Wo die Oertlichkeit es gestattet, verwendet man die Mutterlaugen von

Salzsoolen, von der Verarbeitung des Carnallits auf Chlorkalium, vom

Meerwasser etc., welche sämmtlich reich an Chlormagnesium sind, zur

Darstellung von Salmiak, indem man diese Flüssigkeiten mit dem

Hirschhorngeist fällt. Die zu verschiedenen Zeiten von =Dyar= und

=Hemming=, =Schloesing= u. A. gemachten Vorschläge, das Ammoncarbonat

haltige Wasser durch Mischen mit concentrirter Kochsalzlösung und

Einleiten von Kohlensäuregas zur Fabrikation von Salmiak und von

Natriumbicarbonat zu verwenden, sind im Grossen kaum praktisch

ausführbar.

[Sidenote: Ammoniak aus Rüben.]

Ammoniak 11) als Nebenprodukt der =Rübenzuckerfabrikation=. Beim Kochen

des Rübensaftes entwickelt sich Ammoniak in reichlicher Menge, welches

man auf Ammonsulfat verarbeitet. Das Ammoniak ist ein

Zersetzungsprodukt der in dem Rübensafte sich findenden Asparaginsäure

und des Betaïns. Eine Fabrik, die jährlich 200,000 Ctr. Rüben

verarbeitet, könnte 877 Ctr. Ammonsulfat (nach =Renard=, 1869) als

Nebenprodukt gewinnen.

[Sidenote: Technisch wichtige Ammoniaksalze.]

=Technisch wichtige Ammoniaksalze.= Der =Salmiak= (Chlorammonium,

salzsaures Ammoniak) NH_{4}Cl besteht in 100 Theilen aus

Ammoniak 31,83 Ammon 33,75

oder

Salzsäure 68,22 Chlor 66,25

und kam in früherer Zeit aus Aegypten, welches vom 13. Jahrhundert an bis

zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das ausschliessliche Privilegium

besass, ganz Europa mit Salmiak zu versorgen. Man bereitete den Salmiak

in Aegypten durch Verbrennen des Kameelmistes, wo derselbe als

Brennmaterial dient. Die Nahrung des Kameels besteht fast nur als

Salzpflanzen. Der Salmiak findet sich theils fertig gebildet in der

Kameelgülle, theils und zwar hauptsächlich bildet er sich erst beim

Verbrennen des Mistes aus den in den Excrementen enthaltenen

stickstoffhaltigen Substanzen und den Chlormetallen (Chlorkalium,

Chlornatrium). In dem beim Verbrennen des an der Sonne getrockneten

Kameelmistes sich bildenden Russ ist der Salmiak enthalten. Er wurde

sorgfältig gesammelt und dann in besonderen Anstalten der Sublimation

unterworfen.

[Illustration: Fig. 116.]

Auf Grund der in Aegypten gemachten Erfahrungen hat man in Gegenden, wo

der Mist nur wenig Werth hat und als Brennmaterial dient durch

Nachahmung jenes Vorganges Salmiakfabriken zu gründen versucht, indem

man die Excremente der Thiere mit Kochsalz vermischte, diese trocknete

und dann verbrannte. In Europa stellte man zuerst Salmiak durch trockne

Destillation der Oelkuchen und aus dem beim Brennen der Pechkohle sich

bildenden Russ dar. Die erste Salmiakfabrik Deutschlands war die der

Gebrüder =Gravenhorst= in Braunschweig (1759). Heutzutage wird der

Salmiak aus dem Ammoniak dargestellt, welches als Produkt der trocknen

Destillation der Knochen und der Steinkohlen, sowie der Destillation

des gefaulten Harnes auftritt. Man erhält, wie oben ausführlich

erörtert, durch Neutralisation des Gaswassers mit Salzsäure (vergl.

Seite 256), als Nebenprodukt bei der Fabrikation von Knochenleim und

Phosphor (vergl. Seite 261), aus Ammoncarbonat und Kochsalzlösung,

chlormagnesiumhaltiger Mutterlauge etc. (vergl. Seite 261) und endlich

aus Ammonsulfat und Kochsalz. Der auf die eine oder die andere Weise

erhaltene, stets gelblich gefärbte Rohsalmiak muss behufs seiner

Reinigung sublimirt werden. Die =Sublimation= geschieht in gusseisernen

flachen =Kesseln= _w_ (Fig. 116), die aus Platten zusammengenietet und

inwendig mit feuerfesten Steinen ausgesetzt sind. Unter dem Kessel

befindet sich die Feuerung. Nachdem der Salmiak in den Kessel

eingetragen und festgestampft worden ist, beginnt man den Kessel

vorsichtig zu erwärmen, bis aus dem Salmiak alles Wasser ausgetrieben

worden ist. Darauf legt man auf den Rand des Kessels einen Ring aus

Lehmbrei und drückt in diesen einen Deckel aus Gusseisen _F_, _G_ und

_H_, welcher die Gestalt eines Uhrglases hat. Diese Deckel lassen sich

mittelst der Rollen und Gewichte _B_, _C_ und _D_ heben und senken.

Anstatt dieser Deckel wendet man auch Hauben von Blei an, deren obere

Oeffnung mit einer eisernen Stange lose verschlossen ist. Damit der

Deckel während der Sublimation durch den Druck im Innern nicht

abgeworfen werde, beschwert man ihn mit Gewichten oder befestigt ihn

sonst auf dem Kessel. Die Eisenstange wird während der Sublimation von

Zeit zu Zeit herausgezogen, um den nicht verdichteten Dämpfen Ausgang

zu verschaffen. Nach und nach verstärkt man das Feuer. Die Temperatur

ist mit grosser Sorgfalt zu reguliren; wäre die Wärme zu gering, so

würde man ein lockeres und undurchsichtiges Produkt erhalten und nicht

das feste und durchscheinende Produkt, wie es im Handel gewünscht wird.

Bei zu hoher Temperatur dagegen könnten die in dem Rohsalmiak

enthaltenen organischen Substanzen verkohlen und durch die sich hierbei

bildenden flüchtigen Produkte den Salmiak verunreinigen. Die Erfahrung

hat gelehrt, dass es vortheilhaft sei, möglichst grosse

Sublimationsgefässe, etwa von 2-1/2-3 Meter innerem Durchmesser

anzuwenden. Wenn der sublimirte Kuchen eine Dicke von 6-12 Centim.

erreicht hat, unterbricht man die Sublimation, entfernt die erhärtete

Masse aus dem Deckel oder der Haube und befreit sie mittelst eines

Hobels von anhängenden Unreinigkeiten. Eine neben den Sublimiröfen

befindliche Trockenvorrichtung, welche mit Hülfe des Schiebers _E_ und

der Vorrichtung _A_ verschlossen werden kann, dient zum Trocknen des zu

sublimirenden Salmiaks.

[Illustration: Fig. 117.]

Gegenwärtig geschieht das Sublimiren des Salmiaks häufig auch in

=Töpfen= oder auch in =Glaskolben=. Der zu sublimirende Salmiak wird

mit 20-30 Proc. seines Gewichtes gepulverter Thierkohle gemengt und das

Gemisch in einer erhitzten Schale aus Thon oder aus Blei bis zur

staubigen Trockne erwärmt und dann in die Sublimirgefässe gebracht.

Diese sind in einigen Fabriken Töpfe _B_ und _M_ (Fig. 117) aus

Steinzeug, welche in zwei Reihen auf einem Gewölbe über einer Feuerung

_G_ stehen. Jeder Topf ist 50 Centimeter hoch. Oben wird durch eine

eiserne Platte, welche jedem Topfe entsprechende Ausschnitte hat, das

Ganze geschlossen. Jeder Topf wird mit einem andern topfähnlichen

Gefässe, meist einem Blumentopfe, bedeckt. Die Sublimirtöpfe stehen bis

an den Blumentopf in Sand. In Fabriken, wo man Glaskolben zum

Sublimiren verwendet, sind diese Kolben 60 Centim. hoch, mit einem

Durchmesser von 30 Centim. und mit einem etwas abgeplatteten Boden

versehen. An der Stelle, wo der Hals auf den Kolben aufsitzt, sind sie

abgesprengt. 16 dieser Kolben, von denen ein jeder mit 9 Kilogr. des

Gemisches von Salmiak mit Kohle beschickt ist, werden in zwei Reihen

auf einen Galeerenofen gebracht und in eiserne Sandkapellen eingesetzt,

so dass die Kolben etwa 1/3 ihrer Höhe über den Kapellenrand

hervorragen. Der Kolben wird bis fast an den Hals mit einer

fingerdicken Sandschicht belegt, vorher aber mit einer Bleiplatte

überdeckt. Im Anfange der Operation lässt man einige Minuten die

Salmiakdämpfe aus dem offen gehaltenen Kolben entweichen, damit die im

Kolben befindliche Luft ausgetrieben werde, und bedeckt dann die

Kolbenöffnung mit einer gut schliessenden Bleiplatte. Sobald letztere

mit einem glasartig glänzenden Sublimat bedeckt erscheint, wird der

über die Kapelle sich erhebende Kolbentheil von allem Sande entblösst

und nun Sorge getragen, dass die Bleiplatten nicht zu fest an den

Kolben backen, zu welchem Behufe der Arbeiter von Zeit zu Zeit an die

untere Bleifläche klopft. Erscheint der Salmiak glasig und wird beim

Anklopfen die Bleiplatte nicht mehr unter Entwickelung von Dampf

gehoben, so lässt man die Platte ruhig auf dem Kolben, damit der

Salmiak zu einer glasähnlichen Masse sublimire. Dem vollständigen

Verschliessen der oberen Oeffnung muss durch zeitweiliges Nachbohren

mit einem spitzigen Eisen vorgebeugt werden. Nach 12 bis 16 Stunden ist

die Sublimation beendigt. Es werden dann die Bleiplatten entfernt und

durch Korkpfropfen oder durch Baumwollbäusche ersetzt, und die Kapellen

langsam erkalten gelassen. Während des Abkühlens dehnt sich der Salmiak

aus und sprengt die Glaskolben. Der von den Glasscherben befreite

Salmiakhut wird mittelst eines Messers von allen unreinen Stellen durch

Schaben befreit und dann in Hutform verpackt. Der auf diese Art

sublimirte Salmiak ist krystallinisch und vollkommen weiss. Handelt es

sich darum, ihn vollkommen frei von Eisen zu haben, so mischt man den

zu sublimirenden Salmiak mit 5 Proc. saurem Calciumphosphat oder 3

Proc. Ammonphosphat. Hierdurch wird des Chloreisen zersetzt und das

Eisen bleibt als Phosphat in der Retorte zurück, während der Salmiak im

eisenfreien Zustande sublimirt.

Der im Handel vorkommende Salmiak ist entweder sublimirt oder

krystallisirt. Ersterer bildet meniskenähnliche Scheiben von 5-15

Kilogr. Gewicht (die englischen Salmiakbrote sind bis zu 50 Kilogr.

schwer), welche weiss und durchscheinend, fett glänzend, klingend und

aus parallelen faserigen und splittrigen Schichten gebildet sind.

Gewöhnlich sind sie aus mehreren Schichten gebildet. Der krystallisirte

Salmiak oder die Salmiakblume wird erhalten, indem man den durch

Umkrystallisiren gereinigten Salmiak mit siedend gesättigter

Salmiaklösung zu einem dicken Brei anrührt und diesen dann in

Zuckerformen aus Steinzeug oder glasirtem Eisen stampft, nach dem

Abtropfen der Lauge aus der Form entfernt und die Brote nach dem

vollständigen Trocknen in blaues Papier gepackt in den Handel bringt.

-- Der Salmiak findet in grosser Menge in der Arzneikunde Anwendung. In

der Technik verwendet man ihn beim Verzinnen und Verzinken des Kupfers,

Eisens und Messings, sowie beim Löthen. Ausserdem dient derselbe in der

Zeugdruckerei, der Farbenfabrikation, vor dem Bekanntwerden des

=Deville='schen Verfahrens in der Platingewinnung und Fabrikation des

Platinschwammes, in der Schnupftabakfabrikation, zur Herstellung von

Eisenkitt (1 Th. Salmiak, 2 Th. Schwefel und 50 Th. Eisenfeilspäne),

von reinem Salmiakgeist, Ammoncarbonat und anderen Ammoniakpräparaten.

[Sidenote: Ammonsulfat.]

Das =Ammonsulfat= (schwefelsaures Ammoniak) (NH_{4})_{2}SO_{4} findet

sich in der Natur in kleiner Menge in dem Mineral =Mascagnin=, in grosser

Menge neben der Borsäure in Toskana und macht einen Bestandtheil des

=Boussingaultits= (vergl. Seite 253) aus.

