Das Körnen des Pulverkuchens geschieht entweder

1) durch Siebe oder

2) durch Walzen (Congreve'sche Methode), oder

3) nach dem Verfahren von Champy.

Die =Körnmethode in Sieben= geschieht auf folgende Weise: Die Siebe

selbst bestehen aus runden hölzernen Rahmen, zwischen welchen mit

Löchern versehenes Pergament eingespannt ist. Die Löcher haben

verschiedene Dimensionen. Man unterscheidet die Siebe je nach der

Grösse ihrer Löcher und dem Zwecke, wozu sie gebraucht werden, als

=Schrotsiebe=, welche zum Zerbröckeln oder Schroten des verdichteten

Pulverkuchens dienen; es wird ein Läufer (eine linsenförmige Scheibe)

aus hartem Holz (Guajakholz, Vogelbeer- oder Eichenholz) auf das Sieb

gelegt und letzteres und der Läufer durch Schütteln bewegt. Durch die

zweite Art der Siebe, das =Kornsieb=, wird dem geschroteten Pulver die

erforderliche Grösse des Kornes ertheilt; durch die dritte Art endlich,

das =Sortir=- oder =Staubsieb=, werden die gleich grossen Körner von

den übrigen und der Staub von dem gekörnten Pulver gesondert. Man

wendet in deutschen und französischen Fabriken häufig die

=Körnmaschine= von =Lefebvre= mit acht Sieben an, die in einen

achteckigen Holzrahmen eingesetzt sind.

Die =Congreve='sche =Körnmaschine= besteht aus drei Paar Messingwalzen

von 0,65 Meter Durchmesser, welche mit 2 Millimeter hohen, flachen,

vierseitigen Pyramiden (sogenannten Diamantspitzen) versehen sind. Die

obersten Walzen sind grobzähniger als die anderen. Der geschrotete

Pulverkuchen wird dem obersten Walzenpaare durch ein Tuch ohne Ende

zugeführt. Die Art der Beschickung des Tuches ist eigenthümlich: der

Boden des viereckigen Kastens, in welchem der Pulverkuchen sich

befindet, kann nämlich nach Art eines Kolbens sich senken und heben;

nachdem dieser Kasten mit verdichtetem Pulverkuchen gefüllt ist, steigt

der Boden, durch die Maschine in Bewegung gesetzt, langsam aufwärts und

lässt aus einer seitlichen Oeffnung die Pulvermasse gleichmässig auf

das Tuch fallen. Indem das geschrotete Pulver zwischen den Walzen

hindurchgeht, wird es gekörnt und fällt dann auf zwei Systeme von

Sieben aus Drahtgeflecht, welche durch die Maschine, welche sie

fortbewegt, zugleich eine rüttelnde Bewegung erhalten. Unter den

Walzenpaaren liegt ein langes, geneigtes Sieb, dessen Maschen so eng

sind, dass sie das Kanonenpulver nicht, wol aber das Musketenpulver und

den Staub hindurchlassen. Unter ihm in paralleler Lage befindet sich

ein zweites feines Sieb, welches nicht das Musketenpulver, sondern nur

den Staub hindurchfallen lässt. Unter diesem endlich liegt ebenfalls

geneigt der Boden des Siebapparates, auf welchem der Staub sich

ansammelt. Die Quantität des Staubes ist bei der Congreve'schen

Körnmaschine verhältnissmässig eine geringe, da durch diese Maschine

nur eine zerbröckelnde, aber keine zerknirschende Wirkung auf den

Pulverkuchen ausgeübt wird.

