Nach neueren Analysen enthielt Gediegengold aus

I. II.

Siebenbürgen Südamerika Sibirien Californien Australien

Gold 64,77 88,04 86,50 89,60 99,2 95,7

Silber 35,23 11,96 13,20 10,06 0,43 3,9

Eisen

und andere

Metalle -- -- 0,30 0,34 0,28 0,2

Ausserdem trifft man das Gold häufig im gediegenen Tellur und

Tellursilber, zuweilen im Rothgültigerz, ferner in Schwefelkies,

Kupferkies, im Antimonglanz, in der Zinkblende, dem Arsenkies (z. B. dem

von Reichenstein in Oberschlesien) und nach =Eckfeldt= in allen Arten von

Bleiglanz und in manchen Thonsorten. Afrika, Ungarn, der Ural, Australien

und Amerika, (Mexico, Brasilien, Peru, Californien, Columbien, Victoria

in Neuholland etc.) liefern die grösste Menge des Goldes.

Die =Goldausbeute= soll nach den vorhandenen (bis Ende 1869 reichenden)

Angaben betragen 400 Millionen Thaler. Diese Summe vertheilt sich etwa

in folgender Weise:

Californien 100,000,000 Thlr.

Die übrigen Theile der Union 45,000,000 "

Britisch-Columbia 8,600,000 "

Mexiko 35,000,000 "

Südamerika 20,000,000 "

-----------------

Ganz Amerika 208,600,000 Thlr.

Russland 31,000,000 Thlr.

Uebriges Europa 10,000,000 "

Asien und Afrika 14,000,000 "

Australien (Neusüdwales, }

Queensland, Westaustralien, }

Südaustralien, Victoria) } 110,500,000 "

Neuseeland und Tasmanien } 17,000,000 "

Alle übrigen Länder 8,900,000 "

-----------------

Summa 191,400,000 Thlr.

Im Ganzen daher 208,600,000 Thlr.

191,400,000 "

-----------------

400,000,000 Thlr.

[Sidenote: Gewinnung des Goldes aus dem Goldsande durch Waschen.]

[Sidenote: durch Quecksilber,]

[Sidenote: durch Verschmelzen,]

[Sidenote: durch Behandeln mit Alkali.]

[Sidenote: Aus eingesprengtem Golde.]

Die =Gewinnung des Goldes= richtet sich nach der Art des Vorkommens. Die

grösste Menge des circulirenden Goldes wird aus dem Goldsande oder

verwitterten goldhaltigen Felsarten durch Auswaschen des =Waschgoldes=

gewonnen. Man nimmt das Waschen häufig in hölzernen Näpfen oder in

Kürbisflaschen vor, die mit dem goldhaltigen Sand angefüllt sind; man

schüttelt diesen Sand so lange mit Wasser, bis die grösste Menge

fortgewaschen ist. In anderen Districten geschieht das Waschen in Wiegen

auf schiefgestellten Tafeln, Wasch- oder Schlämmherden. Das so erhaltene

Gold ist nicht rein, sondern mit Körnern von Titaneisen, Magneteisen u.

s. w. vermischt. =Die Ausziehung des Goldes= aus dem Goldsande =durch

Quecksilber= wird in sogenannten Quick- oder Goldmühlen vorgenommen, in

welchen der durch Wasser aufgeschwemmte Sand in vielfache Berührung mit

dem Quecksilber kommt. Durch Zusatz von etwas Natrium zum Quecksilber

(=Natriumamalgamation=) wird nach den Versuchen von =H. Wurtz= die

Extraction des Goldes erleichtert und vervollständigt. Das erhaltene

Goldquecksilber wird durch Pressen in Beuteln von Leder, Barchent oder

Zwillich vom überschüssigen Quecksilber befreit und das zurückbleibende

Amalgam in eisernen Retorten oder Glockenöfen geglüht. Am vollständigsten

wird das Gold aus dem Goldsande durch Ausschmelzen gewonnen, wobei man

25-30 Mal mehr Gold als durch Verwaschen gewinnt. Man verschmilzt den

Goldsand in Eisenhochöfen mit Flussmitteln auf goldhaltiges Roheisen und

scheidet daraus das Gold mittelst Schwefelsäure ab. Nach dem Vorschlage

von =Hardings= soll man das Gold aus goldführenden Quarzen dadurch

gewinnen, dass man den Quarz unter Hochdruck in Alkalilauge löst, wodurch

sich als Nebenprodukt Wasserglaslösung bildet. Befindet sich Gold

eingesprengt in Kupfer- und Bleierzen, so behandelt man diese Erze auf

gewöhnliche Weise, d. h. man röstet sie und wäscht sie aus. Bei

goldreichen Erzen wendet man die =Amalgamation= an. In anderen Fällen

wendet man die =Eintränkungsarbeit= an, welche darin besteht, dass man

die goldhaltigen Schwefelmetalle röstet und schmilzt. Den erhaltenen

Rohstein, in welchem sich das Gold angesammelt befindet, röstet man

abermals, schmilzt ihn nach dem Rösten mit Bleiglätte zusammen, welche

das in dem Rohstein enthaltene Gold in sich aufnimmt und von letzterem

durch =Abtreiben= auf dem Treibherde geschieden wird.

[Sidenote: Extraction des Goldes aus armen güldischen Erzen.]

Bei der Extraction armer güldischer Erze, z. B. der Arsenabbrände von

Reichenstein in Schlesien, hat man die Behandlung derselben mit

Chlorwasser oder einer angesäuerten Chlorkalklösung in Anwendung

gebracht. Das Gold löst sich in dem Chlorwasser als Goldchlorid

(AuCl_{3}) auf, und wird aus der Lösung durch Eisenvitriol (oder durch

Schwefelwasserstoff) niedergeschlagen. Diese Methode, von =Plattner=

ermittelt und von =Th. Richter=, =Georgi= und =Duflos= geprüft, dürfte

manche bisher gebräuchliche Extractionsmethoden des Goldes zu verdrängen

im Stande sein. Nach =Allain= kann man aus Kiesen, welche zuvor geröstet

und durch Behandlung mit Schwefelsäure von Eisen, Zink, Kupfer etc.

befreit worden sind, mittelst Chlorwasser noch 1/10,000 Gold extrahiren.

[Sidenote: Goldscheidung.]

Das nach vorstehenden Methoden erhaltene Gold enthält kleine

Beimischungen von anderen Metallen und stets Silber. Um das Gold von

diesen Beimischungen zu scheiden, wendet man folgende Methoden an:

1) die Goldscheidung durch Schwefelantimon (Sb_{2}S_{3});

2) die Goldscheidung durch Schwefel und Bleiglätte;

3) die Goldscheidung durch Cementation;

4) die Scheidung in die Quart (Quartation);

5) die Goldscheidung durch Schwefelsäure (Affinirung).

Da die letztere Methode der Goldscheidung alle übrigen verdrängt hat, so

wird es hinreichend sein, die vier ersten nur kurz zu erwähnen.

[Sidenote: Durch Schwefelantimon.]

1) =Die Goldscheidung durch Schwefelantimon= oder das Giessen des

Goldes durch Spiessglanz geht vor sich, indem man die Goldlegirung

(Gold, Silber, Kupfer u. a.), die mindestens 60 Proc. enthält, in einem

Graphittiegel bis zum Schmelzen erhitzt und dann gepulvertes

Schwefelantimon (in der Menge von 2 Th. auf 1 Th. der Legirung)

einträgt. Die geschmolzene Masse wird in eine mit Oel ausgestrichene

gusseiserne Form gegossen. Nach dem Erkalten findet man die Masse in

zwei Schichten gesondert, von denen die obere, das =Plachmal= (Plagma)

aus Schwefelsilber, Schwefelkupfer und Schwefelantimon, die untere aus

dem König (dem Antimongold) besteht. Durch Wiederholung dieses

Processes wird das Plachmal von noch beigemengtem Golde befreit. Das

Gold aus dem König wird vom Antimon durch Erhitzen der Legirung unter

der Muffel oder vor dem Gebläse, wobei das Antimon wegraucht, getrennt,

und das zurückbleibende Gold mit Borax, Salpeter und Glaspulver

zusammengeschmolzen.

[Sidenote: Durch Schwefel.]

2) Die =Goldscheidung durch Schwefel und Bleiglätte= (Scheidung durch

Guss und Fluss, =Pfannenschmied='scher Process) bezweckt nicht die

vollständige Trennung des Goldes von seinem Legirungsmetall (Silber,

Kupfer), sondern nur das Concentriren in einer geringeren Quantität

Silber, als in der ursprünglichen. Die Goldscheidung durch Schwefel ist

demnach eine Concentrationsarbeit, eine Vorbereitungsarbeit für die

Scheidung auf nassem Wege, besonders für die Scheidung durch die Quart.

Die Absicht bei dieser Scheidung ist demnach nur die Ersparung an

Salpetersäure. Es wird die granulirte goldhaltige Legirung mit 1/7 Th.

befeuchteten Schwefelpulvers in einen glühenden Graphittiegel

eingetragen und mit Kohlenpulver bedeckt. Der Tiegel wird 2-2-1/2

Stunden in einer schwachen Glühhitze erhalten und dann bis zum

Schmelzen erhitzt. Enthielt die Legirung grössere Mengen Gold, so

sondert sich jetzt ein goldreiches Silber ab, während nur eine sehr

kleine Menge des Goldes in dem Plachmal zurückbleibt. War die Legirung

dagegen sehr arm an Gold, so findet eine derartige Absonderung entweder

gar nicht oder nur unvollständig statt. Um diese zu bewirken, streut

man auf die geschmolzene Masse Bleiglätte (auf jede Mark Silber 1-

1-1/2 Loth), deren Sauerstoff einen Theil des Schwefelsilbers zu

schwefliger Säure verbrennt, während die freigewordene, äquivalente

Quantität Silber mit dem grössten Theil des Goldes ausfällt. Das

reducirte Blei schmilzt mit den Schwefelmetallen zusammen.

[Sidenote: Durch Cementation.]

3) Bei der =Goldscheidung durch Cementation= wird die goldhaltige

Legirung in feinen Granalien oder in Gestalt dünner Bleche mit

Cementpulver (aus 4 Th. Ziegelmehl, 1 Th. Kochsalz und 1 Th. geglühtem

Eisenvitriol bestehend) in einem Tiegel (der Cementirbüchse)

geschichtet und derselbe einer allmälig gesteigerten, mehrstündigen

Hitze ausgesetzt. Durch Einwirkung des Eisenvitriols auf Kochsalz

entwickelt sich Chlor, welches das Silber in Chlorsilber umwandelt, das

Gold aber nicht angreift. Das Chlorsilber wird von dem Ziegelmehl

aufgesogen. Nach dem Erkalten kocht man die Masse mit Wasser aus, um

die Goldgranalien und Bleche zu gewinnen. Unlängst (1869) hat =F. B.

Miller= (in Sidney) auf die Eigenschaft des Chlorgases auf Gold bei

höherer Temperatur nicht einzuwirken, Silber, Kupfer und andere Metalle

dagegen in Chlormetalle überzuführen, eine neue Methode der

Goldscheidung gegründet.

[Sidenote: Scheidung in die Quart.]

4) =Die Scheidung auf nassem Wege= oder die =Scheidung in die Quart=

oder die =Quartation= hat davon ihren Namen, dass man früher annahm,

dass, wenn man die Scheidung des Goldes vom Silber auf nassem Wege

vornehmen wolle, der Silbergehalt das Dreifache des Goldgehaltes

betragen müsse. M. von =Pettenkofer='s Untersuchungen haben aber

gezeigt, dass die doppelte Menge von Silber hinreichend sei, um durch

gehörig concentrirte Salpetersäure, durch hinreichendes Kochen aus

einer Legirung von Gold und Silber letzteres aufzulösen. Man schmilzt

bei dieser Scheidung die Legirung mit der erforderlichen Menge Silber

zusammen, granulirt das Metallgemisch und übergiesst es in einem

Platinkessel mit vollkommen =chlorfreier= Salpetersäure von 1,320 spec.

Gewicht. Silber wird gelöst, während Gold zurückbleibt. Das Gold wird

in einem Tiegel mit Borax und Salpeter umgeschmolzen.

[Sidenote: Goldscheidung durch Schwefelsäure.]

