VI. Backstein-, Ziegel- und Röhrenfabrikation.

[Sidenote: Steine aus Thon.]

Die Fabrikation der gebrannten Steine aus Thon, die in neuester Zeit

erst, namentlich aber durch den unermüdlichen =Türrschmidt= eine

rationelle Grundlage erhalten, beschäftigt sich mit der Herstellung von

=Backsteinen= (Mauerziegel oder Barnsteine), =Dachsteinen=,

=Pflasterziegeln= (Fliessen) und =Terracotten=. Nicht zu verwechseln mit

den Backsteinen sind die in mehreren Gegenden gebräuchlichen, nicht

gebrannten, sondern nur an der Luft getrockneten Ziegel, welche zu

Mauerwerk verwendet und =Lehmpatzen= (Luftsteine, ägyptische Ziegel)

genannt werden.

Zur besseren Uebersicht theilen wir das Kapitel, das von der

=Fabrikation= der =Backsteine= handelt, in drei Abschnitte, deren

=erster= das zur Herstellung der Steine geeignete Material betrachtet,

die übrigen Abschnitte handeln:

2) von der Bearbeitung des Thones,

3) von dem Streichen der Ziegel,

[Greek: a]) mit der Hand,

[Greek: b]) mit Hülfe von Maschinen,

4) von dem Brennen der getrockneten Steine.

[Sidenote: Terracotta.]

Unter =Terracottwaaren= versteht man in der weitern Bedeutung des

Wortes gebrannte, unglasirte Gegenstände von gelb- oder rothgebranntem

Thone, demnach auch die Ziegel- oder Backsteine; im engern Sinne

braucht man dagegen nur den Namen Terra cotta, um zu Bildwerken und

Bauornamenten (Thurmspitzen, Spitzbogenfenster, Portalverzierungen,

Kreuzblumen, Rosetten etc.) bestimmte gebrannte Thongegenstände zu

bezeichnen. Vor dem gehauenen Stein haben sie den Vorzug der

mechanischen Vervielfältigung des künstlerischen Entwurfes durch blosse

Handarbeit, und da sie hohl gefertigt werden, weit grössere

Leichtigkeit voraus.

[Sidenote: Das Ziegelmaterial.]

Nicht jeder Thon eignet sich zur Herstellung von Ziegeln, doch können

gewisse Sorten, die an sich nicht dazu taugen, durch zweckmässige

Zubereitung brauchbar gemacht werden. Obgleich man schon in den meisten

Fällen aus der äusseren Beschaffenheit einer Thonart auf deren grössere

oder geringere Anwendbarkeit zur Herstellung von Backsteinen einen

Schluss ziehen kann, so ist es doch nothwendig, dass man Ziegel daraus

formt und dieselben dann in einem bewährten Ziegelbrennofen brennt.

Hierbei ist nicht zu übersehen, dass die Probeziegel an verschiedene

Stellen des Ofens gebracht werden müssen, um das Verhalten derselben bei

den verschiedenen Temperaturen des Ofens genau kennen zu lernen, da die

Temperatur, bei welcher die Backsteine gebrannt werden müssen, von der

Zusammensetzung des Lehms abhängig ist. Wo man die Wahl zwischen mehreren

Thonarten hat, wird man natürlich stets jene wählen, welche dem Feuer am

besten widersteht, die als nothwendig erscheinende Wohlfeilheit des

Materials zwingt indessen die Fabrikanten von Backsteinen, häufig

dasjenige Material zu wählen, das am leichtesten und billigsten zu

beschaffen ist. Es lassen sich aus sehr verschieden zusammengesetzten

Thonen, namentlich was ihren Gehalt an kohlensaurem Kalk betrifft,

Backsteine von der erforderlichen Beschaffenheit herstellen,

vorausgesetzt, dass man beim Brennen die zweckmässigste Temperatur

anwendete. Ein Ziegelthon, welcher viel kohlensauren Kalk enthält, lässt

sich zwar bei einer weit niedrigern Temperatur, demnach mit geringerem

Brennstoffaufwand brennen; den so erhaltenen Steinen geht indessen die

erforderliche Festigkeit und Dauerhaftigkeit ab. Nicht selten kommen

ferner im Thon vor: Glimmer, Feldspath, Eisenoxydhydrat, Ferriphosphat,

nebst vegetabilischen Ueberresten. Wenn diese Stoffe nicht in zu grosser

Menge und gleichmässig vertheilt in dem Thon vorkommen, so sind sie nicht

nachtheilig. Glimmer und Feldspath, sowie Eisenoxyd wirken als

Flussmittel und sind daher bis zu einem gewissen Grade eher nützlich als

schädlich, weil sie das Zusammensintern der Masse beim Brennen befördern.

Kieselgerölle, gröbere Stücken von kohlensaurem Kalk und Gypskrystalle

sind der Anwendbarkeit eines Ziegelthones sehr hinderlich; die Gerölle

zersprengen den durch das Brennen hart gewordenen Backstein, da sie ihr

Volumen vergrössern, während der Thon sich zusammenzieht. Kalknieren und

Gypskrystalle wirken noch nachtheiliger, da diese beim Brennen ihr

Volumen verkleinern, daher später durch Anziehung von Kohlensäure und

Wasser an Volumen beträchtlich zunehmen und dadurch den Mauerstein

sprengen. Schwefelkies macht den Thon zur Fabrikation von Backsteinen

ungeeignet, da das Eisensulfuret, welches nach dem Brennen in den Steinen

enthalten ist, an der Luft in Eisenvitriol übergeht, der in kurzer Zeit

auswittert und dadurch den Stein mürbe macht.

In den Niederlanden, in der Themse oberhalb London, an den Mündungen

des Ganges und des Nils, verwendet man den Flussschlamm, der sich in

der Nähe der Mündungen in den Flüssen und namentlich an den Stellen, wo

Ebbe und Flut aufhören wirksam zu sein, absetzt und dort zur Bildung

der Delta Veranlassung giebt, als Material für die Fabrikation von

Backsteinen. Seit 1852 stellt man (auf Anregung von =Bernhardi= in

Eilenburg) aus Kalksandmasse -- einem Gemenge von gebranntem Kalk, Sand

und Wasser -- die sogenannten =Kalkziegelsteine= dar, die als

Baumaterial vielfache Anwendung finden.

[Sidenote: Vorbereitung des Thones.]

Das Ausgraben des Thones aus den Thongruben erfolgt im Sommer oder

Herbste, weil zu dieser Zeit der Thon meist weniger feucht und schwer

und deshalb mit geringeren Kosten zu fördern ist. Der ausgegrabene Thon

wird in einer nicht zu hohen Schicht ausgebreitet, und wenn es die

Umstände erlauben, längere Zeit hindurch im Freien liegen gelassen,

damit Feuchtigkeit und Wärme, namentlich auch Frost auf ihn einwirken.

Sehr vortheilhaft ist es, wenn er gehörig durchfriert und dann wieder

aufthaut, da dadurch der Thon sehr aufgelockert wird. Der den

atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt gewesene und wiederholt

durchgearbeitete Thon wird nun =eingesumpft=. Zu diesem Zwecke bringt

man denselben in Gruben von etwa 4 Meter Länge, 2 Meter Breite und 1,3

Meter Tiefe und übergiesst ihn mit so viel Wasser, dass dasselbe etwa 6

Centimeter darüber steht. Hier lässt man ihn mit Wasser sättigen und

rührt ihn wiederholt um, wobei man von Zeit zu Zeit Wasser hinzugiesst.

