In 100 Th. Asche waren enthalten

1. 2. 3.

Phosphorsäure 16,6 16,1 14,0

Kali 64,2 66,3 71,4

Magnesia 4,7 2,8 2,6

Als Beispiel specieller Art seien folgende von =C. Neubauer= (1868)

ausgeführte Mostanalysen angeführt:

Neroberger Steinberger

Riesling. Auslese.

Grade der Mostwage 95 115

------------------

Zucker 18,06 24,24

Freie Säure 0,42 0,43

Eiweisskörper 0,22 0,18

Mineralbestandtheile (Kali,

Phosphorsäure etc.) 0,47 0,45

Gebundene organische Säuren und

Extractivstoffe 4,11 3,92

-------------------

Summa der gelösten Bestandtheile 23,28 29,22

Wasser 76,72 70,78

------------------

100,00 100,00

[Sidenote: Die Gährung des Traubensaftes.]

Die Gährung des Traubensaftes ist Selbstgährung, d. h. sie erfolgt durch

Aussetzen des Traubensaftes an die Luft von selbst, ohne dass es dabei

eines Zusatzes von Hefe bedarf. Die eiweissähnlichen Substanzen des

Mostes bilden unter Mitwirkung der in der atmosphärischen Luft

befindlichen Sporen gewisser Schimmelpilze wie z. B. der _Penicillium

glaucum_ u. a. Hefenzellen, deren Bildung die Ursache der bald

eintretenden Trübung des Mostes ist. So wie Hefe auftritt, beginnt die

Gährung und setzt sich in den meisten Fällen bei geeigneter Temperatur

bis zur Beendigung der Hauptgährung fort. Die Gährung kann aufgehalten

werden durch Temperaturerniedrigung, ferner durch schweflige Säure, sowie

durch gewisse Schwefelverbindungen, wie z. B. durch das in den Senfsamen

enthaltene Schwefelcyanallyl. Wie früher angegeben, lässt man entweder

den ausgepressten Saft für sich allein, oder mit den Trestern, oder

endlich mit den Trestern und Kämmen gähren. Die Weingährung ist eine

Untergährung und beginnt bei 10-15°. Die Gährung verläuft um so

regelmässiger und sicherer, je grösser die Menge der gährenden

Flüssigkeit ist; die Gährgefässe sind entweder hölzerne Gährkufen oder

Bottiche, oder sie sind von Stein oder gebranntem Thone; erstere

verursachen zwar grössere Unterhaltungskosten und leiden durch Trockne

und Nässe, leiten dagegen die Wärme weniger leicht ab und werden in

Deutschland fast allgemein angewendet. Man lässt den Most entweder in

bedeckten oder geschlossenen Gährbottichen, oder in offenen gähren.

Handelt es sich um die Herstellung von Traubensaft ohne Trester und

Kämme, so beginnt die Gährung bei 9-12° nach und nach und ist nach

Verlauf von 4-5 Tagen im Gange; der Most trübt sich und Kohlensäuregas

entweicht unter Bildung einer Schaumdecke, deren Dicke um so geringer

ist, je langsamer die Gährung vor sich geht. Dabei nimmt die gährende

Flüssigkeit einen alkoholischen Geruch an und der anfangs süsse

Geschmack des Mostes verliert sich. Den siebenten Tag etwa werden die

Gährungserscheinungen schwächer, bis nach 10-14 Tagen die Flüssigkeit

sich zu klären beginnt, die Kohlensäureentwickelung aufhört und die

Schaumdecke verschwindet. Die während der Gährung entstandene Hefe hat

sich am Boden abgeschieden und der junge Wein, welcher die Hauptgährung

überstanden hat, kommt zur Nachgährung auf die Lagerfässer.

[Sidenote: Abziehen und Lagern des Weines.]

Nachdem durch die Hauptgährung der grösste Theil des Zuckers des Mostes

in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt worden ist, findet eine

Erniedrigung der Temperatur der gährenden Flüssigkeit statt, welche im

Verein mit der Zunahme des Alkoholgehaltes die Gährung dergestalt

verlangsamt, dass ihre vollständige Beendigung nicht mit Sicherheit

wahrgenommen werden kann. Diese nach der stürmischen Gährung eintretende

zweite Gährung heisst die =Nachgährung=. Wollte man den eigentlichen

Schluss derselben in den Gährungsbottichen abwarten, so würde unfehlbar

eine Säuerung des Weines eintreten, da die bei der stürmischen Gährung

vorhandene Kohlensäureschicht den Wein jetzt nicht mehr vor dem

Luftzutritt schützt. Sobald die Kohlensäureentwickelung nur noch eine

wenig bemerkbare ist und die Temperatur der gährenden Flüssigkeit fast

auf die des Gährlokales herabgesunken ist, giebt man den Wein auf Fässer,

in denen die Nachgährung sich vollendet, ohne dass Essigsäurebildung zu

befürchten wäre. Bei dem Füllen des Weines auf Fässer werden die Trester

zurückgelassen. Die Fässer werden bis an den Schlund gefüllt und der

Spund nur lose bedeckt. Täglich oder alle zwei Tage füllt man nach, damit

das Fass immer voll bleibe. Zur Nachgährung zieht man grosse Fässer

kleineren vor, nicht nur, weil grössere Mengen Flüssigkeit leichter und

gleichmässig vergähren, sondern auch grosse Fässer dem atmosphärischen

Sauerstoffe verhältnissmässig weniger Angriffspunkte darbieten. Während

der Nachgährung setzt sich an den inneren Wänden der Fässer Weinstein und

Hefe, ersterer krystallinisch, letztere als Schwamm, als sogenanntes

=Fassgeläger= ab, von welchem der Wein, sobald die Nachgährung vorüber

ist, durch =Abstechen= oder =Abziehen= desselben getrennt werden muss. Je

nach den klimatischen Verhältnissen und dem Gebrauche zieht man den Wein

im Februar oder im März, zuweilen auch schon Ende December auf die

Lagerfässer. Mancher Wein bleibt aber auch ein Jahr lang auf der Hefe

stehen, ehe man ihn abzieht.

Beim =Lagern des Weines= findet immer noch eine Art Nachgährung statt

und der Wein veredelt sich, indem durch die Gährung nicht nur der

Alkoholgehalt etwas zunimmt, sondern auch diejenigen Bestandtheile des

Weines auf einander einwirken, aus denen sich die Blume oder das

Bouquet entwickelt, ferner der Wein durch Abscheidung aller

suspendirten Hefentheilchen sich klärt und noch Weinstein sich absetzt.

Die freie Säure nimmt allerdings bei gewissen Weinen durch das Lagern

und das damit nothwendig zusammenhängende Auffüllen zuweilen in einer

dem Genuss nachtheiligen Weise zu. Die minder feinen Weine werden nach

dem Ablagern in kleinere Fässer abgezogen, welche vorher geschwefelt

worden sind; die besseren Weinsorten werden zuletzt auf Flaschen

gefüllt und gut verkorkt in horizontaler Lage aufbewahrt.

[Sidenote: Bestandtheile des Weines.]

Der Wein enthält fast alle Bestandtheile des Mostes und Produkte seiner

theilweisen Zersetzung; als charakteristische Bestandtheile des Weines,

die sich in dem Moste nicht finden, treten auf Alkohol, riechende

Bestandtheile, Bernsteinsäure und Glycerin. In dem Weine ist entweder die

Gährung vollkommen beendigt und aller Zucker zersetzt, wodurch man die

sogenannten =trockenen= (rein geistigen) oder =sauren= Weine (z. B. die

Franken- und Rheinweine) erhält, oder es ist in dem Weine noch ein Theil

des Zuckers unzersetzt enthalten, sei es, dass die Gährung wegen Mangel

an Wasser oder an hefebildenden Substanzen, oder wegen zu niedriger

Temperatur nicht zu Ende kommen konnte. Letztere Weine heissen =süsse

Weine=, die süssen und dabei dicksaftigen Weine werden =Liqueurweine=

genannt. Wenn der Wein mit den Schalen der blauen und rothen Trauben

gegohren hat, so nimmt er aus den Schalen entweder darin bereits fertig

gebildet enthaltene oder während der Gährung erst entstandene Farbstoffe

auf und heisst, wenn er dadurch roth gefärbt ist, =rother Wein=, hellroth

=Schiller=, wenn er nur röthlich ist =Bleichert=. Der rothe Wein ist

jetzt häufig petiotisirter Wein, dessen Farbe durch Heidelbeeren,

Malvenblumen, Hollunderbeeren unter Alaunzusatz erhöht worden ist; auch

ist in ihm der zu geringe Gehalt an Gerbstoff durch Tannin corrigirt. Mit

Hülfe künstlicher Erwärmung und dadurch hervorgerufener schneller Gährung

erzeugter Wein wird =gefeuerter Wein= genannt; junger Wein heisst

=grüner= Wein (im ersten Jahre Most), abgelagerter Wein =Firnewein=. Der

angenehme Geruch des Weines heisst seine =Blume= (Bouquet), der

eigenthümlich gewürzhafte Geschmack, welcher sich scheinbar im Munde erst

entwickelt, wird die =Göhr= des Weines genannt. Die =Gähre=, ein in

Franken, am Rhein und an der Mosel gebräuchlicher Ausdruck, bezeichnet

den eigenthümlichen aromatischen Geschmack und Geruch, der beim Kosten

des Weines wahrzunehmen ist; während sich die Blume erst bei der Gährung

entwickelt, nimmt man an, dass die Gähre schon den Trauben angehöre. Ist

der Wein reich an Alkohol und Extractivbestandtheilen, so sagt man von

ihm, =er habe Körper=; enthält er viel Alkohol und ätherische Substanzen,

so nennt man ihn schwer.

Die mittlere Zusammensetzung des Weines ist folgende:

In 1000 Theilen

Wasser 900-891

Alkohol (gewöhnlicher) _G_ 80-70

homologe Alkohole (Propyl-, Butylalkohol) _G_ }

Aether (Essigäther, Oenanthäther) _G_ }

ätherische Oele }

Traubenzucker (Dextrose und Levulose) }

Glycerin _G_ }

Gummi }

Pektin }

Farbstoff und Fettsubstanz }

Proteïnkörper } 20-30

Kohlensäure _G_ }

Weinsäure und Traubensäure }

Aepfelsäure }

Gerbsäure }

Essigsäure _G_ }

Milchsäure(?) _G_ }

Bernsteinsäure _G_ }

unorganische Salze }

Die mit _G_ bezeichneten Stoffe sind erst während der Gährung

entstanden.

