IV. _Glasverzierungen._

[Sidenote: Bleifreies Glas, Tafel- oder Fensterglas.]

Die in den Glashäfen der Schmelzöfen geschmolzene Glasmasse wird entweder

zu =Tafelglas= (Fensterglas, Spiegelglas) oder zu =Hohlglas= verarbeitet.

Das Tafelglas, mit diesem Namen bezeichnet, weil es in Form von kleineren

oder grösseren Glastafeln, besonders für Fensterscheiben dargestellt

wird, ist entweder ordinäres Bouteillenglas der Zusammensetzung nach,

oder feineres Glas mit weisser Farbe. Letzteres verwendet man nur für

grössere oder dickere Scheiben, ersteres für das gewöhnliche dünne

Fensterglas, wobei es weniger auf weisse Farbe ankommt. Für das ordinäre

Fensterglas ist bei der Herstellung des Satzes Wohlfeilheit ein

wesentlicher Punkt. Man verwendet deshalb rohe, nicht gereinigte

Materialien wie rohe Potasche und rohe Soda, Holzasche, Pfannenstein der

Salinen, Glaubersalz und gewöhnlichen Sand und Glasbrocken nach Vorrath.

Im Allgemeinen lässt sich annehmen, dass auf den meisten Glashütten man

das Fenster- oder Tafelglas heutzutage durch Zusammenschmelzen von 100

Th. Sand, 30-40 Th. calcinirter, gereinigter Soda und 30-40 Th.

Calciumcarbonat darstellt. Anstatt der Soda bedient man sich auch einer

äquivalenten Menge von Glaubersalz und setzt in diesem Falle (wie S.

305 erwähnt), die erforderliche Menge Kohlenpulver hinzu. =Benrath=

(1869) fand in verschiedenen Tafelglassorten folgende Zusammensetzung:

Kieselsäure 70,71 71,56 73,11

Natron 13,25 12,97 13,00

Kalk 13,58 13,27 13,24

Thonerde und Eisenoxyd 1,92 1,29 0,83

-----------------------

99,46 99,09 100,18

[Sidenote: Werkzeuge.]

Die hauptsächlichsten Werkzeuge, deren sich die Glasmacher zur

Herstellung des Tafel- und Hohlglases bedienen, sind folgende:

a) Die =Pfeife= oder das =Blasrohr= (Fig. 130) ist eine 1,5-1,8 Meter

lange Röhre von Schmiedeeisen, etwa 3-4 Centimeter dick und inwendig 1

Centimeter weit. _a_ ist das Mundstück und muss sehr glatt gefeilt

sein, damit es mit Leichtigkeit zwischen den Lippen umgedreht werden

kann. Der aufgeschobene hölzerne Griff _c_ von 0,3-0,5 Meter Länge

schützt den Arbeiter, _b_ dient zum Anheften des Glases.

[Illustration: Fig. 130.]

[Illustration: Fig. 131.]

[Illustration: Fig. 132.]

b) Die =Heft=- oder =Nabeleisen= sind 1-1,3 Meter lange und fingerdicke

Eisenstäbe, welche zum Anheften der von der Pfeife abgesprengten

Gegenstände dienen. Man bringt an die Spitze des Eisens etwas Glas und

hält es dann an die passende Stelle, wo dann der Gegenstand sofort

anklebt. Man benutzt diese Eisen ferner auch zum Transportiren der

geblasenen Gegenstände nach dem Kühlofen. Neuerdings sucht man das

Hefteisen zu gewissen Zwecken durch Zangen zu ersetzen. c) Der =Marbel=

(Fig. 131 und 132) ist ein Stück Holz, das mit runden Vertiefungen

versehen ist und zum Abrunden der an der Pfeife sitzenden Glasballen

dient. Er wird immer nass gehalten. Häufig sind auch die Marbel aus

Gusseisen, Messing oder aus geschliffenem Sandstein. d) Das

=Abstreichblech= (Fig. 133), ein bogenförmig ausgeschnittenes Blech,

dient dazu, die Glasmasse so viel als möglich von der Pfeife zu

trennen, sodass diese durch einen Hals mit der eigentlichen Glasmasse

zusammenhängt. e) Die =Scheere= (Fig. 134) wird angewendet, um Löcher

in das heisse Glas zu stossen und dieselben durch Ausschneiden zu

Oeffnungen zu erweitern.