Sobald der Thon gehörig weich geworden ist, beginnt man mit dem

=Durchtreten= auf dem neben dem Sumpfe (fosse) befindlichen, gedielten

und mit Rändern eingefassten Tretplatz. Es wird zuerst eine 9-12

Centimeter hohe Schicht Thon auf den Tretplatz gebracht und diese von

den Arbeitern mit den Füssen durchtreten, wobei harte Körper, wie

Kieselgerölle und Kalknieren, aus dem Thon entfernt werden; von Zeit zu

Zeit wird die Masse umgeschaufelt und mit Wasser begossen. Auf die

erste Schicht kommt eine zweite, auf letztere eine dritte u. s. f., bis

endlich die Dicke der Schicht das Durchtreten unmöglich macht. Hier

geschieht auch bei zu fettem Thon das Vermengen mit Sand, eine Arbeit,

die, wenn es irgend möglich ist, umgangen werden muss, da sie das

Fabrikat vertheuert. Am vortheilhaftesten ist es, wenn man neben zu

fettem Thone einen mageren hat und diese beiden durch Durchtreten mit

einander vermengt. Einen zu mageren Thon kann man, wenn man keinen

fetten Thon zur Verfügung hat, durch Schlämmen von einem Theile seines

Sandes befreien und ihn dadurch geeignet zur Backsteinfabrikation

machen. Dieses Schlämmen geschieht auf zweierlei Weise. Nach der einen

Art rührt man den Thon in der Sumpfgrube mit Wasser zu einer Art

Schlempe an und lässt diese eine kurze Zeit in der Grube ruhig stehen,

damit ein Theil des Sandes sich absetze, darauf bringt man den oberen

thonigen Theil in eine andere Sumpfgrube und entfernt den sandigen

Bodensatz aus der ersten Grube. Nach einem andern Verfahren bringt man

den mageren Thon nach und nach in einen hölzernen Kasten, welcher an

der Vorderseite mit Zapfenlöchen in verschiedener Höhe versehen ist,

rührt den Thon durch Umrühren mit Wasser zu einem recht dünnen Brei an

und lässt ihn sodann, jenachdem der dem Lehm beigemengte Sand gröber

oder feiner ist, 2-5 Minuten ruhig stehen. Nach Verlauf dieser Zeit

öffnet man nach und nach die Zapfen und lässt das Thonwasser langsam in

die Grube laufen, in welcher nach der Verdunstung des Wassers ein von

Sand gereinigter, brauchbarer Thon zurückbleibt. In London und

überhaupt in England, wo die Backsteine fast das ausschliessliche

Baumaterial sind und die Häuser von aussen sehr selten einen Abputz

bekommen, reinigt man den Thon auf das sorgfältigste. Die den

Alluvialablagerungen entnommenen Massen, welche in dem Becken von

London über dem sogenannten London-clay liegen, werden durch einfache

Schlämmvorrichtungen von beigemengten Feuer- und Kieselsteinen,

Kalknieren u. s. w. befreit und nach Umständen mit Steinkohlencindern

(ein Gemenge von kleinen Koksstückchen und Asche) oder mit Sand

vermischt, angewendet.

Das Treten des Thones wird gegenwärtig häufig durch Knetmaschinen und

Schlämmvorrichtungen ersetzt. Eine der einfachsten und bewährtesten

Schlämmmaschinen ist die von =Henschel= in Cassel, bei welcher der Thon

in einen hölzernen bedeckten Trog, in dessen Axe sich eine mit

Rührarmen versehene Welle befindet, mit Wasser gegeben wird; durch die

Bewegung der Welle zerdrücken die Arme den Thon und zertheilen ihn in

dem Wasser zu einer Schlempe, welche man nun durch ein Sieb laufen

lässt. Zuweilen bedient man sich zum Vorbereiten des Thones auch eines

mit Steinen belasteten =Karrens=, dessen breite Räder von ungleichem

Durchmesser sind und welcher auf der Trettenne von zwei ausserhalb

derselben an einen Schwenkbaum gespannten Pferden herumgezogen wird.

Indem die Räder des Karrens den Thon durchschneiden, wird derselbe

gehörig durchknetet. Ein ganz verschiedenes Princip liegt der

=Thonpresse= zu Grunde, welche einen festgebauten Kasten mit

durchlöcherter oder gitterartiger Wand enthält; man füllt diesen mit

nassem Thon und treibt dann mit Hülfe eines hineingepressten Stempels

den Thon durch die engen, aber zahlreichen Wandöffnungen heraus, wobei

alle gröberen Unreinigkeiten im Innern zurückgehalten werden. Diese

Operation erfordert sehr grosse Kraft, zeigt sich aber höchst wirksam

und hat deshalb zur Construction mehrerer etwas verschiedener Maschinen

Veranlassung gegeben.

[Sidenote: Das Streichen der Ziegel.]

Das Streichen (oder Formen) der Ziegel (Backsteine) =mit der Hand= ist

eine sehr einfache Arbeit. Man wendet hierzu Formen von Holz oder von

Gusseisen an, welche aber wegen des Schwindens der Backsteine beim

Trocknen und Brennen grösser sein müssen als die herzustellenden Steine.

Fig. 156 zeigt die obere Ansicht (_B_) und den Durchschnitt (_A_) einer

gewöhnlichen Form.

[Illustration: Fig. 156.]

[Illustration: Fig. 157.]

[Illustration: Fig. 158.]

Bisweilen giebt man den Formen eine solche Breite (Fig. 157), dass man

darin zwei Steine auf einmal formen kann, obgleich diese Art Formen

weniger bei Mauersteinen als bei Fliessen Anwendung findet. Der

Arbeiter wirft einen Ballen Thon in die mit Sand bestreute Form, drückt

denselben in die Form recht dicht ein, damit die Ecken gehörig

ausgefüllt werden und streicht dann das, was über die Form hervorragt,

mit dem Streichholze (Fig. 158) weg. Die Form wird auf einem Brette

entleert und der geformte Stein auf dieses zum Trocknen hingelegt.

Nachdem er hier so weit ausgetrocknet ist, dass er ohne

Beeinträchtigung seiner Gestalt aufgehoben werden kann, wird er zum

völligen Austrocknen, auf der hohen Kante stehend, in Trockenscheuern

so lange einem nicht zu raschen Luftwechsel ausgesetzt, bis er völlig

lufttrocken erscheint. In Flandern, Brabant und Holland trocknet man im

Freien, indem man die Steine in Gestalt von durchbrochenen Mauern

aufstellt und dieselben mit Strohmatten bedeckt. Zweckmässig regulirtes

Trocknen der Backsteine ist für ihre Qualität von Wichtigkeit. Geht

nämlich das Trocknen zu schnell vor sich, so ist ein unregelmässiges

Schwinden und ein Verziehen oder Reissen unvermeidlich. Die Steine

müssen ferner während des Trocknens möglichst lose auf ihrer Unterlage

aufliegen, weil sonst diese Enden beim Zusammenziehen nicht nachfolgen

könnten und der Ziegel in der Mitte voneinanderreissen müsste. Von Zeit

zu Zeit vorgenommenes Verschieben der Steine oder untergestreuter Sand

verhindert das Anhaften derselben am besten. Die Leistung der Arbeiter

in einer bestimmten Zeit ist von ihrer Gewandtheit und ihrer

Körperkraft abhängig; als tägliches Leistungsquantum pro Kopf eines

Arbeiters eines sogenannten Tisches (aus 5-10 Personen bestehend)

können 1000 Stück Bauziegel als Maximum gerechnet werden.

[Sidenote: Ziegelstreichmaschinen].