Je nachdem einzelne dieser Bestandtheile vorherrschen, nennt man die

Weine =süsse Weine=, =saure= oder =herbe Weine=, =adstringirende

Weine=, =moussirende Weine= etc.

Der =Alkoholgehalt= der Weine ist ein sehr verschiedener und richtet

sich theils nach der Quantität des in dem Moste vorhanden gewesenen

Zuckers, theils auch nach der Menge der hefebildenden

Eiweisssubstanzen. Der Alkohol ist hauptsächlich gewöhnlicher Alkohol

(Aethylalkohol), ausserdem bilden sich bei der Gährung des Mostes unter

gewissen, noch nicht festgestellten Bedingungen Propyl- und

Butylalkohol in geringer Menge. Das spec. Gewicht des Weines kann nicht

zur Ermittelung des Alkoholgehaltes dienen, da ebenso wie in der Milch,

dem Biere und vielen anderen gemischten Flüssigkeiten neben dem

Alkohol, der leichter ist als Wasser, sich Stoffe befinden, die

schwerer sind. Das einfachste Mittel, die Menge des Alkohols im Weine

kennen zu lernen, besteht darin, den Alkohol =abzudestilliren=, in dem

Destillat mit Hülfe des Pyknometers oder Alkoholometers den

Alkoholgehalt zu bestimmen und daraus den des Weines zu berechnen.

[Illustration: Fig. 228.]

[Illustration: Fig. 229.]

Gegenwärtig wendet man zur Alkoholbestimmung des Weines auch häufig das

=Vaporimeter= von =Geissler= in Bonn an, in welchem die Spannkraft der

Dämpfe durch eine Quecksilbersäule gemessen wird. Die Tension des

Dampfes von absolutem Alkohol ist bei 78,3° dem einer Atmosphäre

gleich, während Wasserdampf erst bei 100° einen Atmosphärendruck

ausübt. Es lässt sich mithin der Alkoholgehalt einer Flüssigkeit durch

die Höhe einer Quecksilbersäule messen, die bei einer genau bestimmten

Temperatur (in dem vorliegenden Falle der Siedetemperatur des Wassers),

durch die sich aus der Flüssigkeit entwickelnden Dämpfe emporgehoben

wird. Der angewendete Apparat ist in Fig. 228 abgebildet. Er besteht

wesentlich aus vier Theilen, nämlich 1) einem Messinggefäss _A_, zur

Hälfte mit Wasser gefüllt, das durch eine untergestellte Lampe bis zum

Sieden erhitzt wird; 2) einer zweimal gebogenen Glasröhre _B_, die auf

einer hölzernen Scala befestigt ist; 3) einem cylindrischen Gefäss _O_,

welches mit Quecksilber und der zu prüfenden Flüssigkeit gefüllt ist;

4) einem Cylinder von Messingblech, in dessen oberem Theile ein genaues

Thermometer _T_ sich befindet. Bei der Ausführung des Versuches füllt

man das Glasgefäss _O_, indem man es umgekehrt in der Hand hält, bis

zur Marke _a_ mit Quecksilber an und dann vollständig mit der zu

untersuchenden Flüssigkeit. Darauf befestigt man diesen Theil des

Apparates auf das Kochgefäss, bringt den Messingcylinder über den

Quecksilbercylinder und erhitzt das im Kochgefässe befindliche Wasser

bis zum Sieden. Die sich entwickelnden Wasserdämpfe steigen in den

Messingcylinder empor und erwärmen das Quecksilber und die zu

untersuchende Flüssigkeit bis zur Siedetemperatur des Wassers. Dadurch

verwandelt sich ein Theil der Flüssigkeit in Dämpfe, welche auf das

Quecksilber drücken und dasselbe in der Steigröhre um so höher

hinauftreiben, je mehr Alkohol in der Flüssigkeit enthalten ist. Die

Scala auf _B_ ist so eingerichtet, dass der Stand der Quecksilbersäule

anzeigt, wie viel Procente Alkohol dem Gewichte und Volumen nach in der

Flüssigkeit enthalten sind. Die nicht flüchtigen Bestandtheile des

Weines (Extractivstoffe, Zucker u. s. w.) beeinträchtigen die Resultate

nicht. Die freie Kohlensäure muss dagegen vor dem Versuche mittelst

frisch gebrannten Kalkes, mit welchem man den Wein zusammenschüttelt

und dann filtrirt, entfernt werden. Die in dem Weine enthaltenen

flüchtigen Aetherarten sind von nachtheiligem Einflusse auf die

Genauigkeit der Resultate; wenngleich vorgeschlagen worden ist, diese

flüchtigen Substanzen vor dem Versuche durch Kochen der Flüssigkeit mit

Kali zu zersetzen, so hat doch die Erfahrung gelehrt, dass eine

vollständige Zersetzung aller flüchtigen Körper des Weines sehr

schwierig auszuführen ist, und ein Theil derselben sich der Zersetzung

entzieht. Es ist auch nicht unerwähnt zu lassen, dass das Vaporimeter

von der Voraussetzung ausgeht, die sich beim Kochen aus dem Weine

entwickelnden Dämpfe seien ein Gemisch von Wasser und Dämpfen von

gewöhnlichem Alkohol. Da nun aber bei der Gährung des Traubenzuckers

sich neben Aethylalkohol auch die homologen Alkohole Propyl- und

Butylalkohol in geringer Menge unter noch nicht genau festgestellten

Bedingungen bilden, so sind die mit Hülfe des Vaporimeters erzielten

Resultate nur dann völlig verlässig, wenn es sich nur um Mischungen von

Aethylalkohol und Wasser handelt. Bessere Resultate giebt die

=Destillationsprobe=, indem man 10 Kubikcentimeter Wein der

Destillation unterwirft, das Destillat durch Zusatz von Wasser auf 10

Kubikcentimeter Volumen bringt und aus dem spec. Gewichte der

Flüssigkeit den Alkoholgehalt des Weines erfährt. Auch das

=Ebullioskop= von =Tabarié= (Fig. 229) findet zur Alkoholbestimmung des

Weines zuweilen Anwendung. Wasser siedet bei +100° bei 760 Millimeter

Barometerstand, Alkohol bei +78,3° C. Der Siedepunkt einer

alkoholischen Flüssigkeit wird sich daher der Zahl 78,3° um so mehr

nähern, je reicher die Flüssigkeit an Alkohol ist. Bei =Tabarié='s

Ebullioskop bringt man den zu untersuchenden Wein in das Gefäss _C'_,

dessen Deckel aus dem aufgelötheten Trichter _E H_ besteht; durch die

Lampe _L_ wird die Flüssigkeit erhitzt. Die sich entwickelnden Dämpfe

erhitzen das Thermometer _t t'_ und geben durch die Höhe der

Quecksilbersäule den Alkoholgehalt an. Das mit kaltem Wasser angefüllte

Gefäss _M M'_ soll dem zu hastigen Entweichen der Dämpfe vorbeugen. Ist

der Siedepunkt des reinen Wassers an einem gegebenen Orte 99,4° C., so

entspricht der Siedepunkt einer alkoholhaltigen Flüssigkeit folgenden

Alkoholgemengen in Gewichtprocenten:

96,4° C. 3 Proc. Alkohol. 91,1° C. 9 Proc. Alkohol.

95,3 " 4 " " 90,2 " 10 " "

94,3 " 5 " " 89,7 " 11 " "

93,5 " 6 " " 89,3 " 12 " "

92,7 " 7 " " 88,8 " 13 " "

91,9 " 8 " " 88,4 " 14 " "

Die rothen französischen Weine enthalten 9-14 Proc. (dem Volumen nach)

Alkohol, Burgunder 9, 10 und 11 Proc., Bordeaux 10, 11 und 12 Proc. Die

Frankenweine enthalten 8-10 Proc., die Pfälzer Weine 7-9,5 Proc., die

badischen Weine (nach =Nessler=) 9,8-11,5 Proc., die Weine Ungarns 9-11

Proc. Champagner enthalten 9-12 Proc., Xeres 17 Proc., Madeira 17-23,7

Proc. Die in allen Weinsorten sich findende =Säure= ist ausser der

Kohlensäure, Bernsteinsäure, Weinsäure, Aepfelsäure und Essigsäure;

diese Säuren finden sich theils im freien Zustande, theils in Gestalt

von Salzen, die Weinsäure namentlich in Form von _Cremor tartari_ und

andern sauren weinsauren Salzen. Neben einer eigenthümlichen Gummiart,

welche zwischen dem arabischen Gummi und dem Bassorin in der Mitte

stehen soll, von =Fauré= mit dem Namen =Oenanthin= bezeichnet worden

ist, und ungeachtet der kleinen Quantität, in welcher es vorkommt,

manchem Weine eine gewisse dickliche Consistenz ertheilen soll, ist

zuerst 1859 von =Pasteur= im Weine als normaler Bestandtheil das

=Glycerin= gefunden worden. =Pohl= fand (1863) in österreichischen

Weinen bis zu 2,6 Proc. Glycerin. Mit dem zunehmenden Alter nimmt der

Glyceringehalt ab, ja in sehr alten Weinen kommt wahrscheinlich kein

Glycerin mehr vor; dadurch lässt sich (nach =Pohl=) die Speere

(Magerkeit) alter Weine erklären. Bei der Prüfung auf Glycerin ist der

Umstand nicht ausser Acht zu lassen, dass viele Weine gegenwärtig einen

künstlichen Glycerinzusatz erhalten haben. Was die =Farbstoffe des

Weines= anbelangt, so haben nur die des rothen Weines Interesse; die

der gelbbraun gefärbten Weine sind oxydirte Extractivstoffe, die ihrem

Wesen und ihrer Zusammensetzung nach sich den Humussubstanzen nähern.

