[Sidenote: Fayence.]
Die =Fayence= (englisches Steingut) hat ihren Namen von der Stadt Faënza
im Kirchenstaate, wo derartige Gefässe vorzugsweise gefertigt wurden. Im
9. Jahrhundert verfertigten die Araber in Spanien schon Fayence (in den
Sammlungen unter dem Namen der =hispano-maurischen Poterien= bekannt),
von dort kam sie nach der Insel Majorka, woher auch der Name =Majolika=
für Fayence stammt[96] und im 13. Jahrhundert nach Italien, wo die
Majolikaindustrie vom 15. Jahrhundert ab zu hoher Blüthe sich
entwickelte, mit dem 17. Jahrhundert aber abzunehmen begann. Die
hauptsächlichsten Erzeugnisse dieser Zeit sind die Sculpturen des =Luca
della Robbia= (gestorben 1481 zu Florenz). In Frankreich lässt sich die
Fabrikation emaillirter Fayencen vorzugsweise auf die Erzeugnisse
zurückführen, welche unter dem Namen der Palissy-Fayencen (nach =Bernhard
Palissy=) auf uns gekommen und deren erstes Entstehen in die Mitte des
16. Jahrhunderts fällt. Das Eigenthümliche der Palissy-Fayencen, was
dieselben zu den gesuchtesten Artikeln der keramischen Kunst macht,
besteht darin, dass die Figuren und Ornamente stets _en relief_
ausgeführt sind und colorirt erscheinen. Den grössten Anspruch auf
Originalität haben =Palissy='s sogenannte _Pièces rustiques_, grosse
Flachgefässe, auf welchen nach der Natur modellirte und in ihren
natürlichen Farben staffirte Fische, Schlangen, Frösche, Krebse,
Eidechsen, Muscheln und Vegetabilien mit künstlerischem Effect gruppirt
sind.
[96] Der Wechsel der Buchstaben beruht darin, dass die älteren
toskanischen Schriftsteller jene Insel »Majolika« statt Majorka
schrieben; so =Dante=: »_Tra isola di Capri e Majolica_«.
Die Masse der zu der Fayence zu rechnenden =porösen= Thonwaaren ist
erdig, an der Zunge hängend, undurchsichtig, von mehr oder weniger
lockerem Gefüge und wenig oder nicht klingend. Sie besteht wesentlich aus
plastischem Thone oder einem Gemenge von diesem mit gemeinem Töpferthone.
Sie unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Töpfergeschirr ausser durch
die Anwendung feinerer Materialien auch durch weit sorgfältigere
mechanische Bearbeitung. Man unterscheidet =feine weisse= und =gemeine
emaillirte Fayence=. Die =feine Fayence= (Halbporcellan) besteht in der
Masse wesentlich aus plastischem Thone, versetzt mit gemahlenem Quarz
oder Feuerstein, mit Kaolin oder Pegmatit, also feldspathigen
Gemengtheilen. Die Gemengtheile der feinen Fayence sind so beschaffen,
dass sich die Masse vollkommen oder fast weiss brennt; sie erhalten stets
eine durchsichtige, farblose Glasur, so dass die Farbe der Geschirre die
durch die Glasur hindurchgehende Farbe der Masse ist. Die Massen der in
den verschiedenen Ländern mit dem Namen Fayence bezeichneten Geschirre
verhalten sich im Feuer sehr verschieden; einige sind strengflüssig und
gar nicht schmelzbar und vertragen einen hohen Hitzegrad beim Brennen,
andere sind dagegen schmelzbar und können nur bei verhältnissmässig
niederer Temperatur gebrannt werden. Die Zusammensetzung der Glasur ist
daher je nach der Natur der Masse und der Bestimmung des Geschirres eine
sehr verschiedene.
Die =gemeine emaillirte Fayence= besteht der Masse nach aus einem Gemenge
von Töpferthon oder plastischem Thon, Mergel (Thon mit Calciumcarbonat)
oder Quarz und Quarzsand. Charakteristisch für ihre Masse ist ein Gehalt
von 15-25 Proc. Kalk, der bei der niederen Temperatur, bei welcher die
gemeine Fayence gebrannt wird, seine Kohlensäure nur zum Theil verliert.
