Asche. Potasche. Asche. Potasche.
Fichtenholz 3,40 0,45 Weidenholz 28,0 2,85
Buchenholz 5,8 1,27 Weinreben 34,0 5,50
Eschenholz 12,2 0,74 Farnkraut 36,4 4,25
Eichenholz 13,5 1,50 Wermuth 97,4 73,00
Ulmenholz 25,5 3,90 Erdrauch 219,0 79,90
Die Gewinnung der Potasche aus der Asche der Vegetabilien zerfällt in
drei Hauptoperationen, nämlich
a) in das Auslaugen der Asche;
b) in das Versieden der Rohlauge;
c) in das Glühen oder Calciniren der rohen Potasche.
In Bezug auf die Verbrennungsmethode der zur Potaschenbereitung
verwendeten Vegetabilien ist derjenigen der Vorzug zu geben, bei
welcher dafür gesorgt ist, dass die Verbrennung nur langsam erfolgt, da
bei zu lebhaftem Luftzug und zu starkem Feuer ein Theil der Asche
mechanisch mit fortgerissen, ein anderer Theil durch Reduktion der
Alkalien zu Metallen verflüchtigt wird, keine unverbrannte
Kohlentheilchen zurückbleiben und der Asche keine Kalisalze entzogen
werden können, welches letztere leicht geschieht, wenn die Asche auf
feuchtem Erdboden dargestellt wurde. Die im Walde durch Niederbrennen
von Bäumen und Sträuchern erhaltene Asche heisst =Waldasche=, die als
Nebenprodukt in den Feuerungsanlagen gewonnene Ofen- oder Herdasche
führt dagegen den Namen =Brennasche=. Die Brennasche kann verfälscht
sein mit schon ausgelaugter Asche (Bückelasche), sie kann ausserdem
Torfasche, Braunkohlen- und Steinkohlenasche enthalten. Annähernd kann
man die Asche auf ihren Gehalt an löslichen Salzen auf die Weise
prüfen, dass man eine bestimmte Menge davon mit einer gewogenen Menge
siedendem Wasser auslaugt und dessen specifisches Gewicht nach dem
Auslaugen mit Hülfe eines Aräometers ermittelt. Je höher das
specifische Gewicht der Lauge sich zeigt, desto grösser wird im
Allgemeinen der Gehalt der Asche an auflöslichen Salzen sein. In
früheren Zeiten wurde die Waldasche von besonderen Arbeitern, den
Aescherern oder Aschenschwelern, meist im Walde selbst mit Wasser oder
mit Aschenlauge zu einem Teig geknetet, getrocknet, calcinirt und in
diesem Zustande an die Potaschensieder abgegeben, die sie dann weiter
reinigten. Von dieser Art ist der =Okras= oder =Ochras=, ein Mittelding
zwischen roher Asche und Potasche, das in Ostpreussen in der Umgegend
von Danzig und in Schweden bereitet wird.
a) Das Auslaugen der Asche bezweckt die Trennung der löslichen Salze
der Holzasche, die circa 25-30 Proc. vom Gesammtgewicht ausmachen, von
den im Wasser unlöslichen. Es geschieht in Holzbottichen von der
Gestalt eines umgekehrten abgeschnittenen Kegels, in welchen sich über
dem eigentlichen Boden ein zweiter durchlöcherter befindet, der auf
einem hölzernen Kreuze ruht und mit Stroh bedeckt ist. Diese
Auslaugebottiche, =Aescher= genannt, ruhen neben einander auf einem
Gerüste, jeder ist am unteren Theile mit einem Zapfen versehen, um die
Lauge ableiten zu können. Unter jedem Aescher befindet sich ein zum
Theil in die Erde gegrabenes Gefäss (ein =Sumpf=), das zum Aufnehmen
der Rohlauge aus dem Aescher dient. Die auszulaugende, durch Sieben von
einem grossen Theile der Kohlepartikelchen befreite Asche wird in einem
besonderen Kasten, dem =Netzkasten=, mit kaltem Wasser benetzt, mit
Schaufeln durch einander gearbeitet und 24 Stunden ruhig liegen
gelassen. Dieses Benetzen und Liegenlassen im benetzten Zustande hat
zum Zweck, nicht nur das spätere Auslaugen zu erleichtern, sondern auch
die Menge der Potasche dadurch zu erhöhen, dass während des
Liegenlassens das in der rohen Asche vorhandene Kaliumsilicat durch die
Kohlensäure der Luft in Kaliumcarbonat und Kieselsäure zersetzt wird.
Ist die Asche hinreichend mit Wasser imprägnirt, so beschickt man die
Aescher damit und stampft die Asche darin fest. Nachdem die obere
Fläche geebnet ist, wird kaltes Wasser aufgegossen, bis die Lauge am
Zapfenloche auszufliessen anfängt. Die zuerst in den Sumpf abfliessende
Lauge enthält gewöhnlich gegen 30 Proc. lösliche Salze. Wenn der Gehalt
nur noch 10 Proc. beträgt, setzt man das Auslaugen mit heissem Wasser
fort, so lange als noch etwas gelöst wird. Die schwachen Laugen lässt
man durch neue Aescher gehen, um alle Lauge auf einen Salzgehalt von
20-25 Proc. zu bringen. Obgleich durch das spätere Auslaugen mit
heissem Wasser auch das Kaliumsulfat der Asche aufgelöst und der
Potasche einverleibt wird, so zieht man doch dieses Verfahren vor, weil
man dadurch das Gewicht des Produktes vermehrt und ja auch zu gewissen
Zwecken der Kaligehalt des Kaliumsulfates mitwirkt.
Der nach dem Auslaugen in dem Aescher bleibende Rückstand
(=Seifensiederasche=) ist in Folge des Gehalts an Calciumphosphat als
Düngemittel von Werth. Man verwendet ihn ferner zur Fabrikation von
grünem Bouteillenglas, sowie in den Salpetersiedereien zum Bau der
Salpeterhaufen.
b) Das Versieden der Lauge. Die durch Auslaugen der Holzasche gewonnene
Lauge ist dunkelbraun gefärbt, indem das Kaliumcarbonat aus den nur
unvollständig verkohlten Holzstückchen Humussubstanz mit brauner Farbe
auflöst. Das Abdampfen oder Versieden der Lauge geschieht in flachen
eisernen Pfannen oder Kesseln unter fortwährendem Zusatz von frischer
Lauge, bis eine herausgenommene Probe der Lauge (die =gare Lauge=)
krystallinisch erstarrt. Ist dieser Zeitpunkt eingetreten, so mässigt
man das Feuer; es scheidet sich an den Wandungen der Pfanne eine
Salzkruste ab, welche sich vergrössert, bis endlich alle Lauge in eine
trockene Salzmasse verwandelt ist, welche man nach dem Erkalten mit
Hülfe von Hammer und Meissel aus der Pfanne schlägt. Die so erhaltene
Potasche heisst =rohe Potasche= oder =Fluss= oder =ausgeschlagene
Potasche=; sie erscheint als eine dunkelbraun gefärbte Masse und
enthält gegen 6 Proc. Wasser. Diese Methode des Abdampfens ist mit dem
Uebelstand behaftet, dass der Boden der Pfanne oder des gusseisernen
Kessels, in welchem das Versieden vor sich geht, in dem Grade, als er
sich mit einer stärkeren Salzrinde überzieht, stärker erhitzt wird, als
der obere Theil, wodurch sehr leicht ein Durchbrennen oder ein
Zerspringen desselben herbeigeführt wird; bei dem Ausschlagen der
Salzmasse kann ferner leicht eine Beschädigung der Pfanne stattfinden.