Man erhält es, wie schon in dem Vorhergehenden erwähnt, durch

Neutralisation von Ammoncarbonat aus dem Condensationswasser der

Gasfabriken, den Produkten der trocknen Destillation der Knochen, des

gefaulten Harnes mit Schwefelsäure (Kammersäure), oder durch Zersetzen

desselben mit Gyps oder mit Eisenvitriol. Es wird durch Abdampfen und

Krystallisirenlassen der Lösung gewonnen. Die bei Anwendung von

Theerwasser in der Regel braungefärbten Krystalle lassen sich durch

Wiederauflösen, Filtriren der Lösung durch Thierkohle und

Krystallisiren reinigen oder dadurch, dass man die Lösung bis zur

Krystallisation bringt und die aus der Flüssigkeit während des

Abdampfens sich abscheidenden Krystalle herauskrückt, sie in Körben

abtropfen lässt und sie dann auf erwärmten Platten von Charmottesteinen

scharf trocknet. Hierdurch werden die anhängenden Theertheile bis zur

völligen Zersetzung erhitzt, ohne dass das Ammonsulfat eine Veränderung

erleidet, welches man nun durch Behandeln mit Wasser, Filtriren und

Abdampfen der Lösung in völlig reinem Zustande erhält. Für die

Darstellung des Ammonsulfates ist es von Belang, dass durch Sättigen

von Ammoncarbonat mit schwefliger Säure (durch Rösten von Pyriten,

Zinkblende etc. erhalten) dargestelltes Ammonsulfit an der Luft nach

und nach in Ammonsulfat übergeht. Dieses Salz ist das wichtigste aller

Ammoniaksalze, insofern es den Ausgangspunkt zur Fabrikation des

Salmiaks, des Ammoncarbonates, Salmiakgeistes etc. bildet. Für sich

findet es ausgedehnte Anwendung in der Alaunfabrikation und von

Düngerpräparaten. Eine wässerige Lösung von Ammonsulfat (1 : 10) ist

empfohlen worden, um leicht feuerfangende Gewebe und Gespinnste vor der

Entflammung zu schützen.

[Sidenote: Ammoncarbonat.]

Das =Ammoncarbonat=, wie es in der Technik und Pharmacie Verwendung

findet, ist sogenanntes anderthalb-kohlensaures Ammon oder

Ammonsesquicarbonat und ist nach der Formel (NH_{4})_4C_{3}O_{8} oder

2([NH_{4}]_{2}CO_{3}) + CO_{2} zusammengesetzt. Es wird entweder direct

aus den Produkten der trocknen Destillation der Knochen oder durch

Sublimiren eines Gemenges von Salmiak mit Kreide gewonnen.

Was die erstere Methode betrifft, so erhält man bei der trocknen

Destillation von Knochen ausser dem Hirschhorngeist, der wesentlich

eine wässerige Lösung von kohlensaurem Ammon ist, in den aus

Steinplatten zusammengefügten Condensationskammern ein festes Sublimat

von kohlensaurem Ammon (=Hirschhornsalz=), welches durch beigemengten

Thiertheer und Oel eine bräunlichgelbe Farbe besitzt und durch

Sublimation in reines kohlensaures Ammon übergeführt wird. Für

pharmaceutische Zwecke stellt man das kohlensaure Ammon durch

Sublimation eines Gemenges von Kreide mit Salmiak oder besser mit

Ammonsulfat dar. Zur Sublimation wendet man denselben Apparat an,

dessen man sich zum Reinigen des Hirschhornsalzes bedient. In die

Sublimirgefässe bringt man ein Gemenge von 4 Th. Kreide, 4 Th.

Ammonsulfat und 1 Th. Holzkohlenpulver. Die Temperatur wird nach und

nach bis zum schwachen Glühen des Kesselbodens gesteigert. Man erhält

stets ein reines und weisses Sublimat. Das hierbei in reichlicher Menge

sich entwickelnde Ammoniakgas lässt man von mit Schwefelsäure

imprägnirten Koksstückchen oder auch von Wasser absorbiren, wenn man

Salmiakgeist darstellen will. =Kunheim= stellt das Ammoncarbonat durch

Zersetzen von Salmiak mit Bariumcarbonat dar, wobei Chlorbarium als

Nebenprodukt erhalten wird. Das Ammoncarbonat bildet in frisch

sublimirtem Zustande eine weisse krystallinische und durchscheinende

Masse, die an der Luft unter Aufnahme von Wasser Ammoniak abgiebt und

dadurch oberflächlich in Ammonbicarbonat (Ammonhydrocarbonat (NH_{4}}

CO_{3}) übergeht; letzteres giebt sich als Ueberzug von weissem

Krystallmehl zu erkennen, H} welches durch Schaben und Bürsten leicht

entfernt werden kann. Seines stechenden Geruches wegen führt das

kohlensaure Ammoniak den Namen =Riechsalz=. Das unreine kohlensaure

Ammoniak ist das Rohmaterial zur Herstellung der übrigen Ammoniaksalze,

ferner verwendet man es zu gleichen Zwecken wie das unreine

Aetzammoniak als Fleckwasser, zum Lösen von Fett, zum Extrahiren von

Flechtenfarbstoffen in der durch die Anilinfarbenfabrikation in den

Hintergrund gedrängten Herstellung der Orseille u. s. w. Das reine

Ammoncarbonat findet in der Heilkunde Anwendung und wird ausserdem in

der Zucker- und Lebkuchenbäckerei zum Auftreiben des Teiges angewendet.

[Sidenote: Ammonnitrat.]

Das =Ammonnitrat= (salpetersaures Ammon) (NH_{4})NO_{3}, durch Umsetzung

aus Ammonsulfat und Kaliumnitrat erhalten, wobei aus der Flüssigkeit

zuerst Kaliumsulfat sich abscheidet und das in der Flüssigkeit bleibende

Ammonnitrat durch Abdampfen und Krystallisirenlassen der Lösung gewonnen

wird, krystallisirt in sechsseitigen Säulen wie der Salpeter und löst

sich ausserordentlich leicht in Wasser. Beim Auflösen in Wasser bewirkt

es eine derartige Temperaturabnahme, dass man es als sogenanntes

=Gefriersalz= zur Herstellung von Eis in den Glacièren benutzt hat. Beim

Erhitzen zerfällt es in Stickoxydulgas und Wasserdampf (N_{2}O +

2H_{2}O), eine Eigenschaft, von der vielleicht bei der Bereitung von

Sprengpulver Gebrauch gemacht werden könnte. --

Die Seifenfabrikation.

[Sidenote: Seife. Allgemeines.]

Die =Seife= in des Wortes gewöhnlicher Auffassung ist das Produkt der

Einwirkung von ätzenden Alkalien auf Fette und besteht wesentlich aus

stearinsaurem, palmitinsaurem und ölsaurem Kalium oder Natrium. War

gleich die Seife längst schon vor unsrer Zeitrechnung bekannt, so konnte

doch die Fabrikation derselben erst rationell und schwunghaft betrieben

werden, seitdem einerseits =Chevreul= in seinen classischen

Untersuchungen uns mit der Natur der Fette und somit auch mit dem Wesen

des Verseifungsprocesses bekannt machte, andererseits die Entwickelung

der Sodaindustrie einen wichtigen Anstoss gab. Nicht länger auf die

theuere Potasche und die unsichere und stets geringe Ausbeute an Soda aus

Barilla, Blanquette, Salicor, Kelp und Varech beschränkt, konnte sich die

Seifenindustrie in einer Weise entwickeln, welche früher nicht geahnt

wurde. Als mächtiger Hebel der Sodafabrikation, die auf das innigste mit

fast allen Zweigen chemischer Gewerbsthätigkeit verschmolzen ist, bildet

die Seifenbereitung eines der wichtigsten Glieder in der

Entwickelungsgeschichte der chemischen Gesammtindustrie.

[Sidenote: Rohstoffe der Seifenfabrikation.]

Die zur Fabrikation der Seife angewendeten =Rohmaterialien= sind

zweierlei Art, sie sind =Fettsubstanzen= und =Lösungen von ätzenden

Alkalien= oder =Laugen=.

Die wichtigsten dieser Fettsubstanzen sind folgende:

Das =Palmöl= ist ein vegetabilisches Fett, welches aus der Frucht einer

Palmenart, _Avoira Elais_ oder _Elais guianensis_, nach Anderen dagegen

von _Cocos butyracea_, _C. nucifera_ und _Areca oleracea_ in Guinea und

Guyana gewonnen wird. Es ist von rothgelber Farbe, von Butterconsistenz

und von starkem und angenehmem Geruch, welcher an den der

Veilchenwurzel erinnert. Im frischen Zustande schmilzt es bei 27°, der

Schmelzpunkt steigt aber mit der Zeit bis auf 31° und selbst 36°, da

die in dem Palmöl enthaltenen Fette sich mit der Zeit in Glycerin und

freie fette Säuren zersetzen. Es besteht zum grössten Theile aus

Palmitin und kleinen Mengen von Oleïn.

Das Palmitin, früher mit dem Margarin verwechselt, wird durch Alkalien

verseift und dadurch in Glycerin und palmitinsaures Kalium verwandelt:

Palmitin (Tripalmitin) C_{3}H_{5} } O_{3} }

(C_{16}H_{31}O)_{3} } }

{Glycerin C_{3}H_{5} } O_{3}

={ H_{3} }

Kaliumhydroxyd 3KOH } {Kaliumpalmitat 3 { C_{16}H_{31}O } O

} { { K }

Die Palmitinsäure, der Stearinsäure sehr ähnlich und oft mit dieser

verwechselt, ist eine feste, weisse und kristallinische fette Säure,

welche bei 62° schmilzt. Das Palmöl enthält oft 1/3 seines Gewichtes

freie Palmitinsäure und diese Menge nimmt mit dem Alter des Oeles noch

zu. Der rothgelbe Farbstoff des Palmöles wird während der Verseifung

nicht zerstört, so dass die aus rohem Palmöl dargestellte Seife

(Palmseife, _palm-soap_) eine gelbe Farbe besitzt. Zerstört man aber

den Farbstoff des Palmöles durch chemische Mittel wie Kaliumbichromat

und Schwefelsäure (=Bleichen des Palmöles=), so erhält man ein nur

schwach gefärbtes Fett, das bei der Verseifung eine weisse Seife

liefert.

=Das Illipe- oder Bassiaöl=, ein dem Palmöl sehr ähnliches Fett, wird

aus den Samen von _Bassia latifolia_, eines am Himalaya wachsenden

Baumes, durch Auspressen gewonnen. Es ist gelb, wird aber nach und nach

am Lichte weiss und besitzt einen schwachen, nicht unangenehmen Geruch.

Bei gewöhnlicher Temperatur hat es Butterconsistenz. Sein spec. Gewicht

= 0,958. Es schmilzt bei 27-30°. Es ist wenig löslich in Alkohol,

leicht löslich in Aether, Kali und Natron verseifen es leicht; es

bildet sich dabei Oelsäure, sowie zwei feste fette Säuren von

verschiedenem Schmelzpunkte. Die =Galambutter=, von _Bassia butyracea_,

wird zuweilen mit Palmöl verwechselt, mit dem sie viel Aehnlichkeit

hat, jedoch röther von Farbe ist, schon bei 20-21° schmilzt und sich

übrigens wie das Palmöl verhält. Sie kommt aus dem Innern von Afrika.

An diese beiden Fette schliesst sich an das =Carapaöl=, aus dem öligen

Kerne einer Species von _Persoonia_, einer in Bengalen und auf

Coromandel wachsenden Palme, und der =Vateriatalg= (Pineytalg,

malabarischer Talg), aus den Früchten von _Vateria indica_ gewonnen;

ersteres ist hellgelb und scheidet sich bei 18° in Oel und festes Fett;

letzterer weisslichgelb, wachsartig und schmilzt bei 35°. Eine neue

Fettsubstanz, welche zur Seifenbereitung verwendet wird, ist der

=Mafurratalg=, welchen die Bewohner von Mozambique aus einer in Europa

wenig bekannten Frucht (Mafurra- oder Mafutrakerne), von der Grösse der

kleinen Cacaobohnen, durch Auskochen mit Wasser gewinnen. Die

Mafurrakerne werden nicht nur von Mozambique, sondern auch von

Madagaskar und der Insel Réunion bezogen. Das Fett ist gelblich, riecht

wie Cacaobutter und ist leichter schmelzbar als Talg. Das =Fett der

Samen= _Brindonia indica_, das zu Goa als Nahrungsmittel, zu

Einreibungen, als Leuchtmaterial und zur Bereitung von Seife verwendet

wird, ist fast weiss, schmilzt bei 40°, ist unlöslich in kaltem und

sehr wenig löslich in siedendem Alkohol.