Die gemeine Fayence lässt sich daher leicht von anderen Thonarten dadurch
unterscheiden, dass sie im gargebrannten Zustande, mit Säuren übergossen,
aufbraust. Ihr Gefüge ist locker und erdig, ihre Farbe in Folge eines
Eisenoxydgehaltes von 2-4 Proc. stark gelb, so dass die gemeine Fayence
mit einer undurchsichtigen Glasur (einem Email), aus Zinnoxyd, Bleioxyd,
Alkalien und Quarz bestehend, überzogen werden muss. In dem hohen
Eisenoxyd- und Kalkgehalt der Masse liegt der Grund, warum dieselbe bei
einer verhältnissmässig niedrigen Temperatur gebrannt werden muss, da sie
bei hohen Hitzegraden zu einer Schlacke zusammenschmelzen würde.
Die Fayence wird ebenso wie das Porcellan zweimal =gebrannt= und zwar
das erste Mal =ohne=, das zweite Mal =mit= Glasur. Bei der Fayence ist
aber der erste Brand der stärkste, beim Porcellan dagegen der zweite.
Das Brennen der Fayence erfolgt in =Kapseln= oder =Casetten=, welche
man mit lufttrockner Waare füllt und dann säulenförmig übereinander
stellt, so dass der Boden der nächstfolgenden Kapsel der vorhergehenden
als Deckel dient. Die Verbindungsstelle von je zwei Kapseln wird mit
fettem Thon verstrichen. Beim Hartbrennen kann man, weil die Fayence
beim Brennen nicht erweicht und verschmelzen kann, mehrere Stücke
unmittelbar aufeinander in eine einzige Kapsel stellen. Die einzelnen
Stücke bedürfen nur einer Unterstützung an wenigen Punkten, wozu die
sogenannten =Pinnen= (kleine dreiseitige Prismen aus unglasirtem Thone)
benutzt werden, auf denen die in die Kapseln eingesetzten Stücke mit
der Unterseite ruhen. Da die Pinnen die Glasur nur an wenigen Punkten
berühren, so machen diese an derselben eine kaum bemerkbare trockne
Stelle. Anstatt der Kapseln wendet man auch häufig oben und unten
offene Cylinder (Koken) an, in welchen man die zu brennenden Geschirre
mit Hülfe von Pinnen befestigt.
Das hartgebrannte Fayencegeschirre wird sofort =glasirt=. Die mit
Wasser zu einer dünnen Schlempe angerührte Glasur befindet sich in
einem Kasten, in welchen die mit Glasur zu überziehenden Gegenstände
einige Augenblicke getaucht werden. Die Materialien zur Glasur werden
vorher zu einem Glase geschmolzen und dieses dann zu einem zarten
Pulver gemahlen, wie erwähnt, in Gestalt von Schlempe aufgetragen. Das
Material für die Fayenceglasur ist Feldspath und in England Cornish
stone, ferner Feuerstein, Schwerspath, Sand, Borax und Borsäure,
Krystallglas, Soda und Natriumsalpeter, Bleiglätte, Bleiweiss, Mennige
und Smalte. Die Zusammensetzung dieser Glasuren ist daher gewöhnlich
eine sehr complicirte, aber als wesentlichen Bestandtheilen stets aus
Kieselsäure, Borsäure, Thonerde, Bleioxyd und Alkali zusammengesetzt.
In neuerer Zeit wendet man in England mit vielem Vortheil bei der
Bereitung der Glasur die aus Peru eingeführte Tiza
(Natrium-Calcium-Borat) an. Im Allgemeinen dient der Bleizusatz, die
erforderliche Leichtflüssigkeit der Glasur hervorzubringen, während man
zugleich durch den Feldspath (theils durch dessen Kieselerde, indem
sich kieselsaurer Kalk bildet, theils durch dessen Thonerde) der
Weichheit und Leichtritzbarkeit abzuhelfen sucht, welche sonst die
Blei-Alkaligläser charakterisirt.
[Sidenote: Verzieren der Fayence.]