Das Formen der Ziegel =mit Hülfe von Maschinen=[97] hat, wenn es von

Vortheil sein soll, mehr und billigere Arbeit zu leisten, als durch

Handarbeit geleistet werden kann. Nehmen wir an, dass ein Streicher,

unterstützt durch zwei Handlanger und ein Kind, im Durchschnitt täglich

5-6000 Backsteine zu liefern im Stande ist. Es wird sich nun schwerlich

eine Streichmaschine construiren lassen, lieferte sie auch in der

nämlichen Zeit fünfmal mehr Ziegel, welche nicht wenigstens ebenso viel

kostete, als zwanzig Arbeiter, die zur Fabrikation von 30,000 Ziegeln

erforderlich gewesen wären. Eine Maschinenziegelei erfordert ein grosses

Anlagekapital, die Deckung der Zinsen, die Unterhaltung der Maschine, die

Nothwendigkeit, dieselbe ununterbrochen zu beschäftigen, die zu ihrer

Leitung und Beaufsichtigung erforderlichen Leute, endlich die Beschaffung

der bewegenden Kraft setzt einen enormen und unaufhörlichen Absatz

voraus. Ein derartiger Absatz ist aber nur in einem Seehafen oder in

nächster Nähe eines schiffbaren Flusses oder in nächster Nähe grosser

oder in raschem Aufschwunge begriffener Städte ausführbar, weil die

Ziegel durch weiten Landtransport zu kostspielig werden. Es bedarf daher,

Alles in Allem betrachtet, eines seltenen Zusammentreffens von Umständen,

um eine Maschinenziegelei rentabel zu machen und sie in den Stand zu

setzen, mit der Handarbeit concurriren zu können. Man begegnet daher

Maschinenziegeleien nur in solchen Ländern, wo der Tagelohn am theuersten

ist und die Nähe grosser Städte und eines Seehafens auf einen grossen und

fortwährenden Absatz zu rechnen gestattet.

[97] Ueber Maschinenziegelei siehe eine Abhandlung =Emil Teirich='s in

Wien, Jahresbericht der chem. Technologie 1868 p. 407.

Alle in den letzten Jahrzehnden construirten Streichmaschinen lassen

sich auf folgende =vier= Arten von Maschinen zurückführen:

1) auf Maschinen, welche das Streichen der Ziegel mit der Hand

nachahmen;

2) auf Maschinen, die das Formen durch eine ununterbrochene

Kreisbewegung ausführen;

3) auf Maschinen, welche mit einer Form zum Ausstechen der Backsteine

aus einem Thonkuchen versehen sind;

4) auf Maschinen, welche ein fortlaufendes Band aus Thon von einer

Breite, die der Länge der Ziegelsteine entspricht, bilden und dieses

Band mit Hülfe eines Messers oder eines Fadens in einzelne Steine

zerschneiden.

[Illustration: Fig. 159.]

I. Die Maschinen der =ersten Art=, welche das Streichen mit der Hand

nachahmen, bestehen aus einem gusseisernen Formrahmen, der durch eine

Combination verschiedener Maschinentheile in eine hin- und hergehende

Bewegung versetzt wird. In dem ersten Theile der Bewegung gelangt die

Form unter den mit Thon gefüllten Trichter und wird daselbst gefüllt;

die Form geht dann in eine zweite Stellung, wo durch einen Hebel der

Inhalt zusammengepresst wird; in der dritten Stellung gleitet sie über

den Boden, welcher beim Pressen zum Widerstand diente und tritt unter

einen Pressstempel, welcher den fertig geformten Backstein aus der Form

treibt. Hierauf beginnt das Spiel von Neuem. Als Beispiel einer

derartigen Maschine beschreiben wir die von =Carville= (von Issy bei

Paris). Das Ziegelmaterial gelangt aus der Knettonne _A_ (Fig. 159)

unter die Presswalze _B_, welche fortwährend durch einen aus dem

Reservoir _C_ kommenden Wasserstrahl feucht erhalten wird, damit der

Thon nicht an der Walze adhärire; ein Trichter mit Sand _D_ bestreut

die Backsteine mit Sand, ehe sie unter den Pressapparat kommen, welcher

durch den Hebel _F_ und das Gegengewicht _G_ wirkt. Die Formen gehen

dann auf einer endlosen Kette _I_ weiter; diese aus Blechstreifen

bestehende Kette bildet den Boden der durch die Wellen _J J_ constant

bis zu dem Pressstempel bewegten Formen, wo die Ziegel aus den Formen

auf Bretter gelangen, auf welchen sie in den Trockenraum weiter geführt

werden. Durch das in _N_ befindliche Wasser werden die Formen gewaschen

und mit Hülfe des Trichters _K_ mit Sand bestreut, ehe sie unter der

Presswalze mit Thon gefüllt werden. Fig. 160 giebt die Details der

Kette, welche die Formen bildet, und der Vorrichtungen, welche den

Pressstempel in Bewegung setzen, sobald es Zeit ist, die Backsteine aus

der Form zu entfernen.

[Illustration: Fig. 160.]

II. Die Maschinen der =zweiten Art=, bei welchen das Formen der

Backsteine durch eine ununterbrochene Kreisbewegung geschieht, sind den

vorstehenden ähnlich; es findet jedoch bei ihnen der Unterschied statt,

dass statt einer Form mehrere vorhanden sind, die sich entweder auf

einer horizontalen, um eine verticale Axe sich drehenden Scheibe oder

auf der Peripherie eines Cylinders befinden, welcher sich um eine

horizontal liegende Axe dreht. Bei einigen Maschinen der Art beginnt

eine schwere gusseiserne Walze das Pressen, welches durch das Gleiten

der Formen zwischen zwei nicht ganz parallelen Blechwalzen fortgesetzt

wird. Bei den Scheibemaschinen wird das Auspressen der geformten Steine

aus der Form entweder durch Hebel oder durch eine schiefe Ebene

bewirkt; bei den Cylindermaschinen ist in den Formen ein beweglicher

Boden, welcher mehr und mehr durch die Form hindurch bewegt wird, wenn

dieselbe dem tiefsten Stande sich nähert.

III. Die Maschinen der =dritten Art= unterscheiden sich von den

vorhergehenden dadurch, dass das Ziegelmaterial zuerst in einen

platten Thonkuchen von der Dicke der herzustellenden Ziegelsteine

verwandelt wird, auf welchen die Form wie eine gewöhnliche

Ausstechmaschine niederfällt, um den Backstein auszuschneiden. Dieses

System findet besonders Anwendung, wenn es sich darum handelt,

Verzierungen an den Ziegelsteinen anzubringen.

IV. Die Maschinen der =vierten Art= endlich, bei welchen ein langes

Band aus Thon, so dick und breit als der Länge der Ziegel entspricht,

erzeugt wird, welches durch Querschnitte in einzelne Theile zertheilt

wird, zerfallen in zwei Unterarten, je nachdem das Thonband entweder

mittelst Herauspressen des Thones durch eine länglich viereckige

Oeffnung, oder mittelst Walzen, das Abschneiden aber entweder sofort,

wenn ein Stück von der einfachen Ziegellänge oder Ziegelbreite

herausgetreten ist, oder erst nachher durch viele auf einmal vollzogene

Schnitte stattfindet. Das Zerschneiden geschieht entweder mit einem

Messer oder mit einem Messingdraht. Auf das nämliche Princip gründen

sich die Thonröhrenpressmaschinen, die gegenwärtig zur Fabrikation der

Drainröhren dienen.

[Illustration: Fig. 161.]

[Illustration: Fig. 162.]

Die Maschine von =Terrasson-Fougères= lässt sich zum Theil auf das

vierte System zurückführen, obgleich das Streichen erfolgt, ohne dass

ein Maschinentheil vorhanden wäre, welcher mit dem Namen Form belegt

werden könnte. Auf einer endlosen Kette wird mit Hülfe einer Presswalze

_A_ (Fig. 161) ein Thonband gebildet, welches beim Hervortreten unter

dem Presscylinder durch gespannte verticale Drähte die nöthige Breite

erhält und sodann auf den Rollen _D_ weiter geführt wird und zwar bis

zu einer Vorrichtung (Fig. 162), welche vom Erfinder das Fallwerk

genannt wird. Das Fallwerk selbst ist eine Art Holzrahmen und mit eilf

durch Gewichte _F_ in Spannung erhaltenen Eisen- oder Kupferdrähten

versehen, welche beim Niedergang des Fallwerkes als Messer wirken.

