Die Fabrikation des Stärkemehls zerfällt in

1) das Zerreiben der gereinigten Kartoffeln,

2) das Auswaschen des Stärkemehls aus dem Brei,

3) das Reinigen und Trocknen der Stärke.

Die Kartoffeln werden gereinigt und dann sofort auf den Trichter oder

Rumpf gebracht, der sie nach und nach zu dem =Reibcylinder= gelangen

lässt. Der Reibcylinder besteht in den älteren Fabriken aus hölzernen,

mit Reibeisenblech beschlagenen Walzen, deren untere Hälfte in Wasser

taucht, um den dem Reibeisen adhärirenden Kartoffelbrei abzuspülen. In

neuerer Zeit bedient man sich allgemein zum Zerreiben der Kartoffeln

des mit Sägezähnen versehenen =Thierry='schen Reibcylinders, wie er in

den Rübenzuckerfabriken zum Zerreiben der Rüben Anwendung findet. Die

auf dem Cylinder befestigten Sägeblätter müssen kürzere Zähne haben als

die zum Zerreiben der Zuckerrüben angewendeten Sägen, damit alle Zellen

zerrissen werden und das blossgelegte Stärkemehl alsdann durch blosses

Waschen und durch gelindes Reiben ausgewaschen werden kann. Die

Leistung der Reibmaschine ist um so vollkommener, je vollständiger alle

Zellen geöffnet, je weniger dagegen Zellen in Bruchstücke verwandelt

werden. Man ertheilt den Cylindern eine Umdrehungsgeschwindigkeit von

600-900 Umdrehungen in der Minute. Ein Cylinder von einem Durchmesser

von 0,50 Meter und einer Länge der Sägeblätter von 0,40 Meter kann, bei

800 Umläufen in der Minute, 14-15 Hektoliter Kartoffeln in einer Stunde

zu Brei reiben. Der Brei kommt sofort auf die Apparate zum Auswaschen.

Unter den zum =Auswaschen des Stärkemehls aus dem Kartoffelbrei

dienenden Apparaten= war früher das =Cylindersieb= das gebräuchlichste.

Dieser Apparat bestand wesentlich aus einem runden Metallsieb, in

welchem ein Paar Bürsten langsam rotirten und den im Siebe befindlichen

Kartoffelbrei unter fortwährendem Wasserzufluss so lange durchrieben

bis das Wasser hell abfloss, worauf der Rückstand entfernt und neuer

Brei in das Sieb gebracht wurde. Das Auswaschwasser, welches die

Stärkekörner suspendirt enthält, wird nach den Absetzbottichen

geleitet. Obgleich das angegebene Verfahren ziemlich einfach ist, so

hat es doch mehrere wesentliche Nachtheile, die seiner Anwendung im

Wege stehen. Das Auswaschen ist nämlich keineswegs ein vollkommenes und

es bleibt ein nicht unbeträchtlicher Theil Stärke in dem Brei zurück;