Der Farbstoff des rothen Weines ist von =Mulder= und =Maumené= mit dem

Namen =Oenocyan= (Weinblau) bezeichnet worden; er ist dem

Lakmusfarbstoff ähnlich, ist im reinen Zustande blau und wird durch

Säuren geröthet. Er ist unlöslich in Wasser, Alkohol, Aether, Olivenöl

und Terpentinöl, etwas löslich in Alkohol, der mit kleinen Mengen von

Weinsäure oder Essigsäure vermischt ist. Mit einer Spur Essigsäure ist

die Lösung prächtig blau, auf Zusatz grösserer Mengen Essigsäure geht

die Farbe der Flüssigkeit in roth über; mit Alkali neutralisirt wird

die Lösung wieder blau. Ueberschüssige Alkalien zerstören das

Oenocyanin unter Humusbildung. Durch Verdampfen des Weines bis zur

Trockne bleiben die nichtflüchtigen Bestandtheile des Weines, das

sogenannte =Extract= zurück; es besteht aus einem Gemenge der nicht

flüchtigen Säuren, der Salze mit organischen und anorganischen Säuren

mit Oenanthin, Farbstoffen, Zucker, Proteïnsubstanzen und

Extractivstoffen, deren Natur nicht bekannt ist. Die Menge des

Extractes ist sehr verschieden und richtet sich nach der Art des Weines

und nach dem Vergährungsgrade des Zuckers. =Fresenius= fand in den

Rheinweinen als Maximum 10,6, als Minimum 4,2 Proc. Extract, =Fischern=

in den Pfälzer Weinen 10,7 bis 1,9 Proc., =F. Schubert= im Wein aus der

Umgegend von Würzburg 7,2-1,1 Proc., =Pohl= in den Weinen aus Böhmen

2,26, aus Niederösterreich 2,64, aus Ungarn 2,62 Proc. Die

=mineralischen Bestandtheile= finden sich in dem Weine in geringer

Menge; im Mittel von vier Madeiraweinen betrugen sie 0,25 Proc., von

vier Rheinweinen 0,12 Proc., von vier Portweinen 0,235 Proc. =van

Gorkom=, =Veltmann= und =Mösmann= fanden in 1000 Th. Wein:

Madeira 2,55 Th. Asche

Teneriffa 2,91 " "

Rheinwein 1,93 " "

Portwein 2,35 " "

=Pohl= in den österreichischen Weinen, und zwar aus

Böhmen 1,97 Th. Slavonien 1,91 Th.

Croatien 1,68 " Steiermark 1,63 "

Krain 1,81 " Tirol 1,84 "

Nieder-Oesterreich 2,00 " Ungarn 1,80 "

Die Asche besteht aus Kali, Kalk, Magnesia, Natron, Schwefelsäure,

Phosphorsäure und Chlor.

Ueber die =wohlriechenden Bestandtheile= des Weines, die oft seinen

Werth bedingen, ist etwas Zuverlässiges noch nicht bekannt. Derjenige

Stoff, welcher dem Wein den eigenthümlichen Weingeruch ertheilt, ist

ein Gemenge von =Oenanthäther= (Weinblumenäther) mit Alkohol. Der

Oenanthäther ist nach einer Untersuchung von =C. Neubauer= ein Gemisch

verschiedener Stoffe, unter welchen Capryl- und Caprinsäure-Aether die

bei weitem wichtigsten sind, und ist ein Produkt der Gährung des

Mostes. Hinsichtlich der =Blume= und des =Bouquets= ist mit

Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es ebenfalls durch während der

Gährung entstandene Aetherarten gebildet wird, die aber ihrer äusserst

geringen Menge wegen noch nicht mit Sicherheit erkannt und

unterschieden werden konnten[110]. Man weiss, dass bei der Gährung des

Zuckers neben gewöhnlichem Alkohol Propyl- und Butylalkohol sich

bilden; Bernsteinsäure ferner als constantes Gährungsprodukt auftritt;

diese Körper, sowie die in dem Traubensafte vorhandenen Säuren

(Weinsäure, Aepfelsäure, Traubensäure), nebst den beim Lagern des

Weines sich bildenden (Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure und die

Aldehyde dieser Säuren) und den aus dem Oel der Kerne u. s. w.

entstehenden (Oelsäure, Palmitinsäure), können nun eine grosse Anzahl

von Aetherarten erzeugen, welche je nach den quantitativen

Verhältnissen der Componenten den verschiedenen Geruch der einzelnen

Weinsorten bedingen mögen.

[110] Mit völligem Rechte sagt =C. Neubauer= (Chemie des Weines,

Wiesbaden 1870 Seite 97): »Alles, was die Kunst zur Nachahmung

der Weinblume bis jetzt geliefert hat, ist trotz der bestechenden

Namen wie Perle des Rheins, Moselbouquet etc., mit welchem diese

Präparate angepriesen werden, elendes Machwerk. Unser chemisches

Wissen über das Bouquet ist äusserst gering und die Wissenschaft

steht mit den ihr bis jetzt zu Gebote stehenden Mitteln, diesen

Geistern des Weins, machtlos gegenüber«.

[Sidenote: Krankheiten des Weines.]

Bei der Behandlung und Aufbewahrung des Weines geschehen oft Fehler, in

deren Folge Missverhältnisse zwischen den Weinbestandtheilen sich zeigen

und Zersetzungen mannichfacher Art auftreten, die der normalen

Beschaffenheit gefährlich sind und mit dem Namen der =Krankheiten des

Weines= bezeichnet werden. Nach =Pasteur= werden diese Krankheiten durch

organische Fermente, durch mikroskopische Organismen hervorgerufen, deren

Keime in den Wein gelangen und sich dort unter günstigen Umständen

entwickeln.

Eine der am häufigsten vorkommenden Krankheiten ist das =Zähe=- oder

=Langwerden=, wobei der Leim schleimig, dickflüssig wie Oel und

fadenziehend wie Leinsamen- oder Eibischwurzelschleim wird; diese

Krankheit tritt besonders bei an Gerbsäure armen, daher weit häufiger

bei weissen als bei rothen Weinen und zwar gern bei solchen auf, welche

zu früh auf Flaschen gefüllt wurden. Der Zuckergehalt nimmt dabei ab;

es ist daher wahrscheinlich, dass die Glycose sich wie bei der

schleimigen Gährung in Pflanzenschleim und Mannit umsetzt. Bei

kräftigen, an Alkohol und Weinsäure reichen Weinen verschwindet das

Uebel zuweilen von selbst, ebenso verschwindet es zuweilen plötzlich

durch starkes Schütteln des Weines bei Luftzutritt, auch meistens, wenn

man durch Zuckerzusatz eine neue Gährung einleitet. Um das Langwerden

des Weines zu verhüten, ist ein entsprechender Zusatz von Gerbsäure

anempfohlen worden. =François= empfiehlt 15 Grm. Tannin auf 230 Liter

Wein anzuwenden, welches mit gewissen schleimigen Bestandtheilen, die

sich namentlich in jungen Weinen in erheblicher Menge finden, eine

unlösliche Verbindung bildet. Das =Sauerwerden= des Weines besteht in

der fortschreitenden Umwandlung des Alkohols des Weines in Essigsäure.

Die Ursache der Säuerung ist _Mycoderma aceti_, welchen Pilz =Pasteur=

in allen sauer gewordenen Weinproben nachzuweisen vermochte. Dieser

Krankheit ist der Wein am häufigsten ausgesetzt; schwacher

Alkoholgehalt, höhere Temperatur, Zutritt der atmosphärischen Luft sind

die Ursache des Sauerwerdens des Weines. Ist dasselbe erst im Entstehen

begriffen, so kann man ihm vorbeugen, wenn man durch eine neue, durch

Zuckerzusatz bewirkte Gährung den Alkoholgehalt und die Kohlensäure,

das beste Schutzmittel gegen Sauerwerden, erhöht. Einem bereits

merklich sauer gewordenen Weine ist nicht mehr zu helfen und es ist in

diesem Falle am vortheilhaftesten, einen solchen Wein vollends in Essig

übergehen zu lassen. Imprägniren mit schwefliger Säure kann die

Essigbildung einige Zeit verzögern, aber nicht völlig hindern. Hier und

da sucht man die Essigsäure durch Zusatz von Weinsäure nach und nach in

Essigäther, der keinen sauren Geschmack mehr besitzt und das Aroma des

Weines erhöht, überzuführen. Dass man die Essigsäure durch

Neutralisation mit Alkalien und alkalischen Erden nicht entfernen kann,

da die essigsauren Salze sämmtlich leicht löslich sind, bedarf kaum der

Erwähnung.

=Das Bitterwerden der Weine= hat einen verschiedenen Grund. Es kann

vorkommen, dass das Ferment unter noch nicht festgestellten

Bedingungen, namentlich Temperaturerhöhung und hohes Alter des Weins,

sich in einen bitteren Körper umwandelt, welcher den Wein fast

ungeniessbar macht. =Maumené= schlägt vor, diesen Stoff durch Zusatz

von gelöschtem Kalk (0,25 bis 0,50 Grm. pro Liter) auszufällen. Auch

die Bildung von braunem Aldehydharz, entstanden aus dem Aldehyd unter

Mitwirkung von Ammoniak und Luft, kann einen bitteren Geschmack des

Weines hervorrufen. Man hat auch behauptet, dass das Entstehen von

citronensaurem Aether, eine allerdings intensiv bitterschmeckende

Verbindung, die Ursache des bitteren Geschmackes mancher Weine sei. Das

=Kahmigwerden= hat in dem Entstehen einer Schimmelpflanze in Gestalt

einer weissen Haut auf der Oberfläche alkoholarmer Weine seinen Grund

und ist stets der Vorbote des Sauerwerdens. Der Kahm lässt sich dadurch

entfernen, dass man so lange Wein durch ein Rohr in das Fass treten

lässt, bis der Kahm zum Spunde hinausgetreten ist; ist der Kahm im

Weine suspendirt, so colirt man ihn durch Leinwand und consumirt den

Wein baldigst. Das =Abstehen= oder =Umschlagen= des Weines zeigt sich

durch Verschwinden des Alkohols und Zersetzung der Säuren des Weines;

der Wein erhält einen faden Geschmack und nimmt eine dunkle Farbe an.