Zur =Verzierung der Fayence= wendet man an 1) das Bemalen, 2) das
Angiessen, 3) das Bedrucken, 4) das Lüstriren. Das =Bemalen= geschieht
gewöhnlich mit dem Pinsel und zwar theils unter, theils auf der Glasur;
da bei dem Aufbrennen der Glasur die Temperatur bei weitem nicht die
des Porcellanbrennofens erreicht, so können die meisten Fayencefarben
unter der Glasur aufgetragen werden. Kunstgerechte Malerei mit dem
Pinsel ist jedoch bei der Fayence nicht am Platze. Ebenso wie beim
Glase bilden Chromoxyd, Kobaltoxyd, Eisenoxyd, Antimonoxyd u. s. w. die
Farbstoffe. Die rosen- und purpurrothen Färbungen, die man bei dem
Porcellan mit Goldpräparaten erzielt, waren lange Zeit von der
Fayencemalerei ausgeschlossen, bis man in England die =Pink-colour=
(Nelkenfarbe) entdeckte, in welcher das Färbende Chromoxydul, dem auch
die Pyropen ihre Färbung verdanken, zu sein scheint. Man bereitet diese
Farbe, indem man
Zinnsäure 100
Kreide 34
Kaliumchromat 3-4
Kieselerde 5
Thonerde 1
mit einander mischt und das Gemenge mehrere Stunden heftig glüht; die
Masse erscheint schmutzig rosenroth; sie nimmt eine angenehmere Färbung
an, wenn man sie nach dem Schlämmen mit Wasser wäscht, das mit etwas
Salzsäure angesäuert worden ist. Das =Angiessen= besteht darin, den
Fayencegefässen innerlich oder äusserlich einen Ueberzug von
verschieden gefärbter Masse zu geben, daher denn das Stück inwendig
weiss, auswendig blau, roth und grün sein kann, während die Masse des
Gefässes selbst keine von diesen Farben zu haben braucht. Die Massen,
womit man angiesst, bestehen gewöhnlich aus fettem, mit Wasser zu einer
Schlempe angerührtem Thon und färbenden Metalloxyden. Das =Bedrucken=
der Fayence geschieht vor dem Auftragen der Glasur und zwar meist in
Schwarz, Blau oder Pink-colour. Für Schwarz wendet man ein Gemenge von
Hammerschlag, Braunstein und Kobaltoxyd oder Chromschwarz an, für Blau
Kobaltoxyd, welches man, je nach der helleren oder dunkleren Farbe, die
man erzielen will, mit Feuerstein und Schwerspathpulver versetzt; das
Gemenge wird gefrittet, die Fritte dann gemahlen und mit einem Fluss,
aus gleichen Theilen Flintglas und Feuerstein bestehend, versetzt. Die
auf eine Kupfer- oder Stahlplatte geätzte oder gravirte Zeichnung wird
mit der mit abgekochtem Leinöl abgeriebenen Farbe auf feines und
weiches Papier abgedruckt, welches, um das Eindringen des Leinöles zu
verhüten, vorher mit Leinsamenschleim getränkt wird. Die abgedruckte
Zeichnung wird auf die verglühte Waare gebracht und vorsichtig mit
einem Stück Filz oder Schwamm angedrückt. Die Geschirre werden einige
Zeit lang in Wasser gestellt und dann das erweichte Papier abgezogen,
wobei die farbige Zeichnung auf dem Thone sitzen bleibt. Da bei dem
darauf folgenden Glasiren diejenigen Stellen, wo die ölige Zeichnung
sich befindet, keine Glasur annehmen würden, so glüht man die mit
Zeichnungen versehenen Geschirre; dadurch wird einerseits das Oel der
Druckfarbe zerstört, andererseits die Farbe durch Fritten so weit
befestigt, dass sie während des Glasirens auf nassem Wege nicht mehr
beschädigt werden kann. Da die zum Druck benutzten Kupfer- oder
Stahlplatten sich durch die scharfen Theilchen der Glasflüsse äusserst
schnell abnutzen, so ist man auf eine andere Methode des Abdruckens
geführt worden, bei welcher dieser Uebelstand beseitigt ist. Man reibt
nämlich die erwärmte Platte, deren Zeichnung abgedruckt werden soll,
mit dick eingekochtem Leinöl und wenig Terpentinöl ohne Farbe ein und
druckt dann auf ein feuchtes Blatt von Gelatine ab. Ist dies geschehen,
so legt der Arbeiter die Gelatinetafel auf eine Tischplatte und rollt
z. B. eine Tasse, auf welche die Zeichnung abgedruckt werden soll,
langsam darüber, worauf der Firniss auf das Geschirr übergedruckt wird.
