Der _octaëdrische_ Borax (Na_{2}B_{4}O_{7} + 5H_{2}O) aus

Borsäure }

Natron } 69,36

Krystallwasser 30,64

------

100,00

[Illustration: Fig. 118.]

Die Fabrikation des =prismatischen Borax= geschieht auf folgende Weise:

Man löst in einem mit Bleiblech ausgefütterten Bottich _A_ (Fig. 118),

der durch Wasserdämpfe erwärmt werden kann, 26 Ctr. krystallisirtes

Natriumcarbonat in etwa 1500 Litern Wasser und erhitzt bis zum Sieden.

Der Dampfkessel _C_ dient zur Bildung der Wasserdämpfe, die durch das

Dampfrohr _c_ in den Bottich geleitet werden und bei _m_ ausströmen.

Durch die Hähne _b_ und _r_ wird die Flüssigkeit aus _A_ abgelassen.

Durch das weite Rohr _a_, das durch einen Deckel genau verschlossen

werden kann, trägt man die aufzulösenden Substanzen ein. Nachdem die

Lösung vor sich gegangen und die Flüssigkeit siedet, wird die Borsäure

in Quantitäten von 8-10 Pfd. eingetragen. Neben der Kohlensäure

entwickeln sich auch kleine Mengen von Ammoncarbonat, welche durch das

in dem Deckel des Apparates _A_ befindliche Ableitungsrohr _o_ in ein

Gefäss mit verdünnter Schwefelsäure gelangen, von welcher das Ammoniak

zurückgehalten wird. Zur Sättigung der erwähnten 26 Ctr. Soda hat man

gegen 24 Ctr. roher Borsäure nothwendig. Die siedend gesättigte Lösung

zeigt 21-22° B. und hat eine Temperatur von 104°. Wäre sie dichter, so

setzt man etwas Wasser hinzu; zeigte sie sich dagegen zu verdünnt, so

löst man eine kleine Menge von rohem Borax in ihr auf, um sie bis auf

21° B. zu bringen. Die Lösung bleibt in dem Bottich _A_ ruhig stehen,

damit sich alle unlöslichen Substanzen daraus abscheiden. Die geklärte

Lauge gelangt dann durch den Hahn _r_ in die Krystallisirgefässe _P P_,

der abgeschiedene Schlamm durch _b_ in das untergesetzte Gefäss _K_.

Die Krystallisirgefässe sind aus Holz und mit Bleiblech ausgefüttert.

Nach 2-3 Tagen ist die Krystallisation beendigt. Die Mutterlauge wird

aus allen Krystallisirbottichen in das Gefäss _H_ gelassen. Die

Krystalle kommen zum Abtropfen auf die geneigte Ebene _M_. Der so

erhaltene Borax erscheint in kleinen zerbröckelten Krystallen, die

behufs der Reinigung umkrystallisirt werden müssen. Die hierbei

gewonnene Mutterlauge dient zum Lösen neuer Mengen von Soda. Nach drei

bis vier Operationen enthält die Mutterlauge eine genügende Quantität

Glaubersalz, um aus den Laugen sich krystallinisch abscheiden zu

können. Zu diesem Behufe lässt man die Lauge bis auf 30° sich abkühlen.

Da die Löslichkeit des Glaubersalzes in Wasser bei einer Temperatur von

33° ihr Maximum erreicht, so ist es klar, dass die Krystallisation des

Glaubersalzes erst beginnen kann, sobald die des Borax beendigt ist.

Nach der Krystallisation des Glaubersalzes giebt die in einem eisernen

Kessel abgedampfte Mutterlauge noch eine Krystallisation von Borax,

deren Mutterlauge wieder auf Glaubersalz verarbeitet wird. Die letzten

Mutterlaugen geben beim Eindampfen bis zur Trockne eine Salzmasse, die

in der Glasfabrikation noch benutzt werden kann. =Bischof= wirft die

Frage auf, ob es nicht vortheilhafter sein möchte, dem Wasser der

Lagunen Natron zuzusetzen und an Ort und Stelle in Toscana Borax

darzustellen, als in Frankreich und Liverpool aus der toscanischen

Borsäure Borax zu fabriciren. Es würde auch dadurch der Verlust an

Borsäure vermindert, welcher in =Larderel='s Fabrikanlagen durch deren

Verflüchtigung entsteht. =Jean= macht den Vorschlag, in der

Boraxfabrikation das Natriumcarbonat durch =Schwefelnatrium= zu

ersetzen und das sich bei der Boraxbildung entwickelnde

Schwefelwasserstoffgas (das doch jedenfalls eine Quelle von

Inconvenienzen für die Boraxfabrik sein wird) auf Schwefelsäure oder

auf Schwefel zu verarbeiten.

[Sidenote: Reinigen des Borax.]

[Illustration: Fig. 119.]

Um den rohen Borax =zu reinigen=, löst man ihn in dem mit Blei

ausgefütterten hölzernen Bottich _A_ (Fig. 119), welcher durch

eingeleitete Wasserdämpfe erhitzt wird. Man füllt den Bottich mit Wasser

und hängt den zu reinigenden Borax in einem Drahtsiebe unter die

Oberfläche der Flüssigkeit. Auf je 100 Th. Borax setzt man 5 Th.

krystallisirtes Natriumcarbonat hinzu und fährt mit dem Auflösen neuer

Quantitäten fort, bis die Lauge 22° B. zeigt. Nachdem die Lösung durch

Absetzen sich geklärt hat, lässt man sie durch den Hahn _C_ in das

Kühlschiff _B_ fliessen. Um jeden Verlust an Lauge zu verhüten, besteht

der Boden unter _B_ aus wasserdichtem Cäment und ist geneigt, damit die

etwa verschüttete Lauge in einen Kanal abfliesse. Die Krystallisirgefässe

bestehen aus starkem Holz und enthalten im Innern ein Bleigefäss; sie

werden mit der Lauge bis auf einen Zoll vom Rande angefüllt und mit einem

Deckel dicht verschlossen. Beim Erkalten entsteht nun durch Verdichtung

der Wasserdämpfe auf der Oberfläche der Lauge eine geringe Wasserschicht,

wodurch der Entstehung kleiner Krystalle auf der Oberfläche vorgebeugt

wird. Geschähe dies nicht, so würden diese Krystalle zu Boden fallen und

sich daselbst zu Krystallkrusten vereinigen. Da man grosse Krystalle zu

erhalten sucht, so muss die Abkühlung der Flüssigkeit möglichst langsam

geschehen. Zu diesem Zwecke sind die Zwischenräume _H_ mit einem

schlechten Wärmeleiter, gewöhnlich mit Wolle ausgestopft.

Die Krystallisation erfordert je nach der Temperatur der äusseren Luft

16-28 Tage. Nach dieser Zeit hat die Lauge immer noch eine Temperatur

von 27-28° C. Wollte man die Flüssigkeit noch weiter sich abkühlen

lassen, so würden auch fremde Substanzen mit dem Borax sich abscheiden.

Die Mutterlauge wird dann mit Hülfe eines Hebers möglichst schnell von

den Krystallen abgezogen und in flache Krystallisirgefässe gegeben, wo

sich noch kleine Krystalle bilden. Die in dem Gefäss _B_ erzielten

grossen Boraxkrystalle werden mit Hülfe eines Schwammes von der

anhängenden Mutterlauge befreit; darauf wird das Krystallisirgefäss

schnell wieder mit dem Deckel bedeckt. Ohne diese Vorsichtsmaassregel

würden die Krystalle zu schnell abkühlen und Sprünge und Zerklüftungen

erhalten. Nach einigen Stunden bricht man die Krystalle aus dem Gefässe

heraus, ohne jedoch dabei die Krystalle und das Blei der Gefässe zu

beschädigen. Die Krystalle werden auf hölzernen Tafeln getrocknet und

nach dem Sortiren verpackt. Früher pflegte man den Krystallen zuvor

durch Rütteln in Sieben die abgestumpften Kanten und Ecken, und das

weisse Pulver, womit der raffinirte Tinkal in Folge des Transportes

überzogen war, zu geben, da die Consumenten darin Kennzeichen einer

guten Qualität zu sehen glaubten. Gegenwärtig ist dieses Vorurtheil

besiegt.

In =englischen= Fabriken wendet man bei der Darstellung von Borax aus

Borsäure folgendes Verfahren an: Man schmilzt die rohe Borsäure mit

ihrem halben Gewichte calcinirter Soda auf dem Herde eines Muffelofens

ein; die Masse frittet zunächst und geräth dann in schaumigen Fluss,

wobei sie fortwährend durch Rührkrücken umgearbeitet wird. Das

Ammoniak, welches als schwefelsaures Salz einen erheblichen

Bestandtheil der rohen Borsäure ausmacht, entweicht bei diesem

Processe, mit Kohlensäure verbunden, durch eine Oeffnung im Gewölbe des

Ofens nach einer Verdichtungskammer (vergl. Seite 261). Die aus dem

Ofen kommende Schmelze wird in eisernen Kesseln in der Wärme

ausgelaugt, die Lösung durch Absetzen von den suspendirten Theilchen

geklärt und dann in kleineren Gefässen möglichst langsam abgekühlt, um

schöne Krystalle zu erhalten. Wie Seite 222 erwähnt wurde, hat man auch

in Frankreich angefangen, mit der =Fabrikation von rauchender

Schwefelsäure= die von Borax zu verbinden. Zu diesem Zwecke destillirt

man ein Gemenge von calcinirtem Glaubersalz und Borsäure und

verarbeitet den in der Retorte bleibenden Rückstand von Borax durch

Auflösen und Krystallisirenlassen. Nach der Methode von =Köhnke= wendet

man zur Neutralisation der Borsäure nicht Natriumcarbonat, sondern

Natriumhydroxyd (Aetznatron) an und lässt den Borax aus einer sehr

alkalischen Lösung krystallisiren.