5) =Die Goldscheidung durch Schwefelsäure= oder die =Affinirung= ist

schon in der Kürze bei dem Kupfervitriol (s. S. 56) angegeben worden. Sie

empfiehlt sich vor der Quartation mittelst Salpetersäure durch grössere

Einfachheit, Wohlfeilheit und durch den Umstand, dass man mit Hülfe

dieser Methode Legirungen von fast jedem Goldgehalte scheiden kann. Um

sie auszuführen, darf die Legirung nicht über 20 Proc. Gold und 10 Proc.

Kupfer enthalten. Am vortheilhaftesten soll nach den Erfahrungen von =M.

v. Pettenkofer= die Scheidung mit einer Legirung vor sich gehen, die in

16 Th. nicht viel mehr als 4 und nicht viel weniger als 3 Th. Gold, das

übrige Silber und Kupfer enthält. Meist wird die Legirung in Form von

Granalien angewendet. Zur Auflösung dienten früher Platingefässe, jetzt

wendet man allgemein gusseiserne Kessel oder Porcellangefässe an. Die zur

Scheidung angewendete Schwefelsäure muss ein spec. Gewicht von 1,848

haben. Man übergiesst in dem Gefässe 1 Molek. der Legirung mit 2 Molek.

an Schwefelsäure und erhitzt, bis nach 12 Stunden die Lösung des Silbers

und des Kupfers vollständig vor sich gegangen ist. Die während dieser

Operation sich entwickelnden Dämpfe von Schwefelsäure und schwefliger

Säure werden entweder in eine Esse abgeleitet oder besser noch, wie von

=Poizat= bei Paris zur Fabrikation von Schwefelsäure oder auch zur

Herstellung von Antichlor verwendet. Wenn alles Silber in Sulfat

umgewandelt worden ist, wird die Lösung in eine Bleipfanne abgegossen,

das darin zu einem Krystallbrei erstarrte Silbersulfat wird mit einem

eisernen Spaten ausgestochen und in bleierne, mit heissem Wasser gefüllte

Fällpfannen gethan (1 Th. Silbersulfat löst sich in 88 Th. siedendem

Wasser). Das Ausfällen des Silbers geschieht durch Kupferblechstreifen.

Die entstehende Lösung von Kupfersulfat wird, nachdem die freie

Schwefelsäure durch Kupferoxyd neutralisirt worden ist, auf Kupfersulfat

verarbeitet. Das ungelöst zurückbleibende Gold wird durch Kochen mit

Natriumcarbonat und Behandlung mit Salpetersäure von beigemengtem

Eisenoxyd, Schwefelkupfer, Bleisulfat befreit, getrocknet und mit etwas

Salpeter umgeschmolzen. Die Anwendung dieser Scheidungsart hat es möglich

gemacht, kupferhaltiges Silber mit einem Goldgehalte von 1/12-1/10 Proc.,

den man in allen älteren Silbermünzen findet, zu affiniren. Nach =M. v.

Pettenkofer='s Untersuchungen enthält das auf diese Weise erhaltene Gold

noch etwas Silber und Platin (97,0 Th. Gold, 2,8 Th. Silber und 0,2 Th.

Platin), von welchen Metallen es durch Umschmelzen mit Salpeter und

Natriumbisulfat befreit wird.

Die Pariser Affiniranstalten liefern dem Eigenthümer des zu

affinirenden goldhaltigen Silbers sowol das Silber, als auch das

abgeschiedene Gold zurück und erhalten für ihre Arbeit nur das in der

Legirung enthaltene Kupfer nebst 5-5-1/2 Franken für das Kilogramm

des affinirten Metalles. Enthält die Legirung weniger als 1/10 Gold, so

behalten sie 1/2000 des Goldes und alles Kupfer, liefern dagegen alles

übrige Gold und alles Silber ab und zahlen ausserdem eine Prämie von 75

Centimes auf das Kilogramm feingemachten Metalles. Verlangt der

Eigenthümer alles Gold und Silber zurück, so berechnet der Affineur 2

Franken 10-68 Centimes (je nach dem Cours des Silbers) pro Kilogramm

und behält ausserdem das Kupfer. Für das Affiniren von silberhaltigem

Gold zahlt man in Paris ebenfalls 5 Franken pro Kilogramm. In Paris und

Umgegend werden jährlich für 130 Mill. Franken für die Bank von

Frankreich, für die Münze und für die Privatspeculation affinirt. --

Die badische Regierung übergab einer Scheideanstalt in Frankfurt a. M.

den Kronenthaler (eine Geldmünze, die laut Münzvereinbarung vom 7.

August 1858 bis zum Jahre 1864 aus dem Verkehr verschwunden sein

musste) zum Einschmelzen unter folgenden Bedingungen: 1) Für Schmutz

wird 1/1000 in Abzug gebracht; 2) Der Feingehalt der Kronenthaler wird

nach der Probe zu 0,876 (d. h. in 1 Kilogr. Kronenthaler 876 Grm.

Feinsilber) berechnet; 3) Die Rücklieferung geschieht in Barren zu

0,990-0,998 Feingehalt; 4) für das Gold, das die Scheideanstalt aus 1

Kilogr. Silber zieht, hat sie 30 Kreuzer (= 1 Frank 7 Centimes) zu

vergüten; der Mehrbetrag an Gold ist das, was sie daran verdient.

[Sidenote: Chemisch reines Gold.]

Um chemisch reines Gold zu erhalten, löst man Gold in Königswasser auf,

dampft die Lösung zur Trockne, löst das zurückbleibende Goldchlorid in

Wasser und fällt das Gold daraus durch Eisenvitriollösung:

Goldchlorid 2(AuCl_{3})} {Gold 2Au

Eisenvitriol 6FeSO_{4} } geben {Schwefelsaures Eisenoxyd 2Fe_{2} 3SO_{4}

} {Eisenchlorid Fe_{2}Cl_{6}

Nach =Jackson= erhält man das Gold in Gestalt eines gelben Schwammes,

wenn man zu concentrirter Goldchloridlösung kohlensaures Kali und eine

ziemliche Menge krystallisirter Oxalsäure setzt und die Lösung rasch

bis zum Sieden erhitzt;

Goldchlorid 2(AuCl_{3}) } {Gold 2Au

Oxalsäure 3C_{2}H_{2}O_{4}} geben {Salzsäure 6ClH

} {Kohlensäure 6CO_{2}.

Auch das Wasserstoffsuperoxyd schlägt (nach =Reynolds=) das Gold aus

der sauren Lösung in schönen metallglänzenden Flittern nieder:

Goldchlorid 2(AuCl_{3}) } {Gold 2Au

Wasserstoffsuperoxyd 3H_{2}O_{2}} geben {Salzsäure 6ClH

} {Sauerstoff 6O.

[Sidenote: Eigenschaften des Goldes.]

Man wendet zum Fällen des Goldes zuweilen auch Chlorantimon oder

Chlorarsen an. Das nach dem einen oder dem anderen Verfahren erhaltene

Gold wird in einem Graphittiegel unter einer Boraxdecke umgeschmolzen.

Die Farbe des Goldes ist allgemein bekannt, aber schon höchst geringe

Mengen anderer Metalle können die goldgelbe Farbe dieses Metalls

modificiren. Durch Poliren nimmt es hohen Glanz an. An Härte übertrifft

es nur wenig das Blei, dagegen ist es das geschmeidigste aller Metalle.

Neben der Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit besitzt das Gold grosse

absolute Festigkeit, welche jener des Silbers fast gleich kommt. Die

Elasticität ist unbedeutend, daher es auch wenig Klang besitzt. Das

spec. Gewicht des Goldes geht von 19,25 im gegossenen und nicht

ausgestreckten Zustande bis 19,55, selbst bis zu 19,6, wenn es durch

Bearbeitung verdichtet worden ist. Gold dehnt sich beim Erwärmen von 0

bis 100° um 1/682 aus, schmilzt bei 1037° (nach =Deville=) und zieht

sich nach dem Guss in den Formen stark zusammen, woraus hervorgeht,

dass es im geschmolzenen Zustande beträchtlich ausgedehnt worden sein

muss. Schmelzendes Gold leuchtet mit meergrüner Farbe. Die Eigenschaft

des Goldes, an der Luft, im Wasser und bei der Berührung mit allen

Säuren, mit Ausnahme des Königswassers, unverändert zu bleiben, erhöht

den Werth des Goldes beträchtlich. Nach Versuchen von =Hatchett=

vermindern schon sehr kleine Mengen von Blei, Antimon und Wismuth die

Dehnbarkeit des Goldes; die übrigen technisch wichtigen Metalle folgen

bezüglich ihres Einflusses auf die Dehnbarkeit in nachstehender Reihe:

Arsen, Zink, Nickel, Zinn, Platin, Kupfer und Silber, so dass in der

That nur zwei Metalle, Kupfer und Silber, existiren, welche mit dem

Golde legirt werden können, um ihm mehr Härte zu ertheilen, ohne seine

Dehnbarkeit merklich zu beeinträchtigen. Unter allen Metallen hat das

Gold die grösste Verbindungsfähigkeit mit dem Quecksilber. Das zu

dünnen Blättern ausgeschlagene Gold lässt das Licht, je nach dem Grade

seiner Ausplattung, bald mit blauer, bald mit grüner Farbe durchfallen.

[Sidenote: Legirungen des Goldes.]

Feines Gold wird seiner Weichheit wegen nicht verarbeitet; es wird nur

zum Blattgold und zum Malen und Decoriren von Glas oder Porcellan

angewendet[27]. Das so verarbeitete Gold ist stets mit Kupfer oder mit

Silber legirt, ein solches Gemisch ist weit härter als feines Gold. Man

berechnet die Goldlegirungen nach Karat und Grän; man theilt die Mark =

1/2 Pfund in 24 Karate, den Karat in 12 Grän. Unter 18karätigem Golde

versteht man solches, das auf die Mark 18 Karat Gold und 6 Karat Kupfer

oder Silber enthält. Die Kupferlegirung wird die =rothe Karatirung=,

die Silberlegirung die =weisse Karatirung= genannt; eine Legirung mit

beiden Metallen heisst =gemischte Karatirung=. Diese verschiedenen

Legirungen werden behufs der Verarbeitung zu Goldarbeiten, nach

gesetzlichen Bestimmungen dargestellt. So verarbeitet man in Frankreich

18, 20 und 22karätiges, in Deutschland 8, 14 und 18karätiges Gold. Zu

leichteren Waaren verarbeitet man oft auch 6karätiges (Joujou-Gold),

oder noch schlechteres, wobei dem äusseren Ansehen durch Vergoldung

nachgeholfen werden muss. Die österreichischen Ducaten haben einen

Feingehalt von 23 Karat 9 Grän, die holländischen von 23 Karat 6-6,9

Grän, die engl. Victoria's 22 Karat, die preussischen Wilhelmsd'or

21-2/3 Karat, die Zwanzigfrankenstücke (6,451 Grm. zu 900/1000

Feingehalt) 21 Karat 7-1/5 Grän. Nach dem Wiener Münzvertrage vom 24.

Januar 1857 werden in allen deutschen und österreichischen Staaten

=Vereinshandelsmünzen= in Gold unter der Benennung =Krone= und =Halbe

Krone= ausgeprägt und zwar 1) die Krone zu 10 Gramm Feingold, 2) die

Halbe Krone zu 5 Gramm Feingold. Das Mischungsverhältniss dieser

Goldmünze ist

Gold 900

Kupfer 100

Es werden demnach 45 Kronen und 90 Halbe Kronen ein Pfund (= 500 Gramm)

wiegen. (Das Werthverhältniss von Silber und Gold ist etwa 1 : 15,3 bis

1 : 15,5.)[28]

[27] Das Gold wird zur Decoration von Thonwaaren in grösserer Menge

verbraucht als man sich vorstellen mag. Im Jahre 1869 wurden in

England allein (hauptsächlich in den Potterien Staffordshire's)

für diesen Zweck nahezu für 350 bis 400,000 Thaler Gold consumirt.

[28] Nach dem internationalen Münzvertrage vom 23. Decbr. 1865 ist in

den Ländern des =lateinischen Münzvereins= (Frankreich, Spanien,

Portugal, Belgien, Italien und Schweiz) das Preisverhältniss

zwischen Gold und Silber zu 1 : 15-1/2 angenommen. In Frankreich

ist jedoch die praktische Werthrelation beim Austausch von fremdem

Silber gegen französisches Gold -- in Folge der Kosten der

Umprägung, die gegenwärtig (1870) 3/4 Proc. betragen -- nicht

1 : 15,50, sondern wie 1 : 15,61. Der Münzverein umfasst (nach der

Einverleibung Venetien's in Italien und nachdem nach der

Vertreibung der Bourbonen auch in Spanien wirthschaftlich

geordnetere Verhältnisse Platz gegriffen haben) heute 90 Millionen

europäische Staatsangehörige.

