[Sidenote: Gemeines Töpfergeschirr.]
Das =gemeine Töpfergeschirr= hat die Bestimmung, zu Zwecken der Kochkunst
und der Haushaltung, namentlich den minder wohlhabenden Klassen zu
dienen; es ist daher Wohlfeilheit die hauptsächlichste Rücksicht, die bei
der Herstellung dieser Art Thonwaare zu nehmen ist. Aus diesem Umstande
ergiebt sich, dass je nach den localen Verhältnissen ganz verschiedene
Thonarten und zwar besonders diejenigen angewendet werden, die leicht und
in der Nähe zu haben sind, daher die vorherrschende Benutzung von
Töpferthon und Thonmergel, wo man nicht über bessere Thonsorten verfügen
kann. Für die sogenannte =Weisstöpferei=, welche die Herstellung von
gewöhnlichem Küchengeschirr zur Aufgabe hat, wendet man gewöhnlich den
gemeinen Töpferthon an, für die =Brauntöpferei=, zu welcher das Bunzlauer
und Waldenburger Geschirr gehört, benutzt man dagegen einen ziemlich
feuerbeständigen Thon. Die in der Natur vorkommenden Thonarten sind in
der Regel zu fett, als dass sie allein und ohne Zusatz einer anderen
Substanz zur Herstellung der Töpferwaare benutzt werden könnten. Man
findet zwar zuweilen deren, die sich nach dem Durchtreten und
Durcharbeiten im natürlichen Zustande verarbeiten lassen; diese Thone,
die im Allgemeinen selten vorkommen, enthalten schon an und für sich Sand
oder eine andere magere Substanz. Wo derartige Thone nicht vorkommen, ist
man genöthigt, zu dem Thon Sand zu setzen, welcher den Zusammenhang der
Thontheilchen unter einander verhindert. Ausser dem Sand wendet man
hierzu an Feuerstein, Kreide, Charmotte und Steinkohlenasche. Das
Töpfergeschirr wird auf der Drehscheibe geformt, der gedrehte Gegenstand
wird von der Scheibe entfernt, lufttrocken gemacht und dann =glasirt=.
Die gegenwärtig übliche Bleiglasur war den Alten unbekannt. Die Masse des
gewöhnlichen Töpfergeschirres ist fast nie weiss oder gelblich, sondern
meist braunroth, die Glasur nie wie Email, sondern stets durchsichtig und
zwar theils zufällig, theils absichtlich gefärbt. Da die in Frage
stehenden Thonwaaren theils in Folge der Leichtschmelzbarkeit ihrer
Masse, theils auch zur Verminderung der Produktionskosten bei schwachem
Feuer gebrannt werden, so muss die Glasur entsprechend leichtflüssig
sein. Eine solche Substanz ist nun die =Bleiglasur=, ein
Aluminium-Bleiglas, welches in den meisten Gegenden Deutschlands aus
=Bleiglanz= (Glasurerz, _alquifoux_) und Lehm (Thon und Sand)
zusammengesetzt ist. Die Materialien werden auf einer Handmühle mit
Steinen (=Glasurmühle=), von ähnlicher Construction wie die
Getreidemühle, fein gemahlen und gemengt. Während des Brennens wird der
Bleiglanz geröstet, der Schwefel entweicht als schweflige Säure, und das
durch Rösten entstandene Bleioxyd tritt mit der Kieselerde und der
Thonerde des Lehmes (oder eines Gemenges von Sand und Thon) zu
Aluminium-Blei-Silicat zusammen. Wegen des grossen Eisenoxydgehaltes des
Lehmes oder Sandes ist diese Glasur stets gefärbt.
Das Glasiren der lufttrockenen Waare geschieht auf dreifache Weise,
entweder durch Eintauchen oder durch Begiessen oder durch Bestauben.
