Die Formel (Al_{2} / Na_{6})} O_{6} würde erfordern

Thonerde 52,79

Natron 47,21

------

100,00

Das Natriumaluminat ist in kaltem wie in heissem Wasser mit gleicher

Leichtigkeit löslich. Aus der Luft absorbirt die äussere Schicht etwas

Feuchtigkeit und Kohlensäure, weshalb das so veränderte Produkt beim

Auflösen eine durch suspendirte Thonerde trübe Flüssigkeit giebt. Die

Lösungen der Verbindung bleiben lange klar, wenn sie kein höheres spec.

Gewicht haben als 10-12° B. (= 1,07-1,09). Das Verfahren der

Darstellung des Natriumaluminates kann wie es scheint, noch dadurch

vereinfacht werden, dass man zum Aufschliessen des Bauxits Glaubersalz

gemengt mit Kohle (vergl. Seite 292) verwendet. Endlich kann auch diese

Verbindung erhalten werden, indem man eine Mischung von Bauxit mit

Kochsalz in einem Flammenofen glüht und einen Strom erhitzten

Wasserdampf darüber leitet. Nach der von =Lechatellier=, =Deville= und

=Jacquemart= vorgeschlagenen Methode der Darstellung des Aluminates ist

Aluminiumsulfat der Ausgangspunkt; man fällt aus ihr die Thonerde und

löst letztere in Natriumlauge auf. Das Natriumaluminat findet Anwendung

als Mordant in der Färberei und Zeugdruckerei, zur Bereitung von

Lackfarben, zum Härten der Steine und zur Herstellung künstlicher

Steine, zum Leimen der Papiermasse, zum Verseifen der Fette in der

Stearinkerzenfabrikation, wobei sich Thonerdeseife bildet, die durch

Essigsäure in Aluminiumacetat und Fettsäure zerlegt wird und seit

einiger Zeit in grosser Menge bei der Fabrikation von Milchglas

(Halbporcellan). Bei der von =Balard= empfohlenen Methode der

Sodafabrikation aus Bauxit, Glaubersalz und Kohle tritt das

Natriumaluminat als Zwischenprodukt auf, welches durch Kohlensäure in

Soda und in Thonerde zerlegt wird[81].

[81] Die _Pennsylvania Salt Manufacturing Company_ zu Natrona bei

Pittsburgh bringt grosse Mengen von Natrium-Aluminat unter dem

Namen _Natrona refined Saponifier_ für die Seifenfabrikation in

den Handel.

[Sidenote: Anwendung des Alauns und des Aluminiumsulfates.]

Der Alaun findet in Folge der grossen Verwandtschaft der in ihm

enthaltenen Thonerde zu den Gespinnstfasern, namentlich Wolle und

Baumwolle einestheils, anderntheils zu den Farbstoffen (mit Ausschluss

der Theerfarben) Anwendung in der Färberei und Zeugdruckerei, insofern

die Thonerde die Verbindung des Farbstoffes mit der Faser vermittelt.

Auf der Eigenthümlichkeit des Thonerdehydrates, mit den Farbstoffen

Verbindungen einzugehen, beruht die Anwendung des Alauns zur

Darstellung der Lackfarben. Der Alaun dient ferner als Läuterungsmittel

beim Ausschmelzen des Talges, zum Härten des Gypses, zum

Unlöslichmachen des Leimes in der Handpapierfabrikation und zur

Herstellung des vegetabilischen Leimes (Aluminiumpinat) in der

Maschinenpapierfabrikation, zur Darstellung des Aluminiumacetates. In

der Weiss- oder Alaungerberei macht eine Lösung von Alaun und Kochsalz

die geschwellten Häute weissgar. Aluminiumoleat und -palmitat

(Thonerdeseife) dienen zum Garmachen des Leders nach =Knapp='s

Verfahren. Der Alaun dient ferner als Klärungsmittel vieler

Flüssigkeiten, z. B. schlammigen Trinkwassers; im letzteren Falle

werden, indem der Alaun aus dem Schlamm Thonerde aufnimmt und in

unlöslichen Alaun übergeht, die in dem Wasser suspendirten

Unreinigkeiten von dem niederfallenden Alaun eingehüllt und die

Flüssigkeit wird dadurch geklärt. Eine siedend gesättigte Lösung von

Alaun, Kochsalz und Salpeter wird zum Färben des Goldes benutzt.

[Sidenote: Aluminiumacetat.]

Das =Aluminiumacetat= (essigsaure Thonerde) wird durch Zersetzung von

Aluminiumsulfat mit Bleiacetat, Barium- oder Calciumacetat erhalten;

die von dem Bleisulfat abfiltrirte Flüssigkeit wird zur Trockne

verdunstet; die zurückbleibende Masse ist gummiartig und nicht

krystallisirbar, zerfliesslich und sehr zusammenziehend. Lässt man sie

an der Luft verdunsten, so geht das Aluminiumacetat unter Verlust von

Essigsäure in eine in Wasser vollkommen unlösliche Verbindung (basisch

essigsaure Thonerde) über. Im reinen Zustande findet diese Verbindung

weit seltener Anwendung als in Form einer Mischung von Alaun,

Kaliumacetat und Kaliumsulfat, in welchem Zustande sie die =Rothbeize=

(_mordant rouge_) bildet. Soll neutrales Aluminiumacetat mit Hülfe von

Alaun dargestellt werden, so wendet man auf 100 Th. Bleizucker 62,6 Th.