Das =Cocosnussöl= wird aus dem öligen Kerne der Cocosnüsse (_Cocos

nucifera_, _C. butyracea_), die in Vorder- und Hinterindien, besonders

an der Küste von Malabar und Bengalen, sowie auf Ceylon und den

Malediven, ausserdem in Brasilien wachsen, durch Auspressen und

Auskochen mit Wasser, in neuerer Zeit jedoch auch in Deutschland aus

importirten Kernen durch Extraktion mit Schwefelkohlenstoff gewonnen.

Es ist ein weisses Fett von der Consistenz des Schweineschmalzes, aber

blätteriger Beschaffenheit und unangenehmem Geruch. Es schmilzt bei 22°

und erstarrt erst bei 18-20°. Es besteht zum grössten Theil aus einem

eigenthümlichen Fette, dem =Cocinin=, und aus kleinen Mengen von Oleïn.

Ersteres zerfällt beim Verseifen in Glycerin und in =Cocinsäure=

(Cocostearinsäure) C_{13}H_{26}O_{2}. Man hat begonnen, die Oelkerne

der Cocosnüsse, welche im Handel den Namen =Copperah= führen, nach

Europa zu schaffen und erst hier auszupressen oder zu extrahiren. =W.

Wicke= erhielt (1860) aus Copperah 61,57 Proc. Fett. Das Cocosnussöl

ist seit etwa 2 Decennien eine der wichtigsten Fettsubstanzen für die

Seifensiederei geworden, indem es sich vorzugsweise zur Herstellung der

sogenannten =gefüllten Seifen= eignet.

Der =Talg= (Unschlitt, graisse, suif, _tallow_) wird durch Ausschmelzen

(Auslassen) namentlich des in der Bauchhöhle angesammelten Fettes des

Rindviehs und der Schafe gewonnen. Die Härte des Talges richtet sich

nach der Art des Thieres, welches ihn lieferte, und nach der

Fütterungsweise. Die grösste Härte erreicht der Talg bei

Trockenfütterung, die geringste bei Fütterung mit den Abfällen der

Brauerei und Brennerei. Der russische Talg ist weit härter als der

deutsche, eine Folge der in Russland länger als acht Monate währenden

Trockenfütterung. Im Allgemeinen schmilzt der Talg bei 37° und enthält

75 Proc. seines Gewichtes starres Fett, aus Stearin (Tristearin) und

Palmitin (Tripalmitin) bestehend, der Rest ist Oleïn (Trioleïn). Talg,

der zu lange aufbewahrt wurde, ehe man ihn aus dem Zellgewebe

ausschmolz, hat einen sehr üblen Geruch und meist auch eine dunkle

Farbe. Die Trennung des Fettes von der Zellensubstanz kann auf

zweierlei Weise bewirkt werden, einmal durch einfaches Erhitzen des

rohen Talges, wodurch die Zellenwand eintrocknet, sich zusammenzieht

und dem Zelleninhalt, dem Fett, auszutreten gestattet, oder das andere

Mal durch gänzliche oder theilweise Zerstörung der Membrane durch

chemische Mittel, entweder durch Schwefelsäure oder durch Salpetersäure

oder durch Lauge. Eine der besten unter den vorgeschlagenen Methoden

ist die von =d'Arcet=, bei welcher man sich der Schwefelsäure bedient

und in verschlossenen Kesseln arbeitet. Die Schwefelsäure entmischt die

sich bildenden Dämpfe und zerstört zum grossen Theil ihre nachtheiligen

Wirkungen, zugleich erhält man mehr und besseren Talg. Bei Anwendung

eines verschlossenen Kessels leitet man die sich entwickelnden Dämpfe

entweder in den Feuerraum oder in einen Verdichtungsapparat. Man wendet

nach =d'Arcet= auf 100 Th. in Stücke zerschnittenen Talg 1 Th.

Schwefelsäure und 50 Th. Wasser an. Während bei dem gewöhnlichen

Verfahren des Ausschmelzens der Verlust gewöhnlich 15 Proc. beträgt,

vermindert er sich bei dem =d'Arcet='schen Verfahren auf 5-8 Proc.

Das =Schmalz= (Schweineschmalz) findet in Europa seines hohen Preises

wegen in der Seifensiederei nur selten Anwendung, in grosser Menge

dagegen in Nordamerika, namentlich in Cincinnati, wo enorme Quantitäten

von Schweinefett producirt werden, welche man fabrikmässig in festes

Fett (42-44 Proc.) und in flüssiges Schmalzöl (_lardoil_), gegen 56-58

Proc. des ursprünglichen Fettes betragend, trennt. Letzteres soll in

Amerika zur Verfälschung des Olivenöles Verwendung finden.

Das =Oliven=- oder =Baumöl= wird in der Provence, in Italien und

Spanien, an der nordafrikanischen Küste etc. aus den Oliven, den

Früchten des Oelbaumes (_Olea europaea_), aus der Familie der

Jasmineen, gewonnen. Es ist für die Güte des Oeles nothwendig, die

Einsammlung der Oliven zu der geeignetsten Zeit vorzunehmen, d. h. in

den Monaten November und December. Nur die vollkommen reifen Oliven

geben ein Oel ohne allen Nebengeschmack, die nicht hinlänglich zur

Reife gelangten liefern ein herbes und bitteres Oel, die überreifen

dagegen ein dickes, leicht ranzig werdendes. Im südlichen Frankreich

befolgt man bei der Darstellung des Olivenöles folgendes Verfahren: Die

reifen Oliven werden auf einer Mühle gemahlen und dadurch in einen Brei

verwandelt; der Brei kommt in platte, aus Binsen geflochtene Körbe oder

Säcke oder zweckmässiger in rosshaarene Pressbeutel und darin unter die

Presse. Das beim ersten Pressen erhaltene Oel ist die vorzüglichste

Sorte und heisst =Jungfernöl= (huile vierge). Nach dem ersten Pressen

enthält der Brei noch eine nicht unbeträchtliche Menge Oel; um dasselbe

zu gewinnen, übergiesst man den Brei mit siedendem Wasser und bringt

ihn dann von Neuem unter die Presse. Ungeachtet des zweimaligen

Auspressens bleibt immer noch Oel genug in den Oelkuchen oder

Oeltrestern (grignons) zurück, um die weitere Behandlung derselben

vortheilhaft zu machen. Das durch das zweite Auspressen gewonnene Oel

besitzt eine schöngelbe Farbe, hat aber eine grössere Neigung zum

Ranzigwerden als das Jungfernöl. Gewisse Sorten davon verwendet man in

der Türkischrothfärberei, zum Einfetten der Wolle behufs des

Vorspinnens u. s. w. Dasjenige, das zur ersten Anwendung fähig ist,

heisst =Tournantöl=, das zum Einfetten der Wolle dienende =Lampantöl=.

Ersteres reagirt sauer, enthält also freie fette Säuren, ist dick,

trübe und ranzig und besitzt die Eigenschaft, mit kohlensauren Alkalien

eine emulsionähnliche Flüssigkeit zu bilden, die in der

Türkischrothfärberei den Namen =Weissbad= führt. Ein dickes, unreines,

sogenanntes _Huile d'enfer_ scheidet sich in den Cisternen ab, in denen

man das zum Auspressen der Oliven benutzte Wasser aufbewahrt. Der

zweimal ausgepresste Brei wird nochmals gemahlen und darauf

ausgepresst. Das durch dieses Verfahren gewonnene Oel (=Nachöl=) eignet

sich nur zur Seifenfabrikation. Seit einer Reihe von Jahren hat man an

verschiedenen Orten die Extraktion des Olivenöls aus den Oliven

mittelst Schwefelkohlenstoff dem Auspressen vorgezogen.

Der =Thran= (Fischthran), aus dem Speck der Bartenwale oder Walfische,

der Potfische, der Delphine und hauptsächlich der Flossenfüssler

(Seehunde, Seelöwen, Walrosse) und anderer Seesäugethiere gewonnen, ist

verschieden je nach der Thierart und der Bereitungsweise. Er hat ein

spec. Gewicht von 0,927 bei 20°, scheidet bei 0° etwas festes Fett ab,

löst sich in grösseren Mengen Weingeist und besteht aus Oleïn, Stearin

und kleinen Mengen von Glyceriden der Valeriansäure und ähnlichen

flüchtigen fetten Säuren. Der Thran ist nicht nur ein wichtiges

Material der Seifenfabrikation, sondern dient auch zum Einfetten des

Leders, zur Fabrikation von sämischgarem Leder u. s. w. Das =Hanföl=,

aus den Hanfsamen (_Cannabis sativa_) gewonnen, welche etwa 25 Proc.

davon liefern, ist im frischen Zustande hellgrün, nimmt später eine

braungelbe Farbe an. Es dient hauptsächlich zur Bereitung der grünen

Seife. Das =Leinöl=, ebenfalls trocknend, wird aus dem Leinsamen

(_Linum usitatissimum_) gewonnen, der 22 Proc. giebt. Sein spec. Gew.

ist 0,9395 bei 12°. Es besteht zum grössten Theil aus einem ölartigen

Glyceride, das bei der Verseifung eine von der Oelsäure verschiedene

Säure liefert; es enthält auch etwas Palmitin. Das =Ricinusöl= von

_Ricinus communis_ verhält sich beim Verseifen dem Cocosnussöl sehr

ähnlich. Wenn die Ricinusstaude, wie in Frankreich und in Algerien die

Aussichten dazu vorhanden sind, eine ausgedehntere Cultur wird erfahren

haben, dürfte das Ricinusöl einige Wichtigkeit für die

Seifenfabrikation erlangen. Das =Rapsöl= giebt für sich, mit Alkalien

versotten, eine schlechte, schaumige und krümlige Seife; diese

unangenehmen Eigenschaften werden nach =Alex. Müller= beseitigt, wenn

man das Rapsöl vorher in =Rapselaidin= überführt, was auf folgende

Weise geschieht: Man giesst in einen hölzernen Bottich zu je 1 Ctr.

Rapsöl 1 Pfd. Salpetersäure, die mit 1-1/2-2 Pfd. Wasser verdünnt wird,

mischt einige eiserne Nägel hinzu und rührt Oel und die saure

Flüssigkeit mit einem hölzernen Spatel wiederholt durcheinander. Indem

die sich bildende salpetrige Säure auf das Oel einwirkt, erstarrt

dasselbe nach und nach zu einer gelben Fettmasse, welche nach einigen

Wochen, wenn die Consistenz nicht mehr zunimmt, direct mit Natronlauge

verseift werden kann. Die bei der Stearinkerzenfabrikation in grosser

Menge abfallende rohe =Oelsäure= (eine Auflösung von unreiner

Stearinsäure und Palmitinsäure in Oelsäure) ist gleichfalls ein

wichtiges Material zur Herstellung der Seife. Der bei der Destillation

des Terpentinöles bleibende, gelblich bis undurchsichtigschwarzbraune

Rückstand, das =Colophonium=, wird aus Nordamerika in grosser Menge

nach Europa gebracht und hier zur Fabrikation der Harzseife, zum Leimen

der Papiermasse und, mit Talg- und Oelseife vermischt, als =gelbe

Seife= verwendet.

[Sidenote: Lauge.]

Das zweite wichtige Rohmaterial der Seifensiederei bildet die =Lauge=,

eine wässerige Lösung von Aetzkali oder Aetznatron. Die Lauge hat nicht

nur insofern Bedeutung, als sie einen Bestandtheil der Seife ausmachen

soll, sondern auch weil sie durch ihre chemische Einwirkung auf die Fette

eine Zerlegung derselben und eine Umwandlung in Seifen bewirkt.

In der Regel stellt der Seifenfabrikant die Lauge selbst dar und zwar

früher meist mit Hülfe von Holzasche und Potasche, gegenwärtig meist

mittelst Soda. Die Umwandlung der Alkalicarbonate in ätzende geschieht

auf die gewöhnliche Weise mit Hülfe von gebranntem Kalk. Neuerdings

liefern indessen die chemischen Fabriken dem Seifenfabrikanten das

Aetznatron unter dem Namen =Soda=- oder =Seifenstein= (vergl. Seite 207)

fix und fertig.