Man wendet deshalb auch folgende Methode der Eindampfung an: Man
versiedet die Lauge in dem Kessel unter fortwährendem Zufluss von neuer
Lauge, bis Salz sich abzuscheiden beginnt; hierauf hemmt man den
Zufluss frischer Lauge und bringt den Inhalt des Kessels unter
fortwährendem Umrühren mit eisernen Rührhaken zur Trockne. Dieses
Rühren beschleunigt das Trocknen und verhindert das Ansetzen der
Potasche an die Wände des Abdampfgefässes. Die Potasche bleibt als
braunes Pulver zurück, welches gegen 12 Proc. Wasser enthält. Die so
erhaltene Potasche heisst zum Unterschied von der ausgeschlagenen
=ausgerührte Potasche=. In einigen Potaschefabriken trennt man das in
der Lauge enthaltene Kaliumsulfat zum grössten Theile von der Potasche,
indem man die bis zu einer gewissen Consistenz eingedampfte Lauge, bei
welcher jedoch noch kein kohlensaures Kali krystallinisch sich
ausscheiden kann, in hölzernen Bottichen unter öfterem Umrühren
erkalten lässt. Es scheidet sich dadurch der grösste Theil des
Kaliumsulfates krystallinisch aus. Die darüber stehende Flüssigkeit
wird abgezapft und zur Trockne verdampft. Häufig wird jedoch die
Potasche erst bei ihrer Verwendung von dem Kaliumsulfat befreit, so z.
B. in den Blutlaugensalzfabriken. Das ausgeschiedene Kaliumsulfat wird
zur Darstellung von Kalialaun oder zur Glasfabrikation verwendet.
c) Das Calciniren der rohen Potasche bezweckt die vollständige
Entwässerung und die Zerstörung der färbenden organischen Substanzen.
Früher nahm man das Calciniren in eisernen Töpfen (Potten, daher der
Name Pott-Asche oder Potasche) vor, gegenwärtig geschieht es allgemein
in besonderen Calciniröfen (Fig. 62), die sich von anderen Flammenöfen
durch die doppelte Feuerung unterscheiden. Gewöhnlich sind zwei solcher
Oefen neben einander aufgeführt. Die Flammen der beiden Feuerungen
(von denen die eine _A_ in Fig. 62 im Durchschnitt abgebildet ist)
schlagen in der Mitte zusammen und gehen dann durch die Arbeitsöffnung
_o_ in den vor dem Ofen angebrachten Schornstein _K_. Die Feuerung
geschieht mit Holz. Zwischen den beiden Feuerbrücken liegt der 1-1,3
Meter breite Arbeitsraum (=Calcinirherd=) _C_.
[Illustration: Fig. 62.]
Das Heizen des Calcinirofens erfordert viel Brennmaterial; es ist
deshalb in den Potaschesiedereien die Einrichtung getroffen, dass das
Calciniren dann erst seinen Anfang nimmt, wenn eine recht grosse Menge
roher Potasche vorräthig ist und man also eine Zeit lang fortcalciniren
kann. Zuerst wärmt man den Ofen gehörig aus, welches 5-6 Stunden Zeit
erfordert. Hierbei muss man mässig zu feuern anfangen und es ist der
Ofen ausgeheizt genug, wenn man im Gewölbe des Ofens keine dunkle
Flecken mehr wahrnimmt; bei diesem Zustande des Ofens können die beim
Verbrennen des Holzes sich bildenden Wasserdämpfe im Innern des Ofens
sich nicht mehr verdichten. Ist der Ofen gehörig ausgewärmt, so wird
der Anfang mit dem Eintragen der in Stücke von der Grösse eines
Hühnereies zerschlagenen Potasche gemacht. Bei einem Ofen, welcher 3
Ctr. rohe Potasche fasst, geschieht dies auf folgende Weise: Man theilt
zuerst den Centner in drei gleiche Theile, trägt hiervon das Drittel
mit eisernen Schaufeln fast ganz vorn in den Ofen und legt die
eingetragene Potasche so, dass sie eine quer über den Herd laufende
Lage bildet und dass, wenn die beiden anderen Drittel auf dieselbe
Weise eingetragen werden, nur erst das vorderste Drittel der Herdfläche
mit Potasche bedeckt ist. Nach einigen Minuten trägt man das zweite und
wieder nach einigen Minuten das dritte Drittel des eingetheilten
Centners der rohen Potasche ein. Ist nun auf diese Weise das vorderste
Drittel der Herdfläche mit Potasche überlegt worden, so wird auf
dieselbe Weise auch der zweite und dritte Centner Potasche eingetragen
und also der ganze Herd gleich dick mit Potasche belegt. Unter
fortgesetztem mässigem Heizen fängt die Potasche an zu schäumen und es
entweicht das in ihr enthaltene Wasser. Durch Umrühren mit eisernen
Haken sucht man das Festbacken der Potasche an der Herdsohle zu
verhindern und die Entwässerung zu befördern. Nach etwa einer Stunde
ist die Potasche entwässert, sie fängt in dieser Zeit Feuer, wird
anfangs durch Verkohlung der organischen Substanzen schwarz, sehr bald
aber durch Verbrennung der kohligen Theile heller und heller, bis ihre
Oberfläche weissglänzend wird. Sie wird nun mit der Schaufel gewendet,
der vordere Theil in den Hintergrund des Ofens gebracht und der hintere
Theil nach dem vorderen Raume hin. Die Hitze ist genau zu reguliren, um
die Einwirkung des kohlensauren Kalis auf die Silicate der Herdsohle
und das Schmelzen der Potasche zu verhüten. Das Calciniren und das
zeitweilige Umrühren wird fortgesetzt, bis eine herausgenommene Probe
auch im Innern keine schwarzen Punkte mehr zeigt. Die fertige Potasche
wird mit einer eisernen Krücke aus dem Ofen ausgezogen und auf einen
vor demselben befindlichen, mit Backsteinen gepflasterten Platze, dem
=Kühlherde=, erkalten gelassen. Nach dem Erkalten wird die Potasche
sogleich in Fässer geschlagen, die, da die Potasche leicht Flüssigkeit
anzieht, möglichst dicht sein müssen.
