ertheilen, dann die Gerbsäure, welche einen

Theil der Proteïnsubstanzen, welche durch das Würzekochen für sich

allein nicht ausgeschieden werden, niederschlägt und so zur Klärung der

Würze, zur Mässigung der Hauptgährung und zur Regelung der Nachgährung

beiträgt. Das ätherische Oel und das Hopfenharz wirken ebenfalls

gährungshemmend und somit conservirend. Von den übrigen

Hopfenbestandtheilen, die beim Hopfenhalten extrahirt werden, könnte

noch ein Theil der anorganischen Salze angeführt werden, obgleich

darauf durchaus kein Gewicht gelegt werden soll. Hinsichtlich der

Concentration, welche der Würze durch das Würzekochen gegeben werden

soll, ist zu berücksichtigen, dass dieselbe 0,5-1 Saccharometerprocente

unter derjenigen Concentration bleiben muss, die die Würze beim Beginn

der Gährung haben soll, da beim Abkühlen der gekochten Würze der

Concentrationsgrad um so viel zunimmt. Hat die Würze in der Pfanne die

Temperatur von etwa 90° erreicht, so findet die Ausscheidung von

coagulirtem Eiweiss statt und zwar bei nach dem Infusionsverfahren

gewonnener Würze in grösserer Menge, als bei durch die

Decoctionsmethode erhaltener. Wenn in einer aus der Pfanne genommenen

Probe die darin suspendirten Flocken schnell sich absetzen und die

Flüssigkeit klar und glänzend erscheint, ist die Würze gar

(=geschieden= oder =gebrochen=); ist, wie bei dem Infusionsverfahren,

die Würze durch Eindampfen noch mehr zu concentriren, so wird das

Kochen bis zum verlangten Concentrationsgrade -- häufig 5-8 Stunden --

fortgesetzt. Ist der Zweck des Kochens nur die Gerinnung des Albumins,

so genügt im Winter ein einstündiges, im Sommer ein 3/4stündiges

Kochen. Den Hopfen giebt man am zweckmässigsten in zerkleinerter

Gestalt und erst dann zu, wenn die Albuminkörper zum grössten Theil

schon coagulirt und abgeschöpft worden sind. Um den Hopfen zu

extrahiren, lässt man entweder die ganze gekochte und noch siedende

Würze durch den mit Hopfen gefüllten =Hopfenseiher= (ein aus

abgeschälten Weiden geflochtener Korb oder ein viereckiges Gefäss aus

Holzstäben, dessen Boden und Seitenwände aus durchlöchertem Kupferblech

oder aus Drahtgewebe gebildet sind) auf das Kühlschiff laufen, oder man

kocht den Hopfen zuletzt mit der ganzen Würze, oder es wird der Hopfen

in mehreren Würzeportionen hintereinander und zuletzt auch noch mit der

schwachen Nachwürze ausgekocht.

[Sidenote: Kühlen der Würze.]

d) Das =Kühlen der Würze= geschieht, damit die gekochte Würze, die

siedend heiss aus der Pfanne kommt, bis auf die zum Hefengeben und zum

Einleiten der Gährung geeignete Temperatur herabsinke. Bei einer

Temperatur, die zwischen 25 und 30° C. liegt, hat die Würze grosse

Neigung, Milchsäure zu bilden, das Abkühlen muss daher möglichst

beschleunigt werden, damit die Würze schnell durch diese ihrer Existenz

so nachtheilige Temperatur geführt werde. Das Kühlen geschieht allgemein

auf den =Kühlschiffen= oder =Kühlstöcken=, deren Verbesserung und

zweckmässigen Einrichtung es namentlich zuzuschreiben ist, dass man

gegenwärtig an vielen Orten ein haltbares Lagerbier erzielt, dessen

Darstellung früher bei den mangelhaften Kühleinrichtungen nicht möglich

war.