[Sidenote: Färben des Goldes.]

Alle Goldlegirungen zeigen nach dem Poliren eine Farbe, welche von der

des reinen Goldes verschieden ist, sie erscheinen röthlichweiss oder

blassgelb. Um diesen Legirungen nun die hochgoldgelbe Farbe des Goldes

zu ertheilen, pflegt man sie durch Kochen in einer Flüssigkeit

(=Goldfarbe=), aus Kochsalz, Salpeter und Salzsäure bestehend, zu

=färben=. Die Wirkung der Goldfarbe beruht auf ihrer Eigenschaft, durch

das aus ihr sich entwickelnde Chlor aus dem vergoldeten Gegenstand

etwas Gold aufzulösen und es sodann als ein dünnes Häutchen reinen

Goldes auf der Oberfläche wieder abzusetzen. Der Zweck des Färbens kann

eben so gut durch eine schwache galvanische Vergoldung erreicht werden.

[Sidenote: Goldprobe.]

Um den Feingehalt einer Goldlegirung zu ermitteln, bedienen sich die

Goldarbeiter des Probirsteines und der Probirnadeln (siehe Seite 107),

und behandeln den Strich mit verdünntem Königswasser, um aus dem

Verschwinden oder Unverändertbleiben einen Schluss auf den Goldgehalt

zu ziehen. Wie sich von selbst versteht, kann diese Methode nur

annähernde Resultate geben; man hat ferner dabei zu berücksichtigen,

dass die Oberfläche der zu prüfenden Legirung durch Färben und Ansieden

häufig goldreicher gemacht worden ist, dass also, bei

Bijouteriearbeiten namentlich, die ersten Striche auf dem Probirsteine

nicht entscheiden. -- Am besten nimmt man die Goldprobe =durch

Kupellation= vor. Zu diesem Zwecke schmilzt man das goldhaltige Korn,

je nach seiner Farbe, mit dem dreifachen, doppelten oder gleichen

Gewichte an Silber und mit ungefähr der zehnfachen Menge an Blei

zusammen, und treibt dann ab. Nach dem Abtreiben plattet man das

silberhaltige Korn aus und digerirt das Blech mit Salpetersäure, das

zurückbleibende Gold wird ausgewaschen, getrocknet, geglüht und

gewogen.

[Sidenote: Technische Anwendung des Goldes.]

Man wendet das Gold bekanntlich an zu Geräthen, Schmucksachen, zu

=Münzen= und zum Ueberziehen metallener Gegenstände mit Gold

(=Vergoldung=); die Bedeutung desselben in der Porcellan- und

Glasmalerei wurde schon erwähnt.

[Sidenote: Vergolden.]

Das =Vergolden= geschieht entweder =durch Blattgold=, auf =kaltem Wege=,

auf =nassem Wege=, =durch die Feuervergoldung= oder =auf galvanischem

Wege=.

[Sidenote: Vergolden durch Blattgold.]

=Mit Blattgold= (geschlagenem Gold) vergoldet man Holz, Stein und

dergl. Das zu diesem Zwecke angewendete Blattgold wird dargestellt,

indem man feines Gold zuerst in Stangen (Zaine) ausgiesst, diese dann

zu Platten ausschlägt und durch Walzen in Bleche verwandelt. Zwanzig

Ducaten geben Goldblech von 50 Fuss Länge und 1 Zoll Breite, welche man

in Stückchen (Quartiere) von 1 Zoll Länge schneidet. Diese Bleche

werden zuerst zwischen Pergamentblättern (Pergamentform), darauf

zwischen Goldschlägerhäutchen, der äusseren feinen Haut vom Blinddarme

des Rindes (Hautform) geschlagen. Die fertigen Goldplättchen werden in

kleine Bücher aus sehr glattem Papier eingelegt, das mit etwas Bolus

oder Röthel bestrichen ist, um das Anhaften des Goldes zu verhindern.

Der Abfall (Schawine, Krätze) dient zur Darstellung der =Goldbronze=

(Muschelgold, Malergold). Die mit Blattgold zu vergoldenden Gegenstände

werden zuerst mit einem Gemenge von Bleiweiss und Firniss oder Leim und

Kreide überstrichen und dann mit Blattgold bedeckt. Eiserne und

stählerne Gegenstände, wie Säbelklingen, Gewehrläufe, werden zuerst mit

Salpetersäure behandelt, dann erhitzt, bis sie blau anlaufen und mit

Blattgold überdeckt.

[Sidenote: Auf kaltem Wege.]

[Sidenote: Auf nassem Wege.]

Auf =kaltem Wege= vergoldet man, indem man feines Gold in Königswasser

löst, in diese Goldlösung Leinwandläppchen taucht, dieselben trocknet

und dann zu Zunder verbrennt. Die Asche (=Goldzunder=) enthält fein

zertheiltes Gold und Kohle, das man vermittelst eines in Salzwasser

getauchten Korkes auf die vorher gereinigte und polirte Oberfläche des

zu vergoldenden Kupfers, Messings oder Silbers aufreibt. Die

=Vergoldung auf nassem Wege= geschieht, indem man die Gegenstände in

eine verdünnte Goldchloridlösung oder in ein siedend heisses Gemenge

von verdünnter Goldchloridlösung mit einer Lösung von kohlensaurem

Natron oder Kali taucht. Eisen und Stahl, die auf diese Weise vergoldet

werden sollen, werden zuerst mit einer Kupfervitriollösung verkupfert.

Eisen und Stahl lassen sich auch dadurch auf nassem Wege vergolden,

dass man die Gegenstände zuerst mit Salpetersäure ätzt und dann mit

einer Lösung von Goldchlorid in Aether bestreicht und erhitzt. Als Bad

zum Vergolden auf nassem Wege ist auch in der neueren Zeit eine Lösung

von Goldchlorid in pyrophosphorsaurem Natrium empfohlen worden.

[Sidenote: Feuervergoldung.]

Die Gegenstände sollen sich fast augenblicklich vergolden. Die

=Feuervergoldung= wird besonders bei Gegenständen von Bronze, Messing

und Silber angewendet. Sie geht auf dieselbe Weise wie die

entsprechende Feuerversilberung vor sich, indem man auf die zu

vergoldende Fläche mit Hülfe einer Lösung von Quecksilber in

Salpetersäure ein Goldamalgam aufträgt und den Gegenstand behufs des

Abdampfens des Quecksilbers erhitzt, wobei das Gold als dünne Schicht

auf dem Gegenstande zurückbleibt. Das hier angewendete Goldamalgam

besteht aus 2 Th. Gold und 1 Th. Quecksilber. Man ertheilt der

Vergoldung entweder durch Poliren ein =glänzendes Ansehen= oder man

=mattirt= sie. Letzteres geschieht, indem man den zu mattirenden

Gegenstand mit einem geschmolzenen Gemenge von Salpeter, Alaun und

Kochsalz erhitzt und ihn sodann in kaltes Wasser taucht. Auch

stellenweise lässt sich das Mattiren ausführen, indem man die später zu

polirenden Stellen mit einem Gemenge von Kreide, Zucker und Gummi

bedeckt (=aufspart=) und das Mattiren auf die nicht bedeckten Theile

ausführt. Das Mattiren gründet sich darauf, dass aus dem schmelzenden

Salzgemenge sich Chlorgas entwickelt, welches das Gold ätzt und dadurch

matt macht. Soll die Vergoldung die röthliche Färbung der

Kupferkaratirung besitzen, so taucht man die Bronze nach dem Verrauchen

des Quecksilbers in geschmolzenes =Glühwachs= oder Vergolderwachs (ein

Gemenge von Wachs, Bolus, Grünspan und Alaun) und lässt das Wachs über

Kohlenfeuer abbrennen. Hierbei wird das Kupferoxyd des Grünspans zu

Kupfer reducirt, das sich mit dem Golde zu rother Karatirung verbindet.

Stahl und Eisen werden vorher verkupfert. Um bei der Feuervergoldung

die Anwendung des gesundheitsschädlichen Quickwassers (salpetersaure

Quecksilberlösung) und das umständliche Auftragen des Amalgam zu

vermeiden, bringt =Masselotte= in Paris die zu vergoldenden Stücke in

ein =basisches= Bad eines Quecksilbersalzes, verbindet sie mit der

Kathode einer galvanischen Batterie und lässt den Strom durchgehen, bis

die Stücke vollständig mit Quecksilber überzogen sind, vergoldet (resp.

versilbert) sie dann in einem sehr reichen Bad und bringt sie dann

nochmals in das erste Bad, wo sie bei Durchleitung des Stromes mit

einer zweiten Quecksilberschicht bedeckt werden. Zuletzt lässt man die

Stücke in einem Ofen mit verschliessbarer Glaswand abrauchen, wobei

kein Arbeiter zugegen zu sein braucht. Man erhält so eine sehr schöne

und solide Vergoldung. Nach =H. Struve= besteht die bei der

Feuervergoldung zurückbleibende Schicht nicht aus reinem Gold, sondern

aus einem quecksilberarmen Goldamalgam (mit 13,3-16,9 Proc.

Quecksilber). Von der Vergoldung auf =galvanischem Wege= wird in dem

folgenden Abschnitte die Rede sein.

[Sidenote: Goldpurpur.]

=Der Goldpurpur= oder Purpur des Cassius ist ein zuerst von =Cassius=

in Leyden 1683 dargestelltes Goldpräparat, das bekanntlich angewendet

wird, um Glasflüssen eine Purpurfarbe zu ertheilen. Man stellt ihn dar,

indem man eine Lösung von Goldchlorid mit Zinnsesquichlorid versetzt.

Nach =Bolley= verfährt man am zweckmässigsten, wenn man 10,7 Th.

Zinnchlorid-Chlorammonium mit Zinn digerirt, bis dasselbe aufgelöst

ist, mit 18 Th. Wasser verdünnt, die Goldlösung mit 36 Th. Wasser

verdünnt und beide Flüssigkeiten vermischt. -- Er erscheint als

braunes, purpurrothes oder schwarzes Pulver, über dessen chemische

Constitution noch nicht entschieden ist, ob es goldsaures Zinnoxyd oder

zinnsaures Goldoxyd ist. Dass das Gold darin nicht im feinzertheilten

metallischen Zustande, sondern oxydirt enthalten ist, ist

wahrscheinlicher als die neuerdings von =Knaffl=, =Fischer= u. A.

ausgesprochene Ansicht, dass das Gold darin in einer purpurrothen

Modification enthalten sei. Nach dieser Ansicht wäre der Goldpurpur

nichts Anderes, als eine Mischung von höchst fein vertheiltem

metallischem Golde mit Zinnoxyd. Nach anderen Forschern (namentlich

=Th. Scheerer= in Freiberg) erschiene keine Combination für den

Goldpurpur wahrscheinlicher als Au_{2}O, Sn_{2}O_{3}. Ein gut

zubereiteter Goldpurpur muss 39,68 Proc. Gold enthalten.

[Sidenote: Goldsalz.]

Das =Goldsalz=, welches in der Photographie zur Tonung der Papierbilder

Anwendung findet, ist entweder =Goldchlorid-Chlornatrium= (AuCl_{3},

NaCl + 2H_{2}O) oder =Goldchlorid-Chlorkalium= (2AuCl_{3}, KCl +

5H_{2}O).

Der Braunstein und die Manganpräparate.

[Sidenote: Der Braunstein.]

Das in technischer Beziehung allein wichtige Manganerz ist der durch

Aufbereiten der Erze gewonnene =Braunstein= (Mangansuperoxyd, Pyrolusit,

Polianit, Graubraunsteinerz, Weichmanganerz, Glasmacherseife), welcher in

reinem Zustande 63,64 Mangan und 36,36 Sauerstoff enthält und nach der

Formel MnO_{2} zusammengesetzt ist, aber in der Regel geringe Mengen von

Baryt, Kieselerde und Wasser, nicht selten auch grössere Mengen von

Nickel, Kobalt und Thallium enthält. Ausserdem sind von bisweilen

angewendeten Manganerzen anzuführen der =Braunit= Mn_{2}O_{3}, der

=Manganit= Mn_{2}O_{3}, H_{2}O, der =Hausmannit= Mn_{3}O_{4},

Manganoxydul zum Theil ersetzt durch Kali, Baryt, Magnesia, Kupferoxydul

etc. Der Braunstein des Handels ist meist ein Gemenge von Pyrolusit mit

Hausmannit, Braunit und anderen Manganerzen.

