2) den Ganzstoff durch die Knotenmaschine von Knoten zu befreien;

3) mit dem von Knoten befreiten, breiartigen Ganzstoff mittelst des

Regulators den Stoff- oder Zeugbehälter regelmässig so zu speisen, wie es

zur geordneten Ablieferung des Stoffes auf die Form und zur Erzeugung

eines möglichst gleichdicken Papierblattes erforderlich ist; der

Ganzstoff wird in einen gleichmässigen Strahl von der Breite des

herzustellenden Papieres ausgebreitet;

4) der so zuströmende Ganzstoff wird in ein scharfgerandetes Blatt

geformt;

5) das so entstandene Papierblatt von dem grössten Theile des Wassers zu

befreien und zwar durch Abtropfenlassen, durch luftverdünnten Raum und

durch Pressen;

6) den zurückgebliebenen Rest des Wassers durch Wärme zu entfernen, indem

man das Papier um grosse mit Dampf geheizte Cylinder führt;

7) das fertige Papier mittelst einer Papierschneidemaschine in Bogen von

den üblichen Formatgrössen zu zerschneiden.

Nachdem der Ganzstoff auf den erforderlichen Grad der Feinheit gebracht

worden ist, wird er durch =Rührvorrichtungen= mit Wasser =verdünnt= bis

zur gehörigen Consistenz. So fliesst der Stoff zunächst dem

=Knotenfänger= zu. Dieser Apparat bestand ursprünglich aus einem unten

geschlossenen Cylinder von Messingblech, dessen Umfang mit sehr feinen

Löchern durchbohrt war und in welchem eine Rührvorrichtung mit grosser

Schnelligkeit sich drehte. Im Laufe der Zeit ist er wesentlich verändert

worden. Eine der besten Knotenfangmaschinen ist die von =Mannhardt= und

=Steiner= in München, durch welche das Zurückhalten der Knoten und des

Sandes weit vollständiger als durch viele andere Vorrichtungen erreicht

wird. Nachdem der Ganzstoff durch die Knotenmaschine von allen

Unreinigkeiten befreit worden ist, kommt er auf die Papiermaschine. Damit

das Ganzstoffreservoir fortwährend mit frischen Portionen von Stoff so

regelmässig gespeist wird, wie es zur geordneten Ablieferung des Stoffes

auf die Papierform und zur Erzeugung eines möglichst gleichdicken

Papierblattes erforderlich ist, benutzt man den =Regulator=, welcher eine

sehr wesentliche Vorrichtung an den Papiermaschinen aller Art ist.

Die =Papiermaschine= ist in den beiden Zeichnungen Fig. 204 und 205 im

senkrechten Durchschnitt dargestellt. Die Zeichnung ist ihrer Länge wegen

in zwei Theile getrennt worden. Fig. 205 ist demnach als die Fortsetzung

von Fig. 204 zu betrachten. Der Bewegungsmechanismus ist weggelassen.

Nachdem der Ganzstoff durch die Knotenmaschine _a_ gegangen ist, fliesst

er in den schmalen Trog _a'_ und wird mittelst des Regulators der =Form=

der Papiermaschine übergeben. Die Form _a'' a''_ ist ein endloses

Metalldrahtsieb von der Art wie die gewöhnlicher Velinformen, dessen

oberer Theil in seiner ganzen Breitenausdehnung von einer Anzahl hohler

Kupferwalzen unterstützt und dadurch vollkommen horizontal erhalten wird.

Die gerade Fläche des Siebes hat eine Länge von 3-4 Meter und eine Breite

von 1-1,6 Meter. Der untere Theil der Form _a''_ ist durch einige Walzen

in einem stumpfwinkeligen Zickzack ausgespannt. Die zunächst dem

Regulator _a'_ liegenden Walzen liegen sehr nahe nebeneinander, weiterhin

sind sie entfernter. Die Form hat eine doppelte Bewegung, nämlich einmal

die fortschreitende in der Längenrichtung, wodurch das entstandene

Papierblatt weiter geführt wird und ununterbrochen neue leere Theile des

Metalldrahttuches dem darauffliessenden Ganzstoff dargeboten werden, weil

die Form fortwährend circulirt; das andere Mal erhält die Papierform eine

schüttelnde Bewegung in der Richtung nach ihrer Breite, um das Abfliessen

des Wassers aus dem auf der Form ausgebreiteten Stoff und auch die

gleichförmige Vertheilung der Masse selbst zu befördern (daher ja auch

die Bezeichnung =Schüttelmaschine=). Um nach Belieben minder breites

Papier herstellen zu können, als der Breite der Papierform entspricht,

befinden sich oben auf der Form zwei parallele Leisten, mit deren Hülfe

ein Raum gebildet werden kann, der die Breite des zu fabricirenden

Papieres hat. Zur Regulirung der Dicke der Papierschicht liegen an der

Stelle oder nahe derselben, wo der Ganzstoff auf die Papierform tritt,

quer über dieselbe zwei Messinglineale, deren untere Kanten in einem

geringen Abstande von der Fläche der Form sich befinden. An beiden

Seiten der Form befinden sich Lederriemen _m m_, damit die Ränder des

Papierblattes glatt und gerade ausfallen. Diese Riemen nehmen alle

Unregelmässigkeiten des Randes mit fort. In dem Gefässe _n_ werden sie

mit Wasser gewaschen und dadurch von aller anhängenden Papiermasse

befreit.