In neuerer Zeit stellt man Borax aus dem oben erwähnten natürlichen

=Calcium-Borat= oder =Calcium-Natrium-Borat= (Tiza oder

Boronatrocalcit)[77] dar, welches gegenwärtig in grosser Menge aus

Tarapaca in Peru und von der Westküste Afrika's nach Europa gelangt. Da

die Aufschliessung des Minerals mit Schwefelsäure nur ungenügende

Resultate gegeben, so wendet man (nach den Vorschlägen von =Lunge=) zur

Darstellung von Borax aus Tiza die Zersetzung mit Salzsäure an. Zu dem

Ende übergiesst man das gemahlene und geschlämmte Material mit zwei

Dritteln seines Gewichtes käuflicher Salzsäure und der doppelten Menge

Wasser, und digerirt in mässiger Wärme, noch besser bei Siedehitze, so

lange, bis die Zersetzung vollständig ist, was bald eintritt. Besonders

zu Ende der Digestion muss man die Wärme steigern, um sicher alle

Borsäure in Lösung zu behalten; auch muss man zu diesem Zwecke das

verdampfte Wasser bis auf sein ursprüngliches Volumen ergänzen. Man

lässt nun in der Hitze absetzen und trennt die klare Lösung von dem

unbedeutenden Rückstande durch Decantiren oder Abhebern. Beim Erkalten

krystallisirt die Borsäure fast vollständig heraus, während

Chlornatrium und Chlorcalcium in der Mutterlauge bleiben, nebst einer

geringen Menge überschüssiger Salzsäure. Die angegebene Menge von zwei

Dritteln des Minerals an Salzsäure bezieht sich übrigens auf einen

Mittelgehalt desselben von 40 Proc. an Borsäure und muss bei

erheblicher Abweichung davon entsprechend abgeändert werden. Die

herauskrystallisirte Borsäure lässt man abtropfen, presst oder

schleudert sie aus, wäscht sie einmal mit kaltem Wasser, schleudert sie

nochmals aus und erhält sie dann fast vollkommen rein, so dass sie nach

der Behandlung mit Soda schon bei der ersten Krystallisation reinen

Borax giebt. Die Rückstände von der Digestion mit Salzsäure sammelt man

an und behandelt sie noch einmal für sich mit heisser Salzsäure. In der

Mutterlauge von der Borsäurekrystallisation, welche mit den anderen

Salzen fast gesättigt ist, bleibt so wenig Borsäure, dass ihre

Gewinnung kaum lohnen dürfte; man kann sie aber auch noch hieraus fast

vollständig durch Niederschlagen mit Kalk erhalten. -- Die

Aufschliessung des Boronatrocalcits mit Soda bietet vielfache

Schwierigkeiten dar, doch wird sie in England fabrikmässig ausgeübt.

Auch auf die Verwendbarkeit der =Stassfurter Boracite= oder

=Stassfurtite= zur Darstellung von Borax ist aufmerksam gemacht worden.

[77] Nach =Wöhler= nach der Formel Na_{2}B_{4}O_{7} + 2CaB_{4}O_{7} +

18H_{2}O zusammengesetzt.

Der prismatische Borax bildet fast farblose und durchsichtige Krystalle

von 1,75 spec. Gewicht, welche sich in 12 Th. kaltem und 2 Th.

siedendem Wasser zu einer schwach alkalisch reagirenden Flüssigkeit

auflösen. An der Luft verwittern die Krystalle nur oberflächlich,

zerspringen meistens beim Erwärmen und blähen sich dann zu einer

schwammigen Masse auf (=calcinirter Borax=), die in der Glühhitze zu

einem durchsichtigen Glase (=Boraxglas=) schmilzt, welches aus der Luft

nur sehr langsam Wasser aufnimmt und dabei seine Durchsichtigkeit

verliert.

[Sidenote: Octaëdrischer Borax.]

Der =octaëdrische Borax= (Na_{2}B_{4}O_{7} + 5H_{2}O) wird auf folgende

Weise erhalten: Man löst prismatischen Borax in siedendem Wasser, bis die

siedende Lösung 30° B. (= 1,260 spec. Gewicht) zeigt. Darauf überlässt

man die Flüssigkeit einer langsamen und regelmässigen Abkühlung. Wenn die

Temperatur bis auf 79° C. gesunken ist, fangen die octaëdrischen

Krystalle an sich zu bilden und dies dauert fort, bis die Temperatur nur

noch 56° beträgt. Von dieser Zeit an giebt die Mutterlauge nur noch

prismatische Krystalle. Versäumt man die Mutterlauge zu gehöriger Zeit

abzugiessen, so erhält man ein Gemenge von prismatischem und

octaëdrischem Borax. =Buran= verfährt bei Darstellung des octaëdrischen

Borax auf ähnliche Weise. Er verdampft die Auflösung bis zu 32° B. (=

1,282), darauf verschliesst er den Kessel, um die Abkühlung möglichst zu

verlangsamen. Wenn 10 Ctr. in Arbeit genommen worden waren, so öffnet er

nach Verlauf von 6 Tagen den Kessel, giesst den noch flüssigen Theil ab

und nimmt den gebildeten octaëdrischen Borax heraus, der als dichte Rinde

sich abgelagert hat. Auf ihrer Oberfläche sieht man einen Anfang

prismatischer Krystallisation, welche durch mechanische Mittel

abgesondert wird.

Indischer Tinkal und chinesischer halbraffinirter Borax soll bisweilen

aus octaëdrischem Borax bestehen. Der octaëdrische Borax kommt im

französischen Handel unter dem Namen calcinirter Borax, Juwelierborax,

Rindenborax u. s. w. vor. Er unterscheidet sich von dem prismatischen

Borax ausser durch die Krystallform und den Wassergehalt dadurch, dass

er ein spec. Gewicht von 1,81 hat und die Krystalle eine weit grössere

Härte besitzen, denn der gewöhnliche Borax wird durch den octaëdrischen

geritzt. Der prismatische Borax zerklüftet sich und zerspringt schon

bei einem Temperaturwechsel, der 15° beträgt, der octaëdrische aber

behält unter gleichen Umständen seinen Zusammenhang. Während der

gewöhnliche Borax im Wasser sowol als in feuchter Luft durchsichtig

bleibt und in trockener Luft an der Oberfläche verwittert, werden die

Krystalle des octaëdrischen Borax, dem Wasser und der feuchten Luft

ausgesetzt, undurchsichtig, wobei sie nach und nach fünf Aequivalente

Wasser aufnehmen und in den prismatischen Borax übergehen. Beim

Erhitzen schmilzt er leicht und bläht sich während des Schmelzens weit

weniger auf als der prismatische Borax.

[Sidenote: Anwendung des Borax.]

Die =Anwendung des Borax= ist eine sehr mannigfaltige. Geschmolzener

Borax hat die Eigenschaft, bei hoher Temperatur Metalloxyde zu lösen

und mit denselben durchsichtige, nicht gefärbte Gläser zu bilden, so

wird z. B. Borax durch Kobaltoxydul blau, durch Chromoxyd grün gefärbt.

Auf diese Eigenschaft, welche man in der analytischen Chemie zum

Erkennen und Unterscheiden gewisser Metalloxyde vor dem Löthrohr

benutzt, ist auch seine Anwendung zum Löthen basirt. Der Borax ist

ferner ein häufiger Bestandtheil des Strass, einiger Glassorten und

Emails, sowie vieler Glas- und Porcellanfarben. In grösster Menge

benutzt man ihn zur Glasur der feineren Fayence und irdener Thonwaaren,

auch zuweilen als Zusatz zur Masse gewisser Thonarten. Bei der

Ausscheidung vieler Metalle aus ihren Erzen kann der Borax als

Flussmittel benutzt werden; in der That benutzt man den rohen Borax in

Südamerika (unter dem Namen =Quemason=) zum Kupferschmelzen. Der Borax

bildet mit Schellack (in dem Verhältnis von 1 Th. Borax auf 5 Th. Harz)