Der Braunstein dient zur Bereitung von Sauerstoffgas, von Chlor und

unterchlorigsauren Salzen (Chlorkalk), zur Darstellung des Broms aus

den Mutterlaugen von der Verarbeitung der Stassfurter Carnallite und

Kainite, zur Jodgewinnung aus dem Kelp, zum Entfärben und Färben des

Glases, in der Glas- und Emailmalerei, zur braunen Töpferglasur, zur

Färbung der Masse gewisser Arten feineren Steingutes, zum Färben und

Marmoriren der Seifen, beim Eisenpuddeln, in der Färberei und

Zeugdruckerei zur Erzeugung von Bisterbraun, zur Darstellung des

übermangansauren Kalis, welches in der Desinfection eine grosse Rolle

spielt etc. Die wichtigste Anwendung des Braunsteins ist die zur

Entwickelung von Chlor.

[Sidenote: Braunsteinproduktion.]

Die =Produktion an Braunstein= in Deutschland ist etwa folgende:

Grossherzogthum Hessen: Giessen 150,000 Ctr. }

Battenberg 2500 " } 155,300 Ctr.

Rossbach 2000 " }

Eimelrod 800 " }

Nassau 400,000 "

Stromberg bei Kreuznach 25,000 "

Crettnich bei Birkenfeld 1,400 "

Grossherzogthum Baden 1,500 "

Königreich Bayern (bei Göpfersgrün) 800 "

Oesterreich (Platten in Böhmen) 3,200 "

Königreich Sachsen 4,000 "

Ilfeld und Elbingerode am Harze 60,000 "

Schmalkalden 2,500 "

Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen 12,000 "

Herzogthum Sachsen-Gotha (Liebenstein) 60,000 "

------------

655,700 Ctr.

[Sidenote: Braunsteinprobe.]

Der Handelswerth des Braunsteins ist abhängig: 1) von der Quantität des

ausserhalb des Manganoxyduls (MnO) vorhandenen Sauerstoffs oder auch des

Chlors, welche der Braunstein zu entwickeln vermag; 2) von den

Beimengungen an in Säure löslichen Substanzen (kohlensaurer Kalk,

kohlensaurer Baryt, Eisenoxyd), welche bei der fabrikmässigen Anwendung

des Braunsteins zur Chlorentwickelung einen Theil der benutzten Säure

sättigen; auch können zwei verschiedene, von jenen Beimengungen freie

Braunsteinsorten, um eine gleiche Menge Chlor zu entwickeln, verschiedene

Quantitäten Säure erfordern und dadurch ungleichen Werth erhalten; dies

ist z. B. der Fall, wenn eine Braunsteinsorte ausser Mangansuperoxyd

(MnO_{2}) auch Manganoxyd (Mn_{2}O_{3}) und zwar als Hydrat enthält.

Durch beigemengte Gangarten wie Quarz, Schwerspath wird der Preis durch

den Raum und das Gewicht, welche sie auf dem Transporte nutzlos

einnehmen, sehr erhöht; 3) von dem Wassergehalte, der bis zu 15 Proc.

betragen kann.

Nach den Versuchen von =Fresenius= ist die zum Trocknen des Braunsteins

geeignetste Temperatur 120°, weil dabei alles hygroskopische Wasser,

aber kein Hydratwasser fortgeht. Für Handelszwecke ist es bequemer und

vollkommen ausreichend, den fein gepulverten Braunstein in dünner

Schicht sechs Stunden lang bei 100° zu trocknen, zumal auch in England

alle Braunsteinproben mit bei 100° getrockneten Pulvern angestellt

werden und eine allgemeine Uebereinstimmung in diesem Punkte nicht hoch

genug angeschlagen werden kann. Da die bei 100° getrockneten

Braunsteine bei vollständigem Trocknen bei 120° noch 0,3 bis 0,5 Proc.

Feuchtigkeit abgeben, so lässt sich ja nöthigenfalls der eine Zustand

auf den anderen mit Leichtigkeit reduciren.

Unter der grossen Anzahl der vorgeschlagenen =Braunsteinproben= sei die

zuerst von =Thomson= und =Berthier= vorgeschlagene und später von

=Will= und =Fresenius= vereinfachte Methode angeführt, welche sich

darauf gründet, dass ein Molekül Mangansuperoxyd mit Schwefelsäure

übergossen und erhitzt, durch seinen frei werdenden Sauerstoff ein

Molekül Oxalsäure in zwei Moleküle Kohlensäure umzuwandeln vermag.

1 Mol. Mangansuperoxyd MnO_{2} } { 1 Mol. Mangansulfat MnSO_{4}

1 Mol. Schwefelsäure H_{2}SO_{4} } geben { 2 Mol. Kohlensäure 2CO_{2}

1 Mol. Oxalsäure C_{2}H_{2}O_{4} } { 2 Mol. Wasser 2H_{2}O.

Aus dem Gewichte der entwichenen Kohlensäure lässt sich dann leicht der

Gehalt des Braunsteins an Mangansuperoxyd berechnen.

[Illustration: Fig. 56.]

Zur Ausführung der Braunsteinprobe nach =Will= und =Fresenius= bedient

man sich des in Fig. 56 abgebildeten Apparates. Zwei Glaskölbchen _A_

und _B_ werden durch luftdicht geschlossene Korke vermittelst einer

rechtwinklig gebogenen Glasröhre verbunden, welche in dem Kolben _A_

nur bis durch den Kork, in _B_ aber bis auf den Boden reicht. In jedem

Kolben befindet sich noch eine an beiden Seiten offene Glasröhre _c_

und _d_. In den Kolben _A_ bringt man das Gemenge des zu

untersuchenden, vorher bei 120° getrockneten Braunsteins mit der

Oxalsäure oder des oxalsauren Kalis und so viel Wasser, dass der Kolben

ungefähr bis zum dritten Theile angefüllt ist. Den Kolben _B_ füllt man

zur Hälfte mit englischer Schwefelsäure an. Nachdem dies geschehen,

verschliesst man die obere Oeffnung der Röhre _c_ mit etwas Wachs und

wägt den Apparat; darauf zieht man mit dem Munde durch die Röhre _d_

etwas Luft aus dem Kolben, so dass beim Entfernen des Mundes eine

kleine Quantität Säure in den Kolben =A= tritt. Die Entwickelung der

Kohlensäure tritt sofort ein; sie entweicht durch die Schwefelsäure in

den Kolben _B_ und wird dadurch getrocknet. Lässt die

Kohlensäureentwickelung nach, so saugt man abermals etwas Schwefelsäure

herüber und fährt so fort, bis aller Braunstein zersetzt ist, was

ungefähr 5 bis 10 Minuten Zeit erfordert. Die Beendigung des Versuches

erkennt man nicht nur in dem Aufhören der Kohlensäureentwickelung,

sondern auch daran, dass kein schwarzes Pulver mehr am Boden des

Kolbens sich befindet. Nach vollendeter Kohlensäureentwickelung

entfernt man das Wachs bei _c_ und saugt längere Zeit bei _d_, um alle

Kohlensäure aus dem Apparate zu entfernen. Durch nochmaliges Wägen

erfährt man den Gewichtsverlust und daraus durch Berechnung die

Quantität des in dem Braunstein enthaltenen Mangansuperoxydes, da sich

zwei Moleküle Kohlensäure (2CO_{2} = 88) zu einem Molekül

Mangansuperoxyd (MnO_{2}) verhalten wie die gefundene Kohlensäure zu x.

Wendet man zu dem Versuche 2,98 Gramm getrockneten Braunstein an und

dividirt die Quantität der Kohlensäure durch 3, so sind die Centigramme

der entwichenen Kohlensäure der Ausdruck des Procentgehaltes an reinem

Superoxyd. Auf einen Theil Braunstein wendet man 1-1/2 Th. neutrales

Kaliumoxalat an. Braunsteinsorten, welche kohlensaure Erden enthalten,

werden von diesen Beimengungen vor dem Versuche befreit, indem man eine

gewogene Menge des Braunsteins mit sehr verdünnter Salpetersäure

digerirt, den Braunstein dann auf ein Filter bringt, mit Wasser

auswäscht und dann mit dem Filter vorsichtig in das Kölbchen _A_ wirft,

worauf die Operation wie gewöhnlich vorgenommen wird.

Von anderen Braunsteinproben seien noch die von =Nolte= und einige

volumetrische Proben erwähnt. Das Wesen der von =Nolte= empfohlenen

Probe besteht darin, dass der Braunstein für jedes Atom Superoxyd als

Salzsäure 1 Atom Chlor frei macht und dieses wiederum 2 Atome Kupfer in

Chlorür verwandeln kann. Man übergiesst 0,687 Gramm Braunstein in einem

Kolben mit starker Salzsäure und Eisenchlorürlösung, welche 0,9 Gramm

Eisen enthält, setzt 2,0 Gramm Kupferblech hinzu und erhitzt, bis die

dunkelbraune Lösung hellgelb geworden ist. Das ungelöst gebliebene

Kupfer wird gewogen. Betrug der Gewichtsverlust 0,78 Gramm, so enthielt

der Braunstein 78 Proc. MnO_{2}.

Auf titriranalytischem Wege führt man die Braunsteinprobe aus:

1) indem man nach =Mohr= den Braunstein durch Schwefelsäure unter

Zusatz von überschüssiger titrirter Oxalsäure versetzt, und den

unzersetzt gebliebenen Theil der Oxalsäure durch Chamaeleonlösung

ermittelt;

2) indem man aus dem Braunstein mittelst Salzsäure Chlor sich

entwickeln lässt und das Chlor entweder mittelst arseniger Säure

bestimmt, welche durch das Chlor in Arsensäure übergeführt wird

(As_{2}O_{3} + 4Cl + 2H_{2}O = As_{2}O_{5} + 4ClH), oder durch das

Chlor Jod aus einer Jodkaliumlösung abscheidet (Cl + JK = J + ClK) und

des Jod mittelst schwefliger Säure oder unterschwefligsaurem Natriums

bestimmt;

3) indem man den Braunstein in einem Gemenge von Eisenchlorür und

Salzlösung löst (MnO_{2} + 3FeCl_{2} + 4HCl = MnCl_{2} + Fe_{2}Cl_{6} +

2H_{2}O + FeCl_{2}) und den unzersetzt gebliebenen Antheil Eisenchlorür

mittelst Chamaeleon oder zweifach chromsaurem Kali bestimmt.

Kaliumpermanganat.

[Sidenote: Uebermangansaures Kalium.]

Das übermangansaure Kalium (KMnO_{4}), welches zu Desinfections- und

Bleichzwecken, so wie als Oxydationsagens in der volumetrischen Analyse

vielfach benutzt wird, verdankt seine Anwendung seinem grossen

Ozongehalte. Mit Säure, z. B. verdünnter Schwefelsäure zusammengebracht,

bildet es Manganoxydul und Ozon (Mn_{2}O_{7} = 2MnO + 5O).

Man stellt das Kaliumpermanganat (zu technischen Zwecken) auf folgende

Weise dar. 500 Kilogr. Kalilauge von 45° B. (= 1,44 spec. Gewicht)

werden mit 105 Kilogr. Kaliumchlorat eingedampft und während des

Eindampfens mit 180 Kilogr. gepulverten Braunsteins gemengt und das

Erhitzen so lange fortgesetzt, bis die Masse ruhig fliesst. Man rührt

bis zum Erkalten. Die pulverige Masse wird nun in kleinen eisernen

Kesseln zur Rothgluth erhitzt, bis sie halbflüssig geworden, die

erkaltete Masse zerschlagen, dann in einem Kessel mit viel Wasser

erhitzt und eine Stunde der Ruhe überlassen. Die von dem

ausgeschiedenen Mangansuperoxydhydrat abgegossene klare Lösung wird

hierauf zur Krystallbildung abgedampft. 180 Kilogr. Braunstein geben

98-100 Kilogr. krystallisirtes Permanganat. Der Vorgang hierbei ist

annähernd folgender:

[Greek: a]) Beim Schmelzen der Mischung bildet sich Kaliummanganat und

Chlorkalium:

6MnO_{2} + 2KClO_{3} + 12KOH = (3K_{2}MnO_{4}) + KCl + 6H_{2}O;

[Greek: b]) Beim Auflösen der Schmelze zerfällt das mangansaure Kali in

Kalihydrat, Mangansuperoxydhydrat und übermangansaures Kali:

3K_{2}MnO_{4} + 6H_{2}O = 4KOH + 2KMnO_{4} + MnO_{2} + 4H_{2}O.

