Die Wollfabrikanten

von Rheims waschen jährlich 10 Millionen Kilogr. Wolle

" Elbeuf " " 15 " " "

" Fourmies " " 2 " " "

--------------------------

27 Millionen Kilogr. Wolle

welche von 6,750,000 Stück Schafen geliefert werden. Diese Quantität

Wolle würde nach =Maumené= 1,167,750 Kilogr. Potasche liefern können,

einen Werth von 80-90,000 Pfd. Sterl. repräsentirend. =Maumené= und

=Rogelet= schätzen die Anzahl der Schafe in Frankreich auf 47 Millionen

Stück; könnte man aus der Wolle derselben alles Kali gewinnen, so würde

Frankreichs Boden alles Kali liefern, das die französische Industrie

bedarf. Diese Wolle könnte nämlich an Kaliumcarbonat 12 Mill. Kilogr.

liefern, daraus, sagen die Urheber des neuen Verfahrens, könne man

darstellen 17-1/2 Mill. Kilogr. Salpeter und 1870 Mill. Patronen, jede

mit 12,5 Grm. Schiesspulver. (Nach =P. Havrez= (in Verviers) ist es

vortheilhafter, wenn man den Wollschweiss, welcher in neuester Zeit

(1869) von =Märcker= und =Schulze=[31] einer genauen Untersuchung

unterworfen wurde, gleichzeitig auf Kaliumcarbonat und Blutlaugensalz,

als wenn man ihn nur auf Kaliumcarbonat verarbeitet.)

[31] Journ. für prakt. Chemie Bd. 108 p. 193-208.

Begreiflicherweise kann die neue Potaschengewinnung nur in den

Mittelpunkten der Wollindustrie Eingang finden, der kleine Landwirth

wird immer besser thun, mit seinen Wollwaschwässern den Boden zu düngen

und somit ihm das zurückzugeben, was er durch die Vegetation, die als

Schaffutter diente, verlor. Wirthschaftlich wichtiger ist die Einfuhr

von ausländischem Wollschweiss. So hat England allein im Jahre 1868 aus

Australien und vom Cap 63 Mill. Kilogr. rohe Wolle erhalten, die 1/3

Wollschweiss enthielten. Aus diesem Schweisse könnten 7-8 Mill. Kilogr.

reine Potasche im Werthe von 6,400,000 Frcs. erhalten werden.

Ist nun auch durch die Stassfurter Kalisalzindustrie die Verarbeitung

des Schafwollschweisses auf Potasche in den Hintergrund gedrängt, so

bietet doch diese eigenthümliche Potaschegewinnung Stoff genug zum

Nachdenken für den Schafzüchter und für den Physiologen. Denn sehr nahe

liegt der Gedanke, dass, da die Bildung des Wollhaares und Abscheidung

von Kalisalzen in dem Organismus des Schafes zu gleicher Zeit und an

dem nämlichen Orte stattfinden, möglicherweise eine vermehrte

Kalizufuhr die Qualität der Wolle beeinflussen könnte. Wenn es sich um

die Produktion von Wollsorten mit bestimmten Eigenschaften handelt,

wäre es vielleicht vortheilhaft, das Lecksalz zeitweilig durch

Stassfurter Chlorkalium zu ersetzen. Es ist bemerkenswerth, dass die

Schafe einem Gemenge von Chlorkalium und Chlornatrium den Vorzug geben

vor reinem Kochsalz.

=Darstellung gereinigter Potasche.= In früherer Zeit, als man die

Potasche vorzugsweise durch Auslaugen der Holzasche erhielt, musste die

Potasche als ein Gemenge von Kaliumcarbonat, Kaliumsulfat und Chlorkalium

betrachtet werden, in welchem der Gebrauchswerth der einzelnen Kalisalze

ein sehr verschiedener war. Seitdem das Kaliumcarbonat aus der

Schlempekohle und auf chemischem Wege durch Umsetzung von Chlorkalium und

Kaliumsulfat dargestellt wird und somit ein reineres Produkt als früher

in den Handel kommt, sucht man die Rohlauge methodisch zu verarbeiten,

wie es bei der Darstellung der amerikanischen Potasche, bei der

Verarbeitung der Salze der Schlempekohle und des Kelpes der Fall ist, und

die einzelnen Salze derselben in möglichst reiner Gestalt auszuscheiden.

Kaliumcarbonat, wie es als Laboratoriums- oder pharmaceutischer Artikel

auftritt, erhielt man früher durch Glühen von Weinstein oder eines

Gemenges von Weinstein und Salpeter, oder auch durch Glühen von

essigsaurem Kali. Gegenwärtig stellt man es durch vorsichtiges Glühen

eines Gemenges von Kaliumsalpeter mit überschüssiger Kohle, oder durch

Glühen von Kaliumcarbonat dar.

In England geschieht die Darstellung von Kaliumcarbonat fabrikmässig.

Man verwendet es dort zur Flintglasfabrikation. Das Flintglas Englands

verdankt seine Farblosigkeit wol nicht allein der Anwendung von

Bleiglas überhaupt, sondern im Speciellen auch der Verwendung ganz

reiner Materialien. Das hier in Rede stehende Präparat ist reines

krystallisirtes Kaliumcarbonat mit 16 bis 18 Proc. Wassergehalt, was

nicht ganz 2 Molekülen Krystallwasser entspricht; das zweite Molekül

wird durch die Hitze bei der Fabrikation schon theilweise ausgetrieben.

Das Salz erscheint in kleinen Würfeln. Als Rohmaterial dient die

amerikanische Perlasche; dieselbe hat drei Flammenofen-Operationen zu

passiren, bevor sie in dem Schlussstadium anlangt. Zuerst wird sie in

einem Flammenofen von der Bauart eines gewöhnlichen Sodaofens

geschmolzen und zwar unter Zusatz von Sägespänen, um das ätzende Kali

und Schwefelkalium in kohlensaures zu verwandeln. Die geschmolzene

Asche wird nun aufgelöst und die Lösung durch Ruhe geklärt, dann von

dem Bodensatze klar abgezogen und in einem Flammenofen zur Trockne

verdampft; die Masse stellt jetzt ein grauschwarzes Pulver dar. Nun

wird sie noch einmal aufgelöst, die Lösung durch Absitzenlassen geklärt

und in einem dritten Flammenofen zur Trockne verdampft; jetzt erscheint

das Produkt erst weiss. Es wird nun zum dritten Male aufgelöst, so weit

verdampft, dass beim Erkalten alles schwefelsaure Kali

herauskrystallisirt und die Mutterlauge davon wiederum so lange

eingedampft, bis sie beim Erkalten zu einer Krystallmasse mit dem oben

erwähnten Wassergehalte erstarrt.

Die specifischen Gewichte von Lösungen von Kaliumcarbonat (bei 15°)

sind (nach =Gerlach=):

Proc. Spec. Gew. Proc. Spec. Gew.

1 1,009 30 1,301

2 1,018 35 1,358

4 1,036 40 1,418

5 1,045 45 1,480

10 1,092 50 1,544

15 1,141 51 1,557

20 1,192 52 1,5704

25 1,245 52,024 1,5707

[Sidenote: Aetzkali.]

=Darstellung von Aetzkali.= Das Aetzkali (Kaliumhydroxyd, KHO, in 100

Theilen aus 83,97 Kali und 16,03 Wasser bestehend) wird gegenwärtig,

namentlich in England, fabrikmässig dargestellt.

