(3K_{2}O, 6SiO_{2}) + 3(3PbO, 6SiO_{2}).
Durch =Färben des Strass= will man die in der Natur vorkommenden
Edelsteine nachahmen. Hauptbedingung ist dabei die grösstmöglichste
Aehnlichkeit mit den natürlichen Edelsteinen. Daraus ergiebt sich, dass
nicht allein die Farben, sondern auch deren Intensität bei der
Fabrikation von Strass genau vorgeschrieben ist. Die Materialien müssen
fein gepulvert und dann durch wiederholtes Sieben aufs Vollkommenste
mit einander gemengt werden. Um die Masse ohne Streifen und Blasen
gleichförmig geschmolzen zu erhalten, müssen die sorgfältig gemengten
Materialien in den besten Tiegeln bei allmälig verstärktem Feuer
geschmolzen werden. Ist die höchste Temperatur erreicht, so muss
dieselbe gleichmässig erhalten und die Masse 24-30 Stunden lang im
Feuer gelassen werden, damit sich die Masse zugleich abkühle. =Topas=
wird erhalten aus weissem Strass 1000, Antimon 40, Goldpurpur 1. Auch
mit Eisenoxyd lässt sich Topas erhalten: Strass 1000, Eisenoxyd 1.
=Rubin= lässt sich aus der Topasmasse darstellen, indem man 1 Th.
derselben mit 8 Th. Strass in einem hessischen Tiegel schmilzt und die
Temperatur des Ofens 30 Stunden lang erhält. Einen weniger schönen
Rubin erhält man aus Strass 1000, Mangansuperoxyd 25. =Smaragd= ist am
leichtesten darzustellen. Folgende Mischung ist zur Nachahmung des
natürlichen Smaragds sehr geeignet: Strass 1000, Kupferoxyd 8,
Chromoxyd 0,2. Durch grösseren Zusatz von Kupferoxyd und Chromoxyd und
indem man zugleich etwas Eisenoxyd zusetzt, lässt sich die grüne Nüance
abändern und ein dunklerer Smaragd erzeugen, welcher Aehnlichkeit mit
dem Peridot hat. =Saphir= wird erhalten aus Strass 1000, reinem
Kobaltoxyd 15. =Amethyst= wird mit folgender Mischung dargestellt:
Strass 1000, Mangansuperoxyd 8, Kobaltoxyd 5, Goldpurpur 0,2.
=Aquamarin= oder =Beryll= aus Strass 1000, Antimonglas 7, Kobaltoxyd
0,4. =Karfunkel= oder =syrischer Granat= aus Strass 1000, Antimonglas
500, Goldpurpur 4, Mangansuperoxyd 4. Es ist leicht einzusehen, dass
die Herstellung von künstlichen Edelsteinen, was die zum Färben
angewendeten Metalloxyde betrifft, noch keineswegs ihre Vollendung
erreicht hat. Wenn man anstatt oder neben dem Bleioxyde Wismuthoxyd,
Zinkoxyd, kohlensauren Baryt und kohlensauren Strontian neben den
kieselsauren und borsauren Salzen auch phosphorsaure und Fluormetalle
anwenden würde, so liessen sich ohne Zweifel mannichfache brauchbare
und werthvolle Gläser herstellen. Ganz dasselbe lässt sich auch auf die
färbenden Metalloxyde beziehen. Durch die Ausbildung der Löthrohrprobe
hat man eine grosse Anzahl von prachtvoll gefärbten Glasperlen kennen
gelernt, deren Nüance eine andere ist, je nachdem reducirende oder
oxydirende Einwirkung vorhanden ist. Die Fabrikation der künstlichen
Edelsteine und die der gefärbten Gläser überhaupt hat von der Existenz
gewisser färbender Metalloxyde noch keine Notiz genommen, sonst würde
man sich nicht erklären können, warum Wolframsäure, Molybdänsäure,
Titansäure, Chromsäure (nicht Chromoxyd) und Chromoxydul,
Schwefelkalium, Kohle u. s. w. bis jetzt noch so wenig Anwendung
fanden.
[Sidenote: Gefärbtes Glas und Glasmalerei.]
Die =gefärbten Gläser= theilt man ein in solche, die durch ihre ganze
Masse hindurch gefärbt sind und solche, bei denen ein ungefärbtes Glas
mit einer Schicht des gefärbten Glases überzogen ist. Letzteres Glas
heisst =Ueberfangglas=. Die letztere Methode der Darstellung von
gefärbten Gläsern wendet man bei solchen Metalloxyden an, welche wie das
Kupferoxydul, Kobaltoxydul, Goldoxyd, zum Theil auch das Manganoxyd die
Glasmasse so intensiv färben, dass dieselbe schon bei geringer Dicke fast
undurchsichtig erscheint. Indem die dünne Schicht des gefärbten Glases
stellenweise hinweggeschliffen wird, erhält man eine jetzt sehr beliebte
Verzierung geschliffener Glaswaaren.
Die Herstellung des =Ueberfangglases= (Tafelglas und Hohlglas)
geschieht auf folgende Weise: Man bringt in den Ofen zwei Glashäfen, in
dem einen bleihaltiges Glas, in dem andern das gefärbte Glas, das zum
Ueberfangen dienen soll. Wir wählen als Beispiel durch Kupferoxydul
roth gefärbtes Glas, bestehend aus bleihaltigem Glase, Kupferoxydul und
Zinnoxydul. Letzteres schützt das Kupferoxydul vor seiner Oxydation zu
Oxyd, welches das Glas grün färben würde. Zusatz von etwas Eisenoxydul
macht das Glas scharlachroth. Der Glasmacher taucht die Pfeife zuerst
in das rothe Glas, jedoch so, dass nur wenig Glasmasse an der Pfeife
hängen bleibt, darauf in das weisse Glas, von welchem so viel
herausgenommen wird, als zur Herstellung der Walze oder des Cylinders
erforderlich ist. Die Glasmasse wird dann wie gewöhnlich aufgetrieben
und in =Tafelglas= umgewandelt. Behufs des Ueberfangens von =Hohlglas=
verarbeitet man das rothe Glas in dem Hafen zu etwa zollstarken Zapfen,
welche nun bei der Arbeit im Glasofen so weit erhitzt werden, dass man
davon Stücke mit der Scheere abschneiden kann. Man unterscheidet
Ueberfangen von =Aussen= und Ueberfangen =zwischen zwei Schichten=. Im
ersteren Falle wird ein weisser Glasklumpen an die Pfeife genommen und
mittelst eines flachen eisernen Werkzeuges, des Streicheisens, das
abgeschnittene Stück rothen Glases durch Streichen und Anwärmen so
gleichförmig als möglich ausgebreitet. In dem zweiten Falle wird nur
eine sehr kleine Menge weissen Glases herausgenommen, auf dieser das
rothe Glas ausgebreitet und über diesem durch Eintauchen in weisses
Glas ein genügend grosser Glasklumpen gebildet. Wird nun der Kolben
aufgeblasen, so dehnen sich beide Gläser gleichmässig aus. =Rothe=
farbige Gläser erzeugt man durch =Goldpurpur=, durch =Kupferoxydul= und
durch =Eisenoxyd=. Vermittelst Goldpurpur wird das =Gold=- oder =ächte
Rubinglas= erzeugt. Durch Zusatz von Silber und Antimonpräparaten
lassen sich fast alle Nüancen des Rothen vom Rosa bis zum Purpurroth
hervorbringen. Man war lange Zeit hindurch der Meinung, dass das
Rubinglas durch kein anderes Goldpräparat als durch Goldpurpur erzeugt
werden könne. =Fuss= hat jedoch vor etwa 25 Jahren gezeigt, dass man
ein eben so gutes Rubinglas erhalte, wenn man das Glas oder vielmehr
den dazu angewendeten Satz mit einer Lösung von Goldchlorid befeuchte.
Wenn das durch Zusammenschmelzen vorstehenden Satzes erhaltene Goldglas
rasch erkaltet, so ist es, ebenso wie das Kupferoxydulglas, farblos.
Wird es darauf gelinde erwärmt, jedoch nicht bis zum Erweichen, so
entwickelt sich plötzlich die prachtvolle Rubinfarbe. Man nennt diesen
Vorgang das =Anlaufen des Glases=; es findet eben so gut im
Sauerstoffgas, als im Wasserstoff- und Kohlensäuregas statt. Das zur
Herstellung des =Kupferoxydulglases= dienende =Kupferoxydul= wird durch
Glühen von Kupferabschnitzeln dargestellt, oder es wird dazu der
Kupferhammerschlag benutzt, welcher zum grossen Theil aus dieser
Oxydationsstufe besteht. Als Basis benutzt man bleihaltiges Glas, aus
welchem man etwa 3 Proc. Kupferoxydul setzt. Da letzteres grosse
Neigung hat, in Kupferoxyd überzugehen und dadurch das Glas grün zu
färben (das =Durchgehen des Glases=), so sind geringe Mengen
reducirender Mittel anzuwenden, man verwendet hierzu Eisenhammerschlag,
Eisenfeile, Russ, Weinstein oder das Polen mit frischem Holze. Das
Kupferglas ist nach dem Erkalten farblos mit einem Stich ins Grünliche.