Es geht folglich 1/3 der Mangansäure unter Bildung von Mangansuperoxyd

verloren. Dasselbe ist der Fall, wenn man nach den Vorschlägen von

=Tessié du Motay= die Ueberführung des mangansauren Kalis in

übermangansaures durch schwefelsaure Magnesia bewirkt:

3K_{2}MnO_{4} + 2MgSO_{4} = 2KMnO_{4} + MnO_{2} + 2K_{2}SO_{4} + 2MgO.

Aus diesem Grunde ist die Idee =Staedeler='s, das mangansaure Kali

durch Chlor in übermangansaures überzuführen, eine sehr

beachtenswerthe:

K_{2}MnO_{4} + Cl = KCl + KMnO_{4}.

Zu Desinfectionszwecken dient meist ein Gemenge von Kali- und

Natronsalz oder auch nur übermangansaures Natron, welches von =H. B.

Condy= in London in die Technik eingeführt wurde. Eine Lösung davon ist

_Condy's liquid_; ein Gemisch von übermangansaurem Natron und

schwefelsaurem Eisenoxyd (=nicht= Eisenoxydul) ist unter dem Namen

=Kühne='s Desinfectionsmittel bekannt. Ausser zum Desinficiren und

Bleichen wendet man das übermangansaure Kali zur Erzeugung von

Manganbraun auf Baumwolle und unter dem Namen Chamaeleonbeize zum

Färben gewisser Holzarten an.

Das Aluminium.

(Al = 27,4; spec. Gew. = 2,5.)

[Sidenote: Gewinnung.]

Das Aluminium (Alumium, Thonerdemetall), als Thonerde (Aluminiumoxyd) zu

den verbreitetsten Elementen auf der Erdoberfläche gehörend, wurde im

Jahre 1827 von =Wöhler= in Göttingen entdeckt und durch Reduction von

Chloraluminium mittelst Kalium dargestellt. =Deville= beschäftigte sich

seit 1853 mit der Darstellung des Aluminiums und fand, dass es sich weit

weniger leicht oxydire, als man bis dahin geglaubt hatte, dass es auch

beim Schmelzen und Giessen sich nicht oxydire, in siedendem Wasser blank

bleibe und durch verdünnte Säuren nicht angegriffen werde. =Deville='s

Mittheilung veranlasste durch die in seiner Abhandlung ausgesprochene

Hoffnung, das in der Natur so überaus verbreitete Aluminium werde grosse

technische Wichtigkeit erlangen, dass auf kaiserliche Rechnung dieses

Metall in Javelle bei Paris fabrikmässig dargestellt wurde. Gegenwärtig

existiren in Frankreich zwei Aluminiumfabriken (zu Salyndres und zu

Amfreville bei Rouen) und eine in England (zu Washington bei

Newcastle-on-Tyne).

Das Aluminium wird durch Zersetzen von Chloraluminium-Chlornatrium

mittelst Natrium dargestellt. Das Natrium wird durch Glühen eines

Gemenges von 100 Th. calcinirter Soda, 15 Th. Kreide und 45 Th.

Steinkohle erhalten; hierzu ist nicht einmal die zur Zinkgewinnung

nöthige Temperatur erforderlich. Das Chloraluminium wird erhalten,

indem ein geglühtes Gemenge von reiner Thonerde, durch Glühen von

Ammoniakalaun oder besser aus dem Bauxit dargestellt, mit Kochsalz und

mit Steinkohlentheer gemengt, in einer eisernen Gasretorte bei gelindem

Glühen mit Chlorgas behandelt wird, wobei die Kohle mit dem Sauerstoff

der Thonerde zu Kohlenoxyd, das Aluminium mit dem Chlor und dem

Chlornatrium zusammentritt, sich als Chloraluminium-Chlornatrium

verflüchtigt und in einer gemauerten, im Innern mit Fayence

ausgekleideten Kammer verdichtet wird. Hier ist eine Verunreinigung des

Chlor-Aluminiums mit Eisenchlorid nicht zu vermeiden, weshalb denn auch

das Pariser Aluminium immer eisenhaltig ist. Aus dem

Chloraluminium-Chlornatrium wird das Aluminium dadurch ausgeschieden,

dass man es in Dampfform oder besser auf der Sohle eines Flammenofens

mit Natrium zusammenbringt, wobei freies Aluminium und eine aus

Chloraluminium-Chlornatrium und überschüssigem Chlornatrium bestehende

wenig flüchtige Salzmasse sich bildet, welche das metallische Aluminium

umschliesst. =H. Rose= in Berlin wandte zu seinen Versuchen nicht das

künstlich dargestellte Chloraluminium, sondern den =Kryolith=, eine

Verbindung von Fluoraluminium mit Fluornatrium (Al_{2}Fl_{6} + 6NaFl)

an. Indem man den Kryolith in der Hitze mit Natrium behandelt, bildet

sich Aluminium und Fluornatrium, welches letztere durch Behandeln mit

Aetzkalk in Aetznatron und Fluorcalcium übergeführt wird. Auch aus dem

Bauxit hat man neuerdings Aluminium darzustellen versucht.

[Sidenote: Eigenschaften des Aluminiums.]

Eine reine blanke Fläche des Metalles erscheint grauweiss von einem

Farbenton, welcher zwischen der Farbe des Zinnes und jener des Zinkes

liegt; es hat ein spec. Gewicht von 2,5, ist härter als Zinn, aber

weicher als Zink und Kupfer, etwa eben so hart als Feinsilber; es hat

einen starken Klang; es ist nicht sehr biegsam und bricht mit unebener,

zackig feinkörniger Fläche; es ist leicht zu feilen, verstopft aber den

Feilhieb wie Zinn oder Blei. Unter dem Hammer zeigt es sich geschmeidig,

doch erhält es bei etwas starkem Austreiben viele Kantenrisse. Es lässt

sich zu Blech auswalzen; das Blech ist leicht zerbrechlich, zeigt grosse

Steifheit, jedoch keine auffallende Elasticität. Aluminiumblech von

Papierdünne kann wiederholt hin- und hergebogen werden, ehe es zerbricht.

Es lässt sich auch gleich dem Gold und dem Silber zu den dünnsten

Blättern (Blattaluminium) ausschlagen, welche anstatt des Blattsilbers

Anwendung finden. Es lässt sich nur schwer zu Draht ziehen. Es hält sich

an der Luft sehr gut und erträgt selbst Glühhitze, ohne sich beträchtlich

zu oxydiren, doch bildet sich auf der Oberfläche ein dünnes Häutchen von

Thonerde, das beim Schmelzen und Giessen die Vereinigung der

Metalltheilchen erschwert. Man wendet daher ein Flussmittel an, wozu sich

Chlorkalium besonders eignet. Der Schmelzpunkt des Aluminiums liegt bei

etwa 700°. In Salzsäure und Natron- oder Kalilauge löst es sich unter

stürmischer Wasserstoffentwickelung. Salpetersäure, verdünnte, wie

concentrirte, sind, kalt und warm angewendet, ohne alle Einwirkung. Durch

Quecksilber wird es nicht amalgamirt, mit Zinn bildet es eine ziemlich

harte, aber doch streckbare Legirung, mit Kupfer bildet es die

=Aluminiumbronze= (aus 90 bis 95 Proc. Kupfer und 10 bis 5 Proc.

Aluminium bestehend); sie hat ihrer goldähnlichen Farbe wegen Anwendung

gefunden. Ebenso wie das Eisen und Zink legirt sich das Aluminium mit

Blei nicht. Das im Handel vorkommende Aluminium ist stets von Silicium

und Eisen verunreinigt. Man hat bis 0,7 Proc. Silicium und 4,6-7,5 Proc.

Eisen, im Aluminiumdraht 3,7 Proc. Silicium und 1,6 Proc. Eisen

gefunden[29].

[29] =Rammelsberg= fand (1868) in einer aus Kryolith und Natrium in

einem Porcellantiegel dargestellten Aluminiumsorte 10,46 Proc.

Silicium! Die Darstellung von _reinem_ Aluminium dürfte somit wohl

noch ein Problem sein.

[Sidenote: Anwendung des Aluminiums.]

Nach dem auf der internationalen Industrieausstellung in Paris 1867 zu

Tage getretenen Standpunkte der gegenwärtigen Aluminiumindustrie kann

man dem Aluminium eine grosse technische Bedeutung nicht einräumen.

Doch sind einige seiner Anwendungen immerhin von Interesse. So hat man

z. B. sogleich bei dem Bekanntwerden dieses Metalles die Frage

aufgeworfen, ob das Aluminium nicht zum Münzprägen angewendet werden

könnte. Durch Leichtigkeit und Reinlichkeit würde solche Münze sehr

angenehm sein, und das Falschmünzen wäre ausgeschlossen, weil kein

anderes hier anwendbares Metall ein so geringes spec. Gewicht hat. Mit

der Zeit wird man ohne Zweifel dahin gelangen; aber für jetzt sind noch

zu viele Modificationen in den Verhältnissen der Fabrikation zu

erwarten und noch zu viele Ungleichheiten zwischen den verschiedenen

Ländern in Beziehung auf die Gewinnung des Metalls vorhanden. Man

könnte hinzufügen, dass ein Metall, welches sich in Seifensiederlauge

begierig auflöst, nicht den für Geld (abgesehen von Scheidemünze)

unerlässlichen Charakter eines edeln Metalls an sich trägt; dass das

Münzmetall auch für andere Gebrauchszwecke vorzügliche Tauglichkeit

haben muss, wenn es sich in Werthschätzung erhalten soll; besonders

aber, dass Silber und Gold durch keinerlei äussere Einflüsse, selbst

nicht durch Auflösung in Säuren etc. eigentlich verloren gehen, sondern

durch leichte Verfahrungsarten mit wenig Kosten wiederhergestellt

werden können, wogegen das Aluminium, in Thonerde verwandelt, völlig

werthlos ist und zu seiner Wiederherstellung ganz ebenso grossen

Kostenaufwand wie zu der ersten Gewinnung erfordert. Zudem vergesse man

nicht, dass Gold und Silber ihren hohen Werth zum wesentlichen Theile

ihrem seltenen Vorkommen verdanken; Aluminium aber könnte in jeder

chemischen Fabrik ohne Schwierigkeit bereitet werden. Es wäre daher die

Geldprägung aus Aluminium ein den Grundbedingungen des Geldwesens

widersprechendes Unternehmen; und wenn schon das russische Platingeld

sich nicht halten konnte, so hätte das Aluminiumgeld noch hundertfach

weniger Aussicht. Aber zur Verfertigung von Denkmünzen, Preismedaillen

bei Ausstellungen, Rechenpfennigen, Spielmarken und Gewichten hat das

Aluminium schon ziemlich mannichfaltige Anwendungen gefunden, zu

welchen es durch seine Geschmeidigkeit und seine Unveränderlichkeit an

der Luft ausgezeichnet geeignet ist, zumal es durch das Leuchtgas und

die Ausdünstung der Abtritte nicht leidet, welche das Silber, das

Kupfer und deren Legirungen so schnell schwärzen. Gegen diese

Anwendungen ist gerade kein Einwurf zu erheben; die Vorliebe dafür wird

sich aber grösstentheils auf Curiositätenliebhaber beschränken.