Man verwendet ferner zur Erleichterung des Formens der Glasgegenstände

aus Holz, Thon oder Messing bestehende zwei- oder mehrtheilige Formen.

[Illustration: Fig. 133.]

[Illustration: Fig. 134.]

Die Umwandelung der geläuterten Glasmasse zu Tafelglas geschieht auf

zweierlei Weise, entweder durch die =Mondglas=- oder durch die

=Walzglasmacherei=.

[Sidenote: Mondglas.]

Das =Mondglas= (in England =Kronglas= genannt) ist die älteste Sorte

des Fensterglases und hat seinen deutschen Namen von der Form der

Stücke, in welcher es in dem Handel sich findet. Das Produkt der

Mondglasmacherei ist nämlich eine grosse Scheibe, deren Dicke von der

Peripherie zum Centrum in der Weise zunimmt, dass im Mittelpunkte und

in der unmittelbaren Umgebung derselben in einer Breite von 6 Zoll ein

Knopf oder Nabel (das sogenannte =Ochsenauge=) sich befindet, der zu

Fensterscheiben sich eignet. Es werden daher um den Knopf herum

Segmente abgeschnitten, welche kleiner sind als die halbe Scheibe und

dem halben Mond ähnlich sehen. Ausser durch die grössere Dünne zeichnet

sich das Mond- oder Scheibenglas vor dem Walzenglas durch schöneren

Glanz und zwar auf beiden Seiten und durch viel gleichförmigere

Oberfläche aus, da bei der Fabrikation des Mondglases das bei dem

Walzenglase übliche Strecken, wodurch die obere Fläche öfters ein

wellenförmiges Ansehen bekommt, wegfällt. Dagegen hat es wieder das

Nachtheilige, dass man nicht Scheiben von jeder Grösse aus dem Mondglas

schneiden kann, indem aus einer Mondglasscheibe der grössten Art von

64-66 Zoll kaum eine quadratische Tafel von 22 Zoll geschnitten werden

kann; bei dem Mondglase kommen ferner wegen der Ochsenaugen in der

Mitte und des krummen Randes weit mehr Abfälle vor als bei dem

Tafelglase.

[Sidenote: Fabrikation des Mondglases.]