Jeder dieser Drähte muss mit Genauigkeit justiert werden, alle müssen

in einer Ebene und vollkommen gleich weit von einander liegen und zwar

so weit, als es die Breite der Ziegel verlangt. Sind die Ziegel auf die

ganze Höhe der Masse durchschnitten, so wird das Fallwerk wieder

gehoben: auf diese Art gehen die beiden Operationen des Formens und

Schneidens ununterbrochen vor sich. Die Bretter, auf denen die

geformten Steine liegen, laufen auf der Leitung weiter fort bis an den

Ort, wo die Ziegel getrocknet werden sollen. Der Apparat _G_ ruht auf

sechs Rädern, wodurch der leichte Transport der Maschine nach allen

Theilen der Ziegelei ermöglicht ist.

[Sidenote: Backsteine aus trocknem Thon.]

=Pressziegel= sind durch Pressen mittelst eines fast =trockenen Thones=

hergestellt, dessen natürliche Feuchtigkeit mehr als hinreichend ist,

um durch den starken Druck, welchem der Thon unterworfen wird, den

erforderlichen Zusammenhang zu erzielen. Es werden dadurch weit

dichtere Steine erzeugt, die man, weil sie mehr Festigkeit besitzen,

weit dünner streichen kann als die gewöhnlichen Ziegelsteine. Eine der

vollkommensten Maschinen zur Fabrikation von Pressziegeln ist die von

=Nasmyth= und =Minton=, bei welcher das Wesentliche in einer besonderen

Construction des Excentricums besteht, welches die comprimirenden

Formen in Thätigkeit setzt. Bei jeder Rotation desselben soll der

gepulverte Thon comprimirt werden, dann soll die Compression

nachlassen, damit die zwischen den Thontheilchen eingeschlossene Luft

entweichen kann, worauf die letzte Verdichtung erfolgt. Bei der

Fabrikation von Pressziegeln aus gepulvertem Thon zeigt es sich

nämlich, dass, wenn der erforderliche Grad der Verdichtung mit einem

Druck erreicht werden soll, ein Theil der zwischen den Thontheilchen

eingeschlossenen Luft beim Nachlassen der comprimirenden Kraft sich

wieder auszudehnen strebt und daher den Ziegel lamellenartig spaltet.

Mit Hülfe einer neuerdings von =Julienne= construirten Maschine zum

Herstellen von Ziegeln aus trockenem Thon sollen ein Mann und ein Kind

täglich im Stande sein, in einer zehnstündigen Schicht 4000 Stück

Ziegel zu streichen.

[Sidenote: Das Brennen der Ziegel.]

=Das Brennen= der an der Luft vollständig getrockneten Backsteine oder

Ziegel geht entweder in besonders dazu construirten Oefen (=Brennöfen=)

oder in =Feldöfen= oder =Meilern= (Feldbrennerei) vor sich. Die Brennöfen

sind entweder a) =offene= Oefen (Schachtöfen) oder b) =gewölbte= oder

=geschlossene= Oefen oder endlich c) Oefen mit ununterbrochenem Brande

(=continuirliche Oefen=). Sie sind theils auf Holz-, theils auf Torf-,

Braunkohlen- und Steinkohlenheizung eingerichtet.

[Illustration: Fig. 163.]

[Illustration: Fig. 164.]

Von den vielfachen Constructionen von Ziegelbrennöfen seien einige der

besseren als Beispiele angeführt. Fig. 163 stellt einen Etagenofen vor,

welcher auf Holzfeuerung eingerichtet ist; die drei über einander

liegenden Räume _A_, _B_ und _C_ werden nach einander geheizt, die

Feuerung _D_ (mit der Heizthüre _F_) giebt eine lange Flamme, welche

durch eine durchbrochene Mauer vertheilt wird und dann in den Brennraum

_A_ und von da durch Oeffnungen in die Feuerung _H_ tritt, welche durch

die Heizthüre _G_ unterhalten wird; die Verbrennungsprodukte werden

wieder durch die durchbrochene Mauer _J_ zertheilt und gelangen in die

oberste Etage _C_. Das Brennen selbst wird durch die Höhe des

Schornsteins _N_ regulirt, welcher sich mit der Höhe der in Brand

gesetzten Etage vermindert. Fig. 164 zeigt einen Längendurchschnitt des

Ofens nach der schmalen Seite und von der Feuerung _H_ aus gesehen.

Fig. 165 einen Horizontaldurchschnitt in der Höhe der Sohle der

mittleren Etage. Diese Ofenconstruction gewährt eine beträchtliche

Brennmaterialersparniss, da man das zum Brennen der in den Abtheilungen

_B_ und _C_ befindlichen Backsteine erforderliche Vorfeuer vermeiden

kann.

Ein zweckmässig eingerichteter, offener, mit Holz betriebener

Ziegelofen ist Fig. 166 im Durchschnitt durch die schmale Seite nach

der Richtung der Feuerungen dargestellt, eine Zeichnung, welche durch

den Horizontaldurchschnitt Fig. 167 vervollständigt wird. Es sind drei

Feuerungen vorhanden, von welchen _P_ die mittlere ist. Die Feuerung

hat keinen Rost und ist mit einer Reihe von Gurtbögen _o o o_

überwölbt, die eine durchbrochene Decke bilden, die Flamme zertheilen

und dieselbe in den Brennraum _B B_ führen, welcher oben offen ist. Die

zu brennenden Steine werden auf die Bögen _o o o_ auf die hohe Kante

gestellt und zwar der Art, dass die Steine der verschiedenen Schichten

einander kreuzen und hinlänglich von einander entfernt sind, um die

Flamme ungehindert durchgehen zu lassen. Um nicht zu viel Wärme zu

verlieren, schichtet man die Steine weit über den Ofen hinaus. Obgleich

ein nicht unbedeutender Wärmeverlust mit der Anwendung dieses Ofens

verknüpft ist, so wendet man ihn doch wegen des bequemen Einsetzens und

Ausziehens häufig an.

[Illustration: Fig. 165.]

[Illustration: Fig. 166.]

[Illustration: Fig. 167.]

[Illustration: Fig. 168.]

[Illustration: Fig. 169.]

Das Brennen der Backsteine mit Holz ist natürlich viel theurer als mit

Steinkohle. So bäckt man nach den Angaben von =Carville= in dem Fig.

168 und 169 dargestellten Ofen 80,000 Ziegel mit 160 Hektoliter

Steinkohle. Da 1 Hektoliter Steinkohle 80 Kilogr. wiegt und 100 Kilogr.

3 Frcs. 12 Cents. kosten, so kommt das Brennen von 80,000 Ziegeln noch

nicht ganz auf 400 Frcs. zu stehen.

[Illustration: Fig. 170.]

[Illustration: Fig. 171.]

[Illustration: Fig. 172.]

Wendet man zum Brennen der Steinkohlen geschlossene und mit Rost

versehene Oefen an, so giebt man dem Ofen die in Zeichnung Fig. 170

dargestellte Form. Die Capacität des Ofens _A_ wird durch dicke Mauern

_B_ bestimmt, die zu brennenden Steine werden auf der Sohle _C_ des

Ofens in Gewölben aufgeschichtet, unter welchen die

Verbrennungsprodukte frei circuliren können. _D D_ (Fig. 172) sind zwei

Röste. Fig. 171 zeigt die Anordnung der Steine in dem Ofen.

[Illustration: Fig. 173.]

[Illustration: Fig. 174.]

Man hat den Versuch gemacht, mit dem _Backen der Ziegelsteine das

Kalkbrennen_ zu verbinden. Fig. 173 und 174 stellen derartige

Ziegel-Kalköfen dar. Die Sohle des Brennraumes _A_ besteht aus

bogenförmigen Gewölben aus Kalkstein, den man zugleich mit den

Backsteinen brennt. Der Zug wird durch den Schornstein _B_ vermittelt

und durch die Zuglöcher regulirt. Die sechs Feuerungen sind durch eine

starke Mauer _D_ von einander getrennt. Das Brennmaterial kommt auf den

Rost _E_, unter dem sich der Aschenfall _F_ findet. Die auf einer

Ofenseite befindlichen Feuerungen sind durch die Mauern _G_ von

einander getrennt.