Alaun an, wenn die Zersetzung gegenseitig eine vollständige sein soll.

Meist nimmt man aber den Alaun im Ueberschuss. Vortheilhafter ist es,

Alaunlösung vorher durch Natriumcarbonat in unlöslichen Alaun zu

verwandeln und diesen dann in Essigsäure zu lösen, und am

vortheilhaftesten, seit dem Entstehen der Kryolith- und

Bauxitindustrie, dass man die aus Natronaluminat ausgeschiedene

Thonerde in Essigsäure löst. Das Aluminiumacetat kommt nicht in den

Handel, sondern wird von den Consumenten selbst bereitet; es zeigt fast

nie eine constante Zusammensetzung, was davon herrührt, dass man zum

Zersetzen des Alauns bald Bleizucker, bald Calciumacetat, bald

Natriumacetat verwendet und zwar diese Zersetzungsmittel in sehr

verschiedenen Mengen. Man setzt zuweilen der Rothbeize Mittel zu, die

deren schnelles Trocknen auf den Stoffen verhindern sollen, z. B.

Glycerin, Chlorzink, Kochsalz und Salmiak. Arsenige Säure, die man

früher oft zusetzte, wird zu diesem Zwecke nicht mehr verwendet. Man

verwendet das Aluminiumacetat als Beize in der Baumwollfärberei und

Zeugdruckerei, sowie zum =Wasserdichtmachen= von Wollgeweben. Von den

übrigen Thonerdesalzen finden technische Anwendung das

=Aluminiumhyposulfit= (nach =E. Kopp='s Vorschlage zum Mordanciren von

Baumwollstoff), ferner das =Aluminiumhypochlorit= (namentlich auf

=Orioli='s Empfehlung hin) unter dem Namen =Wilson='s Bleichflüssigkeit

zum Bleichen, das =Aluminiumsulfit= (zur Läuterung des Rübensaftes in

der Zuckerfabrikation) und das =Aluminiumoxalat= (nach den Vorschlägen

von =Dent= und =Brown=) zum Conserviren der Steine (Marmor, Dolomit,

Kalkschiefer und Kreide).

Das Ultramarin.

[Sidenote: Ultramarin.]

[Sidenote: Natürliches.]

Das =Ultramarin= ist die bekannte schöne blaue Farbe, die man früher aus

dem =Lasurstein= (_Lapis Lazuli_) ausschied, jetzt aber künstlich in den

Ultramarinfabriken Europa's in der Menge von 180,000 Ctr. jährlich

darstellt. Der Lasurstein findet sich in schön blauen Massen von

2,75-2,95 spec. Gewichte. Aus diesem Steine stellte man ehedem das

Ultramarin dar, indem man die wenigen guten Stücken gröblich pulverte,

glühte, in Wasser abschreckte und das erhaltene feine Pulver mit sehr

verdünnter Essigsäure digerirte, um das mit dem Lasurstein gemengte

Calciumcarbonat aufzulösen. Darauf wurde der Lasurstein auf dem Reibstein

fein gerieben, mit einem gleichen Gewichte eines Gemenges von Harz,

Wachs, Leinöl und Burgunderpech gemischt. Diesen Teig knetete man nun

unter Wasser so lange, als dasselbe noch blau gefärbt wird; aus dem

Wasser setzt sich das Ultramarin als feines Pulver ab. Auf diese Weise

erhielt man ungefähr 2-3 Proc. Ultramarin, welches wegen seiner Schönheit

und Seltenheit, wegen seiner Unveränderlichkeit am Lichte, im Oel und

auch Kalke in sehr hohem Preise stand. Durch die chemische Analyse des

Lasursteines gelangte man zur genauen Kenntniss der Zusammensetzung

desselben, welche nach vielen fruchtlosen Versuchen zur Darstellung des

künstlichen Ultramarins führte, das dem natürlichen an Güte und Schönheit

der Farbe nichts nachgiebt und sowol das natürliche, als auch andere

blaue Farben, wie z. B. die Smalte in den meisten Fällen ersetzen kann.

Der Lasurstein besteht in 100 Theilen aus 45,40 Th. Kieselerde, 31,67

Th. Thonerde, 9,09 Th. Natron, 5,89 Th. Schwefelsäure, 0,95 Th. Schwefel,

3,52 Th. Kalk, 0,86 Th. Eisen, 0,42 Th. Chlor, und 0,12 Th. Wasser.

[Sidenote: Künstliches Ultramarin.]

Das künstliche Ultramarin wurde von =Christian Gmelin= im Jahre 1822

entdeckt, aber 1828 erst von =Guimet= in grösseren Mengen dargestellt.