Bei einem weiter vorgeschrittenen Grade der Krankheit wird der Wein

trübe, verbreitet einen üblen Geruch und hinterlässt zuletzt eine saure

Flüssigkeit. Das zweifach weinsaure Kali verwandelt sich dabei in

kohlensaures Kali, welches letztere die Farbstoffe des Weines und die

in ihm enthaltene Gerbsäure in Humussubstanzen überführt. Im Anfang

lässt sich dem Uebel durch Zusatz geringer Mengen von

Aetherschwefelsäure vorbeugen. Der =Fassgeschmack=, =Fass=- und

=Schimmelgeruch= entsteht von alten anbrüchigen Dauben der Lagerfässer,

oder durch Schimmeligwerden der Fässer in dumpfigen Kellern. Behandeln

des Weines mit frisch ausgeglühter Holzkohle oder Schütteln mit

Olivenöl entfernt zwar den Beigeschmack, entzieht aber auch zugleich

einen grossen Theil der aromatischen Weinbestandtheile. In leeren

Fässern beseitigt man den Schimmelgeruch am einfachsten durch Ausblasen

mit heissen Wasserdämpfen. Vielen pathologischen Erscheinungen in der

Weinbehandlung kann durch Tanninzusatz vorgebeugt werden.

[Illustration: Fig. 230.]

[Illustration: Fig. 231.]

[Sidenote: Pastriren des Weines.]

Ein grosser Fortschritt in der Weinbehandlung ist die von =Pasteur=

eingeführte =Conservationsmethode= (das Pasteurisiren, für welches wir

den kürzern Namen =Pastriren= in Vorschlag bringen). Dieses Verfahren

zum Haltbarmachen des Weines besteht in dem Erwärmen des Weines in

Fässern bis zu einer Temperatur von 60° C. Der zum Pastriren des Weines

dienende und von =Rossignol= construirte Apparat (der bereits am Rhein

und Maine vielfach benutzt wird), besteht (Fig. 230 und 231) aus einem

Fasse _T_, dessen einen Boden man weggenommen und durch einen kupfernen

Kessel _C_ ersetzt hat. Der untere Theil dieses Kessels hat die Form

eines abgestumpften Kegels; auf den Rand desselben ist der obere

trompetenförmige Theil aufgesetzt, welcher sich zu einer oben offenen

Röhre _c_ verlängert und an der Aussenseite verzinnt ist. Der zu

erhitzende Wein wird in das Fass gebracht; der Kessel ist mit Wasser

gefüllt und wird durch eine Feuerung, über welcher er steht, erhitzt.

Das Wasser überträgt die aufgenommene Wärme auf den Wein; es wird

niemals zum Kochen erhitzt und erlangt kaum eine höhere Temperatur als

der Wein. Der Kessel braucht nicht entleert und wieder gefüllt zu

werden, sondern man benutzt immer dasselbe Wasser. Am besten ist es, so

viel Wasser in den Kessel zu bringen, dass dasselbe, wenn es das

Maximum der Temperatur erlangt hat, die Röhre _c_ zur Hälfte oder zu

drei Viertheilen füllt. Nachdem der Wein die erforderliche Temperatur,

welche durch ein Thermometer _t_ angegeben wird, erlangt hat, wird er

durch einen unten an dem Fasse angebrachten Hahn _r_ abgezogen und in

die zu seiner Aufbewahrung bestimmten Fässer gefüllt, zu welchem Zweck

man ein Kautschukrohr _f_ mit dem Hahne verbindet. Sobald das Fass leer

ist, füllt man es wieder mit einer anderen Portion Wein, um die in der

Feuerung und dem Wasser angesammelte Wärme zu benutzen.

Fig. 231 zeigt, auf welche Art der untere Theil des Fasses dicht

schliessend mit dem Kessel verbunden ist. An den Kessel ist ein

verzinnter flacher kupferner Ring _a_ angelöthet; dieser Ring befindet

sich zwischen zwei anderen Ringen, einem ziemlich dicken eisernen Ring

_b_ und einem 1 bis 2 Centimeter dicken Kautschukring _d_. An dem

unteren Theile des Fasses befindet sich ferner ein eiserner Reifen _e_,

welcher etwas in das Holz der Dauben eingefalzt ist; an diesen Reifen

sind Winkeleisen angenietet, und diese sind durch Schraubenbolzen mit

dem Ringe _b_ verbunden. Indem man die Schrauben fest anzieht, wird der

Kautschukring zusammengedrückt und dadurch ein dichter Verschluss

erzielt.

Da der Wein sich beim Erhitzen ausdehnt, so macht man das Fass nicht

ganz voll; die Folge davon ist, dass der Wein in demselben mit einer

gewissen Menge Luft in Berührung gebracht wird. =Pasteur= hat nun

gezeigt, dass man dies vermeiden muss, wenn daran liegt, dass der Wein

nicht durch eine rasche Oxydation, welche ein künstliches Altern

desselben bewirkt, in seiner Farbe oder seinem Geschmack verändert

werde. Im Allgemeinen ist es am besten, dieses künstliche Altern zu

vermeiden, um so mehr, als mit demselben gewöhnlich ein Kochgeschmack

(_goût de cuit_) sich einstellt, was niemals eintritt, wenn der Wein

sehr kurze Zeit unter Ausschluss der Luft erhitzt wird. Die so

ausgeführte Erhitzung macht den pastrirten Wein unveränderlich, ohne

seine Farbe zu modificiren, welche blos oft mehr Glanz bekommt, und

ohne seinen Geschmack wesentlich zu verändern (der Geschmack wird nur

durch das Entweichen von Kohlensäure beim Erhitzen ein wenig weicher).

[Sidenote: Klären und Gypsen des Weines.]

Das Klarwerden erfolgt bei den meisten Weinen von selbst, indem sich

die hefigen Theile zu Boden setzen, sowie die Gährung beendigt ist.

Besonders leicht werden die sogenannten trockenen Weine, d. h. solche

klar, welche vollkommen ausgegohren haben und keinen Zucker mehr

enthalten. Diese brauchen keine künstliche Klärung. Bei den süssen und

fetten Weinen dagegen, welche ausser Zucker noch viele hefebildende

Bestandtheile enthalten und die im Weine befindlichen unlöslichen

Theilchen sich wegen der Dickflüssigkeit des Weines nicht leicht

absetzen können, schreitet man zum =Klären= oder =Schönen=, man setzt

zu dem zu klärenden Weine einen leim- oder eiweissähnlichen Körper,

welcher sich zuerst mit den trübenden Theilen mischt, dann gerinnt oder

zusammenzieht und auf diese Weise die unlöslichen Theile entfernt. Man

hat dabei nicht zu vergessen, dass die Farbstoffe des rothen Weines

Gerbsäurederivate sind und zum grössten Theile gegen Leim sich wie

Gerbsäure verhalten und gefällt werden. Die zum Klären angewendeten

Körper sind =leimgebende, leimartige Substanzen=, wie Hausenblase und

Leim, =Eiweiss=, =Blut=, =Milch= und Mischungen, welche eine der

genannten Substanzen enthalten. Der hier und da gebräuchliche Zusatz

von =Gyps= zum Wein geschieht in verschiedener Absicht. Bei der

Bereitung von rothem Wein soll ein Gypszusatz zum Most die Farbe

erhöhen. Die Erfahrung zeigt, dass die rothe Farbe des Weines sich um

so kräftiger entwickelt, je länger die Schalen der blauen Trauben mit

der gährenden Flüssigkeit in Berührung bleiben; zu gleicher Zeit muss

aber auch die Gährung gemässigt werden; dies geschieht nun durch den

Gyps, welcher nach =Maumené= auf verschiedene Weise wirkt. Wendet man

denselben als gebrannten Gyps an, so nimmt er Wasser auf und vermehrt

auf diese Weise die Menge des Alkohols, dessen schwächende Wirkung auf

die gährungserregende Eigenschaft der Hefe bekannt ist. Ferner

verwandelt er die löslichen Kalisalze des Weines in unlösliche

Kalksalze und in Kaliumsulfat, eine Umwandlung, die in der That Nutzen

haben kann, wenn man in Erwägung zieht, dass man dem _Cremor tartari_

die Eigenschaft zuschreibt, das Ferment gelöst zu erhalten, eine

Eigenschaft, welche dem Kaliumsulfat, das sich übrigens zum grössten

Theile unlöslich abscheidet, wahrscheinlich abgeht.

[Sidenote: Rückstände der Weinbereitung.]

Die bei der Weinbereitung sich ergebenden Rückstände und Abfälle

bestehen in den =Trestern= (Kämme, Stiele, Ranken der Trauben, Häute

und Kerne der Beeren) und in dem =Weingeläger= (Hefe und Weinstein).

Beide finden mannichfache Anwendung. Was die Trester betrifft, so hat

man zuvörderst zu unterscheiden zwischen den mit Wasser ausgelaugten

und den nicht ausgelaugten Trestern, welche letztere nicht

unbeträchtliche Mengen von Most enthalten; letztere dienen 1) zur

Bereitung von petiotisirtem Wein, nicht zu verwechseln mit dem

Tresterwein; 2) zur Erzeugung von Branntwein (Tresterbranntwein), wobei

nicht nur der in dem Moste enthaltene Zucker in Betracht kommt, sondern

auch wahrscheinlich der durch Spaltung der Gerbsäure, die in so grosser

Menge in den Trestercomponenten sich findet, entstandene (vergl. S.

