Die Fabrikation zerfällt in

1) das Einschmelzen und Läutern,

2) das Giessen und Kühlen,

3) das Schleifen zerfällt in [Greek: a]) das Rauhschleifen,

[Greek: b]) das Feinschleifen,

[Greek: g]) das Poliren,

4) das Belegen.

[Sidenote: Das Einschmelzen und Läutern der Glasmasse.]

[Sidenote: Das Giessen und Kühlen.]

Die Schmelzhäfen und Läuterungswannen sind von sehr verschiedener

Gestalt und Grösse. Die erstern sind abgestutzte Kegel von

kreisförmigem Querschnitte, oben in eine Kuppel oder Haube abgerundet.

Die Haube oder Kuppel, eine kugelartige, mit dem Hafen aus einem Stück

bestehende Wölbung hat drei grosse fensterartige Einschnitte an ihrer

Basis, die in einem Bogen von 120° von einander abstehen. Die

=Läuterungswannen= sind weit kleiner und niedriger und bilden

viereckige Kästen und Falzen zum Eingriff der Tiegelzangen. Die Heizung

erfordert eine Kohlensorte von sehr langer Flamme und in grösseren

Klumpen, demnach eine Stückkohle. Die Schmelzhäfen und die

Läuterungswannen stehen nicht nebeneinander in demselben Ofen, sondern

es sind für beide Zwecke verschiedene Oefen vorhanden. Die Wannen sind

offen und fassen genau die zu einem Spiegel erforderliche Glasmasse.

Weil sie zum Zweck des Giessens zweimal täglich aus dem Ofen genommen

werden müssen, so befindet sich unter dem Arbeitsloch des Ofens ein

Aufbrechloch von dem Umfang der Wanne, das bis auf die Hüttensohle,

also auch inwendig bis auf die Bank niedergeht. Nachdem der Glassatz

geschmolzen ist, wozu 16 bis 18 Stunden erforderlich sind, wird die

Masse aus den Häfen in die Läuterungswannen geschöpft. Man bedient sich

dazu grosser kupferner Löffel, die an einem langen Stiele befestigt

sind und drei Mann zur Bedienung brauchen. Die Läuterungszeit beträgt

etwa 6 Stunden, so dass man in Ravenhead, wo ein doppeltes Schmelz-,

Läuter- und Giesssystem befolgt wird, täglich zweimal, Morgens und

Abends giessen kann. Während des Läuterns verschwinden die durch das

Herausschöpfen in der Masse erzeugten Blasen und der Natronüberschuss

verflüchtigt sich. Nachdem die Schmelzung und Läuterung vorüber ist,

untersucht man, ob das Glas die erforderliche Beschaffenheit habe, um

gegossen werden zu können. Zu diesem Behufe bringt man das Ende eines

eisernen Stabes in den Tiegel und zieht die Probe; die herausgenommene

Masse bildet durch ihr eignes Gewicht einen Faden, wobei sie die

Gestalt einer Birne annimmt; hieraus lässt sich abnehmen, dass die

Masse die zum Giessen erforderliche Zähflüssigkeit erlangt habe. Ist

dies der Fall, so wird die Wanne mittelst Krahnvorrichtungen aus dem

Ofen gehoben und schwebend nach dem =Giesstische= befördert, welcher

mit Rädern unterstützt, auf Eisenbahnschienen läuft, welche parallel

mit den Beschickungsöffnungen der Kühl- oder Temperöfen gelagert sind.

Die Form, auf welcher die Glastafeln gegossen werden, ist eine massive

=Metallplatte= (Fig. 138).

[Illustration: Fig. 138.]

In den französischen Spiegelgiessereien sind die Platten aus einem

Stücke von Kupfer oder Bronze, völlig eben und polirt, 4 Meter lang,

2,25 Meter breit, 12-18 Centimeter dick, damit sie sich durch die Hitze

nicht werfen (in St. Gobin hat man eine solche Tafel, welche

50-55,000 Pfd. wiegt, und 100,000 Franken gekostet hat). In England ist

die Giessplatte von Gusseisen, 25 Centim. stark, auf der Hobelmaschine

geebnet und gross genug, dass man Spiegelplatten von 5 Meter Länge und

gegen 2,8 Meter Breite darauf giessen kann. Da die Glasmasse auf die

Platte ausgegossen und auf derselben durch eine starke und schwere,

ebenfalls bronzene oder gusseiserne Walze gestreckt wird, so würde sie,

wenn die Platte kalt wäre, erstarren und sich dieser Behandlung nicht

unterziehen lassen. Es ist daher erforderlich, die Platte zu erwärmen;

die Giessplatte steht gewöhnlich 0,8 Meter höher als die Hüttensohle.

Die Dicke des Spiegels wird durch kupferne Leisten oder Stäbe bestimmt,

welche so lang als die Tafel sind. Ihre Dicke beträgt wenigstens 8

Millimeter und nimmt mit dem Umfang des Spiegels zu. Diese Leisten

werden unmittelbar vor dem Giessen auf die Tafel gelegt und weiter oder

enger gestellt, je nachdem ein grösserer oder kleinerer Spiegel

gegossen werden soll. Die zur Ausbreitung der Glasmasse auf der Platte

dienende =Walze= ist von Bronze oder Gusseisen, hohl oder massiv, genau

abgedreht und hat ein Gewicht von 5-6 Centner. So lange sie nicht in

Thätigkeit ist, ruht sie auf einem besondern Gestell von gleicher Höhe

mit der Platte und wird gegen diese angedrückt. Der zum Handhaben der

glühenden Wanne erforderliche Kranich ist auf Rollen beweglich und

lässt sich vor jedem einzelnen Kühlofen an der geeigneten Stelle

mittelst in die Mauer eingelassener Ringe und Haken befestigen. Zur

Bedienung der Giessplatte, der Wanne und des Kranichs, mit einem Wort,

zu einem Guss gehören 15 Mann. Die Operation zerfällt in

a) das Ausfahren der Wanne und Hinfahren zum Giesstisch;

b) das Reinigen der Platte und der Wanne;

c) den eigentlichen Guss und das Einbringen in den Kühlofen.

Nachdem die Vorstellthür des Schmelzofens hinweggenommen, wird die

Wanne, mit Zangen von der Bank losgemacht und gelüftet, während ein

Arbeiter eine grosse Wagenschaufel darunter schiebt. Die auf der

Schaufel freistehende, weissglühende Wanne wird nach dem Giesstisch

gefahren. Hier wird die Platte abgefegt, die Glasmasse in der Wanne

abgerahmt, letztere ringsum abgeputzt und nach einigen

Pendelschwingungen umgekippt und der schon ziemlich dickflüssige Inhalt

dicht vor die Walze entleert, welche sich in demselben Augenblick in

Bewegung setzt. Ehe das Glas erkaltet, wird die zuletzt gebildete Kante

der Glastafel über ein als Lineal aufgelegtes Stück Quadrateisen 5-6

Centimeter hoch aufgebogen. Dieser aufgebogene Rand (=Randleiste=)

dient als Stützpunkt für ein Eisen, durch welches die unterdessen

erstarrte Glastafel in den Kühlofen geschoben wird. Da der Giesstisch

unmittelbar vor dem Guss vor das Mundloch des betreffenden Kühlofens

gefahren worden war, so stösst die Glasplatte dicht an und bildet eine

Art Fortsetzung der mit feinem Sand bestreuten Ofensohle; die fertige

Glasplatte kann demnach bequem und ohne dass ein Verbiegen zu

befürchten wäre, in den Ofen geschoben werden. Unterdessen zieht man

eine andere Wanne aus dem Schmelzofen, die in dem Augenblicke bei dem

Giesstische ankommt, wo die erste Glasplatte in den Kühlofen gebracht

wird. Jeder Kühlofen hat zwei Feuerungen und fasst drei Glastafeln; er

muss genau bis auf die Temperatur der eben gegossenen Platte vorgeheizt

sein. Sobald die drei Platten in dem Ofen sich befinden, verstopft man

sorgfältig alle Oeffnungen und überlässt das Glas einige Tage lang der

freiwilligen Abkühlung. Die erkaltete Glasplatte kommt aus dem Kühlofen

in das Beschneidezimmer auf einen mit Tuch beschlagenen Tisch, auf

welchem sofort mit Lineal und Diamant die unregelmässigen Ränder

abgenommen werden. Die Risse und Sprünge an der Oberfläche, die

Bläschen und die eingeschlossenen Sandkörner werden mit Röthel oder

Kreide bezeichnet und darnach nach Maassgabe der Reinheit der Fläche,

Tafeln von der sich ergebenden Grösse geschnitten.