[Sidenote: Continuirliche Brennöfen.]

Von den in Vorschlag gebrachten =continuirlichen Brennöfen= hat sich der

ringförmige Ziegelofen von =Hoffmann= und =Licht= in jeder Hinsicht

bewährt. Diese Oefen bestehen aus einem im Grundriss ringförmigen, im

Querschnitt beliebig geformten Ofenkanal, der zwar an verschiedenen

Punkten von aussen zugänglich und beschickbar und an eben so vielen

Punkten gegen einen im Centrum stehenden Schornstein verschliessbar, im

Uebrigen aber frei ist.

Denkt man sich den Querschnitt des Ofenkanals mittelst eines Schiebers,

der durch Falze eingesetzt wird, an irgend einer Stelle geschlossen,

die zunächst davor gelegene Eingangsthür und den zunächst dahinter

liegenden Rauchkanal geöffnet, alle übrigen Eingänge und Rauchkanäle

aber geschlossen, und im Schornstein eine aufsteigende Luftsäule, so

wird ein Luftzug entstehen, der aus der Atmosphäre durch die geöffnete

Thür in den Ofen tritt und diesen seiner ganzen Länge nach bis auf die

andere Seite des Schiebers durchstreicht, um durch den dort geöffneten

Rauchkanal (und den Rauchsammelkanal) in den Schornstein zu treten.

Denkt man sich ferner den Ofenkanal mit den zu brennenden Kalksteinen

gefüllt, und zwar der Art, dass der Luftzug in der ersten Hälfte des

Kanals bereits fertig gebrannte, in der Abkühlung begriffene Steine

durchstreicht, demnächst des Feuer speist (welches durch Einstreuen des

Brennmaterials in die glühenden Steinmassen von oben unterhalten wird)

und auf der letzten Hälfte des Ofenkanals durch noch nicht gebrannte

Steine zieht, um dann durch den offenen Rauchkanal in den Schornstein

zu entweichen, so ist es klar:

a) Dass die in die offene Thür eindringende Luft auf dem ersten Theil

ihres Laufes im Ofen, indem sie die fertig gebrannten Steine

abkühlt, sich in hohem Grade erhitzt, folglich

b) im Stande ist, den Effect des Feuers in eben dem und (wegen der dann

erfolgenden vollständigeren Verbrennung der Gase) in noch höherem

Grade zu vermehren, während

c) die durch das Feuer unverbrannt streichende Luft, sowie die

gasförmigen Verbrennungsprodukte, auf ihrem übrigen Wege durch den

Ofen bis zum Schornstein (resp. Rauchsammelkanal) eine Menge Wärme

an die noch ungebrannten Steine absetzen und dieselben bis zu einer

solchen Temperatur vorwärmen und erhitzen, dass nur eine kurze

Brennzeit und eine verhältnissmässig geringe Menge Brennmaterial

erforderlich ist, um sie vollständig gar zu brennen.

Da nun die der offenen Thür zunächst stehenden Steine am meisten

abgekühlt, also zum Herausziehen tauglich sein werden, so kann man sie

durch frische ungebrannte ersetzen; der Abschluss des Ofens mittelst

das Schiebers kann vor der nächsten Thür hinter den frisch eingesetzten

Steinen erfolgen, diese Thür kann geöffnet, die vorhergehende

geschlossen werden, und ebenso der nächste Rauchkanal geöffnet, der

geöffnet gewesene geschlossen und das Feuer vorwärts geschoben werden.

Durch stetige Wiederholung dieses Vorgangs macht das Feuer

wiederkehrend die Runde im Ofen, wie auch gleichzeitig das Ausziehen

und Einsetzen der Steine ringsum ohne Unterbrechung stattfindet; um

diese letzten beiden Manipulationen gleichzeitig vornehmen zu können,

stehen die =zwei= ersten Thüren, die eine für das Ausziehen, die andere

für des Einsetzen, zu gleicher Zeit offen.

[Sidenote: Feldziegeleien.]

Im Gegensatze zu den ständigen Ziegelhütten unterscheidet man die

=Feldziegeleien=, die besonders in Gegenden am Platze sind, wo in Folge

der Entfernung von Ziegeleien die Herbeischaffung von Ziegeln grossen

Kostenaufwand verursachen würde, vorausgesetzt, dass in geringer

Entfernung von dem Ort, wo die Bauten ausgeführt werden sollen, sich ein

passender Ziegelthon findet. Die durch den Feldbrand hergestellten Ziegel

heissen =Feldziegel= oder =Feldsteine=. Das Verfahren beim Feldbrennen

ist verschieden, je nachdem man mit Torf, Holz oder Steinkohle feuert.

Benutzt man Torf oder Holz als Brennmaterial, so formt man aus den zu

backenden Steinen in derselben Weise, wie sie in einen Ofen eingesetzt

werden würden, einen Haufen oder Meiler, bringt auch mehrere Feuerkanäle

darin an und bekleidet den bis zu 50,000 Steine fassenden Meiler mit

einer dünnen Lage Lehm und noch von der Windseite mit beweglichen

Strohhorden. Das Einschüren geschieht hier in den Heizkanälen, die

Feuergase gehen durch die Ziegelmasse hindurch und finden endlich in der

Decke ihren Ausweg. Es ist bei diesem Verfahren unvermeidlich, dass die

Temperatur in den inneren Theilen des Meilers weit höher steigt, als in

den der Lehmschicht zunächst liegenden Theilen. Soll dagegen Steinkohle

als Brennmaterial dienen, so legt man die Heizkanäle enger als bei

Torffeuerung an, da sie nur zur Entzündung der Steinkohlen dienen sollen,

und füllt sie mit Steinkohle. Auf jede Schicht der eingesetzten

Backsteine kommt eine Lage zerkleinerte Steinkohle, darauf die nächste

Steinschicht, dann wieder Steinkohlen u. s. f.; der Meiler wird auch hier

mit einer Schicht Lehm bedeckt, in welcher man einige Luftlöcher

anbringt, um das Brennen reguliren zu können. Die in den Feuerkanälen

befindlichen Steinkohlen werden angezündet, von wo aus das Feuer sich

nach und nach über den ganzen Meiler erstreckt. Die sich entwickelnde

Hitze ist hinreichend, um die Backsteine in allen Theilen des Ofens gar

zu brennen. Während des Verbrennens der Steinkohlenlagen sinkt der Meiler

zusammen, was jedoch bei der geringen Dicke dieser Lagen von keinem

Nachtheil ist.

[Sidenote: Die holländischen Klinker.]

Die holländischen Klinker oder Klinkerte sind sehr scharf, bis zur

halben Verglasung gebrannte Backsteine, die sich von den gewöhnlichen

durch glasigen Bruch, grünliche oder dunkelbraune Farbe und die

Eigenschaft, kein Wasser zu absorbiren, unterscheiden.

[Sidenote: Dachziegel und Fliessen.]

Zur Fabrikation der =Dachziegel= bedarf man eines besseren und

sorgfältiger zubereiteten Thones als zur Herstellung der Mauerziegel.