Durch das Anlaufen entsteht auch hier erst die rothe Farbe. =Eisenoxyd=
erzeugt ein häufig angewendetes Roth. Man benutzt es in Gestalt von
reinem Oxyd, von Blutstein, Ocker oder Röthel. =Gelb= wird
hervorgebracht, und zwar =topasgelb=, durch antimonsaures Kali oder
auch Antimonglas. Chlorsilber, borsaures Silberoxyd und Schwefelsilber
geben ebenfalls gelb. Uranoxyd giebt grünlichgelb. Ordinäres ins
Braunrothe sich ziehendes Gelb wird durch Eisenoxyd erhalten. =Blau=
wird erzeugt durch Kobaltoxyd, seltner durch Kupferoxyd; =Grün= durch
Chromoxyd, Kupferoxyd und endlich Eisenoxydul, welches letztere
indessen ein Grün von wenig Feuer und Reinheit liefert; =Violett= durch
Manganoxyd (Braunstein und Salpeter); =Schwarz= durch viel Eisenoxydul,
namentlich mit einem Zusatze von Kupferoxyd, Braunstein und
Kobaltoxydul; ein schöneres Schwarz erhält man durch Iridiumsesquioxyd.
Eigenthümlich ist die Wirkung der =Schwefelalkalien= auf die Farbe des
Glases. Früher war man der Ansicht, dass in dem gelben Glas, welches
man erhält, wenn man eine verkohlte Substanz, z. B. Weinstein,
Birkenholz etc. zum gewöhnlichen weissen Glase mischt, die entstehende
gelbe Färbung von der Kohle herrühre. =Splitgerber= hat dagegen
gezeigt, dass diese gelbe Farbe vom Schwefel herrührt, welcher aus den
die angewandte Potasche und Soda verunreinigenden schwefelsauren Salzen
stammt.
[Sidenote: Glasmalerei.]
=Glasmalerei.= Schon in sehr früher Zeit versuchte man farbige Gläser zu
Figuren und anderen Gegenständen zusammenzusetzen, ähnlich wie man es bei
den römischen Fussböden mit farbigen Steinen zu thun gewohnt war. So
entstanden die ältesten Glasgemälde, welche in der That =Glasmosaiken=,
Umrisse in Blei mit farbigen Gläsern ausgefüllt, waren. Die Glasmalerei
schwang sich in Deutschland im Laufe des Mittelalters zur höchsten
Vollkommenheit empor und verbreitete sich durch ganz Europa, besonders
als im 13. Jahrhundert an die Stelle der romanischen und byzantinischen
Bauart die germanische trat. Bis dahin kannte man meist nur
Rundbogenfenster von mässiger Grösse, die nicht durch Glasgemälde
verdunkelt werden durften. Seit dem 13. Jahrhundert, als die gothische
Baukunst alle müssigen, nicht tragenden Mauermassen aufhob, gediehen die
Fenster, die häufig den ganzen Raum zwischen den Pfeilern ausfüllten, zu
einer oft kolossalen Grösse, die ein zu grelles Licht in die Kirche
gesendet hätten, wenn sie nicht gleichsam mit Glasteppichen behängt
worden wären. Wenn sich die Kunst bis dahin meist mit Ornamenten begnügt
hatte, so versuchte sie es nun ganze Figuren zusammenzusetzen. Mit dem
15. Jahrhundert veredeln sich die sonst steifen und ernsten Figuren der
Heiligen immer mehr, und es werden ganze Reihen geistlicher und
weltlicher Geschichten dargestellt, welche sich in von schönen Bändern
umschlossene Felder theilen, so z. B. in der Sebaldus- und Lorenzkirche
und in der Tucherkapelle in Nürnberg durch die Glasmalerfamilie
=Hirschvogel=. So blühte sie noch nach dem Ende des Mittelalters das
ganze 16. Jahrhundert fort, bis sich die Glasmaler die Aufgabe stellten,
die Effecte und die Beleuchtung des Oelgemäldes auf Glas anzuwenden.
Dieser Epoche des Missverstandes gehören die berühmten französischen und
niederländischen Glasmaler des 16. Jahrhunderts an: Als man sich endlich
von der Unmöglichkeit, die Oelmalerei nachzuahmen, sattsam überzeugt, kam
die Glasmalerei dermassen in Verfall, dass alle ihre Werkstätten sich
schlossen. Die Kunst der Glasmalerei im alten Style sollte jedoch wieder
auferstehen, und dies geschah in Bayern am Anfang dieses Jahrhunderts
durch =Frank= in Nürnberg und =Helmle= in Freiburg im Breisgau, und ein
Jahrzehend später durch =Ludwig= I., König von Bayern, der die ersten
zarten Keime derselben pflegte. Seitdem ist sie in München, in Berlin, in
Köln (bei =Baudri=) in neuer, ja in künstlerischer und technischer
Hinsicht sogar in grösserer Herrlichkeit erstanden, als dies im
Mittelalter der Fall gewesen.
Das Wesen der Glasmalerei lässt sich in der Kürze auf folgende Weise
ausdrücken. Wenn leicht schmelzbare, durch Metalloxyde gefärbte
Glasflüsse in fein geriebenem Zustande auf eine Glasfläche aufgetragen
werden, so können sie bei mässiger Hitze, bei der die Glastafel noch
nicht zum Schmelzen kommt, dergestalt eingeschmolzen werden, dass sie
eine höchst dauerhafte Malerei von ausgezeichneter Wirkung darstellen.
Da die farbigen Glasflüsse durchsichtig oder doch durchscheinend sind,
so werden alle Glasmalereien auf durchfallendes Licht berechnet, und
hierin liegt eben der wesentliche Unterschied zwischen Glas- und
anderen Malereien. Der Künstler kann ferner beide Glasflächen zugleich
benutzen. Die Oberfläche, welche dem Beschauenden zugekehrt ist,
enthält die stärksten Schatten. Gewöhnlich trägt man auf diese Seite
alle schattirten Farben auf, und bringt dagegen die lichten Partien auf
die entgegengesetzte Seite. Die Farben sind Metalloxyde, und zwar zum
Theil dieselben, die man auch zum Färben des Strass anwendet. Da den
durch Einbrennen erzeugten Farben die Reinheit und das Feuer abgeht,
das namentlich bei grössern Glasmalereien zur Hebung des Effects
unumgänglich ist, so bedient man sich zu Draperien, für den Himmel u.
s. w., wo grosse gefärbte Flächen erforderlich sind, des farbigen und
überfangenen Tafelglases, und bringt durch Einbrennen geeigneter
dunkler Farben die nöthigen Schattirungen hervor. Die jetzigen
Glasgemälde sind demnach in der That Combinationen von wirklichen
Glasmalereien und Glasmosaik. Diesem Kunstgriff allein verdanken die
Glasgemälde ihre prachtvolle lebhafte Colorirung.
Die in der Glasmalerei als =Farben= angewendeten =Metalloxyde= sind
äusserst mannigfaltig. =Weiss= kommt in alten Glasmalereien fast nie
vor. In der neuern Malerei wendet man, vorzüglich zum Mischen der
Fleischtöne, reines Weiss an. Man benutzt hierzu Zinnoxyd und
antimonsaures Kali. Zu =Gelb= verwendet man Neapelgelb oder
Antimongelb, dann ein Gemenge von Eisenoxyd, Zinn- und Antimonoxyd, von
Antimonsäure und Eisenoxyd, oder Chlorsilber oder ein Gemenge von
Schwefelsilber mit Schwefelantimon. Bleichromat und Bariumchromat geben
ein nicht durchsichtiges Hellgelb. Zu =Roth= benutzt man reines
Eisenoxyd (Wangenroth), Goldpurpur und ein Gemenge von Goldoxyd,
Zinnoxyd und Chlorsilber. =Braun= erhält man mit Hülfe von Manganoxyd,
gelbem Ocker, Umbra und Ferrochromat. Zu =Schwarz= verwendet man
Iridiumoxyd, Platinoxyd, Kobalt- und Manganoxyd, zu =Blau= Kobaltoxyd
oder Kalium-Kobalt-Nitrit, zu helleren Nüancen ein Gemenge von
Kobaltoxyd, Zinkoxyd und Thonerde, zu =Grün= Chromoxyd und Kupferoxyd.
Man unterscheidet in der Glasmalerei =weiche und harte Glasfarben=. Die
ersteren, die man auch Lackfarben nennt, sind nicht sehr leichtflüssig
und verglasen dergestalt, dass sie aufgestrichenen Lackfarben ähnlich,
Glanz und Durchsichtigkeit, aber auch grosse Weichheit besitzen; man
malt mit ihnen nur auf die hintere Seite der Glastafeln. Die
Haupteigenschaften der Farben für die vordere Seite der Glastafel, der
harten oder auch Schattenfarben, sind Härte und Halbdurchsichtigkeit.
Die =Flüsse= bestehen aus Kieselerde, Mennige und Borax. Die mit dem
Flussmittel auf das Innigste gemischte Farbe wird als feinstes Pulver
mit einem Bindemittel zusammengerieben, welches aus dem Pinsel fliesst,
am Glase fest anhaftet und sich im Feuer vollständig verflüchtigt, ohne
aufzublähen oder rissig zu werden. In neuerer Zeit wendet man als
Vehikel nur ätherisches Oel und zwar Terpentinöl an, rectificirtes und
verdicktes, ersteres nennt man Dünnöl, letzteres Dicköl. Neben dem
Terpentinöl benutzt man noch Lavendelöl, Bergamottöl und Nelkenöl. Auf
der Glastafel, auf welcher die Glasmalerei hergestellt werden soll,
wird das ganze Bild in seinen Umrissen und Schattirungen mit rother,
schwarzer oder brauner Farbe auf der einen Fläche ausgeführt und auf
der andern mit den auf die einzelnen Stellen gehörigen Farben
illuminirt, oder es wird mit den Glasmalerfarben wie in der Oelmalerei
verfahren, oder man combinirt beide Maximen, indem man jede derselben
stellenweise, je nach dem beabsichtigten Effecte, Platz greifen lässt.