Die hauptsächlich dazu angewendete Methode besteht darin,

Kaliumcarbonat, (wie es aus dem Chlorkalium der Kaluczer Sylvine, der

Stassfurter Carnallite, der Schlempekohle und des Kelps durch

=Leblanc='s Process gewonnen wurde) in Form von Rohpotasche (d. h. mit

Schwefelcalcium und Kalkhydrat gemengt, wie dieselbe aus dem

Calcinirofen kommt) mit Wasser auszulaugen und die Lauge durch

Behandeln mit Aetzkalk kaustisch zu machen. Vortheilhafter, d. h. zeit-

und materialersparender ist es, wenn man die Quantität Steinkohle,

welche man dem Gemenge von Kaliumsulfat und Kalkstein behufs der

Fabrikation von Mineralpotasche zusetzt, etwas vergrössert, die

Schmelzung entsprechend länger währen lässt und die gewonnene

Rohpotasche sofort mit Wasser von 50° C. auslaugt. Man umgeht dadurch

die nachträgliche Kaustificirung der Rohlauge durch Kalk. Die Lauge

wird, um an Brennstoff beim Abdampfen zu sparen, nach dem von =Dale=

gegebenen Beispiele zum Speisen des Dampfkessels benutzt und darin bis

auf das spec. Gewicht von 1,25 gebracht. Hierauf wird sie in offenen

Pfannen unter Ausschöpfung der sich ausscheidenden fremden Salze zur

Trockne abgedampft. Man verwendet gegenwärtig vielfach das Aetzkali zur

Umsetzung des Natriumsalpeters in Kalisalpeter und (neben Aetznatron)

zur Darstellung der Oxalsäure aus Sägespänen. Unter denjenigen

Reaktionen, bei denen Aetzkali auftritt, sind für die Bereitung von

Aetzkali örtlich beachtenswerth: 1) Zersetzung von Kaliumsulfat mit

Aetzbaryt; 2) Ueberführung von Chlorkalium in Kieselfluorkalium und

Zersetzen des letzteren durch Aetzkalk; 3) Glühen von Kalisalpeter mit

Kupferblech. Folgende Tabelle zeigt den Gehalt der Kalilauge an Kali

bei den verschiedenen spec. Gewichten:

Spec. Gewicht. Grade nach =Baumé=. Kaliprocente.

1,06 9 4,7

1,11 15 9,5

1,15 19 13,0

1,19 24 16,2

1,23 28 19,5

1,28 32 23,4

1,39 41 32,4

1,52 50 42,9

1,60 53 46,7

1,68 57 51,2

Der Salpeter.

(KNO_{3} = 101,2. In 100 Th. 46,5 Th. Kali und 53,5 Th. Salpetersäure.)

[Sidenote: Salpeter.]

Der Salpeter (Kalisalpeter, Kaliumnitrat) kommt theils fertig gebildet in

der Natur vor, theils wird er als chemisches Produkt künstlich

dargestellt. Es ist bekannt, dass an den Mauern der Ställe häufig

Auswitterungen (Mauerfrass, Salpeterfrass) beobachtet werden, die zum

grössten Theil aus salpetersauren Salzen bestehen. Eben so findet man

diese Auswitterung in Höhlen und auf der Oberfläche des Bodens in

Spanien, Ungarn, Aegypten, Ostindien (am Ganges und auf Ceylon) und

mehreren Theilen Südamerikas (so namentlich zu Tacunga im Staate

Ecuador); in Chile und Peru findet man sogar salpetersaures Natrium

(Chilesalpeter) in ungeheuren Massen in einer Erstreckung von mehr als 30

Meilen unter einer Schicht von Thon.

[Sidenote: Vorkommen des natürlichen Salpeters.]

Der natürliche Salpeter kommt unter sehr verschiedenen Verhältnissen

vor, welche jedoch sämmtlich die Mitwirkung organischer Substanzen

erkennen lassen; er bedeckt den Boden mit Efflorescenzen, die gleich

einer Vegetation üppig emporwuchern. Wird der Salpeter durch Abkehren

entfernt, so währt es nicht lange und es sind neue Ausblühungen da, die

der Ernte harren. So gewinnt man den Salpeter aus dem durch die

Ueberschwemmungen des Ganges abgelagerten Schlamme, so erhält man in

Spanien den Kalisalpeter durch Auslaugen des Ackerbodens, welcher

demnach nach Belieben als Salpeterplantage oder als Weizenfeld benutzt

wird. In den natürlichen Salpeterbildungsstätten bildet sich der

Salpeter unter sehr verschiedenen Bedingungen, er entsteht in der

Ackererde im intensiven Sonnenlicht so gut als wie im Schatten des

Waldbodens und der Dunkelheit der Höhlen; in allen Fällen muss aber

eine Bedingung erfüllt sein, nämlich das Vorhandensein organischer

Stoffe, des Humus, welcher durch seine langsame Verbrennung die

Salpeterbildung einleitet. Trockene Luft, regenarme oder regenlose

Gegend, sind die unerlässlichen Bedingungen nicht nur zur Bildung,

sondern auch =zur Conservation= des Salpeters. Eine andere, aber vom

Klima unabhängige Bedingung ist das Vorhandensein von verwittertem

krystallinischen Gestein, das Feldspath als Gemengtheil enthält. Aus

dem Kali dieses Gesteins bildet sich nun der Kalisalpeter, der in Folge

seiner mangelnden Hygroskopicität durch Capillarität an die Oberfläche

gelangt und durch die erwähnten Ausblühungen sich kund giebt. Alle bis

jetzt bekannten natürlichen Salpeterbildungsstätten sind mit dem

feldspathigen Element versehen, auch die von Tacunga, deren Boden aus

Trachyten und Tuff entstanden ist, die unter den vulkanischen Gesteinen

des Staates Ecuador vorherrschen. Zwischen der Fruchtbarkeit und der

Salpeterbildung eines Erdreichs findet ein thatsächlicher Zusammenhang

statt. Dies gilt ebenso gut für Südamerika wie für die salpeterhaltigen

Felder Spaniens, die nach Belieben des Cultivators Salpeter oder Weizen

liefern, wie für die Ufer des Ganges, welche Kehrsalpeter geben neben

den üppigsten Tabak-, Mais- und Indigpflanzen. Der Ursprung der

Salpetersäure ist wie oben erwähnt in der langsamen Verbrennung der

stickstoffhaltigen organischen Substanzen zu suchen, die in dem Humus

enthalten sind, und nicht in der Salpetersäure der Luft, in welcher

bekanntlich, wie die Untersuchungen von =Boussingault=, =Millon=,

=Zabelin=, =Schönbein=, =Froehde=, =Böttger= und =Meissner= gelehrt

haben, durch Elektricität und durch die geheimnissvolle Rolle des Ozons

sich auch immense Mengen von Salpetersäure und salpetriger Säure

bilden. Wie =Goppelsröder='s Untersuchungen gezeigt haben, findet sich

in den natürlich vorkommenden Salpetersorten fast durchweg etwas

salpetrige Säure.

[Sidenote: Gewinnung des Salpeters.]

In Ländern, in welchen wie z. B. in Ungarn, der Salpeter auswittert, ist

die Gewinnung desselben sehr einfach; man laugt die salpeterhaltige Erde

(=Gayerde=, =Gaysalpeter=, =Kehrsalpeter=) mit Wasser, oft unter Zusatz

von Potasche, aus, um den in der Erde enthaltenen salpetersauren Kalk zu

zersetzen, verdampft die Lauge und bringt dieselbe zur Krystallisation.

Den Salpeterbildungsprocess der Natur ahmt man in den =Salpeterplantagen=

künstlich nach, in denen man alle Bedingungen, welche die Salpeterbildung

begünstigen, zu erfüllen sucht. Die Vortheile der Salpeterplantagen sind

früher übertrieben dargestellt worden; gegenwärtig ist man, namentlich

seitdem die Fabrikation des Conversionssalpeters und die Einfuhr von

indischem Salpeter den Verbrauch in Europa zum grossen Theile deckt, in

den meisten Ländern des nördlichen Europas zu der Einsicht gekommen, dass

es weit grösseren Nutzen bringe, das hierzu erforderliche Land, den

Dünger und die Arbeitskraft dem Ackerbau zuzuwenden.