[Illustration: Fig. 204.]

[Illustration: Fig. 205.]

Der aus dem Reservoir _c_ auf die Papierform fliessende Brei bildet

sofort eine lockere Schicht, indem die Fasern auf dem Drahtgewebe sich

absetzen, und das überschüssige Wasser durch das Gewebe in den darunter

befindlichen Kasten _c_ abgeben. Bei _t_, wo der Riemen zum Zwecke der

Rückwärtsbewegung aufsteigt, lüftet oder löst er zugleich ein wenig das

Papierblatt von der Form. Obgleich das sich fortbewegende Papierblatt

einen grossen Theil seines Wassers abgegeben hat, ist es doch bei weitem

noch nicht fest genug, um sich von der Form frei nach der Presswalze

bewegen zu können. Man kommt daher der Entwässerung durch =Anwendung des

Luftdruckes= zu Hülfe, indem man unter der Papierform, kurz bevor das

Papierblatt dieselbe verlässt, einen luftverdünnten Raum erzeugt.

Anfänglich suchte man sich denselben durch Ventilatoren zu verschaffen,

später erreichte man den Zweck vollständiger durch eine Luftpumpe oder

einen =Saugapparat= (Glockenapparat), der vor der gewöhnlichen Luftpumpe

den Vorzug verdient. Der Saugapparat besteht aus drei glockenförmigen

Gefässen, die mit ihrem unteren offenen Ende in einen Wasserbehälter

tauchen, und bei ihrer, der Reihe nach abwechselnd erfolgenden Hebung

Luft saugen, die dann beim Niedergange durch ein sich öffnendes Ventil in

die Atmosphäre tritt. Der Apparat hat demnach Aehnlichkeit mit einem

=Baader='schen Kasten- oder Glockengebläse, mit dem Unterschiede jedoch,

dass er umgekehrt wirkt. Der Kasten _d d_, über welchen das noch

schwammige Papierblatt mit seiner ganzen Breite passirt und dessen

Inneres mit dem Saugapparate in Verbindung steht, ist oben offen, sonst

luftdicht gearbeitet, 50-60 Centim. breit und von einer Länge gleich der

Breite der Papierform; seine oberen Kanten sind mit Leder belegt, damit

das Drahtgewebe sich luftdicht auflegen kann. Nachdem das Papierblatt den

Kasten passirt ist, wird es noch an der Stelle, wo das Blatt die Form

verlässt, um unter die Presswalzen einzutreten, durch einen Cylinder aus

Drahtgewebe _e'_ weiter verdichtet und ausgepresst, welchem ein

darunterliegender Cylinder entspricht. Diese Siebwalzen, =Egoutteurs=

oder =Dandyrollers= genannt, haben jedoch gegenwärtig weniger den Zweck,

das Papier zu entwässern, als vielmehr ihm das Ansehen des geschöpften

und gerippten Papieres zu geben und Wasserzeichen darin anzubringen. Eine

an dem Egoutteur befestigte Schabeklinge dient zu seiner Reinhaltung. Das

Papierblatt ist nun so weit entwässert und verdichtet, dass es ohne Form,

die nun leer zurückgeht, seinen Weg verfolgen kann. Es geht zunächst frei

von der Form über ein endloses Filztuch nach der =Nasspresse= _h h_ aus

zwei eisernen Walzen bestehend, welche durch eine Pressschraube oder

angehängte Gewichte auf einander gepresst werden. Die eine der eisernen

Walzen wirkt unmittelbar auf das Papier und giebt der ihr zugekehrten

Seite bereits eine gewisse Glätte. Damit auch die dem endlosen Filztuche

zugekehrte Seite die gleiche Wirkung erfährt, passirt das Papierblatt auf

einem Filz noch ein zweites Walzenpaar _h' h'_. Beide Walzenpaare sind

mit Schabeklingen und Trögen des ausgepressten Wassers versehen. Die

Entwässerung durch Auspressen hat hiermit ihr Ende erreicht. Es folgt zum

Schlusse die Entfernung des letzten Restes Wasser durch Trocknen in der

=Trockenpresse=. Diese besteht aus grossen gusseisernen Cylindern _u_,

_v_, _w_, in deren Höhlung Wasserdampf von ungefähr 130° C. eingeführt

wird, um sie bis zur Siedetemperatur des Wassers zu erhitzen. Diese

Cylinder sind mit den entsprechenden Druckwalzen _u'_ _v'_ _w'_, auch

jedes Walzenpaar mit einem Filztuche versehen, welches letztere die

innigste Berührung des Papieres mit dem Trockencylinder bewirkt. Das