einen in Wasser löslichen Firniss, welcher in der Hutfabrikation

(gewöhnlich mit Anilinschwarz gemengt, wenn es sich um schwarze Hüte

handelt) zum Steifen der Filzhüte Anwendung findet; mit Caseïn giebt er

eine Flüssigkeit, die sich durch grosse Klebekraft auszeichnet und

anstatt einer Lösung von arabischem Gummi gebraucht werden kann. Man

hat ferner den Vorschlag gemacht, den Borax statt der Seife zum

Entschälen der Seide, statt der Soda bei der Wäsche, zum Reinigen der

Haare, zu kosmetischen Zwecken etc. zu verwenden. In der Zeugdruckerei

und Färberei hat man ihn wiederholt zur Fixation der mineralischen

Mordants (namentlich Thonerde und Eisenoxyd), so wie als Menstruum in

Wasser unlöslicher Farbstoffe, endlich auch als Surrogat des

Kuhkothbades anzuwenden vorgeschlagen. In Folge seiner Eigenschaft, die

Fette zu emulsiren, kann der Borax zur Darstellung der Weissbäder

dienen. Mit einer Lösung von arabischem Gummi giebt Borax eine sehr

consistente Gallerte. Nach =Clouet= ist ein Gemenge von Borsäure und

Kalium- oder Natriumnitrat in manchen Fällen ein besseres Flussmittel,

als Borax. Er nimmt 100 Th. Borsäure und 100 Th. Kalium- oder

Natriumnitrat, befeuchtet das Gemenge mit etwa 10 Proc. Wasser und

lässt es in einem emaillirten eisernen Kessel flüssig werden, worauf er

es auf Bleiplatten giesst. Nach dem Erkalten bildet die Masse weisse

krystallinische Platten, die in den Handel gebracht werden können. Die

mit Kaliumnitrat bereitete Masse ist namentlich für die Fabrikation von

Krystallglas, die mit Natriumnitrat dargestellte für die

Emailfabrikation geeignet. Borax ist das zweckmässigste Mittel zur

Vertilgung der Schaben (Blatta orientalis). Wässerige Boraxlösung ist

zum Imprägniren des Holzes behufs seiner Conservation in Vorschlag

gebracht worden. Das Zink- und Manganborat finden als Siccativ in der

Firnissbereitung Anwendung. Das Chromborat findet zur Darstellung der

unter den Namen =Vert-Guignet=, Pannetier's Grün, Smaragdgrün bekannten

grünen Farbe Anwendung.

[Sidenote: Bordiamanten.]

=Wöhler= und =H. Deville= haben 1857 nachgewiesen, dass das dem

Kohlenstoff so überaus nahe stehende Bor ebenso wie der Kohlenstoff in

zwei allotropischen Zuständen aufzutreten vermag, nämlich krystallisirt

(diamantähnlich[78]) und amorph. Der =Bordiamant= wird auf zweierlei

Weise dargestellt, nämlich durch Reduktion von geschmolzener Borsäure

mit Aluminium:

Borsäure B_{2}O_{3} } { Thonerde Al_{2}O_{3}

Aluminium 2Al } geben { Bor 2B

oder durch Ueberführen von amorphem Bor in krystallisirtes. Diese

letztere Methode giebt ein besseres Resultat als die erstere. Man

bringt ein Gemenge von 100 Grm. wasserfreier Borsäure mit 60 Grm.

Natrium in einen kleinen, bis zum vollen Glühen erhitzten Tiegel von

Gusseisen, schüttet darauf 40 bis 50 Grm. Kochsalz und bedeckt den

Tiegel. Sobald die Reaktion vorüber ist, rührt man die Masse, welche

das reducirte amorphe Bor in einem geschmolzenen Gemenge von Borsäure,

Borax und Kochsalz vertheilt enthält, mit einem eisernen Stabe um und

giesst sie dann in mit Salzsäure angesäuertes Wasser. Man filtrirt das

Bor ab, wäscht es mit salzsäurehaltigem Wasser und lässt es auf porösen

Steinen bei gewöhnlicher Temperatur trocknen. Geschmolzenes Eisen führt

bekanntlich amorphen Kohlenstoff in krystallinischen (in Graphit) über;

auf ähnliche Weise wird durch schmelzendes Aluminium amorphes Bor in

krystallisirtes verwandelt. Man verfährt dabei auf folgende Weise: Ein

kleiner hessischer Tiegel wird mit amorphem Bor angefüllt, dann wird

bis zu einer gewissen Tiefe ein Loch ausgebohrt und in dieses eine 4-6

Grm. schwere Stange gestellt. Man setzt den Tiegel darauf 1-1/2-2

Stunden lang einer Temperatur aus, welche hinreicht, um Nickel zu

schmelzen. Nach dem Erkalten sind gewöhnlich schon an der Oberfläche

des Aluminiums schöne Borkrystalle zu bemerken. Man löst die Masse in

verdünnter Salzsäure auf, wobei alle eingeschlossenen Borkrystalle zum

Vorschein kommen. Von dem zugleich mit entstandenen Borgraphit lassen

sich die Bordiamanten durch Schlämmen leicht trennen. Die Bordiamanten

krystallisiren tetragonal, sind durchsichtig, bald granatroth, bald

honiggelb, im vollkommen reinen Zustande jedoch vollkommen farblos und

von grossem Lichtbrechungsvermögen, Glanz und einer Härte, welche der

der Diamanten gleich ist oder dieselbe noch übertrifft; die Krystalle

ritzen den Korund mit Leichtigkeit, greifen selbst den Diamant etwas

an. Die Entdeckung der Bordiamanten kann mit der Zeit für die Technik

möglicherweise von Wichtigkeit werden.

[78] Der sogenannte =Borgraphit= ist nach neueren Untersuchungen

=Wöhler='s (Februar 1867) Boraluminium von der Formel AlB_{2}.

Die Fabrikation des Alauns, des Aluminiumsulfates und der Aluminate.

[Sidenote: Alaun. Allgemeines.]

Der =Alaun= ist ein aus Aluminiumsulfat, Kalium- oder Ammonsulfat und

Krystallwasser bestehendes Salz, welches je nach der Natur des darin

enthaltenen Alkalisulfates als Kaliumalaun und Ammonalaun unterschieden

wird. Zu dem Alaun sind in dem letzten Jahrzehend Aluminiumsulfat und

Natrium-Aluminat gekommen, um der Technik reines, namentlich eisenfreies

Thonerdesalz zu liefern.

[Sidenote: Vorkommen des Alauns in der Natur.]

Der Alaun, besonders der =Kaliumalaun= (Al_{2} / K_{2})} 4SO_{4} +

24H_{2}O findet sich als Ausblühung oder Auswitterung nicht selten auf

dem Alaunschiefer, seltener in ausgebildeten Krystallen, als vielmehr als

=Federalaun= (Federsalz, Haarsalz, Keramohalit). Er findet sich

vorzugsweise in vulkanischen Gegenden, zumal in den Solfataren, in

schwefelkieshaltigen Thonlagern, auf Stein- und Braunkohlenlagerstätten

vor. In der Nähe der Vulkane entsteht der Alaun, indem die sich bildende

schweflige Säure[79] bei Gegenwart von Luft und Feuchtigkeit in

Schwefelsäure übergeht, welche auf die in den Laven enthaltene Thonerde

und Kali einwirkt. Der natürliche Alaun hat indessen mehr mineralogisches

als technisches Interesse, indem aller Alaun, der sich gegenwärtig im

Handel findet, künstlich dargestellt ist.

[79] Von grosser Wichtigkeit für die Erklärung der Bildung des

natürlichen Alauns ist die Beobachtung =Fr. Knapp='s, dass beim

Rösten der Pyrite neben schwefliger Säure auch Schwefelsäure in

namhafter Menge auftritt.

[Sidenote: Materialien der Fabrikation des Alauns.]

Die fabrikmässige Darstellung des Alauns (des Aluminiumsulfates und des

Natrium-Aluminats) gründet sich auf geeignetes und massenhaftes Vorkommen

gewisser Thonerdeverbindungen, welche die Rohmaterialien dieses

Industriezweiges abgeben. Je nach ihren Bestandtheilen zerfallen diese

Materialien (=Alaunerze=) in folgende =vier= Gruppen:

1) In solche, in denen die zur Alaunbildung erforderlichen

Bestandtheile (=Aluminium=, =Kalium= und =Schwefelsäure=) in solcher

Menge vorhanden sind, dass eine Ausscheidung derselben ohne Zusatz von

Alkalisalz lohnend erscheint. Hierher gehören der Alaunstein, so wie

gewisse Sorten von Alaunschiefer;

2) In solche, in denen nur die Elemente zur Bildung des

Aluminiumsulfates (Aluminiumsilicat und Schwefelkies) vorhanden sind,

das Alkalisalz ganz oder doch zum grössten Theile zugesetzt werden

muss. Zu dieser Gruppe gehören die Alaunschiefer und die Alaunerze aus

der Braunkohlenformation oder die eigentliche Alaunerde;

3) In solche, welche nur das =Aluminium= enthalten und denen mithin

Schwefelsäure und Alkalisalze zugesetzt werden muss. In diese

Abtheilung gehören [Greek: a]) die Thone, [Greek: b]) der Kryolith

(Fluoraluminium-Fluornatrium), [Greek: g]) der Bauxit

(eisenoxydhaltiges Thonerdehydrat), [Greek: d]) die Hohofenschlacken,

die man in neuerer Zeit auch auf Thonerdepräparate zu verarbeiten

sucht;

4) Zu der vierten Gruppe würden alle jene Materialien der

Alaunfabrikation zu rechnen sein, welche wie der Feldspath =Aluminium=

und =Kalium= in einer zur Alaungewinnung geeigneten Menge enthalten und

denen mithin nur Schwefelsäure zugesetzt werden muss.