Die Herstellung der Seifensiederlauge aus Holzasche geschieht auf

folgende Weise: Man bringt die gesiebte Asche auf den gepflasterten

Boden, besprengt dieselbe mit so viel Wasser, dass sie zusammenballt,

arbeitet sie mit einer Schaufel durcheinander und bildet daraus einen

Haufen. Nachdem man in den Aschenhaufen eine Vertiefung gemacht hat,

bringt man 1/10-1/12 Th. gebrannten Kalk in dieselbe und begiesst ihn

mit so viel Wasser, dass er sich löscht, während des Löschens wird er

mit Asche bedeckt. Nachdem der gelöschte Kalk mit der Asche gut

durcheinandergearbeitet ist, kommt die Masse zum Auslaugen in den

=Aescher=, ein aus Fassdauben oder auch aus Gusseisen bestehendes

Geräth, welches die Gestalt eines 1/4 von der Spitze abgeschnittenen

Kegels besitzt; an seinem Boden, nach der vordern Seite zu, befindet

sich ein Hahn. Inwendig trägt der Boden ein etwa fünf Zoll hohes

Holzkreuz, auf welchem ein zweiter durchlöcherter Boden liegt, so dass

zwischen den beiden Böden die Lauge sich ansammeln kann. Unter dem

Hahne befindet sich in der Regel ein grosser Behälter aus Holz oder

Eisen, welcher zum Aufnehmen der abfliessenden Lauge bestimmt ist. Die

fest gedrückte Masse in dem Aescher wird mit etwas Stroh bedeckt und so

oft mit Wasser begossen, bis nichts mehr davon aufgenommen wird. Darauf

wird der Hahn geöffnet und die abfliessende Lauge in dem Sumpfe

angesammelt. Man giesst von Zeit zu Zeit Wasser auf den Aescher nach,

bis das zuletzt abfliessende reines Wasser ist. Gewöhnlich gewinnt man

drei verschiedene Sorten von Lauge, nämlich 1) die =Feuer=- oder

=Meisterlauge= mit 18-20 Proc. Kaligehalt, 2) die =Abrichtelauge=,

welche 8-10 Proc. Kali, und 3) die =schwache Lauge=, welche nur 1-4

Proc. davon enthält. Die letztere Lauge wird bei der Anstellung eines

neuen Aeschers statt des blossen Wassers auf die auszulaugende Asche

gegossen. Das bei der Kryolithzersetzung auftretende =Natrium-Aluminat=

findet in Nordamerika unter dem Namen »_Natrona refined Saponifier_«

zum Verseifen Anwendung. Anstatt der ätzenden Alkalien lässt sich auch

=Schwefelnatrium= zur Verseifung anwenden.

[Sidenote: Theorie der Seifenbildung.]

=Theorie der Seifenbildung.= Man nahm früher an, dass die Fette und Oele

als solche die Eigenschaft besässen, sich mit den Alkalien zu verbinden,

bis =Chevreul= in seiner Untersuchung über die Fettsubstanzen die

Entdeckung machte, dass die Fette, wenn sie aus ihrer Seifenverbindung

ausgeschieden werden, andere Eigenschaften besitzen, als vorher. Dieser

Chemiker wies nach, dass alle Fette aus eigenthümlichen Säuren, der

Stearinsäure, Palmitinsäure (Margarinsäure) und Oelsäure als nicht

flüchtigen Säuren und gewisse riechende Fette ausserdem aus einer

gewissen Anzahl flüchtiger Fettsäuren, wie der Buttersäure, Caprin-,

Capron-, Capryl-, Valeriansäure u. s. w. und einer süssschmeckenden

Substanz bestehen, die zwar schon früher von =Scheele= entdeckt und

=Oelsüss= genannt, von =Chevreul= aber genauer untersucht und mit dem

Namen =Glycerin= bezeichnet wurde.

In Folge der Forschungen =Berthelot='s und anderer Chemiker nimmt man

an, dass alle in der Seifenfabrikation in Betracht kommende Oele und

Fette Aether des Glycerins C_{3}H_{8}O_{3} seien, welches letztere als

ein trivalenter Alkohol (C_{3}H_{5} / H_{3})} O_{3} angesehen wird. So

ist z. B. das Palmitin, welches den Hauptbestandtheil des Palmöles

ausmacht, Glyceryltripalmitat oder Tripalmitin, d. h. Glycerin, in

welchem 3 Atome Wasserstoff durch das Radical der Palmitinsäure ersetzt

sind: (C_{3}H_{5} / 3C_{16}H_{31}O)} O_{3}. Analog sind Stearin

(Tristearin) und Oleïn (Trioleïn) constituirt. Verseift man die Fette,

z. B. Palmöl, mit ätzenden Alkalien, z. B. mit Aetznatron, so zerfällt

das Fett (d. i. der Aether) in Alkohol (d. i. Glycerin) und in

Natriumpalmitat (d. i. Seife) nach folgender Gleichung:

Tripalmitin C_{3}H_{5} } O_{3} }geben{ Glycerin C_{3}H_{5} } O_{3}

3C_{16}H_{31}O } } { H_{3} }

und Aetznatron 3 NaOH } { und Seife (Natriumpalmitat)

3{ C_{16}H_{31}O } O

{ Na }

Das bei dem =Verseifungsprocess= (Saponification) sich bildende

Glycerin bleibt, nachdem die Seife abgeschieden, in der Lauge, die

gegenwärtig das Hauptmaterial zur Darstellung des werthvollen Glycerins

abgiebt. Fette, welche, wie die tropischen Pflanzenfette (Palmöl und

Cocosnussöl), die fetten Säuren zum Theil schon im freien Zustande

enthalten, lassen sich begreiflicherweise weit leichter verseifen, als

vollkommen neutrale Fette, wie Talg und Olivenöl, bei welchen die Lauge

zunächst erst eine Umsetzung in fette Säuren und Glycerin zu bewirken

hat. Die Oelsäure, das Nebenprodukt der Stearinkerzenfabrikation, lässt

sich schon durch Alkalicarbonat in Seife überführen, ebenso das

Colophonium, welches wesentlich aus einer Harzsäure, der Pininsäure,

besteht. Die Seifenbildung vermittelst Oelsäure und Colophonium ist

demnach kein eigentlicher Verseifungsprocess, weil das

Charakteristische desselben, die Glycerinbildung, fehlt. Die Zerlegung

eines Fettes durch Alkali geschieht nicht plötzlich und durch die ganze

Masse hindurch, wie die Zersetzung eines unorganischen Salzes, sondern

hat mehrere Phasen zu durchlaufen. Nachdem zuerst eine emulsionähnliche

Mischung der Fettsubstanz mit der Lauge sich gebildet hat, entstehen

saure fettsaure Salze, die die übrige Fettsubstanz suspendirt

enthalten, bis endlich nach und nach auch das freie Fett der Einwirkung

des Alkalis unterliegt und die sauren Salze in neutrale, in Seife

übergehen.

Mit Kaliumhydroxyd (Kalilauge) verseift bilden die Fette stets

=weiche=, mit Natriumhydroxyd (Natronlauge) stets =harte= Seifen. Man

theilt demnach die Seifen ein

[Greek: a]) in harte oder Natriumseifen,

[Greek: b]) in weiche oder Kaliumseifen;

man unterscheidet ferner je nach der angewendeten Fettsubstanz

Talgseife, Oelseife, Palmölseife, Oelsäureseife, Cocosnussölseife,

Thranseife, Harzseife u. s. w. In technischer Hinsicht kann man die

Seifen (die harten oder Natriumseifen) eintheilen in

1) Kernseife,

2) geschliffene Seife,

3) gefüllte Seife.

Die =Kernseife= hat davon ihren Namen, dass die fertige Seife nach der

Scheidung aus ihrer Lösung durch Kochsalz (durch das =Aussalzen=) zum

=Kern= zu sieden, d. h. zu einer gleichförmig geschmolzenen

blasenfreien Masse zu vereinigen ist, in welcher nach dem Erstarren

feine Krystallfäden wahrgenommen werden können. Die der Seife immer in

kleinen Mengen anhängenden Unreinigkeiten setzen sich in dem nicht

krystallisirenden Theile der Seife ab und bilden die natürliche

Marmorirung (=Fluss= oder =Faser=). Die regelrecht ausgesalzene Seife

sondert sich zuerst von der Unterlauge in Gestalt halbflüssiger,

rundlicher Klümpchen oder Kerne. Die Kernseife allein ist reine Seife,

indem sie durch die Operation des Aussalzens vom Glycerin und der

überschüssigen Lauge und anderen Unreinigkeiten, ferner von

überschüssigem Wasser befreit wurde. Die grosse Mehrzahl der

Seifenfabrikanten stellt gegenwärtig die Kernseife nicht mehr dar. Die

=geschliffene= oder =glatte Seife= entsteht durch das sogenannte

=Schleifen= der Kernseife. Lässt man nämlich die fertige Kernseife in

dem Siedekessel mit Wasser oder sehr schwacher Lauge sieden, so nimmt

die Seife einen Theil Wasser auf, verliert dagegen die Fähigkeit zu

krystallisiren oder eine Marmorirung anzunehmen. Es findet demnach bei

der Herstellung der geschliffenen Seife ebenso das Aussalzen und die

Abscheidung der hauptsächlichsten Unreinigkeiten statt, wie bei der

Kernseife, von welcher sich die geschliffene Seife nur durch einen

grösseren Wassergehalt unterscheidet. Die =gefüllte Seife=, gegenwärtig

leider die gebräuchlichste, ist die geringste aller Seifensorten, indem

eine solche Seife bei ihrer Bereitung nicht so weit ausgesalzen wurde,

dass sich die Unterlauge von der Seife getrennt hätte, wo also der

ganze Inhalt des Siedekessels zusammenbleibt, um als Seife verkauft zu

werden. Beim Erkalten erstarrt nämlich das Ganze zu einer festen Seife,

welche den bedeutenden Wassergehalt durch ihr Ansehen nicht verräth.

Diese Eigenthümlichkeit, selbst bei grossem Wassergehalt trocken und

hart zu erscheinen, besitzt besonders die Cocosnussölseife, weshalb

denn auch seit der allgemeinen Verbreitung des Cocosnussöles die

Anfertigung der gefüllten Seifen einen um so grössern Aufschwung

erhalten musste, als sie ihre wasserbindende Eigenschaft auch anderen

Seifen (Palmölseife, Talgseife u. s. w.) mittheilen. Seifen dieser Art

sind oft so stark gefüllt, dass eine Produktion von 250-300 Th.

frischer Seife aus 100 Th. Fett etwas ganz Gewöhnliches ist.

[Sidenote: Hauptsorten von Seife.]

=Hauptsorten von Seife.= Die deutsche =Talgkernseife= ist wesentlich ein

Gemenge von Natriumstearat mit Natriumpalmitat und wird meist auf

=indirectem= Wege dargestellt durch Verseifen von Talg mit Kalilauge und

Ueberführen des so entstandenen Kaliumstearates und -palmitates durch

Kochsalz (durch das Aussalzen) in die Natriumverbindung.

Der Siedekessel ist von der Form eines an der Spitze abgerundeten

Kegels; der untere Theil, der die Abrundung des Kegels bildet und mit

dem Feuer in Berührung kommt, besteht entweder aus genietetem

Eisenblech oder ist von Eisen gegossen. Der obere kegelförmige Theil,

der sogenannte =Sturz=, ist in der Regel aus Tannenholz gebildet und

hat die Gestalt eines sich nach oben erweiternden Fasses ohne Boden; in

neuerer Zeit besteht der Sturz nicht selten aus einer mit Cement

verputzten Mauerung. Der Sturz hat hauptsächlich zum Zweck, der während

des Siedens stark schäumenden Masse Raum zum Steigen zu verschaffen.

Man beabsichtige z. B. 10 Ctr. Talg in Seife umzuwandeln, so füllt man

den Kessel mit der erforderlichen Menge Feuerlauge (ungefähr 500 Liter)

von 20 Proc. (= 1,226 spec. Gewicht), giebt den Talg hinzu, bedeckt den

Kessel mit einem beweglichen Deckel und kocht die Masse unter

bisweiligem Umrühren fünf Stunden lang und trägt noch nach und nach

Feuerlauge nach. In diesem Zustande zeigt die Masse eine durchsichtige,

gallertartige Beschaffenheit und wird =Seifenleim= genannt. Wenn der

Seifenleim die gehörige Consistenz hat, so darf er auf Zusatz frischer

Lauge nicht dünner werden, von dem Rührspaten nicht tropfenweise,

sondern als ein zusammenhängender Strahl abfliessen, auf eine kalte

Stein- oder Metallplatte gegossen, zu einer dichten Gallerte erstarren.

Die Seifenleimbildung wird befördert, wenn man nicht auf einmal,

sondern nur nach und nach die Lauge zugiebt. Nach den Untersuchungen

von =Mège-Mouriès= kann man jedoch das ganze Laugenquantum auf einmal

zusetzen, wenn man das Fett zuvor durch Eigelb, Galle, eiweissartige

Körper oder Seife emulsionirt oder in den kugelförmigen Zustand (état

globulaire) versetzt hat. Wie =Fr. Knapp= gezeigt, ist es auf alle

Fälle vortheilhaft, das Fett mit der erforderlichen Laugenmenge in

Emulsion zu verwandeln, die Mischung längere Zeit ohne Erwärmen oder

bei etwa 50° C. stehen zu lassen und die so auf kaltem Wege

vorgebildete Seife durch eine kurze nachträgliche Behandlung in der

Siedehitze nun zu vollenden. Nimmt man die Verseifung mit Natronlauge

vor, so bedient man sich einer Lauge von 10-12° B. (= 1,072-1,088 spec.