Papier wird in der Trockenpresse durch die Dampfwärme getrocknet und

auch, und zwar zuerst auf der einen Seite, dann auf der anderen,

geglättet. Während des Ueberganges von der zweiten Trockenpresse zur

dritten wird das Papier sehr schwach wieder befeuchtet, durch den beim

Trocknen von den unteren Cylindern aufsteigenden Wasserdampf, wodurch es

denjenigen Grad von Weichheit erhält, welcher das gehörige Glattpressen

sichert. Die Wirkung der Presse _w w'_ ist gleichwol nicht so

ausgezeichnet als jene von _v v'_, die das Papierblatt in einem

feuchteren, daher geschmeidigeren Zustande erhält. Darin ist auch der

Grund zu suchen, warum meist die eine zuerst geglättete Seite des

Papieres merklich glätter ist als die andere. Das fertige Papier verlässt

unter der Walze _y_ den Filz und geht auf den sechsstäbigen Haspel _j_,

durch dessen Umdrehung es aufgewickelt wird. Ist derselbe angefüllt, wozu

gegen 60 Drehungen gehören, so schneidet man des Papierblatt durch und

lässt durch einen Stoss den Hebel _k_ eine halbe Kreisbewegung um seinen

Drehungspunkt machen, bringt dadurch den zweiten Haspel _j'_ an die

Stelle des ersten und lässt das Papier auf ihn laufen. Beim Uebergange

von der Trockenpresse auf den Haspel wird das Papierblatt durch

Längenschnitte dergestalt zertheilt, dass seine Breite in mehrere Theile

zerlegt, folglich das ganze breite Blatt in schmälere Blätter getrennt

wird, die sich neben einander aufwickeln.

[Sidenote: Die Papierschneidemaschine.]

Das auf der Maschine verfertigte Papier gelangt entweder in langen

zusammengerollten Blättern in den Handel, namentlich zur Anwendung in der

Tapetenfabrikation, zum Zeichnen u. s. w., oder man schneidet es in Bögen

nach den verlangten Formaten. Zum Zerschneiden wendet man zuweilen ein

grosses Messer aus freier Hand an. Hierbei ist es nöthig, dass der

Haspelumfang durch Verkürzung oder Verlängerung seiner Arme so regulirt

werde, dass jeder Umgang eine Anzahl Bögen mit dem geringsten Abfall

liefere. Ist ein derartiger Haspel mit Papier angefüllt, so wird die

darauf befindliche Papiermasse nach einer geraden Linie, die zu der

Haspelaxe parallel ist, durchgeschnitten und auf einem Tische

ausgebreitet. Hierauf legt man ein starkes Brett von der Grösse eines

Bogens darauf, drückt dasselbe mit einer gewissen Kraft nieder und

durchschneidet nun das Papier nach den Kanten des Brettes. Meist bedient

man sich aber gegenwärtig zum Zerschneiden des Papieres besonderer

=Papierschneidemaschinen=, welche man entweder mit der Papiermaschine zu

einem Ganzen verbindet oder für sich gebraucht. Das buch- und riesweise

zusammengelegte Papier wird noch an den Rändern beschnitten, wozu man und

zwar vorzugsweise in England verschiedene Maschinen,

=Beschneidemaschinen=, in Anwendung gebracht hat.

[Greek: g]) _Pappe und andere Papiere._

[Sidenote: Fabrikation der Pappe.]

Die unter dem Namen =Pappe= oder =Pappendeckel= bekannten Blätter aus

Papiermasse können auf dreierlei Weise erhalten werden, nämlich: 1)

durch Schöpfen von Bogen von der Dicke der herzustellenden Pappe --

=geschöpfte= oder =geformte Pappe=; 2) durch Vereinigen von frisch

geschöpften Papierbögen durch Pressen -- =gekautschte Pappe=; 3) durch

Aufeinanderleimen von fertigen Papierbögen -- =geleimte Pappe=.

1) Die =geschöpfte= oder =geformte Pappe= ist die geringste Sorte, die

nur zu ordinären Papparbeiten und zum Einpacken Anwendung findet. Als

Material verwendet man diejenigen Lumpen, die sich nicht zur

Herstellung von Papier eignen, ferner Buchbinderspäne, Abfall der

Papierfabriken, altes Papier u. dergl. Die Lumpen werden zerschnitten

und dann zu grobem Stoff in der Stoffmühle verarbeitet, die

Papierabfälle in Wasser aufgeweicht und dann fein zermahlen.