In den Vereinigten Staaten und in Canada stellt man die auf dem
europäischen Markte mit dem Namen =amerikanische Potasche= bezeichnete
Potaschesorten dar, von denen dreierlei Produkte zu unterscheiden sind,
nämlich 1) die =Potasche=, die auf dieselbe Weise gewonnen wird wie in
Europa; 2) die =Perlasche=, die man aus der Potasche durch Auslaugen
mit Wasser, Absetzenlassen der Lauge, Abdampfen bis zur Trockne und
Calciniren der zurückbleibenden weissen Salzmasse erhält; 3) die
=Steinasche= ist ein Gemenge von (nicht calcinirter) Potasche mit
Aetzkali und wird dargestellt, indem man die Lauge vor dem Abdampfen
mit Aetzkalk theilweise ätzend macht und dann hartsiedet. Sie findet
sich im Handel in Bruchstücken von 6 bis 10 Centim. Dicke, ist, ähnlich
dem Aetznatron, steinhart und durch beigemengtes Eisenoxyd roth
gefärbt. Sie enthält bis zu 50 Proc. Kalihydrat.
Die Zusammensetzung der Potasche des Handels ist eine ziemlich
veränderliche, wie folgende Beispiele von Potaschenanalysen zeigen:
1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.
Kaliumcarbonat 78,0 74,1 71,4 68,0 69,9 38,6 49,0 50,84
Natriumcarbonat -- 3,0 2,3 5,8 3,1 4,2 -- 12,14
Kaliumsulfat 17,0 13,5 14,4 15,3 14,1 38,8 40,5 17,44
Chlorkalium 3,0 0,9 3,6 8,1 2,1 9,1 10,0 5,80
Wasser -- 7,2 4,5 -- 8,8 5,3 -- 10,18
Unlöslicher Rückstand 0,2 0,1 2,7 2,3 2,3 3,8 -- 3,60
1. von Kasan, von =Hermann=; 2. von Toscana; 3. und 4. von Nordamerika
(4. war von röthlicher Farbe); 2., 3. und 4. analysirt von =Pesier=; 5.
von Russland; 6. aus den Vogesen (5. und 6. analysirt von =Pesier=); 7.
aus Helmstedt in Braunschweig, von =Limpricht=; 8. aus Russland, von
=Bastelaer=.
Die calcinirte Potasche ist theils weiss, theils perlgrau, gelblich,
röthlich oder bläulich. Die röthliche Färbung rührt her von Eisenoxyd,
die bläuliche von kleinen Mengen Kaliummanganates; sie erscheint als
eine harte, aber leichte, poröse und nicht krystallinische Salzmasse,
die sich niemals vollständig in Wasser löst.
In früherer Zeit stellte man grosse Mengen von =Potasche aus
Weinrückständen= dar. Der Wein enthält Kaliumbitartrat. In solchen
Ländern, in denen der Wein behufs der Spiritusgewinnung destillirt
wird, bleibt in der Brennblase dieser Weinstein mit andern Körpern
gemengt als =Hefenschlempe= oder =Vinasse= zurück. Man trocknete sie
und verkohlte und calcinirte den Rückstand, um dadurch eine sehr
gesuchte Potasche zu erhalten. 1 Hectoliter Hefenschlempe gab im
Durchschnitt 1 Kilogr. kohlensaures Kali. Wie gross die Menge der so
dargestellten Potasche war, ergiebt sich daraus, dass in den 19
weinproducirenden Departements Frankreichs jährlich 9-10 Millionen
Hectoliter Schlempe erhalten werden, die man gegenwärtig auf Weinstein,
auf Glycerin und auf Weinsäure verarbeitet.
[Sidenote: Kali aus der Melasse.]
V. =Kalisalze aus der Schlempekohle von der Rübenmelasse.= Den
Potaschearten, die man durch Einäschern von Vegetabilien erhält, hat sich
eine neue Sorte Potasche angereiht, deren Fabrikation eine grosse
wirtschaftliche Bedeutung erlangt hat. Wir sprechen von der Potasche aus
den Zuckerrüben, die zuerst in Frankreich von =Dubrunfault= dargestellt
wurde. In den Zollverein wurde ihre Fabrikation 1840 durch =H. Varnhagen=
in Mucrena in der preuss. Provinz Sachsen eingeführt.
Unter den Pflanzen, die bei der Verbrennung eine kalireiche Asche
hinterlassen, steht die Zuckerrübe mit oben an. Bereits im ersten
Decennium des laufenden Jahrhunderts, als die Rübenzuckerindustrie
Wurzel zu fassen begann, bezeichnete der französische Agronom =Mathieu
de Dombasle= die Rübe als eine der beachtenswerthesten Pflanzen in
Hinsicht auf die Produktion von Kalisalzen. Er suchte die Rübe sogar
gleichzeitig zur Erzeugung von Zucker und von Potasche zu verwenden,
indem er vorschlug, die Rübenpflanze während der Cultur zu entblättern
und die Blätter durch Verbrennen auf Potasche zu verarbeiten. Der
Versuch hatte ihm gelehrt, dass 100 Kilogr. trockne Rübenblätter 10,5
Kilogr. Asche hinterlassen, aus welcher 5,1 Kilogr. Potasche
dargestellt werden konnte. Die Praxis zeigte aber bald das Irrige in
der Anschauungsweise =Dombasle='s. Die Entblätterung vertrug sich nicht
mit der Erzeugung zuckerreicher Rüben und die Kalisalzgewinnung fiel
der Vergessenheit anheim. Gegen das Jahr 1838 nahm =Dubrunfault= die
Frage wieder auf. Nachdem durch die Erfahrung dargethan, dass alle
Alkalisalze, welche die Rübe während ihrer Vegetation aufgenommen, in
den Saft übergehen und sich nach der Abscheidung des grössten Theiles
des Zuckers in der Mutterlauge, in der sogenannten =Melasse=
concentriren, suchte er die Melasse zu verwerthen, indem er den Zucker
darin durch Gährung in Alkohol verwandelte und nach dem Abdestilliren
desselben den salzreichen Rückstand, die =Schlempe= oder Vinasse, zur
Trockne brachte, die trockne Masse durch Verkohlen in die
=Schlempekohle= überführte und endlich durch Calcination derselben und
Raffination der zurückbleibenden Salzmasse Potasche und andere
Kalisalze darstellte. Von nun an ward die Gewinnung der Potasche aus
der Schlempekohle der Melassebrennereien ein blühender Industriezweig.
Im Jahre 1865 erreichte sie das enorme Quantum von 240,000 Centnern,
welche sich auf folgende Länder vertheilen:
Frankreich 96,000 Ctr.
Zollverein 86,000 "
Oesterreich 38,000 "
Belgien 20,000 "
------------
240,000 Ctr.
