2KNO_{3} + S = K_{2}SO_{4} + SO_{2} + N,

d. i. auf 1 Volumen der Mischung nur etwa 7,28 Volumen Gas. Aus diesen

Gründen vermischt man den Salpeterschwefel entweder mit Kohle oder mit

Mehlpulver. Ein solches Gemisch, das sich durch die Praxis bewährt hat

und den Namen =grauer Satz= führt, besteht aus 93,46 Proc.

Salpeterschwefel und 6,54 Mehlpulver. Dieses Gemisch wird als

Grundmischung für andere Sätze benutzt, die langsam verbrennen und

dabei intensives Licht entwickeln sollen. Bezüglich der

Lichtentwickelung ist der graue Satz eine vorzügliche Mischung, weil

sich bei der Verbrennung desselben ein nicht flüchtiges und

unschmelzbares Salz, Kaliumsulfat bildet, das in der Flamme der

verbrennenden Mischung zum Glühen gebracht wird. Alle Leuchtsätze, die

bei ihrer Verbrennung =farbiges= Licht erzeugen sollen, müssen nach

jenem Princip angefertigt sein, und namentlich muss das Salz, welches

die Färbung erzeugen soll, bei der Temperatur der Verbrennung des

Satzes noch feuerbeständig sein.

[Sidenote: Mischungen von Kaliumchlorat.]

[Sidenote: Frictions-Zündsatz.]

[Sidenote: Satz zu Zündnadelgewehren.]

Das Kaliumchlorat KClO_{3} giebt im Gemisch mit brennbaren Körpern

seinen Sauerstoff vollständig, leichter und mit grösserer Schnelligkeit

als der Salpeter ab. Man benutzt daher dieses Salz als Gemengtheil zu

Sätzen, bei denen schnelle Entzündlichkeit und schnelle Verbrennung in

Betracht kommen. Ein Gemisch von Kaliumchlorat (80 Gewichtsth.) mit

Schwefel (20 Gewichtsth.), =Chlorkalischwefel= genannt, wurde früher

als Zusatz zu den schnell verbrennlichen Theilen solcher

Feuerwerkssätze benutzt, welche aus langsamer verbrennlichen Salzen

bestanden. Ein Gemenge von Schwefel, Kohle und Kaliumchlorat stellt ein

sehr wirksames Percussionspulver dar. Ein Gemenge von gleichen

Gewichtstheilen Schwefelantimon und Kaliumchlorat wird ausschliesslich

zur =Zündung= gebraucht; es ist durch Reibung, Schlag und Stoss

entzündlich und findet zur Entzündung des Schiesspulvers mittelst der

sogenannten Schlagröhren in groben Geschützen Anwendung. Noch sicherer

wirkt die =Armstrong='sche Mischung, aus rothem Phosphor und

Kaliumchlorat bestehend. Der Satz für =Zündnadelgewehre= besteht

entweder aus einem Gemenge von Kaliumchlorat und Schwefelantimon oder

aus einer Knallquecksilbermischung. Folgende Vorschrift liefert ein

gutes Präparat: 16 Th. Kaliumchlorat, 8 Th. Schwefelantimon, 4 Th.

Schwefelblumen, 1 Th. Kohlenpulver werden mit etwas Gummiwasser oder

Zuckerwasser angefeuchtet, worauf man noch fünf Tropfen Salpetersäure

hinzusetzt. Von diesem Satze befindet sich eine kleine Menge (die

Zündpille) an der Patrone. Die Reibung einer im Augenblicke des

Abdrückens schnell vorwärts geschobenen stählernen Nadel bewirkt die

Entzündung des Satzes. In England bedient man sich wieder der obigen

Mischung aus amorphem Phosphor und Kaliumchlorat. Die =explosiven

Körper= und ihre Anwendbarkeit in der Kriegsfeuerwerkerei sind, wenn

man von dem Knallquecksilber absieht, noch nicht gehörig studirt.

Beachtung und Verwendung verdienen der =Nitromannit= (Knallmannit), die

=pikrinsauren Alkalien= und vor Allem das weiter unten erwähnte

=Nitroglycerin=. =Dessignolle=, welcher bei der Bereitung des Pulvers

den Salpeter durch Kaliumpikrat ersetzen will, sah bei der Explosion

des pikrinsauren Kaliums verschiedene Produkte sich bilden, je nachdem

die Entzündung in freier Luft ([Greek: a]) oder unter Druck ([Greek:

b]) stattfand. Es bilden sich in beiden Fällen:

[Greek: a]) 2C_{6}H_{2}K(NO_{2})_{3}O = K_{2}CO_{3} + 5C + 2N + NO +

Kaliumpikrat NO_{2} + 4CO_{2} + 2CHN.

[Greek: b]) " = K_{2}CO_{3} + 6C + 3N + 5CO_{2} + 2H_{2} + O.

Auch das =Knallanilin= (chromsaures Diazobenzol, durch die Einwirkung

von salpetriger Säure auf Anilin und Fällen des Produktes mit einer

salzsauren Lösung von zweifach-chromsaurem Kali erhalten), ist nach

=Caro= und =Griess= ein Körper, welcher das Knallquecksilber ersetzen

könnte.

[Sidenote: Brandsätze.]

Die =Brandsätze= bestehen wesentlich aus Mehlpulver und grauem Satz,

und gewissen organischen Substanzen wie Pech, Harz, Theer, die sich

leicht entzünden und leicht verbrennlich sind, zu ihrer vollständigen

Verbrennung jedoch eine viel längere Zeit brauchen, als die am

langsamsten verbrennenden Feuerwerkssätze. Die Temperatur, die sich bei

der Verbrennung der Sätze erzeugt, ist eine viel höhere, als die zum

Entzünden von Holz erforderliche, sie ist aber zu schnell

vorübergehend, um eine Entwickelung der brennbaren Gase aus dem Holze,

die zum Fortbrennen desselben nothwendig ist, zu bewirken. Eine längere

Zeit währende Hitze erzeugen nur jene organischen Substanzen, indem

sie, durch den Feuerwerkssatz entzündet, Kohlenwasserstoffe entwickeln,

welche die Entzündung von Holz und ähnlichen brennbaren Körpern

bewirken.