[Sidenote: Darstellung des Alauns aus Alaunstein.]

1. _Gruppe._ Der =Alaunstein= oder =Alunit= kommt nur in vulkanischen

Gegenden vor und ist das Produkt der Einwirkung von schwefligsauren

Dämpfen auf trachitische oder andere Gebirgsarten, die reich an Feldspath

(Feldspathlava) sind. Der am längsten bekannte Fundort des Alaunsteins

ist Tolfa bei Civita-Vecchia im Kirchenstaate. Ferner findet sich der

Alaunstein in grösserer Menge zu Munkács in Ungarn. Der krystallisirte

Alaunstein besteht aus Kalium-Aluminium-Sulfat und Aluminiumhydroxyd

(nach =Al. Mitscherlich=: K_{2}SO_{4} + Al_{2}(SO_{4})_{3} +

2(Al_{2}O_{3}, 3H_{2}O)).

Der Alaunstein verliert schon bei angehender Rothglühhitze sein Wasser

und geht in eine Verbindung über, aus welcher das Wasser Alaun

auszieht, während auf ungebrannten Alaunstein das Wasser nicht

einwirkt. Ist der Alaunstein zu stark erhitzt worden, so äussert das

Wasser keine Wirkung mehr darauf, indem in starker Rothglühhitze sich

das Aluminiumsulfat in Thonerde, schweflige Säure und Sauerstoff

zersetzt, auch das Kaliumsulfat sich zerlegt, dessen Kalium mit der

Kieselerde und Thonerde zusammentritt. Aus diesem Verhalten des

Alaunsteines in der Hitze ergiebt sich dessen Behandlung, um daraus

Alaun zu gewinnen. Es wird zu =Tolfa= das Mineral in Stücke zerschlagen

und dann entweder in Haufen oder in Oefen, welche entweder unsern

Kalköfen ähnlich oder Flammenöfen sind, geröstet, worauf der geröstete

Stein in grossen länglich gemauerten Bühnen, die mit gemauerten Gräben

umgeben sind, in mässig hohen Haufen ausgeschüttet und mit Wasser

begossen wird. Der geröstete Alaunstein zerfällt dadurch zu einem

blassröthlichen Brei, welcher nun mit heissem Wasser ausgelaugt wird,

worauf die klare Lauge, ohne weitern Zusatz, zum Krystallisationspunkte

versotten wird. Der =römische Alaun= hat die Eigenthümlichkeit, beim

Erkalten der Lösung erst in Octaëdern und dann in Würfeln zu

krystallisiren; man nennt ihn deshalb auch =kubischen Alaun=. Wenn man

letzteren in Wasser löst und die Lösung bei 100° erhitzt, so setzt sich

basischer Alaun ab und die darüber stehende Flüssigkeit giebt beim

Abdampfen octaëdrischen Alaun. Lässt man aber die Flüssigkeit über dem

Niederschlage stehen, so löst sich der letztere beim Erkalten wieder

auf und die Lösung giebt beim Krystallisiren wieder kubischen Alaun.

Erinnert man sich des Umstandes, dass bei der Fabrikation des römischen

Alauns der Alaun beim Ausziehen des gerösteten Alaunfels mit

überschüssiger Thonerde zusammenkommt, so ist es einleuchtend, dass man

gewöhnlichen Alaun in kubischen umwandeln kann, wenn man die Lösung des

ersteren mit Thonerdehydrat digerirt und die Lösung nur auf 40°

erwärmt. Die fleischrothe Farbe des römischen, ebenso des

neapolitanischen Alauns rührt von etwas mechanisch eingeschlossenem

Eisenoxyd her, welches beim Lösen der Krystalle in Wasser ungelöst

zurückbleibt.

[Sidenote: Darstellung des Alauns aus Alaunschiefer und Alaunerde.]

2. _Gruppe._ Weit wichtiger als die Gewinnung des Alauns aus dem

Alaunstein ist die Fabrikation desselben aus den eigentlichen

=Alaunerzen=, dem Alaunschiefer und der Alaunerde.

[Sidenote: Alaunschiefer.]

Der =Alaunschiefer= ist ein von Schwefelkies durchdrungener, durch Kohle

stark gefärbter Thonschiefer oder Schieferthon, welcher sich häufig in

der unmittelbaren Nähe von Steinkohlenflötzen findet. Er kommt vor in

Oberbayern, im preussischen Regierungsbezirke Düsseldorf und Trier, in

Sachsen, Böhmen, am Harze, in Belgien bei Lüttich u. s. w.

Nur an wenigen Orten, wo der Alaunschiefer Feldspath enthält, findet

sich in dem Schiefer so viel Alkali, dass ein fernerer Zusatz von

Alkalien zu der gesättigten Lauge behufs der Darstellung nicht mehr

nöthig ist.

[Sidenote: Alaunerde.]

Die =Alaunerde= ist eine mit vielen erdigen Theilen und Schwefelkies

(Vitriolkies) gemengte Braunkohle oder auch ein mit Bitumen und

Schwefelkies gemengter Thon. Gewöhnlich ist sie erdig, im Grossen

zuweilen schieferig. Sie findet sich in der norddeutschen Ebene in der

Nähe der Oder bei Freienwalde, Gleissen, Schermeisel und in der

Oberlausitz bei Muskau; sie kommt ferner vor zu Kreuzkirch bei Neuwied

und auf der Rhön. Der Schwefel ist in der Alaunerde theils im freien

Zustande (durch Schwefelkohlenstoff ausziehbar), theils als Vitriolkies

und Eisenkies enthalten. Das Eisen befindet sich darin theils als

Schwefelkies, theils als Eisenhuminat.

[Sidenote: Darstellung des Alauns aus der Alaunerde und aus dem

Alaunschiefer.]

Die Darstellung des Alauns daraus zerfällt in folgende sechs Operationen:

[Sidenote: Rösten der Alaunerde.]

1) Die =Röstung der Alaunerde= ist die bei Weitem wichtigste aller

Operationen, da ein grosser Theil der Alaunwerke nur durch möglichst

billige Erzeugung des Aluminiumsulfates bei den theuren alkalischen

Zuschlagsmitteln seine Existenz behaupten kann. Ob zur Erzielung des

Maximums an Aluminiumsulfat die Erze einem wirklichen =Röstprocesse=

unterworfen werden müssen, oder ob ein blosses =Verwitternlassen=

derselben ausreicht, darüber muss die Beschaffenheit der einzelnen Erze

und die Erfahrung entscheiden. Der Vorgang, welcher bei dem

Verwitterungs- und Röstprocesse stattfindet, ist folgender: Bei dem

=Verwitterungsprocess= wird das Eisenbisulfuret, das sich in der

Alaunerde in Gestalt von Vitriolkies oder Wasserkies befindet, durch

Aufnahme von Sauerstoff in Eisenvitriol und Schwefelsäure verwandelt,

welche letztere, indem sie auf den Thon einwirkt, eine äquivalente

Menge Aluminiumsulfat bildet. Durch des =Rösten= geht das

Eisenbisulfuret in Monosulfuret und Schwefel über, welcher letztere

ebenso wie der in der Alaunerde enthaltene freie Schwefel zu

schwefliger Säure verbrennt, die zersetzend auf den Thon einwirkt und

Aluminiumsulfit und -sulfat bildet. Erstere geht in Folge des

Liegenlassens des gerösteten Haufens an der Luft nach und nach in

schwefelsaure Thonerde über. Das Eisenmonosulfuret geht durch den

Röstprocess in Eisenvitriol und letzterer in unlösliches Ferrisulfat

über, wobei die Schwefelsäure frei wird, die einen neuen Antheil Thon

zersetzt. Werden die Erze sogleich nach der Röstung verarbeitet, so

geben sie etwa um 1/6 weniger Aluminiumsulfat, als solche, die nach der

Röstung etwa noch ein Jahr der Luft ausgesetzt werden. Zu Ampsin bei

Lüttich leitet man die beim Rösten von Zinkblende sich bildende

schweflige Säure (nach dem Patente von =de Laminne=) nebst

Wasserdämpfen in alte Alaunschieferhalden, wodurch sich reichlich

Aluminiumsulfat bildet, das man durch Auslaugen gewinnt.

[Sidenote: Auslaugen.]

2) Das =Auslaugen= der gerösteten Alaunerze geschieht in den

=Auslaugekästen= (dem Waschwerk), in welche das Erz gekarrt wird. Diese

Kästen stehen in fünf Reihen neben einander: die erste Reihe ist um

eine Kastenhöhe höher als die zweite und diese gleichfalls um eine

höher als die dritte. Die Kästen haben eine Länge von etwa 6-7 Meter,

eine Breite von 5 und eine Höhe von 1,3 Meter und stehen auf einem

Boden von festgestampftem Thon. Sie werden zu 3/4 mit Erz und darauf

mit Wasser angefüllt. Entfernt man einen unten am Kasten befindlichen

Zapfen, so fliesst die Lauge vermittelst einer Rinne in einen zweiten

Auslaugekasten, von da in einen dritten und so fort. Hat die Lauge noch

nicht ein spezifisches Gewicht von 1,16 erreicht, so wird sie auf

frisches Erz geschüttet. Das ausgelaugte Erz, welches sich vorher nicht

entzündet hatte, wird wieder auf Haufen geschüttet, der Verwitterung

nochmals unterworfen und später noch einmal ausgelaugt. Man leitet die

Lauge in Kästen, in welchen sie so lange stehen bleibt, bis die

gröberen Unreinigkeiten sich abgesetzt haben, worauf aus diesen die

geklärte Lauge durch einen gemauerten Kanal in einem vor dem Siedehaus

befindlichen bedeckten Behälter oder auch in das Siedehaus selbst

geführt wird.