Die Kühlschiffe sind 6-8 Zoll tief, meistens länglich viereckige

Gefässe von Holz oder Metall (Eisen oder Kupfer), welche an einem

kühlen, luftigen Orte aufgestellt werden. Beförderung der Verdunstung

durch Vergrösserung und durch Bewegung der Oberfläche, möglichst

trockener Zustand der Atmosphäre, heller Himmel, Wärmeableitung durch

die Wärme der Kühlgeräthschaften -- durch alles dies wird die Kühlung

der Würze wesentlich befördert. Die =hölzernen= Kühlschiffe wirken nur

einseitig, die Abkühlung findet nur an der Oberfläche der Flüssigkeit

statt und der Boden und die Wände tragen zur Abkühlung nur wenig bei.

Weit vortheilhafter sind die =eisernen= Kühler, welche in viel kürzerer

Zeit kühlen und ausserdem noch den Vortheil längerer Dauer und

grösserer Reinlichkeit gewähren. In vielen Brauereien Bayerns ist noch

das =Aufkühlen= gebräuchlich, d. i. die siedend heiss von der Pfanne

auf die Kühle geschöpfte Würze wird mittelst einer Krücke an einer

langen Stange aufgeworfen und gepeitscht. Es ist dies eine

beschwerliche und lange anhaltende Arbeit und währt oft 8-10 Stunden.

Nach der herrschenden Ansicht wäre die durch das Aufkühlen bewirkte

innige Berührung der heissen Würze mit der Luft von günstigem Einfluss

auf die Haltbarkeit und den Glanz des Bieres; es ist in der That nicht

unwahrscheinlich, dass durch Luft die Abscheidung von Proteïnkörpern

bewirkt sind. Zur =Beförderung der Abkühlung= hat man für Ableitung der

Wasserdämpfe und Herbeiführung frischer trockener Luft Sorge zu tragen;

zur Beförderung dieses Luftwechsels wendet man Ventilatoren, Wellen mit

Windflügeln und Rührmaschinen an. Sehr zweckmässig sind die

Kühlvorrichtungen für die =Nachkühlung=, bei welchen =kaltes Wasser=

als Kühlmittel Anwendung findet. Das beste Mittel, den Schluss der

Abkühlung schnell herbeizuführen und die Würze auf die zum Stellen mit

Hefe erforderliche Temperatur (7-10° C.) zu bringen, ist ohne Zweifel

das =Eis=, welches man entweder in Stücken in die Würze wirft und

zergehen lässt oder in Schwimmern auf die Oberfläche der zu kühlenden

Würze bringt. Der Concentrationsgrad der Würze hat darüber zu

entscheiden, ob sie eine unmittelbare Eiskühlung vertragen kann. Bei

welchem Temperaturgrade der Würze mit der Anwendung des Eises begonnen

werden soll, darüber können allein ökonomische Gründe entscheiden. Die

Temperatur, bis zu welcher die Würze abgekühlt wird, richtet sich nach

der Temperatur des Gährungslokales und nach der Art der Gährung. Die

Praxis hat folgende Temperaturgrade als die passendsten kennen gelehrt:

Temperatur der Würze

Temperatur des bei bei

Gährungslokales. Untergährung. Obergährung.

6-7° 12° 15°

7-8° 11° 14°

8-9° 10° 13°

9-10° 9° 12°

10-12° 7-8° 12-11°

Die Concentration der gekochten und gehopften Bierwürze wird in

Saccharometerprocenten ausgedrückt. Die tarifmässige Concentration der

gekochten und gehopften Bierwürze beträgt bei 17,5° C. in Bayern, bei

Schenk- oder Winterbier 10,4-10,8 Proc., bei Lagerbier 12,3-12,6 Proc.

Die Würze zum Bockbier hat 15-16 Proc., die zu Salvatorbier 17-18 Proc.

Extractgehalt. Nach einer 1868 von =J. Gschwändler= in Weihenstephan

ausgeführten Untersuchung ist die Bierwürze folgendermaassen

zusammengesetzt:

Decoction. Bock. Satzverfahren. Infusion.