[Sidenote: Farbige Feuer.]

Von den Salzen, die zu =farbigen Feuern= Anwendung finden, sind es die

salpetersauren Verbindungen des Baryts, Strontians und des Natrons,

sowie das schwefelsaure Kupferammoniak. Das sogenannte

=Kaltgeschmolzenzeug=, aus grauem Satz, Mehlpulver und Schwefelantimon,

die unter Branntwein zusammengerührt werden, bestehend, wird zum

weissen Feuer benutzt. Die in der Kriegsfeuerwerkerei gebräuchlichen

Mischungsverhältnisse sind folgende, für 100 Theile berechnet:

Grün Roth Gelb Blau Weiss

Kaliumchlorat 32,7 29,7 -- 54,5 --

Schwefel 9,8 17,2 23,6 -- 20

Holzkohle 5,2 1,7 3,8 18,1 --

Bariumnitrat 52,3 -- -- -- --

Strontiumnitrat -- 45,7 -- -- --

Natriumnitrat -- -- 9,8 -- --

Kupfer-Ammon-Sulfat -- -- -- 27,4 --

Salpeter -- -- 62,8 -- 60

Schwefelantimon -- 5,7 -- -- 5

Mehlpulver -- -- -- -- 15[34]

[34] Es ist vielleicht nicht überflüssig, daran zu erinnern, dass das

Zusammenreiben der Materialien sehr gefährliche Explosionen zur

Folge haben kann. Die Materialien sind =einzeln= fein zu reiben

und blos mit der Hand unter einander zu mengen.

Eine schöne =weisse= Flamme, welche mit einem prachtvoll blauen Rande

umgeben ist, erhält man nach =Uhden= aus 20 Th. Salpeter, 5 Th.

Schwefel, 4 Th. Schwefelkadmium und 1 Th. Kohle. Chlorthallium giebt in

geeigneter Mischung eine prächtig grüne Flamme. Das =Magnesiumlicht=

ist gleichfalls zu pyrotechnischen Zwecken in neuerer Zeit

vorgeschlagen worden.

Unter den die Farbe ertheilenden Salzen sind selbstverständlich

diejenigen die vorzüglichsten, deren Säure durch Sauerstoffabgabe den

Verbrennungsprocess zu unterstützen im Stande ist. In dieser Beziehung

würden die chlorsauren Salze der die Färbung ertheilenden Basen die

vortheilhaftesten sein, da die Chlorsäure ihren Sauerstoff leichter und

vollständiger abgiebt als die Salpetersäure. Der Anwendung dieser Salze

stehen aber mehrere Hindernisse entgegen: sie werden theils an der Luft

leicht feucht, theils zersetzen sie sich ausserordentlich leicht, sogar

freiwillig und unter Explosion, endlich sind sie noch nicht durch den

Handel zu beziehen. -- Anstatt der salpetersauren Salze des Bariums und

Strontiums wendet man auch häufig die Carbonate derselben an. Nach

=Dessignolle= und =Casthelaz= lassen sich prächtige farbige Flammen mit

pikrinsaurem Ammoniak erhalten und zwar aus folgenden Mischungen:

Gelb { Pikrins. Ammoniak 50

{ Pikrins. Eisenoxydul 50

Grün { Pikrins. Ammoniak 48

{ Salpeters. Barium 52

Roth { Pikrins. Ammoniak 54

{ Salpeters. Strontium 46

b) _Nitroglycerin_.

[Sidenote: Nitroglycerin.]

Das =Nitroglycerin= (Sprengöl, Nitroleum, Trinitrin, Glycerylnitrat,

Glonoïn) wurde im Jahre 1847 im Laboratorium von Professor =Pelouze= in

Paris durch =Sobrero= entdeckt, von dem Schweden =Alfred Nobel= im Jahre

1862 aber zuerst fabrikmässig dargestellt und als Sprengmaterial in die

Technik eingeführt. Es hat die Formel C_{3}H_{5}N_{3}O_{9} oder

C_{3}H_{5}} O_{3}, es ist mithin Glycerin C_{3}H_{5}} O_{3}, in welchem 3

At. (NO_{2})_{3}} H_{3}} durch 3 At. NO_{2} ersetzt sind. Bei der

Verbrennung desselben geben 100 Theile

Wasser 20 Th.

Kohlensäure 58 "

Sauerstoff 3,5 "

Stickstoff 18,5 "

---------

100,0 Th.

Da das spec. Gewicht des Sprengöls 1,6 ist, so giebt 1 Vol. davon bei der

Verbrennung

Wasserdampf 554 Vol.

Kohlensäure 469 "

Sauerstoff 39 "

Stickstoff 236 "

---------

1298 Vol.

Nach in Belgien angestellten Versuchen bilden sich bei der Verbrennung

des Nitroglycerins grosse Mengen von Stickoxydul und kein freier

Sauerstoff; der Vorgang bei der Explosion lässt sich mithin durch

folgende Gleichung veranschaulichen:

2 Molek. } { Kohlensäure 6CO_{2}

Nitroglycerin C_{3}H_{5}N_{3}O_{9} } = { Wasser 5H_{2}O

} { Stickoxydul N_{2}O

} { Stickstoff 4N

Nach der Angabe =Nobel='s werden bei der Entzündung des Sprengöls diese

Gase auf das Achtfache ihres Volumens ausgedehnt. Mithin gäbe 1 Vol.