[Sidenote: Abdampfen der Lauge.]

3) Das =Concentriren der rohen Lauge= durch Abdampfen geschieht in

bleiernen Pfannen, welche man zuweilen durch =gusseiserne= ersetzt. Da

diese aber leicht springen, ferner durch die saure Flüssigkeit leicht

angegriffen werden, =bleierne= Pfannen dagegen leicht durchschmelzen,

so hat man gegenwärtig auf den meisten Alaunwerken die zweckmässige

Einrichtung getroffen, dass die Lauge in =gemauerten= Räumen, welche

den Herd eines Flammenofens bilden, sich befindet und die Flamme und

heisse Luft über die Oberfläche hinstreichen. Da hierbei die Rohlauge

durch Russ und Flugasche verunreinigt wird, so verdient die von

=Bleibtreu= auf den rheinischen Alaunwerken eingeführte =Gasheizung=

alle Beachtung. Die Behandlung der rohen Lauge während des

Concentrirens ist von ihrer Beschaffenheit und der Quantität des darin

enthaltenen Eisenvitriols abhängig. Da gewöhnlich der Eisenvitriol in

grosser Menge in der rohen Lauge enthalten ist, so sind in Deutschland

viele Alaunwerke zugleich Vitriolwerke. Ist die Menge des Eisenvitriols

in der rohen Lauge zu gering, als dass sich eine Verarbeitung derselben

auf Vitriol verlohnte, so nimmt man keine Rücksicht darauf, sondern

dampft die Rohlauge ab, bis sie ein spec. Gewicht von 1,40 zeigt.

Während des Siedens der Lauge scheidet sich basisches Ferrisulfat aus

und die Lauge nimmt eine rothgelbe Farbe und schlammige Beschaffenheit

an, weshalb sie, ehe man »zum Alaunmachen« schreitet, geklärt werden

muss. Das Klären geschieht in den =Sedimentir=- oder =Schlammkästen=,

grossen, aus hölzernen Bohlen zusammengefügten Kästen, deren Fugen

wasserdicht verkittet sind. Nachdem darin der =Vitriolschmand= sich

abgeschieden und die Lauge sich geklärt hat, wird sie in die

=Präcipitirkästen= (Rüttel- oder Schüttelkästen) geleitet um dort

gefällt zu werden.

[Sidenote: Mehlmachen.]

4) Die =Präcipitation= der Gut- oder Garlauge oder des =Mehlmachen=

geschieht durch Zusatz eines Kaliumsalzes, wenn man Kaliumalaun, eines

Ammonsalzes, wenn man Ammonalaun darstellen will. Die Lösung des

Alkalisalzes wird der =Fluss= oder das =Präcipitirmittel= genannt.

Indem das Aluminiumsulfat der Lauge mit dem Alkalisalze zusammentritt,

bildet sich Alaun, welcher in dem Flüssigkeitsquantum, das in der Lauge

und dem Fluss enthalten ist, in der Kälte sich nicht löst und daher zum

grössten Theile sich abscheidet. Die Bildung grösserer Krystalle,

welche Mutterlauge einschliessen und dadurch verunreinigt würden, sucht

man durch Umrühren der Lauge zu verhindern. Der Alaun scheidet sich in

Gestalt eines feinen krystallinisches Pulvers als =Alaunmehl= aus,

welches von der anhängenden Mutterlauge durch Waschen befreit werden

kann. Früher wendete man als Fällungsmittel Holzaschenlauge, gefaulten

Harn u. s. w. an, jetzt benutzt man entweder Chlorkalium (aus

Schlempekohle, aus Kelp oder Carnallit), oder das bei der Zersetzung

des Kainits auftretende Kaliumsulfat. Chlorkalium ist nur dann mit

Vortheil anwendbar, wenn die Lauge grössere Mengen von Eisenvitriol

enthält, welcher sich damit zu Kaliumsulfat und Eisenchlorür umsetzt.

Potasche ist nur dann möglich, wenn die Lauge die zur Neutralisation

erforderliche Menge freier Schwefelsäure enthält, ausserdem würde sich

ein Theil der schwefelsauren Thonerde als unlöslicher Alaun abscheiden.

Als Ammonsalz wendet man fast nur das schwefelsaure Salz an. 100 Th.

Aluminiumsulfat bedürfen zur Fällung

Chlorkalium 43,5 Th.

Kaliumsulfat 50,9 "

Ammonsulfat 47,8 "

Die über dem Alaunmehl stehende Mutterlauge ist schwach grünlich

gefärbt und enthält nur noch wenig Alaun, dagegen Chloreisen

(Eisenchlorür und -chlorid), Ferro- und Ferrisulfat, Magnesiumsulfat

oder Chlormagnesium, je nachdem man zum Fällen des Alaunmehls sich der

Sulfate oder der Chlormetalle bedient hatte. Man verarbeitet sie auf

unreinen Alaun, Eisenvitriol oder benutzt sie zur Darstellung von

Ammonsulfat.

[Sidenote: Waschen und Umkrystallisiren.]

5) Das so gewonnene Alaunmehl wird =gewaschen=, um es von anhängender

Mutterlauge zu befreien. Zu diesem Zwecke benutzte man früher eine

=Waschbank=, eine aus etwa 1,3 Meter breiten Bohlen gefertigte geneigte

Ebene, die sich unter einem Winkel von etwa 15° gegen den Horizont

neigt. Unter der Waschbank befindet sich ein Sumpf, zur Aufnahme des

abfliessenden Waschwassers bestimmt. Hier wurde nun das den

Präcipitirkästen entnommene Alaunmehl mit kaltem Wasser gewaschen. Das

in den Sumpf ablaufende Wasser wurde mit neuer Alaunlauge versotten.

Seit einiger Zeit führt man das Waschen des Mehls in einer Centrifuge

mit 800-1000 Umdrehungen per Minute aus. Das gewaschene Alaunmehl wird

6) durch =Umkrystallisiren= in die Form von grösseren Krystallen

gebracht, wodurch der Alaun grössere Reinheit erhält als in der Gestalt

von Alaunmehl. In den deutschen Alaunwerken löst man zu diesem Zwecke

das Alaunmehl in 40 Proc. seines Gewichtes siedendem Wasser in

hölzernen, mit Blei ausgefütterten Bottichen (=Wachspfannen=) und

leitet die heisse Lösung in die =Krystallisir=- oder =Wachsfässer=. Die

Krystallisation des Alauns in denselben erfolgt sehr bald und ist je

nach der Temperatur der Luft in 8-10 Tagen beendigt. Nach vollendeter

Krystallisation findet sich nur in der Mitte des Fasses noch eine

geringe Quantität flüssiger Lauge, während der ganze übrige Raum mit

Alaunkrystallen angefüllt ist. Das Fass wird umgestürzt, um die Lauge

abfliessen zu lassen. Um beim Transport des Alauns die Holzfracht zu

sparen, welche durch Verpacken des Alauns in Fässer nothwendig

veranlasst würde, zerschlägt man die fest zusammenhängende

Krystallmasse nicht, sondern verschickt sie in der ursprünglichen

Tonnenform. Man nennt die Krystallisation des Alauns das =Wachsmachen=

oder =Raffiniren= und die reinen Krystalle die =Wachskrystalle= (oder

=raffinirten Alaun=).

[Sidenote: Darstellung des Alauns aus Thon.]

3. _Gruppe._ Die Darstellung des Alauns und des Aluminiumsulfates aus

solchen Materialien, welche nur Aluminium enthalten und denen mithin

Schwefelsäure und Alkalisalz zugesetzt werden muss, hat gegenwärtig eine

grosse Ausdehnung erlangt. Die aluminiumhaltigen Materialien, die hierzu

Anwendung finden, sind [Greek: a]) der Thon; [Greek: b]) der Kryolith;

[Greek: g]) der Bauxit; [Greek: d]) die Hochofenschlacken.

[Greek: a]) =Darstellung von Alaun aus Thon.= Man verwendet hierzu

einen Thon, der möglichst frei sein muss von Calcium- und

Ferrocarbonat, und glüht ihn bei Zutritt der Luft, theils um das Eisen

darin in Eisenoxyd überzuführen und daraus das Wasser zu entfernen,

theils aber auch, um die Thonerde löslicher in Säuren zu machen. Durch

die Entfernung des Wassers wird nämlich der Thon porös und erlangt die

Eigenschaft, die Schwefelsäure durch Capillarität aufzunehmen. Man

trägt den schwach geglühten und pulverisirten Thon in Schwefelsäure von

50° B. (= 1,52 spec. Gew.) ein, die vorher in einer Bleipfanne bis nahe

zum Sieden erhitzt worden ist. Die Masse schäumt auf und verdickt sich.