In der ersten französischen Revolution machte sich das Bedürfniss eines

schnelleren Verfahrens der Darstellung des Pulvers und vorzugsweise der

Operation des Körnens fühlbar. Man erreichte ein schnelleres Körnen und

zugleich ein rundes Pulver durch das Verfahren von =Champy=. Der dabei

angewendete Apparat besteht in einer hölzernen Trommel, durch deren

hohle Axe ein mit feinen Löchern versehenes Kupferrohr mitten in der

Trommel mündet. Durch die Brause strömt Wasser als ein feiner Regen in

den Pulversatz. Die Trommel wird um ihre Axe bewegt. Jedes

Wassertröpfchen bildet den Mittelpunkt eines Pulverkornes, welches

unablässig in dem feuchten Pulversatze sich herumbewegt und sich auf

diese Weise abrundet und durch concentrische Schichten einem Schneeball

ähnlich sich vergrössert. Das Rotiren der Trommel wird eingestellt,

sobald die Körner die erforderliche Grösse erreicht haben. Die Körner

sind fast vollkommen kugelförmig, aber nicht von gleicher Grösse. Durch

Sieben sortirt man die Körner von einander und von dem Staube. Die zu

grossen Körner werden aufs Neue pulverisirt. Die zu feinen Körner

wendet man dagegen bei der nächsten Operation an, welches, indem es den

Kern bildet, sehr leicht grössere Körner giebt. Nach dem Berner

Verfahren stellt man =runde= Pulverkörner dar, indem man das gekörnte

eckige Pulver in Barchentsäcken sich drehen lässt, wodurch die eckigen

Körner sich abrunden und zugleich glätten. Durch diese Methode wird ein

grosser Theil des Pulvers in Staub verwandelt.

[Sidenote: Das Poliren des gekörnten Pulvers.]

Das Poliren, Glätten oder Schleifen des gekörnten Pulvers hat zum Zweck,

nicht nur die Körner von allem Staub zu befreien, sondern deren

Oberfläche zu glätten. Zu diesem Behufe bringt man etwa 5 Ctr. gekörntes

Pulver in eine Trommel, wie sie zum Pulverisiren der Materialien und zum

Mengen des Pulversatzes angewendet wird, und lässt die Trommel, natürlich

ohne Kugel und Leisten, einige Stunden sich langsam um ihre Axe drehen.

In anderen Ländern bedient man sich zum Glätten des Pulvers länglicher

Tonnen (=Rollfässer=), welche mit Hülfe einer durch die Axe gehenden

Welle umgedreht werden können. Man vermehrt die Reibung der

Pulverkörner dadurch, dass in dem Fasse in der Richtung der Axe

viereckige Stäbe angebracht sind. Der in Holland gebräuchliche Zusatz

von Graphit während des Polirens ist nachtheilig, indem er die

Leichtentzündlichkeit auf Kosten des Glanzes verringert.

[Sidenote: Trocknen des Pulvers.]

In kleinen Pulvermühlen setzt man das Pulver, in dünne Schichten

ausgebreitet, zum Trocknen der Luft oder der Sonnenwärme aus, auch

bedient man sich daselbst eines in der Mitte des Trockenraumes stehenden

Ofens, welcher im Zimmer selbst geheizt wird, während das Pulver auf

Horden an den Wänden ausgebreitet liegt. In grösseren Pulverwerken wendet

man künstliche Trocknungsmethoden an.

Es ist für die Qualität des Pulvers wichtig, dass das Trocknen nur

langsam geschehe, ausserdem treten von zu schnellem Trocknen noch

folgende Nachtheile ein: a) es zieht sich aus dem Pulver, besonders

wenn dasselbe sehr feucht und nicht polirt ist, mit dem entweichenden

Wasser Salpeter auf die Oberfläche und die Körner backen sehr zusammen;

b) es entstehen durch den entweichenden Wasserdampf Kanäle in den

Körnern, welche deren Dichte verringern und eine grössere Oberfläche

hervorbringen, demnach auch die Ursache einer grösseren Hygroskopie

werden; c) ein schnell getrocknetes Pulver liefert mehr Abgang beim

Ausstäuben. Aus diesen Gründen wird selbst in Pulverwerken, in denen

künstliche Trocknungsmethoden angewendet werden, das Pulver vorher in

luftigen und warmen Räumen einer kurzen Lufttrocknung unterworfen.