Sprengöl 10,384 Vol. Gase, während 1 Vol. Pulver nur 800 Vol. bildet. Die

Kraft des Sprengöls verhält sich folglich zu der des Pulvers

dem Volumen nach wie 13 : 1,

dem Gewichte nach wie 8 : 1.

Zum Zwecke der Darstellung mischt man rauchende Salpetersäure von 49-50°

B. mit der doppelten Gewichtsmenge concentrirter Schwefelsäure. 3300 Grm.

des wohlerkalteten Gemisches von Schwefelsäure und Salpetersäure bringt

man in einen Glaskolben -- anstatt dessen kann man auch einen Topf von

Steingut oder eine Porcellanschale benutzen -- welches in einer mit

kaltem Wasser gefüllten Wanne steht, und lässt dann langsam und unter

beständigem Umrühren 500 Grm. Glycerin von 30-31° B. hineinfliessen. Nach

der von =E. Kopp= (1868) gegebenen Vorschrift wendet man ein vorher

bereitetes Säuregemisch von 3 Th. rauchender Schwefelsäure von 66° B. und

1 Th. rauchender Salpetersäure von 49-50° B. (=Nitrirsäure=) zum Nitriren

des Glycerins an. Auf 350 Grm. Glycerin rechnet man 2800 Grm.

Nitrirsäure. Von grösster Wichtigkeit ist es, eine merkliche Erwärmung

des Gemisches zu vermeiden, indem sonst eine stürmische Oxydation des

Glycerins, mit Bildung von Oxalsäure, eintreten würde. Aus diesem Grunde

muss das Gefäss, in welchem die Umwandlung des Glycerins in Nitroglycerin

stattfindet, fortwährend durch kaltes Wasser von aussen abgekühlt werden.

Ist das Ganze innig gemischt, so lässt man es 5-10 Minuten lang ruhig

stehen und giesst es dann in das fünf- bis sechsfache Volumen kalten

Wassers, welches vorher in rotirende Bewegung versetzt worden ist. Sehr

rasch sinkt nun das entstandene Nitroglycerin in Form eines schweren

Oeles nieder; man sammelt dasselbe durch Decantiren in einem mehr hohen

als breiten Gefässe, wäscht es in demselben einmal mit Wasser, decantirt

dieses und giesst das Nitroglycerin in Flaschen. Dasselbe ist jetzt zum

Verbrauche fertig, wenn auch in diesem Zustande noch etwas säure- und

wasserhaltig, indess bleibt dies ohne Nachtheil, da, wenn das Präparat

bald nach seiner Darstellung verwendet wird, diese Beimischungen auch

seinem Detoniren keineswegs Eintrag thun. Es ist immer anzurathen, das

Nitroglycerin =nie= zu transportiren, sondern den für einen Tag

erforderlichen Bedarf an Ort und Stelle des Verbrauches selbst

darzustellen.

Das Nitroglycerin ist eine ölartige Flüssigkeit von gelber bis

bräunlicher Farbe, schwerer als Wasser. Im Wasser ist es unlöslich,

löslich dagegen in Alkohol, Aether u. s. w. Einer selbst wenig

intensiven, jedoch länger anhaltenden Kälte ausgesetzt, krystallisirt

es in langen Nadeln. Das beste Mittel, Nitroglycerin zur Detonation zu

bringen, ist ein recht kräftiger Stoss und Schlag; übrigens lässt sich

leicht und ohne grosse Gefahr mit ihm umgehen. In dünner Schicht flach

ausgegossen, lässt es sich durch einen brennenden Körper nur schwierig

entzünden und es brennt nur theilweise ab; man kann ein Nitroglycerin

enthaltendes Fläschchen gegen einen Stein werfen, so dass es zerbricht,

ohne dass das Präparat explodirt. Auch lässt es sich durch vorsichtiges

Erwärmen ohne Zersetzung verflüchtigen; fängt es aber dabei lebhaft an

zu kochen, so droht Detonation. Lässt man einen Tropfen Nitroglycerin

auf eine mässig heisse Gusseisenplatte fallen, so verflüchtigt er sich

ruhig; ist die Platte rothglühend, so entzündet sich der Tropfen

unmittelbar und brennt ebenso wie ein Pulverkorn ohne Geräusch ab. Wenn

dagegen die Platte nicht rothglühend, indessen doch so heiss ist, dass

das Nitroglycerin sofort in's Kochen geräth, so zersetzt sich der

Tropfen plötzlich unter heftiger Detonation. Uebrigens kann das

Nitroglycerin, namentlich wenn es unrein und sauer ist, nach Verlauf

einer bestimmten Zeit eine freiwillige Zersetzung erleiden, welche von

Gasentwickelung und Bildung von Oxalsäure begleitet ist. Dieselbe rührt

wahrscheinlich von einer ähnlichen Ursache her, wie die freiwilligen

Explosionen des Nitroglycerins, deren beklagenswerthe Wirkungen durch

die Zeitungen bekannt geworden sind. Da das Nitroglycerin in sehr gut

zugestopften Flaschen eingeschlossen war, so konnten die bei seiner

freiwilligen Zersetzung entstandenen Gase nicht entweichen, übten

folglich einen starken Druck auf das Nitroglycerin aus, und unter

diesen Verhältnissen war der geringste Stoss und die schwächste

Erschütterung hinreichend, die Explosion hervorzurufen. Man muss daher

(nach =K. List=) dafür sorgen, dass die sich entwickelnden Gase

ungehindert entweichen können, was bei ruhigem Stehen durch losen

Verschluss, beim Versenden durch Sicherheitsventile geschehen kann.