Gewöhnlich setzt man zu der fertigen Masse, ehe man zum Schöpfen

schreitet, Thon oder Kreide, zuweilen bis zu 25 Proc. vom Gewicht der

Pappe. Das Schöpfen geschieht mit Hülfe von groben gerippten Formen,

die, um viel Stoff aufzunehmen, mit einem hohen Deckel versehen sind.

Das Kautschen und Pressen zwischen den Filzen und ohne dieselben wird

auf dieselbe Weise wie bei der Herstellung von Bogen vorgenommen. Da

die Pappbogen nicht wie die Papierbogen beim Trocknen zusammengebogen

werden dürfen, so hängt man sie mittelst kleiner Haken, welche man

durch eine Ecke der Pappe sticht, an Schnüre oder legt sie flach über

dieselben. Bei günstiger Witterung breitet man sie auch zum Trocknen

auf Rasen aus. Die getrockneten Pappen werden gepresst und darauf durch

ein Walzwerk gelassen. Die so erhaltene Pappe ist von geringer

Festigkeit und äusserst weich, weil die Entwässerung der dicken Bogen

durch Abtropfen auf der Form nur sehr unvollkommen geschieht. Bei der

Schwierigkeit, eine so grosse Menge Pappmasse regelmässig auf der Form

auszubreiten, ist es nicht möglich, der Pappe überall gleiche Dicke und

eine glatte Oberfläche zu geben.

2) Die =gekautschte Pappe= wird aus besseren Materialien dargestellt

als die geschöpfte Pappe. Die zum Schöpfen dienenden Formen sind den in

der Papierfabrikation angewendeten völlig gleich. Auch die Verfertigung

der Pappe ist von der des Papieres nur dadurch verschieden, dass man

beim Kautschen der Pappe immer erst einige in der Dicke eines starken

Papieres geschöpfte Bogen ohne Zwischenlage aufeinander legt, ehe

wieder ein Filz darüber gedeckt wird. Es giebt hinsichtlich des

Kautschens der Pappe zwei Verfahrungsarten, nach der einen werden,

nachdem ein Bogen auf den Filz abgelegt ist, die übrigen Bogen einzeln

nacheinander darübergekautscht, bis die erforderliche Dicke erreicht

ist. Nach der zweiten nimmt der Kautscher die mit einem Bogen bedeckte

Form in Empfang und behält sie, bis der Schöpfer mit der andern Form

einen zweiten Bogen verfertigt hat; dann stürzt er die erste Form um,

legt sie auf die zweite und drückt sie an. Wird die obere Form

aufgehoben, so bleiben beide Bogen auf den unteren liegen; mit der leer

gewordenen Form wird ein neuer Bogen geschöpft und das Verfahren

wiederholt. Sobald auf diese Weise die erforderliche Anzahl Bogen

aufeinander liegt, kautscht man mit einem Male auf einen Filz und legt

darüber sofort einen andern Filz. Letzteres Verfahren hat den Vortheil,

dass durch den Druck der beiden Formen schon viel Wasser ausgepresst

wird, ehe die Blätter zwischen die Filze kommen. Die in der Anzahl von

6-12 zusammengekautschten Bogen werden durch das nachfolgende Pressen

vollständig vereinigt. Eine besonders harte und dichte Sorte

gekautschter Pappe bilden die =Pressspäne= (Glanzpappe), die beim

Ausrüsten des Tuches, in den Buchdruckereien zum Pressen und Glätten

der bedruckten Bogen und dergl. Anwendung finden. Der Stoff dazu wird

in der Bütte geleimt. Häufig setzt man feine Sägespäne von Eichenholz

und gebrannten Kalk zu. In das Innere der Pressspäne nimmt man

Papierbögen aus gröberem Stoffe.

3) Die =geleimte Pappe= (Kartonpapier) entsteht durch Aufeinanderkleben

von 2 bis 15 Bogen geleimten Papieres, wobei man gewöhnlich sich des

Stärkekleisters bedient. Die aneinander geklebten Bogen werden gepresst

und zuweilen auch satinirt. Manche Sorten von Pressspänen, sowie das

sogenannte =Bristol=- oder =Isabellenpapier=, welches zur

Miniaturmalerei mit Wasserfarben dient, gehört hierher; letzteres wird

aus den besten Sorten geleimten Velinpapiers erhalten. Die geringeren

Sorten geleimter Pappe stellt man aus gewöhnlichem ungeleimten

Druckpapier dar, welchem man nur oberflächlich eine Lage von geleimtem

Papier giebt. Die in neuerer Zeit häufig zu Relief-Ornamenten

angewendete =Steinpappe= wird aus Ganzstoff, Leimlösung, gepulvertem

Cäment, Thon und Kreide oder Barytweiss gebildet.