465); 3) zur Fabrikation von Grünspan (vergl. S. 60); 4) zur

Essigfabrikation und zur Beförderung der Essigbildung aus zucker- oder

alkoholhaltigen Flüssigkeiten; 5) als Viehfutter, eine in Frankreich

für Pferde, Maulthiere und Schafe übliche Anwendung; 6) die

ausgepressten oder schon auf Branntwein oder Essig benutzten Trester

können als Brennmaterial sowie als Düngmittel Anwendung finden; 7) die

Traubenkerne können auf fettes Oel, das sie in einer Quantität von

10-11 Proc. enthalten, verarbeitet werden; 8) wegen ihres grossen

Gehaltes an Gerbsäure kann man die durch Auspressen oder durch

Extraction mit Benzol oder Schwefelkohlenstoff von dem fetten Oele

befreiten =Kuchen= zum Gerben, zum Schwarzfärben u. s. w. verwenden;

eine sehr vortheilhafte Benutzung wäre ferner deren Verarbeitung auf

=Weinkerngerbsäure=, die in den entölten Kuchen bis zu 7 Proc. sich

findet und in allen den Fällen der Weinbehandlung anzuwenden wäre, wo

man gegenwärtig das den Bestandtheilen der Weintraube fremde Tannin

anwendet; 9) aus dem Weingeläger stellt man durch Abpressen, Trocknen

und Verbrennen Asche dar, die in Burgund und anderen Gegenden zur

Fabrikation der Drusenasche (Weinhefenasche, _cendres gravelées_)

dient. Auch die Trester verarbeitet man auf Potasche; 10) die Stiele

und Kerne geben beim Verkohlen ein schwarzes Farbematerial

(Weinrebenschwarz); 11) das Weingeläger, wesentlich aus Hefetheilen und

Weinstein bestehend, wird in den Weinländern vor ihrer Verarbeitung auf

Potasche oder Weinstein zur Destillation eines eigenthümlich riechenden

Branntweins (=Drusenbranntwein=) benutzt, in welchem sich ein

cognacähnlich riechendes Oel befindet, welches unter dem Namen

=Drusenöl= (Weinöl, Cognacöl, _huile de marc_) im Handel vorkommt; 12)

aus dem rohen Weinstein, welcher mit etwas weinsaurem Kalk, Farbstoff

und Hefe mehr oder weniger dicke Krusten bildet, die sich theils an den

Wänden der Weinfässer absetzen, theils in dem Weingeläger enthalten

sind, erhält man durch Reinigen den Weinstein (wesentlich

Kaliumbitartrat, C_{4}H_{5}KO_{6}), aus welchem man die Weinsäure

darstellt, welche zur Bereitung von Hefen- und Brausepulver und

moussirenden Getränken, sowie in der Färberei und Zeugdruckerei eine

ausgedehnte Anwendung findet.

[Sidenote: Schaumwein.]

Die =Schaumweinfabrikation=. Der moussirende Wein oder Schaumwein ist

seit Jahrhunderten schon bekannt und geschätzt. Auf Gemälden von

niederländischen Meistern des 17. Jahrhunderts trifft man zuweilen das

Champagnerglas mit schäumendem Inhalt[111]. Die fabrikmässige Bereitung

der Schaumweine in der Champagne stammt jedoch erst aus der zweiten

Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Ausser in der Champagne fabricirte man

später in Burgund aus den Côte d'or-Weinen moussirende Weine, kein Wunder

daher, wenn auch in Deutschland versucht wurde, das angenehm prickelnde

Schäumen bei den inländischen Weinen nachzuahmen; und dass der Versuch

gelungen, dies beweist die am Main, an der Mosel, am Rhein und am Neckar

blühende Schaumweinindustrie, welche in vielen Gegenden Deutschlands den

Verbrauch an französischem Schaumwein auf ein Minimum reducirt hat. In

Deutschland zählt man (1870) gegen 50 Schaumweinfabriken mit einer

Produktion von 2-1/4-3-1/2 Millionen Flaschen, wovon 1-1/4 Millionen

ins Ausland gehen. In Frankreich wird die jährliche Produktion auf

16-18 Millionen Flaschen geschätzt.

[111] So auf einem =Rembrandt='schen Gemälde von 1650 auf der

Gemälde-Gallerie zu Dresden (=Hübner='s Verzeichniss 1862 p. 290

No. 1225). Schenken wir der Auslegung Glauben, die gewisse

Commentatoren dem =Virgil='schen Verse geben:

_Ille impiger hausit_

_Spumantem pateram_ --

so scheinen selbst die Römer den Schaumwein gekannt zu haben.

Allen Weinen fehlt im Naturzustande die Eigenschaft des Schäumens,

welche dem Weine jedoch ertheilt werden kann, wenn man das kohlensaure

Gas, welches sich bei der zweiten Gährung, die, wenn man den Wein nach

der ersten gewöhnlichen stehen lässt, entwickelt, gewaltsam zurückhält.

Beim Oeffnen der Flasche entweicht dieses Gas und verursacht das für

das Auge so erfreuliche Schäumen und Perlen. Die Quelle der Kohlensäure

liegt demnach in jedem Weine und alle Weine können in Schaumweine

verwandelt werden, den Vorzug verdienen aber im Allgemeinen die süssen

Weine vor den trocknen und zucker- und alkoholarmen. Das Moussiren

lässt sich unter zweierlei Gesichtspunkten betrachten, einmal bewirkt

der Schaumwein, sowie der Kork der Flasche beseitigt wird, einen

=Knall= und später in den Gläsern zeigt er das eigenthümliche =Perlen=.

Beide Effecte sind nicht proportional, der Knall kann ein äusserst

heftiger und das Perlen ein sehr schwaches sein, ebenso auch umgekehrt.

Stellen wir uns zwei Flaschen mit Schaumwein derselben Sorte vor, mit

dem alleinigen Unterschiede jedoch, dass die eine Flasche einen Zusatz

einer Substanz erhielt, welche die Löslichkeitsverhältnisse des Weines

für das Kohlensäuregas wesentlich veränderte. Die Effecte des Schäumens

werden sich nun ganz verschieden äussern. Da der Zuckergehalt in beiden

Flaschen der nämliche war, so hat sich auch darin die nämliche Menge

Kohlensäuregas gebildet; übt z. B. das Gas in der einen Flasche einen

Druck von 5 Atmosphären aus, so wird, wenn das Lösungsvermögen des

Weines in der zweiten Flasche schwächer, vielleicht 1/20 geringer ist,

dieses Zwanzigstel nicht absorbirten Gases, in dem Raume unterhalb des

Korkes, in der sogenannten Kammer, sich ansammeln und den Druck auf den

Wein bedeutend vergrössern. Um diejenige Menge Kohlensäure, die in der

Kammer sich befindet, ist der Wein schwächer an aufgelöstem Gas, der

Knall wird ein sehr heftiger sein und der Kork wird weit

fortgeschleudert werden, das Perlen dagegen wird, da das aufgelöste Gas

in geringerer Menge da ist, verhältnissmässig schwach sein.

Das =Verfahren der Fabrikation des Schaumweins= ist (im Allgemeinen)

folgendes: Man benutzt vorzugsweise blaue Trauben, so am Rheine die

Frühburgunder Traube von Ingelheim, der Mosel-, Main- und Nahegegend

und manche Rothweine aus Württemberg (Heilbronn und Esslingen) und

Baden (besonders die vom Kaiserstuhl im Breisgau). Sofort nach der Lese

wird der Saft ausgepresst, damit kein Farbstoff aus den Schalen sich

löse. Die ausgepressten, halb erschöpften Trester geben beim

nochmaligen Auspressen einen röthlich gefärbten moussirenden Wein. Der

ausgepresste Traubensaft kommt in Kufen, worin er 24-36 Stunden lang

bleibt; er setzt darin erdige Stoffe, vegetabilische Unreinigkeiten und

fermentbildende Substanzen ab. Darauf zapft man ihn ab und bringt ihn

auf Fässer, welche, damit die Gährung möglichst langsam geschehe, in

einem kühlen Keller lagern. So lange die stürmische Gährung dauert,

muss das Fass täglich aufgefüllt werden. Beim Einfüllen des Mostes in

die Fässer ist es zweckmässig, auf 100 Flaschen Most eine Flasche

Cognac zuzusetzen, ein Zusatz, der nicht nur den Zweck hat, den

Alkoholgehalt und die Löslichkeit des Kohlensäuregases zu erhöhen,

sondern und hauptsächlich die Gährung zu mässigen. Nachdem die

Hauptgährung vorüber ist, wird das Fass nochmals ausgefüllt und dann

verspundet. Gegen Ende December giebt man den Wein in geschwefelte

Stückfässer, schönt ihn mit Hausenblase und lässt ihn etwa einen Monat

lang ruhig liegen, worauf man ihn von Neuem absticht. Gegen Ende

Februar schönt man zum zweiten Male und lässt bis zu den ersten Tagen

des Monats April ablagern, worauf man den Wein klar auf Flaschen zieht.

Diejenigen Weine, die sich am besten zur Schaumweinfabrikation eignen,

sollen im Augenblicke des Abziehens an Zucker, Alkohol und freier Säure

in der Flasche enthalten: a) 16-18 Grm. Zucker, b) 11-12

Volumenprocente Alkohol, c) ein Aequivalent von 3-5 Grm. Schwefelsäure

an freier Säure. Durch Coupiren (Verstechen, Vermischen) der aus

verschiedenen Lagen bezogenen Weine ist man im Stande, dem zur

Fabrikation bestimmten Weine vorstehende Normalzusammensetzung zu

geben.

Die für den Schaumwein bestimmten Flaschen (die bekannten dickwandigen

Champagnerflaschen) müssen mit grosser Sorgfalt fabricirt, aus reinen

Materialien dargestellt und besonders sorgfältig gekühlt sein. Im

Allgemeinen verlangt man von einer Flasche, dass sie ein Gewicht von

850 bis 900 Grm. habe, gleichmässig dickwandig in allen Punkten sei,

die in gleicher Höhe liegen, und keine Steinchen in der Masse enthalte;

die Mündung soll konisch sein und von dem äusseren Rande abwärts sich

allmälig erweitern, dadurch sitzt der Kork fester, hält sich der Wein

besser und der Knall wird verstärkt. Ehedem belief sich der Bruch der

Flaschen auf 15-25 Proc. und noch mehr; gegenwärtig ist die

Flaschenfabrikation so weit vorgeschritten und die Schaumweinbereitung

dergestalt regulirt, dass der Bruch im Mittel kaum 10 Proc. beträgt.