[Sidenote: Ausstäuben des getrockneten Pulvers.]

In einigen Fabriken wird das Pulver nach beendigter Trocknung in der

erwähnten Trommel nochmals eine kurze Zeit polirt. In anderen und zwar in

den meisten Fabriken lässt man das zweite Poliren weg und beschliesst mit

dem =Ausstäuben= die Fabrikation des Pulvers. Diese Operation geht in

schräg aufgehängten Säcken oder Schläuchen von Zwillich vor sich, welche

durch eine einfache Vorrichtung in rüttelnde Bewegung versetzt werden,

wodurch der Staub durch die feinen Oeffnungen des Zwillichs geht, das

Pulver aber in einen Kasten fällt. Der Abgang beim Ausstäuben beträgt

ungefähr 0,148 Proc. vom Gewichte des angewendeten Pulvers; er ist

reicher an Kohle als das Schiesspulver und darf daher nicht zu neuem

Satze hinzugegeben werden.

[Sidenote: Eigenschaften des Pulvers.]

Ein gutes Pulver muss, ausser der zweckmässigen Zusammensetzung,

gewisse physikalische Eigenschaften haben, aus welchen man einen

Schluss auf seine Güte ziehen kann. Diese Eigenschaften sind folgende:

1) Es muss schieferfarbig (blaugrauschwarz) sein; eine blos

bläulichschwarze Farbe deutet auf ein zu grosses Verhältniss an Kohle,

eine zu schwarze Farbe auf vorhandene Feuchtigkeit. Wurde bei der

Fabrikation anstatt der schwarzen Kohle Röstkohle (_charbon roux_)

angewendet, so hat das Pulver eine bräunlichschwarze Farbe; 2) es darf

nicht glänzend polirt sein: einzelne schimmernde Punkte auf der

Oberfläche deuten auf Salpeter, der sich dort durch Krystallisation

ausgeschieden hat; 3) die Körner müssen nahezu gleiche Grösse haben,

wenn das Pulver nicht absichtlich ein Gemenge von zweierlei Sorten ist;

4) die Körner müssen beim Drücken in der Hand gleichsam knirschen; sie

müssen so fest sein, dass sie sich mit den Fingern in der flachen Hand

nicht leicht zerreiben lassen; 5) die Körner müssen nach dem Zerdrücken

einen unfühlbaren Staub bilden; scharfe Theile, die durch das Gefühl

darin unterschieden werden, deuten auf nicht hinlänglich fein

gepulverten Schwefel; 6) das Pulver darf nicht abfärben, wenn man es

über den Handrücken oder über Papier rollen lässt, sonst enthält es

Mehlpulver oder zu viel Feuchtigkeit; 7) ein kleines Häufchen Pulver

auf weissem Papier entzündet, muss schnell verbrennen, ohne einen

Rückstand zu hinterlassen und ohne das Papier zu entzünden; schwarze

Flecken deuten auf zu viel oder schlecht gemengte Kohle; sieht man nach

dem Abbrennen des Pulvers auf dem Papier gelbe Streifen, so ist

dasselbe mit dem Schwefel der Fall; bleiben kleine Körner zurück, so

ist das Pulver nicht gut gemengt; lassen sich diese Körner nicht weiter

entzünden, so enthält es unreinen Salpeter, ein Fall, der gegenwärtig

kaum noch vorkommt; brennt das Pulver endlich Löcher in das Papier, so

ist es feucht oder von sehr untergeordneter Qualität.

Dass Pulversorten von gleichem kubischen Gewichte nicht gleiches spec.