Auch durch Vermeidung von Erwärmung lässt sich, wie es scheint, der

Zersetzung vorbeugen. Um das Sprengöl =unexplodirbar= zu machen, löst

=A. Nobel= dasselbe in reinem Holzgeist (Methylalkohol) auf. Aus dieser

Lösung kann man das Nitroglycerin mit allen seinen Eigenschaften durch

Behandeln mit Wasser wieder abscheiden. Zu vorstehendem Vorschlage

bemerkt =Ch. Seely=, dass derselbe in mehreren Beziehungen bedenklich

sei, 1) wegen der Kosten des Holzgeistes und des Nitroglycerinverlustes

beim Auswaschen, 2) wegen der Flüchtigkeit des Holzgeistes, der zum

Theil an der Luft entweicht, so dass das Nitroglycerin ungeschützt

zurückbleiben könne; 3) sei eine chemische Wirkung zwischen beiden

Substanzen wahrscheinlich und 4) sei der Holzgeist und dessen Dampf

sehr entzündlich und gebe letzterer, mit Luft gemischt, ein

explodirendes Gemenge. In Amerika sind noch verschiedene andere

Vorschläge aufgetaucht, das Nitroglycerin unexplodirbar zu machen. So

ist empfohlen worden, dasselbe -- ähnlich wie es =Gale= für

Schiesspulver mittelst Glassand bewirken will -- mit Sand oder einem

ähnlichen Körper zu vermengen, wodurch aber das Gewicht und Volumen

vergrössert und durch die Adhäsion des Sprengöls am Sande Verlust

herbeigeführt wird. =H. Wurtz= macht den sehr beachtenswerthen

Vorschlag, das Nitroglycerin mit einer gleich dichten Lösung von Zink-,

Kalk- oder Magnesianitrat zu einer Emulsion zu verarbeiten und die

Emulsion bei dem Gebrauch mit Wasser zu versetzen, worauf das Sprengöl

sich abscheidet und durch Decantiren von dem Zusatze getrennt werden

kann. =Seely= schlägt endlich vor, der Zersetzung des Sprengöls dadurch

vorzubeugen, dass man darin eine kleine Menge einer Substanz

suspendirt, welche jede Spur der sich etwa bildenden Säure neutralisirt

(ohne dabei jedoch ein Gas zu bilden). Der Geschmack des Nitroglycerins

ist zuckerartig, zugleich aber brennend und gewürzhaft. Es wirkt

giftig; schon in sehr kleinen Dosen verursacht es heftigen Kopfschmerz.

Sein Dampf wirkt ähnlich und dieser Umstand könnte der Verwendung des

Präparates in tiefen Stollen und auf wetternöthigen Strecken, wo die

Dämpfe nicht so leicht abziehen können, wie bei Steinbruchs- und

Tagebauen, möglicherweise hinderlich sein. Rationeller ist der

Vorschlag von =E. Kopp= in Saverne. Danach sollen die Steinbrecher,

anstatt das Sprengöl zu kaufen, das richtig bereitete Gemisch von

Schwefelsäure und Salpetersäure und höchst concentrirtes und

wohlgereinigtes Glycerin, sowie endlich die wenigen Mess-, Mischungs-

und Trennungsapparate beziehen und das Sprengöl selbst darstellen. In

den Händen eines intelligenten, gut instruirten Arbeiters wird sich

diese Methode stets als die wenigst gefährliche bewähren. Eines

geübten Chemikers bedarf es zur Ausführung solcher Versuche im kleinern

Maassstab nicht. Es soll täglich nur die am gleichen Tag verbrauchte

Menge Sprengöl dargestellt werden. Es ist freilich auch damit nicht das

volle Maass der wünschenswerthen Gefahrlosigkeit gegeben, da die

Hilfsmittel in den Steinbrüchen und Bergwerken stets etwas mangelhaft

sein werden, Störungen der Arbeit nahe liegen, sichere

Aufbewahrungsorte schwer zu finden sind u. s. w. Es steht ganz fest,

dass die Wirkungen des Sprengöles die jedes andern bisher gebrauchten

Sprengmittels übertreffen. Es bietet den Vortheil grosser Arbeits- und

Zeitersparniss beim Bohren der Löcher, grössere Leichtigkeit des

Besetzens derselben und neuer Anwendungen, z. B. zum Sprengen von

Metallblöcken. Diese Vortheile sind trotz aller angeführten

Schattenseiten desselben so gross, dass wir von der vorschreitenden

Wissenschaft und Technik viel eher Vervollkommnungen und gewisse

Sicherungsmittel gegen die mannichfaltigen Gefahren, die es zur Stunde

noch involvirt, zu erwarten haben, als dass die Furcht vor

Unglücksfällen es verdrängen werde. Ein Verbot des Sprengöles in seiner

heutigen Unvollkommenheit, wie es z. B. nach gemachten Erfahrungen in

Belgien, Newcastle, in Wales, Stockholm und Sydney in vielen Ländern

erfolgte, glauben wir vorläufig als vollberechtigt erklären zu müssen.

Ein Gemisch, das zur Darstellung des Nitroglycerins sehr geeignet ist,

wird nach =Nobel= erhalten, wenn man in 3-1/2 Th. Schwefelsäure von

1,83 spec. Gewicht 1 Th. Kalisalpeter löst und abkühlt. Es

krystallisirt dann ein Salz aus, welches aus 1 Mol. Kali, 4 Mol.

Schwefelsäure und 6 Mol. Wasser besteht. Jene Säure scheidet beim

Abkühlen auf 0° fast die ganze Menge des gebildeten Salzes aus und kann

von letzterem durch vorsichtiges Abgiessen befreit werden. Tropft man

einer solchen Säure Glycerin zu, so geht sehr rasch die oben erwähnte

Bildung des eigentlichen Sprengöles vor sich, welches durch Wasser

abgeschieden und gewaschen das Trinitroglycerin darstellt.

[Sidenote: Nobels Dynamit.]