Alle Schatten und die in dunklen Farben ausgeführten Umrisse, so wie
das, was man in der Oelmalerei Untermalung nennt, werden auf der
vordern, dem Beschauer zugewendeten Fläche ausgeführt; die ganze
Stellen illuminirenden Farben und Flüsse, besonders Haupttöne, werden
auf der hintern Fläche aufgetragen. Mitteltinten, Uebergänge und
Abstufungen werden sowol auf der vordern als hintern Fläche
aufgetragen. In einzelnen Fällen trägt man auf beiden Flächen an den
sich entsprechenden Stellen Farbe auf, um durch den Zusammenklang
derselben bei durchfallendem Lichte besondere Nüancen hervorzubringen.
So giebt Goldgelb auf der einen Fläche und Purpur auf der andern
Scharlach, Blau und Gelb, Grün u. s. w. Bei Ueberfanggläsern kann man
dadurch verschiedene Schattirungen hervorbringen, dass man von der
gefärbten Glasschicht durch Schleifen mit Smirgel mehr oder weniger
nach bestimmten Umrissen hinwegnimmt, oder man schleift die farbige
Schicht bis auf das weisse Glas durch und erzielt dadurch farbige
Verzierungen auf weissem Grunde. Die so gebildeten weissen Stellen
lassen sich auch auf der entgegengesetzten Seite beliebig färben, um
verschiedene Effecte hervorzubringen. Ebenso lassen sich durch Bedecken
der weissen Fläche eines einseitig überfangenen Glases mit andern Tönen
besondere Nüancen herstellen, so gewinnt man eine grüne Nüance, wenn
man blaues Ueberfangglas auf seiner weissen Fläche mit gelber
Silberfarbe überzieht. Das Einbrennen der Farben geschah nach einer
älteren Methode auf die Weise, dass man die Glastafeln mit trockenem
Kalkpulver in eine eiserne Pfanne schichtete und diese zum Rothglühen
erhitzte. In neuerer Zeit wendet man hierzu Muffelöfen an. Der Boden
der Muffel wird etwa einen Zoll hoch mit Kalkpulver bedeckt, darauf
kommen vollkommen horizontal die Glastafeln, jedoch so, dass sie weder
sich noch die Muffel berühren. Ueber diese Tafeln kommt eine zweite
Schicht Kalk, dann wieder Glastafeln u. s. f. bis zur Mitte der Muffel.
Das zum Einbrennen der Farben erforderliche Feuer muss auf die Muffel
von allen Seiten gleichmässig einwirken. Glüht die Muffel dunkelroth
und zeigen sich auf Probestreifen die Farben eingeschmolzen und
tadellos, was nach 6-7stündigem Feuer der Fall zu sein pflegt, so
entfernt man das Feuer und überlässt die Muffel der Abkühlung. Nach
vollständigem Erkalten entfernt man die Gläser aus der Muffel, reinigt
sie mit warmem Wasser und trocknet sie sorgfältig ab.
[Sidenote: Email, Beinglas, Reisstein- oder Alabasterglas, Eisglas.]
Unter =Email= verstand man ursprünglich in der Glasfabrikation eine
Glasmasse, gleichviel farblos oder gefärbt, welche durch Zinnoxyd
undurchsichtig gemacht worden ist. Nach einer älteren Vorschrift stellt
man das Email auf folgende Weise dar: Man oxydirt eine Legirung aus 15-18
Th. Zinn und 100 Th. Blei durch Erhitzen bei Zutritt der Luft,
pulverisirt das Oxyd und schlämmt es hierauf. Das so erhaltene Gemenge
von Zinnoxyd und Bleioxyd (Bleistannat) wird nun mit einer Glasmasse
gefrittet. Eine emailähnliche Beschaffenheit wird dem Glase auch durch
arsenige Säure, Chlorsilber, Calciumphosphat, Kryolith, Flussspath,
Natrium-Aluminat und gefälltes Bariumsulfat ertheilt.
Das bekannte =Beinglas=, ein milchweisses, schwach durchscheinendes
Glas, enthält Calciumphosphat in Gestalt weissgebrannter Knochen,
Bakerguano, Sombrerit oder Phosphorit. Man benutzt es zu
Lampenschirmen, Thermometerscalen etc. Man erhält es durch Versetzen
von weissem Hohlglase mit 10-20 Proc. weissgebrannter Knochen (oder
entsprechenden Mengen obengenannter Mineralphosphate). Das Glas ist
nach dem Schmelzen vollkommen klar und durchsichtig, erhält aber die
durchscheinende Beschaffenheit und milchweisse Farbe in dem Maasse, als
es bei dem Verarbeiten mit der Pfeife angewärmt wird. Die milchweisse
Farbe tritt um so mehr hervor, je öfter die Anwärmung geschieht. Es
lassen sich auf diese Weise die Gläser von einer durchscheinenden
Opalfarbe bis zum gesättigten Milchweiss färben. Beinglas ist dadurch
charakterisirt, dass es das künstliche Licht mit rother Farbe
durchlässt. Ein dem Beinglas ähnliches, aber undurchsichtiges Glas und
von weit edlerem Schimmer ist das =Alabaster-= oder =Opalglas= oder,
weil es dem Reiskorn in seinem optischen Verhalten ähnlich ist, =Reis-=
oder =Reissteinglas=. Es zeigt nicht den röthlichen Schein des mit
Calciumphosphat bereiteten Glases. Das Alabasterglas ist keine
eigenthümliche Glasmischung, sondern nur eine eigenthümliche Vorstufe
des in der Bildung begriffenen Glases, ein sehr kieselerdereiches,
unvollkommen geschmolzenes Glas, dessen Trübung von unaufgelösten
Theilen herrührt. Man wendet bei der Darstellung des Alabasterglases
denselben Satz wie zu Krystallglas an; so wie der Satz geschmolzen ist,
wird das Glas ausgeschöpft und abgeschreckt. Ist dann eine neue Portion
eingeschmolzen, so wird das kalte abgeschreckte Glas darauf gegeben,
dadurch die Masse abgekühlt und das niedergeschmolzene Glas bei
möglichst geringer Hitze verarbeitet. Die unaufgelösten Theilchen der
Glasmasse, welche die Trübung bewirken, dürfen nur mikroskopisch und
weder deutlich unterscheidbare Körner noch Bläschen sein. Darin liegt
nun die grosse Schwierigkeit bei der Bereitung des Alabasterglases,
weil eben jene Unreinigkeiten eigentlich erst mit der völligen
Durchschmelzung und Läuterung der Masse verschwinden. Man sieht aus dem
Vorstehenden, dass thatsächlich zwischen Alabasterglas und
Réaumur'schem Porcellan kein Unterschied existirt.
Das =Kryolithglas= (Heissgussporcellan, _hot-cast-porcelain_), ein in
neuerer Zeit von Pittsburg eingeführtes milchweisses Glas, wird nach
=Williams= durch Schmelzen eines Satzes von
67,19 Proc. Kieselerde,
23,84 " Kryolith und
8,97 " Zinkoxyd
erhalten. Der Kryolith lässt sich nach =Cheyney= durch Flussspath
(selbstverständlich wohl unter vollständiger Abänderung des Satzes)
ersetzen, eben so auch durch =Natrium-Aluminat=. =Benrath= (1869) fand
in solchem Milchglas
Kieselerde 70,01 Proc.
Thonerde 10,78 "
Natron 19,21 "
------------
100,00 Proc.
Ein solches Glas steht dem französischen Frittenporcellan ziemlich
nahe.
=Achatglas= erhält man, indem man verschieden gefärbte Glasstücke mit
einander bis zum Zähflüssigwerden erhitzt, dann umrührt und die Masse
sofort verarbeitet. Das =Eisglas= (_verre craquelé_), eine schöne
gegenwärtig beliebte Glasverzierung, zeigt auf der Oberfläche eine
durch natürliche Sprünge hervorgebrachte Zerklüftung. Diese Sprünge
werden durch Eintauchen des fertigen, noch glühendheissen
Glasgegenstandes in kaltes Wasser erzeugt, durch Anwärmen unschädlich
gemacht und durch Aufblasen des Gegenstandes geöffnet, so dass das
Ganze das Ansehen einer im Aufthauen begriffenen Eismasse, oder einer
zerklüfteten ausgewitterten Felsoberfläche hat. Zuweilen werden die
zwischen den Klüften stehen gebliebenen Erhöhungen noch etwas rauh
geschliffen.
[Sidenote: Hämatinon.]
Bei den Alten bezeichnete man mit dem Namen =Hämatinon= eine zu
Prunkgefässen, Mosaiken etc. angewendete Glasmasse, welche unter anderm
von =Plinius= erwähnt und ziemlich häufig in den pompejanischen
Nachgrabungen gefunden wird. Dieses Glas ist durch eine schöne rothe
Farbe, welche zwischen der des Zinnober und der Mennige liegt,
charakterisirt. Es ist undurchsichtig, härter als das gewöhnliche Glas,
besitzt grosse Politurfähigkeit, muschligen Bruch und hat ein spec.
Gewicht von 3,5. Durch Umschmelzen geht die rothe Farbe verloren und
kann durch keinen Zusatz wiederhergestellt werden. Das Hämatinon
enthält kein Zinn und ausser Kupferoxydul keine färbende Substanz. v.