Gewicht haben, lehrt folgende Tabelle. Es hatten:

1 Kubikfuss (preuss.)

in Pfunden Spec. Gewicht

Geschützpulver von Neisse (ord.) 60 1,77

" " " (neue Fabrik) 60 1,67

" " Berlin " " 60 1,63

" " Russland (ord.) 60-5/16 1,56

" " Bern (No. 6) 59-3/8 1,67

Gewehrpulver von Berlin (neue Fabrik) 60 1,63

" " Bern (No. 4) 60-5/8 1,67

" " Hounslow 59 1,72

Pürschpulver von Berlin (alte Fabrik) 62 1,77

Pürschpulver von Le Bouchet 59-1/4 1,87

Sehr grobkörn. Pulver, niederländisch (ord.) 60-3/16 1,87

" " " österreichisches 64-3/8 1,72

Das Pulver kann über 14 Proc. Feuchtigkeit aus der Luft absorbiren. Hat

es nicht mehr als 5 Proc. absorbirt, so erhält es durch das Trocknen

seine frühere Wirksamkeit wieder; enthält es aber mehr Feuchtigkeit, so

verliert es die Eigenschaft, rasch zu verbrennen, und beim Trocknen

überziehen sich die einzelnen Körner mit einer Salpeterkruste, wodurch

die gleichförmige Mischung und folglich auch die Wirksamkeit des

Pulvers leidet. Selbst gutes, anscheinend trockenes Pulver enthält

wenigstens 2 Proc. Wasser. Das Pulver lässt sich durch Stoss und

Temperaturerhöhung entzünden. In Bezug auf die Entzündlichkeit des

Schiesspulvers durch Schlag und Stoss hat man gefunden, dass am

leichtesten durch den Schlag von Eisen auf Eisen, von Eisen auf

Messing, von Messing auf Messing eine Entzündung vor sich gehe, minder

leicht von Blei auf Blei, von Blei auf Holz, am wenigsten leicht von

Kupfer auf Kupfer oder von Kupfer auf Bronze. Wird trockenes Pulver

schnell einer Temperatur von 300° C. ausgesetzt, so verpufft es. Ganz

dasselbe geht vor sich, wenn auch nur an einem kleinen Theile eines

Pulverquantums die nöthige Temperaturerhöhung bewirkt wird, wie es der

Fall ist bei der Berührung mit der Lunte oder dem glühenden

Stahlstückchen des Feuerstahls oder endlich der Flamme des

explodirenden Knallquecksilbers. Es wird gegenwärtig als ausgemacht

angesehen, dass unter den Pulverbestandtheilen die Kohle zuerst Feuer

fängt und darauf die Entzündung auf die übrigen Materialien überträgt.

Was die zuerst von =Hearder= beobachtete Nichtentzündlichkeit des

Pulvers unter dem Recipienten einer Luftpumpe durch einen glühend

gemachten Platindraht betrifft, so hat =v. Schrötter= gefunden, dass

Schiesspulver, welches sich im Vacuum der Luftpumpe befindet, mit der

Spirituslampe rasch erhitzt, immer explodirt. Zu ähnlichen Ergebnissen

gelangte =F. A. Abel= in Woolwich.

[Sidenote: Zusammensetzung des Schiesspulvers.]

Das Schiesspulver besteht ziemlich genau aus je 2 Mol. Kaliumnitrat, 1

Mol. Schwefel und 3 Mol. Kohle, demnach in 100 Th. aus:

74,84 Salpeter,

11,84 Schwefel,

13,32 Kohle (No. I).

Mit dieser Zusammensetzung stimmt annähernd die der besten Jagd- und

Flintenpulver überein. Die ordinären oder Sprengpulver enthalten auf

gleiche Moleküle Salpeter und Schwefel 6 Moleküle Kohle, mithin in 100

Theilen:

66,03 Salpeter,

10,45 Schwefel,

23,52 Kohle (No. II).

[Sidenote: Produkte der Verbrennung.]

=Bunsen= und =Schischkoff= fanden ein Jagd- und Scheibenpulver

zusammengesetzt aus:

Salpeter 78,99

Schwefel 9,84

{ Kohlenstoff 7,69

Kohle { Wasserstoff 0,41

{ Sauerstoff 3,07

{ Asche Spuren

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Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 40 / 167 题