Die ersten deutschen Ultramarinfabriken wurden gegründet 1836 in

Wermelskirchen (von Dr. =Leverkus=) und 1838 in Nürnberg (von =J.

Zeltner= unter Mitwirkung von =Leykauf=). Das Verfahren der Darstellung

des Ultramarins wurde in neuerer Zeit verbessert durch die Herren

=Reinhold Hoffmann= (Director des Blaufarbenwerkes Marienberg in Hessen),

=Wilkens= in Kaiserslautern, =Fürstenau= in Coburg und =Gentele= in

Stockholm.

[Sidenote: Rohstoffe.]

Die Rohstoffe sind: 1) ein möglichst eisenfreies Aluminiumsilicat, am

besten Porcellanerde, 2) calcinirtes Glaubersalz, 3) calcinirte Soda, 4)

Schwefelnatrium (als Nebenprodukt der Fabrikation), 5) Schwefel, 6)

Holzkohlen- oder Steinkohlenpulver.

Als =Aluminiumsilicat= verwendet man Porcellanthon oder eine weisse

Thonart, deren Zusammensetzung von der der Porcellanerde nicht sehr

abweicht. Geringe Beimengungen von Kalk und Magnesia sind nicht

schädlich; der Eisenoxydgehalt soll nicht über 1 Proc. betragen. Die

Ultramarinfabrik in Meissen verarbeitet Porcellanerde von Seilitz bei

Meissen, die Nürnberger Fabrik zum Theil Porcellanthon von

Tirschenreuth in der Oberpfalz. Der zur Herstellung des Ultramarins

sich eignende Thon soll möglichst nach der Formel Si_{2}O_{7}Al_{2}

zusammengesetzt sein; ob die Kieselerde darin vollständig in Gestalt

von Silicat oder zum Theil frei enthalten ist, scheint gleichgültig zu

sein. Hat auch der Thon in Folge beigemengten Sandes die angegebene

Zusammensetzung nicht, so erhält er dieselbe doch durch das Schlämmen,

welches genau auf dieselbe Weise wie in der Porcellanfabrikation

ausgeführt wird. Der geschlämmte Thon wird getrocknet und nach dem

Trocknen geglüht, wodurch der Thon mürbe und spröde wird, die

Eigenschaft verliert, schmierig und fett zu sein, und sich nun leicht

durch Pochwerke und Quetschwerke pulvern lässt. Nach dem Pochen wird

der Thon gesiebt, um ihn in staubförmiges Mehl zu verwandeln. Das

=Glaubersalz= oder =Sulfat=, in der Ultramarinbereitung zuerst von

=Leykauf= in Nürnberg angewendet, darf keine freie Säure enthalten und

muss frei von Blei und möglichst frei von Eisen sein. Hat das zur

Verfügung stehende Glaubersalz diese Eigenschaften nicht, so löst man

es in Wasser, neutralisirt die freie Säure mit Kalkmilch, wobei

zugleich das Eisenoxyd gefällt wird, decantirt nach dem Absetzenlassen

die klare Lauge und lässt krystallisiren und entwässert die Krystalle

auf der vertieften Sohle eines Flammenofens oder eines eisernen

Kessels. Oder man dampft die Lauge, ohne sie krystallisiren zu lassen,

unter fortwährendem Nachgiessen von frischer Lauge ab, um durch Soggen

wasserfreies Glaubersalz zu gewinnen, das herausgekrückt und getrocknet

wird. Das so erhaltene Produkt wird in Quetschmühlen zerquetscht und

gesiebt. =Kaliumsalze= bilden kein Ultramarin, wol aber

=Bariumsalze=[82]. Die =calcinirte Soda= findet, wie sie von den

Sodafabriken oder als Nebenprodukt bei der Verarbeitung des Kryoliths

und des Natriumnitrates geliefert wird, Anwendung; sie wird ebenso wie

das Glaubersalz zerdrückt und im gesiebten Zustande aufbewahrt. Sie

muss mindestens 90grädig sein. In neuester Zeit zieht man in einigen

Fabriken das Aetznatron der Soda vor. Das =Schwefelnatrium= (bei der

Anwendung als Sulfuret von der Formel Na_{2}S in Anwendung gebracht)

tritt in der Regel als Nebenprodukt der Fabrikation auf und wird

entweder in flüssiger Form oder eingetrocknet und pulverisirt

angewendet. Den =Schwefel= wendet man in Form von Stangenschwefel an;

er wird als staubförmiges Pulver vorräthig gehalten. Die =Kohle=,

welche zur Entfernung des Sauerstoffs dient, wurde in die

Ultramarinfabrikation von =Leykauf= eingeführt; man wendet sie an in

Gestalt von Holzkohle oder Steinkohle; von letzterer benutzt man nur

backende, wenig Asche hinterlassende. Beide Kohlenarten werden vor

ihrer Anwendung in ein feines Pulver verwandelt. Zu diesem Behufe

bedient man sich entweder der Pulverisirtrommeln, wie in der

Schiesspulverfabrikation, oder man mahlt die Kohle in Sandstein- oder

Granitmühlen mit Wasser, bis sie in einen feinen Schlamm verwandelt

worden ist, welcher nach dem Trocknen zerdrückt und gesiebt wird.