=Pettenkofer= stellte das Hämatinon dar durch Zusammenschmelzen von
Kieselerde, Kalk, gebrannter Magnesia, Bleiglätte, Soda,
Kupferhammerschlag und Eisenhammerschlag. Als ein Theil der Kieselerde
in der Mischung durch Borsäure ersetzt wurde, erhielt man eine Masse,
welche nach dem Schleifen und Poliren Krystallisationen von grosser
Schönheit in einem dunkelrothen, fast schwarzen Grunde zeigte. Der
bläulich dichroitische Schimmer auf dunklem Grunde ist mit dem
Schimmern von Sternen auf nächtlichem Hintergrund zu vergleichen,
weshalb =v. Pettenkofer= dieser boraxhaltigen Masse den Namen
=Astralit= gab. Gegenwärtig ist man, wie behauptet wird, in der
Herstellung des Hämatinon so weit gekommen, dass man diesen Stoff in
beliebigen Quantitäten mit Sicherheit erzeugen und daraus unter
Beobachtung der nöthigen Vorsichtsmaassregeln Platten jeder Art giessen
und Gegenstände aller Art mittelst der Pfeife blasen kann. Die Masse
lässt sich leicht formen, schneiden und schleifen und zeichnet sich
durch Festigkeit und Härte aus.
[Sidenote: Aventuringlas.]
Das =Aventurin=- oder =Aventuringlas=, dem Hämatinon sehr nahe stehend,
wurde ehedem nur auf der Insel Murano bei Venedig, gegenwärtig aber in
mehreren Glasfabriken Deutschland's, Italien's, Oesterreich's und
Frankreich's dargestellt und zu Kunst- und Schmucksachen verarbeitet.
Es ist eine bräunliche Glasmasse, in welcher krystallinische Flittern
von metallischem Kupfer (nach =Wöhler=, von Kupferoxydul nach =v.
Pettenkofer=) fein vertheilt sind, welche ihr ein eigenthümliches
schillerndes Ansehen geben. Das Aventuringlas ist ziemlich leicht
schmelzbar. Es bilden sich zuweilen Kupferschlacken, welche durch
ausgeschiedenes metallisches Kupfer viel Aehnlichkeit mit dem
Aventuringlas haben. =Frémy= und =Clemandot= stellten ein
aventurinähnliches Glas, welches reichlich Krystalle von metallischem
Kupfer enthielt, dadurch dar, dass sie ein Gemisch von 300 Th.
gestossenen Glases, 40 Th. Kupferoxydul und 80 Th. Hammerschlag zwölf
Stunden lang schmolzen und die Masse einer langsamen Abkühlung
unterwarfen. Die bayerischen und böhmischen Glashütten liefern
heutzutage das Aventuringlas so schön als früher die Fabriken in
Murano. =v. Pettenkofer= hat Aventuringlas direkt aus Hämatinon
dargestellt, dadurch, dass er der schmelzenden Hämatinonmasse so viel
Eisenfeile zumischte, dass etwa die Hälfte des darin enthaltenen
Kupfers reducirt wurde, welches sich nach längerem Schmelzen am Boden
des Tiegels zu einem Regulus ansammelt. Frischgeschmolzen ist das Glas
tief grünschwarz, beim langsamen Abkühlen geht es in wirkliches
Aventuringlas über. =v. Pettenkofer= glaubt, und wie es scheint, mit
vollkommenem Recht, dass das Aventuringlas ein Gemisch sei von grünem
Eisenoxydulglas mit rothen Kupferoxydulsilicatkrystallen; durch die
complementäre Aufhebung beider Nüancen entsteht der unbestimmte braune
Ton des Aventuringlases. Das Eisenoxydul ist deshalb zur Darstellung
des Aventuringlases ebenso unentbehrlich und wesentlich, wie das
Kupferoxydul, denn das Aussehen des Aventuringlases ist so zu sagen die
diagonale Wirkung der optischen Kräfte beider. Man wird deshalb stets
Aventurin erhalten, wenn man in einer nicht zu strengflüssigen
Glasmasse ein Gemenge von gleichen Theilen Eisenoxydul und Kupferoxydul
auflöst und nach erfolgter Auflösung die Glasmasse unter Umständen
abkühlen lässt, welche der Entstehung von Krystallen günstig sind. Das
Kupferoxydul wird sich beim langsamen Abkühlen als eine krystallinische
rothe Verbindung ausscheiden, das Eisenoxydul wird im Glase mit grüner
Farbe aufgelöst bleiben. Wie =Pelouze= gefunden hat, lässt sich durch
reichlichen Zusatz von Kaliumchromat zum Glassatz in Folge von
Abscheidung von Flittern von Chromoxyd =Chrom-Aventurin= darstellen,
ein Glassatz, der indessen von =A. Wächter= im Jahre 1849 schon zu
Porcellanglasur in Vorschlag gebracht worden war.
[Sidenote: Glasincrustationen.]
Die =Glasincrustationen= entstehen, wenn Reliefgegenstände aus
schwachgebranntem, unglasirtem weissen Thon oder aus Specksteinmasse
zwischen glühend auf einander gelegte Bleiglasschichten eingeschlossen
werden. Dadurch erhält der Reliefgegenstand das Ansehen, als wenn er
von mattem Silber wäre. Dieser silberartige Glanz rührt von einer
geringen Menge Luft her, welche sich zwischen der Thonfläche und dem
Glas befindet. Die Kunst des Incrustirens wurde vor etwa 80 Jahren von
einem böhmischen Glasfabrikanten erfunden und zwar zufällig durch
Beobachtung des silberartigen Glanzes eines Thautropfens auf einem
filzigen Pflanzenblatte. Es gelang ihm, denselben Effect auch im Glas
hervorzubringen. Hat der Glasüberzug eine passende gelbe Farbe, so
erhält der Reliefgegenstand das Ansehen von mattem Golde.
[Sidenote: Filigranglas.]
Mit dem Namen =Faden=- oder =Petinetglas= (Filigranglas) bezeichnet man
jene Glasarbeiten, deren Körper neben einander hinlaufende oder
scheinbar gewebeartig sich kreuzende, undurchsichtige weisse oder
farbige Fäden zeigen. Die Herstellung dieser Glasart beruht im
Wesentlichen auf dem Umstande, dass ein kurzer dicker Glasstab ohne
Veränderung seiner runden oder eckigen Form im rothglühenden Zustande
bis zur Dicke eines Haares und noch feiner ausgezogen werden kann. Bei
der Fabrikation von Petinetglas taucht man Stäbe von undurchsichtigem
oder farbigem Glase in undurchsichtiges Glas und zieht dieselben so
dünn, als man sie zu der jedesmaligen Verwendung haben will. Man
verbindet auch wol mehrere Stäbe mit einander und zieht dieselben zu
einem Faden aus, in welchem mehrere Fäden neben einander herlaufen.
Dreht man diesen Faden ähnlich einem Strick, so laufen die darin
enthaltenen Streifchen in Schraubenwindungen sich scheinbar kreuzend
neben einander her, ganz mit dem Ansehen eines lockern Gewebes
(Petinet). Verbindet man eine Anzahl solcher Stäbe zu einem hohen
Cylinder, so hat man ein Gefäss, welches vor der Vollendung noch im
Ganzen gedreht werden kann, so dass die einzelnen Fäden abermals
Spiralen um den Umfang des Gefässes bilden. Nimmt man zwei solche
Röhren, welche in entgegengesetzter Richtung gedreht sind und in der
Grösse, dass sie in einander geschoben werden können, erhitzt dieselben
und bildet daraus ein Gefäss, so nimmt dasselbe das Ansehen eines
zarten regelmässigen Gewebes an; da sich aber die Stäbchen nur an den
erhabenen Punkten berühren, an den tiefer liegenden Stellen aber etwas
Luft eingeschlossen wird, die sich durch die Erhitzung gleichmässig
ausdehnt, so entstehen an den Berührungspunkten runde Luftbläschen,
welche wesentlich zur Verschönerung des Effectes des Ganzen beitragen.
Die Luftblasen machen das Wesen des =reticulirten Glases= aus, welches
aus kleinen Luftbläschen gebildete netzförmige Gewebe eingeschlossen
enthält.
[Sidenote: Millefioriarbeiten.]
Das =Millefiori= stellt die bekannten mosaikartigen Glasarbeiten
(Briefbeschwerer, Messerschalen, Stockknöpfe u. s. w.) dar, bei denen
die mannigfaltigsten farbigen Muster in eine Umhüllung von Krystallglas
eingeschlossen sind. Die Herstellung des Millefioriglases beruht ebenso
wie die des Petinetglases auf dem Umstande, dass ein Glasstab ohne
Veränderung seiner runden oder eckigen Form im zähflüssigen Zustande
bis zur Dicke eines Haares und noch feiner ausgezogen werden kann.