Gewicht). Nachdem die Verseifung erfolgt ist, schreitet man zum

=Aussalzen=, welches darin besteht, der heissen Masse Kochsalz

zuzusetzen. Man rechnet auf 100 Pfd. Talg 12-16 Pfd. Salz. Die Masse

wird im Sieden erhalten, bis der Seifenleim zu einer weissen

griesartigen Masse geronnen ist und sich unter derselben eine klare

Flüssigkeit, die sogenannte =Unterlauge=, abscheidet, welche abgelassen

wird. Ist eine Vorrichtung zum Ablassen nicht vorhanden, so schöpft man

die Seife in den Kühlbottich. Der Zweck des Aussalzens ist, die

Kaliumseife durch das Kochsalz zum Theil in Natriumseife zu verwandeln,

indem sich Chlorkalium bildet, das neben im Ueberschusse angewendetem

Kochsalze in der Mutterlauge gelöst bleibt; ausserdem bewirkt das

Aussalzen, dass die Seife von der Unterlauge und dadurch von einer

Wassermenge befreit wird, welche die späteren Laugenzusätze bis zur

Unwirksamkeit verdünnen würde. Der gewonnene Seifenleim kommt darauf in

den Kessel zurück; es wird schwächere Lauge, die Abrichtelauge, darauf

gegossen und bis zum Sieden erhitzt. Die Seife löst sich abermals zu

einem klaren Leime auf, der aber zum grössten Theil aus

Natronseifenleim besteht. Während des Siedens wird fortwährend

Abrichtelauge zugegeben. Ehe dies aber geschieht, ist ein wiederholtes

Aussalzen erforderlich. Früher, bei Anwendung roher und sehr unreiner

Materialien, war man oft genöthigt, das Aussalzen vier bis fünf Mal zu

wiederholen. Durch das Einkochen wird die Seife immer mehr und mehr

concentrirt, sie wird zuerst weich, blasenwerfend (zach) und

aufsteigend. Sobald das Schäumen aufhört, die Seife aufpoltert und im

Kerne siedet, schöpft man sie von Neuem von der Unterlauge hinweg in

die Kühlbütte. Der Zweck dieses zweiten Siedens ist, die Seife, welche

bis dahin eine schaumige Beschaffenheit besass, zu einer gleichmässig

geschmolzenen und blasenfreien Masse zu vereinigen. Diese Vereinigung

befördert man, indem man die Masse vor dem Erkalten mit einem eisernen

Stabe schlägt (=Kerben der Seife=). Durch das Schlagen wird die Seife

marmorirt und erhält die sogenannten Mandeln oder Blumen. Die fertige

Seife wird nun gefärbt. Zu diesem Zwecke bringt man sie noch flüssig in

die =Seifenform= oder =Lade=, einen viereckigen Kasten aus Tannenholz,

der zum Auseinandernehmen eingerichtet ist, und lässt sie darin

erkalten. Der durchlöcherte Boden der Form ist mit Leinwand bedeckt,

damit die der Seifenmasse noch beigemengte Lauge abfliessen kann. Nach

dem Erkalten wird die Form auseinandergenommen, die fertige Seife

mittelst eines Lineals abgetheilt und mit dem aus Draht gefertigten

=Seifenschneider= in Tafeln oder Riegel geschnitten, die zum völligen

Austrocknen einem luftigen Orte ausgesetzt werden. In neuerer Zeit

wendet man auch eine Maschine von =Lesage= zum Zerschneiden der Seife

in Stücke an. 10 Ctr. Talg geben durchschnittlich 16-2/3 Ctr. Seife,

die an der Luft noch um 10 Proc. eintrocknet.

Da selbst durch wiederholtes Aussalzen eine vollständige Umwandlung der

Kaliumseife in Natriumseife nicht stattfindet, so ist die gewöhnliche

deutsche Kernseife immer mit einer grossen Menge Kaliumseife gemengt,

welche ihr eine beim Gebrauch angenehme Geschmeidigkeit verleiht. Nach

von =A. C. Oudemans= (1869) angestellten Versuchen wird sogar nur etwa

die Hälfte des Kaliums durch Natrium ersetzt.

[Sidenote: Baumölseife.]

Die =Baumölseife=, auch Marseiller, venetianische oder spanische Seife

genannt, wird in südlichen Gegenden, in denen der Oelbaum cultivirt

wird, mit Baum- oder Olivenöl bereitet, zu welchem man häufig andere

Oele, wie Leinöl, Mohnöl, Sesamöl, Erdnussöl, Baumwollsamenöl etc.

gesetzt hat. Man wendet bei der Herstellung der Baumölseife zwei Arten

von Lauge an: die eine davon enthält nur Aetznatron und wird zum

Vorsieden benutzt; die zweite enthält neben Aetznatron noch Kochsalz

und dient zum Abscheiden des Seifenleims und zum Klarsieden der Seife.

Das =Vorsieden= soll die Bildung einer Emulsion, aus Oel und verdünntem

Alkali bestehend, bewirken; diese Emulsion befördert, wie man lange vor

=Mège-Mouriès=' Untersuchungen wusste, die Seifenbildung, indem sie das

mit Wasser nicht mischbare Oel in einem fein vertheilten Zustande

enthält, wodurch die Berührungspunkte mit dem Alkali beträchtlich

vergrössert werden. Um den Seifenleim von einem grossen Theil des mit

der Natronlauge zugesetzten Wassers zu befreien, wendet man

kochsalzhaltige Natronlauge an, durch welche sich der Seifenleim, ein

Gemenge von fertiger Seife und Oelemulsion, von dem Wasser trennt (das

=Ausscheiden des Seifenleims=, relargage). Die dritte Operation, das

=Klarsieden= endlich, vollendet die Verseifung des Seitenleims. Durch

die Anwendung von kochsalzhaltiger Natronlauge ist man im Stande, die

Seifenmasse in einem solchen Zustande zu erhalten, in welchem sie

Alkali aufnehmen kann, ohne jedoch dabei Wasser zu binden.

Das =Vorsieden= geschieht mit einer Aetznatronlauge von 6 bis 9° B. (=

1,041-1,064 spec. Gewicht) in grossen Kesseln mit geneigten Wänden und

kupfernen Boden, welche gegen 250 Ctr. fassen können. Man erhitzt die

Lauge bis zum Sieden und setzt dann das zu verseifende Oel hinzu. Zur

Beförderung der Verbindung wird von Zeit zu Zeit umgerührt. Die Masse

gelangt bald ins Sieden und schäumt. Nach und nach nimmt der Schaum ab

und verschwindet endlich gänzlich. Durch fortgesetztes Sieden erlangt

die Masse Consistenz und es steigen schwärzliche Dämpfe auf, von der

Zersetzung eines kleinen Theiles des consistenten Seifenleimes durch

den überhitzten Kupferkessel herrührend; sowie dieser Zeitpunkt

eingetreten ist, verdünnt man die Masse mit stärkerer Lauge von 20° B.

(= 1,157 spec. Gewicht). Beabsichtigt man die Fabrikation von

bläulichweisser Seife, so setzt man gegen das Ende des Siedens etwas

Eisenvitriol in den Kessel; je mehr man Eisenvitriol anwendet, desto

dunkler fällt die blaue Farbe der Seife aus. Nachdem die Masse die

gehörige Consistenz erlangt hat und vollkommen homogen geworden ist,

ist die Operation des Vorsiedens beendigt. Wollte man die Verseifung

nun dadurch zu vollenden suchen, dass man der Masse stärkere Lauge

hinzusetzte, so würde man zu keinem Resultate gelangen, weil die grosse

Wassermenge, welche man in Gestalt von Vorsiedelauge der Masse

zuzusetzen genöthigt war, die starke Lauge bis zur Unwirksamkeit

verdünnen würde. Es folgt daraus die Nothwendigkeit, diese Wassermenge

abzuscheiden, was durch den Zusatz von kochsalzhaltiger Lauge

geschieht. Durch das =Aussalzen= scheidet sich der Seifenleim in

Flocken und zwar nach einigen Stunden so vollständig ab, dass die

Unterlauge durch eine am Boden des Kessels befindliche Oeffnung, die

gewöhnlich mit einem hölzernen Zapfen verschlossen ist, abgelassen

werden kann. Nach dem Abziehen beginnt das =Klarsieden der Seife= mit

kochsalzhaltiger Lauge von 18-20°. Nachdem das Gemenge einige Stunden

lang gekocht hat, wird die Unterlauge abermals abgezapft und durch neue

kochsalzhaltige Lauge von 20-28° ersetzt. Durch fortgesetztes schwaches

Kochen erlangt die Seife nach und nach eine gewisse Consistenz; sie ist

aber bei weitem noch nicht gargesotten. Sobald die Lauge alles Alkali

an das Oel abgegeben hat, wird die Unterlauge zum dritten Male

abgezogen und neue Lauge zugegeben. Das Ablassen und Nachgiessen wird

nach Umständen 4-6 Mal wiederholt. Ist die Seife gargesotten, so lässt

sie ein cohärentes Korn wahrnehmen; sie hat ferner den Oelgeruch

verloren und einen angenehmen, entfernt an Veilchen erinnernden dafür

angenommen. Der Kern auf der Hand plattgedrückt, breitet sich nach dem

Erkalten zu einer festen, schuppigen Masse aus. Nach dem letzten

Laugenzusatz soll das Sieden des Seifenleims während des Winters 10-12

Stunden lang, während des Sommers 12-18 Stunden lang fortgesetzt

werden. Die gargesottene Seife erstarrt beim Erkalten zu einer

homogenen blaugraugefärbten Masse, deren Farbe von Schwefeleisen

(entstanden durch den zugesetzten Eisenvitriol und das Schwefelnatrium

der Natronlauge) und Eisenseife herrührt. Diese bläuliche Färbung ist

aber für das Auge nicht angenehm, man sucht deshalb diese Färbung in

Adern hervorzubringen, was durch =Marmoriren= geschieht. Die Eisenseife

ist bei niedriger Temperatur in dem gargesottenen Seifenleime nicht

löslich, sie scheidet sich deshalb beim ruhigen Stehen der Seifenmasse

am Boden des Gefässes aus, während der obere Theil aus weisser Seife

besteht. Rührt man nun die Seife, anstatt sie während des Erkaltens

ruhig stehen zu lassen, zu der rechten Zeit um, so wird sich die

gefärbte Eisenseife, anstatt sich am Boden abzusetzen, in der Masse

verbreiten und bläuliche Adern bilden, welche man durch das Marmoriren

zu erhalten sucht. In englischen Fabriken geschieht das Marmoriren

dadurch, dass man zu der fast gargesottenen Seife eine concentrirte

Lösung von roher schwefelnatriumhaltiger Soda setzt; durch Umrühren der

vorher mit Eisenvitriol versetzten Masse entsteht die Marmorirung. Die

fertige Seife wird aus dem Kessel genommen, in lange, hölzerne, etwas

geneigt gestellte Formen geschöpft und in denselben erkalten gelassen.

Nach acht bis zehn Tagen hat die Seife die erforderliche Consistenz

erlangt. Durch die Einwirkung der atmosphärischen Luft gehen das

Schwefeleisen und die Eisenseife allmälig in Eisenoxydseife über,

wodurch die Adern oberflächlich eine bräunlich gelbe Färbung annehmen.

Bei sorgfältiger Arbeit liefert eine Millerole Olivenöl (= 64 Liter

oder 58-60 Kilogr.) 90-95 Liter Kernseife. Bei der Fabrikation der

=weissen Oelseife= ist der Gang derselbe, nur müssen Lauge und Oel

besonders rein sein.

Eine normale Marseiller Marmorseife soll enthalten:

I. II.

Fette Säuren 63 62

Alkali 13 11

Wasser 24 27

------------

100 100

[Sidenote: Oelsäureseife.]

Die =Oelsäureseife= oder =Oleïnseife= wird aus der rohen Oelsäure

dargestellt, die als Nebenprodukt der Stearinkerzenfabrikation

auftritt, falls man sich zur Verseifung des Talgs und des Palmöles des

Kalkes bedient. Die nach dem Destillationsverfahren erhaltene Oelsäure

ist zur Seifendarstellung minder geeignet. Die Oelsäure wird entweder

mit kohlensaurem Natrium oder mit Aetznatron in Seife übergeführt. Das

erstere Verfahren hat den Uebelstand, dass durch die Kohlensäureabgabe

ein starkes Aufschäumen stattfindet, was leicht ein Uebersteigen zur

Folge hat. Nach =Pitman= soll man die Oelsäure mit trockenem

krystallisirten Natriumcarbonat durch Erhitzen in Seife überführen.