Als Materialien wählt man Erde, die reich ist an Calciumcarbonat, wie

Mergel, Bauschutt, Holz-, Torf-, Braunkohlen-, Steinkohlenasche, Staub

und Koth von Chausseen, Abfall aus Stuben, Ställen, Städten, Schlamm

aus Teichen und Schleusen, Kalkrückstände aus Soda-, Gas-,

Papierfabriken, Bleichereien, Asche und Kalk von Seifensiedern etc.,

und als Stickstofflieferer: düngerhaltige Materialien oder Dünger

selbst, thierische Abfälle, wie Fleisch, Sehnen, Häute, Blut aller Art

aus den Schlachthäusern und Wasenmeistereien, Rückstände aus chemischen

Fabriken, aus Gerbereien und Leimfabriken, von wollenen Lumpen aus

Tuchfabriken; man schichtet auch nicht selten die frischen thierischen

Abfälle mit Vegetabilien, namentlich mit solchen, welche, wie

Kartoffelkraut, Runkelrübenblätter, Bilsenkraut, Nesseln, Sonnenblumen,

Borretsch etc., Salpeter enthalten, und begiesst die Haufen von Zeit zu

Zeit mit Jauche oder Gülle. Die Principien, welche man bei der

zweckmässigsten Mischung der Erde zur Salpeterbildung zu befolgen hat,

sind dieselben, welche die Agriculturchemie zur Herstellung des

Compostes kennen gelehrt hat. Aus der präparirten Erde, =Muttererde=,

welche man mit Stroh oder mit Reissig durchflicht, um der Luft

möglichst allseitig Zutritt zu gestatten, bildet man auf einem

geneigten, festgeschlagenen Lehmboden Haufen von 2-2-1/2 Meter Höhe von

der Form einer abgestutzten Pyramide. Man kann auch in besonderen

Haufen (=Faulhaufen=) die Fäulniss der thierischen Substanzen einleiten

und die so erhaltene Masse mit der übrigen Erde mischen. Wenn die

Salpetererde der Reife sich nähert, lässt man die Haufen austrocknen;

es bildet sich dann an der Oberfläche eine 6-10 Centimeter dicke Rinde,

welche reicher ist an salpetersauren Salzen als die andere Masse, da

sich durch Capillarwirkung die Lauge an die Oberfläche zieht und dort

ihr Wasser verliert. Diese Kruste wird so oft abgekratzt, bis der Kern

des Haufens der Luft zu wenig Oberfläche darbietet, wo er dann mit

bereits ausgelaugter Erde =umkränzt= oder ganz abgetragen und neu

aufgebaut wird. In der =Schweiz= gewinnt man in mehreren Cantonen den

Salpeter in den Ställen, welche in der Regel an Bergabhängen liegen,

sodass blos der Eingang zu ebener Erde ist, während der

gegenüberliegende Theil des Gebäudes einige Fuss höher ist als der

Boden und auf Pfählen ruht. Auf diese Weise ist der gedielte Boden des

Stalles vom Erdboden durch eine Luftschicht getrennt. Unter dem Stalle

wird eine Grube von 0,6-1,0 Meter Tiefe gegraben; diese Grube füllt man

mit einer porösen Erde, welche den erforderlichen Kalkgehalt hat, und

tritt dieselbe fest. Diese Erde absorbirt den Harn der Thiere. Nach 2-3

Jahren nehmen die Salpetersieder in den leerstehenden Sommerstallungen

die Bodenbretter ab, entfernen die Salpetererde aus der Grube und

laugen dieselbe mit Wasser aus. Die Lauge wird in einer Hütte, in

welcher ein Kessel in einem in die Erde eingegrabenen Herde eingesenkt

ist, versotten. Die ausgelaugte Erde kommt in die Ställe zurück. Es

lohnt sich erst nach sieben Jahren, aus demselben Stalle wieder

Salpeter zu gewinnen. Ein einziger Stall soll 50-200 Pfd. Rohsalpeter

liefern, nach anderen Angaben kann sich der Ertrag bei einem Stalle auf

10 Ctr. belaufen. Die Lauge wird mit Asche und Aetzkalk versetzt, vom

Bodensatze abgegossen, in der Siedehütte eingedampft und der

Krystallisation überlassen. Man lässt die Krystalle in Körben

abtropfen, verpackt sie in Säcke und versendet sie an die

Raffiniranstalten der Pulvermühlen. In =Schweden=, wo jeder

Grundbesitzer zur Lieferung von Salpeter an die Behörde als Steuer

verpflichtet ist, sind die salpeterbildenden Materialien in hölzerne

Kästen oder Schuppen eingetragen, werden darin von Zeit zu Zeit mit

Rindsharn übergossen und umgeschaufelt. Nach 2-3 Jahren ist die Erde

reif.

[Sidenote: Behandeln der reifen Salpetererde.]

Aus der reifen Salpetererde wird in den Salpetersiedereien der

Kalisalpeter auf folgende Weise dargestellt: _a_) die Erde wird mit

Wasser ausgelaugt (=Darstellung der Rohlauge=); _b_) die Lauge (Rohlauge)

wird gebrochen, d. h. sie wird mit der Lösung eines Kaliumsalzes

zusammengebracht, um das vorhandene Calcium- und Magnesiumnitrat in

Kaliumnitrat zu verwandeln (=Brechen der Rohlauge=); _c_) die gebrochene

Lauge wird abgedampft, um den Salpeter (=Rohsalpeter=) krystallisirt zu

erhalten; _d_) der Rohsalpeter wird geläutert und raffinirt.

[Sidenote: Darstellung der Rohlauge.]

Die siedewürdige Erde wird mit Wasser ausgelaugt, um die in Wasser

löslichen Bestandtheile von den unlöslichen zu trennen. Hierbei ist das

Auslaugen mit der geringsten Menge Wasser vorzunehmen, um später bei der

Verdampfung an Brennmaterial zu ersparen. Laugen von 12-13 Proc. Gehalt

sind siedewürdig.

[Sidenote: Brechen der Rohlauge.]

Die Rohlauge (in Oesterreich =Grundwasser= genannt) enthält die Nitrate

von Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium, Chlorcalcium, Chlormagnesium,

Chlorkalium, Ammoniaksalze und vegetabilische und thierische Substanzen.

Um die Nitrate des Calciums und Magnesiums, welche sich in der Rohlauge

vorfinden, in Kaliumnitrat überzuführen, wird die Rohlauge =gebrochen=,

d. h. es wird die Rohlauge mit einer Auflösung von 1 Th. Potasche in 2

Th. Wasser versetzt:

Calciumnitrat Ca(NO_{3})_{2} } { Kaliumnitrat 4KNO_{3}

Magnesiumnitrat Mg(NO_{3})_{2} } geben { Calciumcarbonat CaCO_{3}

Kaliumcarbonat 2K_{2}CO_{3} } { Magnesiumcarbonat MgCO_{3}

Zu gleicher Zeit werden auch die Chlorüre des Calciums und Magnesiums

zersetzt und in Chlorkalium und Calcium- und Magnesiumcarbonat zerlegt.

Von der Potaschenlösung wird so lange zugesetzt, als noch ein

Niederschlag in der Flüssigkeit sich bildet. Um einen Maasstab für die

Quantität der zuzusetzenden Potaschenlösung zu haben, macht man mit etwa

1/2 Liter der Rohlauge eine vorläufige Probe, welche Menge

Potaschenlösung zugesetzt werden muss, bis kein Niederschlag mehr

entsteht.