Wenn noch im Jahre 1862 zur Zeit der Londoner Ausstellung die
Potaschegewinnung aus Rübenmelasse als irrationell bezeichnet werden
konnte, »indem es vernünftiger sei, die Kalisalze der Melasse den
Rübenfeldern zurückzuerstatten, als sie in den Handel zu bringen«, so
ist heute die Sachlage eine andere. Mit Recht verkauft der
Rübenzuckerfabrikant die Kalisalze der Melasse und giebt dem Boden in
Form von billigem Stassfurter Kalidünger das, was demselben durch die
Vegetation der Rübe entzogen wurde. Indem das Kalipräparat durch den
Rübenorganismus wandert, findet im technologischen Sinne eine
Veredelung, d. h. eine Wertherhöhung statt.
Die Rübenmelasse, wie sie aus den Zuckerfabriken in die
Melassebrennereien gelangt, um dort in Spiritus und in Schlempekohle
verwandelt zu werden, besteht in 100 Theilen aus
Brunner. Fricke. Lange. Heidenpriem.
Wasser 15,2 18,0 18,5 19,0 19,7
Zucker 49,0 48,0 50,7 46,9 49,8
Salzen und
organischen Substanzen 35,8 34,0 30,8 34,1 30,5
Ein Bild von der Zusammensetzung der Melassenasche geben folgende
Analysen von =Heidenpriem=:
1. 2. 3.
Kali 51,72 47,67 50,38
Natron 8,00 11,43 8,29
Kalk 5,04 3,60 3,12
Magnesia 0,18 0,10 0,18
Kohlensäure 28,90 27,94 28,70
Phosphorsäure, Kieselsäure, Chlor, Eisenoxyd etc., was an Hundert
fehlt. Der Aschengehalt beträgt 10 bis 12 Proc. Nach =Dubrunfault= ist
der alkalimetrische Grad der Rübenmelassen nahezu eine constante
Grösse. Die Asche von 100 Grm. Melasse neutralisirt im Mittel 7 Grm.
Schwefelsäure (H_{2}SO_{4}).
Die Verarbeitung der Melasse geschieht gegenwärtig auf folgende Weise:
Zunächst wird die Melasse mit Wasser oder besser mit Schlempe auf 8-11°
B. reducirt und mit 0,5-1,5 Proc. reiner Mineralsäure versetzt.
Letzterer Zusatz hat nicht nur den Zweck, die alkalische Beschaffenheit
der Melasse aufzuheben, sondern auch den nicht gährungsfähigen
rechtsdrehenden Rohrzucker in gährungsfähigen linksdrehenden Zucker
überzuführen. Früher wendete man hierzu die Schwefelsäure an, aber auf
die Empfehlung von =A. Wurtz= hin wendet man gegenwärtig allgemein die
Salzsäure an. Man umgeht dadurch die unangenehme Bildung von
Schwefelkalimetallen aus den Sulfaten unter Mitwirkung der in der
Melasse enthaltenen organischen Körper. Die Kehrseite der Anwendung der
Salzsäure zeigt sich in der grösseren Schwierigkeit der Abscheidung der
Salze aus der Schlempe, da die Chlorüre, die sich nun bilden, leichter
löslich sind als die Sulfate. Die mit Salzsäure versetzte Melasse wird
mit Hefe der Gährung überlassen und nach Beendigung der Gährung der
Alkohol abdestillirt. Die in der Brennblase zurückbleibende =Schlempe=
ist eine dünne Flüssigkeit von etwa 4° B., die neben unzersetzter Hefe,
Ammoniaksalzen und sonstigen organischen Körpern sämmtliche
anorganische Salze des Rübensaftes enthält. Das Kali ist wol zum
grössten Theile als Kaliumnitrat darin, obgleich ein Theil der
Salpetersäure während der Gährung der mit Salzsäure angesäuerten
Melasse entweicht und mitunter zur Bildung rother Dämpfe in dem
Gährungslokale Veranlassung giebt. =Evrard= will den Salpeter sogar aus
der eingedampften Rübenmelasse durch Krystallisation erhalten und durch
Ausschleudern reinigen.
Die Säure der Schlempe wird durch Calciumcarbonat neutralisirt und dann
in Kesseln oder flachen Pfannen abgedampft. Die zur Verdampfung der
Schlempe dienende Einrichtung besteht aus dem Heizofen und einer im
Ganzen 20,3 Meter langen Pfanne. Diese letztere ist in zwei
Abtheilungen getheilt, davon die eine grössere und 14,3 Meter lange die
eigentliche Abdampfpfanne ist; die andere umfasst den 6 Meter langen
Calcinirofen. Beide haben eine Breite von im Ganzen 1,6 Meter; die
lichte Weite beträgt 2 Meter und die Höhe der Pfanne 0,34 Meter; das
Gewölbe darüber ist 0,6 Meter hoch; es ist aus Charmottesteinen
angefertigt. Der Ofen hat eine Breite von 1,3 Meter und die Rostfläche
beträgt 3,3 Quadratmeter. Die Abdampfung geschieht mit Oberfeuerung;
die Flamme und die Feuergase gehen zunächst über die Feuerbrücke und
streichen dann der ganzen Länge nach über die Pfanne hin. -- Zunächst
dem Ofen ist die Calcinirpfanne aufgebaut, dahinter die Abdampfpfanne,
welche dicht an den Schornstein anschliesst, so dass die Dämpfe sofort
in denselben abgeführt werden. Die aus den Blasen nach beendigter
Destillation abgedampfte Schlempe wird zunächst in einer Cisterne
gesammelt. Eine Pumpe führt dieselbe alsdann in ein über der
Abdampfpfanne nicht weit vom hinteren Ende derselben aufgestelltes
Reservoir, von wo dieselben im continnirlichen Strahle nach der
Abdampfpfanne abfliesst. Im Anfange der Schicht werden beide Pfannen
mit der Schlempe gefüllt; später wird die in der Abdampfpfanne
concentrirte Lauge in dem erforderlichen Maasse in die Calcinirpfanne
abgelassen und hier schliesslich zur Trockne verdampft. Die
Calcinirpfanne wird täglich einmal entleert und wird im Durchschnitt
eine tägliche Ausbeute von etwa 5-5-1/2 Ctnr. Schlempekohle erzielt.
Als Zusammensetzung der Schlempekohle ergiebt sich annähernd folgende:
In Wasser unlösliche Bestandtheile = 23 Proc.
Kaliumsulfat = 10,07 "
Chlorkalium = 11,61 "
Kaliumcarbonat = 31,40 "
Natriumcarbonat = 23,26 "
Kieselsäure u. Kaliumhyposulfit Spur
----------
99,34
[Illustration: Fig. 63.]