Zur Herstellung des Mondglases gehören =drei= Arbeiter; der erste, der

=Anfänger=, nimmt nur Glasmasse mit der Pfeife auf und zwar genau so

viel, als zur Verfertigung einer Mondglasscheibe dient; darauf

übernimmt die Pfeife der zweite Arbeiter, der =Vorblaser=. Dieser

bearbeitet das Glas, bis es in eine grosse Kugel verwandelt ist, die

nun in die Hände des dritten Arbeiters, des =Fertigmachers=, kommt,

welcher die Kugel öffnet und die Scheibe bildet. Die Arbeit selbst

geschieht auf folgende Weise: Der Anfänger nimmt die gewärmte Pfeife,

fährt damit in den Glashafen, dreht die Pfeife beständig um, bis sich

rund um den Knopf Glasmasse angelegt hat und zieht die Pfeife aus dem

Ofen. Er geht nun an den Marbel, hält die Pfeife horizontal und wälzt

die an derselben hängende kugelförmige Glasmasse hin und her, bis sie

eine fast cylindrische Gestalt angenommen hat. Zugleich bläst er etwas

in das Rohr, sodass eine kleine, etwa 3 Centimeter lange Höhlung vor

dem Pfeifenkopfe entsteht, welche hauptsächlich das Verstopfen der

Pfeifenmündung verhindern soll. Darauf taucht der Anfänger die Pfeife

abermals in den Glashafen, wälzt sie nach dem Herausnehmen wieder und

taucht sie ein drittes, viertes und fünftes Mal ein. Die Anzahl der

Eintauchungen richtet sich nach der Grösse der Scheiben, die

hergestellt werden sollen. Das Gewicht der Glasmasse an der Pfeife

beträgt 10-14 Pfd. Bei der letzten Aufnahme der Glasmasse wird die

Pfeife nicht so tief in die Masse eingetaucht als vorher, damit sich

das nun anhängende Glas mehr nach vorn hinzieht als nach dem

Pfeifenkopfe, folglich eine Neigung bekommt, sich von der Pfeife zu

entfernen, was in der Folge geschehen muss. Der Vorblaser giebt nun

durch Blasen, Schwingen und wiederholtes Anwärmen der Masse die Gestalt

eines Sphäroides. Nachdem dasselbe etwas abgekühlt, schiebt er die

Kugel in den Auslaufofen, legt das Rohr der Pfeife in eine eiserne

Gabel, welche sich dem Loche des Auslaufofens gegenüber befindet, und

dreht die Pfeife sammt der Kugel mit grosser Schnelligkeit. In dem

Maasse, als die Glasmasse sich erweicht, dreht der Vorblaser die Pfeife

stärker um; durch die Wirkung der Axifugalkraft verliert sich die

Kugelgestalt und die dem Feuer zugekehrte Seite wird abgeplattet,

während der Umfang der Kugel beträchtlich zunimmt. Jetzt zieht der

Fertigmacher die Pfeife aus dem Auslaufofen, legt sie horizontal in die

Gabel des Abschlagstockes und heftet in der Mitte der entstandenen

ebenen Fläche ein in weiches Glas eingetauchtes Hefteisen an, während

zugleich der Hals der Blase mit Hülfe eines Tropfens kalten Wassers von

der Pfeife abgesprengt wird. Die so geöffnete Blase, welche mit ihrer

abgeplatteten Seite an dem Hefteisen festsitzt, wird nun vor die grosse

Oeffnung des Auslaufofens gebracht und in schnelle Drehung versetzt.

Alles kommt jetzt darauf an, dass nur die Oeffnung (das Maul) der Blase

und deren Umgebung, nicht aber der hintere Theil, der schon eben ist,

erweiche. Das erweichte Glas entfernt sich nun durch das Drehen von dem

Drehungsmittelpunkte, das Maul erweitert sich, bis es endlich mit dem

schon ebenen Boden in eine ebene Fläche kommt und eine flache Scheibe

von etwa 1,6 Meter Durchmesser bildet. Das Umdrehen der Scheibe muss

bis zum Erstarren fortgesetzt werden. Nachdem sich die Scheibe etwas

abgekühlt hat, wird sie auf trockenen Sand gelegt und von dem Hefteisen

abgesprengt. Mit Hülfe einer eisernen Gabel, der Scheibengabel, bringt

man die Scheiben in einen Kühlofen und stellt sie hier vorsichtig auf

ihren Rand und schräg gegen die Mauer oder eiserne Stangen angelehnt,

sodass 150-200 Glasscheiben in einem Kühlofen Platz finden. Aus den

fertigen Scheiben werden Halbmonde und Mittelstücke geschnitten; den

mittlern Theil, das Ochsenauge, verwendet man zu Strassen- und

Kutschlaternen.

[Sidenote: Walzenglas.]

Das =Walzenglas= entsteht durch Aufsprengen oder Aufschneiden eines

gläsernen Cylinders oder einer Walze und Strecken der geöffneten Walze zu

einer ebenen Fläche, zu einer Glastafel. Von dieser ursprünglichen

Gestalt des Glases hat es den Namen =Walzenglas= erhalten. Da aber die

gestreckten Walzen Tafeln bilden, so nennt man es auch =Tafelglas=.

Obgleich Walzen- und Tafelglas im Grunde dasselbe bedeuten, so macht man

doch in der Regel noch einen Unterschied zwischen beiden Glassorten und

nennt das ordinäre Tafelglas =Walzenglas=, das feinere =Tafelglas=

(Solintafeln). Bei dem Walzenglas stellt die Höhe der Walze, bei dem

Tafelglas der Umfang derselben die grösste Dimension an.

Die Herstellung der Walzen gehört zu den schwierigeren Aufgaben der

Glasfabrikation. Die Verfertigung des Walzenglases selbst zerfällt in

zwei Hauptoperationen, nämlich

1) in des Blasen der Walzen oder Cylinder,

2) in das Strecken derselben.