Einige Fabriken wenden neben der Kohle noch =Colophonium= und

=Theerasphalt= an. Zu gewissen Sorten von Ultramarin, welche der

Einwirkung des Alauns widerstehen sollen, kommt noch ein Antheil

=Kieselerde= (fein zerriebener Quarzsand oder am besten als

Nebenprodukt auf nassem Wege erhalten). Anhangsweise sind hier noch zu

erwähnen die weissen Stoffe, welche zum Mischen und Strecken des

fertigen Ultramarins gebraucht werden wie =Lenzin=, =Gyps=,

=Schwerspathpulver= und =Barytweiss=. Bei der Herstellung der

Waschkugeln findet endlich noch =Mehl= Anwendung. Ueber den Vortheil

der Anwendung des =Kryolithts= in der Ultramarinfabrikation gehen die

Ansichten der Betheiligten sehr auseinander.

[82] =Fr. Kuhlmann= fand in einem Ofen, welcher zur Reduktion von

Schwerspath zu Schwefelbarium diente, =Barium-Ultramarin=, d. i.

Ultramarin, in welchem das Natrium durch Barium ersetzt war.

[Sidenote: Darstellung des Ultramarins.]

=Fabrikationsverfahren des Ultramarins.= Die verschiedenen Methoden der

Ultramarindarstellung lassen sich auf folgende =drei=, nach den

wesentlichen Rohstoffen classificirt, zurückführen, nämlich:

[Greek: a]) Fabrikation von Sulfat- oder Glaubersalz-Ultramarin;

[Greek: b]) " " Soda-Ultramarin;

[Greek: g]) " " Kieselerde-Ultramarin.

[Greek: a]) =Fabrikation von Sulfat-Ultramarin.= Diese Sorte von

Ultramarin wird nach dem sogenannten =Nürnberger Verfahren= aus Kaolin,

Sulfat und Kohle dargestellt. Die Fabrikation desselben zerfällt

a) in die Herstellung des grünen Ultramarins,

b) in die Ueberführung desselben in Ultramarinblau.

a) =Herstellung des grünen Ultramarins.= Bei der Bereitung des Satzes

ist sowol das Verhältniss der Materialien, als auch eine höchst innige

Mengung von grosser Wichtigkeit. Bei der Anwendung von trockenen

Materialien verfährt man auf die Weise, dass man die Stoffe in kleinen

Quantitäten zusammenwiegt, sie dann in kleinen Trögen hin- und

herschaufelt, durch Siebe siebt und das Verschaufeln und Sieben

mehrmals wiederholt. Dort, wo Lösungen von Glaubersalz, Soda und

Schwefelnatrium angewendet werden, wird in die Lösung der Porcellanthon

gebracht und das Ganze zur Trockne eingedunstet. Manchmal wird

demselben auch das Kohlenpulver zugegeben. Das trockene Gemisch wird in

einem Flammenofen schwach geglüht, hierauf gepulvert und durch

Schaufeln und Sieben das Pulver möglichst gleichförmig gemacht. Die

Verhältnisse, in welchen die Rohmaterialien gemengt werden, sind sehr

verschieden; in jedem Falle muss 1) Natron als Glaubersalz oder Soda in

solcher Menge in die Mischung eintreten, dass durch das Natron die

Hälfte der Kieselsäure des Thons gesättigt werden kann; 2) noch so viel

Natron neben Schwefel vorhanden sein, um eine gewisse Menge

Natriumpolysulfuret zu bilden; 3) noch Schwefel und Natrium als

Natriumsulfuret (Na_{2}S) in dem Gemisch übrig bleiben, nachdem man vom

ganzen Gemenge so viel grünes Ultramarin, wie sich dessen

Zusammensetzung nach den neueren Analysen ergeben hat, abgezogen hat,

als die in der Mischung vorhandene Kieselerde und Thonerde zu bilden

vermögen. Als Norm für Mischungen können folgende gelten:

I. II.

Porcellanthon (wasserfrei) 100 100

calcinirtes Glaubersalz 83-100 41

calcinirte Soda -- 41

Kohle 17 17

Schwefel -- 13

100 Th. calcinirte Soda werden durch 80 Th. calcinirtes Glaubersalz,

100 Th. des letzteren durch 60 Th. trockenes Schwefelnatrium ersetzt.

Der Satz, der in der Regel in grösseren Mengen dargestellt und in

Vorrath aufbewahrt wird, kommt in Charmottetiegel, in welche er mit

passenden Holzkeulen eingestampft wird[83]. Das Erhitzen geschieht in

Oefen, deren Construktion der der kleinen Porcellanöfen ähnlich ist,

bei erforderlicher hoher und gleichförmiger Temperatur und möglichst

gehindertem Luftzutritt. Die Temperatur, welche den Glühgefässen nach

und nach ertheilt wird, streift an helle Rothglühhitze oder angehende

Weissglühhitze. Die Dauer eines Brandes variirt von 7-10 Stunden. Man

lässt den Ofen verschlossen erkalten. Der Inhalt der Tiegel erscheint

als eine gesinterte Masse von grauem, oft gelbgrünem Ansehen; er wird

wiederholt abgewässert. Das so erhaltene Ultramarin ist eine lockere,

schwammige, aus kleinen und grossen porösen Stücken bestehende Masse,

die auf Mühlen bis zur äussersten Feinheit gemahlen wird; das Pulver

wird gewaschen und nach dem Waschen getrocknet. Nachdem das Produkt

noch in Quetschmühlen trocken gerieben und durch Haarsiebe geschlagen

wurde, ist es als =grünes Ultramarin= sowohl zum Verkauf, als auch zur

Ueberführung in blaues Ultramarin anwendbar.