Rollt man z. B. einen Glasstab von rother Farbe und taucht denselben
sodann nacheinander in weisses, blaues und grünes Glas, so wird der
Stab auf dem Querdurchschnitte einen rothen Kern mit einem weissen,
blauen und grünen Ringe umgeben zeigen. Wird dieser runde Stab im
erhitzten Zustande an den Seiten mit einem eisernen Instrumente
regelmässig eingedrückt, so wird er im Querschnitt einen Stern bilden,
der eine rothe Scheibe mit farbigen Zickzacklinien umgeben enthält. Die
Herstellung der Millefioriverzierungen geschieht auf folgende Weise:
Man fertigt zuerst sogenannte =Elemente=, nämlich einfache Anordnungen
von verschieden gefärbten und geformten Glasstäben, die dann beliebig
combinirt werden können. Zu diesem Behufe nimmt man beispielsweise
einen kurzen und dicken Glasstab aus rothem Glase und umgiebt ihn mit
sechs Fäden von blauem Glase und formt diese mit Hülfe einer Zange so,
dass ihre Querschnitte Dreiecke zeigen. Die Zwischenräume zwischen
diesen Fäden füllt man mit Zinnoxyd versetztem und daher
undurchsichtigem weissen Glase aus, welches die Grundmasse bildet. Das
Ganze ist nun mit Hülfe dieser Grundmasse zu einem Stab vereinigt, der
alle einzelnen Theile, aber in grossem Maassstabe enthält. Wird nun das
Stück bis zum Erweichen erwärmt und in die Länge gezogen, bis er nur
noch 1,25-2 Centimeter dick ist, so werden sich alle Theile des
Elementes entsprechend verkleinern, ohne jedoch ihre gegenseitige Lage
zu verändern. Der Querschnitt wird daher die ursprüngliche Zeichnung
mit grosser Regelmässigkeit und Schärfe zeigen. Dreht man die Elemente
während des Ausziehens, so bilden sich Spiralen, welche wieder vielfach
abgeändert werden können u. s. f. Das Element wird mittelst Meissel und
Hammer in kurze Endchen getheilt. Bei den einfachen Millefioriarbeiten
werden auf einer stark erhitzten Krystallglasplatte von dem Element
kurze Theilchen (Scheibchen von 1-2 Centimeter Dicke) zu einem
grösseren Muster zusammengelegt, das durch eine darüber gelegte heisse
Krystallglasplatte eingeschlossen wird. Hohle Gefässe, Flaschen und
dergleichen werden erst kleiner geblasen, als sie werden sollen, und
nachdem die farbigen Scheiben zu Mustern aufgelegt sind, wieder in
flüssiges Glas getaucht und fertig geblasen, oder man bringt die Muster
wirklich zwischen doppelte Gefässwände. Eine der beliebtesten
Millefioriarbeiten sind die böhmischen kugelförmigen Schwersteine mit
eingeschlossenen Blumen oder andern bunten Gegenständen, die man auf
folgende Weise herstellt: Nachdem die Elementenscheibchen in der
gehörigen Ordnung zusammengelegt sind und dann ein an einer Eisenstange
aufgenommener Glasklumpen in zähflüssigem Zustande darauf gedrückt
wurde, taucht der Arbeiter das Ganze wieder in die geschmolzene
Glasmasse des Hafens, damit sich eine kugelförmige Glasmasse darüber
bildet, welche nach dem Erstarren und Abkühlen, wenn es erforderlich
erscheint, noch durch Schleifen in die erforderliche Form gebracht
wird.
[Sidenote: Glasperlen.]
Man unterscheidet zwei Arten von =unächten Perlen= oder =Glasperlen=,
nämlich massive oder geschmolzene, und hohle oder geblasene. Die erstern
führen auch den Namen =Venetianer Perlen=, weil sie früher vorzugsweise
in Venedig gefertigt wurden. Bei der Herstellung der kleinen Venetianer
Perlen bedient man sich der in den Glashütten auf der Insel Murano bei
Venedig verfertigten hohlen Glasstängelchen oder Glasröhrchen, die 1
Centimeter etwa dick sind und deren Höhlung ungefähr den dritten oder
vierten Theil ihrer Dicke weit ist. Diese Röhren bestehen theils aus
weissem und gefärbtem Beinglas und theils aus mit Zinnoxyd bereitetem
Emailglas, welches durch Zusatz färbender Metalloxyde mit allen möglichen
Farben versehen werden kann[92].
[92] Der Export von =Glasperlen= aus Venedig repräsentirte im Jahre
1868 7,755,000 Frcs.
[Sidenote: Massive Perlen.]
Um aus diesen Röhren die Glasperlen zu machen, werden die Röhren in
kleine Stückchen zerlegt. Die abgeschnittenen Stückchen werden gesiebt.
Nun sind die Stückchen aber noch nicht kugelförmig, sondern vielmehr
kleine scharfkantige Cylinder, die noch abgerundet werden müssen, weil
sie sonst den Faden durchschneiden würden. Zu diesem Zwecke wirft man
die Glasstückchen in ein Gefäss, in welchem sich Kohlenpulver befindet
und rührt sie darin um, damit ihre Höhlung mit Kohlenpulver sich
anfülle und dadurch das Zuschmelzen in der Folge verhindert werde.
Darauf bringt man sie in fast bis zum Glühen erhitzte weite eiserne
Gefässe mit flachem Boden und rührt sie mit einem eisernen Spatel
unablässig um. Die scharfen Kanten der Stückchen erweitern und runden
sich durch des beständige Umrühren ab. Sobald dies geschehen ist, lässt
man sie abkühlen, wäscht sie in reinem Wasser unter starkem Umrühren
und trocknet sie. Auf andern Hütten werden die Glasstückchen in einem
über dem Feuer befindlichen kaffeetrommelähnlichen Apparat abgerundet.
Zuletzt werden die fertigen Perlen in Schnüre gefasst. Im bayerischen
Fichtelgebirge stellte man =gewickelte= Perlen dar, indem der Arbeiter
mit einem langen eisernen Stabe, der in eine konische Spitze ausläuft
und dessen Spitze mit Thonschlicker überzogen ist, in geschmolzenes
Glas taucht. Hat er davon die erforderliche Menge aufgenommen, so dreht
er den Stab so lange, bis die aufgenommene Glasmasse eine rundliche
Gestalt angenommen, die nach dem Erstarren von dem Glase abgestossen
wird und nun eine Perle bildet.
[Sidenote: Hohle Perlen.]
Ganz verschieden von den Venetianer Perlen sind die =hohlen oder
geblasenen Perlen=, welche den ächten Perlen in Gestalt, Glanz, Farbe
und Glätte sehr nahe kommen und um das Jahr 1656 von einem
französischen Paternostermacher =Jaquin= erfunden wurden. =Jaquin=
bemerkte, dass, als Weissfische (_Cyprinus alburnus_, _ablettes_), mit
Wasser gewaschen wurden, aus dem Wasser sich beim ruhigen Stehen ein
Bodensatz, aus den Bauchschuppen bestehend, abschied, welcher den
schönsten Perlenglanz besass. Diese Beobachtung war die Veranlassung
zur Fabrikation der künstlichen Perlen. =Jaquin= schuppte die Fische ab
und nannte die Mischung der Schuppen mit Wasser =orientalische
Perlenessenz=[93] (_Essence d'orient_). Anfänglich überzog er damit
kleine Kugeln aus Gyps oder aus einem andern erhärteten Teige. Weil
aber dieser Ueberzug beim Erwärmen oder Feuchtwerden sich von den
Kügelchen absonderte, so kam er bald darauf, feine Glaskugeln nach Art
der Spiegel inwendig mit der Perlenessenz zu überziehen. So fertigt man
noch heute die unächten Perlen.
[93] Die perlglänzende Substanz soll identisch sein mit _Guanin_.
Die Gestalt der Perlen ist bald kugelrund, bald olivenförmig, bald
mandelförmig, bald endlich kreisrund oder platt. Die Perlen werden aus
Glasröhren von verschiedener Dicke geblasen. Das Ausbrechen der
Oeffnungen bei den feinen Sorten geschieht wechselsweise mit den Röhren
selbst, deren eine immer zu diesem Ende an die bereits geformte Perle
angeschmolzen wird. Die meisten Perlen werden rund gemacht; die
sogenannten =Kropfperlen= aber erhalten die Auswüchse dadurch, dass der
Arbeiter mit dem an dem einen Ende rothglühenden Glasrohre die Perle
schnell berührt und so das Hervorragende auswärts zieht oder einzelne
Stellen der Glaskügelchen an die Flamme hält und schwach in die Röhre
bläst, wodurch kleine Erhöhungen entstehen. Sind die Perlen so weit
fertig, so wird ihre innere Fläche mit Perlenessenz überzogen. Es
gehören mehr als 4000 Fische dazu, um ein Pfund Schuppen zu erhalten
und diese geben noch nicht ganz 120 Grm. der Perlenessenz, so dass
mithin 18-20,000 Fische zu einem Pfunde dieser Essenz erforderlich
sind. Man schuppt blos die weissen silberglänzenden Schuppen von den
Fischen ab, weicht sie einige Stunden in frisches Wasser ein, um den an
den Schuppen sitzenden Schleim abzusondern, bringt dann die Schuppen in
einen Mörser mit Wasser und reibt sie eine Viertelstunde lang durch;
darauf presst man die Flüssigkeit durch ein leinenes Tuch und lässt sie
ruhig stehen. Die Perlenessenz scheidet sich am Boden der Gläser aus;
sie wird nochmals mit Wasser ausgewaschen und darauf mit etwas Ammoniak
und Hausenblasenlösung gemischt, aufbewahrt. Durch den Zusatz des
Ammoniaks soll das Verderben der Flüssigkeit verhütet werden.
Um die Perlen auf ihrer Innenseite mit dieser Essenz zu überziehen,
saugt man mit einer zu einer feinen Spitze ausgezogenen Glasröhre etwas
Essenz auf, bringt die Spitze in die Oeffnung einer Perle und bläst
etwas Flüssigkeit in dieselbe; man bewegt sie dabei nach allen Seiten,
damit sie die Perle überall überziehe, dann mischt man sie in einem mit
Pergament überzogenen Siebboden und schüttelt sie beständig, bis sie
trocken sind. Nun kommen die Perlen in den Trockenraum. Um sie
dauerhafter und schwerer und die Perlenmasse an der inneren Seite
haltbarer zu machen, füllt man sie noch mit Wachs aus. Die mit Wachs
angefüllten Perlen werden durchbohrt und zum Verkaufe auf Fäden
gezogen. In die rothen Perlen, welche die Korallen nachahmen sollen, in
die gelben u. s. w. werden mit arabischem Gummi angemachte Farben, in
die metallisch glänzenden =Marcasit=- oder =Spiegelperlen= wird eine
leichtflüssige Legirung eingeblasen.