Dies geschieht in einem Kessel, welcher entweder durch freies Feuer

erhitzt wird oder besser mit einem =Morfit='schen Quirl, durch welchen

sowol mit Hülfe des durch die Röhren des Quirls geleiteten Dampfes die

Erhitzung, als auch das Umrühren der Masse erfolgt, versehen ist. Der

Kessel wird bis zu einem Drittheil mit Oelsäure angefüllt und diese

erhitzt, wobei man 5 Proc. Harz zusetzt. Für feinere Seifen nimmt man

von dem Harz Umgang. Ist das Harz in der Oelsäure vollständig gelöst,

so setzt man nach und nach das gepulverte Natriumcarbonat hinzu, indem

man den Quirl langsam sich umdrehen lässt und mit dem Erhitzen

fortfährt. Ist das erforderliche Quantum Soda zugesetzt, hat das

Schäumen aufgehört und ist die Masse dick geworden, so füllt man sie in

eine Form, in welcher sie beim Erkalten zu fester Seife erstarrt. Bei

Anwendung von Aetznatron bringt man die Hälfte der erforderlichen Lauge

von 20-25° B. (= 1,15-1,20 spec. Gewicht) in den Kessel und erhitzt bis

zum Sieden. Dann setzt man unter Umrühren die Oelsäure zu. Nachdem die

Leimbildung vor sich gegangen, siedet man unter Zusatz von neuer Lauge

weiter, bis die Seife sich ausscheidet, was durch Kochsalzzusatz

wesentlich erleichtert wird. Sowie die Unterlauge sich abgeschieden,

wird die Seife in die Form geschöpft und gekrückt, bis sie starr zu

werden beginnt. Nicht selten setzt man der Oelsäureseife, um ihr

grössere Härte zu geben, ein kleines Quantum (5-8 Proc.) Talg zu. 100

Kilogr. bei der Kalkverseifung erhaltene Oelsäure geben 150-160 Kilogr.

Seife. Durch Destillation gewonnene Säure giebt stets etwas weniger.

Eine gute französische Oelsäureseife enthält:

Fette Säuren 66

Natron 13

Wasser 21

---

100

[Sidenote: Harztalgseife.]

=Gelbe Harztalgseife.= Das Colophonium und das gewöhnliche Fichtenharz

verbinden sich in der Siedehitze leichter als die Fette mit Alkalien

und selbst mit kohlensauren. Die auf diese Weise erhaltene Verbindung

ist aber nur uneigentlich Seife zu nennen. Sie hat keine Consistenz und

kann nicht ohne Nachtheil zum Einseifen gebraucht werden. Ein ganz

anderes Produkt wird erhalten, wenn man zu dem Harz eine gewisse Menge

Talg mischt; man erhält dann die sogenannte gelbe =Harztalgseife=.

Diese in England in grosser Menge fabricirte Seife ist sehr consistent

und in Wasser leicht löslich. Zu ihrer Darstellung bereitet man zuerst

gewöhnliche Talgseife und erst wenn dieselbe gargesotten worden ist

setzt man 50-60 Proc. ausgesuchtes Harz, das vorher zur Beschleunigung

der Verbindung in kleine Stücke geschlagen worden ist, hinzu. Man rührt

die Masse um, bis das Harz vollständig aufgelöst und verseift ist. Der

Seifenleim nimmt eine schöne gelbe Farbe an und wird etwas dünnflüssig

und gleichartig. Ist gargesotten, so zieht man die Unterlauge ab und

giesst den Seifenleim in einen Kessel, wo er mittelst einer Lauge von

7-8° geschmolzen und auf gleiche Weise wie die weisse Seife gereinigt

wird. Es scheiden sich Eisen- und Thonerdeseife ab, der entstandene

Schaum wird abgenommen und die Seife in hölzerne oder weissblechene

Formen zum Erstarren gegossen. Man verbessert die braune Farbe der

Harztalgseife gewöhnlich durch Zusatz von =Palmöl= zum Talg, wodurch

die Seife auch einen angenehmen Geruch erhält. Das Palmöl wird

gewöhnlich nur als Zusatz zum Talg benutzt, jedoch stellt man auch aus

reinem Palmöl Seife unter gleichzeitigem Zusatz von Colophonium dar.

Die in Deutschland häufig dargestellte =Palmölseife= ist hinsichtlich

der Bereitung der Harztalgseife sehr ähnlich. Man verseift ein Gemenge

von 2 Th. Talg und 3 Th. Palmöl mit Kali- oder Natronlauge auf die

gewöhnliche Weise und mischt die fertige Seife mit einer Harzseife, aus

1 Th. Harz und der nöthigen Menge Kalilauge bereitet.

[Sidenote: Gefüllte Seifen.]

=Gefüllte Seifen.= Die Thatsache, dass dem mit Natronlauge bereiteten

Seifenleim eine gewisse Menge Wasser einverleibt werden kann, ohne sein

Aussehen wesentlich zu beeinträchtigen, sowie das Bestreben des

Publikums, trotz der gesteigerten Preise der in der Seifenfabrikation

angewendeten Fette, den Bedarf an Seife so wohlfeil als möglich sich zu

verschaffen, hat die Veranlassung gegeben, dass viele Seifenfabrikanten

nur noch =gefüllte Seifen= (vergl. Seite 269) fabriciren und auf die

Herstellung von Kernseife geradezu verzichten. Die gefüllten Seifen sind

nicht so weit ausgesalzen, dass sich die Unterlauge von dem Seifenleim

abgeschieden hätte; es bleibt demnach der ganze Kesselinhalt beisammen,

um als Seife verkauft zu werden. Da die der Seife einverleibte Unterlauge

nun wesentlich neben Glycerin und Salzen aus Wasser besteht, so ist

demnach Wasser derjenige Stoff, durch den sich der Seifenfabrikant für

den gesteigerten Preis der Fettsubstanzen schadlos zu halten sucht. Diese

Art Seife, auch =Eschweger Seife= (Schweizerseife, künstliche Kernseife)

genannt, erscheint in ihrem frischen, wasserreichen Zustande vollkommen

hart und trocken und hat durch die geringere Quantität des verwendeten

Fettes einen im Vergleich mit der Kernseife geringeren Preis, ein

Umstand, der ihr zahlreiche Freunde zugeführt hat. Man versteht es, aus

100 Kilogr. Fettsubstanz über 300 Kilgr. anscheinend guter und harter

Seife zu erzielen; wenn nun auch die gegenwärtig im Handel vorkommenden

Seifen nicht so stark gefüllt sind, so ist doch eine Produktion von

200-220 Th. frischer Seife aus 100 Th. Fett etwas ganz Gewöhnliches.

Namentlich das Cocosnussöl, welches seit dem Jahre 1830 in grösserer

Menge in der deutschen Seifenfabrikation verbraucht wird, eignet sich zu

gefüllten Seifen, indem es anderen Fetten die Eigenschaft ertheilt,

gefüllte Seifen zu bilden.

Der Verlauf bei der Fabrikation der =Cocosnussölseife= ist ein etwas

anderer, als bei den vorher erwähnten Seifen. Mit schwachen Laugen

bildet das Cocosnussöl nicht jenes milchartige Gemisch, das man bei

anderen Seifensorten bemerkt, sondern das Oel schwimmt als klares Fett

obenauf, nur wenn durch fortgesetztes Sieden die Lauge die gehörige

Consistenz erreicht hat, tritt die Verseifung ein und geht plötzlich

und rasch vor sich. Deshalb wendet man zur Darstellung dieser

Seifensorte sogleich eine starke Natronlauge an. Die Cocosnussölseife

lässt sich nicht von der Unterlauge trennen, weshalb nie Kalilauge

angewendet werden darf, weil sonst alles beim Aussalzen entstehende

Chlorkalium mit in die Seife übergehen würde. Man muss, da hierbei eine

Trennung der Seife von der Lauge nicht stattfindet, nur die genau

nothwendige Menge Aetzlauge anwenden. Reine Cocosnussölseife erhärtet

schnell. Sie ist weiss, alabasterartig, durchscheinend, leicht und gut

schäumend, jedoch von widrigem Geruch, der bis jetzt noch durch kein

Mittel entfernt werden konnte. Gegenwärtig wird indessen das

Cocosnussöl nur selten für sich, sondern als Zusatz zu Palmöl und Talg

verseift. Man kann auf diese Weise Seife ohne alles Sieden, durch

blosse Erwärmung bis auf 80° C. durch Einleiten von Dampf bis zum

Schmelzen des Fettes, mit starker Natronlauge und durch fleissiges

Umrühren in kurzer Zeit in grosser Quantität darstellen (=Seife auf

kaltem Wege=, =chemische Seife=). Die so erhaltene Seife ist, obgleich

sehr wasserhaltig, hart und vollkommen trocken. Bei längerem,

monatelangem Liegen an der Luft tritt allerdings eine nicht

unbeträchtliche Gewichtsabnahme und eine geringe Volumenverminderung

ein und es entstehen auf der Oberfläche reichliche Efflorescenzen. =B.

Unger= (1869) schlägt vor, die Eschweger Seife in folgender Weise

darzustellen: Man verseift einerseits Palmöl mit Natronlauge und salzt

wie gewöhnlich aus. Das Produkt ist Natriumpalmitat. Andererseits

verseift man Cocosöl mit kohlensäurehaltiger Aetznatronlauge, fügt die

Palmölseife hinzu und kocht. In der Regel nimmt man auf 2 Th. Palmöl 1

Th. Cocosöl. Auf 100 Th. Cocosöl rechnet man 14,3 Th. Aetznatron

(Na_{2}O) und 12,8 Th. Natriumcarbonat. Letzteres ist unumgänglich

nöthig zur Seifenbildung. Nach =Unger='s Ansicht besteht die Eschweger

Seife aus 5 Mol. fettsaurem Natrium, 1 Mol. Natriumcarbonat und x Mol.

Wasser, wobei x eine hohe, aber keineswegs schwankende Zahl ist. Den

gefüllten Seifen giebt man häufig eine künstliche Marmorirung, welche

natürlich nicht auf eine Bildung von Kern sich gründet, sondern eine

einfache Färbung ist, die in folgender Weise ausgeführt wird: Man

bringt die färbende Substanz (Eisenroth, Braunroth, Frankfurter

Schwarz) in eine kleine Menge der Seife, so dass diese durch und durch

gleichmässig gefärbt erscheint. Diese Masse wird nun abwechselnd mit

der nicht gefärbten so in die Form geschöpft, dass Schichten von

ungleicher Dicke sich bilden, denen durch Umrühren leicht eine

Marmorirung ertheilt werden kann. Eine solche Marmorirung lässt sich

indessen leicht von der durch natürlichen Fluss gebildeten

unterscheiden.

[Sidenote: Weiche Seifen.]

Wie oben erwähnt, bildet das Kali mit den Fetten, sowohl mit den festen,

als auch mit den Oelen, nur =weiche Seifen= (Schmierseifen), welche an

der Luft nicht austrocknen, sondern aus derselben Wasser an sich ziehen

und eine Gallerte bilden. In der Regel sind diese sogenannten Seifen

unreine Lösungen von Kaliumoleat in überschüssiger Kalilauge, gemengt mit

dem bei der Verseifung ausgeschiedenen Glycerin. Die weichen Seifen

können daher nur mit Kalilauge bereitet werden, obgleich man aus

praktischen Gründen fast immer einen Theil Kalium durch Natrium ersetzt.

Das Aussalzen fällt hinweg, da sonst die weiche Seife in harte

Natriumseife übergeführt würde, was man nicht beabsichtigt; es erfolgt

somit keine Trennung des Seifenleims von der Unterlauge, die mit all'

ihren Unreinigkeiten der Seife einverleibt bleibt.

In Folge der grossen Löslichkeit und der alkalischen Beschaffenheit der

weichen Seife, erhält sie für gewisse Anwendungen den Vorzug vor der

Natriumseife, so unter Anderem zum Walken und Entfetten des Tuches und

anderer Wollzeuge. Zur Herstellung der Lauge wendet man nie Holzasche,

sondern immer die weit reinere Potasche an; man macht sie auf die

gewöhnliche Weise mit Aetzkalk kaustisch und bereitet Laugen von

verschiedenem Gehalt; die schwächere, sogenannte =Verbindungslauge=,

darf blos Aetzkali enthalten, die stärkere, die =Sprenglauge=, enthält

neben Aetzkali auch noch Kaliumcarbonat, da die Praxis gelehrt hat,

dass die Verseifung der Oele leichter geschieht, wenn die Laugen eine

gewisse Menge Kaliumcarbonat enthalten. Von den Fettarten wendet man

folgende an: Thran (namentlich Südseethran), Hanföl, Rüböl, Leinöl und

Leindotteröl. Die Wahl der Fette richtet sich theils nach dem Preise,

theils nach der Jahreszeit; im Winter verarbeitet man die sogenannten

=weichen= oder =warmen Oele=, welche bei 0° noch nicht gestehen wie das

Hanföl, das Lein- und Leindotteröl, das Sommerrübsenöl u. s. w.; im

Sommer dagegen die =harten Oele=, wie Winterrübsenöl, Südseethran und

Häringsthran. Damit demnach die weiche Seife im Sommer keine zu weiche

Beschaffenheit habe, muss in derselben mehr Kaliumpalmitat im

Verhältniss zum Oleat sein als bei der Winterseife. Häufig verseift man

ein Gemenge verschiedener Oele oder von Hanföl mit Palmöl oder Talg,

von Thran und Talg u. s. w.