[Sidenote: Das Schleifen.]

Die beschnittenen Glastafeln sind zwar auf der unteren Seite, welche

die Glasplatte berührt hatte, ziemlich eben und glatt, die obere mit

der Walze behandelte Seite zeigt dagegen immer Wellen, weshalb die

Tafeln an beiden Seiten geschliffen und polirt werden müssen. Zum

Schleifen (=Rauhschleifen=) kittet man die untere Glastafel (das

=Bodenglas=) in Gyps auf eine hölzerne oder steinerne Platte

(=Schleifbank=); die andere kleinere (das =Oberglas=) aber kittet man

an einen mit Gewichten beschwerten Kasten. Letztere wird so auf erstere

gelegt, dass die Flächen der Glasplatten sich berühren; man streut

etwas geschlemmten Sand zwischen beide Flächen, tröpfelt Wasser auf und

lässt die obere sich schleifend über der unteren in allen Richtungen

durch Maschinenkraft hin- und herbewegen. Wenn der Schliff bis auf die

tiefsten Stellen angegriffen hat und folglich die Oberfläche wenigstens

im Rauhen zur Ebene geworden ist, muss die Glastafel zur Bearbeitung

der zweiten Fläche umgedreht werden. Der Zweck des =Klarschleifens=

oder =Doucirens=, der Oberfläche diejenige höchste Feinheit des Korns

zu geben, ohne welche die Politur unmöglich wäre, erfordert so

sorgfältige Verwendung der Kraft, dass man diese Operation zweckmässig

durch Handarbeit ausführen lässt. Zum =Poliren= der klargeschliffenen

Glastafeln wird wieder Maschinenkraft angewendet; es werden dabei sowol

die Spiegeltafeln als auch die Reibapparate bewegt und zwar in

Richtungen, die aufeinander senkrecht sind. Den Reibapparaten ist eine

ähnliche hin- und hergehende Bewegung in die Breite ertheilt worden; er

besteht aus einem schmalen Trog, so lang als die Polirbank breit ist,

der zur Aufnahme der den Druck regulirenden Gewichte bestimmt ist. An

der unteren Fläche des Troges befinden sich Reibekissen von

gepolstertem Leder, die um ihren Befestigungs- und Mittelpunkt drehbar

sind. Man polirt mit Colcothar (englisch Roth) und etwas Wasser. Durch

das Schleifen büssen die Glastafeln durchschnittlich die Hälfte ihrer

Dicke, folglich auch die Hälfte ihres Gewichtes ein. Wenn eine

Spiegelglasfabrik jährlich 400,000 Quadratfuss Glastafeln erzeugt, die

ungefähr 16,000 Ctr. wiegen, so gehen davon 8000 Ctr. mit mindestens

1800 Ctr. Natron, entsprechend 2700 Ctr. calcinirter Soda und einem

Geldwerthe von 13,000 fl., verloren. Durch das Zugutemachen dieser

Glasmasse von 8000 Ctr., die mit allen Unkosten des Schmelzens,

Giessens und Schleifens behaftet ist, liesse sich ohne Zweifel der

Preis der Spiegel in einem Grade erniedrigen, der den Absatz

beträchtlich erweitern und auf den Betrieb überhaupt von dem

entschiedensten Einfluss sein würde. Trotzdem sieht man meist dieses

werthvolle Material mit dem Schleifschlamme wegfliessen.

[Sidenote: Belegen.]

=Spiegel.= Nach dem Poliren werden diejenigen Glastafeln, die zu

=Spiegeln= bestimmt sind, mit =Beleg=, d. h. mit einem Zinnamalgam

versehen, damit die Lichtstrahlen, welche zwar schon von der vorderen

glatten Fläche des Glases zum Theil zurückgeworfen werden, eine

möglichst vollständige Reflexion erleiden. Das in der Spiegelbelegung

angewendete =Quecksilber= muss in dem Zustand der grössten Reinheit

sein. Das Zinn wird in Gestalt von =Zinnfolie= verwendet; sie muss aus

dem feinsten Zinn geschlagen sein und ihre Farbe der des polirten

Silbers nahe kommen; sie muss durchaus ganz sein. Die Arbeit des

Belegens ist an sich einfach, erfordert aber Vorsicht, Uebung und

Reinlichkeit. Der Beleger legt die zu belegende Glastafel auf den mit

Tuch beschlagenen Putztisch und nimmt mit einem Flanelllappen und

Holzasche allen Schmutz und alles Fett hinweg. Hierauf wird die Tafel

mit einem leinenen Lappen abgewischt, auf die andere Seite gekehrt und

diese auf die nämliche Weise gereinigt; die zu belegende Seite bleibt

nach oben gekehrt auf dem Putztische liegen, während der Beleger den

Belegstein vorrichtet. Er entrollt eine Folie, schneidet sie so zu,

dass sie über jeder Seite des Glases einen halben Zoll vorsteht,

überfährt sie mit einer Bürste nach allen Richtungen, so dass keine

Falte wahrzunehmen ist und die Folie vollkommen auf dem Belegstein

aufliegt. Darauf giesst er ein wenig Quecksilber darüber und reibt

dasselbe mit einem Tuchbäuschchen über die ganze Folienfläche, wovon

diese wie polirt ist (das =Antränken=). Man stellt den Belegstein

vollkommen horizontal, giesst auf die Folie so viel Quecksilber, als

sie durch Adhäsion tragen kann, ohne dass das Quecksilber über den Rand

fliesst. Dazu gehören bei einer Glastafel von 30-40 Quadratfuss 150-200

Pfund Quecksilber, welche eine Schicht von einigen Linien bilden. Die

Glastafel wird nunmehr, nachdem die trübe Haut des Metalls vom vorderen

Rand entfernt worden, mit der einen Längenkante zwischen der Oberfläche

des Quecksilbers und der Folie über einem Stück ausgespannten Zeug

vorgeschoben, welches die letzten Staubtheilchen abwischt. Man rückt so

langsam vor, indem man die Kante stets untergetaucht hält. Die

Unreinheit der Quecksilberfläche ist auf diese Weise unschädlich

gemacht. Mit dem Aufschieben schwimmt die Glasplatte auf dem

überschüssigen Quecksilber, welches abgepresst werden muss. Ist die

Glasplatte durch Gewichte belastet, so giebt man dem Belegstein eine

ganz geringe Neigung. So bleibt die Glastafel ruhig wenigstens 24

Stunden liegen, damit die Belegung einige Festigkeit bekommt (sie

=trocknet=). Nunmehr wird das Glas von dem Belegstein abgenommen und

auf das Ablauf- oder Trockengerüst getragen; hier wieder auf Latten

gelegt, mit der belegten Seite nach oben; ferner giebt man der Platte

eine Neigung, die etwas grösser ist als jene, welche sie auf dem Steine

hatte. Die Neigung wird immer mehr und mehr vergrössert, bis sie

endlich in eine fast senkrechte Lage kommt. In dieser Lage bleiben die

Gläser wenigstens 8 Tage bis 3 Wochen stehen. 50 Quadratdecimeter

Spiegelglas erfordern 2,023 Grm. Amalgam.

[Sidenote: Silberspiegel.]

In neuerer Zeit hat man vielfach versucht, anstatt der Belegung der

Spiegel mit Zinnamalgam eine =Versilberung= der Glastafeln anzuwenden.