[83] Glüht man diesen Satz bei Luftabschluss, so erhält man eine weisse

Masse, die nach dem Behandeln mit Wasser eine weisse lockere

Substanz darstellt, welche =Ritter= mit dem Namen =weisses

Ultramarin= belegt hat. Es wird an der Luft grün und beim Erhitzen

an der Luft blau.

Das grüne Ultramarin zeigt sich zusammengesetzt aus:

nach =Stölzel= (1855)

Thonerde 30,11

Eisen 0,49 (Eisenoxyd 0,7)

Calcium 0,45

Natrium 19,09 (Natron 25,73)

Kieselerde 37,46

Schwefelsäure 0,76

Schwefel 6,08

Chlor 0,37

Magnesia, Kali, Phosphorsäure Spuren

-------

94,81

Sauerstoff 5,19

-------

100,00

Die untersuchte Sorte war aus einer Ultramarinfabrik aus

Kaiserslautern.

Das grüne Ultramarin hat als grüne Farbe im Ganzen noch einen

untergeordneten Werth, indem es an Schönheit der Nuance den meisten

Kupferfarben weit nachsteht.

b) =Ueberführung des Ultramaringrüns in Ultramarinblau.= Die

Ueberführung des grünen Ultramarins in blaues kann auf verschiedene

Weise ausgeführt werden und bietet keine Schwierigkeit dar, gegenwärtig

findet aber meist diese Ueberführung durch Rösten mit Schwefel bei

niedriger Temperatur und unter Luftzutritt statt, so dass der Schwefel

zu schwefliger Säure verbrennen kann, wobei zugleich ein Theil des

Natriums sich oxydirt, welches dann aus dem blauen Ultramarin als

Natriumsulfat ausgezogen wird. Der im grünen Ultramarin enthaltene

Schwefel bleibt jedoch, nur mit weniger Natrium verbunden, vollständig

zurück. Bei dem in mehreren Ultramarinfabriken üblichen =Röstverfahren=

wendet man kleine, über einem Feuerraume fest eingemauerte Cylinder an,

deren hinterer Boden mit einer Oeffnung versehen ist, in welche die Axe

einer Flügelwelle gesteckt werden kann. Der vordere Theil lässt sich

leicht hinwegnehmen; dieser Theil hat eine Oeffnung für die

durchgehende Axe der Flügelwelle, eine kleine Oeffnung unten und eine

grössere oben, zum Eintragen des Schwefels dienend, welche beide mit

Riegeln verschlossen werden können. An der obern Seite des Cylinders

befindet sich noch eine weitere kleine Oeffnung zum Austreten der

schwefligen Säure. Der Cylinder wird mit der Flügelwelle versehen, mit

25-30 Pfd. grünem Ultramarin beschickt, verschlossen und in dem Ofen

erhitzt. Von Zeit zu Zeit werden die Flügel gedreht, um das Ultramarin

gleichmässig zu erhitzen. Nachdem der Inhalt des Cylinders so weit

erhitzt worden ist, dass eine Probe des in die Oeffnung geworfenen

Schwefels sich von selbst entzündet, mässigt man das Feuer, wirft

alsdann in den Cylinder 1 Pfd. Schwefelpulver, dreht die Flügelwelle

und lässt die Füllöffnung offen, damit der Schwefel verbrennen kann.

Man dreht langsamer, bis keine Schwefeldämpfe mehr entweichen. Dieselbe

Behandlung mit Schwefel wird so lange wiederholt, bis eine

herausgenommene Probe die höchste Reinheit und Intensität der blauen

Farbe zeigt. In einigen Fabriken beendigt man das Fertigrösten nicht

auf einmal, sondern man laugt das Produkt, ehe es ganz blau geworden

ist, noch einmal aus, mahlt, knetet und siebt es; es wird dadurch eine

gleichförmigere Bläuung erzielt, weil keine Körner verbleiben können,

welche inwendig grünlicher wären als aussen. Die blaugebrannten

Ultramarine sind dann erst Handelswaare, wenn sie nochmals ausgelaugt,

getrocknet und gesiebt worden sind. Die helleren Sorten werden durch

weisse Zusätze erzeugt. Nach einem =anderen= Röstverfahren wendet man

eine Art gemauerter Muffelöfen oder solche Herdöfen an, in welche die

Flamme der Heizung nicht eintreten kann. Das Ultramarin wird auf dem

Herde in einer 6 bis 8 Centim. hohen Schicht gleichmässig ausgebreitet

und so lange unter Verschluss der Thüre erhitzt, bis hineingeworfener

Schwefel sogleich zu brennen beginnt. Man wirft eine Schaufel voll

Schwefelpulver auf und lässt dasselbe unter Umrühren mit einer eisernen

Krücke verbrennen. Diese Operation wird wiederholt, bis die Nüance und

Intensität der blauen Farbe nicht mehr zunimmt.