Man bestäubt den Abdruck mit der fein gepulverten Farbe, lässt ihn
trocknen und nimmt mit Baumwolle oder einem weichen Pinsel die lose
Farbe auf, die nun da haftet, wo der Firniss aufgetragen worden ist;
hierauf wird die Farbe unter der Muffel eingebrannt.
[Sidenote: Flowing colours.]
Eine sehr häufig auf Fayence angewendete Verzierung sind die _Flowing
colours_. Das damit versehene Geschirr zeigt sehr kräftige und satt
dunkelblaue Zeichnungen, welche ausgeflossen sind und sich so in den
weissen Grund verlaufen, dass auch dieser einen bläulichen Schein
bekommt. Die völlig undurchsichtige Waare erhält dadurch den Anschein,
als ob sie durchscheinend sei und dadurch ein porcellanähnliches
Aussehen. Man druckt die Kobaltoxydzeichnung auf das Geschirr wie
gewöhnlich auf und glasirt dann. Das Glattbrennen geschieht in Kapseln,
deren innere Seite mit einem Gemenge von Chlorcalcium, Chlorblei und
Thon bestrichen ist, oder man stellt das Gemenge neben das Geschirr in
den Kapseln in kleinen Tiegeln. Das Kobaltoxydul wird durch die sich
verflüchtigenden Chloride (Chlorcalcium, Chlorblei) in Chlormetall
verwandelt und zum Theil verflüchtigt und setzt sich gleich einem Nebel
auf dem Geschirre ab.
[Sidenote: Lüster.]
Eine sehr beliebte Verzierung der Fayence wird dadurch hervorgebracht,
dass man derselben einen höchst zarten metallischen Anflug, =Lüster=,
giebt, welcher seinen Glanz allein durch das Brennen erhält, während
dickere Metallschichten den Glanz erst nach dem Brennen durch das
Poliren erhalten. Man unterscheidet folgende Arten von Lüster:
=Goldlüster=. Je nach dem Glanze und der Dicke der Vergoldung
unterscheidet man 1) Glanzvergoldung, 2) Goldlüster und 3)
Burgoslüster. Der Goldlüster wird häufig zum Verzieren von Fayence,
hauptsächlich zum Ueberziehen ganzer Flächen gebraucht; er hat ein
minder glänzendes Aussehen als die Glanzvergoldung, ein besseres und
glänzenderes jedoch als der Burgoslüster. Alle Vorschriften zur
Darstellung dieses Lüsters kommen auf die Anwendung von Schwefelgold
oder Knallgold und Schwefelbalsam hinaus. Der =Burgoslüster= ist nichts
Anderes als Goldlüster, aber in sehr zarter Lage aufgetragen. Man
benutzt ihn hauptsächlich zum Fondiren von Flächen, indem man zuerst
Druck oder Malerei auf denselben anbringt, welche durch den Lüster
ersichtlich bleiben. Dieser Lüster bedingt zugleich eine rosenrothe
Färbung der Glasur und gewährt demnach den doppelten Effect von Farbe
und Goldglanz. Der =Platinlüster= wird durch Mischen von wasserfreiem
Platinchlorid mit Lavendelöl oder einem andern ätherischen Oele, oder
mit Schwefelbalsam erhalten. Man wird auch dazu den Platinsalmiak und
die sogenannten Platinbasen anwenden können. Der =Silberlüster= ist
entweder =gelber Lüster= oder =Cantharidenlüster=, letzterer vom
Ansehen der Flügeldecken der spanischen Fliegen oder Canthariden.