Das von =Drayton= im Jahre 1844 vorgeschlagene Verfahren ist das

folgende. Man löst 32 Grm. salpetersaures Silber in 64 Grm. Wasser und

16 Grm. flüssigem Ammoniak und setzt zu der filtrirten Lösung 108 Grm.

Weingeist von 0,842 spec. Gew. und 20-30 Tropfen Cassiaöl. Nachdem das

zu versilbernde Glas horizontal gelegt worden ist, bringt man auf allen

Seiten eine Einfassung von Glaserkitt an, so dass die Flüssigkeit 0,5-1

Centimeter hoch auf der zu versilbernden Glasfläche stehen bleiben

kann. Nachdem diese _versilbernde Flüssigkeit_ (Nr. I.) auf das

gereinigte und polirte Glas gegossen worden ist, lässt man 6-12 Tropfen

der _reducirenden Flüssigkeit_ (Nr. II.), aus 1 Volumen Nelkenöl und 3

Volumen Weingeist bestehend, auf verschiedenen Stellen in die

Flüssigkeit auf dem Glase fallen. Je mehr Nelkenöl man anwendet, desto

schneller scheidet sich das Silber ab; die Fällung oder Ablagerung

erheischt jedoch beiläufig zwei Stunden, was ein Arbeiter nach einiger

Uebung leicht in seine Gewalt bekommt. Die zum Theil entsilberte

Flüssigkeit lässt sich nach dem Filtriren wieder zum Versilbern

verwenden. Für jeden Quadratfuss Glas braucht man etwa 9 Decigramme

salpetersaures Silber. Zur Darstellung fehlerfreier (aber leider nicht

immer haltbarer) Spiegel[91] wendet =v. Liebig= eine ammoniakalische,

mit Aetzkali oder Aetznatron versetzte Lösung von salpetersaurem

Silber, welche mit wässriger Milchzuckerlösung versetzt ist, an. Man

fertigt eine ammoniakalische Lösung von salpetersaurem Silber, welche

in 200 Kubikcentimetern Wasser 10 Grm. geschmolzenes salpetersaures

Silber enthält, setzt dazu nicht mehr Ammoniak, als für eine klare

Lösung nöthig ist und hernach 450 Kubikcentimeter einer Natronlauge von

1,035 spec. Gewicht. Den hierbei entstehenden Niederschlag löst man

durch Zusatz von Ammoniak wieder auf, bringt das Volumen der Mischung

auf 1450 Kubikcentimeter, fügt so viel von verdünnter Silberlösung

hinzu, dass ein bleibender grauer Niederschlag entsteht und verdünnt

zuletzt mit Wasser bis auf 1500 Kubikcentimeter. Diese Flüssigkeit

mischt man kurz vor ihrer Anwendung mit 1/6-1/8 ihres Volumens

Milchzuckerlösung, welche auf 10 Gewichtstheile Wasser 1 Th.

Milchzucker enthält. Die zu versilbernde Glasplatte wird in dem mit der

Versilberungsflüssigkeit gefüllten Gefäss in der Art schwebend

befestigt, dass die Oberfläche des Glases die Flüssigkeit vollständig

berührt und die Entfernung derselben vom Boden des Gefässes etwa

reichlich 1/2 Zoll beträgt. Die Reduktion beginnt sofort, anfangs

erscheint die Glastafel schwarz und wird bald darauf spiegelnd. Die

Bestimmung der an einer Glasplatte niedergeschlagenen Silberschicht

ergab 0,0049 Grm. auf 226 Quadratcentimeter, es erfordert also

1 Quadratmeter 2,210 Grm. Silber. Die versilberte Platte wird mit

warmem destillirten Wasser gewaschen und an einem warmen Orte

getrocknet. Einmal trocken, haftet die Belegung so fest, dass sie sich

nur schwer abreiben, ja sogar mit feinem Polirroth und Sammet gut

poliren lässt. Es ist zweckmässig, den fertigen Silberspiegel vor

seiner Fassung mit einem Firniss zu überziehen oder besser noch

galvanisch zu verkupfern. =Löwe= wendet zur Spiegelversilberung

salpetersaures Silber, Stärkezucker und Kali, =A. Martin= Silbernitrat,

Ammoniak, Kali und durch Salpetersäure intervertirten Rohrzucker,

=Petitjean= Silberoxyd, Ammoniak und Weinsäure an. =F. Bothe= (in

Saarbrücken) benutzt statt der Weinsäure Oxyweinsäure.

[91] Nach =Carey Lea= (1866) soll die Glasversilberung schöner und

gleichförmiger unter Mitwirkung von directem Sonnenlichte

ausfallen.

[Sidenote: Platinspiegel.]

Nach dem Vorschlage von =Dodé= wendet man Platin zum Ueberziehen von

Spiegelglas behufs der Herstellung von sogenannten =Platinspiegeln= an.

Die Franzosen =Creswell= und =Tavernier= haben bereits eine Fabrik für

den neuen Artikel in Gang gebracht. Bisher sah man das Platin nur als

Verzierung auf Porcellan angewandt; die Verwendung auf grössere

spiegelnde Flächen war also nahe gelegt. Die spiegelnde Metallfläche

liegt bei dem neuen Artikel ebenso wie bei dem Porcellan frei auf dem

Glase, durch Einbrennen mit demselben untrennbar verbunden, und bedarf

keiner schützenden Glastafel. Das Einbrennen ist eine leichte Arbeit:

mit Lavendelöl zusammmengeriebenes Platinchlorid wird mit einem Pinsel

auf die Glastafel getragen und dieselbe nach dem Eintrocknen in einer

Muffel gebrannt; hiermit ist der Spiegel fertig. Für die Wohlfeilheit

derselben ist besonders der Umstand günstig, dass alle fehlerhaften

Glastafeln dazu benutzt werden können, die bei der gewöhnlichen

Fabrikation verworfen werden müssen, wenn sie sich nur auf der einen

Seite schleifen und poliren lassen. Die hintere Seite kann beschaffen

sein, wie sie will, und es kommt auch nichts darauf an, dass beide

Glasflächen parallel sind. Die Dünne der Platinschicht bringt es

übrigens mit sich, dass solche Platten, obwol sie beim Daraufsehen

einen guten Spiegel abgeben, doch gegen das Licht gehalten

durchsichtig sind und man durch sie hindurch sehen kann, ohne selbst

gesehen zu werden. In Paris macht man in Läden und Wohnungen von dem

platinirten Glase bereits vielfach Gebrauch.

[Sidenote: Hohlglas.]

Die =Hohlglasfabrikation= beschäftigt sich mit der Fabrikation aller

Arten =hohler Gefässe= zum Aufbewahren von Flüssigkeiten. Sie verarbeitet

entweder =gemeines grünes Glas= (Buttelglas), das von hellerer oder

dunklerer Farbe und mehr oder weniger rein ist, oder =feines weisses

Glas= oder endlich =Krystallglas=. Aus gemeinem grünen Glase werden

ausser Medicingläsern, Retorten und Kolben auch Bouteillen dargestellt.

Da jedoch die Bouteillen zu den gesuchtesten Glasgegenständen gehören, da

sich ferner hierzu eine dunkle in dickeren Schichten fast undurchsichtige

Glasart eignet, so wird die Bouteillenfabrikation häufig ganz allein und

besonders betrieben. Die Verarbeitung von feinem weissen Glas liefert

alle Arten von Trinkgläsern, Wasserflaschen, so wie Teller, Schalen,

Vasen, Kronleuchter u. s. w. Aus Krystallglas werden dieselben

Gegenstände wie aus dem weissen Glas hergestellt, nur in einem höhern

Grade der Vollkommenheit. Letzterer Zweig der Glasfabrikation, in welchem

das kunstgewerbliche Element bedeutend hervorragt, bildet die

=Gobeleterie=.

Der Glassatz für ordinäres Bouteillenglas besteht aus Sand, Potasche

oder Soda, Seifensiederasche, Holzasche, Glaubersalz, Kochsalz,

Gaskalk, Kalk, Lehm, Schlacken, Basalt und andern feldspathhaltigen

Mineralien. Zu Medicinglas nimmt man die eisenfreieren Materialien, die

noch reineren zum weissen Hohlglase. Wenn nun auch für die Herstellung

des Bouteillenglases keine so sorgfältige Auswahl der Materialien wie

bei den feineren Glassorten erforderlich ist, so müssen diese doch

wegen des nöthigen Widerstandes gegen den Druck bei moussirenden

Flüssigkeiten und gegen den Angriff von Säuren passend ausgewählt, sehr

gut geschmolzen, das Glas selbst mit Aufmerksamkeit verarbeitet und

abgekühlt werden. Bei der Analyse verschiedener Sorten von Hohlglas

fanden sich folgende Resultate:

=Spec. Gew.= 2,47 2,48 2,47 2,3 2,4

Kieselsäure 74,71 74,66 75,94 74,37 74,26

Kali -- 4,32 -- 12,48 --

Natron 15,74 11,01 15,15 3,42 14,06

Kalk 8,77 9,13 8,01 9,02 8,60

Thonerde 0,43 } { 2,52

Eisenoxyd 0,14 } 0,88 0,90 0,71 { 0,38

Manganoxyd 0,21 } { 0,18

------------------------------------------

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00

[Illustration: Fig. 139.]