Während man bei den letzteren das Material durch blosses Treten

vorbereitet, wendet man bei den Dachziegeln gewöhnlich die Thonmühle

an. In Bezug auf das Streichen der Masse ist kaum etwas zu erwähnen. In

der Regel brennt man sie gleichzeitig mit den Mauersteinen, wobei

erstere den obern Theil des Ofens einnehmen müssen, da sie ihrer

geringeren Dicke wegen zum Backen keiner so hohen Temperatur bedürfen

als die Backsteine. Will man den Ziegeln eine ins Graue gehende Farbe

ertheilen, so feuert man, wenn der Brennofen in der grössten Glut steht

und man glaubt, dass er in einigen Stunden ausgenommen werden muss,

Erlenzweige mit ihrem Laub, so grün und feucht, wie sie vom Baume

kommen, ein, und hört mit dem Torffeuer auf; zugleich werden die

Schürlöcher geschlossen. Der entstehende Rauch bildet in der porösen

Ziegelmasse einen Absatz von Kohle, was die Ursache der Graufärbung

ist; vielleicht wird auch das in der Masse enthaltene Eisenoxyd zu

schwarzem Oxyd-Oxydul reducirt. Die Fabrikation der =Fliessen=

(Pflasterziegel oder Plattziegel) stimmt im Wesentlichen mit der der

Dachziegel überein; man giebt ihnen durch Dämpfen mit grünem Erlenholz

häufig einen angenehmen grauen Thon; die Fliessen sind von viereckiger

oder sechseckiger Gestalt und zum Auspflastern der Fussböden in Küchen,

Vorplätzen, Kellern u. s. w. bestimmt. Von den Dachziegeln sind

folgende Sorten gebräuchlich: a) die =Biberschwänze=, platte, auf der

einen schmalen platten Seite mit einer Nase versehene Dachziegel, die

mit Hülfe der Nasen nebeneinander auf die Latten aufgehängt werden und

auf diese Weise die platte Fläche des Daches bilden. Man theilt sie in

ganze oder halbe, je nachdem sie volle gewöhnliche Breite oder die

Hälfte derselben haben; b) die =Blendsteine= unterscheiden sich von den

Biberschwänzen dadurch, dass sie keine Nase haben, mittelst welcher sie

aufgetragen werden können, sondern mit Löchern zum Aufnageln versehen

sind; c) die =Kaff=- oder =Kappziegel=, welche die Stelle der

sogenannten Kappfenster vertreten und Licht und Luft auf den Boden des

Hauses leiten sollen, sind von den Biberschwänzen dadurch

unterschieden, dass sie bei gleicher Länge dreimal so breit sind und in

der Mitte eine Ausbauchung mit einer Oeffnung besitzen; d) die

gegenwärtig nicht mehr gangbaren =Passziegel= (Pfannenziegel oder

Schlussziegel) besitzen die Gestalt eines liegenden [S liegend]; der

abwärts gehende Theil eines solchen Ziegels greift immer in den

aufwärts gehenden des folgenden. Ein mit solchen Ziegeln bedecktes Dach

schliesst zwar vollständig, beschwert aber auch das Gebäude zu sehr; e)

die =Hohlziegel=, von der Gestalt eines halben hohlen abgekürzten

Kegels oder eines halben hohlen Cylinders, werden in =Forstziegel= und

in =Kehlziegel= unterschieden. Sonst wurden erstere zur Bedeckung

ganzer Dächer gebraucht, gegenwärtig benutzt man sie nur noch zum

Eindecken der Forsten oder Firste.

[Sidenote: Hohlziegel.]

Die Anwendung von =hohlen Backsteinen= (Hohlziegeln) stammt aus den

ältesten Zeiten. Die sogenannten Topfgewölbe sind in der That weiter

nichts als Mauerwerk aus hohlen Steinen, um das Gewicht des

auszuführenden Mauerkörpers geringer zu machen und dadurch den Druck auf

die Theile des Bauwerkes, welche ihn zu tragen haben, zu vermindern. Die

Töpfe sind 21-24 Centimeter hoch, 9-12 Centimeter im Durchmesser, in der

Mitte hohl und hartgebrannt. Durch die Einführung der Drainpressen hat

man nun Gelegenheit, die Topfform zu verlassen und Ziegelsteine zu

fabriciren, welche mit den Vortheilen des gewöhnlichen Formates die

Vorzüge der Töpfe vereinigen. Es werden auf Drainpressen durch geeignete

Formen Steine hergestellt, welche die viereckige Gestalt und Grösse

unserer gewöhnlichen Mauersteine haben und ihrer Länge nach von

Oeffnungen durchlaufen werden. Für einzelne Anwendungen fabricirt man

Steine, bei denen die Oeffnungen die Steine nicht nach der Länge, sondern

nach der Quere durchlaufen.

Derartige Hohlziegel zeigen, mit gewöhnlichen Backsteinen verglichen,

manche Vortheile, deren hauptsächlichste folgende sind: 1) man braucht

zu ihrer Fabrikation nur etwa 60-70 Proc. des Materials; 2) sie lassen

sich viel rascher fabriciren, da sie mit Hülfe der Presse dargestellt

werden; 3) sie trocknen schneller und gleichförmiger, weil das

Austrocknen auch von innen geschieht; 4) sie erfordern zum Backen eine

weit niedrigere Temperatur, sodass man 20-30 Proc. Brennmaterial

erspart; 5) der Transport der Steine wird natürlich ein billigerer; die

Mauern trocknen leichter und schneller aus. Fig. 175 zeigt eine sehr

gebräuchliche Art von Hohlziegeln, Fig. 176 eine andere Modification

derselben.

[Illustration: Fig. 175.]

[Illustration: Fig. 176.]

[Sidenote: Leichte oder schwimmende Ziegelsteine.]