Man lässt sie in eisernen Kästen erstarren. Sodann zieht man sie mit

Wasser oder besser mit Lauge, die man beim Waschen des Alauns erhält,

aus, lässt die Flüssigkeit absetzen und kocht sie nach dem Klären mit

der nöthigen Menge Kaliumbisulfates. Man überlässt die Mischung in

bleiernen Pfannen der ruhigen Krystallisation. Der so gewonnene

Rohalaun wird mit Wasser gewaschen, sodann in Wasser gelöst und die

Lösung während des Erkaltens in einer flachen Bleipfanne gerührt,

wodurch man Alaunmehl erhält, das mit Wasser abgespült und dadurch von

aller Mutterlauge befreit wird. Man verwendet dieses Alaunmehl, ohne es

in Krystalle zu verwandeln. -- Seit einigen Jahren kommt das Produkt

der Einwirkung der Schwefelsäure auf Thon in fein gemahlenem Zustande

in den Handel und findet unter dem Namen _alum-cake_ oder _tourteaux

d'alun_ bei der Fabrikation von geringen Papiersorten Anwendung. Es

enthält 13 bis 17 Proc. Thonerde.

[Sidenote: Darstellung des Alauns aus Kryolith.]

[Greek: b]) _Darstellung des Alauns aus Kryolith._ Seit dem Jahre 1857

stellt man dar Alaun und Aluminiumsulfat (neben Soda; vergl. Seite 206)

aus dem grönländischen Mineral =Kryolith= oder =Grönlandspath=

(Al_{2}Fl_{6} + 6NaFl)[80] in 100 Th. bestehend aus

Fluor 54,5

Aluminium 13,0

Natrium 32,5

dar. Die hierbei angewendeten Methoden sind folgende:

a) Zerlegung des Kryoliths durch Calciumcarbonat auf trocknem Wege nach

=Thomsen='s Methode. Man erhitzt ein Gemenge von 1 Mol. Kryolith mit 6

Mol. Calciumcarbonat. Es bildet sich unter Entweichen von Kohlensäure

in Wasser lösliches Natriumaluminat und unlösliches Fluorcalcium:

(Al_{2}Fl_{6}, 6NaFl) + 6CaCO_{3} = Al_{2}O_{3}, 3Na_{2}O + 6CaFl_{2} +

6CO_{2}. In Kopenhagen geschieht die Zersetzung des Gemenges von

Kryolith und Kreide durch Steinkohlenfeuer, welches einestheils über

das auf Steinplatten ausgebreitete Schmelzgut hinwegstreicht, dann aber

auch unter den Steinplatten hindurchgeht. In Folge dieser

gleichmässigen Erhitzung entstehen wenig oder gar keine Klumpen. In der

Harburger Fabrik findet bei Anwendung eines gewöhnlichen Flammenofens

an der Feuerbrücke gewöhnlich Sinterung statt, während an der

Fuchsseite die Zersetzung nicht vollständig ist. Die beim Erkalten hart

werdenden Klumpen lassen sich dann fast gar nicht auslaugen. Man zieht

deshalb die glühenden Klumpen etwas früher, als die übrige Mischung,

aus, zerdrückt dieselben, reibt sie mit eisernen Krücken durch ein

Drahtsieb, zermalmt die Siebgröbe unter Kollermühlen, glüht nochmals,

siebt wieder und erhält dann dieselben Resultate, wie in Kopenhagen.

Das Mengen der Bestandtheile geschieht entweder blos unter Kollermühlen

oder besser, indem man das unter solchen Mühlen Zerkleinte in einem

grossen eisernen Rollirfass mit 25 Stück eisernen 24pfündigen

Kanonenkugeln rotiren lässt. Man erhält dabei eine um 4 Proc. höhere

Ausbeute. Man laugt alsdann das Natriumaluminat mit Wasser aus und

leitet in die Lösung die bei der vorhergehenden Schmelze entwichene

Kohlensäure, welche unter Bildung von Natriumcarbonat Aluminiumhydroxyd

ausscheidet. Soll letzteres nicht gelatinös, sondern erdig und compact

niederfallen, so fällt man nicht mit Kohlensäuregas, sondern mit

Natriumbicarbonat. Die geklärte Sodalauge giesst man ab und versiedet

sie auf Soda, während die ausgewaschene Thonerde in verdünnter

Schwefelsäure gelöst wird. Diese Lösung wird entweder zur Bildung von

Alaun mit einem Kaliumsalz versetzt oder für sich abgeraucht und das

entstehende feste Salz unter dem Namen =concentrirter Alaun= oder

=Sulfat= in der Färberei verwendet. 100 Pfd. Kryolith liefern 33 Pfd.

Thonerde, welche 90 Pfd. englische Schwefelsäure zur Neutralisation

erfordern. 100 Pfd. Kryolith können somit 305 Pfd. Alaun bilden; ferner

liefern sie

calcinirte Soda 75 Pfd.

krystallis. kohlensaures Natrium 203 "

Aetznatron 44 "

Natriumbicarbonat 119,5 "

[80] Die Produktion an Kryolith in Grönland betrug

im Jahre 1856 6,860 Centner.

" " 1860 202,500 "

" " 1866 264,680 "

" " 1867 397,006 "

" " 1868 525,820 "

" " 1869 580,330 "

b) Zerlegung des Kryoliths durch Aetzkalk auf nassem Wege nach

=Sauerwein=. Man kocht höchst fein gemahlenen Kryolith mit gebranntem

und gelöschtem, möglichst eisenfreiem Kalk in einem Bleigefäss, so

entsteht mit grosser Leichtigkeit eine Lösung von Natriumaluminat und

unlöslichem Fluorcalcium: (Al_{2}Fl_{6}, 6NaFl) + 6CaO = Al_{2}O_{3},

3Na_{2}O + 6CaFl_{2}. Nachdem sich das Fluorcalcium abgesetzt hat,

decantirt man die klare Lauge, wäscht den Rückstand einige Male aus,

giebt die ersten Waschwasser zur Hauptlauge und benutzt die letzten

Laugen statt Wasser bei einer nächsten Operation. Zur Abscheidung der

Thonerde behandelt man die Lösung in der Hitze mit höchst fein

gepulvertem überschüssigem Kryolith unter stetem Umrühren, wobei die

Zersetzung nach der folgenden Formel vor sich geht:

(Al_{2}O_{3}, 3Na_{2}O) + (Al_{2}Fl_{6}, 6NaFl)=2Al_{2}O_{3} + 12NaFl.

Da die ausgeschiedene fein vertheilte Thonerde den Kryolith zu umhüllen

strebt, so wendet man letzteren höchst fein zertheilt im Ueberschuss

unter stetem Rühren an. Die Umwandlung der Stoffe hat stattgefunden,

wenn sich in der Lösung kein Aetznatron mehr findet, dessen

Vorhandensein bei Zusatz von Salmiaklösung zu einer filtrirten Probe an

dem Thonerde-Niederschlag beim Erhitzen sich kund giebt. Ist diess

nicht mehr der Fall, so lässt man sich die Lauge klären, zieht die

klare Lösung des Fluornatriums ab, wäscht die rückständige Thonerde aus

und verfährt damit wie oben angegeben. Durch Kochen der

Fluornatriumlösung mit gebranntem und gelöschtem Kalk erzeugt man

Aetznatron, welches von dem Fluorcalcium-Niederschlage getrennt und

durch theilweises oder vollständiges Eindampfen in Natronlauge oder

festes Aetznatron verwandelt wird. (Das bei der Verarbeitung des

Kryoliths in grosser Menge abfallende Fluorcalcium wird neuerdings auf

Glas verarbeitet.)

c) Zerlegung des Kryoliths durch Schwefelsäure. In der Fabrik von

=Weber= in Kopenhagen gewinnt man durch Zersetzen von Kryolith mit

Schwefelsäure und Behandeln des erhaltenen Natriumsulfates (nach

=Leblanc='s Process) mit Kohle und Calciumcarbonat Soda und als

Nebenprodukt eisenfreies Aluminiumsulfat. Der Kryolith erfordert zu

seiner Zersetzung auf 238 Th. 240 Th. wasserfreie oder 321 Th.

gewöhnliche englische Schwefelsäure des Handels und giebt dabei

neutrales Aluminiumsulfat, Natriumsulfat und Fluorwasserstoff nach der

Gleichung:

Al_{2}Fl_{6}, 6 NaFl } { Al_{2}(SO_{4})_{3}

6H_{2}SO_{4} } geben { 3Na_{2}SO_{4}

} { 12HFl

Dampft man die Lösung ein und lässt krystallisiren, so scheidet sich

das schwefelsaure Natrium aus und die übrig bleibende, an

Aluminiumsulfat reiche Mutterlauge liefert das Material zur

Alaunbereitung. Dieses Verfahren erfordert besondere Feuerung und

besondere Apparate, liefert theurere Produkte und die Arbeiten sind

umständlicher, als bei den vorigen, das Glaubersalz muss erst noch in

Soda verwandelt werden, wobei die Hälfte der zur Zersetzung des

Kryoliths angewandten Schwefelsäure verloren geht. Ausserdem muss die

Fluorwasserstoffsäure entfernt oder in eine technisch zu verwerthende

Verbindung übergeführt werden. Nach =Persoz=' Vorschlag erhitzt man den

Kryolith mit dem dreifachen Gewicht concentrirter Schwefelsäure in

Platingefässen bis zum Ueberdestilliren des grössten Theils der Säure

und unter Auffangung der Flusssäure. Aus dem Rückstand zieht man mit

wenig kaltem Wasser den grössten Theil des darin enthaltenen zweifach

schwefelsauren Natriums aus, bringt die ungelöst bleibende wasserfreie

schwefelsaure Thonerde durch Kochen mit Wasser in Lösung und wandelt

dieselbe durch Zusatz von Kaliumsulfat oder Ammonsulfat in eisenfreien

Alaun um. Das zweifach schwefelsaure Natrium wird zur Trockne verdampft

und die trockne Masse in Retorten destillirt, wobei rauchende

Schwefelsäure übergeht und Glaubersalz zurückbleibt.