Zucker 4,85 7,10 4,37 5,26

Dextrin 6,24 8,60 7,61 6,68

Stickstoffhaltige

Substanzen 0,79 1,35 -- --

Anderweitige

Bestandtheile 0,41 0,63 0,95 0,70

Spec. Gewicht 1,050 1,073 1,052 1,051

Extract (direct best.) 11,87 17,05 11,98 11,94

" nach Balling 12,29 17,68 12,93 12,64

[Sidenote: Kühlgeläger.]

Der auf dem Boden der Kühlschiffe sich sammelnde gelbgraue oder braune

Schlamm, das sogenannte =Kühlgeläger=, hat je nach dem angewendeten

Brauverfahren eine verschiedene Zusammensetzung; Geläger aus

Brauereien, in denen die Dickmaischmethode befolgt wird, besteht,

abgesehen von Hopfenblättchen, Gerstenhülsentrümmern und dergl.,

wesentlich aus einer Verbindung von Hopfengerbsäure mit Kleber,

zuweilen auch mit Stärkekleister, gemengt mit coagulirtem

Pflanzeneiweiss, welches sich beim Kochen der Würze bildete und aus der

Braupfanne mit in die Kühlgeräthe geschleppt wurde. Im frischen

Zustande bildet es einen Schlamm, der 3-4 Proc. von der Menge der

gekühlten Würze ausmacht; ausgewaschen und getrocknet beträgt es 0,5

Proc. vom angewendeten Malze.

[Sidenote: Gährung.]

III. =Die Gährung der Bierwürze und Aufbewahrung des Bieres.= Die Würze

ist nach gehörigem Abkühlen zur Einleitung der geistigen Gährung

geeignet, diese geht entweder durch Selbstgährung oder, der gewöhnliche

Fall, durch Zusatz von Hefe (Stellen) vor sich. Die erstere Art, die

=Selbstgährung=, tritt sofort ein, wenn die Würze bei geeigneter

Temperatur sich selbst überlassen bleibt; in diesem Falle sind es die

überall und namentlich in den Gährungslocalen in der Luft verbreiteten

Hefensporen, welche in der Würze einen zu ihrer Vegetation geeigneten

Boden finden und sich darin zu Hefenzellen ausbilden. Diese sogenannte

Selbstgährung findet in Belgien bei der Bereitung des milchsäurereichen

Faro und Lambik Anwendung. Der gewöhnliche Fall der Einleitung der

Gährung der Würze geschieht durch Zusatz von =Hefe=, wobei das erste der

Existenz des Bieres immer gefährliche Stadium der Selbstgährung

übersprungen und sogleich ein regelmässiger und rascher Gang der Gährung

herbeigeführt wird, der indessen so zu reguliren ist, dass die Hefe die

vorhandene Dextrose erst nach und nach, zum Theil erst in dem

Lagerkeller, in Alkohol und Kohlensäure zerlege[118]. Dieser Zweck ist

dadurch zu erreichen, dass man den Gährungsprocess möglichst verzögert

und zwar theils durch die möglichst niedrige Temperatur beim Eintritt und

der Dauer der Gährung durch die erforderliche Abkühlung der Würze, theils

auch durch Verminderung der Stellhefe.

[118] Von grosser Tragweite für eine rationelle Grundlage der Brauerei

sind die Resultate der Untersuchungen von =Lermer= und =v.

Liebig= (1870), wonach bei einem Zusatz von Zucker zu einer mit

Bierhefe versetzten Dextrinlösung sich ein grosser Theil des

Dextrins ganz wie Zucker in Alkohol und Kohlensäure zersetzt. 300

Kubikcentimeter einer Maische mit 8,449 Grm. Zucker ergaben nach

vollständig beendigter Gährung 6,942 Grm. Alkohol, während nach

dem Zuckergehalt die Flüssigkeit nur 4,317 Grm. hätte liefern

sollen.