Nachdem die Glasmasse in dem Hafen gehörig geläutert ist und die zum

Verarbeiten erforderliche Zähflüssigkeit erlangt hat, erwärmt der

Arbeiter den Kopf seiner Pfeife, nimmt damit etwas Glasmasse auf und

dreht die horizontal auf einer Gabel (Pfeifenlager) liegende Pfeife,

bis das Glas nicht mehr flüssig genug ist, um von der Pfeife

abzufliessen. Während dieser Zeit wird auch ein Wenig in das Rohr

geblasen, damit eine kleine Höhlung entsteht und die Mündung des Rohres

sich nicht verstopfe. Darauf nimmt der Arbeiter zum zweiten Male

Glasmasse auf und lässt das Glas etwas erkalten, dann wird zum dritten,

vierten u. s. w. Male Glas aufgenommen, bis die zur Herstellung einer

Walze erforderliche Glasmasse an der Pfeife sich befindet. Bei diesem

Aufnehmen wird während des Umdrehens der Pfeife die Glasmasse auf dem

Marbel abgerundet, so dass sie jetzt die Gestalt _a_ (Fig. 135) hat.

Jetzt kommt es darauf an, die kleine Höhlung vor der Mündung der Pfeife

dergestalt zu erweitern, dass der an der Pfeife sitzende Theil der

Glasmasse die Form eines Flaschenhalses annehme, dessen unterer Theil,

an welchem noch die Glasmasse sitzt, die Weite der Walze erhält, damit

sonach durch das Anwärmen und Ausblasen dieser Masse, während der an

der Pfeife sitzende Theil kühl bleibt, die Walze selbst allmälig

ausgebildet werde. Zu diesem Zwecke bringt der Arbeiter das Glas _b_ in

die mit Wasser gefüllte Höhlung des Marbels und dreht dasselbe unter

starkem Blasen darin um. Man nennt diese Arbeit das =Durchbrechen= der

Glasmasse. Wenn nun die Pfeife ein wenig in die Höhe gezogen wird, so

bildet sich der Hals des Cylinders, der bereits die erforderliche

Weite hat. Durch das Durchbrechen erlangt die Glasmasse die Form _c_

und endlich die von _d_.

[Illustration: Fig. 135.]

Sobald das Glas etwas erstarrt ist, bringt der Arbeiter die Pfeife mit

der Glasmasse in das Arbeitsloch und dreht sie beständig so schnell um,

dass das Glas nicht Zeit hat, auf die eine oder die andere Seite zu

sinken, wobei man die Erwärmung des Halses, der die nöthige Steifheit

behalten muss, um die vordere Masse zu tragen, dadurch regulirt, dass

man ihn ausserhalb des Arbeitsloches lässt. Sobald das Glas gehörig

erwärmt ist, entfernt der Arbeiter die Pfeife aus dem Arbeitsloch,

bringt sie schnell in eine vertikale Lage in die Tafelschwenkgrube, d.

i. den Raum, der sich zwischen zwei Ständen findet, und bläst und

schwingt nun die Masse pendelartig hin und her. So entsteht ein hohler

Cylinder _e_, der oben einen Hals hat und unten durch eine Halbkugel

geschlossen ist. Es ist jetzt nöthig, den Cylinder zu =öffnen=. Zu

diesem Zwecke bläst der Arbeiter stark in die Pfeife, verschliesst das

Mundstück derselben mit dem Daumen, sodass die eingeblasene Luft nicht

entweichen kann, bringt den vordern Theil des Cylinders in den Ofen.

Die eingeschlossene Luft dehnt sich aus und treibt das vordere Ende des

Cylinders zu einer dünnen Blase auf, welche endlich mit einem kleinen

Knalle platzt, während die aufgeplatzten Ränder sogleich verschmelzen.

Indem der Arbeiter die horizontal liegende Pfeife schnell dreht,

erweitert sich die Oeffnung in Folge der Axifugalkraft bis zu

Cylinderweite _g_. Ist das Glas gehörig erstarrt, so legt man dasselbe

auf eine Gabel, ein Gehülfe schiebt einen erwärmten hölzernen Stock in

die Walze, der Walzenmacher lässt einen Tropfen Wasser auf das Glas an

der Pfeifenmündung fallen und schlägt auf die Pfeife, wodurch sich die

Walze von der Pfeife loslöst und auf dem von dem Gehülfen gehaltenen

Stock hängt. Walzen von sehr dünnem Glase bedürfen keiner Abkühlung.

Sie werden daher einfach auf das Walzenlager und dort bis zum Erkalten

gebracht. Walzen von dickerem Glase werden dagegen zur Abkühlung in

eigenthümliche Häfen, in Kühlhäfen, gelegt und erst nach dem Erkalten

auf das Walzenlager gebracht.