Der Preis für 100 Flaschen ist 10 bis 11 Gulden. Ehe der Wein auf

Flaschen gefüllt wird, giesst man eine kleine Quantität =Liqueur= in

jede Flasche; dieser Liqueur besteht aus weissem Kandiszucker 150

Kilogr., Wein 125 Liter, Cognac 10 Liter. Die Flüssigkeit wird mit

Hausenblase geschönt, dann klar abgestochen und zum jeweiligen Gebrauch

im Keller aufbewahrt. Der Rohrzucker des Liqueurs ist in dem

Champagner, wie =Fr. Mohr= angiebt, nach kurzer Zeit ganz in

Traubenzucker(?) übergegangen. Der Zucker des Liqueurs soll in neuerer

Zeit durch =Glycerin= zum Theil ersetzt werden. Je nach dem Geschmack

der Consumenten und der Art des zu fabricirenden Schaumweines setzt man

zu obigem Liqueur zuweilen Porto, Madeira, Muscatelleressenz,

Kirschwasser, Himbeergeist u. dergl. Alle diese verschiedenen Liqueure

werden selten in reinem Zustande angewendet, sondern im Augenblicke der

Anwendung mit einer besonderen Flüssigkeit, aus einer Mischung von:

Wasser 60 Liter, gesättigter Alaunlösung 20 Liter, Weinsäurelösung 40

Liter, Tanninlösung 80 Liter bestehend, gemischt. Man setzt auf ein

Stückfass Liqueur 2 Liter dieser Flüssigkeit. Zu _dem Abziehen des

Weines_ (die =Tirage=) auf Flaschen und zu deren Verschluss werden

viererlei Arbeiter verwendet: einer, welcher den Wein auf Flaschen

zieht, einer, der sie verkorkt, einer, welcher sie mit Bindfaden, und

einer endlich, welcher sie mit Draht verschliesst. Das Verkorken wird

durch eine Maschine ausgeführt, die den Kork vollkommen gerade in die

Flasche drückt. Nachdem die Flaschen gefüllt, verkorkt und ficellirt

sind, legt man sie so nieder, dass der Hals unter einem Winkel von etwa

20° geneigt ist, damit die bei der langsamen Gährung entstehende Hefe

in den Hals gelange und sich an dem Kork absetze. Nach 8-10 Tagen

vergrössert man die Neigung in demselben Sinne und bringt den Winkel

ungefähr auf 45°; nach Verlauf von abermals 2-3 Tagen erhebt man den

Boden der Flasche noch mehr, um den Absatz so viel als möglich auf dem

Korke zu sammeln; zuletzt stehen die Flaschen vertical mit dem Korke

nach unten gerichtet. Durch die Gährung und das Ablagern des Weines

ist in allen Flaschen ein aus Hefe, Kleber und dergl. bestehender

Niederschlag entstanden, welcher natürlich zur vollständigen Klärung

des Weines aus den Flaschen entfernt werden muss. Zu diesem Behufe

befinden sich die Flaschen mit der Oeffnung nach unten in mit Löchern

versehenen Tafeln. Damit der Absatz sich in dem Halse der Flasche bis

auf den Kork herabsenke, muss jede Flasche täglich und ganz

gleichmässig etwa 14 Tage lang gerüttelt werden. Zuweilen kommt es vor,

dass der Absatz einem Häutchen gleich der Flasche adhärirt und nicht

entfernt werden kann; in solchem Falle ist der Wein nicht verkäuflich

und muss in den Gährungsbottich zurückgegossen werden. Das beste

Mittel, den Absatz pulverförmig zu machen, besteht ohne Zweifel in der

Anwendung von Tannin und Alaun, und nur aus diesem Grunde setzt man dem

Liqueur, wie oben angegeben, eine kleine Menge einer Flüssigkeit zu,

welche diese Substanzen enthält. Der sich bildende Absatz enthält

gerbsauren Leim und Proteïnsubstanzen des Weines, ist in Folge eines

Alaunzusatzes immer pulverig und giebt einen vollkommen klaren Wein.

Hat sich aller Absatz auf den Propfen abgelagert, so schreitet man zum

Entfernen des Absatzes, das =Degorgiren= oder Ausspritzen genannt. Zu

diesem Behufe nimmt der Arbeiter eine Flasche mit dem Halse nach unten

und prüft den Wein, um sich von seiner Klarheit zu überzeugen, in

welchem Falle man den Draht, der den Kork hält, aufdreht. Eine kleine

Menge Wein -- 40-60 Kubikcentimeter -- wird beim Heraustreiben des

Korkes lebhaft aus der Flasche herausgeschleudert. Der leere Raum wird

mit Liqueur ausgefüllt -- diese Arbeit nennt man das =Dosiren=. Der

Arbeiter entfernt aus der degorgirten Flasche noch 160 Kubikcentimeter

Wein (man nennt diese Operation das =Dechargiren=) und füllt nun den

hierdurch und durch das Degorgiren entstandenen Raum mit Liqueur aus.

Die Flasche wird mit einem frischen Korke verkorkt, den man mit

Bindfaden und mit Eisendraht befestigt. Der Pfropf und die Mündung

werden mit Stanniol umwickelt. Der Schaumwein enthält ungefähr 6-7

Volumen Kohlensäure und besitzt ein eigenthümliches Aroma, welches sich

durch die Einwirkung der Kohlensäure auf die Bestandtheile des Weines

zu bilden scheint und vielleicht zum Theil Kohlensäureäther

(Aethylkohlensäure) ist. Da die Kohlensäure durch eine Nachgährung

entwickelt wird und einer solchen ein mehr als mittlerer Alkoholgehalt

nachtheilig ist, so hat man auf den Alkoholgehalt des auf Flaschen zu

füllenden Weines grosse Sorgfalt zu verwenden. Der nach vorstehender

Methode dargestellte Schaumwein ist gewöhnlich in 18-20 Monaten

trinkbar, je nachdem die Jahreszeit der Gährung mehr oder weniger

günstig gewesen ist. Bei der Analyse von vier Sorten Schaumweinen

wurden -- 1867 und 1870 -- folgende Resultate erzielt:

1. 2. 3.

Freie Säure 5,3 pro Mille 5,9 pro Mille 7,6 pro Mille

Alkohol 8,4 Proc. 9,5 Proc. 8,7 Proc.

Zucker 8,2 " 4,3 " 7,9 "

Extract 11,6 " 7,5 " 10,3 "

Spec. Gewicht 1,036 " 1,029 " 1,039 "

4. 5. 6.

Freie Säure 7,8 pro Mille 6,2 pro Mille 5,6 pro Mille

Alkohol 8,4 Proc. 9,8 Proc. 8,4 Proc.

Zucker 9,1 " 7,5 " 5,4 "

Extract 12,0 " 11,6 " 15,2 "

Spec. Gewicht 1,046 " 1,039 " 1,041 "

1 Sorte aus Chalons, 2, 3 und 4 Würzburger Mousseux und zwar 2 für den

Export nach Indien bestimmt, 3 von =J. Oppmann= und 4 von

=Silligmüller=, beide in Deutschland höchst beliebige Sorten. 5 von

=Sutaine= und =Comp.= in Rheims. 6 Schaumwein einer renommirten

rheinischen Firma, in welchem ein grosser Theil des Zuckers durch

=Glycerin= ersetzt war.

[Sidenote: Most- und Weinverbesserung.]

=Most- und Weinverbesserung.= Der Werth einer Weinsorte ist ausser von

ihrem Alkoholgehalte und ihrem Aroma auch noch von ihrem Gehalte an

freier Säure abhängig. Je weniger der letzteren sie bei gleichem

Alkoholgehalte und der erforderlichen Menge von aromatischen

Bestandtheilen enthält, um so geschätzter und werthvoller ist sie. Das

Verhältniss zwischen den Hauptbestandtheilen des Traubensaftes, Zucker,

Säure und Wasser, stimmt in guten Mosten ziemlich überein, und man kann

wohl annehmen, dass dieses Verhältniss kein zufälliges sei, sondern dass

es zum Charakter und Wesen eines guten Mostes gehöre. Es wäre einseitig

und mit der Erfahrung im Widerspruche, wollte man den Werth eines Weines

nur aus dem gegenseitigen Verhältniss zwischen Alkohol, Zucker und freier

Säure im Weine ableiten, indem ja die aromatischen Bestandtheile und der

nie fehlende Glyceringehalt auf den Wohlgeschmack und auf den Werth von

so bedeutendem Einflusse sind, nichtsdestoweniger ist man doch allgemein

der Ansicht, dass gute Weine ein gewisses und ziemlich genau bestimmtes

Verhältniss zwischen Alkohol, Zucker, freier Säure und Wasser erfordern.

Solche Trauben, die sich zur Erzielung eines guten Weines nicht eignen,

können in zweierlei Weise behandelt werden. Entweder lässt man den durch

Auspressen gewonnenen Saft gähren wie er ist, in welchem Falle man einen

geringen oder schlechten Wein erhält. Oder man sucht, gestützt auf

chemische Analyse, dem mangelhaft zusammengesetzten Moste diejenigen

Bestandtheile zu geben oder auch zu entziehen, welche er in zu geringer

oder in zu reichlicher Menge enthält, oder mit anderen Worten, man stellt

künstlich in dem Weine ein solches Verhältniss der Bestandtheile dar,

dass dasselbe, wie der Most- und Weinverbesserer meint, dem guten Moste

nahekommt. Diese künstliche Verbesserung des Weines ist wohl von der

Weinverfälschung zu unterscheiden, welche dem Weine ungehörige oder der

Gesundheit nachtheilige Substanzen zusetzt.

Von den gegenwärtig in Anwendung kommenden Methoden der Most- und

Weinverbesserung sind als die wichtigsten folgende anzusehen:

1) Zusatz von Zucker zu zuckerarmem Moste und Entziehung der zu

grossen Säuremenge des Mostes durch Marmorstaub (Verfahren

=Chaptal='s),

2) Zusatz von Zucker und Wasser zu zuckerarmem und säurereichem

Moste (Verfahren =Gall='s),

3) nochmaliges Gährenlassen der Trester mit Zuckerwasser

(Verfahren =Petiot='s),

4) Entziehung von Wasser durch Frost und Gyps,

5) Entziehung von Säure durch chemisch wirkende Mittel,

6) Zusatz von Alkohol zu schwachem Weine,

7) Versetzen des fertigen Weines mit Glycerin (nach dem Entdecker

des Glycerins,=Scheele=, =Scheelisiren= genannt).