Die sogenannten =leichten Ziegelsteine= (poröse Backsteine,

Schwammsteine), welche auf dem Wasser schwimmen, waren schon den Alten

bekannt. =Posidonius= und nach ihm =Strabo= sprechen von einer in

Spanien vorkommenden thonartigen Erde, die man als Polirmittel des

Silbers brauche und aus welcher man dort Bausteine forme, die auf dem

Wasser schwimmen. Aehnliches geschehe auf einer Insel des Tyrrhenischen

Meeres und auf mehreren Punkten in Asien. =Vitruvius Pollio= hat sich

über diese Steine als ein wegen seiner Leichtigkeit zum Bauen ganz

besonders sich eignendes Material geäussert und auch =Plinius= hat

Steine aus dieser bimssteinähnlichen, aber plastischen Masse als einen

Gegenstand von grosser Wichtigkeit erwähnt. Diese Thatsachen blieben

Jahrtausende lang fast ganz unbeachtet, weil das Material sich nur

spärlich und vereinzelt fand, bis im Jahre 1791 der Italiener =Giovane

Fabroni= aus einer als Bergmehl bezeichneten Kieselerde, die sich bei

Santafiora in Toscana findet, schwimmende Ziegelsteine herzustellen

lehrte, welche sich gut mit Mörtel verbanden und der Erweichung durch

Wasser vollständig widerstanden; diese Steine leiteten die Wärme so

gering, dass man ein Ende derselben in der Hand halten konnte, während

das andere rothglühend war. =Fabroni= machte auf einem alten Fahrzeuge

das Experiment, eine viereckige Kammer aus solchen Steinen zu wölben

und mit Schiesspulver auszufüllen. Das mit Holz bedeckte Schiff brannte

vollständig ab, und als der Boden der Pulverkammer weggebrannt war,

versank es ohne Entzündung des Pulvers. Zu derselben Zeit entdeckte

auch =Faujes= bei Coiron in Frankreich eine Art Bergmehl, die in ihren

Eigenschaften mit dem aus Toscana völlig übereinstimmte, aber erst im

Jahre 1832 durch die Bemühungen des Grafen =de Nantes= und des

Bergwerkdirectors =Fournet= in Lyon Anwendung fand. Letzterer hob die

Wichtigkeit dieser Steine für die Marine hervor. Die Pulverkammer, die

Küche, die Herde der Dampfmaschinen, die Orte, wo Spirituosen

aufbewahrt werden, lassen sich dadurch sicher machen. Ebenso wichtig

sind diese Steine für die Gewölbe der Schmelzöfen und überhaupt für

alle Oefen, in welchen bedeutende Hitze erzeugt wird, da diese Steine

nicht schmelzen und sich nur wenig zusammenziehen. Früher hielt man das

zur Fabrikation der schwimmenden Ziegelsteine geeignete Bergmehl

allgemein für eine unorganische Substanz und sein Auffinden für einen

zufälligen Umstand, weshalb denn seine technische Benutzung sich wenig

verbreiten konnte. =Kützing= hat jedoch nachgewiesen, dass diese

Erdarten ihre Eigenthümlichkeiten dem Umstande verdanken, dass sie

Zusammenhäufungen von Kieselpanzern von Infusorien sind und sich auch

in Deutschland ziemlich häufig finden. Während ein gewöhnlicher

Ziegelstein 2,70 Kilogr. wiegt, ist des Gewicht eines aus Berliner

Infusorienthon dargestellten gleichgrossen Steines nur 0,45 Kilogr. Mit

Wachs überzogene Stücke schwimmen wie Kork auf dem Wasser. Das stärkste

Porcellanofenfeuer schmelzt sie nicht und verkürzt sie wenig. Durch

Zusatz von etwas Thon oder Lehm wird die Festigkeit den gewöhnlichen

Mauersteinen gleich. -- Man macht die porösen Backsteine gegenwärtig

auch häufig aus gewöhnlichem Ziegelthon unter Zusatz von Kohlenpulver,

Sägespänen, Lohe, Torf, Moorerde u. s. w. Derartige Steine, =Lohsteine=

oder =Schwammsteine=, wurden übrigens schon im 14. oder 15. Jahrhundert

dargestellt, so trifft man z. B. in Nürnberg in alten Gebäuden die

Schornsteine mit solchen leichten Ziegelsteinen aufgeführt, bei denen

der Thon mit Lohe oder Spreu versetzt war. Seit einigen Jahren stellt

man zu Kolbermoor (in Südbayern) unter dem Namen =Tuffziegel= leichte

Backsteine aus einem Gemenge von Torf und sandhaltigem Lehm dar.

[Sidenote: Feuerfeste Steine.]

Die =feuerfesten Steine= oder =Charmottesteine= werden anstatt der

gewöhnlichen Backsteine zur Construction aller solchen Feueranlagen

angewendet, wo diese schmelzen würden. Man stellt dieselben aus einem

feuerbeständigen, an Kiesel- und Thonerde reichen, aber an Kalk,

Eisenoxydul und Alkalien armen Thonerde her. Um dessen Strengflüssigkeit

zu steigern und das Schwinden und Rissigwerden beim Brennen zu

verhindern, mischt man den Thon mit schon gebranntem Thon (Charmotte),

Sand, Kohle, Koks u. s. w. Bei der Fabrikation feuerfester Steine ist zu

berücksichtigen, dass es hauptsächlich zweierlei Dinge sind, welche auf

Erweichung und Schmelzung eines dem Feuer ausgesetzten feuerfesten

Steines hinwirken: ein hoher Hitzgrad an sich, dann ein gleichzeitiger

Angriff von Agentien, die wie Flugasche, alkalische Dämpfe, schmelzende

Alkalien und Metalloxyde (besonders Eisenoxydul) als Flussmittel wirken.

Daraus folgen für die Darstellung zweierlei Gesichtspunkte, im letztern

Falle dürfen nur feuerfeste Thone Bestandtheile sein, im ersten Falle

sind kieselige Zusätze zulässig. Ausserdem müssen die feuerfesten Steine

starken Abwechselungen der Temperatur widerstehen und hinreichend fest

sein, um einen starken Druck auszuhalten.

Man fertigt aus der Masse für feuerfeste Steine nicht nur Steine,

sondern auch Futter für Oefen in Kreissegmenten, Platten, Kapseln für

Porcellan und Steingut, Muffeln für das Einbrennen von Porcellanfarben,

Beschläge in Fabriköfen, Röhren zum Ausfüttern von Schornsteinen (als

Schutz gegen Feuersgefahr), Gasretorten, Kaminsimse, Badewannen,

Blumengefässe, Abtrittsröhren, Waterclosets, Viehtröge, hohle Platten

zur Herstellung von Isolirschichten gegen aufsteigende Feuchtigkeit bei

Bauten u. s. w. Einige Analysen von feuerfesten Steinen ergaben:

1. 2. 3. 4. 5.

Kieselerde 63,09 88,1 88,43 69,3 77,6

Thonerde 29,09 4,5 6,90 29,5 19,0

Kalk 0,42 1,2 3,40 -- --

Magnesia 0,66 -- -- -- 2,8

Eisenoxyd 2,88 6,1 1,50 2,0 0,3

Kali 1,92 -- -- -- --

Natron 0,31 -- -- -- --

Titansäure 2,21 -- -- -- --

---------------------------------------

100,00 100,0 100,00 100,0 100,0

1. Thon von Dowlais, 2. Steine aus den Kupferschmelzöfen in Wales, 3.

in Pembroke, 4. zu Hochöfen, 5. zu Flammenöfen. Die =Dinasteine=

(_Dina-Bricks_), die man aus England (das Material ist von dem

Dinafelsen im Vale of Neath in Glamorganshire) bezieht, aber auch in

Deutschland von vortrefflicher Qualität herstellt, bestehen aus fast

reinem Quarzsand und 1 Proc. Kalk, gehören mithin nicht in die

Kategorie der feuerfesten Thonwaaren.

[Sidenote: Thonröhren.]

Die =Thonröhren= dienen theils als Wasserleitungsröhren, theils zur

Anlage unterirdischer Wasserabzüge auf nassen Grundstücken (die

sogenannten =Drains=, drains, _underdrains_). Die in letzter Hinsicht

angewendeten Röhren heissen =Drainröhren= (tuyaux de drainage,

_drains-tiles_. Gewöhnlicher Ziegelthon lässt sich zur Fabrikation der

Drainröhren verwenden, doch muss er besonders sorgfältig zubereitet

werden. Man muss den Thon schon vor Winter auswerfen, gut durcharbeiten

und von allen Klumpen, Steinen und anderen fremden Stoffen befreien.

Bei gutem Thon genügt ein mit Schlämmen verbundenes tüchtiges

Durchkneten mit Händen und Füssen; in neuerer Zeit und namentlich beim

grossen Betriebe wendet man hierzu jedoch häufiger die

Thonschneidemaschine an. Einfacher und wohlfeiler als die Maschine ist

das =Clayton='sche =Sieb=, eine mit runden Löchern versehene eiserne

Platte, die in jeder Drainröhrenmaschine angebracht werden kann. Ehe

man zur Fabrikation der Röhren selbst schreitet, lässt man den Thon mit

Hülfe der Maschine durch das Clayton'sche Sieb gehen. Die Herstellung

der Röhren geschieht auf den =Drainröhrenpressen=, deren Construction

leicht zu verstehen ist. Wird Thonbrei aus einem damit gefüllten

Behälter, mittelst eines Stempels, durch eine kreisrunde Oeffnung

herausgepresst, in deren Mittelpunkt concentrisch ein etwas kleinerer

Pfropf feststehend angebracht ist, so erhält, dem ringförmigen

Durchgangsraume entsprechend, der hervortretende Thonkörper die Gestalt

einer Röhre. Die Bewegung des Stempels wird durch eine Schraube, durch

Räderwerk und Zahnstange, durch eine hydraulische Presse oder durch

Dampfdruck zuwegegebracht. Das Austreten der Thonröhren findet entweder

in horizontaler oder in verticaler Richtung (von oben nach unten)

statt. Letztere erfordert natürlich eine durch ihre Höhe unbequeme

Bauart der Maschine, eignet sich aber für Thonröhren von grösserer

Dimension, weil das weiche Rohr in horizontaler Lage durch sein eigenes

Gewicht sich plattdrückt. Unter den vielen Constructionen von

Drainröhrenpressen sind die von =Clayton=, =Williams=, =Whitehead= und

=Ainslie= die verbreitetsten.

[Sidenote: Schmelztiegel.]

Von den =Schmelztiegeln= verlangt man, dass sie einer hohen Temperatur

ohne Schmelzung oder Sinterung widerstehen; schroffe Temperaturwechsel

aushalten, ohne zu reissen; und der Einwirkung der Asche und in

gewissen Fällen auch Substanzen widerstehen, welche als Flussmittel

wirken z. B. Bleiglätte u. dergl. Sie sind, wenn man von den Tiegeln

aus Eisen und Platin absieht, meist aus Thon und Graphit, zuweilen aus

Kohle, Speckstein, Thonerde u. s. w. Unter ihnen sind die bekanntesten

die =hessischen=, die =Charmottetiegel=, die =Graphittiegel= und die

=englischen=. Die =hessischen= oder =Almeroder Tiegel= werden aus 1 Th.