[Sidenote: Darstellung von Alaun aus Bauxit.]

[Greek: g]) =Darstellung von Alaun aus Bauxit.= Im südlichen Frankreich

bei _Argile des Baux_, dann bei Fons à Fy im Département der Charente,

ferner in Calabrien, bei Belfast in Irland, in Steiermark, in Krain (in

der Wochein, weshalb der Bauxit auch Wocheinit genannt wird) und am

Senegal finden sich grosse Mengen eines Minerals, wesentlich aus

eisenoxydhaltigem Thonerdehydrat (mit 60 Proc. Thonerde) bestehend,

welches, weil es zuerst in der Commune Baux in Frankreich gefunden wurde,

mit dem Namen =Bauxit= bezeichnet worden ist. Behufs der Herstellung von

Alaun und Aluminiumsulfat schliesst man den Bauxit durch Erhitzen mit

Natriumcarbonat oder mit einem Gemenge von Natriumsulfat mit Kohle auf.

In beiden Fällen bildet sich durch Auslaugen der aufgeschlossenen Masse

eine Lösung von Natrium-Aluminat, aus welcher genau so wie beim Kryolith

beschrieben, Alaun (oder Aluminiumsulfat) und Soda dargestellt wird.

[Sidenote: Darstellung von Alaun aus Hohofenschlacken.]

[Greek: d]) =Darstellung des Alauns aus Hohofenschlacken.= Nach der von

=J. Lürmann= gegebenen Vorschrift zersetzt man die Schlacken mit

Salzsäure und fällt aus der Chloraluminiumlösung die Thonerde mit

Calciumcarbonat (neben der Kieselerde). Die Thonerde wird in

Schwefelsäure gelöst u. s. w., wobei die Kieselerde zurückbleibt. 100

Kilogr. reine Schlacke mit 25 Proc. Thonerde geben 180 Kilogr. Alaun

(neben 31 Kilogr. Kieselerde).

[Sidenote: Alaun aus Feldspath.]

4. _Gruppe._ Die Fabrikation des Alauns aus jenen Materialien, welche wie

der Feldspath und ähnliche Gesteine Aluminium und Kalium enthalten, ist

gegenwärtig für die Industrie von keiner Bedeutung. Es sei daher auf das

verwiesen, was Seite 131 über die Darstellung der Kalisalze aus dem

Feldspath gesagt worden ist.

[Sidenote: Eigenschaften des Alauns.]

Der =Kaliumalaun= (Al_{2} / K_{2})} 4SO_{4} + 24H_{2}O oder K_{2}SO_{4} +

Al_{2}(SO_{4})_{3} + 24H_{2}O) besteht in 100 Theilen aus:

Kali 9,95

Thonerde 10,83

Schwefelsäure 33,71

Wasser 45,51

------

100,00

krystallisirt leicht und deutlich in regulären Octaëdern, verliert bei

60° C. 18 Moleküle Wasser, schmilzt bei 92° in seinem Krystallwasser zu

einer farblosen Flüssigkeit und bleibt nach dem Erkalten noch längere

Zeit flüssig, bevor er zu einer Krystallmasse erstarrt. Nicht ganz bis

zum Glühen erhitzt, verliert er unter starkem Aufblähen sein Wasser und

geht in =gebrannten Alaun= (_Alumen ustum_) über, der als weisse, poröse,

zerreibliche Masse erscheint.

Durch Glühen mit Kohle bildet der Kaliumalaun eine pyrophorische Masse.

100 Th. Wasser von 0° lösen 3,9 Th. Kalialaun,

" " " " 20° " 15,8 " "

" " " " 40° " 31,2 " "

" " " " 100° " 360,0 " "

Diese Lösung schmeckt süsslich zusammenziehend und reagirt sauer; in

Folge dieser sauren Reaction entwickelt Alaun mit Kochsalz erhitzt

Salzsäure und zerstört concentrirte Alaunlösung die blaue Farbe vieler

(aber nicht aller) Ultramarinsorten.

[Sidenote: Ammonalaun.]

Der =Ammonalaun= (Al_{2} / (NH_{4})_{2})} 4SO_{4} + 24H_{2}O oder

(NH_{4})_{2}SO_{4} + Al_{2}(SO_{4})_{3} + 24H_{2}O) besteht in

100 Theilen aus:

Ammoniak 3,89

Thonerde 11,90

Schwefelsäure 36,10

Wasser 48,11

------

100,00

Man fabricirt ihn gegenwärtig häufiger als den Kaliumalaun. Beim starken

Erhitzen des Ammonalauns entweicht Ammonsulfat, Wasser und Schwefelsäure,

während reine Thonerde zurückbleibt.

100 Th. Wasser von 0° lösen 5,22 Th. Ammonalaun

" " " " 20° " 13,66 " "

" " " " 40° " 27,27 " "

" " " " 100° " 421,90 " "

[Sidenote: Natriumalaun.]

Der =Natriumalaun= (Al_{2} / Na_{2}} 4SO_{4} + 24H_{2}O oder Na_{2}SO_{4}

+ Al_{2}(SO_{4})_{3} + 24H_{2}O) besteht in 100

Theilen aus:

Natron 6,8

Thonerde 11,2

Schwefelsäure 34,9

Wasser 47,1

------

100,0

Seine Darstellung aus Aluminiumsulfat und Natriumsulfat ist eben so

leicht wie die Bereitung des Kaliumalauns und er würde jedenfalls wegen

des niedrigen Preises des Natriumsulfates vortheilhaft anzuwenden sein,

wenn nicht seine grosse Löslichkeit in Wasser die Ausscheidung aus

seiner Mutterlauge verhinderte. Zu beachten hat man, dass der

Natriumalaun seine Fähigkeit zu krystallisiren verliert, wenn seine

Lösung gekocht wird. Da sich das Eisen aus ihm nicht durch

Umkrystallisiren entfernen lässt, so muss man zu seiner Darstellung

eisenfreie Materialien anwenden, die Lösungen beider kalt vermischen

und die Flüssigkeit bei 60° langsam verdampfen.

Der =neutrale= oder =kubische Alaun= (Würfelalaun) (K_{2}SO_{4} +

Al_{2}O_{3}, 2SO_{3}) wird erhalten, indem man dem Alaun durch Zusatz

von Kalium- oder Natriumcarbonat Schwefelsäure entzieht, bis Thonerde

sich auszuscheiden beginnt, oder Alaunlösung mit Thonerdehydrat

digerirt. Man stellt ihn ferner durch Kochen von 12 Th. Alaun und 1 Th.

gelöschtem Kalk in Wasser dar. Die Flüssigkeit liefert beim Erkalten

Würfel, welche zu gewissen Anwendungen in der Färberei und

Zeugdruckerei vor dem gewöhnlichen Alaun den Vorzug verdienen, weil sie

durch keine saure Reaction die Nüancen der Farben zu verändern im

Stande sind. Ammonalaun giebt, auf ähnliche Weise behandelt, ebenfalls

einen neutralen Ammonalaun. Kubischer Alaun von Schwemsal war nach der

Analyse von =Blesser= (a) und =Schmidt= (b) zusammengesetzt aus:

(a) (b)

Schwefelsäure 34,52 33,95

Thonerde 11,86 11,48

Kali 9,44 9,04

Wasser 45,27 45,61

---------------

101,09 100,08

Der =unlösliche Alaun=, basischer Alaun (Al_{2} / K_{2})} 2SO_{4}),

durch Kochen einer Alaunlösung mit Thonerdehydrat erhalten, ist ein in

Wasser unlösliches, weisses Pulver und nähert sich in seiner

Zusammensetzung der des reinen Alaunsteines. Er löst sich in

Essigsäure.

[Sidenote: Aluminiumsulfat.]