Je wärmer die Würze und je höher die Temperatur des Gährlocales ist, je

geringere Quantitäten von Stellhefe hat man anzuwenden. Neben der

Temperatur ist aber auch die =Art der Hefe= von Einfluss auf den Gang

der Gährung. Eine Hefe, welche bei rascher Gährung und höherer

Temperatur sich bildete, verursacht auch in neuer Würze eine schnellere

Zersetzung als Hefe, die bei niederer Temperatur und langsamer Gährung

sich abgeschieden. Die erstere scheidet sich auf der Oberfläche der

gährenden Flüssigkeit aus und heisst =Oberhefe=, während die zweite

Art, die =Unterhefe=, nach dem Ablassen der gegohrenen Würze auf dem

Boden des Gefässes sich findet. Die Anwendung dieser beiden Hefenarten

und die Wirkung einer höheren und niederen Temperatur führen zur

Unterscheidung der beiden Arten der Gährung, nämlich der =Untergährung=

und der =Obergährung=. Die erstere Art findet bei solchen Würzen

Anwendung, welche ein Bier von grösserer Haltbarkeit, wie die

bayerischen Biere, liefern sollen. Bei ihr wird durch die Art der Hefe

und durch niedrige Temperatur die Zersetzung des Zuckers möglichst

verzögert. Die Obergährung wird dagegen vorzugsweise bei solchen Würzen

angewendet, welche ein schnell trinkbares (obergähriges) Bier liefern

sollen; man benutzt sie hauptsächlich dort, wo eine glycose- oder

zuckerreiche Würze zur Vergährung kommt und somit schon durch die

Zersetzung eines kleinen Theils von Glycose die zur Conservirung des

Bieres erforderliche Alkoholmenge producirt wird. Ihres raschen

Verlaufes wegen findet die Obergährung auch bei solcher Würze

Anwendung, welche durch grosse Concentration oder durch Beimischung

gewisser gährungshemmender Substanzen wie die brenzlichen Stoffe eines

stark gedarrten Malzes, ferner grössere Mengen von Hopfen (wie es bei

dem Porter der Fall ist), weniger leicht in Gährung versetzt werden

können. Die Gährung selbst, gleichviel ob Unter- oder Obergährung,

zerfällt in drei Phasen, nämlich:

1) in die =Hauptgährung=, (rasche oder wilde Gährung), welche bald nach

dem Zusatz der Hefe eintritt und vorzugsweise durch die Zersetzung der

Glycose, Bildung neuer Hefe und Temperaturerhöhung charakterisirt ist;

2) in die =Nachgährung=, wobei die Zersetzung der Glycose allerdings

noch fortdauert, die Bildung neuer Hefenzellen aber nicht mehr so

hervortritt, wie in der ersten Phase, und die in dem Bier suspendirten

Hefenpartikelchen sich abscheiden und das Bier klären;

3) in die =stille= oder =unmerkliche Gährung=, die nach vollendeter

Nachgährung eintritt; es findet eine weitere Zersetzung der Glycose

statt, die Hefenbildung ist aber eine kaum bemerkbare.

[Sidenote: Untergährung.]

Die =Untergährung=, die für die Bereitung des bayerischen Schenk- und

Lagerbieres allein angewendete Gährungsart wird in grossen

=Gährbottichen= aus Eichenholz, gewöhnlich von 1000-2000 Liter Capacität

(neuerdings nach den Vorschlägen von =G. Sedlmayr= auch in Gährgefässen

aus Glas) vorgenommen. Das Zugeben der Hefe geschieht auf zweierlei

Weise, entweder setzt man die Hefe sogleich der zu gährenden Würze zu,

oder man bringt etwas Würze vorher mit der Hefe in Gährung und setzt dann

die gährende Masse dem Gährbottich zu. Nach der ersten Art (das

=Trockengeben=) schüttet man die Hefe in einen kleinen Bottich, giesst

Würze hinzu, mischt innig und giesst dann das Gemisch in den Gährbottich,

wo man es noch mit der Handschöpfe durcharbeitet. Nach der zweiten Art

(das =Herführen des Bieres=) bringt man zu 1000 Maass Würze 6-8 Maass

Hefe, mischt sie dann mit 3 Eimern Würze und lässt die Mischung 4-5

Stunden stehen. Nachdem die Gährung eingetreten ist, mischt man die

gährende Masse mit der Würze in dem Gährbottich. Die Hefe soll von einer

normal verlaufenen Untergährung abstammen, nicht zu alt, von reinem

Geruch, dicker Consistenz und schaumig sein.