Zuweilen wendet man zum Brechen der Rohlauge auch Kaliumsulfat anstatt

der Potasche an. Die Anwendung des Kaliumsulfates verlangt zuerst eine

Zersetzung der Magnesiasalze der Rohlauge durch Kalkmilch und

nachheriges Abdampfen; auf Zusatz von Kaliumsulfat scheidet sich sodann

Calciumsulfat aus (Ca(NO_{3})_{2} + K_{2}SO_{4} = 2KNO_{3} + CaSO_{4}).

Auch bei der Anwendung von Chlorkalium zum Brechen der Lauge entfernt

man zuerst die Magnesiasalze mittelst Kalkmilch. Hierauf setzt man zu

der decantirten Flüssigkeit die erforderliche Quantität eines Gemenges

von Chlorkalium und Glaubersalz nach gleichen Molekülen. Hierdurch wird

der Kalk als Gyps niedergeschlagen; das entstandene Natriumnitrat setzt

sich mit dem Chlorkalium zu Kaliumsalpeter und Kochsalz um.

[Sidenote: Versieden der Rohlauge.]

[Illustration: Fig. 64.]

Die von dem aus kohlensauren Erden bestehenden Absatz klar

abgegossene Rohlauge besteht aus einer Lösung von Kaliumnitrat,

Chlorkalium und Chlornatrium, kohlensaurem Ammoniak und überschüssiger

Potasche; ausserdem finden sich darin färbende Stoffe, jedoch weniger als

vorher. Das Versieden der Lauge geschieht in kupfernen Kesseln (Fig. 64),

deren Anlage so gemacht ist, dass die Feuergase durch die den Kessel

umgebenden Züge _c c_ unter die Vorwärmpfanne _D_ und von da in den

Schornstein _q_ gehen. In einigen Fabriken benutzt man die entweichende

Wärme zum Trocknen des Salpetermehls. In den Siedekessel lässt man durch

einen Hahn so viel Rohlauge nachfliessen, als durch das Kochen Wasser

entweicht. Am dritten Tage etwa fangen die Chlormetalle (Chlornatrium,

Chlorkalium) an sich auszuscheiden, der Arbeiter muss nun Sorge tragen,

dieselben nicht anbrennen zu lassen, was zu Explosionen oder mindestens

zu Störungen des Betriebes Anlass geben könnte; zu diesem Zwecke wendet

er eine hölzerne, keilförmig zugeschärfte Stange an, mit deren Hülfe er

die bereits ausgeschiedenen festen Theile umrührt. Nach jedesmaligem

Umrühren schöpft er das Lockergewordene mit einem kupfernen Siebe heraus.

Da sich dessenungeachtet an den Wandungen des Kessels Kesselstein

ansetzt, so wendet man jetzt fast allgemein den =Pfuhleimer=, d. h. ein

flaches Gefäss _m_ an, welches man mittelst einer Kette _h_ in die Mitte

der Lauge ungefähr 6 Centimeter vom Boden des Kessels herablässt. Der

Pfuhleimer wird mit Backsteinen beschwert. Die ausgeschiedenen festen

Theile setzen sich nämlich nicht sofort als Kesselstein ab, sondern

bleiben einige Zeit in der Flüssigkeit suspendirt, indem sie von dem

Boden des Kessels an den Wänden hinaufgetrieben werden, um von der

Oberfläche in der Mitte wieder auf den Boden zu gelangen. Durch den

Pfuhleimer wird nun das Herabfallen derselben auf den Boden verhindert,

indem sich darin nach und nach alle festen Theile ansammeln. Da in dem

Pfuhleimer kein Kochen stattfindet, so fallen auch die einmal

hineingekommenen Theilchen nicht wieder heraus. Von Zeit zu Zeit wird

dieses Gefäss emporgezogen und in einen über den Kessel befindlichen, mit

Löchern versehenen Kasten geleert, aus welchem die den festen Theilchen

anhängende Lauge wieder in den Kessel zurückläuft. Das in dem Kessel

Abgeschiedene besteht grösstentheils aus kohlensauren Erden und Gyps.

Nachdem ein Theil der Verunreinigungen durch den Pfuhleimer entfernt

worden ist, enthält die Lauge häufig noch Chlornatrium. Da dieses Salz

nicht gleich dem Salpeter in heissem Wasser leichter löslich ist als in

kaltem, so krystallisirt es schon während des Abdampfens heraus. Man

entfernt dann den Pfuhleimer aus der Lauge; das Chlornatrium scheidet

sich an der Oberfläche der Flüssigkeit und am Boden des Kessels aus und

wird mit einem Schaumlöffel herausgenommen. Sobald das Kochsalz

reichlich herauskrystallisirt, hat die Lauge die zum Krystallisiren

erforderliche Stärke erreicht. Ist die Lauge in der That gar, so

erstarrt ein Tropfen derselben, auf kaltes Metall gebracht, sogleich zu

einer festen Masse. Man kann auch ein Wenig der zu prüfenden Lauge in

einen Blechlöffel schöpfen und sehen, ob nach der Abkühlung der

Salpeter in Nadeln anschiesst. Die gare Lauge wird in besondere

Bottiche gebracht und darin 5-6 Stunden stehen gelassen; während dieser

Zeit setzen sich noch mehr Unreinigkeiten ab, die Lauge klärt sich und

kühlt zum Theil aus. Ist die Abkühlung bis auf etwa 60° vorgeschritten,

so schöpft man die klare Lauge in kupferne Krystallisirgefässe. Nach

zweimal 24 Stunden ist die Krystallisation beendigt; man trennt nun die

Mutterlauge (=Altlauge=, =Hecklauge=), welche dem nächsten Rohsieden

zugesetzt wird, von den Krystallen.

[Sidenote: Läutern oder Raffiniren des Rohsalpeters.]

Der =Rohsalpeter= (Salpeter vom ersten Sude) ist gelb gefärbt und enthält

durchschnittlich 20 Proc. zerfliessliche Chlormetalle, Erdsalze und

Wasser. Die die Entfernung der Verunreinigungen bezweckende Operation

nennt man das =Läutern= oder =Raffiniren des Salpeters=. Ein grosser

Theil des Salpeters wird gegenwärtig einfach durch Raffiniren des

=indischen Salpeters=[32] dargestellt. Die ursprüngliche Methode der

Salpetergewinnung durch Auslaugen salpeterhaltiger Erden ist in Europa

nur noch an wenigen Orten in Anwendung.

[32] Aus Indien (Bombay, Madras, Pegu) wurden in England folgende

Mengen von indischem Salpeter eingeführt:

1860 16,460,300 Kilogr. 1864 22,259,840 Kilogr.

1861 15,690,150 " 1865 27,244,360 "

1862 22,162,400 " 1866 29,322,400 "

1863 20,238,250 " 1867 29,420,600 "

1868 33,062,000 "

Das Raffiniren gründet sich darauf, dass der Salpeter in heissem Wasser

sich weit leichter löst als die beiden Chlorüre Chlornatrium und

Chlorkalium. Man bringt in einen Kessel 12 Ctr. (= 600 Liter) Wasser

und löst darin 24 Ctr. Rohsalpeter bei gelinder Wärme auf; darauf

erhitzt man die Lösung bis zum Sieden und trägt noch 36 Ctr.

Rohsalpeter ein. Enthielt der Rohsalpeter 20 Proc. Chloralkalien, so

wird der Salpeter von der angewendeten Wassermenge in der Siedehitze

gelöst, von den Chloralkalien bleibt dagegen ein Theil ungelöst zurück

und wird aus dem Kessel herausgekrückt. Der auf der Oberfläche der

Flüssigkeit sich zeigende Schaum wird mit einer Schaumkelle abgenommen.