ferner geht das Auswaschen nicht ununterbrochen vor sich, des Ausleeren

des erschöpften Breies und das Beschicken des Cylinders mit neuem Brei

nimmt viel Zeit weg. Bei dem =ununterbrochen= wirkenden Auswaschapparat

von =Lainé= ist der Verlust an Stärkemehl möglichst vermieden, da man

das Auswaschen des Breies längere Zeit fortsetzt, ohne jedoch dadurch

die Arbeitsleistung des Apparates zu beeinträchtigen. Das Wesentliche

des =Lainé='schen Apparates ist ein =geneigtes Sieb=, aus mehreren

Reihen Drahtgewebe in verschiedenen Abstufungen der Feinheit bestehend,

welches sich über einem in mehrere Abtheilungen getheilten Trog

befindet. Der Kartoffelbrei gelangt aus dem Reibcylinder in einen am

untersten Theil des geneigten Siebes befindlichen Raum. Von hier aus

führen ihn zwei Vaucanson'sche Ketten auf die beiden Gewebe bis zum

obern Theil des geneigten Siebes, wo der ausgewaschene und erschöpfte

Brei beseitigt wird. In der ganzen Länge des Siebes fliesst ein

Wasserstrahl auf den Brei. Das Wasser gelangt mit der Stärke durch die

Maschen des Siebes in die entsprechenden Abtheilungen. Von hier aus

wird es zum Auswaschen des aufsteigenden, noch nicht erschöpften Breies

verwendet. Auf diese Weise wird das Wasser immer stärkemehlhaltiger,

bis es endlich in die letzte Abtheilung des Troges gelangt und in die

Absetzbottiche läuft. Der Apparat ist vollkommen rationell construirt,

das unterste Sieb mit den weitesten Maschen empfängt ununterbrochen

frischen Kartoffelbrei, während vom obersten engsten Siebe die

Rückstände ebenso ununterbrochen fortgeführt werden. Gleichzeitig geht

der Wasserstrom, der das Auswaschen des Breies bewirken soll, von oben

nach unten über das Sieb, sodass der Brei, je mehr er erschöpft ist, um

so reineres Wasser trifft. Bei dem in Hohenheim aufgestellten Apparate

fällt der Kartoffelbrei unmittelbar durch einen Schlauch von der

Reibmaschine auf eine Siebfläche, welchem durch ein Räderwerk eine

rüttelnde Bewegung ertheilt ist und auf welche Wasser fliesst. Dadurch

wird schon der grösste Theil der Stärke ausgewaschen und gelangt mit

dem Wasser in einen Sammelbottich. Von dem Siebe kommt der Brei

zwischen steinerne Walzen, welche ihn durch ungleiche Drehung noch

feiner zerreiben, ehe er in einen Siebcylinder gelangt, der sich

langsam um seine Axe dreht und zugleich mit Wasser versehen wird. Hier

wird das Stärkemehl vollständig von den Fasern getrennt. Es lassen sich

mit dieser Vorrichtung täglich 80-100 Ctr. Kartoffeln zerreiben und

auswaschen.

[Sidenote: Verfahren von Völker.]

Ein von den vorstehenden Methoden im Princip gänzlich verschiedenes

Verfahren der Abscheidung des Stärkemehls von den Kartoffeln ist

neuerdings von =Völker= angewendet worden. Es wird dabei die Structur

der Kartoffeln theils mechanisch, theils chemisch, durch =Verrottung=

zerstört und eine viel grössere Ausbeute an Stärkemehl erhalten. Die in

Scheiben zerschnittenen Kartoffeln werden durch Maceration in Wasser

von dem grössten Theile ihres Vegetationswassers beraubt und dann durch

einen chemischen Process in eine fein zertheilte Masse verwandelt; zu

diesem Zwecke bringt man die zu verrottende Kartoffelsubstanz in

Haufen von mehreren Fuss Höhe, um eine Selbsterwärmung herbeizuführen;

damit die unteren Schichten nicht von den oberen zusammengedrückt

werden, wodurch der Luftzutritt verhindert wäre, bildet man die Haufen

aus abwechselnden Schichten von Kartoffelsubstanz und Reissigholz oder

Horden. Die Haufen überlässt man bei einer Temperatur von 30-42° sich

selbst. Nach etwa acht Tagen ist die Verrottung genügend vorgeschritten

und der Faserstoff hat soweit seinen Zusammenhang verloren, dass die

Kartoffelsubstanz in eine weiche, teigartige Masse verwandelt ist. In

der Masse befinden sich Stärkemehl, Faserstoff und Schale in einem

breiartigen und lockeren Gemenge neben einander, sodass nun eine

vollständige Abscheidung des Stärkemehls auf mechanischem Wege leicht

ausführbar ist. Man weicht zu diesem Behufe die Masse in Wasser auf und

lässt sie durch ein groblöcheriges Sieb gehen, wobei die gröbsten

Theile zurückbleiben. Die Abscheidung der gröberen Theile geschieht mit

Hülfe eines Haar- oder Drahtsiebes, dessen Maschen so fein sind, dass

nur das Stärkemehl und feine Fasertheilchen hindurchgehen. Die Trennung

der Stärkekörner von den Fasertheilchen geschieht durch einen

Schlämmapparat, durch welchen die Faser durch das Wasser fortgeführt

wird, während die schweren Stärkekörner zurückbleiben.