Die Einzelnheiten der Herstellung der verschiedenen Hohlglasgegenstände

sind, nach der Verschiedenheit der Formen, die aus dem zähflüssigen

Glase verfertigt werden sollen, höchst mannichfaltig und können hier

nur in einzelnen Beispielen angegeben werden. Das Verfertigen der

=grünen Bouteillen= geschieht auf folgende Weise: Sobald die

hinreichende Menge von Glas von der Pfeife aufgenommen worden ist,

bringt der Bläser die Glasmasse auf den Marbel und wälzt ihren vorderen

Theil darauf hin und her, bläst auch von Zeit zu Zeit in das Rohr,

wobei darauf zu sehen ist, dass das Glas um die Höhlung herum überall

gleiche Dicke enthalte und die Form _a_ (Fig. 139) annehme. Nun kommt

die Pfeife mit dem Glase in das Arbeitsloch zum Anwärmen, wobei

dieselbe bald links, bald rechts gewendet wird, damit das Glas sich

nicht auf die Seite neige; sobald es heiss genug ist, bringt der

Fertigmacher die Pfeife in eine senkrechte Lage und bläst unter

pendelartigem Schwingen Luft ein, wodurch der Bauch der ursprünglich

birnförmigen Masse erweitert wird und nun die Gestalt _b_ erhält.

Darauf wird die Glasmasse in die hölzerne Form _c d_ eingesenkt und

kräftig geblasen; so wie das Glas durch das Blasen die Form immer mehr

ausfüllt, zieht der Arbeiter auch die Pfeife mehr an sich, damit der

Bouteillenhals seine Gestalt behält und sich allmälig in den Bauch der

Flasche verliert. Darauf wird die Flasche der Form entnommen, die

Pfeife wird einigemal hin- und hergeschwenkt, damit der noch etwas

flüssige Hals sich mehr in die Länge ziehe und die erforderliche

Gestalt bekomme. Um dem Boden und der Mündung die gebräuchliche Form zu

geben, wird abermals angewärmt, so dass nur der Boden glühend wird;

während dieser Zeit erwärmt ein Gehülfe ein Eisen (das =Nabeleisen=),

an dessen Spitze etwas Glasmasse befestigt ist. Unter gewissen

Handgriffen drückt der Gehülfe sein Eisen auf den Mittelpunkt des

Bodens gleichmässig einwärts (siehe _e_). Darauf wird die Pfeife von

dem Halse abgesprengt, das abgesprengte Ende ins Feuer gebracht und mit

dem Abstreichblech der Rand der Flasche umgelegt. Um den Hals herum

wird etwas Glasmasse befestigt. Während der Bläser eine neue Flasche

beginnt, bringt der Gehülfe die fertige Flasche in den Kühlofen und

trennt durch einen kurzen Schlag das Nabeleisen von der Flasche. In

neuerer Zeit bedient man sich anstatt des Nabeleisens der

=Flaschenzange= (Fig. 140) oder =Klappform=.

[Illustration: Fig. 140.]

[Illustration: Fig. 141.]

Aus dem Vorstehenden geht hervor, auf welche Weise ein Kolben (ein

Ballon) geblasen wird; wenn der Bläser während des Aufblasens den

Kolben über seinen Kopf erhebt so senkt sich der bauchige Theil auf der

einen Seite und es bildet sich eine Retorte (siehe _a_ und _b_ Fig.

141).

[Illustration: Fig. 142.]

[Illustration: Fig. 143.]

[Illustration: Fig. 144.]

Zur Herstellung der Bechergläser wird zunächst ein Glasballon mit

möglichst dünnen Wänden (Fig. 142 _A_) geblasen, dieser dann an ein

Nabeleisen geheftet und von der Pfeife abgesprengt. Das abgesprengte

Ende wird angewärmt, mit der Scheere abgeschnitten (Fig. 142 _B_),

ausgeweitet und umgebogen (_C_). Diese Art Bechergläser haben unten

eine scharfkantig abgesprengte Glasstelle, von welcher aus das Glas bei

Temperaturwechsel leicht springt. Man pflegt deshalb gegenwärtig die

Bechergläser in Formen mit geraden Wänden (Fig. 143 _a_) zu blasen und

das Formen in Zangen (_b_ und _c_) zu vollenden.

Um Glasröhren herzustellen, wird zuerst ein kleiner Ballon geblasen, an

welchen ein Gehülfe auf der der Pfeifenmündung entgegengesetzten Seite

sein Hefteisen anheftet, und sich, rückwärts schreitend, möglichst

schnell entfernt. Bei einigermaassen starken Röhren muss der Bläser

während des Ausziehens fortwährend Luft einblasen und die Pfeife und

folglich auch das Glas rotiren lassen. Das Ausziehen hört auf, wenn die

Röhre die gehörige Dicke hat, sie zeigt dann folgende Gestalt (Fig.

144). Die fertige Röhre wird, um die Krümmung derselben auszugleichen,

auf den Boden gelegt und nach dem Erkalten in 4-6 Fuss lange Stücke

geschnitten. =Glasstäbe= werden auf dieselbe Weise hergestellt, und

unterbleibt dabei das vorläufige Aufblasen der Glasmasse.

[Sidenote: Gepresstes und gegossenes Glas.]

Mit dem Namen =gepresstes= oder =gegossenes Glas= bezeichnet man alle

in Formen gefertigte verzierte Glasgegenstände, wenn man auch das

Blasen dabei zu Hülfe nehmen musste. Die messingenen und gravirten

Formen bestehen aus zwei oder mehreren Theilen. Glasgegenstände mit

enger Mündung und tiefer Höhlung werden ganz so wie das gewöhnliche

Hohlglas in diesen Formen aufgeblasen. Schalenförmige Gegenstände

werden gepresst, indem man die zähflüssige Glasmasse in die untere

Hälfte der Form bringt und durch die obere Hälfte kräftig aufpresst,

wobei die überflüssige Glasmasse durch besondere Oeffnungen oder an den

Seiten herausgepresst wird. Auf ähnliche Art stellt man massives

gepresstes Glas wie Messerbänkchen u. s. w. dar. Die durch Pressen

hervorgebrachten Verzierungen sind häufig kunstvoller als die

geschliffenen und weit billiger herzustellen; es mangelt ihnen aber die

Schärfe der Ecken und Kanten, so wie die der geschliffenen Waare

eigenthümliche spiegelnde Oberfläche. Man sucht in neuerer Zeit diese

Fehler dadurch zu vermeiden, dass man anstatt der rautenförmig

gravirten Formen, die den sogenannten Brillantschliff imitiren sollten,

Formen benutzt, welche den geschälten Schliff nachahmen, wodurch die

Gläser gestreifte und glatte Flächen erhalten. In der Regel kommt das

Glas schon aus der Form mit glänzender Oberfläche, die, wenn nöthig,

durch geringe Nachhülfe durch Schleifen oder Poliren ihre höchste

Vollkommenheit erlangt.

[Sidenote: Das Wasserglas.]

Unter =Wasserglas= versteht man ein in Wasser lösliches =kieselsaures

Alkali=. Dass eine Verbindung, erhalten durch Schmelzen von Kieselsand

mit vielem Alkali, an feuchten Orten zerfliesst, wusste =v. Helmont=

bereits 1640. Dasselbe Präparat aus Kieselerde und Weinsteinsalz

(Kaliumcarbonat) zu bereiten, lehrte =Glauber= 1648 und gab ihm den Namen

=Kieselfeuchtigkeit=. =v. Fuchs= entdeckte nun 1825 eine Verbindung von

Kieselsäure mit Alkali, in welcher die Kieselerde vorherrschte, die zwar

in Wasser sich löst, aber an der Luft nicht zerfliesst, eine Verbindung,

die als =Wasserglas= bekannt ist und wichtige Anwendung gefunden hat.

Man unterscheidet vier Arten von Wasserglas:

a) Kaliumwasserglas,

b) Natriumwasserglas,

c) Doppelwasserglas,

d) Fixirungswasserglas.