=Salvétat= glaubt, dass Chlorsilber, ähnlich wie das Goldpräparat
obigen Flüssigkeiten einverleibt, angewendet werden könne, um einen
metallisch glänzenden =gelben Lüster= zu erzeugen. Es ist unerlässlich,
den Gegenstand nach dem Auftragen des Lüsters in einer reducirenden
Atmosphäre zu brennen. Der =Cantharidenlüster= ist dem gelben Lüster
gleich zusammengesetzt, der einzige Unterschied besteht darin, dass
letzterer auf weisses, ersterer auf blaugefärbtes Geschirr aufgetragen
wird. Die Ueberlagerung des blauen Grundes mit dem gelben Lüster giebt
eine beliebte grünliche Färbung. Applicirt man den gelben Lüster auf
verschieden gefärbten Grund, so lassen sich mannigfache und reiche
farbige Lüster herstellen. Der =Kupferlüster= zeigt dasselbe Ansehen
und das nämliche röthliche und gelbliche Farbenspiel wie der
Burgoslüster. Man findet ihn häufig auf gewöhnlicher spanischer Fayence
und auf gewisser Majolika aus dem Zeitalter des Georgio. Die äusserst
dünne färbende Schicht ist vielleicht durch Cuprosilicat gebildet. Mit
dem Namen =Bleioxyd=- oder =Bleilüster= bezeichnet man jene in
Regenbogenfarben spielende, glänzende Färbung, welche gewisse mit
Bleiglasur überzogene Thongeschirre zeigen. Diese Geschirre wurden
während des Brennens der Einwirkung von reducirenden Dämpfen
ausgesetzt, welche wahrscheinlich zu gleicher Zeit auch auf das in der
Masse enthaltene Eisenoxyd wirken. Setzt man zu der Bleiglasur
Chlorsilber, so wird auch dieses reducirt und es entstehen prächtige
Lüster von Goldgelb bis Silberweiss je nach der Menge des Silbers.
[Sidenote: Etruskische Vasen.]
Die =etruskischen Vasen= der alten Römer schliessen sich der Fayence
an, sie sind aus eisenhaltigem, mit Quarz versetztem Thon geformt, nur
leicht gebrannt, bald unglasirt, bald mit einer leichtflüssigen Glasur
bedeckt. Sie zeichnen sich durch die Schönheit ihrer Formen aus und
scheinen mehr zur Zierde und zur Aufbewahrung trockener Gegenstände
(Graburnen, Thränenkrüge, Opferschalen, Lampen, Götterbilder) als von
Flüssigkeiten gedient zu haben. Hierher gehört auch die =Delftwaare=,
welche im 17. Jahrhundert von den Holländern geliefert wurde. Sie
besteht wesentlich aus Tafelservice, deren Hauptstücke Thiere und
Pflanzen darstellen, wie sie als Gericht auf die Tafel kommen.
[Sidenote: Thönerne Pfeifen.]
An die Fayencefabrikate schliessen sich die =thönernen Pfeifen= an,
deren Fabrikation manches Eigenthümliche darbietet. Man verwendet zu
ihrer Fabrikation =Pfeifenthon=, der eine schöne weisse Farbe haben,
keine Eisentheile, keinen Sand und kein Calciumcarbonat enthalten und
sich weiss brennen soll. Ist man genöthigt, einen sich etwas gelblich
brennenden Thon zu verwenden, so erzeugt man im Ofen zu einem gewissen
Zeitpunkt einen dicken Rauch, dessen Kohlenstoff das Eisenoxyd des
Thones, von welchem die gelbe Farbe herrührt, zum Theil reducirt,
wodurch die gelbliche Farbe zerstört wird. Um die Pfeifen zu formen,
wird ein Stück Thon mit einem Brett (dem Roller) auf einem glatten
Brette gerollt und dadurch in dünne Walzen (Weller oder Welger),
verwandelt, welche an dem einen Ende weit dicker als an dem andern sind
oder einen Klumpen haben, aus welchem der Kopf der Pfeife gebildet
werden soll. Die Walzen werden hierauf getrocknet, bis sie hinlänglich
geschmeidig sind, und sodann mit einem starken Draht aus Messing
(Weiserdraht) bis an den Kopf durchbohrt. Nachdem dies geschehen, legt
ein Arbeiter (der Former oder Kastner) die Walze in eine mit Leinöl
bestrichene messingene Form, welche einem Pfeifenfutterale gleicht und
aus zwei Hälften besteht. Der dicke Theil der Walze kommt in den
ausgehöhlten Kopf. Die beiden Hälften der Form werden fest