Unter dem Namen =Dynamit=[35] bringt =Nobel= seit 1867 ein neues

Sprengmaterial in den Handel, welches dadurch hergestellt wird, dass

man irgend einen porösen Körper in Pulverform z. B. Holzkohle,

Infusorienerde oder Kieselguhr mit Sprengöl tränkt. Gewöhnlich besteht

es aus 75 Th. Nitroglycerin und 25 Th. Kieselerde. Es hat vor dem

reinen Nitroglycerin (wie die Versuche von =Bolley= und =Kundt= gelehrt

haben) den Vorzug, selbst durch den stärksten Stoss nicht zu

explodiren. Das Pulver bedarf in Folge dessen einer künstlichen

Zündung, wobei es eine solche Gewalt ausübt, dass selbst ohne Besatz

die grössten Eisenblöcke gesprengt werden. Es verbrennt in offenem

Raume oder unter üblicher Verpackung ohne Explosion. Es entwickelt bei

seiner Verbrennung in der Luft etwas salpetrige Dämpfe, bei seiner

Explosion nur Kohlensäure, Stickstoff und Wasserdampf, also

unschädliche Gase. Es entwickelt bei der Verbrennung keinen Rauch, aber

hinterlässt weisse Asche. Es erleidet keine Veränderung durch

Feuchtigkeit. In geschlossenem Raume mit sehr starker

Widerstandsfähigkeit explodirt es durch Funken; unter allen anderen

Umständen erfolgt die Explosion nur durch künstliche Zündung. Die

Vorzüge gegen Sprengpulver sind: Grosse Arbeitsersparniss, weil weniger

Bohrlöcher von geringerem Durchmesser erforderlich sind. Eine grosse

Beschleunigung der Arbeit, da sich die Sprengungen doppelt so rasch,

wie bei Schiesspulver ausführen lassen. Ersparniss von

Sprengmaterialkosten. Das Dynamit kostet vier Mal so viel, leistet aber

acht Mal so viel als Pulver. Die fast vollständige Gefahrlosigkeit.

Unschädlichkeit der Explosionsgase und Abwesenheit von Rauch. Einfache

Anwendung bei nassen Bohrlöchern. Da weniger Bohrlöcher erforderlich

sind, Ersparniss von Gezähkosten. Für den Gebrauch bedient man sich

geleimter Papierpatronen, in welche das Pulver fest eingedrückt wird.

In Kohle kann das Pulver locker verwendet werden. Zur Zündung bedient

man sich einer Zündschnur mit aufgeschobenem und mittelst Zange darauf

festgekniffenen Patentzündhütchen. Diese wird 3 Centimeter tief in das

Pulver geschoben, dies fest angedrückt und die Patrone mit einem

Papierstöpsel geschlossen. Der Besatz wird aus losem Sand hergestellt.

Als Vorsichtsmaassregeln schreibt man vor: Vermeiden des Stäubens mit

dem Pulver, weil der Staub giftig ist, und Füllen der Patrone mit einem

Löffel aus demselben Grunde. Ferner soll es im Interesse der Oekonomie

gerathen sein, möglichst enge Bohrlöcher zu bohren, da sie bei der

grossen Kraft des Dynamits ausreichen. (=Nobel= verkauft das Dynamit

mit Emballage in Fässern von 50 Pfund per Pfund zu 18 Sgr.

Patentzündhütchen für Dynamit kosten 100 Stück 15 Sgr.) Beim Transport

bietet das Dynamit keine Gefahr der Explosion dar. Das von =Dittmar=

erfundene =Dualin= ist ein Gemisch von Nitroglycerin mit Sägespänen,

oder Holzzeug der Papierfabriken, das vorher mit einem Gemisch von

Salpeter- und Schwefelsäure behandelt wurde.

[35] Auch bei der Fabrikation des Dynamits sind Unglücksfälle nicht

ausgeschlossen. Am 26. Januar 1870 fand in der Dynamitfabrik zu

Dünwald bei Cöln a./R. eine Explosion statt, welche 15 Menschen

das Leben kostete; eine nicht minder verhängnissvolle am 29. Mai

1870 zu Krümmel (Herzogthum Lauenburg), sowie am 2. April zu

Waldenburg (Oberschlesien).

c) _Schiessbaumwolle_.

[Sidenote: Schiessbaumwolle.]

Die =Schiessbaumwolle= (Schiesswolle, Pyroxylin, Fulmicoton) wurde 1846

gleichzeitig von =Schönbein= in Basel und von =R. Böttger= in Frankfurt

a. M. entdeckt. Nach der 1846 von =W. Knop= (in Leipzig) veröffentlichten

Methode der Darstellung nimmt man gleiche Volumen Schwefelsäure von 1,84

spec. Gewicht und rauchende Salpetersäure (nach =Lenk= 3 Gewichtstheile

Schwefelsäure auf 1 Gewichtstheil Salpetersäure), mischt beide

Flüssigkeiten in einer Porcellanschale und taucht dann in die Flüssigkeit

so viel gekrempelte und durch Auskochen in Sodalösung von aller

Fettsubstanz befreite Baumwolle, als die Flüssigkeit aufzunehmen vermag,

bedeckt das Gefäss mit einer Glasplatte und lässt das Ganze bei

gewöhnlicher Temperatur einige Minuten lang stehen. Darauf nimmt man die

Baumwolle heraus, wäscht sie mit kaltem Wasser, trocknet sie in warmer

Luft und krempelt sie nach dem Trocknen, um alle zusammengeballten Theile

zu zertheilen. Die Baumwolle darf nicht zu lange Zeit in dem Säuregemisch

stehen bleiben, weil sie sich sonst unter heftiger Entwickelung rother

Dämpfe auflösen würde. Die in der Pulverfabrik zu Paris hinsichtlich der

vortheilhaftesten Fabrikation der Schiessbaumwolle angestellten Versuche

führten zu folgenden Erfahrungssätzen: 1) gleiche Theile Schwefel- und

Salpetersäure und gereinigte Baumwolle; 2) die beste Zeitdauer scheint

10-15 Minuten zu sein; 3) das einmal gebrauchte Gemisch kann nochmals

benutzt werden, dann aber ist die Baumwolle eine längere Zeit

einzutauchen; 4) das Präparat muss langsam getrocknet werden, namentlich

darf man dasselbe, so lange es feucht ist, keiner höheren Temperatur als

100° aussetzen; 5) durch Imprägniren mit Salpetersäure erhält die

Baumwolle noch mehr Kraft.