Es ist noch nicht entschieden, ob die deutsche (Nürnberger) Methode des

Blaubrennens in Cylindern oder die auf Herden den Vorzug verdiene. Bei

letzterer Methode, wo man das Ultramaringrün in einer Art Backofen,

dessen Herd von unten geheizt wird, erhitzt und mit Schwefel blau

brennt, ist die Wirkung eine schnellere, weil viel grössere

Berührungsflächen vorhanden sind, als bei ersterer Methode. Aber bei

jedem dieser Verfahren geht noch viel schweflige Säure verloren;

dieser Verlust ist so bedeutend, dass die Ultramarinfabriken durch

geeignete Verbindung ihrer Röstöfen mit Bleikammern grosse Mengen von

Schwefelsäure erzeugen können, während gegenwärtig die entweichende

schweflige Säure der Fabrik selbst und der Umgegend lästig wird. Mit

der so gewonnenen Schwefelsäure könnten die Ultramarinfabriken einen

grossen Theil ihres Glaubersalzes selbst darstellen. Wenn man des blaue

Ultramarin durch Verdrängung auslaugt, so lassen sich ziemlich

concentrirte Glaubersalzlösungen erhalten, welche in der Fabrikation

Anwendung finden können, nachdem man das Eisen daraus durch Kalk

entfernt hat. =Hanstein= sucht die in der Lauge enthaltene

Schwefelsäure dadurch auszunutzen, dass er sie als Barytweiss fällt.

Das Ultramarin nimmt beim Blaubrennen mit Schwefel zwar an Gewicht zu,

beim Auswaschen aber im Ganzen nur einige Procente ab. Beim

nachlässigen Auswaschen backt das Ultramarin in den Fässern, in denen

es aufbewahrt wird, nach und nach wieder zusammen. Das letzte

Präpariren des Ultramarins geschieht auf der granitnen Präparirmühle

mit Bodenstein und Laufer von 1,3-1,6 Meter Durchmesser. Die fein

geriebene Farbe wird nun noch geschlämmt und die verschiedenen

Schlämmwässer in Bottiche von Nr. 00, 1, 2, 3 u. s. w. abgelassen,

woraus die verschiedenen Sorten Farbe gewonnen werden. Während des

Schlämmens geht auch das Versetzen der helleren Sorten des Ultramarins

mit Porcellanthon vor sich. Die breiige Masse von geschlämmtem

Ultramarin wird in hanfene Säcke gebracht und ausgepresst und nach dem

Auspressen auf Horden in geheizten Räumen getrocknet. Die getrocknete

Masse wird gesiebt.

[Sidenote: Fabrikation von Soda-Ultramarin.]

[Greek: b]) Das =Soda-Ultramarin=, wie es in Frankreich, Belgien, in

Hessen und in der Rheinpfalz dargestellt wird, ist entweder reines

Soda-Ultramarin oder ein Gemenge davon mit Sulfat-Ultramarin. Der Satz

besteht beispielsweise aus:

I. II. III.

Kaolin 100 100 100

Sulfat -- 41 --

Soda 100 41 90

Kohle 12 17 6

Schwefel 60 13 100

Colophonium -- -- 6

Das Erhitzen des Gemenges geschieht in Häfen oder besser in

Flammenöfen. Es bildet sich ein grün gefärbtes Produkt, das zerreiblich

und so porös ist, dass es den Sauerstoff mit grosser Leichtigkeit zu

absorbiren vermag. Daher wird beim Erkalten des Flammenofens der

grösste Theil des Produktes in Ultramarinblau übergeführt.

Ultramaringrün kann daher nach diesem Verfahren nicht dargestellt

werden. Mengt man das erhaltene unvollkommene Blau mit Schwefel und

unterwirft es in grossen Muffeln, deren Boden aus feuerfesten Platten

besteht und die Decke aus Eisen, dem Abbrennen, so erhält man

vollkommenes Ultramarinblau, welches sich von dem Endprodukt des

Nürnberger Verfahrens durch dunklere Färbung und grösseren

Farbenreichthum auszeichnet. Je mehr Schwefel und Soda dem rohen

Gemenge zugesetzt wird, desto mehr erlangt das Rohprodukt die

Eigenschaft, eine blaue Farbe anzunehmen, so dass bei geeigneten

Mischungsverhältnissen ein schönes Ultramarinblau, welches keiner

weiteren Behandlung mit Schwefel bedarf, sofort in der ersten Phase

sich bildet. So dargestelltes Ultramarin enthält 10-12 Proc. Schwefel.