zusammengeschraubt, wodurch der überflüssige Thon aus der Form
herausgepresst und der Stiel der Pfeife rund und gleichförmig wird;
darauf zieht man den Weiserdraht etwas zurück und bohrt mit Hülfe eines
mit Leinöl bestrichenen Kegels, welcher genau die Grösse der Aushöhlung
hat, den Kopf aus, hebt die Pfeife mittelst des Weiserdrahtes aus der
Form, befreit sie mit Messern oder Haken von allen Anhängseln und
beschneidet sie an der Mündung des Rohres. Alsdann glättet ein neuer
Arbeiter mittelst einer Glasröhre oder eines Stückes Achat oder
Feuerstein. So weit fertig gebildet, werden die Pfeifen zuerst auf
Trockenbrettern getrocknet und dann gebrannt. Die Kapseln, in denen die
Pfeifen gebrannt werden, haben gewöhnlich die Gestalt hohler Walzen und
sind in der Mitte mit einer Lehre versehen, an welcher die Pfeifen
(gewöhnlich 12 Dutzend) mit ihren aufgerichteten Stielen
pyramidenförmig zusammenstossen, und werden oben mit einem Ring
geschlossen. Häufig sind auch die Kapseln längliche Thonkästen, in
welche die zu brennenden Pfeifen abwechselnd mit Lagen von
Pfeifenscherben gelegt werden, damit sie sich nicht werfen. Zuweilen
brennt man die Pfeifen auch ohne Kapseln. Um den Pfeifen an der Spitze
die Porosität zu benehmen, in deren Folge sie an den feuchten Lippen
haften, reibt man sie an der Spitze mit einer Mischung von Seife, Wachs
und Leimwasser ein.
[Sidenote: Kühlkrüge.]
=Kühlkrüge.= Zu den nicht glasirten thönernen Gefässen gehören die
=Kühlkrüge= oder =Alcarrazas=; sie haben eine vasenähnliche Gestalt,
sind 25-50 Centimeter hoch und haben die Bestimmung, Flüssigkeiten,
besonders Wasser, abzukühlen. Füllt man ein solches Gefäss mit Wasser,
so sickert ein Theil der Flüssigkeit durch die Poren der Wände und
verdunstet an der äusseren Fläche. Die zur Verdunstung nöthige Wärme
wird theilweise dem Wasser in dem Gefässe entzogen, wodurch die
Temperatur desselben um mehrere Grade sinkt. Nach =Sallior= sollen sie
eine Abkühlung von 15° bewirken, in Sèvres angestellte Versuche ergaben
nur eine Abkühlung von 3-5°. Die Porosität dieser Gefässe wird theils
durch schwaches Brennen, theils durch Beimengung von Substanzen, die
beim Brennen zerstört werden, theils auch durch Zusatz von Kochsalz,
das nach dem Brennen ausgelaugt wird, hervorgebracht. In Frankreich
stellt man diese Kühlkrüge unter dem Namen Hydrocérames dar. Im
englischen Handel kommen Wein- und Butterkühler (_aegyptian wine and
butter cooler_) vor, deren Masse aus blos verglühtem Thone, der sich
sehr porös brennt, besteht. Die Gefässe werden vor dem Gebrauche 1/2
Stunde lang unter Wasser gestellt, um sie völlig damit ansaugen zu
lassen. Die Kühlkrüge sind in den warmen Ländern seit langer Zeit
bekannt und sehr wahrscheinlich in Ostindien viel länger als in
Aegypten, Spanien und der Türkei. Bei den Seefahrern führen sie die
Namen Gargouletten (leichte Flaschen), bei den Aegyptern Kolles oder
Gullies, bei den Spaniern Alcarrazas; in allen Theilen der Levante
werden dieselben Baldaques und auf den französischen Colonien Canaris
genannt. Die Kühler sind in China, Persien, Syrien, Kleinasien und
Aegypten ebenso allgemein als bei den orientalischen Seefahrern in
Gebrauch, und wahrscheinlich wurden sie durch die Araber nach Spanien
verpflanzt. Die grosse Thonwaarenfabrik zu Kenneh in Oberägypten
liefert Kühler für das ganze Land. Eines der Mitglieder der gelehrten
Commission, welche die Expedition unter Bonaparte nach Aegypten
begleitete, hat den zu Kühlern verwendeten mergelartigen Thon nach
Frankreich gebracht, worauf =Fourmy= ähnliche Gefässe herstellte. In
Bengalen bereitet man Kühlgefässe aus dem Schlamme des Ganges.