Der Pulverrückstand bestand aus

Kaliumsulfat 56,62

Kaliumcarbonat 27,02

Kaliumhyposulfit 7,57

Schwefelkalium 1,06

Kaliumhydroxyd 1,26

Schwefelcyankalium 0,86

Salpeter 5,19

Kohle 0,97

Ammoncarbonat }

Schwefel } Spuren

-------

100,55

Aus dieser Analyse folgt, dass der Pulverrückstand wesentlich aus

Kaliumsulfat und Kaliumcarbonat und nicht, wie früher angenommen wurde,

aus Schwefelkalium besteht. Für den Pulverdampf wurde folgende

Zusammensetzung gefunden:

Kaliumsulfat 65,29

Kaliumcarbonat 23,48

Kaliumhyposulfit 4,90

Schwefelkalium --

Kaliumhydroxyd 1,33

Schwefelcyankalium 0,55

Salpeter 3,48

Kohle 1,86

Ammonsesquicarbonat 0,11

Schwefel --

------

100,00

Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass der Pulverrauch im

Wesentlichen die Zusammensetzung des Pulverrückstandes besitzt, dass

darin der Schwefel und Salpeter des Pulvers etwas vollständiger zu

Kaliumsulfat verbrannt sind und statt des fehlenden Schwefelkaliums

kohlensaures Ammoniak auftritt. Die =gasförmigen Verbrennungsprodukte=

zeigen folgende Zusammensetzung in 100 Raumtheilen:

Kohlensäure 52,67

Stickstoff 41,12

Kohlenoxyd 3,88

Wasserstoff 1,21

Schwefelwasserstoff 0,60

Sauerstoff 0,52

Stickoxydul --

------

100,00

Die =festen Verbrennungsprodukte= (Rückstand und Rauch), die sich bei

vorstehenden Gasen bildeten, bestanden aus

Kaliumsulfat 62,10

Kaliumcarbonat 18,58

Kaliumhyposulfit 4,80

Schwefelkalium 3,13

Schwefelcyankalium 0,45

Kaliumnitrat 5,47

Kohle 1,07

Schwefel 0,20

Ammonsesquicarbonat 4,20

------

100,00

Die Umsetzung, welche das Schiesspulver beim Abbrennen erleidet, lässt

sich durch folgendes Schema ausdrücken:

Grm.

{Salpeter 0,789} {K_{2}SO_{4} 0,422

1 Grm. {Schwefel 0,098} {K_{2}CO_{3} 0,126

Pulver {Kohle { C 0,076} giebt {K_{2}S_{2}O_{3} 0,032

{ { H 0,004} verbrannt {K_{2}S 0,021

{ { O 0,030} Rückstand {KCNS 0,003

0,680 {KNO_{3} 0,037

{C 0,007

{S 0,001

{(NH_{4})_{2}CO_{3} 0,028

Kubik-

Grm. centim.

{N 0,099 = 79,40

Gase {CO_{2} 0,201 = 101,71

0,314 {CO 0,009 = 7,49

----- {H 0,0002 = 2,34

0,994 {SH_{2} 0,0018 = 1,16

{O 0,0014 = 1,00

------

193,10

Bei verschiedenem Druck bilden sich indessen verschiedene

Verbrennungsprodukte, wie die Versuche von =Craig= und die jüngsten von

=N. Fedorow= (1869) unwiderlegbar gezeigt haben.

Das Schiesspulver ist durch keine andere bekannte Substanz zu ersetzen,

da andere ähnliche Stoffe, wie Knallquecksilber, Kaliumchlorat u. s.

w., zu schnell explodiren und das Geschütz unfehlbar zertrümmern,

andere Stoffe, wie die Schiessbaumwolle, unter den Zersetzungsprodukten

Wasser und salpetrige Säure erzeugen, die auf die Wände des Geschützes

und auf den nachfolgenden Schuss von grossem Einflusse sind.

[Sidenote: Neue Sprengpulver.]

Unter dem Namen =Pyronone= ist kürzlich ein neues Sprengpulver

aufgetaucht, welches aus 52,5 Th. Natriumnitrat, 20 Th. Schwefel und

27,5 Th. Gerberlohe besteht. Es ist weit billiger als das gewöhnliche

Sprengpulver, ob auch wirksamer, ist zu bezweifeln. Zweckmässiger ist

das von =Wynands= unter dem Namen =Saxifragin= eingeführte

Sprengpulver, aus 76 Th. Bariumnitrat, 22 Th. Holzkohle und 2 Th.