Darauf sucht man die noch nicht abgeschiedenen organischen Stoffe durch

Leim niederzuschlagen. Gewöhnlich rechnet man auf 1 Ctr. Rohsalpeter

20-50 Grm. Tischlerleim, welche in etwa 2 Liter Wasser aufgelöst

werden. Damit keine Krystallisation des Salpeters eintrete, setzt man

der Flüssigkeit so viel Wasser zu, dass die Totalmenge desselben 20

Ctr. (1000 Liter) betrage. Der Leim reisst alle in der Flüssigkeit

schwimmenden Körper mit sich auf die Oberfläche, wodurch eine grosse

Menge Schaum entsteht, der sofort abgenommen wird. Die Flüssigkeit wird

nach dem Abschäumen etwa 12 Stunden auf der Temperatur von 88° erhalten

und dann vorsichtig in die kupfernen Krystallisirbecken geschöpft,

deren Boden nach der Mitte zu abschüssig ist und an dem einen Ende

höher steht als an dem anderen. In diesen Becken kühlt sich die Lauge

ab und es würden sich grosse Salpeterkrystalle bilden, wenn man dies

nicht absichtlich durch Umrühren mit Krücken verhinderte, wodurch

=Salpetermehl= sich bildet. Das Salpetermehl kommt aus den

Krystallisirbecken in die =Waschgefässe=, kleine Tröge von 10 Fuss

Länge auf 4 Fuss Breite, von der Gestalt der Auslaugekästen, jedoch mit

einem Doppelboden versehen, von welchem der innere durchlöchert ist.

Seitlich befinden sich zwischen den beiden Böden mit Zapfen zu

verschliessende Löcher. Das Salpetermehl wird hierin mit 60 Pfd. einer

gesättigten Lösung reinen Salpeters übergossen und bei geschlossenen

Zapfen 2-3 Stunden damit in Berührung gelassen; dann zapft man ab,

lässt abtropfen und wiederholt diese Operation zweimal, erst mit 60

Pfd., dann mit 24 Pfd. Salpeterlösung, indem man nach jedem Aufguss der

Salpeterlösung mit einer gleichen Menge Wasser nachwäscht. Die zuerst

ablaufenden Waschwässer, welche die Chloralkalien enthalten, werden

beim Raffiniren des Rohsalpeters zugesetzt, die letzten Waschwässer --

fast reine Salpeterlösungen -- werden bei den ersten Waschungen anderen

Salpetermehls angewendet. Nachdem man das ausgewaschene Salpetermehl

einige Zeit auf dem Waschkasten gelassen hat, wird es in einer

Trockenpfanne bei gelinder Wärme getrocknet, gesiebt und verpackt. In

einigen preussischen Salpeterfabriken bringt man es aus dem Waschkasten

in den sogenannten =Aufschüttekasten= und dann auf Trockentafeln,

welche mit Leinwand überzogen sind.

[Sidenote: Darstellung des Kaliumnitrates aus Chilisalpeter.]

Seit etwa zwanzig Jahren stellt man sehr bedeutende Mengen von

Kaliumsalpeter aus dem Chilisalpeter dar. Man nennt diesen Salpeter zum

Unterschiede von dem indischen und Plantagensalpeter

=Conversionssalpeter=. Es lassen sich folgende vier Methoden anwenden:

1) Es wird das Natriumnitrat mit Chlorkalium zerlegt. Der Vorgang ist

dabei folgender:

100 Kilogr. Natriumnitrat } geben { 119,1 Kilogr. Kaliumsalpeter

87,9 " Chlorkalium } { 68,8 " Kochsalz.

=Longchamp= und nach ihm =Anthon= und =Kuhlmann= haben dieses Verfahren

empfohlen. Es wird auch in der That gegenwärtig häufig im Grossen

benutzt, da die Zersetzung beider Salze eine schnelle und vollständige

ist, das abfallende Kochsalz leicht von allem anhängenden Salpeter

befreit werden kann, ebenso auch die Reinigung des Salpeters vom Kochsalz

einfach und vollständig ist. Es sei hierbei erwähnt, dass in einigen

Ländern die Steuerbehörde von dem dabei abfallenden Kochsalze die

Salzsteuer erhebt. Das erforderliche Chlorkalium wird durch die

Zersetzung des Carnallits erzeugt, oder auch bei der Verarbeitung des

Kelps oder der Schlempekohle und der Kaluczer Sylvine gewonnen.

In einem gusseisernen Kessel von etwa 4000 Liter Inhalt werden

äquivalente Mengen von Chilisalpeter und Chlorkalium aufgelöst, genau

nach der Procentigkeit der jedesmal vorliegenden Handelswaare

berechnet. Der Chilisalpeter schwankt in der Regel nur unbedeutend um

96 Proc.; aber das Chlorkalium von 60-90 Proc., man nimmt gewöhnlich 7

Ctr. des ersteren und die entsprechend berechnete Menge der letzteren.

Zuerst wird das Chlorkalium für sich aufgelöst, bis die Lösung

1,200-1,210 (heiss gemessen) zeigt; dann wird der Chilisalpeter

zugesetzt und nun so lange gefeuert, bis die Flüssigkeit 1,500 zeigt;

das sich fortwährend ausscheidende Chlornatrium wird, sowie es sich

bildet, herausgekrückt und auf einer schiefen Ebene so ablaufen

gelassen, dass die Mutterlauge in den Kessel zurückfliesst. Es wird

dann noch gewaschen, bis es höchstens 1/2 Proc. Salpeter enthält, und

auch die Waschwässer werden in den Kessel gegeben. Wenn die Lauge im

Kessel auf 1,500 gekommen ist, lässt man sie kurze Zeit absitzen, wobei

das niederfallende Salz allen Schmutz mit sich reisst, und lässt dann

die klare Lauge nach den Krystallisirgefässen laufen. In der

ursprünglichen Patentbeschreibung ist eine Grädigkeit von 1,550

vorgeschrieben; dies zeigte sich aber nicht vortheilhaft, weil bei

solcher Concentration die Lauge theils während des Absitzens, theils

beim Ablaufen schon stark krystallisirte und die Rinnen verstopfte. Die

Krystallisirgefässe sind ganz flach, sodass schon nach 24 Stunden die

Krystallisation vollständig ist; durch gelegentliches Umrühren erreicht

man es, dass die Krystalle so fein wie Bittersalz fallen. Die

Mutterlauge wird abgezogen und die Krystalle vollständig abtropfen

gelassen. Dann übergiesst man die Krystalle mit so viel Wasser, dass

sie davon bedeckt werden, und lässt dies 7-8 Stunden stehen; hierauf

zieht man es ab und überlässt die Krystalle über Nacht dem Abtropfen;

am nächsten Tage wiederholt man dasselbe Verfahren noch einmal.

Natürlich kann man die Waschungen, wenn nöthig, beliebig oft

fortsetzen; aber ein hinreichender Grad der Reinheit wird meist schon

nach dem zweiten Male erreicht sein. Die erste Mutterlauge, sowie alle

Waschwässer kehren in den ursprünglichen Auflösekessel zurück.

2) Es wird der Natriumsalpeter durch Chlorbarium in Bariumsalpeter

übergeführt und dieser dann durch Kaliumsulfat oder Potasche in

Kaliumnitrat verwandelt.

[Greek: a]) 85 Kilogr. Natriumnitrat}geben{130,5 Kilogr. Bariumnitrat,

122 " Chlorbarium } { 58,5 " Kochsalz.