Der =Zuckerzusatz= zu zuckerarmem Moste gehört zu den ältesten

Methoden, den Wein aufzubessern. Den Römern und Griechen war diese

Methode bereits bekannt, da aber damals der Rohrzucker noch unbekannt

war und man blos Honig, welcher dem Weine einen eigenthümlichen

Geschmack ertheilte, und eingedickten Most kannte, der in den Jahren,

wo der Zusatz am nöthigsten war, ebenfalls mangelte, so kam sie wenig

in Gebrauch. =Chaptal= gedachte 1800 in seinem Handbuche des Weinbaues

dieses Zusatzes und empfahl, Zucker in dem geringen Moste aufzulösen,

bis dieser so dick geworden, wie er von denselben Trauben in den

besseren Jahren wird. Dieser Zusatz von Zucker, womit zugleich eine

Entziehung der freien Säure des zu sauren Mostes durch Marmorstaub

verbunden ist, fand allmälig immer mehr und mehr Eingang und wurde

seitdem mit dem Namen =Chaptalisiren= bezeichnet[112].

[112] Bei dem Burgunder, bei dessen Bereitung das Chaptalisiren

gegenwärtig noch vielfach angewendet wird, nimmt man allgemein

an, dass dieser Wein nicht mehr als 6 pro Mille freier Säure

enthalten dürfe. Ergiebt daher die Mostprüfung z. B. 8 pro Mille,

so müssen 2 pro Mille entfernt werden, wobei man von dem Satze

ausgeht, dass 50 Th. Marmorstaub (Calciumcarbonat) 60 Th. freie

Säuren entfernen. Ist der Säureüberschuss beseitigt, so setzt man

den Zucker (Hutzucker oder besten Stärkezucker) zu, dessen Menge

sich nach dem Alkoholgehalt richtet, welchen man dem Weine zu

geben beabsichtigt. Hat man in dem Moste z. B. 15 Proc. Zucker

gefunden, so wird der Alkoholgehalt des fertigen Weines 7,5 Proc.

betragen. Soll nun letzterer auf 10 Proc. erhöht werden, so muss

für je 1000 Kilogr. Most die entsprechende Zuckermenge, im

vorliegenden Falle mithin 50 Kilogr. Zucker zugesetzt werden. Man

geht dabei von der Annahme aus, dass 100 Th. Zucker 50 Th.

Alkohol liefern.

Obgleich es nun naheliegt, dem Moste das zu geben, was die Natur blos

durch den Mangel an Sonnenwärme nicht in genügender Quantität zu

erzeugen vermochte, so trat doch der allgemeinen Anwendung der Aufwand,

den der Zuckersatz erforderte, hindernd entgegen. Er lieferte zwar

einen alkoholreicheren und darum haltbareren Wein, allein diese Vorzüge

gehören doch weniger zu den wünschenswerthesten, selbst wenn diese

Vorzüge den erforderlichen Aufwand lohnen sollten. Der bei weitem

grössere Theil der deutschen Weine zeigt ausser dem Mangel an Zucker

einen Ueberfluss an Säure. Findet nun auch durch den Zuckerzusatz

später in Folge des grösseren Alkoholgehaltes eine vermehrte

Absonderung des Kaliumbitartrates als Weinstein statt, so enthalten

doch die nicht völlig gereiften Trauben eine weit grössere Menge

Aepfelsäure als Weinsäure; die Aepfelsäure wird aber nicht

ausgeschieden und deshalb bei dem blossen Zuckerzusatze dennoch der

Geschmack des Weines beeinträchtigt. Diese Säuren sind, ohne der

Qualität des Weines zu schaden, zu vermindern oder unschädlich zu

machen. Die Ersten, welche in dieser Hinsicht geeignete Vorschläge, die

sich auf den =Zusatz von Zuckerwasser= (d. h. eine Lösung von

Rohrzucker oder von Traubenzucker) bezogen, machten, waren =Döbereiner=

in Jena und =Lampadius= in Freiberg. =Balling= (in Prag) und nach ihm

=Gall= (in Trier) haben wesentlich die nämlichen Vorschläge gemacht.

Die von =Gall= empfohlene Methode der Weinverbesserung, das

=Gallisiren=, die weil sie auch zugleich eine bedeutende =Vermehrung

des Weinquantums= giebt, ungemein populär geworden ist, besteht darin,

dass man zuerst die besseren Trauben von den geringeren absondert, um

davon einen besseren Bouquetwein darzustellen, statt sie mit der meist

grösseren Menge der geringeren Trauben zu vermischen, in deren Safte

die Vorzüge der wenigen völlig reifen Trauben gänzlich verschwinden

würden. Den Most der geringeren Sorte soll man sofort nach dem Keltern

mit so viel Wasser und Zucker mischen, dass sein Gehalt an Säure,

Wasser und Zucker dem Gehalt an diesen Bestandtheilen in einem guten

Traubenmoste gleichkommt. Durch das Gallisiren erhält der Wein die eine

Bedingung des Wohlgeschmacks, nämlich richtiges Verhältniss zwischen

Säure, Zucker, Alkohol und Wasser, und wenn er sonach auch nicht so

vorzüglich wird, wie Wein aus sehr guten Trauben, indem ihm die andere

Bedingung, der Bouquetstoff, mehr oder weniger fehlt, so wird er doch

weit besser sein, als wenn er durch Gährung aus dem nicht mit

Zuckerwasser versetzten Moste aus geringen Trauben bereitet worden

wäre, dem nicht nur eine, sondern beide Bedingungen des Wohlgeschmacks

abgehen. Wenn das =Gall='sche Verfahren hauptsächlich vom

wirthschaftlichen Standpunkte aus, aber auch vom chemischen aus

empfohlen werden kann, so ist dabei doch vorausgesetzt, dass man einen

Zucker verwende, welcher in der That an Reinheit dem Traubenzucker

(oder auch Rohrzucker) möglichst gleichkommt. Auf alle Fälle leidet der

gallisirte Wein an Bouquetarmuth, wenn nicht der Weinverbesserer auch

für diesen Uebelstand Heilmittel in Bereitschaft hat. Nach =Gall= nun

(dessen Anschauungsweise ich in =vielen= Stücken keineswegs theile!)

soll ein Normalmost bestehen aus

Zucker 24,0 Proc.

freier Säure 0,6 "

Wasser 75,4 "

-----------

100,0 Proc.

1000 Kilogr. eines solchen Mostes enthalten demnach 240 Kilogr. Zucker,

6 Kilogr. freie Säure und 754 Liter Wasser. Hat nun die Analyse eines

Mostes ergeben 16,7 Proc. Zucker und 0,8 Proc. Säure und will man

demselben durch das Gallisiren auf die Zusammensetzung des =Gall='schen

Normalmostes bringen, so hat man zuzusetzen

153 Kilogr. Zucker und

180 " oder Liter Wasser

wodurch man 1333 Kilogr. Most (mithin eine Vermehrung der

ursprünglichen Menge von 33 Proc.) erhält. In geringen Jahrgängen, wo

der Säuregehalt bis auf 12 bis 14 Proc. sich steigert, beträgt die

Vermehrung 100-115 Proc., ja selbst mehr noch.

Das im Jahre 1859 aufgetauchte =Petiotisiren= (von =Pétiot= zu Chaminy

in Burgund) geht von der Thatsache aus, dass der nach dem gewöhnlichen

Verfahren dargestellte Traubensaft nicht Alles in sich aufgenommen hat,

was die Traube an färbenden und aromatischen Stoffen enthält und dass

in dem Pressrückstande, dem Marke, den Kernen, den Kämmen, noch genug

davon enthalten sei, um Zuckerwasser den Geschmack, das Aroma und

andere Eigenschaften des Traubensaftes zu geben. Es fehlt an genauen

Analysen der Pressrückstände und an hinreichender Erfahrung, um sich

gegenwärtig schon endgültig über den Werth des Petiotisirens

aussprechen zu können. Viele gewiegte Weintechniker haben jedoch keinen

Anstand genommen, =Pétiot='s Verfahren als ein auf rationeller,

wissenschaftlicher Basis beruhendes zu erklären, es in Schutz zu nehmen

und warm zu empfehlen[113].

[113] Nach der Angabe von =Beyse= sollen unreife Trauben zum

Petiotisiren noch besser sich eignen wie ganz reife; mit jenen

könne die Weinvermehrung recht gut bis zu 500 Proc. gesteigert

werden!

Zur Verbesserung des Weines hat man ferner die =Anwendung des Frostes=

vorgeschlagen, wodurch die wässerigen Theile des Mostes vermindert

werden. Nach den Versuchen von =Vergnette-Lamotte= und =Boussingault=

sind die Wirkungen der Kälte auf den Wein complicirter Natur. Beim

Abkühlen des Weines auf eine Temperatur von 0-6° entstehen zuerst

Niederschläge von Substanzen, welche bei dieser Temperatur nicht mehr

löslich sind. Diese bestehen vorzugsweise in Cremor tartari, färbenden

und stickstoffhaltigen Substanzen und einer Flüssigkeit, welche die

Eigenschaft besitzt, bei 6° zu erstarren. Wenn man die Weine vorsichtig

von diesen ausgeschiedenen Substanzen abzieht, so werden sie kräftiger,

feuriger, alkoholreicher; ihr Hauptwerth besteht aber in dem Verluste

der Fähigkeit des Nachgährens und des nachträglichen Absetzens in

Fässern und auf Flaschen.

Eine =Entsäuerung des Weines= durch chemisch wirkende Mittel findet

ausser durch gebrannten Gyps statt durch =Calciumcarbonat=

(Marmorpulver, Kreide), =Zuckerkalk= und =neutrales Kaliumtartrat=. Ein

Zusatz von Calciumcarbonat zu dem Moste oder zu dem Weine ist nicht

schädlich, insofern der Wein dabei keine oder nur eine sehr geringe

Menge von Kalksalzen aufnimmt; dass Calciumcarbonat nicht zur

Abstumpfung der durch saure Gährung bereits entstandenen Essigsäure

dienen kann, in welchem Falle der Wein Calciumacetat enthalten und

nicht mehr den Namen Wein verdienen würde, bedarf kaum der Erwähnung.

