V. Das gemeine Töpfergeschirr.

[Sidenote: Gemeines Töpfergeschirr.]

Das =gemeine Töpfergeschirr= hat die Bestimmung, zu Zwecken der Kochkunst

und der Haushaltung, namentlich den minder wohlhabenden Klassen zu

dienen; es ist daher Wohlfeilheit die hauptsächlichste Rücksicht, die bei

der Herstellung dieser Art Thonwaare zu nehmen ist. Aus diesem Umstande

ergiebt sich, dass je nach den localen Verhältnissen ganz verschiedene

Thonarten und zwar besonders diejenigen angewendet werden, die leicht und

in der Nähe zu haben sind, daher die vorherrschende Benutzung von

Töpferthon und Thonmergel, wo man nicht über bessere Thonsorten verfügen

kann. Für die sogenannte =Weisstöpferei=, welche die Herstellung von

gewöhnlichem Küchengeschirr zur Aufgabe hat, wendet man gewöhnlich den

gemeinen Töpferthon an, für die =Brauntöpferei=, zu welcher das Bunzlauer

und Waldenburger Geschirr gehört, benutzt man dagegen einen ziemlich

feuerbeständigen Thon. Die in der Natur vorkommenden Thonarten sind in

der Regel zu fett, als dass sie allein und ohne Zusatz einer anderen

Substanz zur Herstellung der Töpferwaare benutzt werden könnten. Man

findet zwar zuweilen deren, die sich nach dem Durchtreten und

Durcharbeiten im natürlichen Zustande verarbeiten lassen; diese Thone,

die im Allgemeinen selten vorkommen, enthalten schon an und für sich Sand

oder eine andere magere Substanz. Wo derartige Thone nicht vorkommen, ist

man genöthigt, zu dem Thon Sand zu setzen, welcher den Zusammenhang der

Thontheilchen unter einander verhindert. Ausser dem Sand wendet man

hierzu an Feuerstein, Kreide, Charmotte und Steinkohlenasche. Das

Töpfergeschirr wird auf der Drehscheibe geformt, der gedrehte Gegenstand

wird von der Scheibe entfernt, lufttrocken gemacht und dann =glasirt=.

Die gegenwärtig übliche Bleiglasur war den Alten unbekannt. Die Masse des

gewöhnlichen Töpfergeschirres ist fast nie weiss oder gelblich, sondern

meist braunroth, die Glasur nie wie Email, sondern stets durchsichtig und

zwar theils zufällig, theils absichtlich gefärbt. Da die in Frage

stehenden Thonwaaren theils in Folge der Leichtschmelzbarkeit ihrer

Masse, theils auch zur Verminderung der Produktionskosten bei schwachem

Feuer gebrannt werden, so muss die Glasur entsprechend leichtflüssig

sein. Eine solche Substanz ist nun die =Bleiglasur=, ein

Aluminium-Bleiglas, welches in den meisten Gegenden Deutschlands aus

=Bleiglanz= (Glasurerz, _alquifoux_) und Lehm (Thon und Sand)

zusammengesetzt ist. Die Materialien werden auf einer Handmühle mit

Steinen (=Glasurmühle=), von ähnlicher Construction wie die

Getreidemühle, fein gemahlen und gemengt. Während des Brennens wird der

Bleiglanz geröstet, der Schwefel entweicht als schweflige Säure, und das

durch Rösten entstandene Bleioxyd tritt mit der Kieselerde und der

Thonerde des Lehmes (oder eines Gemenges von Sand und Thon) zu

Aluminium-Blei-Silicat zusammen. Wegen des grossen Eisenoxydgehaltes des

Lehmes oder Sandes ist diese Glasur stets gefärbt.

Das Glasiren der lufttrockenen Waare geschieht auf dreifache Weise,

entweder durch Eintauchen oder durch Begiessen oder durch Bestauben.