Medaillen aus Britanniametall geprägt und galvanisch versilbert, sehen

übrigens weit schöner aus als die wenigstens zwanzigmal so theuern

Aluminiummedaillen, und genügen gewiss Jedem, der silberartiges

Aussehen ohne die grossen Kosten des Silbers wünscht. Die

Schmuckwaarenfabrikation hat sich schnell des Aluminiums bemächtigt,

dessen Leichtigkeit für Armbänder und Kopfschmuck höchst schätzbar ist,

und welches vermöge seiner Gussfähigkeit, seiner Geschmeidigkeit beim

Prägen, seiner Tauglichkeit zu ciselirter Arbeit, seines

unveränderlichen Glanzes, seines schönen Matt, selbst seiner Farbe,

welche jene des Goldes hebt, einen vortrefflichen Ersatz für das Silber

in allen den Fällen gewährt, wo nicht Gold ausschliesslich der Stoff

des Schmuckes ist. -- Es scheint, dass das Aluminium in der

Schmuckfabrikation etwa eine Rolle spielen könnte, wie jetzt die des

Platins ist, nämlich zur Herstellung weisser Verzierungen auf

Goldwaaren; selbständige Schmuckgegenstände aus Aluminium dürften

ebenso wenig Liebhaber finden als solche aus Platin, weil ihre Farbe

nicht schön genug ist. Aus dem nämlichen Grunde ist eine erfolgreiche

Concurrenz mit dem Silber nicht zu erwarten, und wollte man etwa das

Aluminium versilbern, so fiele jeder Grund weg, es dem viel

wohlfeileren Neusilber und Britanniametall vorzuziehen. Ein Pariser

Fabrikant hat den Vortheil erkannt, welchen er aus dem neuen Metall

ziehen konnte: er wendet es in vielerlei Gestalten an, zu eingelegter

Arbeit, zum Ausfüttern der Fächer in Chatoullen u. dgl., zu Deckeln auf

Gläsern, zu kleinen Gefässen und Geräthen jeder Art; er will es selbst

statt Krystallglas gebrauchen, um den Reisenecessaires die grösste

Leichtigkeit zu verleihen. Ein Schritt weiter und man kommt zur

Anfertigung massiv aus Aluminium gegossener, ciselirter, guillochirter,

damascirter Tabakdosen, Büchsen, Etuis u. dgl. Petschafte, Federhalter,

Schreibzeuggarnituren, Briefbeschwerer, Cigarrengestelle, Hemdknöpfe,

Jagdgeräthe, Stock- und Reitpeitschenknöpfe, Fingerhüte,

Pferdegeschirrbeschläge, Statuetten, Leuchter, Armleuchter,

Verzierungen auf Tischuhren, Becher, Vasen und tausend andere Artikel

bieten sich von selbst dar. Die Vergoldung wird diese Benutzungen des

Aluminiums noch bedeutend erweitern. Man macht bereits aus Aluminium

Hausschlüssel, Dessertmesserklingen, Messer- und Gabelhefte, Löffel,

Gabeln, Serviettenringe, Brillengestelle, Fassungen für Operngläser,

Sextanten, Nivellirinstrumente u. s. w. -- Kein Zweifel, dass man alle

die genannten Waaren, und viele mehr, aus Aluminium machen kann, aber

wir sind überzeugt, dass bei dem hohen Preise -- das Kilogramm kostet

1870 immer noch 120-140 Frcs. -- die Liebhaber sich meist verlieren

werden, sobald der Reiz der Neuheit verschwunden ist. Für eine dauernde

und allgemeine Anwendung ist das Aluminium bei seinem immer noch hohen

Preise nicht schön und edel genug. Die Uhrmacherkunst, die Fabrikation

chirurgischer und musikalischer Instrumente, die Verfertigung

künstlicher Gebisse könnten aus der Benutzung des Aluminiums manchen

Vortheil ziehen.

Das Magnesium.

(Mg = 24; spec. Gewicht = 1,743.)

[Sidenote: Magnesium.]

Das Magnesium, welches in unerschöpflichen Mengen als Chlor- und

Brommagnesium im Meerwasser und im Carnallit, als Magnesiumsulfat im

Kieserit, Schoenit und Kainit und als Carbonat in dem Magnesit und den

Dolomiten sich findet, ausserdem als Silicat einen Hauptbestandtheil

vieler Gesteine ausmacht, ist seit einigen Jahren, gleich dem Aluminium,

in den Kreis der technisch benutzten Metalle gezogen worden. Es ist

silberweiss, auf dem frischen Bruche bald schwach krystallinisch, bald

feinkörnig oder selbst fadig. Es hat etwa die Härte des Kalkspathes und

läuft an der Luft etwas an, aber nicht schneller als das Zink, auch geht

die Veränderung nicht tief. Es schmilzt nahe dem Schmelzpunkte des

Zinkes. Etwas oberhalb des Schmelzpunktes entzündet es sich und verbrennt

mit blendend weissem Licht zu Magnesia. Die Lichtintensität des in

Sauerstoff verbrennenden Magnesiums übertrifft die einer Kerzenflamme um

mehr als das Fünfhundertfache. Es lässt sich auch zu Draht ziehen. Sein

specifisches Gewicht ist = 1,743. Es lässt sich leicht feilen, bohren,

sägen und zu Blech ausschlagen, ist aber kaum ductiler als Zink bei

gewöhnlicher Temperatur. Es geht nahezu bei derselben Temperatur in Dampf

über wie das Zink und kocht wie dieses. Das geschmolzene Magnesium ist

teigig, wenig beweglich und lässt sich schwer formen. Die Anwendung des

Magnesiums beschränkt sich vor der Hand auf die des Magnesiumdrahtes, der

beim Verbrennen in einer Gas- oder Wasserstoffflamme das in der

Photographie, als Signallicht und zu Beleuchtungszwecken verwendbare

Magnesiumlicht giebt. Im Kriege England's gegen Theodor von Abyssinien

(1868) wurde von dem Magnesiumlichte ein ausgedehnter Gebrauch gemacht.

Ausserdem ist es in seiner Legirung mit Kupfer statt des Zinkes zur

Messingfabrikation, mit Zink zu Feuerwerkszwecken vorgeschlagen worden.

Man stellt das Magnesium ganz analog dem Aluminium dar, indem man eine

geeignete Magnesiumsverbindung durch Erhitzen mit Natrium reducirt, so

Chlormagnesium (nach =Bunsen=, =Deville= und =Caron=),

Magnesiumnatriumfluorür (=Tissier=), Magnesiumnatriumchlorür

(=Sonstadt=), Tachhydrit (Magnesiumcalciumchlorür =H. Schwarz=),

Carnallit (Magnesiumkaliumchlorür =Reichardt=). =Petitjean= will

Magnesium durch Einwirkung von Kohlenwasserstoffen auf

Schwefelmagnesium oder durch Zusammenschmelzen des letzteren mit

Eisenfeile darstellen. Ob die Vorschläge =Marquart='s, Magnesium durch

Destillation von Dolomit oder Magnesit mit Kohle in Zinkretorten

darzustellen, zu einem günstigen Resultate führen werden, sei der

Zukunftsmetallurgie anheimgegeben. Das Magnesium wird von der unter der

Leitung =Mellor='s stehenden _Magnesium Metal Company_ in Manchester

und der _American Magnesium Company_ in Boston im Grossen dargestellt.

Die englische Fabrik stellt jährlich gegen 20 Centner Magnesium dar.

Die Galvanotechnik.

[Sidenote: Anwendung des Galvanismus.]

[Sidenote: Elektrolytisches Gesetz.]

Es ist gewiss eine der hervorragendsten Eigenschaften der strömenden

Elektricität, dass gewisse zusammengesetzte Körper durch dieselbe in ihre

Bestandtheile zerlegt werden, wobei sich die Bestandtheile an den Stellen

abscheiden, an welchen der Strom in den zu zersetzenden Körper eintritt;

der eine Bestandtheil befindet sich an der Eintrittsstelle des

elektrischen Stromes in die Flüssigkeit, der andere Bestandtheil an der

Austrittsstelle. Die Wissenschaft und das Gewerbewesen haben aus dieser

Eigenschaft den grössten Nutzen gezogen und noch sind von derselben die

grössten Entdeckungen zu erwarten. Die Zerlegung eines zusammengesetzten

Körpers durch strömende Elektricität wird die Elektrolyse genannt;

derjenige Körper, der fähig ist, durch Elektricität zerlegt zu werden,

heisst ein Elektrolyt; die Stellen des Ein- und Austrittes die Elektroden

und zwar die Eintrittsstelle oder der positive Pol die Anode, und die

Austrittsstelle oder der negative Pol die Kathode. Die Bestandtheile des

durch Elektricität zerlegten Körpers nennt man die Ionen, und zwar den an

der Anode (dem + Pole) ausgeschiedenen Bestandtheil das Anion, und den an

der Kathode auftretenden Körper das Kation. Derjenige elektrische Strom,

der die Elektrolyse von einem Molekül Wasser zu bewirken vermag, ist im

Stande, in jedem anderen binär zusammengesetzten Körper, der von dem

elektrischen Strom durchströmt wird, ebenfalls ein Molekül zu zersetzen.

Daraus geht hervor, dass die durch den elektrischen Strom zerlegten

Gewichtsmengen sich wie die chemischen Aequivalente verhalten. Dieses

Gesetz wurde von =Faraday= aufgestellt, es ist unter dem Namen des

elektrolytischen bekannt. Die Physik lehrt, dass die an der Anode (dem +

Pole) sich ansammelnden Körper elektronegative sind, weil ungleichnamige

Elektricitäten sich anziehen und gleichnamige sich abstossen. Die an der

Kathode (dem - Pole) sich ansammelnden sind demnach die elektropositiven.

Weil Wasser das gewöhnliche Auflösungsmittel der Körper ist, so treten

häufig seine Bestandtheile bei der Elektrolyse mit ins Spiel und

veranlassen secundäre Erscheinungen. So giebt z. B. Kupfervitriol an der

Anode Sauerstoffgas und an der Kathode metallisches Kupfer, indem das an

letzterer auftretende Kupferoxyd durch den zugleich auftretenden

Wasserstoff des Wassers zu Kupfer oxydirt wird. Der dagegen an der Anode

frei gewordene Sauerstoff verbindet sich mit dem daselbst befindlichen,

als Leiter dienenden Zink zu Zinkoxyd, das mit der Schwefelsäure zu

Zinksulfat zusammentritt. Für jedes Aequivalent Kupfer (= 63,4), das

gefällt wird, löst sich ein Aequivalent Zink (= 65,2) auf. Wendet man

anstatt des Kupfervitriols passende Lösungen von Gold, Silber u. s. w.

an, so kann man auch auf galvanischem Wege vergolden, versilbern u. dgl.

Von der technischen Anwendung der Elektrolyse seien folgende Fälle

angeführt:

[Sidenote: Galvanoplastik.]

1) =Galvanoplastik.= Wie oben gesagt wurde, lagert sich das aus dem

Kupfersulfat elektrolytisch abgeschiedene Kupfer an der Kathode in

zusammenhängender Form ab. Durch fortgesetzte Operationen kann man das

Kupfer zu einer solchen Dicke anwachsen lassen, dass dasselbe von den

Rändern der Form, auf welcher die Abscheidung geschah, losgetrennt werden

kann und einen Abdruck der Form darstellt. Auf diesem Umstande beruht die

=Galvanoplastik=, die 1839 von =v. Jacobi= in Petersburg und fast

gleichzeitig von =Spencer= in Liverpool erfunden wurde. Diese Kunst wurde

verbessert von =Bequerel=, =Elsner=, =Smee=, =Ruolz=, =Elkington=,

=Christofle=, =Bouilhet=, =Meidinger=, =Klein=, =Oudry=, =Feuquières=,

=Braun=, =Varrentrapp= u. v. A.

Die =Metalllösung=, welche zur Darstellung galvanoplastischer Abdrücke

angewendet wird, ist stets eine gesättigte Lösung von Kupfersulfat. Die

=Form= (das Modell oder die Matrize), auf welcher die Ablagerung vor sich

gehen soll, darf aus keinem Metall bestehen, das von der

Kupfervitriollösung angegriffen wird, namentlich nicht aus Zinn, Zink

oder Eisen. Zuweilen wendet man Kupfer an, das mit einer dünnen Schicht

Silber (auf nassem Wege) überzogen worden ist. Häufiger benutzt man

Formen aus Gyps und Guttapercha. Damit der Strom gleichmässig gehe, ist

es wesentlich, das Zink, das sich an dem elektropositiven Pol befindet,

zu amalgamiren. Das Amalgamiren geschieht, indem man das Zink in

Salzsäure eintaucht, dann einige Tropfen Quecksilber darauf fallen lässt,

und dieselben durch Reiben oder Bürsten auf der Oberfläche verbreitet.

[Sidenote: Anfertigung von Kupferplatten.]