Das =Papiermaché=, so wie es zu Dosen, Puppenköpfen, den

=Fleischmann='schen Figuren (in Nürnberg), zu Zuckerformen, Zellen für

galvanische Batterien etc. Anwendung findet, wird auf verschiedene

Weise erhalten. Gewöhnlich bereitet man aus altem Papier durch Kochen

mit Wasser einen Teig, den man nach Beseitigung des überschüssigen

Wassers durch Auspressen mit Leimlösung, Gummi oder Stärkekleister

versetzt und dann in geölte Formen drückt. Nach dem Trocknen werden die

geformten Gegenstände mit Leinöl getränkt und dann bei höherer

Temperatur »gebacken«. Meist mengt man die Papiermasse mit Sand, Thon,

Kreide oder Schwerspath. -- Eine andere Sorte von Papiermaché besteht

aus Papierbögen, die mit einem Gemenge von Leim und Kleister

übereinander geklebt werden. Häufig wendet man hierbei Modelle oder

Formen von Holz an, über die ein Papierblatt nach dem andern aufgezogen

wird. Nach scharfem Trocknen auf den Formen werden die Gegenstände

abgedreht, behobelt u. dergl. und dann lackirt.

[Sidenote: Papier aus farbigem Stoffe.]

Die durch die ganze Masse hindurch gefärbten Papiere werden entweder auf

die Weise dargestellt, dass man schon farbige Lumpen anwendet

(=naturfarbige= Papiere, wie das braune Packpapier) oder den aus

halbweissen Lumpen bereiteten Ganzstoff in der Bütte färbt (=im Zeug

gefärbte Papiere= wie das Zucker- und Nadelpapier). Zur Fabrikation der

letzteren nimmt man auf 50 Kilogr. trockne Papiermasse folgende

Substanzen, zu

Gelb: { 2,5 Kilogr. Bleiacetat,

{ 0,45 " Kaliumbichromat;

Blau: { 2,5 " Eisenvitriol,

{ 1,5 " Ferrocyankalium;

Grün: { 3 " Blau,

{ 1,05 " Gelb;

Violett: 1,05 " Blauholzextract;

Rosa: 6 " Limaholzextract;

Chamois: { 3 " Doppelvitriol,

{ 3 " Chlorkalk u. s. w.

Gegenwärtig wendet man zum Färben der Papiermasse vielfach die

Theerfarben, zur Erzeugung von Blau fast durchweg das Ultramarin und in

Wasser lösliches Anilinblau an. In der Fabrikation der =bunten Papiere=

bereitet man Lösungen mineralischer, chemischer oder vegetabilischer

Farbstoffe nach den Regeln der Färberei (=Saftfarben=, =flüssige Farben=)

oder rührt feine erdartige Farben (=Deckfarben=, =Körperfarben=) mit

einer klebrigen Flüssigkeit (Stärkekleister, Lösung von arabischem Gummi,

von Dextrin oder von mit Alaun versetztem Leim) an, und trägt diese

Flüssigkeiten mittelst eines Schwammes oder einer Bürste auf das Papier

auf, wenn nur eine Seite gefärbt werden soll, oder zieht den Bogen ohne

Weiteres durch die Farbenbrühe. Bei gemusterten Buntpapieren verfährt man

ähnlich wie in dem Zeugdrucke und wendet auch analoge Druckmaschinen an.

Die Fabrikation des =Buntpapieres= und der =Tapeten= bildet gegenwärtig

einen wichtigen Industriezweig, deren Betrachtung uns wegen Mangel an

Raum leider versagt ist[102].

[102] Vergl. =W. F. Exner=, Die Tapeten- und Buntpapier-Industrie.

Weimar 1869.

[Sidenote: Das Pergamentpapier.]