Das =Kaliumwasserglas= wird bereitet durch Zusammenschmelzen von

Quarzpulver oder reinem Quarzsand 45 Th., Potasche 30 Th.,

Holzkohlenpulver 3 Th., und Lösen der geschmolzenen und gepulverten

Masse durch Kochen in Wasser. Das in der Flüssigkeit möglicherweise

vorhandene Schwefelkalium wird durch Kochen derselben mit Kupferoxyd

oder Kupferhammerschlag, oder auch Bleiglätte unschädlich gemacht. Der

Zusatz von Kohle soll die vollkommene Austreibung der Kohlensäure durch

Reduktion derselben zu Kohlenoxyd bewirken und ausserdem die Schmelzung

beschleunigen. Zurückgebliebene Kohlensäure äussert stets einen

nachtheiligen Einfluss auf das Wasserglas. Das =Natriumwasserglas= wird

entweder aus Quarzpulver 45 Th., calcinirter Soda 23 Th., Kohle 3 Th.,

oder nach =Buchner= am wohlfeilsten aus Quarzpulver 100 Th.,

calcinirtem Glaubersalz 60 Th., Kohle 15-20 Th. dargestellt. =Kuhlmann=

stellt das Natriumwasserglas durch Auflösen von Feuersteinpulver in

concentrirter Natronlauge in eisernen Kesseln unter einem Drucke von

7-8 Atmosphären dar. Besonders vortheilhaft lässt sich anstatt des

Feuersteins nach =Liebig= die aus Kieselpanzern bestehende

Infusorienerde (Kieselguhr, Tripel) anwenden. Das =Doppelwasserglas=

(Kalium- und Natriumwasserglas) lässt sich nach =Döbereiner= darstellen

durch Zusammenschmelzen von Quarzpulver 152 Th., calcinirter Soda 54

Th., Potasche 70 Th., nach =v. Fuchs= aus Quarzpulver 100 Th.,

gereinigter Potasche 28 Th., calcinirter Soda 22 Th., Holzkohlenpulver

6 Th. Es lässt sich ferner erhalten 1) durch Zusammenschmelzen von

Seignettesalz (Kalium-Natrium-Tartrat (Na / K)} C_{4}H_{4}O_{6} +

4H_{2}O) mit Quarz; 2) aus gleichen Molekülen Kalium- und

Natrium-Nitrat und Quarz; 3) aus gereinigtem Weinstein und

Natriumsalpeter und Quarz. Es ist merklich leichter schmelzbar als

jedes der vorhergehenden. Zum technischen Gebrauche kann man auch

3 Volumen concentrirter Kaliumwasserglaslösung mit

2 " " Natriumwasserglaslösung

mischen. Mit dem Namen =Fixirungswasserglas= bezeichnet =v. Fuchs= eine

Mischung von mit Kieselerde vollkommen gesättigtem Kaliumwasserglas mit

Natriumkieselfeuchtigkeit (durch Zusammenschmelzen von 3 Th.

calcinirter Soda mit 2 Th. Quarzpulver erhalten); es findet einzig und

allein zum Fixiren der Farben in der Stereochromie Anwendung.

Das Wasserglas giebt in fein gepulvertem Zustande durch Kochen mit

Wasser jene Auflösung, welche unter dem Namen =präparirtes Wasserglas=

bekannt ist. Diese Lösung kommt im Handel 33grädig und 66grädig vor,

womit angezeigt wird, dass in ersterem in 100 Gewichtstheilen 33

Gewichtstheile festes Wasserglas und 67 Gewichtstheile Wasser enthalten

sind. Hieraus ergiebt sich dann, dass im 40grädigen der Wassergehalt

60 beträgt und im 66grädigen 34. Die Säuren, selbst die Kohlensäure,

zersetzen die Wasserglaslösung und scheiden die Kieselerde daraus

gallertartig aus; sie muss daher in gut verschlossenen Gefässen

aufbewahrt werden.

Das Wasserglas hat in der Industrie vielfache und wichtige Anwendungen

gefunden. Seine erste Benutzung fand es beim Münchener Hoftheater als

=Schutzmittel gegen das Feuer=, indem es als Ueberzug für Gegenstände

aus Holz, Leinwand, Papier, dieselben vor dem Verbrennen schützt. Man

setzt zu der Wasserglaslösung irgend eine feuerfeste Körperfarbe, wie

Thon, Kreide, Knochenerde, Glaspulver (namentlich von Bleiglas), Pulver

von Hohofen- oder Frischschlacken, Flussspath, Feldspath u. s. w. Das

33grädige Wasserglas wird beim ersten Anstriche mit der doppelten

Gewichtsmenge Regenwasser verdünnt. Man giebt mehrere Anstriche und

lässt jeden Anstrich, bevor man einen neuen aufträgt, gut trocknen,

wozu wenigstens 24 Stunden Zeit erforderlich sind. Zu den späteren

Anstrichen bedient man sich einer starken Auflösung und zwar einer

solchen, welche aus gleichen Gewichtstheilen Wasserglas von 33° und

Regenwasser besteht. Holz, Leinwand, Papier etc., welche mehrmals mit

Wasserglas angestrichen wurden, brechen nicht mehr in Flammen aus,

sondern verkohlen nur, gewinnen ausserdem bedeutend an Dauerhaftigkeit.

Holz, welches dem freien Einflüsse der Witterung ausgesetzt ist oder

sich an feuchten Orten bei Mangel an Luftwechsel befindet, wird durch

einen Wasserglasanstrich conservirt und gegen Schwamm und Wurmfrass

gesichert.

Eine der vorzüglichsten und zu technischen Zwecken wichtigsten

Eigenschaften des Wasserglases ist die zu binden und zu kleben; es

dient daher, lockeren Massen Dichtigkeit und stärkern Zusammenhang zu

geben, getrennte Theile von Körpern zu vereinigen u. s. w., in welcher

Beziehung es noch nicht die vielseitige Anwendung gefunden hat, deren

es fähig ist. Es lässt sich in dieser Hinsicht mit dem Leim vergleichen

und man könnte es einen =mineralischen Leim= nennen. =Kreide= giebt mit

Wasserglaslösung eine sehr compacte Masse, welche beim Austrocknen fast

Marmorhärte erhält. Hierbei findet keine chemische Wechselwirkung,

keine Umsetzung der Bestandtheile zu Calciumsilicat und Kaliumcarbonat

statt; das Erhärten ist entweder nur eine Wirkung der Adhäsionskraft

oder geschieht dadurch, dass das Wasserglas und Calciumcarbonat direct,

d. h. ohne sich gegenseitig zu zersetzen, eine schwach chemische

Verbindung mit einander eingehen. Der =Dolomit= scheint hinsichtlich

der bindenden Kraft den Kalkstein noch etwas zu übertreffen. Das

=Calciumphosphat= (Knochenerde) giebt mit Wasserglas eine sehr compacte

Masse, ohne dass eine chemische Wirkung oder Umsetzung der

Bestandtheile dabei statt hat. Mit =gelöschtem Kalk= zusammengerieben,

kommt das Wasserglas schnell zum Gerinnen und trocknet dann langsam zu

einer ziemlich harten Masse aus; es bildet sich hierbei Calciumsilicat

und das Kali wird ausgeschieden. =Zinkoxyd= (Zinkweiss) und =Magnesia=

wirken vorzüglich energisch auf des Wasserglas und zwar offenbar

chemisch, indem sich die Kieselerde mit einem Antheil Kali mit der

Magnesia oder dem Zinkoxyd verbindet und zugleich etwas Kaliumcarbonat

gebildet wird. =Gyps= mit Wasserglas zusammengerieben, kommt sogleich

ins Stocken und beim Austrocknen wittert sehr bald Kalium- oder

Natriumsulfat in grosser Menge aus; nach dem Trocknen ist die Masse

kaum fester als der gewöhnliche Gyps. Dieses Verhalten zeigt deutlich,

dass man aus Gyps gefertigte Gegenstände mit Wasserglas nicht

imprägniren kann, um sie fester und luftbeständiger zu machen, indem es

wegen des Stockens in dieselben nicht eindringen kann. Eine wichtige

Anwendung des Wasserglases ist die =zum Anstrich= von Steinen und

Mörtelwänden, sowie zur Herstellung von =Caement= und von =künstlichen

Steinen=. Letztere (von =Ransome= zuerst fabrikmässig dargestellt)

finden in England, Indien und Amerika immer mehr und mehr Anwendung.