Um Kupferplatten auf galvanischem Wege zu erzeugen, dient folgender

Apparat. In einem hölzernen Troge, der mit Harz ausgegossen ist, bringt

man am Boden die gravirte Platte an, auf der sich das Kupfer ablagern

soll. Ueber derselben ist ein Holzrahmen angebracht, der an seiner

unteren Seite mit einer Blase, mit Pergament oder mit einer porösen

Thonplatte, einem sogenannten Diaphragma, verschlossen ist. Unmittelbar

über diesem Rahmen befindet sich eine Zinkplatte, die vermittelst eines

Bleistreifens mit der Kupferplatte verbunden ist. In den Trog giesst

man eine in der Kälte gesättigte Kupfervitriollösung, die man durch

Hineinlegen einiger Stückchen Kupfervitriol gesättigt erhält. Um den

inneren Theil des Rahmens bringt man eine concentrirte Lösung von

Zinkvitriol. Von grosser Wichtigkeit ist die Galvanoplastik für die

Herstellung von Matrizen für die Schriftgiesserei, von

Stereotypplatten, zur Vervielfältigung von Holzschnitten, zur billigen

und getreuen Reproduktion von Kunstgegenständen (massive Objecte,

Statuen, Monumente) u. s. w. geworden.

[Sidenote: Anfertigung von Medaillen.]

Um Medaillen und ähnliche kleine Gegenstände galvanoplastisch

nachzubilden, benutzt man einige Elemente einer schwachen galvanischen

Batterie. An der Kathode befestigt man die Platte, auf welcher der

Niederschlag erfolgen soll, in verticaler Stellung, und ihr gegenüber

die Platte, welche das Material zu der neuen Platte liefern soll,

ebenfalls in verticaler Stellung. In dem Verhältniss, als sich Metall

an der Kathode niederschlägt, löst sich Metall an der Anode, sodass die

Flüssigkeit immer gleichmässig concentrirt ist. Nicht leitende

Substanzen, die man galvanoplastisch nachbilden will, wie Gypsabgüsse,

Wachs-, Paraffin- oder Stearinsäureabdrücke macht man auf der

Oberfläche durch Graphit, Silber- und Goldbronze oder Eisenoxyd-Oxydul

leitend; so kann man auf diese Art Kupfer auf Gyps oder Stearinsäure

niederschlagen. Gyps muss vor dem Auftragen von Graphit mit Paraffin

oder Stearinsäure eingelassen werden, damit er keine Flüssigkeit

einsaugen kann. Die Guttapercha eignet sich ihrer Eigenschaft wegen, in

heissem Wasser zu einer plastischen teigartigen Masse zu erweichen,

sich in diesem Zustande in alle Formen pressen zu lassen und nach dem

Erkalten genau die Form zu behalten, in welche sie gepresst wurde,

besonders gut zur Herstellung von Formen, die man gleichfalls durch

Graphit etc. leitend macht. -- Um einen zähen, geschmeidigen

Kupferabsatz zu erhalten, hat =v. Kobell= vorgeschlagen, die

Kupfervitriollösung mit einem Zusatz von Zinkvitriol und Glaubersalz zu

versehen. -- Das Kupfer wird galvanisch nur dann im cohärenten

regulinischen Zustande gefällt, wenn die Kupfervitriollösung in

ziemlich concentrirter Form angewendet wird und der elektrische Strom

gerade hinreicht, die Metalllösung, aber nicht auch Wasser zu ersetzen.

Entwickelt sich neben dem abgeschiedenen Metalle auch noch Wasserstoff

an der Kathode, so wird das Metall nicht in cohärenter Form, sondern in

Gestalt eines dunklen Pulvers abgeschieden.

[Sidenote: Vergoldung, Versilberung u. s. w. auf galvanischem Wege.]

[Sidenote: Goldlösung.]

[Sidenote: Silberlösung.]

2) =Vergoldung, Versilberung u. s. w. auf galvanischem Wege.= Um

Gegenstände von Kupfer, Bronze, Messing u. s. w. auf galvanischem Wege zu

vergolden, muss die Oberfläche derselben vollkommen gereinigt sein. Das

Reinigen geschieht durch Eintauchen des Gegenstandes in siedende

Natronlauge, wodurch das Fett und der Schmutz aus den Vertiefungen

entfernt werden. Man bedient sich zur Vergoldung, wie auch zur

Versilberung allgemein der galvanischen Batterie mit einer

Zersetzungszelle und zwar ist die jetzt von =Smee= construirte Batterie,

die aus platinirtem Silberblech, das mit amalgamirtem Zinkblech umgeben

ist, die bei weitem gebräuchlichere. Die Elemente dieser Batterie hängen

in bleiernen, inwendig verpichten Gefässen. Als =Zersetzungsflüssigkeit=

benutzt man die Verbindung des Cyankaliums mit Gold oder Silber. Eine

Auflösung von Cyankalium in Wasser hat die Eigenschaft, fein zertheiltes

metallisches Gold, Goldoxyd, Gold- oder Silberchlorid zu lösen und

Doppelcyanüre zu bilden, deren Lösung sich am besten als

Zersetzungsflüssigkeit eignet. Die zu vergoldenden oder versilbernden

Gegenstände werden in die Zersetzungszelle mittelst eines Drahtes

eingehängt, der mit dem positiven Pole der Batterie in Verbindung steht.

Ein zweiter Draht ist mit dem negativen Pole der Batterie verbunden, der

in der Zersetzungszelle in ein angenietetes Platinblech endet. Anstatt

der Leitungsdrähte wendet man sehr zweckmässig Drahtseile an. Der Process

der galvanischen Vergoldung oder Versilberung dauert nur einige Minuten,

deshalb hängt man die Anode nicht ein, sondern bewegt dieselbe in der

Auflösung mit der Hand hin und her, damit die Vergoldung gleichmässig

ausfalle. Anstatt der Anode aus Platin, wendet man zweckmässig Bleche aus

Gold oder Silber an, die von dem sich ausscheidenden Cyan nach und nach

aufgelöst werden; dadurch wird bezweckt, dass der Gehalt der Lösung an

Gold und Silber stets gleich bleibt. Um eine geeignete =Goldlösung= zu

bereiten, wendet man 100 Gramme Cyankalium auf ein Liter destillirtes

Wasser an. Für diese Lösung löst man 7 Gramme Feingold in Königswasser,

dampft die Lösung im Wasserbade vorsichtig zur Trockne, löst den

Rückstand in etwas destillirtem Wasser und setzt die Flüssigkeit zu der

Lösung des Cyankaliums. -- Da die Lösung des Goldchlorids, das sich durch

Auflösen von Gold in Königswasser bildet, trotz des Abdampfens noch freie

Säure enthalten kann, die aus der Cyankaliumlösung Blausäure entwickelt,

so hat man vorgeschlagen, das Gold aus dieser Lösung mittelst

Eisenvitriol zu fällen, das fein zertheilte Gold auf einem Filter zu

sammeln, mit destillirtem Wasser auszuwaschen und dann in die erwärmte

Cyankaliumlösung zu bringen, in der sich das Gold löst. Nach =Braun= löst

man das Gold in Königswasser, dampft die vom ausgeschiedenen Chlorsilber

abfiltrirte Lösung, zu welcher man Kochsalzlösung gesetzt hatte (auf 3

Th. Gold 10 Th. Kochsalz), zur Trockne ein, löst den Rückstand in Wasser

und fällt die Lösung mit überschüssigem Ammoniak. Der Niederschlag

(Knallgold) wird ausgewaschen und in einer hinreichenden Menge von

Cyankalium gelöst. Nach dem Herzog von =Leuchtenberg= ist es zweckmässig,

der Goldlösung etwas Aetzkali zuzusetzen. =Elsner= benutzt anstatt des

Cyankaliums das Blutlaugensalz, das schon vorher von =Elkington= und

=Ruolz= vorgeschlagen worden war. Man löst zu diesem Zwecke 28 Gr.

gewalztes Gold in Königswasser, verdampft die Lösung im Wasserbade zur

Trockne, löst den Rückstand in Wasser und setzt zu der Lösung 210 Gr. mit

etwas Wasser angerührter Magnesia. Die entstandene goldsaure Magnesia

wird auf einem Filter mit Wasser ausgewaschen und dann mit Salpetersäure

behandelt, welche die Magnesia auflöst, das Goldoxyd zurücklässt. Nach

hinreichendem Auswaschen wird das Gold in einer Auflösung von 500 Gr.

Blutlaugensalz in 4 Litern Wasser gelöst. Die Lösung =zum Versilbern= auf

galvanischem Wege stellt man dar, indem man gut ausgewaschenes, frisch

gefälltes Chlorsilber in Cyankaliumlösung (100 Gr. Cyankalium auf 1 Liter

Wasser) einträgt, so viel sich darin aufzulösen vermag, und zu dieser

Lösung eine gleiche Menge von der Cyankaliumlösung setzt.

Die galvanische Versilberung ist auf Kupfer, Glockengut, Messing,

Tombak, Roh- und Stabeisen direct mit gutem Erfolge ausführbar; Zinn

und polirter Stahl müssen dagegen vorher galvanisch verkupfert werden,

wenn die Versilberung dauerhaft sein soll; Zink muss auf jeden Fall

vorher verkupfert sein. Sehr beliebt sind gegenwärtig die aus Neusilber

und aus Britanniametall hergestellten und galvanisch versilberten

Gegenstände, welche unter dem Alfénide (Chinasilber vgl. Seite 55) in

dem Handel vorkommen. Auf 1 Quadratmeter Metallfläche hat man von 1,0

bis zu 22,0, ja selbst 240 Grm. Silber niedergeschlagen, die Dicke der

Silberschicht mithin 1/9400, 1/450, 1/42 Millimeter betrug. Man giebt

den galvanisch versilberten Metallwaaren in England zuweilen einen

schwachen Ueberzug von Palladium zur Verhütung des Schwarzwerdens durch

schwefelwasserstoffhaltige Exhalationen.

[Sidenote: Kupferlösung.]

Eben so empfiehlt man eine Lösung von 1 Th. Cyansilber in 100 Th. Wasser.

Zur =galvanischen Verkupferung= ist eine Auflösung von Kupferoxyd in

Cyankalium die tauglichste Zersetzungsflüssigkeit. Um sie darzustellen,

erhitzt man eine Kupfervitriollösung mit etwas Kali und Traubenzucker,

bis sich ein Absatz von rothem Kupferoxydul gebildet hat, den man auf

einem Filter mit destillirtem Wasser auswäscht und in einer

Cyankaliumlösung löst. Nach der von =Weil= (in Paris) eingeführten

trefflichen Methode der galvanischen Verkupferung von Gusseisen, Stahl

und Stabeisen wendet man als Zersetzungsflüssigkeit eine Lösung von 350

Grm. Kupfersulfat, 1500 Grm. Kalium-Natrium-Tartrat (Seignettesalz),

400-500 Grm. Aetznatron in 10 Liter Wasser gelöst an.

=Oudry's= Verfahren der galvanischen Verkupferung von Eisen, welche in

Paris zur Verkupferung der Gascandelaber, der Fontainen am

Concordienplatze etc. etc. Anwendung gefunden, unterscheidet sich von

der gewöhnlichen galvanischen Verkupferung in zwei Richtungen. Einmal

dadurch, dass das Kupfer nicht unmittelbar auf das Eisen gefällt,

sondern dass dieses vorerst mit einer für Wasser und saure

Flüssigkeiten undurchdringlichen Hülle überzogen und dieses sodann

durch Einreiben von Graphit für den galvanischen Strom leitend gemacht

wird, und dann dadurch, dass das Ausfällen des Kupfers in der Regel so

lange fortgesetzt wird, bis eine Kupferschicht von 1 bis 2 Millimetern

Dicke gebildet ist, wodurch die Verkupferung sehr dauerhaft wird. Die

Oberfläche der Artikel, welche verkupfert werden sollen, bedarf nicht

erst einer oft mühsamen Reinigung von Eisenoxyd, sondern sie wird nur

allenfalls mit Meissel und Feile abgeglichen und mit einer Bürste aus

Eisendraht gereinigt. Hierauf werden dieselben mit einer gut deckenden

und schnell trocknenden Farbe zwei Mal überstrichen, deren färbender

Bestandtheil meistens aus Mennige besteht, und sonach wird der Ueberzug

mit Graphit gut eingerieben. Im Falle irgend ein Theil vorzugsweise der

Abnutzung ausgesetzt ist, kann dieser, wie dies z. B. mit den Füssen

der Gascandelaber in Paris geschieht, vor der Bedeckung mit der Farbe

mit Kupferblech bekleidet werden, welches natürlich nicht bemalt wird.