Das =Pergamentpapier= besitzt in den meisten seiner Eigenschaften eine

solche Analogie mit einer thierischen Membran, dass es mit Recht

=vegetabilisches Pergament= (Phytopergament) genannt worden ist. Es

entsteht durch die Einwirkung von Schwefelsäure oder einer Lösung von

Chlorzink auf ungeleimtes Papier. Wendet man Schwefelsäure an, so ist die

zweckmässigste Verdünnung: 1 Kilogr. concentrirte englische Schwefelsäure

und 125 Grm. Wasser. Durch diese Säure zieht man das Papier in der Weise

hindurch, dass es gleichmässig auf beiden Seiten von der Säure benetzt

wird. Die Zeitdauer der Einwirkung der Säure auf das Papier wird durch

die Beschaffenheit des letzteren bedingt. Je dicker oder je fester das

Papier ist, desto länger muss die Säure einwirken. Bei den im Handel

vorkommenden Fliesspapiersorten ist eine Zeitdauer von 5-20 Sekunden als

Minimum und Maximum hinreichend, um die Umwandlung zu bewirken. Nachdem

die Säure lange genug eingewirkt hat, bringt man das Papier in kaltes

Wasser, dann in verdünnte Ammoniaklösung und schliesslich wieder in

Wasser, um alle Säure auszuwaschen, zuletzt trocknet man es. Beim

freiwilligen Trocknen kraust sich das Pergamentpapier, so dass es

unansehnlich aussieht. Um dieses zu verhindern, wird folgendes Verfahren

angewendet: Eine Dampfmaschine zieht das endlose Papier zuerst durch

einen Bottich mit Schwefelsäure, dann durch Wasser, Ammoniak und wieder

Wasser, hierauf über Tuchwalzen, um es von einem Theile des Wassers zu

befreien und endlich über polirte und erhitzte Walzen, durch welche es

gepresst und geglättet wird.

Das Pergamentpapier, regelrecht bereitet, besitzt dieselbe Farbe und

durchscheinende Beschaffenheit wie das thierische Pergament, auch hat

sich bei ihm der faserige Zustand in eine hornartige Beschaffenheit

verwandelt, und ebenso hat es in Bezug auf Cohäsion, Biegsamkeit,

Hygroskopicität u. s. w. viel Aehnlichkeit mit dem gewöhnlichen

Pergament. In Wasser getaucht, wird es weich und schlaff, ohne an

Festigkeit zu verlieren. Es lässt Flüssigkeiten nur vermöge der Dialyse

durch sich hindurch. Es wird durch Kochen mit Wasser nicht angegriffen

und fault auch nicht. Die werthvollen Eigenschaften des

Pergamentpapieres lassen dasselbe in mancherlei Anwendungen als

geeignet erscheinen, so namentlich als Material für Urkunden und

Dokumente, Werthpapiere und überhaupt alle Schriftstücke, deren

Erhaltung von Wichtigkeit ist. Ein anderer Vorzug des

Pergamentpapieres im Vergleich mit dem gewöhnlichen Pergamente besteht

darin, dass ersteres weit weniger als letzteres der Zerstörung durch

Insekten ausgesetzt ist. Das Pergamentpapier bietet ferner den Vortheil

dar, dass man ein darauf geschriebenes Wort nur schwierig verlöschen

und durch ein anderes ersetzen kann, was eine gewisse Sicherheit gegen

Fälschung gewährt. Die Festigkeit und Dauerhaftigkeit des

Pergamentpapieres lässt dasselbe zu Plänen und Zeichnungen, namentlich

zu Bauzeichnungen, die nicht selten der Nässe ausgesetzt sind, als

besonders geeignet erscheinen. Ferner kann das Pergamentpapier zum

Einbinden von Büchern ausgedehnte Anwendung finden. Bücher, Karten

etc., die zum Schulgebrauche bestimmt sind, können zweckmässig auf

Pergamentpapier gedruckt werden, damit sie dauerhafter sind. Anstatt

der Thierblase eignet es sich zum Verschliessen von Gläsern mit

eingemachten Früchten, mit Extracten, Syrupen etc., zur Verbindung der

Theile von Destillir- und anderen Apparaten, zu künstlichen

Wurstdärmen. In der Chirurgie verwendet man es statt der Leinwand, des

Wachstuches und der Guttapercha bei eiternden und verjauchenden

Wundflächen.

Das Stärkemehl.

[Sidenote: Allgemeines.]

Das Stärkekorn, eine der verbreitetsten Substanzen des Pflanzenreiches,

erscheint immer in organisirter Form und besteht aus Stärkesubstanz

(Stärkemehl, Amylon), Wasser und kleinen Mengen mineralischer Stoffe. Das

Stärkemehl nähert sich unter allen organischen Verbindungen in chemischer

und morphologischer Hinsicht am meisten der Cellulose; seine

Zusammensetzung C_{6}H_{10}O_{5} ist die nämliche. In Folge seines

lockeren Zusammenhanges lässt sich das Stärkemehl durch chemische und

physikalische Agentien mit Leichtigkeit in Stärkegummi (lösliche Stärke,

Dextrin) und in Zucker überführen, und wird dadurch zu einer der in

technischer Hinsicht wichtigsten Substanzen. Mit seltenen Ausnahmen kommt

das Stärkemehl in Körnerform oder Kügelchen von bestimmter Gestalt und

Grösse vor. Das einzelne Stärkemehlkorn ist nicht durch und durch

homogen, sondern besteht aus zahlreichen, aneinander gelagerten

Schichten, die im Allgemeinen, je weiter nach innen (nach =Nägeli=) um so

wasserhaltiger sind. Der innerste Theil des Kornes stellt sich gewöhnlich

als eine lufterfüllte Höhle dar, um welche herum die Schichten abgelagert

zu sein scheinen. In der Regel liegen die dickeren Stellen aller

Schichten sämmtlich nach einer Richtung hin; sind die Schichten überall

gleich dick, so bleiben die Körner kugelförmig; sind sie in der

Aequatorialzone dicker, so nimmt das Stärkemehlkorn eine linsenförmige

Gestalt an u. s. w. Bei der mikroskopischen Prüfung zeigen sich die

Grenzen der Schichten als Linien, bald mehr, bald weniger deutlich

ausgeprägt, welche um die Centralhöhlung herumlaufen.