[Sidenote: Eigenschaften der Schiessbaumwolle.]

Die Schiessbaumwolle hat das Ansehen gewöhnlicher Baumwolle und ist

selbst unter dem Mikroskop nicht von derselben zu unterscheiden. Sie

fühlt sich aber rauher an und hat an Elasticität verloren; sie ist in

Wasser, Alkohol und Essigsäure unlöslich, schwer löslich in reinem

Aether, leicht löslich in alkoholhaltigem Aether und Essigäther. Bei

längerem Aufbewahren erleidet die Schiessbaumwolle eine freiwillige

Zersetzung, die sogar mit einer Selbstentzündung endigen kann; bei

dieser Zersetzung entwickeln sich Wasserdämpfe und salpetrige Säure,

und der zurückbleibende Theil enthält Ameisensäure. Die Angaben über

die Temperatur, bei welcher die Schiessbaumwolle sich entzündet, sind

nicht übereinstimmend. Häufig lässt sich die Schiessbaumwolle bei

90-100° ohne Gefahr der Entzündung trocknen, während die Entzündung

schon bei 43° vorgekommen sein soll. Die Explosion aber eines kleinen

mit Schiessbaumwolle angefüllten Magazins im _Bois de Vincennes_ in

Paris, das an einem Tage stark von der Sonne beschienen wurde, sowie

die fürchterlichen Explosionen in le Bouchet und Faversham, wo die

Temperatur des Trockenraumes nicht über 45-50° steigen konnte, machen

die grösste Vorsicht beim Trocknen und der Aufbewahrung der

Schiessbaumwolle nothwendig. Sie entzündet sich ferner durch starken

Stoss und Schlag und hinterlässt nach der Verbrennung keine Spur von

Rückstand. Auf gekörntem Schiesspulver abgebrannt, entzündet sich

dasselbe nicht. Die Schiessbaumwolle ist sehr hygroskopisch und lässt

sich selbst längere Zeit unter Wasser aufbewahren, ohne ihre explosiven

Eigenschaften einzubüssen. Nach den besten Analysen hat die

Schiessbaumwolle die Formel der Trinitro-Cellulose,

C_{6}H_{7}(NO_{2})_{3}O_{5}, sie ist demnach zu betrachten als

Baumwolle C_{6}H_{10}O_{5}, in welcher 3 Atome Wasserstoff durch 3

Atome Untersalpetersäure ersetzt worden sind. In 100 Theilen besteht

sie aus

Kohlenstoff 24,24

Wasserstoff 2,36

Sauerstoff 59,26

Stickstoff 14,14

------

100,00

Wenn wir von der Schwefelsäure, deren Anwendung zur Darstellung der

Schiessbaumwolle durch ihre wasserbildende Eigenschaft bedingt ist,

absehen, so lässt sich die Umwandlung der Baumwolle in Schiessbaumwolle

durch folgende Gleichung ausdrücken:

C_{6}H_{10}O_{5} + 3HNO_{3} = C_{6}H_{7}(NO_{2})_{3}O_{5} + 3H_{2}O

Baumwolle Schiessbaumwolle

Wenn bei der Darstellung die Cellulose gänzlich in Trinitro-Cellulose

übergeht, so müssen 100 Th. Baumwolle 185 Th. Schiessbaumwolle geben;

wenn sie sich in Binitro-Cellulose verwandelt, müssen 100 Th. Baumwolle

155 Th. Schiessbaumwolle bilden. Die Versuche gaben ein mittleres

Resultat; 100 Th. Baumwolle gaben:

Pelouze (bei 10 Versuchen) (1849) 168-170 Th. Schiessbaumwolle.

Schmidt und Hecker (1848) 169 " "

Vankerckhoff und Reuter (1849) 176,2 " "

W. Crum (1850) 178 " "

Redtenbacher, Schrötter u.

Schneider (1864) 178 " "

v. Lenk (1862) 155 " "

Blondeau (1865) 165,25 " "

Die Zersetzungsprodukte der entzündeten Schiessbaumwolle sind im

luftleeren Raume Kohlenoxyd, Wassergas und Stickstoffgas; im luftleeren

Raume dieselben Körper, ausserdem aber noch salpetrige Säure und Cyan.

1 Grm. Schiessbaumwolle giebt nach =Emil Schmidt= bei der Verbrennung

im Vacuum 588 Kubikcentim. Gas. Nach der Analyse von =Károlyi= bestehen

die Gase in Volumenprocenten aus

Kohlenoxyd 30

Kohlensäure 20

Sumpfgas 10

Stickoxyd 9

Stickstoff 8

Wasserdampf 23

---

100

1 Gewichtstheil Schiessbaumwolle wirkt so viel wie 4,5-5 Th.

Schiesspulver.

[Sidenote: Schiessbaumwolle als Ersatzmittel des Schiesspulvers.]

[Sidenote: Fernere Anwendung der Schiessbaumwolle.]