In den meisten Melassebrennereien des norddeutschen Bundes wird die
Schlempekohle an die Salpeterfabriken abgegeben, in andern Brennereien,
namentlich in denen Belgiens und Frankreichs, wird die Schlempekohle
durch Calcination, Auslaugen und Krystallisirenlassen der einzelnen
Salze weiter verarbeitet. Zu dem Ende dampft man die dünne Schlempe in
Pfannen bis auf 38-40° B. (= 1,33-1,35 spec. Gew.) ab und bringt die
concentrirte Schlempe zum Verkohlen und Calciniren in einen Ofen,
dessen Construktion aus beistehender Zeichnung erhellt (Fig. 63). Die
eingedampfte Schlempe kommt zunächst in das Reservoir _V_, aus welchem
es in den Ofen abgelassen werden kann. Der Ofen hat drei Abtheilungen,
ähnlich einem Sulfat- oder Glaubersalzofen. Auf den Rost _G_ der ersten
Abtheilung kommt das Brennmaterial, in die zweite Abtheilung _M_ (den
Calcinirraum) die trockne Masse, die durch Abdampfen der Schlempe in
der dritten Abtheilung des Ofens _M'_ sich bildet. Vor jeder dieser
Abtheilungen befindet sich eine Arbeitsthür, ebenso eine Thür an der
andern Seite des Ofens bei _P_. Die zum Calciniren erforderliche Luft
strömt theils durch den Rost _G_, theils durch Oeffnungen _B_ in der
Brustmauer der Feuerung ein. Wie oben bereits bemerkt, läuft die bis
auf 38-40° abgedampfte Schlempe in die als Abdampfpfanne fungirende
Abtheilung _M'_, welche von _M_ durch eine Brücke _A'_ getrennt ist.
Durch die Einwirkung der Hitze wird sie bald dick und teigig, durch
fleissiges Rühren mit Krücken _R_ sucht man das Zusammenballen der
Masse zu vermeiden. Nachdem sie zur Trockne gebracht, schaufelt man die
braungefärbte Salzmasse über _A'_ nach dem Calcinirraum _M_ und lässt
in die Pfanne _M'_ neue Schlempe fliessen. Die Salzmasse in _M_ fängt
alsbald an sich zu entzünden und stösst widrig riechende Dämpfe aus.
Der Calcinirprocess oder das Weissbrennen wird übrigens wesentlich
befördert theils durch den Luftstrom, der durch die Oeffnungen bei _B_
einströmt, theils durch das in der Salzmasse enthaltene salpetersaure
Kali. Die Temperatur darf übrigens dabei nicht zu hoch steigen, weil
sonst die Salze zu einer compacten, schwer auszulaugenden Masse
schmelzen und das Kaliumsulfat zu Schwefelkalium reducirt werden würde,
welches letztere aus der Potasche nicht entfernt werden könnte.
Die =weissgebrannte= Schlempekohle, oder das =Salin=, so wie es aus dem
Calcinirofen kommt, enthält 10 bis 25 Proc. unlösliche Substanzen
(Calciumcarbonat, Kohle und Calciumphosphat) und 3 bis 4 Proc.
Feuchtigkeit; der Rest besteht aus Kalium- und Natriumcarbonat,
Kaliumsulfat und Chlorkalium, zuweilen auch aus namhaften Mengen von
Cyankalium. Das Verhältniss des Kalis zum Natron ist kein constantes
und ist abhängig von der Beschaffenheit des Bodens, auf welchem die
Rübe gewachsen. In Frankreich hat man die Beobachtung gemacht, dass die
Melassenpotasche aus dem Departement du Nord minder kalireich sei als
aus den Departements der Oise und der Somme. Im Allgemeinen aber wird
man annehmen können, dass die Salzmasse oder Salin im Mittel enthalte
7-12 Proc. Kaliumsulfat
18-20 " Natriumcarbonat
17-22 " Chlorkalium
30-35 " Kaliumcarbonat
Folgende ausführliche Analysen des Salins geben ein Bild der
Zusammensetzung der weissgebrannten Schlempekohle:
a. b. c. d.
Wasser und Unlösliches 26,22 19,82 17,47 13,36
Kaliumsulfat 12,95 9,88 2,55 3,22
Chlorkalium 15,87 20,59 18,45 16,62
Chlorrubidium 0,13 0,15 0,18 0,21
Natriumcarbonat 25,52 19,66 19,22 16,54
Kaliumcarbonat 23,40 29,90 42,13 50,05
---------------------------
100,00 100,00 100,00 100,00
Die löslichen Salze der weissgebrannten Schlempekohle werden nach dem
von =Kuhlmann= angegebenen =Raffinirverfahren= von einander geschieden.
Zunächst wird die Salzmasse durch cannelirte Walzen gemahlen. Hierauf
kommt das zerkleinerte Material in die Auslaugebottiche, von denen ein
jeder 26,4 Centner fasst. Das Auslaugen geschieht methodisch, genau so
wie in den Sodafabriken. Die aus den Bottichen ablaufende Lauge hat
eine Dichte von 1,229 (= 27° B.). Der Rückstand dient als Düngemittel.
Die Lauge läuft in ein grosses Reservoir von 210 Hektoliter Inhalt und
wird mit abgängiger Wärme bis auf 1,26 (= 30° B.) eingeengt. Bei diesem
Concentrationsgrade scheidet sich nach dem Erkalten der Lauge ein
grosser Theil des Kaliumsulfates ab, welches man ausschöpft, abtrocknen
lässt und durch Abwaschen möglichst von der anhängenden Mutterlauge
befreit. Es enthält 80 Proc. Kaliumsulfat und ausserdem Kaliumcarbonat
und organische Körper und wird nach dem =Leblanc='schen Process in
Potasche übergeführt.
Die Lauge von 30° B. wird nun in Kesseln von 90 Hektoliter Capacität
mit Hülfe von Dampf von drei Atmosphären bis auf 42° B. (= 1,408)
eingedampft. Hierbei scheidet sich ein Gemenge von Natriumcarbonat und
Kaliumsulfat ab, welches oft 30 alkalimetrische Grade zeigt. Die Lauge
kommt nun in Krystallisirgefässe, in denen man sie bis auf 30° C., aber
nicht weiter, abkühlen lässt. Während des Erkaltens krystallisirt
Chlorkalium heraus (90 Proc. Chlorkalium und einige Procente
Natriumcarbonat, entsprechend 3-5 alkalimetrischen Graden). Wenn aus
Mangel an Aufsicht die Temperatur der Krystallisationsgefässe unter 30°
C. fallen sollte, so überziehen sich die Chlorkaliumkrystalle mit
Krystallen von Natriumcarbonat, was begreiflicher Weise sorgfältigst zu
vermeiden ist. Die Flüssigkeit, welche nun eine Dichte von 42° B. und
eine Temperatur von 30° C. besitzt, wird in grossen Pfannen von 20
Hektoliter Inhalt
im Winter bis zu 1,494 Dichte (= 48° B.),
" Sommer " " 1,51 " (= 49° B.)
abgedampft. Während dieser Arbeit fällt Natriumcarbonat in reichlicher
Menge nieder; die ersten Antheile davon zeigen 82 alkalimetrische
Grade, später nimmt aber die Reinheit ab bis auf 50 Grade.