=Payen= hat die grössten Dimensionen der Stärkemehlkörner bestimmt und

dieselben in 1/1000 Millimetern angegeben. Aus seinen Untersuchungen

heben wir folgende Beispiele hervor:

Stärkekörner aus dicken Kartoffeln 185

" " gewöhnlichen Kartoffeln 140

" " Maranta indica 140

" " Bohnen 74

" " der Sagopalme 70

" " Linsen 67

" " Erbsen 50

" " Weizen 50

" " Mais 50

Fig. 206 zeigt (nach =Schleiden=) Körner von Kartoffelstärke, Fig. 207

von Weizen. Die Kartoffelstärke bildet wegen der Grösse ihrer Körner

ein etwas weniger feines Pulver als die Weizenstärke.

[Illustration: Fig. 206.]

[Illustration: Fig. 207.]

[Sidenote: Eigenschaften des Stärkemehls.]

Das gewöhnliche Stärkemehl enthält im lufttrockenen Zustande noch

ungefähr 18 Proc. Wasser. In diesem Zustande besitzt das Stärkemehl,

obgleich es pulverförmig ist, doch noch grosse Neigung, sich zu Ballen

zu vereinigen. An feuchter Luft aufbewahrtes Stärkemehl enthält gegen

35,5 Proc. Wasser. In kaltem Wasser, in Alkohol und Aether, ätherischen

und fetten Oelen ist Stärkemehl vollkommen unlöslich. Bei einer

Temperatur von 160° geht gewöhnliche Stärke in Dextrin über. Erwärmt

man Stärkemehl mit der 12-15fachen Wassermenge bis auf 55°, so findet

keine sichtbare Veränderung der Stärke statt; bei einer Temperatur von

55-58° beginnen die jüngeren Stärkekörner aufzuschwellen, und je höher

die Temperatur steigt, eine desto grössere Anzahl von Körnern zeigt

diese Wirkung; bei höherer verdickt sich die Flüssigkeit (bei

Kartoffelstärke bei 62,5°, bei Weizenstärke bei 67,5° nach =Lippmann=)

und bildet dann den =Kleister=, dessen Consistenz bis 100° noch

zunimmt. Die Kleisterbildung geht vor sich durch das Platzen der

Schichten und durch Wasseraufnahme der schwammigen Masse. Der Kleister

enthält keine Stärke gelöst; auf Fliesspapier oder durch Frostkälte

kann man demselben das Wasser entziehen. Das Steifungsvermögen des

Kleisters aus den verschiedenen Stärkesorten ist ein verschiedenes, so

ist nach =J. Wiesner= (1868) des Steifungsvermögen der Maisstärke bei

gleicher Bereitung und gleicher Menge des zum Steifen verwendeten

Kleisters grösser als das der Weizenstärke und dieses grösser als jenes

der Kartoffelstärke. Durch längere Zeit fortgesetztes Kochen der Stärke

mit Wasser löst sich die Stärke darin auf; 1 Th. Stärke löst sich in 50

Th. Wasser, beim Erkalten der Lösung scheidet sich ungefähr die Hälfte

in Form von Kleister ab. Die Stärke wird durch Jod eigenthümlich blau

oder violett gefärbt. Die trockene Stärke besitzt ein spec. Gewicht von

1,53, sie setzt sich demnach leicht aus dem Wasser ab. Alkalien und

verdünnte Säuren bewirken schon in der Kälte Schwellen und theilweise

Zerstörung der Schichten der Stärkemehlkörner. Durch die Einwirkung von

siedendem Wasser, welches 2 pro Mille Oxalsäure gelöst enthält, kann

man die Stärke vollständig lösen. In der Lösung ist Dextrin enthalten.