=Aluminiumsulfat= (schwefelsaure Thonerde). Die Möglichkeit der Ersetzung

des Kaliums durch Ammon in der Alaunfabrikation zeigt zur Genüge, dass

weder das Kaliumsulfat, noch das Ammonsulfat in den Hauptanwendungen des

Alauns irgend eine Funktion zu erfüllen haben. Der wirksame Bestandtheil

im Alaun ist nur das Aluminiumsulfat und der Grund, weshalb man

Alkalisulfat hinzusetzt, ist ja nur der, die Bildung einer Verbindung von

genau bestimmter Zusammensetzung hervorzurufen, die in Folge der

Leichtigkeit, mit der sie sich krystallinisch aus der Flüssigkeit

ausscheidet, leicht eisenfrei dargestellt werden kann. Die neuen Methoden

der Fabrikation des Alauns aus Thon und Schwefelsäure, aus Kryolith und

Bauxit mussten daher auf die Darstellung des Aluminiumsulfates führen,

die gegenwärtig in grosser Menge dargestellt wird und zuweilen unter dem

Namen =concentrirter Alaun= im Handel vorkommt. Es erscheint in platten,

viereckigen Tafeln, ist von weisser Farbe, schwach durchscheinend und

lässt sich mit einem Messer wie Käse schneiden. Es löst sich leicht in

Wasser, enthält immer freie Schwefelsäure und ist nie frei von Kalium-

und Natriumalaun.

Im reinen Zustande hat es die Formel Al_{2}(SO_{4})_{3} + 18H_{2}O, wie

z. B. eine Analyse von =Wilson= mit Aluminiumsulfat von =Pattinson u.

Co.= in Newcastle zeigt:

Thonerde 18,78

Schwefelsäure 38,27

Wasser 42,95

------

100,00

Das Präparat hat jedoch nicht immer diese Zusammensetzung, so fand

=Varrentrapp= bei der Untersuchung von Proben von Aluminiumsulfat aus

drei verschiedenen Alaunfabriken:

1. 2. 3. 4.

Thonerde 15,3 12,5 15,1 13,0

Schwefelsäure 38,0 30,6 38,0 34,0

Bei Zugrundelegung obiger Formel hätten die Proben nur enthalten

dürfen:

1. 2. 3. 4.

Schwefelsäure 35,8 29,2 43,3 30,5

Der Wassergehalt variirt mitunter selbst an dem nämlichen Stück

zwischen 56 und 48 Proc. =Weygand= fand in einem Präparat aus Schwemsal

15,57 Th. Thonerde, 38,13 Th. Schwefelsäure, 1,15 Th. Eisenoxyd, 0,62

Th. Kali, 45,79 Th. Wasser. Das Aluminiumsulfat, wie sie die

Kryolithfabrik in Harburg in den Handel liefert, enthält gegen 5 Proc.

Natriumsulfat.

Angesichts solcher Thatsachen erscheint die Anwendung des

Aluminiumsulfates statt Alaun, ungeachtet des billigeren Preises, wenig

empfehlenswerth, da man mit einem Produkte von so verschiedenem Säure-

und Wassergehalt weder beim Färben, noch beim Leimen des Papieren

gleichmässige Resultate erzielt. Seit einigen Jahren jedoch, namentlich

seit der Verarbeitung des Kryoliths, stellt man Aluminiumsulfat von

ziemlicher Reinheit dar. Mehrere Sorten bei Tafelconsistenz gegossenen

Präparates ergaben bei der Analyse folgende Resultate (nach =H.

Fleck=):

Aluminiumsulfat 47,35 50,80 51,63

Natriumsulfat 4,35 1,24 0,77

Freie Schwefelsäure 0,73 0,27 --

Wasser 47,37 47,47 46,94

-------------------------

99,80 99,78 99,34

Das Aluminiumsulfat wird aus Thon, aus Alaunerde, aus Kryolith oder aus

Bauxit dargestellt, wie oben für die Fabrikation des Alauns

beschrieben. Wendet man Thon oder Alaunerde an, so muss aus der mit

Wasser verdünnten Lösung von Aluminiumsulfat das Eisen durch

Ferrocyankalium vollständig als Berlinerblau abgeschieden worden. Aus

dem Kryolith stellt man das Präparat dadurch dar, dass man die aus dem

Natriumaluminat durch Kohlensäure oder durch Kryolithpulver

abgeschiedene Thonerde in einen mit Bleiblech überkleideten

Holzbottich, welcher bis auf 80-90° C. erhitzte Kammerschwefelsäure

enthält, einträgt, bis ein unlöslicher Rückstand bleibt. Hierauf lässt

man die concentrirte Lösung sich klären und bringt die klare Lauge in

kupferne Kessel, in denen sie bis zum Schmelzen der Salzmasse

abgedampft wird, worauf man sie mit kupfernen Kellen ausschöpft und in

kupferne flache Formen giesst, welche, wie in Harburg, die Fabrik

eingeprägt enthalten. Für die Fälle in der Färberei und Zeugdruckerei,

wo es auf Genauigkeit in dem Thonerdegehalt der Farben ankommt, lässt

sich der Alaun durch das Aluminiumsulfat einstweilen nicht ersetzen. Es

ist vorerst Sache der Fabrikanten, ein reines, namentlich eisenfreies

Präparat in den Handel zu bringen; man würde dasselbe alsdann in Form

von Lösungen anwenden können, deren Thonerdegehalt aus dem spec.

Gewicht zu ermitteln wäre.

[Sidenote: Natrium-Aluminat.]

=Natrium-Aluminat= (Thonerde-Natron) ist ein Aluminiumpräparat, welches

seit einigen Jahren fabrikmässig dargestellt wird und, wie es scheint,

eine sehr geeignete Form darbietet, in welcher die Thonerde in der

Färberei und dem Zeugdruck benutzt werden kann. Seine Bereitung und

Anwendung gründet sich auf die Löslichkeit des Aluminiumhydroxydes in

Kalium- oder Natriumlauge und die Zersetzbarkeit des so erhaltenen

Alkalialuminates durch Kohlensäure, Natriumbicarbonat, Essigsäure,

Natriumacetat, Salmiak etc.

Das Natrium-Aluminat wurde zuerst 1819 von =Macquer= und =Haussmann=

der Beachtung der Färber empfohlen, allein ohne Erfolg, woran ohne

Zweifel der Umstand schuld war, dass es bei weitem nicht so wohlfeil

als der Alaun dargestellt werden konnte. Im Jahre 1832 machte

=Döbereiner= von neuem auf diese Verbindung aufmerksam. »Möchten

technische Chemiker,« sagte er, »ein wohlfeiles Verfahren, thonsaures

Kali zu bereiten, ausmitteln und unter dem Namen =Haussmann's

Thonkalilauge= in den Handel bringen.« Der erste, der Aluminat im

Grossen darzustellen versuchte, war =Tissier=, welcher, ohne von den

gleichzeitigen Arbeiten =Thomsen='s in Kopenhagen Kenntniss zu haben,

Natriumaluminat durch Kochen von gepulvertem Kryolith mit gebranntem

Kalk und Filtriren der siedenden Flüssigkeit darzustellen lehrte und

eine Vorschrift gab, die seitdem von =Sauerwein= (siehe Seite 291) u.

a. verbessert wurde. Dass der Kryolith, möge er nach =Tissier='s

Methode mit Aetzkalk auf nassem Wege, oder nach =Thomsen='s Verfahren

durch Erhitzen mit Kreide aufgeschlossen worden sein, ein

vortreffliches Material zur Bereitung des Natriumaluminates abgiebt,

liegt auf der Hand, da ja erst das Aluminat, und aus diesem erst das

Aluminiumsulfat oder der Alaun dargestellt wird. Trotzdem hat keine der

Fabriken, die Kryolith verarbeiten, bis jetzt in Deutschland

Natriumaluminat in den Handel gebracht. In Frankreich und England steht

die Sache anders, hier wird seit einigen Jahren in den Fabriken von

Bell u. Co. in Newcastle, und von Merle u. Co. in Alais (Frankreich)

Natriumaluminat in grosser Menge und vollkommen rein dargestellt. In

Frankreich stellt man diese Verbindung nach der von =Morin= angegebenen

Methode dar, wobei die von =Lechatelier=, =Deville= und =Jacquemart=

gegebenen Winke nicht unberücksichtigt blieben. Nach dem Verfahren der

ersteren geht man von dem Mineral =Bauxit= (vergl. Seite 292) aus,

welches 60-75 Proc. Thonerde und 12-20 Proc. Eisenoxyd enthält. Das

Mineral wird entweder mit Aetznatron oder mit Soda aufgeschlossen. Im

erstern Falle wird dasselbe im gepulverten Zustande mit Natriumlauge

gekocht, wodurch sich eine Lösung von Natriumaluminat bildet. Im

zweiten Falle wird eine Mischung des Minerals mit calcinirter Soda in

einem Flammenofen erhitzt, bis eine herausgenommene Probe mit Salzsäure

nicht mehr aufbraust, d. h. bis alles Natriumcarbonat zersetzt ist. Die

durch Auslaugen der Schmelze gewonnene Flüssigkeit wird nach dem Klären

zur Trockne abgedampft. Das Produkt ist ein weisses Pulver mit einem

Stich ins Grünlichgelbe, trocken anzufühlen und leicht zu verpacken. So

wie es im Handel vorkommt, besteht es aus

Thonerde 48

Natron 44

Chlornatrium und Glaubersalz 8

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Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 58 / 167 题