Nachdem das Natriumcarbonat sich abgeschieden, bringt man die Lauge in
kleine Krystallisirgefässe von 2-1/2 Hektoliter Inhalt, in welchen man
die Lauge sich selbst überlässt. Jedes Gefäss giebt nahezu 130 Kilogr.
Krystalle von wechselnder Zusammensetzung, denen aber ein Doppelsalz
von der Formel (K_{2}CO_{3} + Na_{2}CO_{3} + 12 H_{2}O) zu Grunde
liegt. Die dunkelgefärbte Mutterlauge davon wird in einem Flammenofen
abgedampft und calcinirt und bildet eine halbraffinirte Potasche, die
durch Eisenoxyd röthlich gefärbt ist und den Namen =Rothsalz= führt.
Dieses Produkt wird mit Wasser ausgelaugt und die Lauge bis auf
1,51-1,525 Dichte (= 49-50° B.) gebracht, wobei sich viel Kaliumsulfat
und Natriumcarbonat absetzen. Die Mutterlauge wird zur Trockne gebracht
und im Flammenofen weissgebrannt. Das so erhaltene Produkt ist
=raffinirte Potasche= und besteht durchschnittlich in 100 Theilen aus
Kaliumcarbonat 91,5
Natriumcarbonat 5,5
Chlorkalium und Kaliumsulfat 3,0
-----
100,0
Das früher ausgeschiedene Natriumcarbonat von 80-85 alkalimetrischen
Graden wird durch Waschen mit einer kalten und gesättigten Lösung von
Natriumcarbonat von den Kalisalzen befreit und dadurch ein Produkt
erhalten, welches 90 alkalimetrische Grade zeigt. Die zum Abdampfen der
concentrirten Laugen und zum Weissbrennen des trocknen Produkts
dienenden Oefen müssen bis zum Rothglühen erhitzt sein, bevor man die
Flüssigkeit auf die Backsteinsohle des Ofens bringt. Denn bei
unzureichendem Vorwärmen filtrirt die Lauge in das Gemäuer ein und
zerstört es in der kürzesten Zeit.
Die während des Raffinirprocesses abgeschiedenen Salze -- Kaliumsulfat
und Chlorkalium -- werden weiter gereinigt. Das Doppelsalz der beiden
Alkalicarbonate wird mit kleinen Mengen siedenden Wassers behandelt,
wodurch das Kaliumcarbonat in Lösung geht, die beim Abdampfen eine sehr
reine Potasche liefert.
Folgende Analysen =raffinirter= Rübenpotaschesorten mögen ein Bild von
deren Zusammensetzung geben:
a. b. c.
Kaliumcarbonat 88,73 94,39 89,3
Natriumcarbonat 6,44 Spuren 5,6
Kaliumsulfat 2,27 0,28 2,2
Chlorkalium 1,00 2,40 1,5
Jodkalium 0,02 0,11 --
Wasser 1,39 1,76 --
Unlösliches 0,12 -- --
a und b Potasche aus Waghäusel in Baden, c französische doppelt
raffinirte Potasche. Die =rohen= Rübenpotaschen (nicht zu verwechseln
mit der sogenannten Rohpotasche, mit welchem Namen man gewöhnlich das
Produkt des Weissbrennens der Schlempekohle, das Salin, bezeichnet)
zeigen folgende Zusammensetzung:
a. b. c. d. e.
Kaliumcarbonat 53,9 79,0 76,0 43,0 32,9
Natriumcarbonat 23,1 14,3 16,3 17,0 18,5
Kaliumsulfat 2,9 3,9 1,19 4,7 14,0
Chlorkalium 19,6 2,8 4,16 18,0 16,0
a französische Potasche, b aus Valenciennes, c aus Paris, d aus
Belgien, e aus Magdeburg.
[Sidenote: Kalisalze aus den Seealgen.]
VI. =Kalisalze aus den Seealgen oder Tangen.= Aus den Seetangen werden
als Nebenprodukt der Jod- und Bromgewinnung grosse Mengen von Kalisalzen
dargestellt. Man wendet dazu =drei= verschiedene Methoden an, nämlich
a) die =ältere= oder das =Calcinationsverfahren=, welches die Tange
verbrennt und die zurückbleibende Asche einem methodischen Auslauge- und
Krystallisirprocess unterwirft;
b) das =Verkohlungsverfahren= oder =Stanford='s Methode, nach welcher die
Tange durch trockne Destillation in =Tangkohle= übergeführt werden,
welche gleichfalls dem Auslaugen unterworfen wird. Die hierbei
auftretenden Produkte der trocknen Destillation (photogenähnliche
Flüssigkeiten) vermindern die Herstellungskosten der Kalisalze;
c) nach einem =dritten= (von =Kemp= und =Wallace=) vorgeschlagenen
Verfahren werden die Seetange mit Wasser ausgekocht, die Abkochung wird
eingedampft und der Rückstand vorsichtig eingeäschert.
Das hauptsächlich angewendete Verfahren ist das =ältere=. Es wird
ausgeübt in Frankreich an den Küsten der Bretagne und der
Basse-Normandie, insbesondere in den Umgebungen von Brest und
Cherbourg; ferner in Schottland und Irland.
Die Fabrikation der Kalisalze beginnt mit der Einäscherung der
Pflanzen, wodurch eine halbverglaste Masse entsteht, welche man in
Frankreich =Varech= oder =Vraic=, in England und Schottland =Kelp=
nennt. Man unterscheidet den =getrifteten Tang= oder die =Treibalgen=
und den =geschnittenen Tang= oder die =Schnittalgen=; der von beiden
Sorten gelieferte Kelp zeigt in Hinsicht auf Zusammensetzung und auf
Handelswerth grosse Verschiedenheiten. Der geschnittene Tang (Fucus
serratus und F. nodosus), in der Volkssprache der Normandie =Meereiche=
genannt, wächst auf den Felsen und Klippen und am Meeresufer und muss
gesammelt werden; der getriftete Tang (Laminaria digitata), im Munde
des Volkes =Seequecke= und =Seeruthe= genannt, dagegen wird von den
Wogen an die Küste geworfen; er enthält 25 Proc. mehr Kali und 300
Proc. mehr Jod, als der geschnittene Tang. Letzterer ist also nicht nur
kaliärmer, als der getriftete Tang, sondern enthält auch mehr Natron
und hat deshalb einen geringeren Werth. Der getriftete Tang ist ferner
reicher an Chloralkalien, als an schwefelsauren Salzen; bei den
geschnittenen Tangen gilt das Gegentheil. Da der Preis des kohlensauren
Kalis den der Soda übersteigt und das Chlorkalium weit mehr werth ist,
als das Chlornatrium, so ist es begreiflich, dass die getrifteten Tange
(abgesehen von der grösseren Jodmenge, die sie enthalten) eine weit
kostbarere Kaliquelle darbieten, als die geschnittenen Tange. Es folgt
daraus, dass die westlichen Küsten Grossbritanniens, die vom Ocean
bespült und durch die Stürme reichlich mit getriftetem Tang versehen
werden, eine weit bessere Varechsorte liefern müssen, als die östlichen
Küsten, die eine mehr geschützte Lage haben und an welchen sich
vorzugsweise der geschnittene Tang findet. Allerdings ist vieler Orten
dieser natürliche Vortheil zum Theil durch die Sorglosigkeit der
Landleute, die mit der =Einäscherung des Tangs= sich beschäftigen,
compensirt.