Im Principe theilweise mit der Anwendung von Calciumcarbonat gleich ist

das von =v. Liebig= (1848) vorgeschlagene Mittel der Entsäuerung, das

in der Anwendung von =neutralem Kaliumtartrat= besteht. =v. Liebig=

ging von der Thatsache aus, dass viele deutsche Weine, namentlich

Rheinweine, durch das Lagern und das damit nothwendig zusammenhängende

Auffüllen auf der einen Seite zwar an Blume und Geschmack, auf der

anderen aber auch in einer dem Genusse nachtheiligen Weise an Säure

gewinnen. Anfangs scheidet sich der Weinstein, welcher durch die

Verdunstung sowie durch die fortschreitende Alkoholbildung an

Löslichkeit verloren hat, ungefähr im gleichen Schritte aus, als er

durch Auffüllen im Fasse vermehrt wird. Allein mit dem Auffüllen

empfängt der Inhalt eines Fasses zugleich freie Weinsäure, welche sich

ebenfalls vermehrt und von einer gewissen Zeit an die Löslichkeit des

Weinsteins wieder steigert. Daher die auffallende Säure sehr alter

Rheinweine. Die Abstumpfung der freien Säure durch neutrales

Kaliumtartrat soll ohne die geringste Beschädigung des Geruches und

Geschmackes des Weines geschehen können. Ein zweckmässiges Mittel zur

Entsäuerung solcher Weine, die keine Essigsäure enthalten, ist der

=Zuckerkalk=. Man übergiesst gelöschten Kalk mit der zehnfachen Menge

Wasser, rührt gut um, lässt den Kalk absetzen und giesst nach einigen

Stunden das über dem Kalkbrei stehende klare Kalkwasser, das einen

grossen Theil der Unreinigkeiten des Kalkes enthält, ab, und verwandelt

darauf den Brei durch Verdünnen mit Wasser in Kalkmilch, in welcher man

Kandis oder Raffinade löst, bis eine klare Flüssigkeit entstanden ist,

welche man unter Umrühren in den Wein giesst. Der Kalk wird durch die

Säure des Weines unlöslich gefällt, während der Zucker in dem Weine

bleibt. Mit dem Zersetzen ist behutsam zu verfahren, da der Zuckerkalk

nicht wie der Aetzkalk nur die freie Säure, sondern auch die gebundene

niederschlägt. Ein allgemein üblicher Zusatz (1-2 Proc.) zum Wein in

der Absicht, ihn stärker und haltbarer zu machen, ist der =Weingeist=

(Sprit). Wenn die Vermischung des Weines mit dem Weingeist -- man

wendet entweder Franzbranntwein oder entfuselten Kartoffelspiritus an

-- erst vor kurzem geschah, so kann auch eine nicht geübte Zunge den

Alkohol, welcher sich mit den Weinbestandtheilen noch nicht innig

gemischt hat, herausschmecken. Ist aber durch längeres Lagern eine

vollkommene Vereinigung des Alkohols mit dem Weine erfolgt, so kann man

den zugesetzten Alkohol nicht mehr abscheiden, ihn selbst durch den

Geschmack nicht mehr erkennen, vorausgesetzt, dass nicht zu viel

zugesetzt wurde. Dass ein geringer Alkoholzusatz zum Wein die

Gesundheit der Consumenten nicht beeinträchtigt, ist unzweifelhaft,

ebenso, dass gewisse Weinsorten eines mässigen Versatzes mit Alkohol

bedürfen, wenn sie die erforderliche Haltbarkeit erlangen sollen. (Der

seit dem Jahre 1865 in Gebrauch gekommene Zusatz von =Glycerin= zum

fertigen Weine, das sogenannte =Scheelisiren=[114] soll dem Wein,

nachdem er das Stadium der Gährung vollendet, eine den Wohlgeschmack

störende unzureichende Süsse auf jeden beliebigen Grad steigern, ohne

dass man, da das Glycerin unfähig ist, in Gährung überzugehen, für die

Haltbarkeit des Weines etwas zu fürchten hätte. Die Grenzen des

Glycerinzusatzes liegen zwischen 1-3 Liter auf 1 Hektoliter Wein. Durch

das Glycerin und dessen billigen Preis ist man in der Lage, auch

fertige, selbst flaschenreife Weine noch der Verbesserung zuzuführen,

welche bisher ausserhalb des Bereiches der Weintechnik lagen.)

[114] Bereits im Jahre 1864 habe ich mit dem königl. Hofkellermeister

=M. Oppmann= in Würzburg eine Reihe von Versuchen über die

Verwendung des Glycerins zur Verbesserung geringerer Frankenweine

angestellt, die vom besten Erfolg begleitet waren. Von mir rührt

auch die Bezeichnung =Scheelisiren= für das Glycerinisiren des

Weines her.

Die Bierbrauerei.

[Sidenote: Allgemeines.]

Unter =Bier= in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes versteht man

dasjenige unvollständig gegohrene und noch gährende geistige Getränk,

welches aus gekeimten stärkemehlhaltigen Substanzen, meist aus Gerste und

Weizen, seltener Reis, Mais, Kartoffeln und Stärkezucker, und Hopfen

durch geistige Gährung, aber ohne Destillation gewonnen worden ist. Es

enthält die Bestandtheile des Getreides oder Stoffe, die sich aus diesen

Bestandtheilen durch Umsetzung gebildet haben (Dextrose, Dextrin und

Eiweisssubstanzen, Alkohol, Kohlensäure, geringe Mengen von

Bernsteinsäure und Glycerin, organische Stoffe wie phosphorsaure Salze

der Alkalien und alkalischen Erden), sowie gewisse extrahirbare

Hopfenbestandtheile.

Wir legen bei der Beschreibung des Verfahrens der Bierfabrikation die

Methode zu Grunde, welche man im Allgemeinen in vielen Brauereien

Bayerns und Oesterreichs (z. B. in der Dreher'schen Brauerei zu

Schwechat) zur Erzeugung des =Braunbieres= befolgt. Von vornherein ist

zu bemerken, dass man =Winter=- oder =Schenkbier= und =Sommer=- oder

=Lagerbier= unterscheidet. Man braut das Bier in Bayern nur in der

kälteren Jahreszeit von Oktober bis April, wenn das Thermometer

höchstens eine Temperatur von 12-13° zeigt. Ein Theil des Bieres wird

nach einer kurzen Lagerung in den Fässern während der Wintermonate

consumirt, es bildet das Winter- oder Schenkbier. Ein anderer Theil, zu

dessen Bereitung mehr Gerste (Malz) und Hopfen genommen wurde, bleibt

in besonderen Lagerkellern bis zu den Sommermonaten und wird von der

Zeit an, wo die Bierfabrikation aufhört, bis zum Wiederbeginn der

Brauerei consumirt; dieser Theil des Bieres wird Sommer- oder Lagerbier

genannt.

1 Volumen Malz giebt durchschnittlich 2,5-2,6 Volumen Winterbier,

1 " " " " 2,0-2,1 " Sommerbier.

Im norddeutschen Bunde werden nach den Annahmen der Steuerbehörde

(1870)[115] aus 1 Ctr. Malz gewonnen:

300 Quart leichten Bieres,

200 " Doppelbier,

180 " sogen. bayer. Bier.

[115] Nach den Verhandlungen des Norddeutschen Reichstages (vom 22. Mai

1869) hat im norddeutschen Bunde die Verwendung des

Kartoffelzuckers und des Kartoffelsyrups in vielen Brauereien

eine erhebliche Ausdehnung gewonnen. Ein Drittel des Braumalzes

wird durch Kartoffelzucker ersetzt, von dem 1 Ctr. 3 Ctr. Malz zu

ersetzen im Stande sein soll!

[Sidenote: Materialien der Bierbrauerei.]

Die =Materialien der Bierbrauerei= sind: 1) Getreide oder Substanzen,

welche dasselbe vertreten können, 2) Hopfen, 3) Ferment, 4) Wasser.

Das =Getreide=. Obgleich als Material zur Bildung des Alkohols im Bier

jede stärkemehl- und zuckerhaltige Substanz anwendbar wäre, so giebt man

doch in der Praxis den Cerealien den Vorzug und unter diesen wiederum der

=Gerste=, deren Stärkemehlgehalt weniger schwankt als der anderer

Getreidearten, die ferner am leichtesten ein gutes Malz liefert, dessen

zuckerbildende Eigenschaft grösser ist als die anderer gemalzter

Cerealien. In Bayern zieht man die grosse =zweizeilige Gerste= (_Hordeum

distichon_) allen übrigen Gerstensorten vor, weil sich aus einem gleichen

Volumen der zweizeiligen Gerste mehr Bier von derselben Qualität erzielen

lässt, als von der gemeinen oder sechszeiligen, gleiche Preise aller

genannten Gerstensorten vorausgesetzt. 100 Th. getrockneter Gerste

enthalten (nach =Lermer=):

Stärkemehl 68,43

Proteïnsubstanzen 16,25

Dextrin 6,63

Fett 3,08

Cellulose 7,10

Asche und sonstige Bestandtheile 3,51

Die Gerstenasche enthält in 100 Th. 17 Th. Kali, 30 Th. Phosphorsäure,

33 Th. Kieselsäure, 7 Th. Magnesia, 3 Th. Kalk u. s. w. Neben der

Gerste finden Kartoffeln, Reis, Mais, Glycerin und Kartoffelzucker in

den modernen Bierbrauereien ausgedehnte Anwendung.

[Sidenote: Hopfen.]

Das, was man in der Bierbrauerei mit dem Namen =Hopfen= bezeichnet, sind

die weiblichen Blüthen (Zapfen, Kätzchen) der Hopfenpflanze (_Humulus

lupulus_), einer perennirenden Pflanze aus der Familie der Urticeen.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 94 / 167 题