[Sidenote: Das Trocknen der Kartoffelstärke.]

Man mag den einen oder den andern der vorstehend beschriebenen

Auswaschapparate angewendet haben, in allen Fällen ist das Resultat des

Auswaschens eine milchweisse Flüssigkeit, aus welcher in den

Sammelbottichen sich nach einigen Stunden alle Stärke vollständig

abgesetzt haben wird. Nachdem die darüber stehende Flüssigkeit

abgelassen wurde, rührt man das Stärkemehl mit neuem Wasser an und

lässt einen Augenblick ruhen, damit schwere Körper, wie Steinchen, Erde

u. s. w., sich ablagern können, und zieht das aufgeschlämmte Stärkemehl

durch ein feines Sieb. Das Abschlämmen wird, je nach der Stärkesorte,

die man darzustellen beabsichtigt, nochmals oder auch zweimal

wiederholt, wobei man Siebe mit engeren Maschen als vorher anwendet.

Nach dem letzten Auswaschen setzt sich das Stärkemehl am Boden der

Sammelbottiche ab und bildet eine genügende harte Masse, um sich leicht

in Stücke schneiden zu lassen. Man bringt nun diese Stücke auf mit

Leinwand bedeckte Horden und breitet durch Schütteln die Stärke darauf

aus. Nach etwa 24 Stunden bringt man die abgetropfte Stärke auf eine

Gypsunterlage von 2 Decimeter Dicke und lässt sie je nach der Witterung

und Jahreszeit 1-2 Tage darauf liegen. Durch den Gyps wird der Stärke

so viel Wasser entzogen, dass sie nun den Trockenkammern übergeben

werden kann. In neuerer Zeit sucht man die Entfernung des Wassers von

den Stärkekörnern durch =Centrifugiren= der Stärkemilch zu erreichen.

Soll die Stärke zur Fabrikation von Dextrin oder Stärkezucker dienen,

so braucht man sie nicht zu trocknen. Die feuchte Stärke, welche

ungefähr 33 Proc. Wasser enthält und den Namen =grüne Stärke= führt,

lässt sich, ohne zu verderben, längere Zeit aufbewahren. Die Temperatur

der =Trockenstuben= darf im Anfange nicht über 60° steigen, weil sonst

in Folge des hohen Wassergehaltes die Stärke sofort in Kleister

übergehen würde. Nachdem die Stärke getrocknet ist, zerdrückt man die

locker zusammengebackenen Stücke mit Hülfe einer eisernen Walze oder

auch, indem man die Stücke zwischen Bronzewalzen hindurchgehen lässt,

und bringt sie entweder zerbröckelt in den Handel (als sogenannte

=Schäfchen=) oder beutelt sie. Die =Stengelstärke= gewinnt man, indem

man die feuchten Stärkekuchen mit Stärkekleister zu einem dicken Teig

knetet und diesen Teig durch Trichter mit vielen engen Oeffnungen

(Zotten), welche über Horden durch Maschinen in constantem Abstand

herumgeführt werden, gehen lässt. Auf diesen Horden wird die Stärke

getrocknet und in leichten Fässchen, die innen mit Strohpapier beklebt

sind, versendet. Um aus Kartoffeln die grösste Menge Stärke zu

erhalten, dürfen dieselben nicht gekeimt haben, da durch das Keimen der

Stärkemehlgehalt beträchtlich abnimmt. Bei zweckmässigem Aufbewahren

der Kartoffeln in Silos findet noch Zunahme im Stärkemehlgehalt statt,

sodass Kartoffeln, welche im September und October 16 Proc. Stärkemehl

enthielten, vom November bis März einen Gehalt von 18 Proc. zeigen.

[Sidenote: Gewinnung der Weizenstärke.]

Von den Cerealien findet allein der =Weizen= zur Fabrikation der Stärke

Anwendung. Die Zusammensetzung des (ungarischen) Weizenkornes ist (nach

=O. Dempwolf=, 1869) folgende:

Wasser 10,51

Asche 1,50

Kleber 14,35

Stärke 65,40

Fett und Holzfaser 8,24

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100,00

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 85 / 167 题