Die Anwendung der Schiessbaumwolle anbelangend, so scheint es, als ob

sich dieselbe als Ersatzmittel für das Schiesspulver nicht praktisch

erweisen wollte. Obgleich es den Anschein hat, als wäre die

Schiessbaumwolle ihrer Leichtigkeit, Reinlichkeit, der Gefahrlosigkeit

des Transports wegen, dem Schiesspulver vorzuziehen, so liegen doch

bedeutende Unbequemlichkeiten in ihrem grossen Volumen und den damit

verbundenen Schwierigkeiten des Transports, so wie in der Erzeugung

einer grossen Menge von Feuchtigkeit (Wasser und salpetrige Säure) in

dem Rohre, welche beim Schuss nachtheiliger als der feste

Pulverrückstand wirkt. Im stark comprimirten Zustand wirkt die

Schiessbaumwolle durchaus nicht; sie ist demnach zu Zündern, Raketen u.

s. w. nicht anwendbar. Die günstigsten Resultate wurden bei der

Anwendung der Schiessbaumwolle zum Sprengen erhalten. =Pelouze=

empfiehlt die Schiessbaumwolle mit Kaliumchlorat gemengt zur Füllung

der Zündhütchen; die so dargestellten Zündhütchen sind aber weder

sicher noch kräftig genug. Für die Verwendung der Schiessbaumwolle als

Pulversurrogat ist es als ein namhafter Fortschritt zu betrachten, dass

es in den letzten Jahren den Bestrebungen =Abel='s gelungen ist, die

Schiessbaumwolle =mechanisch= der Art zu verarbeiten, dass sie

hinsichtlich ihres Effektes dem Pulver ähnlich ist. Gewöhnlich wird die

Schiessbaumwolle immer in losem, faserigem oder wolligem Zustande

angewendet; in der neuesten Zeit wurde sie auch zu Lunten, Garn oder

Zwirn gesponnen und in Form von Flechten oder Bändern zu Patronen

verarbeitet. Dadurch will man bezwecken, die Schiessbaumwolle dem

Schiesspulver möglichst ähnlich zu machen, indem sie durch dieselbe auf

mechanischem Wege in eine feste, zusammenhängende Masse verwandelt und

als solche zu Körnern oder zu irgend einer anderen Form verarbeitet

wird, welche die zur Erzielung einer gewissen Schnelligkeit oder

Intensität der Verbrennung erforderliche Oberfläche und Dichtigkeit

besitzt. Das Verfahren zur Behandlung der Schiessbaumwolle, welchem man

in der Praxis den Vorzug giebt, ist das folgende: Zunächst wird die

Baumwolle auf bekannte Weise in Schiessbaumwolle verwandelt, zu welchem

Behufe man vorzugsweise die Form von losen Lunten (Vorgespinnst)

anwendet. Nachdem das Präparat durch Auswaschen in laufendem Wasser und

in einer sehr verdünnten Alkalilösung gereinigt worden ist, wird es

mittelst einer der Stoffmühle (Holländer) der Papierfabriken ähnlichen

Maschine zu einem Brei oder Zeug zerkleinert, welcher dann durch die

gewöhnlichen Processe, mittelst deren man Papierzeug in verschiedene

Formen bringt, zu Blättern (Bogen), Scheiben, Cylindern oder anderen

durchbrochenen oder massiven Körpern geformt wird. Dem Zeuge oder Breie

kann man eine geringe Menge von Gummi oder von einem anderen in Wasser

löslichen Bindemittel zusetzen. Um der Masse jeden erforderlichen Grad

von Dichtigkeit und Festigkeit zu ertheilen, unterwirft man sie im noch

feuchten Zustande dem Drucke hydraulischer oder anderer Pressen. Zum

Körnen =der Schiessbaumwolle= werden die erwähnten Bogen, Scheiben etc.

zu Stückchen von der erforderlichen Grösse zerschnitten, oder der noch

Wasser und ausserdem eine geringe Menge Bindemittel enthaltende Zeug

wird in ein Gefäss gebracht, welchem man eine schwingende Bewegung

ertheilt, wodurch er rasch in Körnchen von verschiedener Grösse

verwandelt wird, die dann noch sortirt werden können, falls dies für

nöthig befunden werden sollte. Bei diesen mechanischen Processen können

anstatt Wasser auch andere Flüssigkeiten, z. B. Holzgeist, Weingeist,

Aether oder Gemische von diesen Flüssigkeiten, mit oder ohne ein in

diesen Flüssigkeiten lösliches Bindemittel zur Anwendung kommen.

Anstatt die ganze Masse der Schiessbaumwolle in Zeug oder Brei zu

verwandeln, kann man auch einen Theil derselben in ihrem ursprünglichen

Zustande lassen und mit dem Brei in solchen Verhältnissen mengen, dass

das Gemenge nach dem Pressen eine feste, zusammenhängende Masse von der

erforderlichen Dichtigkeit bildet. Diese solide Schiessbaumwolle kann,

mag sie nun aus Zeug (Brei) allein, oder aus einem Gemenge von diesem

mit faserigem Pyroxylin dargestellt worden sein, auch noch mit

Collodium, also mit löslicher Schiessbaumwolle, in flüssiger oder

gelöster Form überzogen oder damit imprägnirt werden. Solche feste

Schiessbaumwolle kann auch aus Gemengen mehrerer Schiessbaumwollsorten

von verschiedener Zusammensetzung, deren Eigenschaften bekannt sind, d.

h. aus Schiessbaumwolle, welche in Gemischen von Alkohol und Aether,

und in reinem oder mit Alkohol gemischtem Holzgeist löslich ist, und

aus Pyroxylin, welches sich in diesen Flüssigkeiten nicht löst,

dargestellt werden; in diesem Falle können entweder beide oder nur eine

von den beiden Schiessbaumwollsorten in Zeug oder Brei verwandelt

werden, während die andere ihren faserigen Zustand beibehält; oder es

können auch beide Sorten im faserigen Zustande mit einander gemengt

werden. Die Umwandlung dieser Gemenge in feste Massen kann dann

entweder durch Druck allein -- sofern nämlich eine oder beide

Varietäten Breiform -- oder dadurch bewirkt werden, dass die in dem

Gemenge vorhandene lösliche Schiessbaumwolle durch Behandlung mit den

oben genannten, als Lösungsmittel wirkenden Flüssigkeiten als

Bindemittel benutzt wird, in welchem Falle die Gemenge mit oder ohne

die Anwendung von Druck in feste Massen verwandelt werden können.