[Greek: b]) 130,5 Kilogr. Bariumnitrat } 87,2 Kilogr. Kaliumsulfat

brauchen bei ihrer Umwandelung} oder

in Kaliumsalpeter } 69,2 " Kaliumcarbonat.

Bei Anwendung von Kaliumsulfat erhält man als Nebenprodukt =Barytweiss=,

welches sich gut verwerthen lässt, in dem andern Falle Bariumcarbonat,

welches durch Salzsäure wieder in Chlorbarium übergeführt werden kann.

Stellt man sich die Frage, ob die Nachtheile, die aus dem Hereinziehen

der Barytverbindungen in diesen Process, erwachsen können, sich durch die

Vortheile aufwiegen lassen, so sind besonders die folgenden Momente als

leitend festzuhalten: a) Lohnt es sich, aus dem natürlichen vorkommenden

Bariumcarbonat durch Umwandlung in Chlorbarium (vielleicht durch

Verdichtung der in der Sodafabrikation zuletzt entweichenden

Salzsäuredämpfe durch Witherit erhalten) und Fällen mit verdünnter

Schwefelsäure das Barytweiss als Hauptprodukt darzustellen, so ist

anzunehmen, dass ein werthvolles Nebenprodukt den Mehraufwand an Arbeit

wohl lohnen werde; b) der Umweg und die dadurch vermehrte Arbeit wird

reichlich compensirt durch grössere Ausbeute und reineres Produkt.

3) Es wird der Natriumsalpeter durch Potasche in Kaliumsalpeter

übergeführt, wobei als Nebenprodukt reine =Soda= fällt:

85 Kilogr. Natriumsalpeter } geben { 101,2 Kilogr. Kaliumsalpeter

69,2 " Kaliumcarbonat } { 53 " Soda (calcinirte).

Diese Art der Salpeterfabrikation hat sich erst seit dem Krimkriege

(1854-55) in Deutschland eingebürgert, und zwar ist =Wöllner= in Cöln als

derjenige Chemiker anzusehen, welcher zuerst Conversionssalpeter mittelst

Potasche fabrikmässig darstellte. Die politischen und geographischen

Verhältnisse Deutschlands liessen in jener Zeit Preussen vor Allem als

für diese Fabrikation geeignet erscheinen, und zwar war es nächst Harburg

Stettin, welches durch seine günstige Lage (Seeverbindung mit Russland)

in dieser Hinsicht am meisten bevorzugt war, und woselbst alsbald das

erste grössere Werk für diesen Industriezweig gegründet wurde. Dieses

Werk vermochte jedoch trotz seinem bedeutenden Umfange seiner Zeit nicht

den täglich gesteigerten Anforderungen der russischen Regierung zu

genügen; es entstanden nach und nach andere Fabriken und kleinere Werke

dehnten sich aus, sodass nach Beendigung des Krieges bereits an fünf

Orten Deutschlands diese Salpeterfabrikation in grösserem Umfange

betrieben wurde.

Im Jahre 1862 wurden in Deutschland nach diesem Principe in acht

Fabriken circa 7,500,000 Pfd. Kalisalpeter dargestellt. Diese starke

Concurrenz hatte das Sinken der Salpeterpreise zur nächsten Folge, aber

sie spornte auch die einzelnen Producenten zur fortwährenden

Vervollkommnung ihrer Fabrikation und in gleichem Maasse zur Aufsuchung

billigerer Rohstoffe für dieselbe an. Während früher fast

ausschliesslich das aus dem Kelp gewonnene Chlorkalium zur

Salpeterfabrikation angewendet wurde, ging man während des Krimkrieges

zur Verwendung der russischen Potasche über. Doch auch dieser Rohstoff

wurde alsbald zu theuer, und man wandte sich zu der aus der

Rübenmelasse als Nebenprodukt gewonnenen Schlempekohle. Die

entstehenden neuen Fabriken wurden lediglich für Verarbeitung dieses

letzteren Rohstoffes angelegt. Freilich stiegen bei Verwendung so

unreiner Rohstoffe auch die Schwierigkeiten der Fabrikation, denn es

galt, aus diesen Rohstoffen nicht allein einen reinen Salpeter, sondern

auch eine =hochgrädige Soda= zu gewinnen. Dies ist nun gelungen und es

wird in den Salpeterfabriken, die Conversionssalpeter mittelst Potasche

darstellen, eine Soda erzielt, welcher der nach dem =Leblanc='schen

Verfahren erhaltenen nichts nachgiebt.

4) Es wird der Natriumsalpeter durch Aetzkali zerlegt, welche sich

vollständig zu Kaliumsalpeter und Aetznatron umsetzen.

Dieses zuerst von =Landmann= und =Gentele=, später in modificirter Form

von =Schnitzer= empfohlene und von =C. Nöllner= in die Praxis

eingeführte Verfahren wird in einer Salpeterfabrik in Lancashire (nach

der Beschreibung von =Lunge=) in folgender Weise ausgeführt. Zu

Kalilauge von 1,5 spec. Gewicht wird eine äquivalente Menge von

Natriumsalpeter zugesetzt und nach kurzer Einwirkung zur

Krystallisation gebracht. Den sich ausscheidenden Kaliumsalpeter trennt

man von der Mutterlauge, welche jetzt bedeutend weniger als 1,50 zeigt,

dampft diese wieder bis zu demselben spec. Gewicht ein und lässt

wiederum erkalten. Man erhält eine zweite Krystallernte von

Kaliumsalpeter; die Mutterlauge ist gewöhnlich so gut wie ganz frei

davon und enthält nur Aetznatron und verunreinigende Salze; zuweilen

jedoch ist sie noch so reich an Salpeter, dass man eine dritte

Krystallisation desselben vornehmen muss. Was sich während des

Eindampfens abscheidet, ist meist Natriumcarbonat, herstammend von dem

Chlornatriumgehalte des Handelschlorkaliums, welcher sich natürlich

ebenfalls als kohlensaures Salz wiederfindet. Die geringen Mengen

unzersetzten Chlorkaliums, Chlornatriums und Calciumsulfates bleiben

fast ganz in der Mutterlauge von kaustischer Soda zurück. Die letztere

wird weiter eingedampft, zuletzt bis zum glühenden Flusse, und

überhaupt mit ihr ganz wie gewöhnlich verfahren. Man erlangt jedoch aus

ihr nie ein Aetznatron von so schöner weisser Farbe, wie es sich jetzt

häufig im Handel findet, sondern es behält immer eine schwach bläuliche

Färbung. Der in beiden Krystallisationen erhaltene Salpeter wird in

eisernen Gefässen mit kaltem Wasser, resp. früheren Waschwässern, so

lange gewaschen, bis er nur noch 0,1 Proc. Chlornatrium enthält: die

Waschwässer werden bei den folgenden Operationen in systematischer

Reihenfolge weiter verwendet. Den gewaschenen Salpeter löst man in

eisernen Kesseln in der Hitze auf und lässt ihn in anderen eisernen

Kesseln erkalten, wobei öfter umgerührt wird. Das ausgeschiedene

Krystallmehl wird von Neuem gewaschen, bis der gewünschte Grad von

Reinheit erreicht ist. Trotzdem ausschliesslich eiserne Gefässe in

Anwendung sind, findet man doch kein Eisen im Salpeter; natürlich

werden die Gefässe immer vollkommen sauber gehalten. Zum Trocknen des

Salpeters dient eine Kammer aus Ziegeln, ganz so gebaut, wie man häufig

die Chlorkalkkammern trifft: nämlich in zeltartiger Form, also ein

spitzbogiges Gewölbe, vom Boden aus aufsteigend und im Scheitel 2 Meter

hoch, sodass ein Mann darin arbeiten kann. Die Breite ist etwa 2 Meter,

die Länge 5 Meter. Salpeter wird darin auf hölzernen Gerüsten

ausgebreitet und durch eiserne Röhren, welche darin herumgeführt sind

und die heisse Luft einer Feuerung leiten, wird die Temperatur auf 70°

C. gehalten; das Trocknen erfolgt daher sehr schnell.

[Sidenote: Prüfung des Salpeters.]