Um die Walze in einen Cylinder überzuführen, wird vor Allem der Hals

(die =Haube= oder =Kappe= _o_) abgesprengt. Man windet entweder zu

diesem Zwecke einen heissen Glasfaden um das Haubenende und lässt,

nachdem er abgezogen, einen Tropfen Wasser auffallen, oder man legt die

Walze an der abzusprengenden Stelle in ein gebogenes, bis zum

Rothglühen erhitztes Eisen (=Absprengeeisen=) und berührt die erhitzte

Linie mit einem nassen Finger; die Haube springt alsdann nach dieser

Richtung ab und wird wieder eingeschmolzen. Das =Oeffnen= oder

=Aufsprengen= der Walze geschieht mit Hülfe des =Aufsprengeisens=, mit

dessen scharfer Kante der Arbeiter auf der innern Seite des Cylinders

in einer geraden Linie, von einem Ende bis zum andern, einige Male hin

und her fährt, wodurch sich das Glas auf der ganzen Länge der Linie

erhitzt. Wird das Ende dieser Linie mit einem spitzen Stein geritzt und

dann benetzt, so springt der Cylinder, dieser Linie folgend, von einem

Ende bis zum andern auf.

[Illustration: Fig. 136.]

[Illustration: Fig. 137.]

Nachdem eine grosse Zahl geöffneter Cylinder, man bläst in der Regel

drei Tage, fertig geworden, nimmt man das =Strecken= derselben in dem

=Streck=- oder =Plattofen=, der mit einem Kühlofen in unmittelbarer

Verbindung steht, vor. Fig. 136 zeigt den Grundriss in der Höhe der

Sohle beider Oefen, des Streckofens _C_ und des Kühlofens _D_. In dem

Kanal _B_ werden die geöffneten Walzen _a a a_ auf zwei Eisenschienen

fortgeschoben; durch diesen Kanal streicht ein Theil der

Verbrennungsgase und erwärmt den vordersten Cylinder bis fast zum

Erweichen. Der wichtigste Theil des Streckofens ist die =Streckplatte=

_C_, aus feuerfestem Thon mit Cement angefertigt, gebrannt und geebnet.

Eine ähnliche Platte _D_ befindet sich auch in dem Kühlofen. Um das

Anhaften der Glastafeln auf der Streckplatte zu vermeiden, wirft der

Strecker etwas feingemahlenen Gyps oder zerfallenen Kalk in die Flamme,

welche Körper durch den Zug in den Ofen gerissen werden und so die

Platte bestäubt wird. Der Arbeiter legt nun eine Walze auf die

Streckplatte, nimmt das Plättholz und fährt damit über das Glas einige

Male auf und nieder (Fig. 137), bis die Walze in eine Glastafel

verwandelt ist. Die Glastafel wird durch Bügeln mit dem Polirholz

vollends geebnet. Der Arbeiter schiebt nun die Tafel auf der

Fortsetzung des Strecksteines in den Kühlofen, wo sie bis zum Erstarren

liegen bleibt. Ein anderer Arbeiter, der vor der Oeffnung _d_ des

Kühlofens steht, fasst mit einer Gabel die erkaltete Scheibe und stellt

sie senkrecht. Sind an der Wand des Kühlofens 30-40 Tafeln hinter

einander aufgestellt, so schiebt der Arbeiter durch den Ofen einen

eisernen Stab _s_ ein, lehnt dann an diesem Stabe die Glastafeln auf

u. s. w., bis der Ofen voll ist. Die Oeffnungen des Platt- und

Kühlofens werden nun zugestellt und der Ofen der allmäligen Abkühlung

überlassen; nach 4-5 Tagen werden die Scheiben aus dem Kühlofen

entfernt, sortirt und verpackt.

[Sidenote: Spiegelglas.]