Thon (von 71 Th. Kieselerde, 25 Th. Thonerde und 4 Th. Eisenoxyd) und

1/3-1/2 des Gewichtes Quarzsand angefertigt. Sie sind feuerfest,

vertragen ohne zu bersten schnellen Temperaturwechsel und sind zuweilen

bei chemischen Operationen anwendbar; zu manchen aber sind sie zu porös

und ihr Korn zu grob. Wegen ihres grossen Kieselgehaltes werden

dieselben auch von Alkalien, Bleioxyd und dergl. durchlöchert. Auch

eignen sie sich wegen ihres groben Kornes nicht zu Operationen, wo wie

z. B. bei dem Schmelzen edler Metalle die Produkte sorgfältig gesammelt

werden müssen. Die =Charmottetiegel= bestehen aus Thon, der mit

Quarzsand, Charmotte und ähnlichen Körpern versetzt ist. Die

=Graphittiegel=, Ipser oder Passauer Tiegel werden in Nürnberg (bei

=Caspar Gruber=), ferner in Hafnerzell bei Passau und auch zu Achenrain

in Tyrol aus 1 Th. feuerbeständigem Thone von Schildorf bei Passau und

3-4 Th. natürlichem Graphit angefertigt. In der englischen _Patent

Plumbago Crucible-Company_ zu Battersea bei London, so wie in den

Nürnberger Fabriken wendet man Ceylongraphit und feuerfesten Thon an.

Die Graphittiegel vertragen den grössten Temperaturwechsel und

schwinden höchst selten. Die =englischen Tiegel= werden in Stourbridge

aus 2 Th. Thon und 1 Th. Koks angefertigt. Tiegel, welche in ihrer

Masse Kohle enthalten, wirken reducirend auf die darin zu behandelnden

Oxyde, sie werden daher vorzugsweise zu Metallschmelzungen angewendet.

In neuerer Zeit wendet man zum Schmelzen der Metalle auch nicht selten

(wie beim Schmelzen und Feinen des Platins nach =Deville='s Methode)

=Kalk-= und =Kreidetiegel=, oder auch (beim Schmelzen von Eisen und

Stahl) nach =Caron= =Magnesiatiegel= an. Letztere aus Magnesia durch

Drücken in eine Form dargestellt, sind sehr dauerhaft und unschmelzbar.

=Gaudin= empfiehlt zu gleichem Zwecke Tiegel aus einem Gemenge von

Thonerde (aus Bauxit oder Kryolith) und Magnesia, die man mit dem Namen

=Spinelltiegel= bezeichnen könnte. Sehr beachtenswerth erscheinen auch

die von =Andouin= aus Bauxit (vergl. Seite 291) dargestellten

=Bauxittiegel=.

Der Kalk und das Kalkbrennen.

[Sidenote: Vom Kalk.]

Der =Kalk= (Calciumoxyd, CaO = 56) gehört in seiner Verbindung mit

Kohlensäure als Calciumcarbonat (kohlensaurer Kalk, CaCO_{3}) zu den in

der Natur am häufigsten vorkommenden Körpern. Diese Substanz findet sich

in allen drei Naturreichen, sie macht einen Bestandtheil der Knochen der

Wirbelthiere aus, sie bildet ferner die Hauptmasse der Schalen der

Mollusken (Austern, Muscheln), Strahlthiere und den kalkigen Ueberzug

vieler Wassergewächse, z. B. der aus der Gattung Chara. In der grössten

Menge kommt sie jedoch im Mineralreiche als körniger Kalk (Urkalk),

Marmor, Kalkspath, Arragonit, Kreide und Kalkstein vor. Technische

Anwendung finden im unveränderten Zustande von diesen Mineralien der

=Marmor= zu Bildhauerarbeiten und in den Fabriken künstlicher

Mineralwässer zum Entwickeln von Kohlensäure, der Kalkspath zum

Ausbringen der Metalle aus ihren Erzen auf Schmelzhütten, der

Doppelspath, eine Varietät des Kalkspathes, bei gewissen optischen

Instrumenten, die Kreide als Farbe- und Schreibmaterial, in der

Sodafabrikation, zur Darstellung von hydraulischem Mörtel und als Bau-

und Pflastermaterial. Der dichte Kalkstein, welcher nach seinem

geologischen Vorkommen als Uebergangskalk, Alpenkalk, Zechstein,

Liaskalk, Jurakalk, Muschelkalk, etc. unterschieden wird, ist häufig mit

Thon, Eisen- und anderen Metalloxyden gemischt und deshalb sehr

verschieden gefärbt. Der =lithographische Stein= ist ein gelblichweisser,

schiefriger Kalkstein, der zu Solenhofen und Pappenheim in Bayern

vorkommt, und wie es schon sein Name andeutet, zur Lithographie

angewendet wird. Ein mit organischen Substanzen -- wahrscheinlich

Rückständen zerstörter thierischer Organe -- gemengter Kalk ist der

=Stinkstein=, der beim Reiben oder Schlagen einen bituminösen Geruch

entwickelt. Er ist gewöhnlich von rauchgrauer Farbe. Die =Kreide= oder

erdiges Calciumcarbonat bildet ausgedehnte, mächtige Lager im nördlichen

Deutschland, in England, Dänemark und Frankreich. =Ehrenberg= hat

nachgewiesen, dass die Kreide aus kalkigen Infusorienpanzern besteht.

Hierher gehört ferner der =Mergelkalkstein=, welcher sich durch seinen

Gehalt an Thon auszeichnet. Mit Natriumcarbonat bildet das

Calciumcarbonat den =Gay-Lussac= (CaCO_{3} + Na_{2}CO_{3}), mit

Bariumcarbonat den =Baryto-Calcit= (CaCO_{3} + BaCO_{3}) und mit

Magnesiumcarbonat den =Bitterspath= oder Dolomit (CaCO_{3} + MgCO_{3});

im letzteren Mineral, dem Dolomit, kann der Magnesiagehalt so steigen,

dass 3 Moleküle desselben auf 1 Molekül Calciumcarbonat vorhanden sind.

[Sidenote: Eigenschaften.]

Das =Calciumcarbonat=, gleichviel in welcher Form, ist im reinen Wasser

nicht, wol aber im kohlensäurehaltigen löslich, indem sich

Calciumbicarbonat bildet. Wenn diese Lösung durch Verdunsten die Hälfte

ihrer Kohlensäure verliert, so setzt sich das nun unlöslich gewordene

Calciumcarbonat wieder ab und erhält, je nach der dabei annehmenden

Form, verschiedene Namen. Das sich absetzende Carbonat erscheint häufig

in den sogenannten Tropfsteinhöhlen in krystallinischen Zapfen

(=Stalactiten= und =Stalagmiten=). =Kalksinter= wird der krystallinisch

blättrige Ueberzug genannt, der als kalkige Incrustation vorkommende

=Kalktuff=. Wird Calciumcarbonat in einer verschlossenen Porcellanröhre

heftig und anhaltend erhitzt, so schmilzt dasselbe und erstarrt nach

dem Erkalten zu einer krystallinischen Masse von unverändertem

Carbonat. Erhitzt man aber Calciumcarbonat bei nicht abgeschlossener

Luft, so wird die Kohlensäure ausgetrieben und es bleibt =Aetzkalk=

(CaO) oder =gebrannter Kalk= zurück. 100 Th. Calciumcarbonat geben 56

Th. gebrannten Kalk. Das Volumen des Kalkes erleidet beim Brennen keine

Verminderung. Der gebrannte Kalk ist diejenige Form, unter der der Kalk

zu den meisten gewerblichen Zwecken geschickt ist.

[Sidenote: Brennen des Kalkes.]

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 77 / 167 题