[Sidenote: Hyalographie.]
Die Kunst in Glas zu ätzen ist im Jahre 1670 von dem Nürnberger
Künstler =Heinrich Schwankhardt= (oder Schwanhard) erfunden worden. Sie
wird auf folgende Weise ausgeführt: Uebergiesst man Flussspathpulver
mit concentrirter Schwefelsäure, so entwickelt sich beim Erwärmen
Fluorwasserstoffsäure FlH, welche, wenn sie mit Glas zusammenkommt,
sich mit der Kieselerde des Glases umsetzt zu Fluorsilicium SiFl_{2},
welches zum grössten Theile entweicht, und zu Wasser. Auf den
angegriffenen Stellen bleiben die übrigen Bestandtheile des Glases als
ein lockeres Pulver zurück, welches mit Leichtigkeit hinweggenommen
werden kann. Die erste Idee, auf Glasplatten =zum Abdrucken= sich
eignende Zeichnungen einzuätzen, rührt von =Hann= zu Warschau (1829)
her. In neuerer Zeit (1844) ist der =Glasdruck= oder die =Hyalographie=
von =Böttger= und =Bromeis= wieder angeregt und in der k. k.
Staatsdruckerei in Wien durch deren früheren Vorstand von =Auer= weiter
ausgebildet worden. Zu Aetzungen in Glas lässt sich der gewöhnliche
Aetzgrund für Metalle nicht wol verwenden, da er durch die Flusssäure
von der Glasplatte abgelöst wird. Nach der Methode =Piil='s besteht der
zweckmässigste Radirgrund aus einer Auflösung eines geschmolzenen
Gemenges von Asphalt und Wallrath in Terpentinöl (Strichgrund) oder
eines Gemenges von 1 Th. Asphalt mit 1 Th. Colophonium und so viel
Terpentinöl, bis die Masse ungefähr Syrupconsistenz erhält (Deckgrund).
Die zu ätzende Glasplatte wird mit dem Aetzgrund überzogen, mit einem
Wachsrande oder mit in Wachs getauchten Holzleisten umgeben, damit man
die flüssige Flusssäure aufgiessen kann, welche man so lange einwirken
lässt, bis die feinsten Striche die hinreichende Tiefe erlangt haben.
Man entfernt hierauf die Flusssäure, wäscht die Glasplatte mit Wasser,
trocknet sie sorgfältig, überzieht die hinreichend tief geätzten
Stellen mit Aetzgrund und lässt auf die noch tiefer zu ätzenden frische
Flusssäure einwirken, wodurch bei regelrechter Wiederholung eine
genügende Abstufung in der Tiefe der einzelnen Striche erzielt werden
kann. Während =Bromeis= und =R. Böttger= angeben, dass bei der
vollkommenen Gleichmässigkeit der Glasmasse ein Unterfressen weit
weniger zu fürchten sei, als bei Kupfer oder Stahl, machte man in Wien
die Beobachtung, dass die Flusssäure mehr als jedes andere Aetzmittel
die Eigenschaft habe, sich zwischen der Platte und dem Aetzgrunde
»einzukeilen«, in welcher Eigenschaft hauptsächlich auch der Grund
liege, dass die Hyalographie bis jetzt noch keine rechte praktische
Anwendung gefunden habe. Die geätzte Platte wird durch Erwärmen und
Behandeln mit Terpentinöl von dem Deckgrunde befreit. Zum Abdrucken
eignet sich die lithographische Presse vorzugsweise. Damit die Platte
unter der Presse nicht springe, kittet man sie auf eine grössere
gusseiserne oder hölzerne Platte. Als Kitt wendet man für grössere
Platten ein Gemenge von frischgebranntem Gyps und Leim an, für kleinere
dagegen benutzt man mit Vortheil ein Gemisch von Pech und Bolus. Die
Zeichnungen der Platten werden ausserordentlich rein und zart
wiedergegeben, jedoch leiden sie an einer gewissen Härte und Starrheit,
was bei dem Glas schwer zu beseitigen sein möchte, während bei
Anwendung von Kupfer und Stahl mit dem Grabstichel nachgeholfen werden
kann. Scheint auch das Glas als Material für Kunstleistungen nicht sehr
geeignet, so wird es sich doch vortheilhaft für die Herstellung von
Landkarten, Banknoten u. s. w. verwenden lassen. Das =Glasätzen= zu
decorativen Zwecken wird gleichfalls mit Fluorwasserstoffsäure
ausgeführt. Nach dem Verfahren von =Tessié du Motay= und =Maréchal= in
Metz erzeugt man die Säure am besten in einem Bade aus 250 Grm.
Fluorwasserstoff-Fluorkalium, 1 Liter Wasser und 250 Grm. gewöhnlicher
Salzsäure. Zum Mattätzen und zum Mattschreiben auf Glas empfiehlt
=Kessler= eine Lösung von Fluorammon, die in der That zum Etiquettiren
von Flaschen, Cylindern, Röhren u. s. w. gute Dienste leistet. --
Die Keramik oder die Thonwaarenfabrikation.
[Sidenote: Thon und dessen Verarbeitung.]
[Sidenote: Feldspath.]
[Sidenote: Thon.]
[Sidenote: Kaolin oder Porcellanerde.]
[Sidenote: Allgemeines über Thonarten.]
Zu den wichtigsten Thonerdeverbindungen, die wir in der Natur vorfinden,
gehören die Feldspathe. Diese Mineralien bilden ein wichtiges Glied der
Gebirge und treten als wesentliche Gemengtheile der gneusartigen,
granitischen und porphyrartigen Gesteine auf. Aus Feldspath, Glimmer und
Quarz besteht überwiegend die Schicht des Urgebirges, welche unsern
Erdkörper umgiebt. Der Kaliumfeldspath (3Si / AlK)} O_{8} (mit
65,4 Kieselerde, 18 Thonerde und 16,6 Kali) führt den Namen =Orthoklas=;
ist das Kalium durch Natrium vertreten, so heisst der Feldspath =Albit=.
Viele Feldspathe enthalten Barium (nach =Alex. Mitscherlich= 0,4-2,25
Proc.). Wenn der Feldspath (oder manche Varietäten von Amphibol und
Pyroxen) unter dem Einflusse von Wasser, Kohlensäure und
Temperaturverhältnissen verwittert, so wird Kaliumsilicat frei, das
ausgewaschen und zum Theil von den Pflanzen aufgesogen wird und als die
Hauptquelle alles Kalis in den Aschen der Vegetabilien anzusehen ist, zum
Theil aber auch durch Kohlensäure zersetzt wird, wodurch sich Kieselsäure
ausscheidet, während Kaliumcarbonat gelöst wird. In Folge dieser
Zersetzung ist dem Rückstand stets unverbundene (in Kali lösliche)
Kieselsäure beigemengt, welche auch zuweilen zur Bildung von Opal,
Chalcedon und Hornstein Veranlassung gab[94]. Das zurückbleibende
Aluminiumsilicat bildet den sogenannten =Thon=, dessen wesentlichster
Bestandtheil eben Aluminiumsilicat ist. Der am Orte seiner Entstehung
lagernde Thon giebt, mit Wasser angerührt, nur eine sehr wenig plastische
Masse; man nennt die Thonart =Kaolin= oder =Porcellanerde=, sie findet
sich häufig in Trümmern des Urgebirges, mit Quarz und auch mit Glimmer
und desgl. gemengt, was ihre Bildung aus dem Feldspath eines Granits,
eines Porphyrs u. s. w. anzeigt. Wenn diese Thonart durch
Ueberschwemmungen fortgerissen und wieder abgelagert wird, so bildet sich
der =Thon=, welcher mit Wasser die bekannte knetbare Masse bildet. Die
chemische Zusammensetzung der verschiedenen Kaoline und Thone ist eine
verschiedene, schon aus dem Grunde, weil sich darin ausser der
eigentlichen plastischen Substanz die vorhin erwähnten mechanischen
Beimengungen finden. Sobald aber diese Beimengungen theils durch
Schlämmen, theils durch ein kurzes Kochen mit Kalilauge (wodurch die
freie Kieselerde beseitigt wird) entfernt worden sind, findet man in den
meisten Fällen, dass die reine plastische Masse auf 1 Molek. Kieselerde,
1 Molek. Thonerde und 2 Molek. Wasser enthält. Die Menge der freien
Kieselsäure schwankt zwischen 1-14 Proc.
[94] So finden sich z. B. in der Porcellanerde von Oberzell bei Passau
Knollen von Opal und Halbopal; auch der sogenannte Knollenstein in
dem zersetzten Porphyr der Umgegend von Halle dürfte auf ähnliche
Weise entstanden sein.
Die Verwitterung des Feldspathes lässt sich durch folgendes Schema
verdeutlichen:
1 Molek. Feldspath Si_{3}O_{8}KAl oder 3Si } O_{8}
AlK }
giebt unter Mitwirkung von Wasser
1 Molek. Porcellanerde 2SiO_{4}HAl
und 1 " saures Kaliumsilicat,
welches letztere sich zum Theil in der Weise zersetzt, dass Kieselerde
ausgeschieden wird und eine lösliche Verbindung (von der
Zusammensetzung des Wasserglases) zurückbleibt. Bekannte Fundorte, auf
welchen die Porcellanerde bauwürdig angetroffen wird, sind 1) im
Königreiche Bayern, die Umgegend von Aschaffenburg (Spessart), ferner
Stollberg, Diendorf, Oberedsdorf und einige andere Ortschaften im
Regierungsbezirke Niederbayern; ausserdem bei einigen Orten
Oberfrankens (Schwefelgosse, Brand, Niederlamitz, Göpfersgrün) und der
Oberpfalz (Beratzhausen und Ehefeld bei Amberg). Die bei Wegscheid in
Niederbayern sich findende und durch Verwitterung von Gneus (von
Porcellanspath nach Fuchs) entstandene wird gewöhnlich Passauer
Porcellanerde genannt. Material der Porcellanfabrik zu Nymphenburg. 2)
Im Königreiche Preussen, Morl und Trotha bei Halle. Zersetzter Porphyr.