=Fabrikation von Kieselerde-Ultramarin.=

[Greek: g]) Das =Kieselerde-Ultramarin= ist Soda-Ultramarin, bei dessen

Bereitung fein zertheilte Kieselerde zugesetzt wurde und zwar 5-10 Proc.

vom Gewicht des Kaolins. Das durch das Kieselerdeverfahren dargestellte

Ultramarin ist stets blau und die weitere Behandlung mit Schwefel fällt

weg.

Es widersteht einer Alaunlösung und zwar um so besser, je mehr

Kieselerde es enthält, und ist durch eine eigenthümlich röthliche

Färbung charakterisirt, deren Intensität mit der Kieselerdemenge

wächst. Das Kieselerdeverfahren liefert für viele Zwecke des

vorzüglichste Produkt, leider bietet aber die Fabrikation in Folge der

Neigung des kieselsäurereichen Gemisches im Ofen zu sintern, grosse

Schwierigkeiten.

[Sidenote: Constitution des Ultramarins.]

Seit dem Bekanntwerden des Ultramarins haben sich die Chemiker mit der

Frage beschäftigt, auf welche Weise in dem Ultramarin die Moleküle

gruppirt seien, welche Verbindung namentlich die blaue Färbung bewirke.

=Marggraf= war der Erste, der diese Frage zu beantworten versuchte; im

Jahre 1758 widerlegte er die damals verbreitete Ansicht, dass der

Lasurstein Kupfer enthalte und dass dieses die Ursache der Färbung sei;

da die Analyse ihm Eisenoxyd ergab, so erklärte er das Eisen in dem

Ultramarin für das färbende Princip. =Guyton-Morveau= schrieb die Farbe

dem Schwefeleisen zu, eine Ansicht, die bis auf die neuere Zeit von

vielen Chemikern vertreten wurde, obgleich ihr mehrere, namentlich

=Brunner=, entgegentraten. Wenn nun gleich alle Analysen des

Ultramarins einen Eisengehalt anzeigen, so ist es doch Thatsache, dass

die meisten Ultramarinfabrikanten nach eisenfreiem Thone und

Glaubersalz trachten. Man zählt deshalb gegenwärtig die geringe Menge

Eisen zu den unwesentlichen Bestandtheilen des Ultramarins. Alle

Chemiker sind darüber einig, dass bei der Feststellung einer

rationellen Formel des Ultramarins nur vier Substanzen, nämlich

Kieselerde, Aluminium, Natrium und Schwefel in Betracht zu ziehen

seien, über die rationelle Formel selbst und über die Theorie der

Bildung des Ultramarins, namentlich der Ueberführung des grünen in

blaues, herrscht dagegen keine Uebereinstimmung, obgleich die in

neuerer Zeit ausgesprochenen Ansichten bei weitem nicht mehr so

divergiren, als die früheren.

Nach =Breunlin= wäre, abgesehen von der an Calcium gebundenen

unwesentlichen Schwefelsäure, aller Schwefel in dem Ultramarin als

Natriumpolysulfuret, und alles Natrium und Aluminium (mit Ausnahme von

dem Aluminium im beigemengten Thon) an Kieselerde gebunden.

Nach der Ansicht von =Wilkens= ist das grüne Ultramarin, welches der

Bildung von blauem stets vorangeht, eine reine

Schwefelnatriumverbindung, das blaue Ultramarin dagegen eine

Schwefelnatriumverbindung und eine Verbindung von Natriumhyposulfit.

Nach der Auffassung =Ritter='s wäre das blaue Ultramarin eine

Verbindung von Natrium-Aluminium-Silicat mit Natriumpolysulfuret und

dem Natrium einer Sauerstoffsäure des Schwefels, wahrscheinlich

Natriumhyposulfit. Ultramarin wird bekanntlich beim Uebergiessen mit

Salzsäure unter Zersetzung entfärbt, wobei

Schwefelwasserstoffentwickelung und Abscheidung von Schwefelmilch

stattfindet. Aus der Bildung von letzterer glaubte man mit Bestimmtheit

auf das Vorhandensein eines Polysulfurets in dem Ultramarin schliessen

zu dürfen.

Es ist bemerkenswerth, dass alle Chemiker, die sich mit der Ermittelung

der Constitution des Ultramarins beschäftigten, analytisch verfuhren

und den synthetischen Weg unbeachtet liessen. Es liegt aber ziemlich

nahe, die Sulfurete des Aluminiums und deren Verbindungen mit

Schwefelnatrium darzustellen und letztere dem Verfahren des Abbrennens

mit Schwefel, dem Behandeln mit Chlor u. s. w. zu unterwerfen. Nach =W.