Das Sieden der weichen Seife beginnt mit einer mässig starken Lauge von

8-10 Proc. Kaligehalt, wobei sich anfänglich eine Art Emulsion bildet,

die nach und nach ihre trübe Beschaffenheit verliert und zugleich mehr

fadenziehend wird. Das Ueberschäumen der Seife wird durch Schlagen mit

einem Rührscheit (das =Wehren=) verhindert. Sobald alles Kali der Lauge

gebunden ist, wird neue und zwar stärkere Lauge zugesetzt und mit dem

Sieden und dem Laugenzusatz fortgefahren, bis die Seife beim Erkalten

nicht mehr trübe wird und zu einer klaren zähen Masse erstarrt. Enthält

die Seife einen zu grossen Ueberschuss an Aetzkali, was am einfachsten

durch den Geschmack wahrgenommen werden kann, so setzt man eine

entsprechende Menge Oel zu. Nachdem das =Vorsieden= vorüber, beginnt

das =Klarsieden=, durch welches das überschüssige Wasser entfernt

werden soll. Zur Vermeidung des langwierigen Abdampfens ziehen es

mehrere Fabrikanten vor, sogleich concentrirte Lauge zum Verseifen

anzuwenden. Sobald die Seife während des Klarsiedens einen Theil des

Wassers verloren hat, bemerkt man statt des blossen Aufwallens auf der

Oberfläche die Bildung handgrosser Blätter, welche sich über- und

ineinanderschieben (das =Blättern der Seife=). Nimmt eine

herausgenommene Probe der Seife beim vollkommenen Erkalten auf einer

Glasplatte eine so zähe Beschaffenheit an, dass sie von dem Glase

abgezogen werden kann, so ist die Seife fertig. Nach dem Erkalten wird

sie, in Tonnen gefüllt, in einem Kellerlokale aufbewahrt.

Der Schmierseife kann ein ziemliches Quantum Natronwasserglaslösung

einverleibt werden, ohne dass ein Aussalzen eintritt oder die Seife ein

verändertes Ansehen zeigt. In neuerer Zeit wendet man zum Füllen von

Schmierseifen auch Lösungen von Kaliumsulfat, ferner ein Gemenge von

Alaun und Kochsalz oder auch, und zwar vorzugsweise, Kartoffelstärke

an.

[Sidenote: Verschiedene andere Seifen.]

=Verschiedene andere Seifen.= Andere weiche Seifen sind eine aus

=Schweinefett= dargestellte, welche mit dem ätherischen Oele der

bittern Mandeln oder der Mirbanessenz (Nitrobenzol) versetzt als

=Mandelseife= kosmetischen Zwecken dient; ferner eine in England

versuchsweise fabricirte =Fischseife= aus Fischen, Talg und Harz;

=Wollseife=, nach =Chaptal= aus Scheerwolle, Kalilauge u. s. w. Die

sogenannte =Knochenseife= ist nichts als ein Gemenge von gewöhnlicher

Harz- oder Cocosnussölseife mit Knochengallerte. Zur Fabrikation dieser

Seife worden Knochen mit Salzsäure behandelt, um das darin enthaltene

Calciumphosphat aufzulösen und die zurückbleibende, mit Wasser gut

ausgewaschene Gallerte zu dem Seifenleim während des Siedens gegeben.

Eine andere Art Knochenseife ist die =Liverpool-Armenseife=, welche

sämmtliche Bestandtheile der Knochen, also nicht nur die Gallerte,

sondern auch die Knochenerde enthält. Die in Stücke zerschlagenen

Knochen werden mit Kalilauge erweicht und die erweichte Masse unter

fortwährendem Sieden mit dem zu verseifenden Oele gemischt. Da es bei

der Knochenseife darauf abgesehen ist, dem Unbemittelten für wenig Geld

ein grosses Stück Seife zu liefern, so fällt natürlicherweise bei deren

Fabrikation das Aussalzen und Abscheiden von der Mutterlauge weg. Die

=Kieselseife= ist gewöhnliche Oel- oder Talgseife, in welche man, um

sie ersparender zu machen, Kieselerde eingerührt hat. Anstatt der

Kieselerde setzt man auch gepulverten Bimsstein hinzu und erhält die

=Bimssteinseife=. In England und in Nordamerika stellt man die

Kieselseife dar, indem man die Kieselerde nicht mechanisch, sondern als

Wasserglaslösung der Seife zumischt. Nach Versuchen von =Seeber= kann

jedoch eine Vormischung der harten Talg- und Oelseifen mit Wasserglas

nur in geringem Grade stattfinden, da bei grösseren Mengen ein

Aussalzen eintritt. Anders verhält sich die Cocosnussölseife, welche

bei einem Gehalt von 24 Proc. kieselsaurem Natron und 50 Proc. Wasser

noch eine merkwürdige Härte zeigt. Wie =Storer= angiebt, stellt man in

den Vereinigten Staaten wasserglashaltige Seifen in der Weise dar, dass

man das Wasserglas zu der aus dem Kessel in die Form geschöpften noch

heissen Seifenlösung setzt und hierauf die Mischung bis beinahe zum

Erstarrungsmomente tüchtig durcheinander rührt. Von dem Wasserglas,

welches eine Dichte von 35° B. (= 1,31 spec. Gewicht) hat, werden 25

bis 40, ja sogar 60 Proc. zu der Seifenlösung gesetzt. Diese Art der

Wasserglasseife soll die Harzseife vollständig ersetzen können. Seitdem

durch die Verarbeitung des Kryoliths Natrium-Aluminat massenhaft

auftritt, bedient man sich einer Lösung desselben zur Herstellung einer

thonerdehaltigen Seife.

[Sidenote: Toiletten-Seifen.]

=Toilettenseifen.= In England bereitet der Toilettenseifenfabrikant in

Folge der Steuergesetze seine Seife nur in seltenen Fällen selbst,

sondern bezieht sie von dem eigentlichen Seifenfabrikanten und

verwandelt sie durch Umschmelzen, Parfümiren und Formen in die

Toilettenseife. Die feineren Sorten der englischen Toilettenseife

besitzen daher neben den ihnen eigenthümlichen Vorzügen auch noch alle

guten Eigenschaften der gewöhnlichen Seife. In Frankreich und Deutschland

dagegen wird die Seifenmasse in der Regel von dem Parfümisten selbst und

zwar meist durch das sogenannte kalte Verfahren erzeugt, nach welchem es

äusserst schwierig ist, eine gute Toilettenseife zu erzielen. Denn

abgesehen davon, dass das Produkt bei unvollkommener Verseifung nicht

schäumt, hat die Gegenwart von freiem Alkali erfahrungsgemäss noch den

Uebelstand, dass sich die verwendeten ätherischen Oele unter dessen

Einfluss vielfach rasch verändern und dass das Aroma der Seifen nach

kurzer Zeit abstirbt. Eine völlig neutrale, kein überschüssiges Fett und

Alkali enthaltende Seife kann durch das kalte Verfahren nur nach langer

Erfahrung gewonnen werden, indem man stets bedacht ist, die Materialien

von immer gleicher Beschaffenheit zu wählen.

Man stellt die Toilettenseife auf dreierlei Weise dar, nämlich:

1) durch Umschmelzen von Rohseife,

2) durch die sogenannte kalte Parfümirung von fertiger geruchloser

Seife.

3) durch directe Bereitung.

Die =Methode des Umschmelzens= wird einfach auf diese Weise ausgeführt,

dass man die feingehobelte Seife unter fortwährendem Umkrücken in einem

Kessel schmilzt und nach dem vollständigen Schmelzen der Seife die

Riechstoffe zusetzt und das Ganze gehörig mischt, ehe man es in die

Form bringt. Nach dem =Verfahren der kalten Parfümirung= wird die kalte

geruchlose Seife in Riegel geschnitten, diese werden auf einer Maschine

in Späne verwandelt, diese mit den Riechstoffen übergossen, mit den

Pigmenten versehen und zwischen Walzen malaxirt, bis die Seife

gleichmässig gefärbt und parfümirt erscheint. Die Maschine verwandelt

die Seifenmasse in breite Tafeln von beliebiger Dicke. Eine hierzu

verwendbare Maschine -- =Pilirmaschine= -- ist von =Fr. Struve= in

Leipzig construirt worden. Die vermittelst derselben dargestellten

Seifen heissen =gestossene oder pilirte Seifen=. Bei der =directen

Bereitung= der Toilettenseifen wird der aus den reinsten Materialien

selbst bereiteten Seife das Aroma und das Pigment in noch weichem

Zustande einverleibt. Als Materialien wendet man an Zinnober, Corallin

und Fuchsin für Roth, die violetten Theerfarben für Violett, Ultramarin

für Blau, eine Lösung von Krümelzucker in Lauge für Braun oder besser

Caramel. Die pfirsichblüthfarbigen Adern, welche gewisse Sorten von

englischer parfümirter Seife durchziehen, sollen durch Zusatz von etwas

Weinstein zu der mit Bittermandelöl parfümirten Seife entstehen.

Wir führen beispielsweise die Vorschrift zur Bereitung einiger

Toilettenseifen an: Die =Windsorseife= erhält man auf folgende Weise:

Man verseift 40 Pfd. Hammeltalg und 15 bis 20 Pfd. Olivenöl mit

Natronlauge von 19° und macht die Seife mit 15grädiger, zuletzt mit

20grädiger Lauge fertig und richtet sie ebenso ab wie eine Kernseife,

doch muss sie neutral sein und darf keinen Laugenüberschuss haben.

Nachdem die Seife gargesotten ist, lässt man sie 6 bis 8 Stunden im

Kessel ruhig stehen, damit sich die Unterlauge möglichst vollständig

absondere, und bringt sie in eine flache Form und drückt sie so lange,

bis sich kein Fluss mehr zeigt. Man parfümirt sie mit einem Gemisch von

Kümmelöl, Bergamottöl, Lavendelöl, spanischem Hopfenöl und Thymianöl.

Die gewünschte braune Farbe ertheilt man ihr mit gebranntem Zucker. Die

=Rosenseife= (_savon à la rose_) stellt man durch Zusammenschmelzen von

3 Th. Oelseife mit 2 Th. Talgseife und etwas Wasser dar; der

Seifenkörper wird durch Rosenöl, Nelkenöl u. s. w. parfümirt und durch

Zinnober gefärbt. Die als Rasirseife angewendete =Bartseife= muss

schäumen, darf aber kein freies Alkali enthalten. Man stellt sie

zuweilen durch Kochen von Fettsäuren mit einem Gemenge von Natrium- und

Kaliumcarbonat und Parfümiren der Seife mit Pfeffermünzöl dar. Häufig

sind die Bartseifen mit Kali bereitete Schmierseifen. Die =leichte=

oder =Schaumseife= (montirte Seife) hat bei gleichem Volumen nur die

Hälfte weniger Substanz als die übrigen Seifen. Um sie zu bereiten,

wird Oelseife (Palmöl- oder Olivenölseife) unter Zusatz von 1/3-1/8

Volumen Wasser geschmolzen und ununterbrochen mit einem mit Flügeln

versehenen Rührapparat gerührt, bis die schäumende Masse das doppelte

Volumen erreicht hat. Darauf wird sie in Formenkästen geschöpft.

Bemerkenswerth ist, dass nur Oelseifen, nicht aber Talgseifen

Schaumseifen bilden können. Die Schaumseifen werden mit verschiedenen

ätherischen Oelen parfümirt. Die =transparenten= oder =durchscheinenden

Seifen= stellt man dar, indem man in Späne geschnittene, vollkommen

getrocknete Talgseife mit einem gleichen Gewicht Alkohol übergiesst und

das Gemenge in einer Destillirblase erhitzt, bis die Seife gelöst ist.