Material der Berliner Porcellanfabrik. 3) Im Königreiche Sachsen, Aue
bei Schneeberg (gegenwärtig erschöpft) und Seilitz bei Meissen. Erstere
ist durch Verwitterung von Granit, letztere aus Porphyr entstanden. Die
Seilitzer Erde wird auf der Meissner Porcellanfabrik verarbeitet. 4) In
der ungarisch-österreichischen Monarchie, Brenditz in Mähren, Zedlitz
bei Karlsbad in Böhmen, Prinzdorf in Ungarn. 5) In Frankreich, St.
Yrieux bei Limoges. Zerstörtes Gneusgebirge. 6) In England, St. Austle
in Cornwall. Verwitterter Granit. Der _cornish stone_, der in den
Thondistricten Englands eine grosse Rolle spielt, ist halb verwitterter
Pegmatit, eine aus Orthoklas und Quarz gemengte Felsart. Er findet sich
zu Tregoning-Hill bei Helstone und zeichnet sich durch einen Gehalt an
kieselsaurem Kali aus, weshalb er auch zur Glasur verwendet werden
kann. 7) In China.
Es liegt in der Natur der Sache, dass je nach der Natur des
Muttergesteins, durch dessen Verwitterung der Thon entstanden ist, der
Thon mit fremden Substanzen verunreinigt sein muss. Von der Qualität
und Quantität dieser fremden Körper, so wie von dem sehr verschiedenen
Verhältnisse zwischen den Hauptbestandtheilen eines jeden Thones --
Kieselsäure und Thonerde -- rühren die grossen Verschiedenheiten in den
Eigenschaften des Thones her. Die in den geringeren Thonarten sich
findenden Verunreinigungen sind: Sand (theils in Form von wirklichem
Quarzsandstein, als in Kali lösliche Kieselsäure, theils auch Trümmer
unzersetzter Mineralien), Barytverbindungen, Magnesium- und
Calciumcarbonat, Eisenoxyd, Schwefelkies und organische Ueberreste. Der
im jüngeren Gebirge und besonders im aufgeschwämmten Lande vorkommende
Thon ist weit häufiger als die Porcellanerde.
[Sidenote: Technisch wichtige Eigenschaften des Thones.]
[Sidenote: Farbe.]
Für die technische Verarbeitung des Thones wichtige Eigenschaften sind
=Farbe=, =Plasticität= (Bindevermögen) und =Feuerfestigkeit=
(Strengflüssigkeit). Im Naturzustande ist die Farbe des Thones eine
weisse, gelbliche, bläuliche oder graugrüne. Reiner Thon ist weiss; die
Farben rühren daher von Beimengungen her. Weisser Thon enthält zuweilen
geringe Mengen von Eisenoxydul und wird nach dem Brennen gelblich oder
röthlich, farbiger dagegen, dessen Färbung von der Gegenwart
organischer Substanzen herrührt, brennt sich häufig durch
Verflüchtigung der Verunreinigungen weiss. Die übrigen gefärbten Thone
verändern beim Brennen ihre Farbe und werden röthlich oder
röthlichgelb. Feinere Thonarbeiten können nur aus sich weiss brennendem
Thone dargestellt werden.
[Sidenote: Plasticität.]
[Sidenote: Schmelzbarkeit.]
Der Thon saugt begierig Wasser ein und bildet damit eine zähe Masse,
die knet- und formbar (bildsam oder plastisch) und zur Annahme feiner
Eindrücke geeignet ist. Es ist klar, dass die Bildsamkeit eines Thones
von der Menge des vorhandenen plastischen Thones abhängig ist und dass
dieselbe abnehmen muss, wenn der Thon einen nicht bildsamen Gemengtheil
enthält. Die Plasticität eines Thones wird am meisten beeinträchtigt
durch Sand, weniger durch Kalk, am wenigsten durch Eisenoxyd. Thone,
die im hohen Grade bildsam sind, nennt man =fett= und =lang= (weil sie
im angemachten Zustande sich schlüpfrig anfühlen und sich ziehen
lassen, ohne sofort abzureissen); den Gegensatz bilden die =mageren=
und =kurzen= Thone, die sich rauh anfühlen, leicht abreissen und nur
wenig Bildsamkeit besitzen. Alle Thonarten =schwinden=, d. h. sie
nehmen sowohl beim Trocknen, als auch beim Brennen ein geringeres
Volumen ein, woher es geschieht, dass die Form der Gegenstände entweder
sich =verzieht= oder der Thon =reisst=. Ein und derselbe Thon schwindet
um so mehr, je feuchter er gewesen und je länger die Einwirkung der
Hitze gewährt hat. Die fetten Thone schwinden mehr als die mageren. Die
Verkleinerung der Oberfläche durch das Schwinden variirt von 14 bis zu
31 Proc., die der Capacität (des Inhaltes) von 20 bis 43 Proc. Durch
das Brennen nimmt die Dicke und die Härte eines Thones oft bis zu dem
Grade zu, dass er am Stahl Funken giebt. Seine Eigenschaft, mit Wasser
eine plastische Masse zu bilden, hat er gänzlich verloren. Reiner Thon
(Aluminiumsilicat) ist für sich nicht schmelzbar (feuerfest), durch
Beimengungen wie Kalk, Eisenoxyd und andere Basen wird aber der Thon
mehr oder weniger leicht schmelzbar. Nach den Untersuchungen von =E.
Richters= (1868) wird die Feuerbeständigkeit eines Thones am meisten
beeinträchtigt durch Magnesia, weniger durch Kalk, noch weniger durch
Eisenoxyd, am wenigsten durch Kali. Schmelzbarer Thon kann
begreiflicherweise nicht zur Fabrikation solcher Thonwaaren benutzt
werden, welche sehr hart sein müssen wie das Porcellan oder wie
feuerfeste Steine und Schmelztiegel beim Gebrauch einer hohen
Temperatur ausgesetzt werden. Einige schwer schmelzbare und feuerfeste
Thonarten sintern bei der höchsten Brennhitze zusammen, wodurch die
Masse geflossen (aufgelöst) erscheint und nicht mehr an der Zunge
haftet. Bei der Fabrikation gewisser Thonwaaren ruft man die Neigung
des Zusammensinterns durch geeigneten Zusatz eines Flussmittels hervor
oder befördert sie hierdurch.
[Sidenote: Eintheilung der Thonarten.]
Die Thonarten, welche in der Keramik Anwendung finden, pflegt man
einzutheilen in
1) =feuerfeste= (Porcellanerde und plastischer Thon),
2) =schmelzbare= (gemeiner Töpferthon, Walkererde),
3) =kalkige= oder =aufbrausende= (Mergel, Lehm),
4) =ockerige Thone= (Röthel, Bolus, Ocker).
Neben der oben angeführten Porcellanerde (Kaolin) ist der =feuerfeste
Thon= (Porcellanthon, Kapselthon, Pfeifenthon, plastischer Thon) die
wichtigste Thonart; er ist verschieden gefärbt, sehr zähe, im hohen
Grade plastisch, brennt sich weiss und ist im Porcellanofenfeuer nicht
schmelzbar. Gewöhnlich kommt er in tertiären Ablagerungen vor, bald ist
er von anderen Thonarten, bald von Quarzsandmassen, zuweilen von
Braunkohlenlagern begleitet. Für die Praxis ist es wichtig, zu wissen,
dass oft Thone von demselben Lager und von derselben Grube bedeutende
Verschiedenheiten in dem Grade der Feuerbeständigkeit darbieten, deren
Ursache in neuerer Zeit insbesondere von =C. Bischof=, =Otto= sen. und
=Th. Richters= vom experimentellen und von =A. Türrschmidt= vom
praktischen Standpunkte aus zu ergründen versucht wurde. Die Lager bei
Klingenberg am Main (in Unterfranken), am Rhein (Coblenz, Cöln,
Lautersheim und Vallendar), Wiesloch in Baden, Bunzlau in Schlesien,
Schwarzenfeld (bei Schwandorf), Amberg, Kemnath und Mitterteich in
Bayern, Grossalmerode in der Provinz Hessen, zu Colditz und
Hubertusburg in Sachsen, zu Einberg bei Coburg, in der Gegend von Namur
in Belgien, bei Dreux in Frankreich, Devonshire und Stourbridge in
England sind die bekanntesten. Nachstehende Analysen geben ein Bild von
der Zusammensetzung einiger feuerfesten Thone:
1. 2. 3. 4. 5.
Kieselerde 47,50 45,79 53,00 63,30 55,50
Thonerde 34,37 28,10 27,00 23,30 27,75
Kalk 0,50 2,00 1,25 0,73 0,67
Magnesia 1,00 -- -- -- 0,75
Eisenoxyd 1,24 6,55 1,75 1,80 2,01
Wasser 1,00 16,50 -- 10,30 10,53
1. Almerode in Kurhessen (Schmelztiegel); 2. Schildorf bei Passau
(Graphittiegel); 3. Einberg bei Coburg (Porcellankapseln, feuerfeste
Steine); 4. Stourbridge; 5. Newcastle (feuerfeste Steine).