Nachdem die Würze mit der Hefe versetzt ist, verläuft die Gährung unter

folgenden Erscheinungen: Nach 10-12 Stunden giebt sich die beginnende

Zersetzung der Dextrose durch Kohlensäurebläschen zu erkennen, welche

einen weissen Schaumkranz am Rande des Bottichs bilden. Nach ferneren

12 Stunden erzeugen sich grössere Massen von consistenterem Schaum, der

sich felsenähnlich hebt und der Oberfläche ein gekräuseltes und

zerklüftetes Ansehen giebt; dabei giebt sich die lebhaftere

Kohlensäureentwickelung durch den Geruch zu erkennen. Man sagt nun:

_Das Bier steht in den Kräusen_. Die Kräusen bleiben bei einer

kräftigen Gährung 2-4 Tage, dann verlieren sie sich nach und nach,

wobei zuerst die hohen Punkte der Kräusen sich zu bräunen anfangen,

dann die Erhöhungen zusammenfallen, bis endlich die ganze krause Decke

so ziemlich zusammengesintert und nur noch eine bräunliche dünne Decke

zu bemerken ist, wesentlich aus den harzigen und öligen

Hopfenbestandtheilen bestehend, welche sich bei der Hauptgährung fein

zertheilt und deshalb mit weisser Farbe abscheiden und die Ursache des

bitteren Geschmackes der Kräusen sind, später sich aber zu grossen

Massen vereinigen. Die entstandene Hefe findet sich nur in geringer

Menge in der Decke, da die bei der Untergährung sich entwickelnde

Kohlensäure, die isolirt schwimmenden Unterhefenzellen nicht an die

Oberfläche zu heben vermag. Die Temperatur der gährenden Flüssigkeit

steigt mit dem Beginn der Gährung und geht mehrere Centigrade über die

Temperatur des Gährkellers hinaus; erst mit der Beendigung der Gährung

gleichen sich die Temperatur der Flüssigkeit und die des Gährlokales

wieder aus. Durch die Gährung verschwindet aus der Würze der grösste

Theil der Dextrose, von welchem die Hälfte etwa als Kohlensäure sich

verflüchtigt; die andere Hälfte aber in den specifisch leichteren

Alkohol übergeht; dazu kommt noch, dass ein Theil der in der Würze

aufgelösten Eiweisssubstanzen sich während der Gährung in Gestalt von

Hefe unlöslich ausscheidet. Das Saccharometer zeigt daher nach

beendigter Gährung weniger Grade als vorher. Der Unterschied der

Saccharometerprocente vor und nach der Gährung steht in directem

Verhältniss zu der Quantität der zersetzten Dextrose und giebt feste

Anhaltepunkte zur Beurtheilung der fortschreitenden Gährung. Dividirt

man diese Differenz durch die Saccharometeranzeige vor der Gährung, so

erhält man einen Bruch, der um so grösser ist, je vollständiger die

Vergährung vor sich gegangen ist. Dieser Bruch heisst der =scheinbare

Vergährungsgrad= und er ist in der That genügend, um den Grad der

stattgefundenen Vergährung zu beurtheilen, wenn es sich um die

Vergleichung von Bieren handelt, die nach gleichem Verfahren gebraut

sind. Zeigte z. B. eine Würze vor der Gährung 11,5

Saccharometerprocente und nach der Gährung 5 Proc., so ist die

Differenz 6,5, welche durch 11,5 dividirt, die Zahl 0,565 giebt, d. h.

von 100 Th. Malzextract sind scheinbar 56,5 Proc. durch die Gährung

zersetzt worden.

[Sidenote: Fassen und Nachgährung.]

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 95 / 167 题