Durch Eintauchen lassen sich ohne Gefahr für das Geschirr nur verglühte

Gegenstände glasiren; stände auch diesem Verfahren die Nothwendigkeit

des vorläufigen Verglühens im Wege, so ist es doch aus Rücksichten für

die Arbeiter nicht zu empfehlen, weil die Hände mit der bleihaltigen

Glasur in Berührung kommen. Darum wendet man häufig die Methode des

Begiessens zum Glasiren der Thongeschirre an. Soll ein Geschirr durch

Bestauben glasirt werden, so taucht man es zuerst in eine Schlempe aus

fettem Thon und übersiebt es dann mit dem feingemahlenen Glasursatze;

dieses Verfahren ist für den Glasurarbeiter von grösstem Nachtheil,

weil dabei das Einathmen von Bleitheilchen nicht umgangen werden kann.

Damit das Geschirr nicht an die Unterlage anschmelze, muss die Glasur

am äusseren Boden der Geschirre sorgfältig entfernt werden.

Wenn das Bleioxyd im richtigen Verhältniss zur Kieselerde des Thons

oder Lehms angewendet wurde, so ist das entstehende Bleiglas in den

gewöhnlichen, in der Haushaltung vorkommenden organischen Säuren nicht

löslich und die Bleiglasur durchaus zu empfehlen. Ist hingegen ein

Theil des Bleioxydes mit der Kieselerde nicht gehörig verbunden, so

kann der Fall eintreten, dass ein Theil des Bleies sich schon im

heissen Essig löst. So haben =Buchner=, =A. Vogel=, =Erlenmeyer= u. A.

bei der Untersuchung von Glasur verschiedener Arten von Thongeschirr

gefunden, dass die Mengen auflöslichen Bleioxydes in der Glasur des

Töpfergeschirres nicht immer so unerheblich sind, als man bisher

geglaubt hat, und dass schon sehr verdünnter Essig dessen Lösung

bewirkt. Die Benutzung von mit solcher Glasur versehenem Geschirr ist

offenbar nicht unbedenklich. Obwohl es wünschenswerth wäre, eine

wohlfeile bleifreie Bleiglasur herzustellen, welche die Vorzüge der

Bleiglasur hätte, so ist doch nicht zu verkennen, dass die Nachtheile

der Bleiglasur häufig zu grell geschildert worden sind. Alle Nachtheile

würden vollkommen verschwinden, wenn der Töpfer seine Waare, die er

unvollkommen gebrannt aus dem Ofen zieht, nicht in den Handel brächte,

sondern erst nochmals brennte, oder durch zweckmässigere Construction

der Brennöfen in den Stand gesetzt wäre, den ganzen Einsatz oder doch

den grössten Theil desselben vollkommen zu brennen, dann endlich, wenn

der Töpfer bei der Zusammensetzung der Bleiglasur rationell verführe.

Zweckentsprechender noch würde es sein, wenn dem Töpfer ein

fabrikmässig durch Schmelzen erhaltenes Bleisilicat geliefert würde.

Neuerdings hat man nicht ohne Erfolg vielfach =bleifreie= Glasuren

herzustellen versucht, so z. B. durch geeignete Anwendung von

Wasserglas oder einem Gemisch davon mit Calciumborat.

[Sidenote: Brennen der Töpferwaaren.]

Die mit Glasur versehenen Geschirre werden nun in den Brennofen

eingesetzt und gebrannt. Der Ofen ist in den meisten Gegenden ein

liegender, etwa 2-1/4-2-3/4 Meter hoher, 7-10 Meter langer Flammenofen

mit einem Tonnengewölbe. An dem einen Ende befindet sich der

Feuerkasten, an dem andern der Schornstein. Die Feuerkammer ist von

dem eigentlichen Ofen durch eine vielfach durchbrochene Mauer aus

Ziegelsteinen getrennt. Die zu brennenden Geschirre werden ohne

Kapseln der Einwirkung des Feuers ausgesetzt. Nach der Feuerung hin

kommen die Geschirre auf fusshohe Unterlagen (Brennscherben), weiter

nach einwärts stellt man sie auf die mit Sand bestreute Ofensohle.

Zuerst macht man schwaches Feuer und verstärkt es nur allmälig. Das

Vorfeuer währt 11-12 Stunden, das Scharffeuer 4-5 Stunden. Etwa 18-24

Stunden nach beendigtem Brennen können die gebrannten Geschirre aus

dem Ofen entfernt werden.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 76 / 167 题