Sie werden dargestellt, indem man durch Mischen von Sand mit

Natriumsilicatlösung eine plastische Masse bereitet, welche in Formen

gepresst und dann in eine Lösung von Chlorcalcium gebracht wird. Das

hierbei sich bildende Calciumsilicat verkittet die Sandkörner, während

Chlornatrium in Lösung geht und durch Waschen vollständig entfernt

wird. Als =Kitt= für Steine, Glas und Porcellan ist das Wasserglas

ebenfalls beachtenswerth. Zur Herstellung =xyloplastischer Objecte=,

dadurch, dass man durch Salzsäure aufgeschlossenes Holz mit Wasserglas

imprägnirt, sind die Alkalisilicate in neuerer Zeit auch verwendet

worden.

[Sidenote: Stereochromie.]

Eine der interessantesten und wichtigsten Anwendungen des Wasserglases

ist unstreitig die für eine neue Art von Wand- oder Monumentalmalerei,

welche von =v. Fuchs= =Stereochromie= (von [Greek: stereos], fest,

dauerhaft, und [Greek: chrôma], Farbe) genannt worden ist. Bei dieser

Malart, die von =v. Kaulbach= eingeführt und ausgebildet wurde, bildet

das Wasserglas das Bindemittel der Farben und ihrer Grundlagen. Bei der

Stereochromie oder der Wand- und Monumentenmalerei =auf Mörtelgrund=

ist besonders auf das Fundament, nämlich auf den Mörtelgrund,

=Untergrund= und =Obergrund= Bedacht zu nehmen. Es ist dabei

wesentlich, dem Grunde durch und durch gleiche steinartige

Beschaffenheit zu geben und ihn gleichsam mit der Mauer zu

verschmelzen. Der erste Bewurf oder Untergrund wird mit Kalkmörtel

gemacht. Den so hergestellten Bewurf lässt man nicht nur gut

austrocknen, sondern auch mehrere Tage der Luft ausgesetzt, damit er

daraus Kohlensäure anziehen kann. Ist der Mörtel vollkommen getrocknet,

so bringt man das Wasserglas in Anwendung, womit er getränkt wird. Man

wendet Natrium- oder Doppelwasserglas an, versetzt mit so viel

Natriumkieselfeuchtigkeit, dass es nicht opalisirend, sondern ganz klar

ist. Nachdem der Untergrund auf diese Weise befestigt ist, bringt man

den =Obergrund=, welcher das Bild aufnehmen soll, an, welcher von

ähnlicher Beschaffenheit wie der Untergrund, ungefähr eine Linie dick

auf den Untergrund möglichst eben aufgetragen und wenn er trocken

geworden, mit einem scharfen Sandstein abgerieben wird, um die dünne

Lauge von kohlensaurem Kalk, welcher sich beim Austrocknen gebildet hat

und das Einsaugen der Wasserglaslösung verhindern würde, wegzunehmen

und zugleich der Oberfläche die erforderliche Rauheit zu geben. Sobald

der Obergrund ausgetrocknet ist, imprägnirt man ihn mit Wasserglas, um

ihm gehörige Consistenz zu geben und ihn mit dem Untergrunde zu

verschmelzen. Auf den vollkommen trockenen Obergrund werden die Farben

blos mit reinem Wasser unter öfterem Anspritzen der Mauer mit reinem

Wasser aufgetragen. Es ist dann weiter nichts mehr übrig, als die

Farben gehörig zu fixiren, wozu das oben erwähnte =Fixirungswasserglas=

bestimmt ist. Da aber die Farben nur sehr schwach haften und den

Gebrauch des Pinsels nicht gestatten, so wird das Wasserglas in Form

eines feinen Regens oder Nebels mit einer von =Schlotthauer=

angegebenen und von =v. Pettenkofer= verbesserten Staubspritze auf das

Gemälde gespritzt. Sind die Farben gut fixirt, so ist das Gemälde

fertig. Zum Schluss wird es nach ein paar Tagen mit Weingeist

abgewaschen, wodurch Schmutz und Staub nebst etwas frei gewordenem

Alkali weggenommen werden. Als Malgrund empfiehlt =v. Fuchs= einen

Wasserglasmörtel, bestehend aus einem Gemenge von Wasserglaslösung mit

gepulvertem Marmor, Dolomit, Quarzsand und an der Luft zerfallenem

Kalk. Als stereochromische Farben verwendet man: Zinkweiss, Chromgrün

(Chromoxyd), Kobaltgrün (Rinmann's Grün), Chromroth (basisches

Bleichromat), Zinkgelb, Eisenoxyd (hellroth, dunkelroth, violett und

braun), Schwefelcadmium, Ultramarin, Ocker (Hellocker, Fleischocker,

Goldocker), Terra de Siena, Umbra u. s. w. Zinnober ist zu verwerfen,

weil er im Lichte braun und zuletzt ganz schwarz wird. Kobaltultramarin

zeigt sich nach dem Fixiren merklich heller und ist daher in der

Stereochromie nicht anzuwenden.

Die Stereochromie ist als eine ganz neue Malart zu betrachten, insofern

bei ihr ein von den bei allen Malarten gebräuchlichen verschiedenes

Bindemittel angewendet wird; ihre Auszeichnung, abgesehen von der

artistischen Vollkommenheit, beruht in dem Malgrunde, wodurch sie fähig

ist, unter jedem Himmelsstriche auszuhalten und vielen sonst

schädlichen Einflüssen -- Rauch, sauren Dämpfen, dem grellsten Wechsel

der Temperatur, Hagel u. s. w. -- zu widerstehen, welche den Fresken

verderblich sein würden. Das Wasserglas als Bindemittel, wodurch nicht

nur der Malgrund befestigt, sondern mit diesem zugleich die Farben

gleichsam verschmolzen und verkieselt werden, macht das Wesen dieser

Malart aus, wodurch sie der Frescomalerei bedeutend überlegen ist,

deren Grund aus gewöhnlichem Kalkmörtel besteht.

[Sidenote: Bleihaltiges Glas.]

Unter =Krystallglas= (Krystall) versteht man gegenwärtig allgemein

bleihaltiges Kaliumglas. Früher bezeichnete man mit diesem Namen das

gemeine (böhmische) Kalium-Calcium-Glas, das auch jetzt noch zuweilen

=leichtes Krystallglas= zum Unterschied von dem =schweren= bleihaltigen

genannt wird.

Das Krystallglas wurde zuerst in England dargestellt. Seine Einführung

steht in innigem Zusammenhange mit der Anwendung der Steinkohlen als

Brennmaterial in den Glashütten (1635). Da man wahrnahm, dass der

Steinkohlenrauch die reine Farbe des Glases beeinträchtigte, so

bedeckte man die Schmelzhäfen mit einer Kuppel, wodurch sie die Gestalt

einer kurzhalsigen Retorte erhielten. Wenn nun auch hierdurch der

Zutritt des Rauches verhindert war, so ergab sich doch ein anderer

Nachtheil, indem in den bedeckten Häfen nicht die hohe Temperatur

erzielt werden konnte, die zum Schmelzen der Glasmasse erforderlich

war. Man musste der Masse grössere Mengen von Alkali zusetzen, wodurch

aber wieder die Qualität des Glases abnahm. Um ein allen Anforderungen

entsprechendes Glas darzustellen, musste eine Substanz ausfindig

gemacht werden, durch welche die Glasmasse leichter schmelzbar wurde,

ohne dadurch, wie nach dem Zusatz von grösserer Menge von Potasche, ein

an der Luft zerfliessliches und im Wasser lösliches Glas zu erhalten;

eine derartige Substanz fand man auch in der That in dem Bleioxyd. Man

erhielt durch die Anwendung von Bleioxyd ein schönes und glänzendes

Glas, das gegenwärtig für alle Gegenstände, wo Farblosigkeit, Glanz

neben starkem Lichtbrechungsvermögen verlangt werden, Anwendung findet.