[Sidenote: Töpferthon.]
Der =gewöhnliche Töpferthon= besitzt die meisten äusseren Eigenschaften
des plastischen Thones; viele Arten desselben fühlen sich weich an und
bilden mit Wasser eine ziemliche zähe Masse, allein sie sind
zerreiblicher und zertheilen sich weit leichter im Wasser. Häufig ist
der Töpferthon stark gefärbt und behält seine Farbe auch nach dem
Brennen bei. Meist braust er schon mit Salzsäure etwas auf und macht
dann den Uebergang zu dem Mergel. In Folge seines Gehaltes an Kalk und
Eisenoxyd ist er schmelzbar und schmilzt je nach der Quantität dieser
Beimengungen bei höherer oder niedrigerer Temperatur zu einer
dunkelgefärbten, schlackenähnlichen Masse. Er findet sich vorzüglich in
den jüngsten Gebilden der Erdrinde, oft ganz an der Oberfläche,
zuweilen indessen auch in mächtigen Ablagerungen in einigen tertiären
und Flötzformationen. Zuweilen liegen in ihm fremde Körper, wie
organische Reste, Eisenkies und Strahlkies, Gyps, Nieren von thonigem
Sphärosiderit.
[Sidenote: Walkererde.]
Die =Walkererde= ist eine weiche zerreibliche Masse und rührt von der
Verwitterung von Diorit und Dioritschiefer her. In Wasser zerfällt sie
zu einem zarten Pulver und bildet einen nicht plastischen Brei. Auf
ihrer Eigenschaft, sich in Wasser fein und schnell zu zertheilen und in
diesem Zustande Fett zu absorbiren, beruht ihre Anwendung zum
Fleckausmachen, zum Walken des Tuches etc. Sie findet sich bei Riegate
in Surrey und bei Maidstone in Kent; sie kommt ferner vor zu Vaals bei
Aachen, Rosswein in Sachsen, dann in Hessen (in der Nähe von Cassel),
Böhmen, Schlesien, Mähren, Steiermark. Man verwendet sie auch in der
Buntpapier- und Tapetenfabrikation, und auch als Zusatz zum Ultramarin.
[Sidenote: Mergel.]
Der =Mergel= ist ein mechanisches Gemenge von Thon und Calciumcarbonat,
welches mitunter auch Sand (Sandmergel) und andere zufällige
Beimengungen enthält. Derjenige, der überwiegenden Kalk enthält, heisst
=Kalkmergel=, der mit vorwaltendem Thongehalt, =Thonmergel=. In Wasser
zerfällt er zu Pulver und bildet eine teigige, nicht zusammenhängende
Masse. Mit Säuren braust er stark auf, wobei sich oft mehr als die
Hälfte seines Gewichtes löst. Er schmilzt leicht. Der Mergel ist
besonders dem jüngern Flötzgebirge eigen und findet sich in den
Gebilden des bunten Sandsteins und Keupers, auch in der Lias- und
Kreideformation. Einige Varietäten des Mergels werden zu Töpferwaaren
benutzt, die nicht stark gebrannt werden. Seine Hauptanwendung findet
der Mergel in der Landwirthschaft als Düngemittel.
[Sidenote: Lehm.]
Der =Lehm= (Leimen, Löss, Ziegelthon) macht den Uebergang vom Thon zum
Sande. Er ist ein mit Quarzsand und mehr oder weniger Eisenocker,
zuweilen auch mit Kalk gemengter Thon von gelber oder bräunlicher
Farbe, die nach dem Brennen in Roth übergeht. Er bildet mit Wasser eine
wenig plastische Masse und ist nicht sehr feuerbeständig. Der Lehm ist
die verbreitetste Formation des Thones und, indem er besonders in den
jüngsten Ablagerungen der Erdrinde nahe an der Oberfläche vorkommt, von
grossem Einfluss auf die Lockerheit des Bodens. Dem Lehm ähnlich ist
der =Letten=, der in vielen tertiären und Flötzformationen sich findet.
Der in den Rheingegenden in grossen Massen angeschwemmte =Löss= ist
eine Art feinen Lehms. -- Der Lehm findet Anwendung zu Backsteinen und
Ziegeln, mit Häcksel vermengt zum Ausstacken der Fachwerke und zu den
Lehmwänden, zu dem Pisébau, zum Vermauern der Steine bei Brandmauern,
Schornsteinmauern, wobei er aber nicht wie der Kalkmörtel die Steine zu
einem Ganzen verbindet, sondern nur die Fugen ausfüllt.
Die in Deutschland seltener in der Thonwaarenfabrikation Anwendung
findenden Gemenge von Thon und Eisenocker oder Eisenoxydhydrat, wie
=Röthel=, =Bolus= und =Ocker=, können übergangen werden.
[Sidenote: Zusammensetzung der Kaoline.]
Die Kaoline im reinen Zustande und nur durch Waschen von gröberen Körpern
(Quarzkörnern und dergl.) befreit, sind Gemenge von Porcellanthon mit
Gesteinrückstand. Der Porcellanthon, d. i. der plastische Theil des
Kaolins, ist immer gleich zusammengesetzt. Die Zusammensetzung der
Kaoline ergiebt sich aus folgenden Analysen:
Kieselerde
Fundort Gesteinrückstand frei an Thonerde Thonerde Wasser
gebunden
St. Yrieux 9,7 10,9 31,0 34,6 12,2
Cornwallis 19,6 1,2 45,3 24,0 8,7
Devonshire 4,3 10,1 34,0 36,8 12,7
Passau 4,5 9,7 36,7 37,0 12,8
Aue 18,0 1,7 34,2 34,1 11,0
Morl bei Halle 43,8 4,4 21,6 22,5 7,5
[Sidenote: Eintheilung der Thonwaaren.]
=Eintheilung der Thonwaaren.= Nach der innern Beschaffenheit der
gebrannten Masse (des =Scherbens=), kann man die Thonwaaren am
naturgemässesten unterscheiden als =dichte= und =poröse= Thonwaaren. Die
=dichten= sind so stark erhitzt worden, dass ihre Masse halbverglast
(aufgelöst, geflossen) erscheint; sie sind im Bruche glasartig,
durchscheinend, undurchdringlich für Wasser und geben am Stahle Funken.
Die poröse Thonwaare ist in der Masse nicht verglast und daher locker;
ihr Bruch ist erdig, ihre Masse zerreiblich, lässt in nicht glasirtem
Zustande Wasser durch und klebt an der Zunge. Die gebrannte Masse, mag
sie dicht oder porös sein, bleibt entweder =rauh=, in welchem Falle die
Thonwaare =einfach= heisst, oder sie ist mit einer glasartigen Masse, mit
=Glasur=, überzogen und heisst dann =zusammengesetzt=.
Die Thonwaaren lassen sich in folgender übersichtlicher Weise
eintheilen:
I. =Dichte Thonwaaren.= A. =Aechtes oder hartes Porcellan.= Masse
gleichsam geflossen, nicht mit dem Messer ritzbar, feinkörnig,
durchscheinend, klingend, weiss, gleichartig und strengflüssig. Bruch
mässig muschelig und feinkörnig. Spec. Gewicht 2,07-2,49. Die Masse
besteht aus zwei Substanzen, nämlich aus einer unschmelzbaren, dem
Kaolin, welche ihr die Eigenschaft ertheilt, den zur Porcellanerzeugung
nöthigen Hitzegrad zu ertragen, ohne zu erweichen, und einem zu Glas
schmelzenden unbildsamen Zusatze, dem sogenannten Flusse, meist
Feldspath mit oder ohne Zufügung von Gyps, Kreide und Quarz; die Glasur
ist wesentlich dem zur Masse gesetzten Flusse gleich und besteht
ebenfalls aus Feldspath, zuweilen mit etwas Gyps, aber =nie= mit Blei-
oder Zinnoxyd. Es ist für die Fabrikation des ächten Porcellans
charakteristisch, dass das Garbrennen der Masse, wobei diese
durchscheinend und dicht wird, mit dem Aufbrennen in =einer= Operation
geschieht.
B. =Weiches Porcellan= oder =Frittenporcellan=. Masse leichtflüssiger
als das ächte oder harte Porcellan; man unterscheidet:
[Greek: a]) =französisches= oder =eigentliches Frittenporcellan=, eine
glasähnliche Masse (unvollständig geschmolzenes
Kalium-Aluminium-Silicat) ohne Zusatz von Thon dargestellt (daher mit
Unrecht zu den Thonwaaren gerechnet), mit bleihaltiger, dem
Krystallglas ähnlicher Glasur;
[Greek: b]) =englisches weiches Porcellan=, die Masse zusammengesetzt
aus Kaolin, plastischem, sich weiss brennendem Thone (Pfeifenerde),
Feuerstein und als Flussmittel Cornish stone (verwitterter Pegmatit),
Gyps oder Knochenasche (wesentlich Calciumphosphat) in sehr
verschiedenen Verhältnissen. Die Glasur besteht aus _Cornish stone_,
Kreide, Feuersteinpulver, Borax, meistens mit, seltener ohne Zusatz von
Bleioxyd. Da die Glasur weit leichtflüssiger ist als die Masse, so muss
letztere in dem ersteren längeren Feuer bereits fast gargebrannt sein,
ehe in einem zweiten, mässigeren und kürzeren Feuer die Glasur
aufgebrannt wird. Die Verschiedenheit der Glasur von dem Fluss der
Masse bewirkt eine geringere Haltbarkeit der ersteren und häufige
Rissigkeit derselben.