Kalisalpeter bestehend. Das von Hauptmann =E. Schultze= 1864 erfundene

neue Schiess- und Sprengpulver besteht aus Holzkörnern, die mit

Salpetersäure und Schwefelsäure behandelt und dann mit einer Lösung von

Salpeter getränkt und endlich getrocknet werden. Es wird in

Edgeworthlodge in Hampshire dargestellt. =Bändisch= hat ein Verfahren

erfunden, das =Schultze='sche Pulver zu einem festen Körper

zusammenzupressen, wodurch er in kleinerem Umfange die grösste Kraft

enthält und sich gefahrlos transportiren lässt. Das unter der

Bezeichnung =Lithofracteur=[33] in Belgien angewendete weisse

Sprengpulver ist eine explosive Substanz, welche sich dem Pyroxylin an

die Seite stellt. Das =Haloxylin= von =Neumeyer= und =Fehleisen= ist

ein Gemenge von Kohle, Salpeter und Blutlaugensalz. -- Das Sprengpulver

von =Callou= ist ein Gemenge von Kaliumchlorat und Operment. -- Das

unter dem Namen =Sprengöl= (Nitroleum) vorkommende flüssige

Sprengpräparat ist Nitroglycerin, aus welchen man die weiter unten zu

beschreibenden Sprengmischungen =Dynamit= und =Dualin= darstellt. Seit

einigen Jahren findet in England und Frankreich das pikrinsaure Kalium

zum Füllen der zur Zerstörung der Panzerplatten der Kriegsschiffe

bestimmten Bomben Anwendung, ebenso zur Darstellung des sogenannten

=Pikratpulvers=.

[33] Vergl. =C. Luckow=, Ueber Sprengpulver und Sprengpulversurrogate,

namentlich über verbesserten Lithofracteur. Deutz 1869.

[Sidenote: Pulverprobe.]

Um die Kraft des Schiesspulvers zu messen, die bei gleichen

Bestandtheilen von der mechanischen Bearbeitung abhängig ist, bedient

man sich der =Probemörser=, der =Stangenprobe=, der =Hebelprobe=, der

=Pendelprobe= und des =Chronoskops=. Ersterer besteht aus einem

bronzenen Mörser, der eine Kugel von 58-6/10 Pfd. (29,4 Kilogr.) unter

einem Winkel von 45° durch eine Ladung von 92 Grm. des Pulvers

fortschleudert. Die Bohrung des Mörsers hat 191 Millimeter im

Durchmesser und 239 Millimeter Tiefe. Das Pulver muss die Kugel 225

Meter weit schleudern. Sehr gutes Pulver trägt 250, ja 260 Meter weit.

Die =Stangenprobe= besteht aus einem vertikal liegenden Mörser, der

durch 22-25 Grm. Pulver ein Gewicht von 8 Pfd. hebt, das sich zwischen

gezähnten Stangen bewegt. Aus der Höhe, bis zu welcher das Gewicht

gehoben wird, lässt sich auf die Güte des Pulvers ein Schluss ziehen.

Bei der =Hebelprobe= giebt die Grösse der Reactionsbewegung den

Maassstab der Kraftäusserung des zu probirenden Pulvers. An einem

Winkelhebel, dessen Arme senkrecht auf einander stehen, befindet sich

an dem Ende des bei der Anwendung horizontal stehenden Armes ein

kleiner Böller, der mit 30 Graden Pulver geladen und darauf mit Hülfe

eines eingesetzten Stupinenfadens entzündet wird. Durch die

Reactionskraft des ausströmenden Gases wird der Böller mit seinem Arme

nach abwärts gedrückt, der andere Arm dagegen mit dem daran

befindlichen Gegengewichte gehoben und zwar um so mehr, je stärker das

Pulver ist. Ein kleiner Steller an dem äussersten Endpunkte des ersten

Hebelarmes gleitet während seiner Bewegung nach abwärts an den Zähnen

eines vertikal dagegen stehenden Bogens und verhindert das Zurückgehen

des Hebels in seine alte Lage. Das Mittel von vier Schüssen wird als

das erforderliche Maass der Stärke des Pulvers angesehen. Bei der

Hebelprobe soll

Sprengpulver 22 Grade

Stückpulver 60 "

Scheibenpulver 130 "

Musketenpulver 80 "

schlagen. Bei der =Pulverprobe von Regnier= (_éprouvette à main de

Regnier_), welche vorzüglich in Frankreich zur Prüfung des Jagdpulvers

Anwendung findet, wird die Wirkung, sowohl die vor- als rückwärts

wirkende, des Pulvers auf eine Elasticität einer Stahlfeder ausgeübt.