Die solcher Gestalt präparirten Eisenstücke werden nun in eine

concentrirte Lösung von Kupfervitriol gelegt und mit einer

entsprechenden Anzahl galvanischer Elemente in Verbindung gesetzt. Hat

man z. B. einen gewöhnlichen Gascandelaber zu verkupfern, so wird

dieser in eine etwas saure Lösung von Kupfervitriol in einem seiner

Grösse entsprechenden Holzreservoir eingelegt und von allen Seiten mit

porösen Thoncylindern von ungefähr 0,5 Meter Höhe und 12 Centimeter

Durchmesser umgeben, welche Cylinder verdünnte Schwefelsäure enthalten,

in welche Zinkcylinder eingesetzt sind, die unter einander durch

Leitungsdrähte verbunden werden; hiernach werden beide Enden sammt dem

Mitteltheil des Candelabers in leitende Verbindung mit den

Zinkelementen gesetzt. Zur Ausfällung einer 1 Millimeter dicken

Kupferlage bei einem solchen Candelaber sollen 4-1/2 Tage genügen. Die

grossen Fontainen des Concordienplatzes, welche verkupfert worden sind,

sollen aber 2 Monate im Bade gelegen haben. Der Preis für das

Verkupfern ist für Stücke von der Grösse gewöhnlicher Candelaber 9 Fr.,

kann aber für grosse Kunstgegenstände bis auf 25 Fr. per Kilogramm

ausgefällten Kupfers steigen. Wenn die ausgefällte Kupferlage sehr dick

ist, so wird deren Oberfläche ein wenig knollig, und muss daher, wenn

sie vollkommen glatt sein soll, mit der Feile etwas abgeglichen werden.

[Sidenote: Zink- und Zinnlösung.]

Zum =Verzinken= des Eisens kann man eine Lösung von Zinksulfat anwenden.

Das mit einer Zinkhaut überzogene Eisen führt den Namen =galvanisirtes

Eisen=; dasjenige, welches im Handel diesen Namen führt, ist jedoch nicht

auf galvanischem Wege mit Zink überzogen, sondern auf gewöhnlichem Wege

verzinktes Eisen. Zum =Verzinnen= wendet man eine Zinnauflösung an,

welche man dadurch gebildet hat, dass man als Zersetzungsflüssigkeit

Aetznatronlauge, als Kathode ein Eisenblech, als Anode eine Zinnstange

benutzt.

Auch ein galvanisches Ueberziehen mit Eisen (=Verstählen=) findet

statt. Seit einer Reihe von Jahren pflegt man gestochene Kupferplatten

(nach dem von =H. Meidinger= angegebenen Verfahren) mit Eisen zu

überziehen (zu verstählen), um solche für längeren Gebrauch tauglich zu

machen. Dies geschieht, indem man ein Bad von Eisenvitriol und Salmiak

anwendet, eine Eisenplatte am Zinkpol und die zu verstählende Platte am

Kupferpol befestigt und in die Flüssigkeit einhängt. Die so verstählten

Platten zeigen eine grauweisse glänzende Farbe. Ist die zwar sehr

dünne, aber dennoch äusserst harte Eisenschicht, welche 5000-15,000

Abdrücke aushält, abgenutzt, so kann die nämliche Platte beliebig oft

von Neuem verstählt werden, ohne dass sie irgendwie darunter leidet.

Die Anwendung von eisernen Clichés (nach der Methode von =Klein=,

=Feuquières= und =Varrentrapp=[30] dargestellt), überhaupt das

Verfahren der Reduction des Eisens auf galvanischem Wege ist als ein

sehr bedeutender Fortschritt in der Galvanotechnik anzusehen.

[30] Vergl. Jahresbericht der chem. Technologie, 1868 p. 141 u. 145.

[Sidenote: Das Aetzen auf galvanischem Wege.]

=Das Aetzen auf galvanischem Wege= gründet sich auf die Thatsache, dass

unter gewissen Bedingungen die an den Elektroden ausgeschiedenen Stoffe

sich mit denselben chemisch verbinden. Erfolgt eine Verbindung, so wird

die Elektrode nach und nach zerstört. Regulirt man dieses Zerstören

dergestalt, dass die Elektrodenplatte durch Ueberziehen mit Aetzgrund

(aus 4 Th. Wachs, 4 Th. Asphalt und 1 Th. schwarzem Pech dargestellt)

bis auf gewisse freigelassene Stellen unzerstörbar ist, so hat man alle

Bedingungen zum Aetzen. In die mit Aetzgrund bedeckte Kupferplatte wird

die beabsichtigte Zeichnung bis auf das blanke Metall einradirt, und

darauf als positive Elektrode einer constanten Kette in

Kupfervitriollösung, einer anderen als negative Elektrode dienenden

blanken Kupferkette gegenüber gestellt. Während sich die letztere mit

Kupfer überzieht, wird an den radirten Stellen durch den Sauerstoff des

zersetzten Wassers Kupferoxyd gebildet und dieses von der in

Kupfervitriol frei gewordenen Schwefelsäure immer wieder aufgenommen

und entfernt.

[Sidenote: Metallochromie.]

4) =Metallochromie= oder =galvanische Metallfärbung=. Auch

zusammengesetzte Körper, wie z. B. Metalloxyde, können durch den

galvanischen Strom in cohärenter Form auf Metallflächen

niedergeschlagen werden. Bleioxyd (Bleiglätte) hat vorzüglich die

Eigenschaft, aus seiner Lösung in Aetzkali oder Aetznatron als

Superoxyd abgeschieden zu werden. =Becquerel= hat darauf ein Verfahren

begründet, Metalle mit diesem Superoxyd zu überziehen, das unter dem

Namen =Metallochromie= oder =galvanische Metallfärbung= bereits

Anwendung gefunden hat, da dasselbe die Hervorbringung verschiedener

Farben gestattet. Diese Farben gehören in die bekannte Kategorie der

Farben dünner Schichten. Bringt man in eine vollkommen gesättigte

Auflösung von Bleioxyd in Aetzkali eine Platte, die mit der Anode einer

galvanischen Batterie in Verbindung steht, während ihr gegenüber eine

Platinplatte als Kathode dient, so wird auf der Platte Bleisuperoxyd

abgelagert, und die Farbe ändert sich mit der Dicke der Schicht; ist

die gewünschte Wirkung erreicht, so muss der Körper sogleich aus der

Flüssigkeit genommen und abgewaschen werden. Hält man die Spitze ruhig

über eine Stelle, so entstehen um dieselbe herum die bekannten

Nobili'schen Farbenringe. Um diese zu vermeiden, muss man die Elektrode

in fortwährender Bewegung und in einer gewissen Entfernung von der

Oberfläche des Körpers halten. Die Metallochromie findet Anwendung zur

Verzierung von Gegenständen aus Kupfer, Tombak und Messing, welche

vorher eine dünne galvanische Vergoldung empfangen haben. Die

Hauptfarbe ist grün oder purpurroth, welche in Nebenfarben (hellroth,

blau, violett, gelb) übergeht. Anstatt der Lösung des Bleioxydes in

Aetzkali kann man auch eine mit Kalilauge versetzte Lösung von

Kupfervitriol und Kandiszucker in Wasser anwenden.

[Sidenote: Elektrotypie.]

=Elektrotypie.= Um Lettern auf galvanoplastischem Wege zu

vervielfältigen, wird der Lettersatz mit Spatien in solcher Ausdehnung

umgeben, als die Grösse der von jeder Letter darzustellenden Matrize es

erfordert. Der Satz wird dann mit Schnüren festgebunden, an den Rändern

mit Wachs umgeben, davon ein galvanoplastischer Abdruck erzeugt und die

einzelnen Matrizen mit einer Scheere ausgeschnitten. Auf der Rückseite

werden dieselben verzinnt und mit Lettermetall zur gehörigen Dicke

ausgegossen. Zur Erzeugung von Stereotypplatten und zur Copirung von

Holzschnitten ist die Guttapercha als Material zur Matrize besonders

geeignet.

[Sidenote: Glyphographie.]

Die =Glyphographie= ist eine Anwendung der Galvanoplastik, um

Holzschnitte nachzuahmen. Sie ist eine Erfindung =Palmer='s in London

und ist durch =V. Ahner= in Leipzig verbessert worden. Seitdem die

galvanisch in Kupfer oder Eisen reproducirten Holzschnitte als Clichés

allgemein Anwendung gefunden, hat die Glyphographie allen Boden

verloren. Sie bezweckt die von dem Künstler ausgeführte Zeichnung

direct in eine Typenplatte zu verwandeln; die Zeichnung kann dabei in

ihrer natürlichen Richtung, nicht verkehrt wie beim Holzschnitt,

gemacht werden, worin besonders bei solchen Sachen, in welchen viel

Schrift vorkommt, eine grosse Erleichterung ist. Das Verfahren, soweit

es bekannt ist, besteht in Folgendem: Eine vollkommen eben geschliffene

Kupferplatte wird mit Schwefelleberlösung angestrichen und dadurch ihre

Oberfläche geschwärzt; die mit Wasser abgespülte und gereinigte Platte

wird mit einem weissen Radirgrund versehen, der aus einer Mischung von

Burgunderpech, weissem Wachs, Colophonium, Wallrath und schwefelsaurem

Blei besteht. In diesen weissen Grund zeichnet der Künstler mit den

dazu bestimmten Nadeln, sodass der schwarze Grund blossgelegt wird und

die Zeichnung schwarz auf weiss erscheint. Die fertige Radirung wird

dem Galvanoplastiker übergeben, welcher nunmehr die mechanischen

Beihülfen zur Erzeugung eines galvanoplastischen Abdruckes besorgt. Es

werden vor Allem die breiten weissen Flächen mittelst einer dicken,

breiartigen Firnissmasse erhöht, damit sie nicht überwachsen. Dann wird

die Platte copirt und der galvanoplastische Abdruck auf einem

Holzklotze befestigt, sodass er mit dem Letternsatze gleiche Höhe

erhält und gleichzeitig mit diesem abgedruckt werden kann. Von der

radirten Platte können auch Gypsabgüsse hergestellt und hiervon

Stereotypplatten abgegossen werden, und es scheint, als ob dieser

Vorgang in England häufiger angewendet wird, als die galvanoplastische

Copie, da überdies die Druckerschwärze von galvanoplastischen Modellen

nie so gut angenommen wird, als von Stereotypplatten. Eine, wie es

scheint, der Glyphographie sehr ähnliche Methode zur Herstellung von

Reliefplatten für den Buchdruck ist von den Herren =Haase= und =Söhne=

in Prag in Anwendung gebracht, jedoch nicht veröffentlicht worden.

[Sidenote: Galvanographie.]

Kurze Zeit (1842) nach der Entdeckung der Galvanoplastik durch =Jacobi=

wurde durch =v. Kobell= in München die Idee gefasst, die neue Kunst zu

benutzen, um in Tuschmanier gemalte Bilder auf galvanischem Wege in

Kupfer vertieft dargestellt, zu copiren, dass sie nun durch druckbare

Platten vervielfältigt werden können, welche Kunst mit dem Namen

=Galvanographie= bezeichnet worden ist. Es wird auf eine glatte und

versilberte Kupferplatte eine Tuschzeichnung in Oelfarbe (=v. Kobell=

empfiehlt eine mit Dammarfirniss versetzte und mit Graphit abgeriebene

Lösung von Wachs in Terpentinöl) gemalt; sobald die Farbe eingetrocknet

ist, wird darauf eine Kupferplatte erzeugt, welche dann unmittelbar zum

Abdruck in der Kupferdruckpresse dient und dieselbe Tuschzeichnung, wie

sie der Künstler auf der Platte hervorbrachte, in beliebiger Anzahl von

Abdrücken auf Papier wiedergiebt. Die Abdrücke nähern sich am meisten

der sogenannten Aquatinta-Manier, unterscheiden sich aber von ihr durch

ausserordentliche Weichheit der Schattirungen, welche in der That denen

eines getuschten Bildes täuschend ähnlich sind; die Platten ertragen

ohne beträchtliche Abnutzung über 600 Abdrücke. Die Bilder werden in

einer Farbe gemalt, damit die Tuschzeichnung durch höheres oder flaches

Auftragen der Farbe eine Art Relief bildet, das sich in der

galvanoplastischen Platte vertieft darstellt und zur Aufnahme der

Druckerschwärze dient, die alle diese Vertiefungen in demselben

Verhältnisse ausfüllt und dann an die Oberfläche des Papiers sich

anheftet.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 34 / 167 题