Durch Eintauchen lassen sich ohne Gefahr für das Geschirr nur verglühte
Gegenstände glasiren; stände auch diesem Verfahren die Nothwendigkeit
des vorläufigen Verglühens im Wege, so ist es doch aus Rücksichten für
die Arbeiter nicht zu empfehlen, weil die Hände mit der bleihaltigen
Glasur in Berührung kommen. Darum wendet man häufig die Methode des
Begiessens zum Glasiren der Thongeschirre an. Soll ein Geschirr durch
Bestauben glasirt werden, so taucht man es zuerst in eine Schlempe aus
fettem Thon und übersiebt es dann mit dem feingemahlenen Glasursatze;
dieses Verfahren ist für den Glasurarbeiter von grösstem Nachtheil,
weil dabei das Einathmen von Bleitheilchen nicht umgangen werden kann.
Damit das Geschirr nicht an die Unterlage anschmelze, muss die Glasur
am äusseren Boden der Geschirre sorgfältig entfernt werden.
Wenn das Bleioxyd im richtigen Verhältniss zur Kieselerde des Thons
oder Lehms angewendet wurde, so ist das entstehende Bleiglas in den
gewöhnlichen, in der Haushaltung vorkommenden organischen Säuren nicht
löslich und die Bleiglasur durchaus zu empfehlen. Ist hingegen ein
Theil des Bleioxydes mit der Kieselerde nicht gehörig verbunden, so
kann der Fall eintreten, dass ein Theil des Bleies sich schon im
heissen Essig löst. So haben =Buchner=, =A. Vogel=, =Erlenmeyer= u. A.
bei der Untersuchung von Glasur verschiedener Arten von Thongeschirr
gefunden, dass die Mengen auflöslichen Bleioxydes in der Glasur des
Töpfergeschirres nicht immer so unerheblich sind, als man bisher
geglaubt hat, und dass schon sehr verdünnter Essig dessen Lösung
bewirkt. Die Benutzung von mit solcher Glasur versehenem Geschirr ist
offenbar nicht unbedenklich. Obwohl es wünschenswerth wäre, eine
wohlfeile bleifreie Bleiglasur herzustellen, welche die Vorzüge der
Bleiglasur hätte, so ist doch nicht zu verkennen, dass die Nachtheile
der Bleiglasur häufig zu grell geschildert worden sind. Alle Nachtheile
würden vollkommen verschwinden, wenn der Töpfer seine Waare, die er
unvollkommen gebrannt aus dem Ofen zieht, nicht in den Handel brächte,
sondern erst nochmals brennte, oder durch zweckmässigere Construction
der Brennöfen in den Stand gesetzt wäre, den ganzen Einsatz oder doch
den grössten Theil desselben vollkommen zu brennen, dann endlich, wenn
der Töpfer bei der Zusammensetzung der Bleiglasur rationell verführe.
Zweckentsprechender noch würde es sein, wenn dem Töpfer ein
fabrikmässig durch Schmelzen erhaltenes Bleisilicat geliefert würde.
Neuerdings hat man nicht ohne Erfolg vielfach =bleifreie= Glasuren
herzustellen versucht, so z. B. durch geeignete Anwendung von
Wasserglas oder einem Gemisch davon mit Calciumborat.
[Sidenote: Brennen der Töpferwaaren.]
Die mit Glasur versehenen Geschirre werden nun in den Brennofen
eingesetzt und gebrannt. Der Ofen ist in den meisten Gegenden ein
liegender, etwa 2-1/4-2-3/4 Meter hoher, 7-10 Meter langer Flammenofen
mit einem Tonnengewölbe. An dem einen Ende befindet sich der
Feuerkasten, an dem andern der Schornstein. Die Feuerkammer ist von
dem eigentlichen Ofen durch eine vielfach durchbrochene Mauer aus
Ziegelsteinen getrennt. Die zu brennenden Geschirre werden ohne
Kapseln der Einwirkung des Feuers ausgesetzt. Nach der Feuerung hin
kommen die Geschirre auf fusshohe Unterlagen (Brennscherben), weiter
nach einwärts stellt man sie auf die mit Sand bestreute Ofensohle.
Zuerst macht man schwaches Feuer und verstärkt es nur allmälig. Das
Vorfeuer währt 11-12 Stunden, das Scharffeuer 4-5 Stunden. Etwa 18-24
Stunden nach beendigtem Brennen können die gebrannten Geschirre aus
dem Ofen entfernt werden.