Als Glassatz für Krystallglas seien folgende Mischungen angeführt. Bei

Steinkohlenfeuerung in bedeckten Häfen:

Sand 300

Potasche 100

Glasbrocken 300

Mennige 200

Braunstein 0,45

Arsenige Säure 0,60

In den Glashütten zu Edinburg und Leith wendet man folgenden Satz an:

Vorher geschlämmter und gut gebrannter Sand 300

Potasche 100

Mennige 150

Bleiglätte 50

Kleine Mengen Braunstein oder arseniger Säure.

Um das Glas flüssiger zu machen, wird etwas Salpeter zugesetzt, aber

nicht in zu grosser Menge, weil sonst die Schmelzhäfen leiden. Wenn

während des Glasschmelzens Alkali sich verflüchtigt, so rührt dies

stets davon her, dass das Alkali in unrichtigem Verhältnisse und zwar

im Ueberschusse angewendet wurde. Es ist daher im Allgemeinen

anzurathen, zum Glassatze nur so viel Alkali zu bringen, als man in der

Glasmasse zu behalten wünscht und nicht mehr. =Dumas= empfiehlt das

Krystallglas aus 300 Sand, 200 Mennige und 95 oder 100 trockener

Potasche zu schmelzen. Von der Voraussetzung ausgehend, dass beim

Schmelzen kein Verlust stattfindet, sind die geeignetsten

Mischungsverhältnisse folgende:

Kieselerde 57,4 57

Bleioxyd 36,3 36

Kali 6,3 7

----------

100,0 100

Die Schmelzzeit dauert 12-16 Stunden mit Inbegriff der Läuterungszeit,

nach der Beschaffenheit des Ofens und der Regelmässigkeit der Heizung.

Nach der Schmelzung wird abgeschäumt und sogleich zur Verarbeitung des

Glases geschritten. Das Krystallglas wird auf dieselbe Weise wie das

gewöhnliche Glas verarbeitet, kann aber leichter gehandhabt werden als

letzteres, weil es leichtflüssiger ist und nicht so leicht entglast,

weshalb es häufiger als das gewöhnliche Glas im Feuer angewärmt werden

kann. Die Krystallglasgegenstände werden, so wie sie aus der Hand des

Arbeiters kommen, sogleich in den Kühlofen gebracht und wegen der Dicke

des Glases sehr allmälig abgekühlt. Zu diesem Zwecke befinden sich in

dem Kühlofen zwei eiserne Schienen, auf denen Bleche oder Platten

ruhen, auf welche die zu kühlenden Gläser gelegt werden und welche

vermittelst Haken aneinander gehängt werden können. Man bringt das Glas

zuerst in den heissesten Theil des Kühlofens auf ein Blech oder eine

Platte, die man an die früher eingelegte anhängt, während man am

entgegengesetzten kältesten Theile des Ofens die erste Platte, mit

welcher man die übrigen gegen diese Seite hingezogen hat, nebst den

darauf befindlichen Glasgegenständen hinwegnimmt. =Benrath= ([Greek:

a]) und =Faraday= ([Greek: b]) fanden bei der Analyse von bestem

Krystallglas:

([Greek: a]) ([Greek: b])

Kieselsäure 50,18 51,93

Bleioxyd 38,11 33,28

Kali 11,61 13,67

Thonerde etc. 0,04 --

--------------------

99,95 98,88

Nach =Benrath= (1868) hat Normalkrystallglas die Formel

K_{10}Pb_{7}Si_{36}O_{84} (d. i. 5K_{2}O, 7PbO, 36SiO_{2}).

[Sidenote: Schleifen.]

Das Krystallglas wird entweder in Messingformen gepresst oder

geschliffen. Seiner geringen Härte wegen eignet es sich zum =Schleifen=

besser als jedes andere Glas. Die =Schleifbank= hat im Wesentlichen die

Construction einer Drehbank. Die =Schneidescheibe= ist von Gusseisen

und auf der Peripherie gut abgedreht; über derselben befindet sich in

einem Bottich mit Wasser angerührter und feingeschlemmter Sand. Durch

einen geöffneten Hahn fallen unaufhörlich sandhaltige Tropfen auf die

Schneidescheibe. Die Arten der Schliffe sind äusserst mannichfaltig.

Der bekannteste ist der Brillantschliff, ferner der gemuschelte

Schliff, der Schliff mit scharfer Kante, mit Walzen, der

fischschuppenartige, der geschälte (mit concaven Einschnitten), der

matte Schliff, der Silberschliff u. s. w. Die geschliffenen Stellen

sind rauh und werden deshalb auf der steinernen =Glättscheibe= weiter

behandelt. Für die angeschliffenen Brillanten ist die Peripherie der

Scheibe keilartig geformt, für die glatten Würfel aber ist die

Peripherie flach. Ueber diesen Scheiben befindet sich ein mit Hähnen

versehenes Wasserreservoir, aus welchem während des Schleifens Wasser

auf die Scheibe läuft. An der Seite der Scheibe ist ein Schwamm

befestigt, welcher die Oberfläche des Steines fortwährend rein erhält.

Die glattgeschliffenen Stellen werden nun auf der hölzernen

=Polirscheibe= (aus Lindenholz), deren Holzfasern in der Richtung der

Drehungsaxe laufen, polirt. Zum Poliren wendet man auch Holzscheiben

mit Filz überzogen, sowie Korkscheiben an. Die letzte Politur erhalten

die Gläser erst auf der =Bürstscheibe=, welche 2 Meter im Durchmesser

und 10 Centimeter Breite auf der Peripherie hat. Man trägt auf diese

Bürste mit Wasser angerührten Bimsstein auf und polirt das so

geschliffene Glas fertig.

[Sidenote: Optisches Glas.]

Die Herstellung guter =optischer Gläser=, besonders in grössern

Dimensionen, ist so schwierig, dass selbst durch die unermüdlichsten und

andauerndsten Arbeiten es doch nicht gelungen ist, sie immer in der Weise

herzustellen, wie sie der Optiker, der Mikroskopiker, der Astronom, der

Photograph u. s. w. bedarf. Durchsichtigkeit, Härte, ein grosser Grad von

lichtbrechender und farbenzerstreuender Kraft, Eigenschaften, welche

überhaupt das Glas zu optischem Gebrauche so schätzbar machen, sind dem

Glase ohne Mühe zu geben; allein die zu allen seinen Anwendungen so

wesentliche Bedingung einer vollkommen homogenen Beschaffenheit ist nicht

so leicht zu erfüllen. Die einzelnen Theile des Glases, mögen sie noch so

tadelfrei sein, wirken ohne homogene Beschaffenheit nicht gleichförmig;

die Lichtstrahlen werden von der Richtung, die sie nehmen sollen,

abgelenkt und das Glasstück wird dadurch unbrauchbar. Die Streifen und

Fäden entspringen aus solcher Ungleichheit. Können diese

Unregelmässigkeiten schon so gross sein, dass man sie mit blossem Auge

wahrnimmt, so müssen sie einen noch weit beträchtlicheren Nachtheil in

Fernröhren ausüben, da hier ihre Wirkung bedeutend vergrössert erscheint.

Es wäre ein Irrthum, wollte man glauben, dass diese Streifen von

Unreinigkeiten herrühren. Sowol in als neben den Streifen würde das Glas

gleich gut zum optischen Gebrauch sein, wenn es nur überall von gleicher

Beschaffenheit wäre. Aber in der Ungleichheit eben liegt der Fehler und

in dieser Beziehung ist die Zusammensetzung selbst von sehr geringem

Belange. Da das Glas aus Materialien besteht, die an Brechkraft

verschieden sind, so muss es während seiner Herstellung immer einen

Zeitpunkt geben, wo Streifen vorhanden sind. Man hat also weniger dahin

zu trachten, gerade die Verhältnisse zu erlangen, welche in einmal gut

erkanntem optischen Glase durch die Analyse aufgefunden wurden, als

vielmehr einen Process zu entdecken, durch welchen die Streifen jener

Periode vor der Vollendung des Glases vernichtet und neue verhindert

werden. Ausser diesen Mängeln giebt es noch andere im Glase. Zuweilen ist

es, wie man sagt, wellig, wenn es in seiner Masse das Ansehen von Wellen

hat; doch ist dies nur eine Abänderung jener Unregelmässigkeit, welche in

höherm Grade als Streifen erscheint. Hin und wieder bemerkt man auch

Anzeigen besonderer Structur und Krystallisation oder einer

unregelmässigen Spannung seiner Theile, welche Fehler aber höchst

wahrscheinlich durch sorgfältiges Abkühlen vermieden werden können.