Neuerdings ist die Schiessbaumwolle zum Filtriren starker Säuren und

ähnlicher energisch wirkender Agentien empfohlen worden.

[Sidenote: Collodium.]

=Maynard= benutzt die Auflösung der Schiessbaumwolle in Aether als

klebendes Mittel und bezeichnet dasselbe mit dem Namen =Collodium= oder

=Klebäther=. Diese Lösung ist von Syrupconsistenz. Bringt man dieselbe

als dünnen Ueberzug auf die Haut, so bildet sich durch Verdunsten des

Aethers eine fest anhängende, undurchdringliche Schicht. Sie dient in

der Chirurgie zum Verschliessen von Schnittwunden statt des englischen

Pflasters, zur Erzeugung photographischer Bilder auf Glas, als

wasserdichter Ueberzug statt des Harzfirnisses, so z. B. bei der

Fabrikation der Salonzündhölzchen etc. Wenn man dieselbe der Luft

aussetzt, so verdunstet der darin enthaltene Aether und hinterlässt ein

dünnes, festes Häutchen, das in Wasser und Weingeist vollkommen

unlöslich ist und, mit der trockenen Hand gerieben, in hohem Grade

negativ elektrisch wird. Eine vollkommen zusammenhängende und

luftdichte Platte von Collodium kann so dünn dargestellt werden, dass

sie die Farben der Newton'schen Ringe zeigt. =Legray= stellt durch

folgendes Verfahren eine Schiessbaumwolle dar, die sich vollständig in

Aether löst: Man mischt 80 Grm. pulverisirten und getrockneten

Kalisalpeter mit 120 Grm. englischer Schwefelsäure; die breiartige

Mischung wird, wenn sie sich zu stark erhitzt haben sollte, durch

Eintauchen des Gefässes in kaltes Wasser abgekühlt; hierauf bringt man

4 Grm. getrockneter Baumwolle hinein und arbeitet sie mit einem

Porcellan- oder Glasspatel etwa fünf Minuten lang darin herum. Man

bringt nun das Ganze in eine Schale mit Regenwasser, und sucht so

schnell als möglich durch Zapfen und Drücken die Säure von der

Baumwolle zu trennen. Nachdem durch mehrmaliges Auswaschen mit

erneuerten Portionen frischen Wassers alle Säure entfernt worden,

trocknet man die Baumwolle in gelinder Wärme. Nach =Mann= (in St.

Petersburg) kommt es bei der Bereitung der Collodiumbaumwolle

vorzüglich auf den Wassergehalt der Schwefelsäure, auf die Temperatur

und Zeit bei der Einwirkung und auf die Gegenwart einer gewissen Menge

Untersalpetersäure in der Salpetersäure an. Eine Schwefelsäure von

1,830-1,835 bei 15° (enthaltend 94 Proc. Monohydrat) eignet sich am

besten zur Zersetzung des Salpeters. In einem Glascylinder übergiesst

man 20 Th. gepulverten Salpeter mit 31 Th. Schwefelsäure und rührt

beide so lange um, bis der Salpeter ganz zergangen ist. In die noch

heisse Mischung, deren Temperatur aber höchstens 50° betragen darf,

trägt man alsdann die Baumwolle ein und arbeitet gut durch, worauf man

den Cylinder mit einer Glasplatte bedeckt und das Ganze ungefähr 24

Stunden lang bei einer Temperatur von 28-30° stehen lässt. Das Gemenge

wird mit kaltem Wasser so lange ausgewaschen, bis die zurückbleibende

Wolle nicht mehr sauer reagirt. Die noch feuchte Wolle wird zuletzt

durch die Behandlung mit kochendem Wasser von den letzten Spuren

schwefelsauren Kalis, die von der Faser der Baumwolle hartnäckig

zurückgehalten werden, befreit. Bleibt die Baumwolle 5-6 Tage lang bei

ungefähr 30° in der Mischung liegen, so gewinnt die Collodiumwolle nur

an Güte. Eine 10-20 Minuten lange Behandlung der Baumwolle giebt ein

vollkommenes Präparat. Auch mit Natronsalpeter kann Collodiumwolle

erhalten werden; man wendet an 33 Th. Schwefelsäure von 1,80 spec.

Gewicht, 17 Th. Natronsalpeter und 1/2 Th. Baumwolle. Nach =Béchamp=

erhält man stets lösliche Schiessbaumwolle, wenn man die Baumwolle in

das noch heisse Gemisch von Salpeter und Schwefelsäure eintaucht und

nicht wartet, bis dasselbe erkaltet ist; im entgegengesetzten Falle ist

das Produkt unlöslich, man kann es aber löslich machen, indem man es

ein zweites Mal in das warme Gemenge der Säure mit dem Salpeter

eintaucht. Essigäther, essigsaures Methyloxyd, Holzgeist und Aceton

lösen gleichfalls die Collodiumwolle auf; alkoholfreier Aether scheint

auf dieselbe nicht einzuwirken. Gewöhnlich wendet man zum Lösen von 1

Th. Collodiumwolle ein Gemisch von 18 Th. Aether und 3 Th. Alkohol an.

[Sidenote: Anhang zur Schiessbaumwolle.]

Durch gleiches Behandeln mit dem oben erwähnten Säuregemisch kann man

auch Werg, Holzspäne, Papier (Pyropapier), Stroh, Zucker, Stärke und

besonders, wie bekannt, auch Glycerin und Mannit explosiv machen.

Das Kochsalz.

[Sidenote: Vorkommen.]

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 43 / 167 题