Der Kelp hat im Durchschnitt folgende Zusammensetzung:
Unlösliches 57,000
Kaliumsulfat 10,203
Chlorkalium 13,476
Chlornatrium 16,018
Jod 0,600
Andere Salze 2,703
-------
100,000
Den besten Kelp der Westküste liefert die Insel Rathlin. Die Tonne
Rathlin-Kelp (= 22-1/2 Ctr.) hat in Glasgow einen Werth von 7-1/2 bis
10-1/2 Pfd. Sterl. (= 187,50 bis 262,50 Frcs.), während der Galway-Kelp
in Folge des absichtlich oder zufällig beigemengten Sandes nur 2 bis 3
Pfd. (= 50 bis 75 Frcs.) kostet. 22 Tonnen Tang im feuchten Zustande
liefern
1 Tonne Kelp guter Mittelqualität,
5 bis 6 Ctr. Chlorkalium,
3 Ctr. Kaliumsulfat.
Das käufliche Chlorkalium besteht aus 80 Proc. Chlorkalium, 8 bis 9
Proc. Wasser und 11 bis 12 Proc. Chlornatrium und Natriumsulfat. Das
Kaliumsulfat aus Kelp besteht etwa zur Hälfte aus Kaliumsulfat, zur
anderen Hälfte aus 20 Proc. Wasser und 30 Proc. eines Gemenges von
Kochsalz und Glaubersalz.
Die Verarbeitung des Kelps geschieht in Schottland auf folgende Weise:
Die erste Operation, die mit dem Kelp vorgenommen wird, ist die, ihn
mittelst grosser Hämmer in kleine Stücke von der Grösse der kleinen
Chausseesteine zu zerschlagen. So vorbereitet wird er in grossen
gusseisernen Gefässen mit heissem Wasser übergossen, um alle löslichen
Bestandtheile auszuziehen. Es wird dabei wie beim Auslaugen der rohen
Soda verfahren, indem dieselbe Flüssigkeit mit verschiedenen
Quantitäten Kelp zusammengebracht wird, zuerst mit beinahe schon ganz
ausgelaugtem und erst zuletzt mit frischem Kelp, bis die Flüssigkeit 36
bis 40 Grad Tw. oder ein specifisches Gewicht von 1,18 bis 1,20 zeigt.
Der bei diesem Auslaugen bleibende Rückstand beträgt 30 bis 40 Proc.
des Kelps und bildet eine dunkelgrüne erdartige Masse, der Hauptsache
nach aus Kieselerde bestehend (wol meist von dem den Seepflanzen vor
dem Verbrennen noch anhängenden Sande herrührend), ferner aus Calcium-
und Magnesiumcarbonaten, -sulfaten und -phosphaten und Stückchen
unverbrannter Kohle. Dieser Rückstand wird von Glashütten, welche
Bouteillen anfertigen, gern gekauft.
Der so erhaltene wässerige Auszug des Kelps wird in gusseisernen fast
halbkugelförmigen Kesseln von 2,1-2,2 Meter Durchmesser über freiem
Feuer abgedampft; er enthält der Hauptsache nach Chlorkalium, viel
weniger Chlornatrium, Kaliumsulfat, Kaliumcarbonat, Natriumcarbonat,
endlich Jodkalium, Schwefelkalium und Kalium- und Natriumdithionit;
diese Salze werden zum grössten Theile nur durch abwechselndes
Abdampfen und Abkühlen in Folge ihrer verschiedenen Löslichkeit
getrennt. Das Kaliumsulfat als das bei weitem unlöslichste, fällt schon
während des ersten Eindampfens fortwährend zu Boden und wird von den
umstehenden Arbeitern mit grossen siebartig durchlöcherten Löffeln
herausgeschöpft und noch feucht als _plate sulfate_ in den Handel
gebracht. Nachdem dieses Salz ziemlich vollständig entfernt ist, lässt
man die Flüssigkeit in ein grosses gusseisernes Gefäss (_cooler_)
abfliessen, wo beim Erkalten eine grosse Menge Chlorkalium
herauskrystallisirt und sich an den Gefässwänden festsetzt. Die
Mutterlauge hiervon wird wieder nach dem Kessel zurückgebracht. Bei dem
weiteren Eindampfen fängt nun das Chlornatrium an
herauszukrystallisiren. Dasselbe hat die Eigenthümlichkeit, in heissem
Wasser nur sehr unbedeutend mehr löslich zu sein, als in kaltem,
während die Löslichkeit der meisten anderen Salze mit der Temperatur
ausserordentlich zunimmt. Man kann daher mit der Concentration der
Lauge immer fortfahren, bis man glaubt, dass auch schon Chlorkalium mit
herausfallen könnte. Dann schöpft man das zu Boden fallende Kochsalz
heraus und bringt die Lauge wieder zur Krystallisation einer neuen
Menge Chlorkalium in die Kühlgefässe, ohne besorgen zu müssen, dasselbe
durch Chlornatrium verunreinigt zu erhalten. Auf diese Weise verfährt
man viermal und erhält vier Krystallisationen von Chlorkalium. Die
erste Krystallisation davon enthält etwa 86 bis 90 Proc. reines
Chlorkalium, das übrige ist meist Kaliumsulfat; die zweite und dritte
Krystallisation sind sehr rein und enthalten 96 bis 98 Proc.
Chlorkalium; die vierte enthält schon etwas Natriumsulfat beigemischt.
Die nach der vierten Krystallisation bleibende Mutterlauge wird nicht
wieder eingedampft; sie zeigt 66 bis 76 Grad Tw. oder ein spec. Gewicht
von 1,33 bis 1,38; sie enthält noch Natriumsulfat, Schwefelverbindungen
der Alkalien und unterschwefligsaure Salze derselben, die kohlensauren
Alkalien und Jodkalium. Diese Flüssigkeit wird in einem flachen
offenen, unter freiem Himmel stehenden Gefässe langsam mit verdünnter
Schwefelsäure versetzt. Es erfolgt ein heftiges Aufbrausen, indem
Kohlensäure und Schwefelwasserstoff gasförmig davon gehen; an der
Oberfläche setzt sich in Folge der Zersetzung der Polysulfurete und
Hyposulfite ein dicker Schaum von reinem Schwefel ab. Man schöpft ihn
zum Abtropfen und Trocknen ab, um ihn dann in den Handel zu bringen.