Das =Spiegelglas=[90] wird entweder geblasen oder gegossen. Die

Fabrikation des =geblasenen= Spiegelglases hat grosse Aehnlichkeit mit

der Verfertigung des Tafelglases und ist auf vielen Hütten mit dieser

verbunden. Die Materialien sind zum grössten Theile dieselben, welche

zum feinen weissen Glase angewendet werden; nur müssen sie von besonders

reiner Beschaffenheit sein und bedürfen daher einer sorgfältigeren

Vorbereitung und Reinigung. Das Blasen des Spiegelglases wird mit

denselben Werkzeugen ausgeführt, wie das Blasen des Tafelglases. Die

erhaltenen Glaswalzen werden endlich auch aufgesprengt, im Streckofen

gestreckt und im Kühlofen abgekühlt. Das Gewicht der Glasmasse, die der

Bläser mit der Pfeife aufnimmt, beträgt 45 Pfd., woraus eine Tafel von

1,5 Meter Länge und 1-1,1 Meter Breite bei 1-1,1 Centimeter Dicke

erhalten wird. Die Umwandelung der Glastafeln in Spiegel durch die

Belegung geschieht genau so wie bei den gegossenen Spiegeln. Die zu

=gegossenen Spiegeln= angewendete Glassorte ist ein aus den reinsten

Materialien dargestelltes bleifreies Natrium-Calcium-Glas. Das

Kalium-Calcium-Glas ist zwar dem mit Soda geschmolzenen bei weitem

überlegen, sowol was Farblosigkeit, als Glanz betrifft; man würde aber

die Vorzüge eines solchen Glases mit einem sehr hohen Preise bezahlen

müssen. In England, Belgien und Deutschland sind die Rohmaterialien des

gegossenen Spiegelglases: Sand, Kalkstein, Soda oder Glaubersalz.

[90] Wenn irgendwo so zeigen sich beim Spiegelglase die enormen

Fortschritte der Glasfabrikation seit 10 bis 20 Jahren. Das

Spiegelglas ist billiger und dadurch einer allgemeineren Anwendung

fähig geworden. Während noch vor einer kurzen Reihe von Jahren das

Spiegelglas als ein Luxusartikel betrachtet wurde, wird dasselbe

heute als Rohglas vielfach verwendet zu Verglasungen von

Werkstätten, Fabrikgebäuden, Magazinen, Treibhäusern, für

Bedachungen von Stiegenhäusern, Passagen und Bahnhöfen, überhaupt

aller Localitäten, bei denen eine seitliche Beleuchtung nicht

statthaft ist. Im polirten, aber unbelegten Zustande ist sein

Verbrauch für Schaufenster ein ganz erstaunlicher geworden, aber

auch für gewöhnliche Fenster nimmt sein Verbrauch zu, seitdem

seine Vorzüge in Hinsicht auf Lichteffect, auf Eleganz, auf

Erleichterung der Heizung trotz des ungleich höheren Preises vor

dem gewöhnlichen geblasenen Fensterglase sich geltend gemacht

haben. In der Glasjury der Pariser internationalen Ausstellung des

Jahres 1867 brach sich die Ansicht Bahn, dass bevor zehn Jahre

vergangen, das Spiegelglas in den Wohnungen der wohlhabenderen

Stände an die Stelle des gewöhnlichen Fensterglases getreten sein

werde. Allgemein anerkannt ist es, dass das belegte Spiegelglas

die schönste, relativ preiswürdigste Zimmerdecoration bildet. Eine

wichtige Rolle in dem allgemeinen Gebrauch der Spiegelglasplatten,

welche deren Fabrikation und Anwendung mächtig Vorschub leistet,

spielen die in neuester Zeit aufgekommenen Gesellschaften, welche

die Spiegelscheiben während des Gebrauches für eine unbedeutende

Summe gegen Bruch sichern. Ein in Deutschland nachahmungswerther

Umstand ist ferner die in Frankreich und England sich immer mehr

und mehr einbürgernde Sitte, die grossen Wandspiegel zu den

Immobilien eines Bauunternehmens zu rechnen, für welche dem

Hauseigenthümer von dem Miether eine entsprechende Vergütung

gezahlt wird. Die Verwendung der 3 bis 5 Centimeter dicken

Rohglasplatten für Flur- und Trottoirbelege behufs Beleuchtung

unterirdischer Räume, für Aquarien, zu Färbereien, für Gährgefässe

der Brennereien und Brauereien verbreitet sich immer mehr. --

=Benrath= (1869) fand in englischem ([Greek: a]) und in Aachner

([Greek: b]) Spiegelglas:

([Greek: a]) ([Greek: b])

Spec. Gew. 2,448 2,456

Kieselerde 76,30 78,75

Natron 16,55 13,00

Kalk 6,50 6,50

Thonerde und Eisenoxyd 0,65 1,75

---------------------

100,00 100,00

Folgende Beschreibung der gegossenen Spiegel gründet sich vorzugsweise

auf die Einrichtung und das Verfahren, das man in St. Gobin und Ravenhead

anwendet.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 66 / 167 题