An der zweischenkeligen freihängenden Stahlfeder ist die kleine Kanone

so befestigt, dass sie sich mit der Mündung an das Ende des einen

Schenkels, mit der Traube dagegen an ein mit dem anderen Schenkel fest

verbundenes, hakenförmiges Querstück von Eisen stützt. Es ist mithin

die Gesammtkraft des sich zersetzenden Pulvers in Wirksamkeit, beide

Schenkel einander zu nähern, indem der eine Schenkel durch die vorwärts

wirkende Kraft, der andere durch die Reactionskraft bewegt wird. Der

Grad dieser Annäherung wird an einem mit Läufen versehenen Gradbogen

abgelesen. Gewöhnliches Jagdpulver zeigt an diesem Instrumente 12°, das

feinste aber 14°. Die =Pendelprobe= oder das =ballistische Pendel=

(_pendule ballistique_) hat zweierlei Einrichtung, entweder wird dabei

die Grösse der Reactionsbewegung in Graden an einem Bogen gemessen,

welche ein pendelartig aufgehängter Kanonenlauf beim Abfeuern zeigt,

oder auch die Wirkung der Kugel auf den als Pendel aufgehängten

Kugelfang beobachtet. In der sogenannten =hydrostatischen Pulverprobe=

ist eine kleine Kanone senkrecht auf einem Schwimmer befestigt. In

Folge der Reactionsbewegung wird letzterer bis zu einer gewissen Tiefe

in das Wasser eingetaucht. Man drückt die Tiefe in Graden aus. Auch das

elektromagnetische =Chronoskop= (namentlich den elektroballistischen

Chronographen von =le Boulengé=) hat man zur Ermittelung der

Geschwindigkeit von Geschossen angewendet. Mit Hülfe dieses Apparates

misst man die Zeit, und somit die Geschwindigkeit, welche die Kugel

braucht, um einen bestimmten Weg zurückzulegen, dadurch, dass die Kugel

in dem Momente, wo sie den Lauf verlässt, den Schlussdraht einer

elektromagnetischen Kette zerreisst, wodurch der Zeiger einer Uhr in

Bewegung gesetzt wird, während durch den Aufschlag der Kugel auf die

Fangplatte die Kette geschlossen und dadurch die Uhr arretirt wird. Aus

dem Wege, welchen inzwischen der Zeiger zurückgelegt hat, lässt sich

die Zeit ablesen. Bei der von =Melsens= (in Brüssel) jüngst in

Vorschlag gebrachten =calorimetrischen Probe= ist der Haupttheil ein

Apparat, aus einem mit Quecksilber gefüllten Holzgefässe bestehend, in

welches der Probemörser eingeführt wird. Zu Messung der vor und nach

dem Schusse bestehenden Temperaturen des den Mörser umgebenden

Quecksilbers dienen zwei Thermometer. Die Differenz beider Temperaturen

dient als Anhaltepunkt zur Bestimmung der beim Schiessen mit einer

bestimmten Pulversorte freigewordenen Wärmemenge.

[Sidenote: Weisses Schiesspulver.]

Im Jahre 1849 ist von =Augendre= eine neue Art Schiesspulver, als

=weisses Pulver= zusammengesetzt worden, welches auch unter der

Bezeichnung =deutsches Weisspulver= oder =amerikanisches Pulver=

Anwendung findet. Dasselbe besteht aus gelbem Blutlaugensalz,

Kaliumchlorat und Rohrzucker, und entzündet sich sowol als feiner

Staub, wie im gekörnten Zustande bei Berührung mit rothglühenden

Körpern oder mit der Flamme. Durch Reibung zwischen polirten Körpern

entzündet es sich nicht, eben so wenig durch Schlag von Holz auf Holz

oder von Holz auf Metall. Es hat vor dem gewöhnlichen Schiesspulver

folgende Vorzüge: Es besteht aus unveränderlichen Substanzen und kann

daher durch Abwägen der Bestandtheile immer von derselben

Beschaffenheit erhalten werden. Seine Bestandtheile sind an der Luft

unveränderlich. Die Fabrikation erfordert wenig Zeit. Die Kraft des

Pulvers ist weit grösser; man kann in demselben Raume mehr Schüsse

unterbringen. Endlich hat es noch den Vorzug, dass der Staub dieselbe

Wirkung hat wie das gekörnte Pulver; man kann daher das Körnen

ersparen. Als Schattenseiten des neuen Pulvers werden angeführt: Es

oxydirt die eisernen Läufe stark, wodurch sich sein Gebrauch auf

Bronzeläufe und zum Füllen der hohlen Projectile beschränkt. Es ist

viel leichter entzündlich als das gewöhnliche Schiesspulver, indessen

nicht so leicht wie andere Gemische mit chlorsaurem Kali. Vor Allem

möchte aber der hohe Preis die Anwendung des neuen Pulvers untersagen.

=J. J. Pohl= hat (1861) das neue Pulver untersucht und als das beste

quantitative Mischungsverhältniss ermittelt ein Gemenge aus

28 Th. Blutlaugensalz,

23 " Rohrzucker,

49 " Kaliumchlorat

welches ein sehr gut abbrennendes Pulver liefert und nahezu dem

Verhältnisse

1 Mol. Blutlaugensalz,

1 " Rohrzucker,

3 " Kaliumchlorat.

entspricht, welches in 100 Th. 28,17 Th. Blutlaugensalz, 22,78 Th.

Rohrzucker und 49,05 Th. Kaliumchlorat enthält. Ueber die

Verbrennungsprodukte dieses Schiesspulvers ist um so weniger ohne

genaue Analysen etwas Bestimmtes zu sagen, als das Abbrennen im Freien

oder im geschlossenen Raume, sowie rasch oder absichtlich verlangsamt,

von Einfluss auf die Art der Zerlegung sein werden. Nimmt man hierbei

möglichste Zerlegung an, so könnte die Zersetzung nach folgendem Schema

vor sich gehen:

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 41 / 167 题