Stein= wäre es ja das dunkelfarbige Schwefelaluminium, welches beim

Rösten frei wird und dem Ultramarin seine Färbung giebt. Es unterliegt

wol keinem Zweifel, dass bei Verarbeitung derjenigen

Ultramarinmischungen, in denen Schwefel und Kohle vorkommt, der

Schwefelkohlenstoff, dessen Vorhandensein bei Beginn des Brandes schon

durch den Geruch wahrzunehmen, bei der Ultramarinbildung mit wirksam

ist. Da während eines gewissen Aggregatzustandes der Schwefel =blau=

erscheint, genau so wie im Ultramarin, so meint =Nöllner=, es handele

sich in der Ultramarinfabrikation nur darum, diesen Aggregatzustand des

Schwefels durch Dazwischenhalten eines fremden Körpers wie Thonerde

oder Kieselerde zu fixiren. Mit solchen und anderen Aussprüchen, wie

sie z. B. =Geuther=[84] unlängst gethan, so geistreich wie diese

Ansichten auch aussehen, ist der Technologie jedoch nicht gedient.

[84] Nach =A. Geuther= (Lehrbuch der Chemie. 1870. p. 348) enthält das

weisse Ultramarin nur =monovalentes= Natrium, das blaue aber

=pentavalentes= und das grüne =trivalentes= Natrium!!

[Sidenote: Eigenschaften des Ultramarins.]

=Eigenschaften und Anwendung des Ultramarins.= Das Ultramarin ist ein

unfühlbares lasurblaues Pulver, das sich in Wasser nicht löst und an

dasselbe nichts abgeben darf; es wird von alkalischen Laugen nicht

angegriffen, jedoch durch Säuren, selbst durch sauer reagirende Salze,

wie z. B. durch Alaunlösung, unter Entwickelung von

Schwefelwasserstoffgas entfärbt[85]. Die Bezeichnung, =säurefestes

Ultramarin=, welche man in neuerer Zeit einer Sorte Ultramarinblau

gegeben hat, bezieht sich nur auf die Widerstandsfähigkeit gegen Alaun,

welche durch Zugeben von Kieselerde dargestellt wird.

[85] Der Lapis lazuli widersteht der Einwirkung des Alauns und selbst

der der Essigsäure. Das in den Sodaöfen hin und wieder sich

findende Ultramarin hat dieselbe Säurefestigkeit. Die geringe

Stabilität der meisten künstlichen Ultramarine zeigt, dass die

Fabrikation desselben bei weitem noch nicht ihren

Culminationspunkt erreicht hat.

Es hat als blaue Farbe die Smalte und ähnliche Kobaltfarben fast

gänzlich, den Lakmus und das Berlinerblau zum Theil verdrängt. Es dient

besonders zum Malen und Tünchen auf Kalkgrund, sowie in der

Wasserglasmalerei oder Stereochromie, zum Tapetendruck, in der

Buntpapierfabrikation, zum Druck auf Leinwand, Baumwoll-, Woll- und

Seidenzeuge, in der Buchdruckerei und in der Lithographie u. s. w. Ein

grosser Theil des Ultramarins wird ferner angewendet, um an sich

gelblich- oder röthlich-weisse Stoffe dem Auge rein weiss erscheinen zu

lassen. Die blaue Farbe des Ultramarins wirkt auf den schmutziggelben

Ton zu Weiss ergänzend. Man nennt diese Art der Anwendung des

Ultramarins das =Blauen=, das indessen weit richtiger das Weissen zu

nennen wäre. So blaut man unter Anderem die Leinwand (auf 50 Stück

Leinwand 2-3-1/2 Pfd. Ultramarin), die Papiermasse, die Wäsche, die

Kalkmilch beim Anstreichen, die Stärke, das Barytweiss, die Stearin-

und Paraffinmasse zur Kerzenfabrikation und endlich auch den Zucker.

Man hat in neuerer Zeit die Frage aufgeworfen, ob der Ultramarinzusatz

zum Zucker nicht nachtheilig sei. Wenn man aber in Betracht zieht, dass

das Ultramarin aus lauter der Gesundheit nicht schädlichen Substanzen

besteht, dass ferner die Menge des Ultramarins im Zucker eine

verschwindend kleine ist -- auf 1000 Ctr. Zucker genügen in der Regel

2-1/2 Pfd. Ultramarin --, so wird diese Frage unbedingt mit Nein

beantwortet werden müssen.

Das =grüne= Ultramarin, ein glanzloses Pulver, welches namentlich als

ordinäre Tüncher-, seltener als Tapetenfarbe Anwendung findet, ist

mitunter mit Indigcarmin und einer gelben Zinnlackfarbe geschönt.

Es wird zuweilen behauptet, dass dem Ultramarin mitunter Indig und

Berlinerblau zur Erhöhung des Farbentones zugesetzt, dass es ferner oft

mit Smalte und Berlinerblau verfälscht werde. Derartige

Verunreinigungen und Verfälschungen kommen wol gegenwärtig nicht mehr

vor, da der Preis selbst der besseren Ultramarinsorten geringer ist,

als der der genannten Substanzen. Kreide, die man früher häufig

zusetzte, kommt gegenwärtig äusserst selten als Verfälschungsmittel des

Ultramarins vor, da man in dem Thon und dem Alabaster ein weit

geeigneteres Mittel zum Versetzen des Ultramarins hat.

Schwerspathpulver und Permanentweiss findet sich dagegen in neuerer

Zeit öfters dem Ultramarin beigemengt.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 59 / 167 题