Ebenso löst sich Stärkemehl unter Dextrinbildung, wenn man die Stärke

mit Malzauszug (sogenannter Diastase) oder verdünnten Säuren

zusammenbringt. Bei der Behandlung mit Speichel, organischen Säuren und

verschiedenen anderen Lösungsmitteln wird der Hauptbestandtheil der

Stärkekörner, von =Nägeli= mit dem Namen =Granulose= belegt, ausgezogen

und es bleiben den Schichtungen entsprechende, aus Cellulose bestehende

häutige Zellen zurück. Durch fortgesetzte Einwirkung von Malzauszug und

Säuren geht die Stärke unter Wasseraufnahme in Stärkezucker (Dextrose,

Glycose) über[103]. Das Stärkemehl löst sich in der Kälte in

concentrirter Salpetersäure; Wasser fällt aus dieser Lösung eine

explosive Verbindung, das =Xyloïdin= (welches neuerdings von =Uchatius=

als =weisses Schiesspulver= in die Technik einzuführen versucht worden

ist). Beim Erhitzen von Stärkemehl mit concentrirter Salpetersäure

findet Bildung von Oxalsäure unter lebhafter Entwickelung von rothen

Dämpfen statt. Der Stärkekleister wird an der Luft nach und nach sauer

unter Bildung von Milchsäure.

[103] Nach den Jahre lang (1860-1868) fortgesetzten Untersuchungen von

=Musculus= findet die Bildung des Zuckers aus der Stärke dadurch

statt, dass sich letztere unter Wasseraufnahme direct in Dextrose

und Dextrin spalte, während man früher annahm, dass die Stärke

sich zunächst in das isomere Dextrin umwandele und dass letztere

dann unter Wasseraufnahme in Dextrose übergehe.

[Sidenote: Rohmaterialien der Stärkemehlfabrikation.]

Nur wenige Pflanzen enthalten die Stärke in solcher Menge, dass mit

Vortheil daraus das Stärkemehl abgeschieden werden könnte; diese Pflanzen

sind a) die Kartoffeln (20 Proc. Stärke), b) der Weizen (55-65 Proc.

Stärke), c) der Reis (mit 70-73 Proc. Stärkemehl), d) die Wurzel von

_Jatropha Manihot_, e) die Wurzel von _Maranta arundinacea_, f) das

Palmenmark, g) die _Canna coccinea_ (wegen des alle Monate erfolgenden

Blühens _Tous les mois_ genannt). In Deutschland stellt man das

Stärkemehl nur aus Kartoffeln, Reis und Weizen dar; bei der Gewinnung aus

Weizen hat man die Stärke aus einer grossen Menge Kleber auszuscheiden,

während bei den Kartoffeln die Stärke in Zellen eingeschlossen ist, die

ausserdem nur wenig andere Stoffe enthalten.

[Sidenote: Stärke aus Kartoffeln.]

=Gewinnung der Kartoffelstärke.= Die =Kartoffeln= bilden das wichtigste

Material der Stärkefabrikation. Ihre mittlere Zusammensetzung ist

folgende:

Frische Knollen. Bei 100° getrocknet.

Wasser 75,1 --

Albumin 2,3 9,6

Fett 0,2 0,8

Cellulose 0,4 1,7

Salze 1,0 4,1

Stärkemehl 21,0 83,8

----- -----

100,0 100,0

Sie enthält 28 Proc. Trockensubstanz oder 23 Proc. unlösliche Substanz

und 77 Proc. Saft.

[Illustration: Fig. 208.]

[Illustration: Fig. 209.]

Die Stärkekörner finden sich in den Kartoffeln in Zellen eingeschlossen,

die zerrissen werden müssen, wenn es sich um die Fabrikation der

Kartoffelstärke handelt. Fig. 208 zeigt (nach =Schleiden=) einen feinen

Querschnitt einer frischen gesunden Kartoffel unter dem Mikroskope

betrachtet. An der Aussenseite der Kartoffel befinden sich einige Lagen

flachgedrückter bräunlicher Zellen, die sich zuweilen in einzelnen Lappen

_a_ ablösen. Man nennt sie die =Oberhaut= der Kartoffel; an diese

schliessen sich die =Borkenzellen= _b_ an, welche zuweilen einen

feinkörnigen Inhalt zeigen, meist aber nur eine klare Flüssigkeit

einschliessen. Weiter nach dem Innern der Kartoffeln zu gehen sie nach

und nach in die =äussern= _c_ und durch diese in die =innern

Rindenzellen= _d_ über, mit welchen letztern auch die =Markzellen= der

Kartoffeln übereinstimmen. In den Markzellen liegen die Stärkekörner in

der Zahl von 15-20. In den äussersten Zellen sind fast nur kleine Körner,

ebenso in den ganz jungen Kartoffeln; letztere scheinen mit der Kartoffel

zu wachsen. Wird eine Kartoffel gekocht, so trennen sich die einzelnen

Zellen von einander (das Mehligwerden der Kartoffeln) (Fig. 209). Die

Stärkekörner in jeder Zelle quellen auf und erfüllen den Raum bis auf

kleine netzförmig verbundene Streifen, die aus geronnenem Eiweiss des

Zellensaftes bestehen.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 84 / 167 题