Nachdem die genannten Gase vollständig entwichen sind, mischt man die
Flüssigkeit mit einer noch grösseren Quantität Schwefelsäure, fügt eine
gewisse Menge feingemahlenen Braunstein hinzu und verarbeitet die
Mischung auf Jod (siehe dieses).
Da bei der Verarbeitung der Seealgen durch Einäschern und Auslaugen der
Asche (Kelp, Varech) grosse Mengen werthvoller Stoffe, insbesondere
namhafte Antheile von Jod, durch Verflüchtigung verloren gehen, so hat
man versucht, die Einäscherung zu umgehen und die Algen =durch
Destillation= nur zu verkohlen. Die =Tang=- oder =Algenkohle= ist
alsdann (analog der Schlempekohle) das Material zur Darstellung der
Kalisalze und des Jods. Diese Methode wird allgemein das
=Stanford='sche =Verfahren= genannt. Die Algen werden getrocknet, zu
Kuchen zusammengepresst, ähnlich dem Presstorf, und dann in Gasretorten
der trocknen Destillation unterworfen. Die Produkte der Destillation
werden in gewöhnlicher Weise aufgesammelt. Die so erhaltene Algen- oder
Tangkohle giebt beim Behandeln mit siedendem Wasser alle Salze (Jodüre,
Chlorüre, Sulfate etc.) ab und zeichnet sich nach dem Trocknen durch
grosses Entfärbungsvermögen aus. Die Fucuskohle enthält 33 Proc. Kohle,
der Rest besteht aus Alkali- und Erdsalzen. Die flüchtigen Produkte
sollen auf Paraffin, Photogen, Essigsäure, Ammoniaksalze und Leuchtgas
verarbeitet werden. Bei der Destillation geben 100 Th. frische Algen
68,5-72,5 Th. ammoniakalisches Wasser,
4,0 " Theer,
7,0-7,5 " Algenkohle,
2,0-2,5 " Leuchtgas.
Obgleich =Stanford='s Verfahren durchaus rationell zu nennen ist, so
zeigen sich doch bei seiner Ausführung im Grossen mannichfache
Schwierigkeiten, die seine Einführung in Frankreich und Schottland
verhindert haben. Ebenso unausführbar erwiesen sich die Vorschläge von
=Kelp= und =Wallace=, die Algen mit Wasser zu extrahiren und aus dem
Auszuge die Salze und insbesondere das Jod zu gewinnen.
Was die =Menge= der aus den Seealgen gewonnenen =Kalisalze= betrifft,
so belief sich dieselbe im Jahre 1865 nach =Joulin=
in Frankreich auf 1,500,000 Kilogr.
" Schottland, Irland und England auf 1,200,000 "
------------------
2,700,000 Kilogr. = 54,000 Ctr.
Angesichts der riesigen Stassfurter und Kaluczer Chlorkaliumfabrikation
hat somit die Kalisalzgewinnung aus Seealgen nur noch geringe
Bedeutung.
[Sidenote: Kalisalze aus dem Wollschweisse.]
VII. =Kalisalze aus dem Schweisse der Schafwolle.= Es ist bekannt, dass
mit den Kräutern und Gräsern, welche die Schafe auf der Weide fressen,
dem Boden grosse Mengen von Kali entzogen werden, welche, nachdem sie
durch den Schaforganismus gewandert, zugleich mit dem Schweiss durch die
Haut ausgeschieden und in der Wolle als Wollschweiss (suint) abgelagert
werden. Die Untersuchungen =Chevreul='s haben gezeigt, dass der
Wollschweiss fast den dritten Theil des Gewichts roher Merinowolle
ausmacht und dass der in kaltem Wasser lösliche Theil aus dem Kalisalze
einer Fettsäure (sudorate potassique, suintate de potasse) besteht. Nach
=Reich= und =Ulbricht= sind die im Wollschweiss enthaltenen Säuren
Verbindungen der Oel- und Stearinsäure, wahrscheinlich auch der
Palmitinsäure. Der Schweiss findet sich in geringerer Menge in grober
Wolle als in feiner. Im Durchschnitte beträgt er 15 Proc. vom Gewicht des
rohen Vliesses.
Die Menge des Wollschweisses, welche beim Waschen der Wolle in Lösung
tritt, und das Quantum des darin enthaltenen Kalis ist so bedeutend,
dass im Jahre 1860 von den französischen Technikern =Maumené= und
=Rogelet= auf die Verarbeitung des Wollschweisses eine Methode der
Potaschengewinnung gegründet wurde, welche in den Centren der
französischen Wollindustrie, in Rheims, Elbeuf und Fourmies, Wurzel
gefasst hat. Man kauft die Waschwässer nach einem Tarif, der sich nach
der Concentration dieser Wässer richtet (1000 Kilogr. Wolle geben
Waschwässer, welche nach =Chandelon= bei einem spec. Gewicht von 1,03
mit 5 Fr. 48 Ct., von 1,05 mit 10 Fr. 45 Ct., von 1,25 mit 18 Fr. 47
Ct. bezahlt werden), dampft dieselben zur Trockne ab und erhitzt den
trocknen kohligen Rückstand in Gasretorten, wobei Kohlenwasserstoffgas
und Ammoniak sich entwickeln, die durch Gasreiniger geleitet werden,
damit das Ammoniak zurückgehalten und das Kohlenwasserstoffgas als
Leuchtgas Anwendung finden könne. In dem kohligen Rückstand in der
Retorte sind die Kalisalze enthalten, welche mittelst Wasser extrahirt
werden. Die durch Auslaugen erhaltene Flüssigkeit enthält
Kaliumcarbonat und Kaliumsulfat und Chlorkalium, die man nach dem
gewöhnlichen Verfahren durch Abdampfen und Krystallisirenlassen von
einander trennt. Der ausgelaugte Rückstand enthält erdige Körper und
eine kohlige Substanz, die so fein zertheilt ist, dass sie als
schwarze Farbe Anwendung finden könnte. Nach =Maumené= und =Rogelet=
enthält ein Vliess von 4 Kilogr. Schwere 600 Grm. Wollschweiss, welcher
198 Grm. reines Kaliumcarbonat zu liefern vermag. Nach einer Schätzung
von =Fuchs= reducirt sich die Menge Wollschweiss auf 300 Grm., worin
Kaliumsulfat 7,5 Grm. = 2,5 Proc.
Kaliumcarbonat 133,5 " = 44,5 "
Chlorkalium 9,0 " = 3,0 "
organische Stoffe 150,0 " = 50,0 "
-----------------------
300,0 Grm. 100,0 Proc.