Ferner schliesst das Glas zuweilen Blasen ein, welche einen Lichtverlust

veranlassen, gerade so wie es dunkle Flecke von gleicher Grösse gethan

haben würden. Unter allen Fehlern ist der, welcher die Streifen und

Wellen hervorbringt, am schwersten zu vermeiden, leichter noch bei dem

bleifreien optischen Glase, dem =Kronglase= (Crownglas), als bei dem

Flintglase.

Das Flintglas besteht zum Drittel seines Gewichts und mitunter darüber

noch aus Bleioxyd, wodurch es nicht nur ein so hohes spec. Gewicht,

sondern auch dasjenige Verhältniss von Lichtbrechungs- und

Zerstreuungsvermögen erhält, wodurch es mit dem Kronglase combinirt,

die so wichtige achromatische Combination bildet. Das Flintglas ist

ferner sehr leichtflüssig und besitzt die Eigenschaft, andere Stoffe

mit Leichtigkeit aufzulösen, wodurch die Bildung von Streifen sehr

befördert wird. Der geringste Unterschied in der Zusammensetzung

benachbarter Theile wird sogleich sichtbar. Eine Variation in den

Mischungsverhältnissen, welche bei dem gewöhnlichen Glase keine durch

das Auge wahrnehmbare Wirkung hervorbringt, erzeugt beim Flintglase

bereits starke Streifen. Deshalb muss hier die Mischung viel inniger

sein, als bei den übrigen Glasarten, allein es liegt in der Natur der

Mineralien, sie nur noch unvollkommener zu machen. Das Bleioxyd ist so

schwer und zugleich so leichtflüssig, dass es schmilzt und zu Boden

sinkt, wenn noch die leichteren Substanzen im oberen Theile des

Schmelzhafens angehäuft liegen; unter den gewöhnlichen Umständen ist

die Mischung so unvollkommen, dass man aus dem oberen und unteren

Theile eines Glashafens Glas von sehr verschiedenem spec. Gewichte

erhält. =Lamy= hat neuerdings auf die Anwendbarkeit des

Thalliumflintglases zur Herstellung gewisser optischer Gläser

aufmerksam gemacht. In diesem Glase ist nicht das Blei, sondern das

Kalium durch Thallium ersetzt. Nach den Versuchen von =Cl. Winkler= (in

Pfannenstiel) lässt sich mit Erfolg das Blei im Flintglase durch

Wismuth ersetzen.

[Illustration: Fig. 145.]

[Illustration: Fig. 146.]

=Bontemps= zu Choisy-le-Roy bei Paris verfährt bei der Anfertigung von

Flintglas auf folgende Weise: Ein Glassatz, bestehend aus

100 Kilogr. weissem Sand,

106 " Mennige,

43 " Kaliumcarbonat,

wird bei Steinkohlenfeuerung in einem kleinen Schmelzofen, von welchem

Fig. 145 den vertikalen, Fig. 146 den horizontalen Durchschnitt zeigt,

geschmolzen. Der Ofen enthält nur einen bedeckten Schmelzhafen _B_, der

auf der Bank _A_ steht. _a a_ sind die Schüröffnungen, _c_ ist ein

eiserner Rührer, der in einem Cylinder aus unschmelzbarem Thon _d_

befestigt ist. _f_ dient zum Tragen des Rührhakens. Nachdem der in

getrennten Portionen nach und nach eingetragene und geschmolzene Satz

nach etwa 14 Stunden in gleichmässigen Fluss gekommen ist, wird der

vorher bis zum Rothglühen erhitzte Rührer in den Hafen gebracht, um die

verschiedenen Schichten der Glasmasse mit einander zu mengen und

zugleich die Blasenbildung zu befördern. Nach ungefähr 5 Minuten

entfernt man die Eisenstange, während der Thonrührer in der Glasmasse

bleibt. Man schliesst den Tiegel und schürt von Neuem. Nach etwa 5

Stunden wird wieder gerührt und von nun an das Rühren jede Stunde

vorgenommen. Während dieser Zeit wird 2 Stunden lang geschürt, damit

die Blasen entweichen können. Darauf wird wieder heiss geschürt; sobald

die Masse sehr dünnflüssig ist, wird unter beschränktem Luftzutritt

fortwährend gerührt, bis die Masse zähflüssig geworden ist. Darauf

entfernt man den Thonrührer und lässt den gut verschlossenen Ofen 8

Tage lang zum Abkühlen stehen. Nach Verlauf dieser Zeit werden von der

Glasmasse zwei gegenüberstehende Flächen angeschliffen und polirt, um

im Innern der Masse die fehlerfreien und gleichförmigen Stücke zu

erkennen und herauszuschneiden. Häufig findet man die Glasmasse nach

dem Erkalten in viele Stücke zersprungen; die grösseren Stücke

zertheilt man durch gelindes Anschlagen mit dem Hammer noch weiter,

wobei sie sich wahrscheinlich zum Theil nach Maassgabe ihrer

Gleichartigkeit absondern. Diese Glasstücke werden dadurch zu Scheiben,

aus welchen die optischen Linsen geschliffen werden, umgeformt, dass

sie, nachdem man die scharfen Kanten und Ecken davon abgeschlagen hat,

unter einer Muffel, auf einer mit feinem Sand bestreuten Schale oder

auf einem irdenen Teller mit hohem Rande, bis zum gleichförmigen

Erweichen erhitzt werden und sich in jener Form scheibenähnlich

ausbreiten. Nach einer Analyse von =Dumas= besteht das Flintglas von

=Guinand= aus

Kieselerde 42,5

Bleioxyd 43,5

Kalk 0,5

Kali 11,7

Thonerde, Eisenoxyd, Manganoxydul 1,8

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100,0

Die zweite Art des optischen Glases, das bleifreie =Kronglas=

(Crownglas) besteht nach =Bontemps= aus 120 Th. Sand, 35 Th. Potasche,

20 Th. Soda, 15 Th. Kreide und 1 Th. arseniger Säure.

Bei Linsen aus Flintglas ist das Lichtbrechungsvermögen am grössten,

leider aber auch die Farbenzerstreuung am bedeutendsten, sodass die

damit hervorgebrachten Bilder stets einen farbigen Rand besitzen, was

jede genaue Beobachtung hindert. Bei bleifreien Gläsern (Kronglas) ist

das Brechungsvermögen, aber auch die Farbenzerstreuung weit geringer.

Combinirt man daher eine convexe Linse von Flintglas mit einer concaven

von Kronglas, so erhält man unter allen Umständen ein farbloses Bild,

da die Farbenzerstreuung des Flintglases compensirt worden ist. Eine

solche Combination zweier Linsen heisst eine =achromatische Linse=.

[Sidenote: Strass.]

Die Nachahmung von Edelsteinen (die Fabrikation =künstlicher Edelsteine=

oder =Amausen=) ist ein interessanter Zweig der Glasfabrikation, der

schon früh -- in Aegypten und Griechenland -- eine sehr hohe Stufe der

Vollkommenheit erreicht hatte. Gegenwärtig hat man es so weit gebracht,

dass man alle Edelsteine, mit Ausnahme des edlen Opals, nachzuahmen im

Stande ist. Man nennt die zur Fabrikation der künstlichen Edelsteine

dienende Masse =Strass= oder =Mainzer Fluss= und die Edelsteine selbst

_Pierres de Strass_, die man in Frankreich so ausgezeichnet darstellt,

dass sie das Auge des Kenners zu täuschen im Stande sind und man zur

Feile und zur hydrostatischen Wage greifen muss -- sie sind weniger hart,

aber weit schwerer als die ächten Steine -- um sich zu überzeugen, ob man

es mit einem Mineral oder mit einem Kunstprodukt zu thun hat.

Die Basis aller dieser Edelsteine ist ein =farbloser Strass=, welcher

aus einem Boro-Silicat des Kalis, Natrons und Bleioxydes besteht und

mehr Bleioxyd enthält als das Flintglas. =Donault-Wieland= fand bei der

Analyse von farblosem Strass:

Kieselerde 38,1

Thonerde 1,0

Bleioxyd 53,0

Kali 7,9

Borax }

Arsensäure. } Spuren

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100,0

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 67 / 167 题