=Prüfung des Salpeters.= Reiner Salpeter erstarrt nach vorsichtigem

Schmelzen zu einer weissen Masse, die auf dem Bruche grobstrahlig ist.

Eine Verunreinigung von 1/80 Chlornatrium macht den Bruch schon etwas

körnig, bei 1/10 ist der Kern schon nicht mehr strahlig und weniger

durchsichtig und bei 1/30 ist das Strahlige nur noch an den Kanten zu

bemerken. Das Nämliche geschieht durch eine Verunreinigung mit

salpetersaurem Natron. Diese Methode (von =G. Schwartz=) benutzt die

Behörde in Schweden, wo jeder Grundbesitzer verpflichtet ist, eine

gewisse Menge Salpeter an den Staat abzugeben. -- Andere Methoden, wie

die von =Riffault=, =Huss=, =Gay-Lussac=, sind theils zeitraubend,

theils für die Praxis nicht geeignet. Die Methode von =Riffault= beruht

auf der Eigenschaft einer gesättigten Salpeterlösung, bei der

Temperatur, bei welcher sie gesättigt ist, noch Chlornatrium aufnehmen

zu können. Die Methode des k. k. Obersten =Huss= gründet sich darauf,

dass eine bestimmte Menge Wasser nur eine bestimmte Menge Salpeter bei

einer gewissen Temperatur gelöst enthalten kann. Man hat daher nur

nöthig, durch Versuche zu ermitteln, bis zu welcher Temperatur

Salpeterlösungen von verschiedener Concentration abgekühlt werden

müssen, damit Salpeter sich auszuscheiden beginne; aus dieser

Temperatur lässt sich der Gehalt an reinem Salpeter berechnen. Die

beste Methode, den raffinirten Salpeter, der zur

Schiesspulverfabrikation angewendet werden soll, auf Chlormetalle

(Kochsalz) zu prüfen, besteht darin, eine Lösung desselben mit einer

Lösung von Silbernitrat zu versetzen. Es darf dadurch keine oder nur

eine sehr geringe Trübung und kein Niederschlag erfolgen. =G. Werther=

bediente sich sehr zweckmässig zur Ermittelung des Chlorgehaltes, sowie

des Schwefelsäuregehaltes titrirter Lösungen von Silber- und

Bariumnitrat. Die Lösungen sind so abgestimmt, dass jeder Theilstrich

der Silberlösung 0,004 Grm. Chlor und jeder Theilstrich der

Bariumlösung 0,002 Grm. Schwefelsäure entspricht. Man kann nun entweder

in derselben Lösung zuerst den Chlor- und hierauf sogleich den

Schwefelsäuregehalt ermitteln, oder man kann in zwei besonderen Gläsern

in verschiedenen Proben Chlor und Schwefelsäure bestimmen. Nach der

Probe von =Reich= erhitzt man 0,5 Grm. trockenen, gepulverten Salpeter

mit dem 4-6fachen Quarzpulver gemengt bis zum Dunkelrothglühen; es wird

alle Salpetersäure ausgetrieben und der Gewichtsverlust giebt den

Gehalt des Salpeters an Salpetersäure. Schwefelsaure Salze oder

Chlorverbindungen werden bei der angegebenen Temperatur nicht zersetzt.

Ist der Gewichtsverlust = d, so hatte man

1,874. d Kaliumsalpeter,

oder 1,574. d Natriumsalpeter.

=Al. Müller= schlägt zur Bestimmung der Salpetersäure eine Methode vor,

die sich darauf gründet, dass für Kalium und Natrium NO_{3} = Cl und

durch Zersetzung des ersteren durch das letztere je ein Atom um 52-35,5

= 26,5 leichter wird. Der gewogene Salpeter wird mit concentrirter

Salzsäure wiederholt zur Trockne gebracht, bis alle Salpetersäure

entfernt ist; der Rückstand wird geglüht und gewogen. Chemisch reiner

Kaliumsalpeter darf mit Kaliumcarbonat, Chlorbarium, Silbernitrat und

Kaliummetaantimoniat keinen Niederschlag geben. Zieht Salpeter

Feuchtigkeit aus der Luft, so ist dies ein Zeichen, dass er

Natriumsalpeter enthält oder beim Schmelzen, wenn ein solches

stattgefunden hat, zu stark erhitzt und theilweise zerstört worden ist.

Nach =R. Böttger= ist fast aller im Handel vorkommende Salpeter durch

salpetrigsaures Kali mehr oder weniger verunreinigt.

[Sidenote: Anwendung des Kaliumsalpeters.]

Der Salpeter wird zu den mannigfaltigsten Zwecken angewendet; seine

Hauptanwendungen sind folgende: 1) zur Fabrikation des Schiesspulvers;

2) zur Darstellung der englischen Schwefelsäure und der Salpetersäure;

3) in der Glasfabrikation zum Reinigen der Glasmasse; 4) als

Oxydations- und Flussmittel bei verschiedenen Metallarbeiten; als

Flussmittel verwendet man häufig ein Gemenge von Salpeter mit

Weinstein, welches Gemenge zuweilen vorher erhitzt wird. Erhitzt man

ein Gemenge von 1 Th. Salpeter mit 2 Th. Weinstein, so entsteht der

=schwarze= Fluss, d. i. ein Gemenge von Kaliumcarbonat mit fein

zertheilter Kohle. Erhitzt man gleiche Theile Salpeter und Weinstein,

so erhält man den =weissen Fluss=, d. i. ein Gemenge von Kaliumcarbonat

mit unzersetztem Salpeter. Beide Vorschriften werden in den Gewerben

häufig benutzt; da aber der Salpeter bei der ersten Vorschrift

sämmtlichen Sauerstoff, bei der zweiten einen Theil desselben einbüsst,

so ist es einleuchtend, dass der schwarze Fluss zweckmässiger durch

Mengen von Potasche mit Russ, der weisse Fluss durch Mengen von

Potasche mit etwas Salpeter dargestellt werden kann. Der schwarze Fluss

wird benutzt, wenn Metalle nur umgeschmolzen werden sollen, der weisse

dagegen, wenn sich ein Theil der Metalle oxydiren soll; 5) zum

Einpökeln des Fleisches neben Kochsalz und zuweilen auch Zucker; 6) zur

Bereitung des Schnellflusses und Knallpulvers. Der =Schnellfluss von

Baumé= ist ein Gemenge von 3 Th. Salpeter, 1 Th. Schwefelpulver und 1

Th. Sägespänen (am besten von harzreichem Holze); bringt man in dieses

Gemenge eine Silber- oder Kupfermünze, so schmilzt diese, weil sich

leicht schmelzbare Schwefelmetalle (Schwefelsilber und Schwefelkupfer)

bilden. Das =Knallpulver= ist ein Gemisch von 3 Th. Salpeter, 2 Th.

Kaliumcarbonat und 1 Th. Schwefel, welches in einem Schälchen über der

Lampe erhitzt, heftig explodirt, indem es durch seine ganze Masse

hindurch auf einmal zersetzt wird und dabei grosse Quantitäten Gas sich

entwickeln:

Salpeter 6KNO_{3} } { Stickstoffgas 6N

Potasche 2K_{2}CO_{3} } = { Kohlensäure 2CO_{2}

Schwefel 5S } { Kaliumsulfat 5K_{2}SO_{4}

7) als Düngemittel in der Landwirthschaft; 8) zur Darstellung vieler

chemischer und pharmaceutischer Präparate; 9) zum Frischen des Eisens

(Salpeterfrischen) nach dem Verfahren von =Heaton= (vergl. Seite 27).