Darauf lässt man die geschmolzene Masse erkalten, damit alle

Unreinigkeiten sich absetzen, und giesst nach einigen Stunden die klare

Flüssigkeit in weissblechene Formen, in welchen den Seifentafeln

verschiedene Erhabenheiten aufgedrückt werden. Die Seife wird erst

nach 3-4 Wochen fest und brauchbar. Zur Färbung der transparenten Seife

wendet man einen alkoholischen Auszug von Cochenille und Alkanna oder

auch Anilinfarben für Roth und Pikrinsäure oder auch Martiusgelb für

Gelb an. Das Parfümiren geschieht sehr häufig mit Zimmetöl, nicht

selten jedoch auch mit einem Gemisch von Thymianöl, Majoranöl und

Sassafrasöl. Die seit einigen Jahren aufgekommenen =Glycerinseifen=

werden noch anders dargestellt, indem man eine alkoholische Lösung von

gewöhnlicher Seife mit Glycerin versetzt und vor der Mischung den

Alkohol durch Erwärmen verdunstet; oder, indem man 5 Ctr. Seife in

einer gleichen Menge Glycerin in einem mittelst Dampf geheizten

Kupferkessel löst und die Lösung auf übliche Weise in Formen giesst,

worauf die erstarrte durchscheinende Seife zu kleinen Stückchen

zerschnitten wird, welche dann noch beschnitten und in beliebige Formen

gepresst werden können. Eine Lösung von Seife in überschüssigem

Glycerin (35 : 30) bildet die =flüssige= Glycerinseife, welche klar und

von der Farbe und Consistenz gereinigten Honigs ist. Beide

Seifenvarietäten werden mit ätherischen Oelen parfümirt.

[Sidenote: Anwendung der Seife.]

=Anwendung und Wirkungsweise der Seife.= Die Seife wendet man

bekanntlich an zum Reinigen der Haut, der Wäsche, der Tuche, der

Wollzeuge, zum Bleichen, als Schmiermittel, um die Reibung zu

verhindern, zur Darstellung lithographischer Tinte u. s. w. Die

reinigende Eigenschaft der Seife hat man vielfach dem in ihr

enthaltenen Kali zugeschrieben und die Frage, warum man nicht lieber

geradezu Alkalien, kohlensaure oder ätzende, anwende, dahin

beantwortet, dass freies Alkali wol im Allgemeinen zu ätzend sein

möchte. Das Alkali, obwol es durch seine Verbindung mit den fetten

Säuren wesentlich milder geworden ist, hat doch seine Fähigkeit nicht

verloren, sich mit Schmutz mancherlei Art, namentlich mit fettigen

Substanzen zu verbinden. Die chemische Erklärung dieses eigenthümlichen

Verhaltens lässt sich in der von =Chevreul= beobachteten Thatsache

finden, dass sich die neutralen Salze der Alkalien der fetten Säuren

(Stearinsäure, Palmitinsäure, Oelsäure) bei ihrer Auflösung in Wasser

zersetzen, wobei zweifach-fettsaures Salz sich unlöslich ausscheidet,

während Alkali frei wird. Durch das freie Alkali wird die anhängende

Unreinigkeit von der Faser entfernt und durch die ausgeschiedenen

fettsauren Salze eingehüllt und so ein erneutes Niederschlagen

derselben verhindert. Der Seifenschaum hält die Schmutztheilchen

ebenfalls suspendirt. Die Fettsäuren in der Seife sind als

Einhüllungsmittel und Träger der Alkalien anzusehen, wie zugleich als

Schutzmittel gegen den Uebergang der Alkalien in den kohlensauren

Zustand.

[Sidenote: Seifenprobe.]

=Seifenprobe.= Wenn man die im Vorstehenden entwickelten Ansichten über

die Wirkungsweise der Seife festhält, so sind auch schon im Allgemeinen

die Principien gegeben, auf welchen die richtige Beurtheilung der

Werthbestimmung der Seife beruht. Je grösser in einer gegebenen Seife

die Quantität der eigentlichen fettsauren Verbindung ist, desto grösser

ist ihr Werth. Eine normale Seife sollte neben dem fettsauren Alkali

nur noch freies Wasser enthalten und es giebt demnach die

Wasserbestimmung schon einen werthvollen Anhaltepunkt der Bestimmung

des Werthes der Seife. Da es nun der Seifenfabrikant in seiner Macht

hat, je nach der Natur der angewendeten Fettsubstanzen aus 100 Th. Fett

300 Th. anscheinend guter und harter Seife zu fabriciren, so zeigt sich

die Wichtigkeit der Wasserbestimmung. Mit der Wassermenge in genauer

Beziehung steht eine andere Eigenschaft der Seifen, die bei ihrer

Werthbestimmung nicht unberücksichtigt gelassen werden darf. Wenn der

Wassergehalt der Seife so gering ist, dass er eine gewisse für jede

andere Seifensorte besondere Grenze überschritten hat, so werden die

Seifen so hart, dass es grosse Mühe kostet, durch Reiben die nöthige

Menge abzulösen, wobei, abgesehen von dem unnöthigen Kraftaufwande, die

zu reinigenden Stoffe beträchtlich leiden. Dieser Uebelstand ist jedoch

von untergeordneter Bedeutung, da der materielle Werth einer derartigen

Seife um so grösser ist, und man erinnere sich, wie es früher »zur Zeit

der Kernseife« in geordneten Haushaltungen Gebrauch war, Kernseife

Jahrzehnte hindurch aufzubewahren, ehe man sie in Gebrauch nahm. Auf

der andern Seite wird die Seife bei zu grossem Wassergehalt zu leicht

löslich in Wasser, wodurch ein grosser Verlust herbeigeführt wird. Der

Härtegrad der Seife bildet demnach einen zweiten Faktor, der bei der

Werthbestimmung der Seife zu berücksichtigen ist. Viele Seifen

enthalten 2 bis 3 Proc. Glycerin. Aber nicht der Wassergehalt und der

Zustand der Härte einer Seife sind als die einzigen Kriterien bei der

Beurtheilung einer Seife in Betracht zu ziehen. Es kommen noch andere

Umstände in Betracht. Die nach dem Austrocknen der Seife

zurückbleibende Substanz muss, wenn die untersuchte Seife als Kernseife

verkauft worden war, neutrales fettsaures Alkali sein und darf weder

freies Alkali, noch Kochsalz, noch unverseiftes Fett enthalten. Das

Vorhandensein von freiem Alkali nach =W. Stein= durch Calomel, durch

Quecksilberchlorid, nach =Naschold= auch durch salpetersaures

Quecksilberoxydul nachweisbar -- ist in den meisten Fällen nachtheilig,

in einzelnen wieder vortheilhaft; unverbundenes Fett dagegen verhindert

die Bildung von reichlichem Seifenschaum und ertheilt der Seife nach

einiger Zeit einen ranzigen Geruch.

Aus dem Vorstehenden folgt, dass die richtige Werthbestimmung der Seife

eigentlich eine chemische Analyse einschliesst. Da, wie früher

hervorgehoben, an die Stelle der Kernseifen gefüllte Seifen und zwar

übermässig stark gefüllte getreten sind, so wäre es an der Zeit, dem

Missbrauche mit der Seife eine Grenze zu stecken. Ebenso gut, wie in

den meisten Ländern gesetzliche Bestimmungen über erlaubte und nicht

erlaubte Zusätze zu den edlen Metallen und zum Zinn bestehen, würden

ähnliche Bestimmungen über den erforderlichen Gehalt der Kernseife und

der gefüllten Seife sich aus dem Grunde rechtfertigen, weil die

Beurtheilung der Seifen nach dem äusseren Ansehen so ungemein schwer

ist, dass schon die Unterscheidung der beiden Hauptabtheilungen, der

Kernseife und der gefüllten und geschliffenen, grosse Uebung und

Kenntniss voraussetzt. (Hinsichtlich der Details der Seifenprüfung sei

auf die Lehrbücher der technischen Untersuchungsmethoden von =P.

Bolley= und von =Alex. Bauer=, sowie auf die treffliche Abhandlung von

=A. Span= -- 1869 -- verwiesen.)

[Sidenote: Unlösliche Seifen.]

=Unlösliche Seifen.= Alle Seifen, welche nicht Kali oder Natron zur Base

haben, sind in Wasser unlöslich. Viele dieser unlöslichen Seifen sind für

die Technik von grosser Wichtigkeit und dürften noch ausgedehnterer

Anwendung fähig sein.

Die =Calciumseife= spielt eine wichtige Rolle in der

Stearinkerzenfabrikation. Man erhält sie entweder direct durch

Verseifen von Fett mit Kalkhydrat oder Aetzkalk oder durch Zerlegen von

in Wasser löslicher Seife mit einem löslichen Kalksalze; sie bildet

sich daher fortwährend, wenn Seife in hartem Wasser gelöst worden soll.

Die =Barium=- und die =Strontiumseife= sind der Calciumseife sehr

ähnlich. =Magnesiumseife= bildet sich nur schwierig auf directem Wege,

indirect bildet sie sich unter Anderem beim Auflösen von gewöhnlicher

Seife in Meerwasser. Die =Aluminiumseife= ist ohne Zweifel eine der

wichtigsten unlöslichen Seifen; Thonerde verseift die Fette nicht, wenn

man aber Kalium- oder Natrium-Aluminat anwendet, so bildet sich

Aluminiumseife, welche wiederholt vorgeschlagen worden ist, um Gewebe,

Holz u. dgl. wasserdicht zu machen. So schlägt =Jarry= vor, Holz

(Eisenbahnschwellen) durch Tränken mit Aluminiumoleat oder -stearat vor

Feuchtigkeit zu schützen, was wol beachtet zu werden verdient. Das in

den letzten Jahren vielfach zur Anwendung gekommene Mittel, Zeuge durch

Behandeln mit Aluminiumacetat und dann mit Seifenlösung wasserdicht zu

machen, beruht gleichfalls auf der Bildung von Aluminiumseife. Beim

Aviviren mit Thonerdesalzen gebeizter und gefärbter und bedruckter

Zeuge mit einer Lösung von Seife bildet sich auch Aluminium-Oleat, das

auch zuweilen als Leim in der Papierfabrikation Anwendung findet.

Die =Manganseife= wird durch Zersetzen von Mangansulfat mit

gewöhnlicher Seife oder durch Auflösen von Mangancarbonat in Oelsäure

durch Kochen dargestellt. Sie findet als Siccativ Anwendung. Die

=Zinkseife=, durch doppelte Zersetzung aus Zinksulfat und Seife oder

durch Verseifen aus Zinkweiss (Zinkoxyd) mit Olivenöl oder Fett in der

Wärme dargestellt, bildet eine gelblichweisse Masse, die, nach der

ersten Methode erhalten, schnell zu einer zerreiblichen Masse

eintrocknet, durch Verseifen von Zinkweiss bereitet dagegen als

pflasterähnliche Substanz (Zinkpflaster) erscheint. Die Zinkseife

bildet sich ferner bei der Anwendung von Zinkweiss als Oelfarbe. Die

=Bleiseife= (Bleipflaster) wird durch Verseifen von Bleiglätte oder

Bleiweiss mit Olivenöl oder durch Zersetzung von Bleiacetat mit

löslicher Seife erhalten. Eine gelblichweisse pflasterähnliche Masse,

die auch in dem Bleiglättfirniss enthalten ist. Die =Zinnseife=, durch

doppelte Zersetzung von Zinnchlorür oder Zinnchlorid mit Seife

erhalten, bildet sich beim Aviviren der mit Zinnlösung vorgeheizten und

mit Krapppräparaten ausgefärbten Zeuge. Die =Kupferseife= entsteht

durch Fällen von Kupfervitriollösung mit Seife; sie ist eine grüne,

trockene und spröde werdende, wenig in Alkohol, leichter in Aether und

Oelen lösliche Masse, welche man auch durch Kochen von Oelsäure mit

Kupfercarbonat darstellen kann. Sie macht einen Bestandtheil des

Glühwachses aus. Ein Gemenge von Kupfer- und Eisenseife, durch Fällen

einer Lösung von Kupfer- und Eisenvitriol mit Seife dargestellt, dient

mit Bleiglättfirniss und Wachs zusammengeschmolzen, um Gypsabgüssen

einen sehr dauerhaften grünen, bronzeähnlichen Ueberzug zu geben. Die

=Quecksilberseife=, aus Quecksilberchlorid und Seife dargestellt, ist

klebrig, schwierig trocknend, weiss, wird durch Luft und Licht grau und

in der Wärme flüssig; ist schwer in Alkohol, leicht in Oel löslich.

Nach den Versuchen von =Deyeux= liefert Quecksilberlösung mit Oel und

Wasser gekocht Quecksilberpflaster. Quecksilberseife findet sich ferner

in alter Quecksilbersalbe und Quecksilberpflaster der Officinen,

während die frisch bereiteten Präparate das Quecksilber metallisch und

höchst fein zertheilt enthalten. Die =Silber=-, =Gold=- und

=Platinseife=, durch doppelte Zersetzung dargestellt, haben bis jetzt

keine Anwendung gefunden. Die Goldseife möchte zur Erzeugung von

Glanzvergoldung auf Porcellan, die Silberseife als haarschwärzendes

Mittel Beachtung verdienen. --

Die Borsäure und der Borax.

[Sidenote: Borsäure.]

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 55 / 167 题