[Sidenote: Natriumsalpeter.]

Der =Natriumsalpeter= (Natriumnitrat, salpetersaures Natron, kubischer

Salpeter, Chilisalpeter) NaNO_{3} (in 100 Th. aus 36,47 Th. Natron und

63,53 Th. Salpetersäure bestehend) findet sich im District Atacama und

Tarapaca, nicht weit vom Hafen Yquique in Peru (drei Tagereisen von

Conception) in Lagern (_caliche_ oder _terra salitrosa_ genannt) von

wechselnder Dicke (0,3-1,0 Meter) in einer Erstreckung von mehr als 30

Meilen (bis in die Nähe von Copiapo im Norden von Chile), mit Thon

bedeckt. Die Lager bestehen fast ganz aus reinem, trockenem, hartem Salz

und liegen fast unmittelbar unter der Oberfläche des Erdreiches. An

anderen Orten in Peru bildet der Natriumsalpeter, der über Valparaiso,

dem Hauptstapelplatze des in Peru, Bolivien und Chile gewonnenen

Salpeters, als =Chilisalpeter= nach Europa gebracht wird, den

Hauptgemengtheil einer sandigen Ablagerung, welche an einzelnen Stellen

bis zur Oberfläche der Erde herauftritt, während sie an anderen Stellen

bis zu einer Tiefe von höchstens 2,6 Meter unter der Bodenfläche liegt.

Der ungereinigte Chilisalpeter stellt eine aus krystallinischen

Bruchstücken bestehende, meist bräunlich oder gelblich gefärbte, etwas

feuchte Masse dar, indessen kommt dieses Salz gewöhnlich an Ort und

Stelle des Vorkommens durch Auflösen in Wasser und Eindampfen der Lösung

bis zur Trockne ganz oder halb gereinigt in den Handel. Eine Probe davon

enthielt:

Natriumnitrat 94,03

Natriumnitrit 0,31

Chlornatrium 1,52

Chlorkalium 0,64

Natriumsulfat 0,92

Natriumjodat 0,29

Chlormagnesium 0,96

Borsäure Spuren

Wasser 1,96

-------

100,00

Er lässt sich nur bedingt zur Fabrikation des Schiesspulvers, wol aber zu

der des Sprengpulvers benutzen, da er Feuchtigkeit aus der Luft anzieht,

dagegen verwendet man ihn zur Darstellung der Salpetersäure, der

englischen Schwefelsäure, zum Reinigen des Aetznatrons, zur Darstellung

des Chlors in den Chlorkalkfabriken, zur Fabrikation von arsensaurem

Natron, zum Einpökeln des Fleisches, zur Glasbereitung, zur Bereitung von

Bleioxychlorür (als Bleiweisssurrogat), zur Regeneration des Braunsteins,

bei der Bereitung von Mennige, in sehr bedeutender Menge zur Umwandelung

des Roheisens in Stahl nach dem Verfahren von =Hargreaves= (1868) und

=Heaton= (1869), und hauptsächlich zur Fabrikation des Kaliumsalpeters,

seitdem das Chlorkalium (durch Zersetzen des Carnallits und Reinigen des

Sylvins, als Produkt der Kelpverarbeitung und aus der Schlempekohle) so

überaus billig in den Handel gebracht wird. Seit etwa 30 Jahren hat er in

Folge seiner günstigen Wirkung auf das Wachsthum der Halmfrüchte eine

wichtige Anwendung in der Agricultur als Düngemittel erhalten.

In dem Chilisalpeter findet sich stets etwas salpetrigsaures Natrium,

ausserdem sind darin kleine Mengen von Jod enthalten, welches sich in

den Mutterlaugen, die man beim Reinigen des Chilisalpeters durch

Umkrystallisiren erhält, ansammelt. In Tarapaca stellt man täglich 40

Kil. Jod dar. Nach =L. Krafft= enthält 1 Kilogr. Rohsalpeter 0,59 Grm.

Jod. Nach =Nöllner= (1868) spielten bei der Bildung der

südamerikanischen Salpeterlager die stickstoffhaltigen Jodsammler, die

Seetange, eine Hauptrolle. Der Jodgehalt des Chilisalpeters würde

demnach denselben Ursprung haben, wie das Jod der schottischen und

französischen Fabriken. Folgende Zusammenstellung zeigt die Grösse der

Ausfuhr an Natriumsalpeter aus Südamerika:

1830 18,700 Ctr. 1858 1,220,240 Ctr. 1865 2,992,000 Ctr.

1835 140,399 " 1860 1,732,160 " 1866 3,040,000 "

1840 227,362 " 1861 1,825,170 " 1867 3,502,000 "

1845 376,239 " 1862 2,255,350 " 1868 3,845,000 "

1850 511,845 " 1863 2,063,000 " 1869 2,965,000 "

1853 866,241 " 1864 2,523,000 "

Die Salpetersäure.

[Sidenote: Salpetersäure. Gewinnung derselben.]

Die =Salpetersäure= (NHO_{3}) wird fast durchgängig durch Zersetzen von

Natriumsalpeter (seltener Kaliumsalpeter) mittelst Schwefelsäure und

Verdichtung der hierbei sich bildenden Dämpfe erhalten.

[Sidenote: Darstellung der Salpetersäure.]

[Illustration: Fig. 65.]

Man stellt die Salpetersäure fabrikmässig dar, indem man in einen

gusseisernen Kessel _A_ (Fig. 65) durch die obere Oeffnung das

salpetersaure Salz (Kalium- oder Natriumnitrat) einführt und mit Hülfe

eines Trichters Schwefelsäure auf das Salz giesst, den Kessel

verschliesst und durch eine mit Lehm ausgefütterte eiserne Röhre _B_ mit

dem gläsernen Retortenhalse _C_ verbindet, der in die als Vorlage

dienende steinerne Flasche _D_ mündet. Die Flasche _D_ steht durch ein

Rohr mit einer zweiten ähnlichen Flasche _D'_ in Verbindung, diese mit

einer dritten u. s. f., in welcher die in der ersten Flasche nicht

condensirten Dämpfe aufgefangen werden. Der Kessel wird durch den

seitlich vorhandenen Feuerherd erhitzt, die Verbrennungsgase entweichen

durch den Rauchfang _G H_. Im Anfange der Operation ist der in dem Kanal

vorhandene Schieber _d_ niedergeschoben, so dass er den unteren Kanal

schliesst; der Rauch geht dann durch _E_ und erwärmt die Vorlagen _D_,

_D'_ und _D''_, was erforderlich ist, um ein Springen derselben durch die

überdestillirende heisse Säure zu verhüten. Sobald die Destillation im

Gange ist, stellt man den Schieber so, dass _E_ geschlossen ist und die

Verbrennungsgase nur durch den unteren Kanal _G_ entweichen können.

Die in den ersten als Vorlage dienenden Flaschen enthaltene Salpetersäure

ist für den Verkauf hinlänglich stark, während die späteren, in welche

zur besseren Condensation der Dämpfe Wasser durch die Oeffnung _b_, _b'_,

_b''_ eingegossen worden war, eine schwächere Säure, das gewöhnliche

Scheidewasser, enthalten.

Häufig wendet man zur Destillation der Salpetersäure =Galeerenöfen= an,

wobei man die Salpetersäure aus gläsernen Retorten destillirt.

Beabsichtigt man chemisch reine Salpetersäure darzustellen, so stellt

man die zuerst bei der Destillation übergehende Portion als

salzsäurehaltig bei Seite.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 38 / 167 题