Rohstoffe und Produkte der chemischen Industrie.
Das Kaliumcarbonat.
(K_{2}CO_{3} = 138,2; in 100 Th. 68,2 Th. Kali und 31,8 Th. Kohlensäure.)
[Sidenote: Quellen des Kalis.]
Das =Kaliumcarbonat= (kohlensaures Kali) in der Form, in welcher es im
Handel vorkommt, führt den Namen =Potasche=, weil in früherer Zeit das
meiste Kaliumcarbonat aus der Asche (Holzasche) gewonnen wurde. Das Kali
findet sich in reichlichster Menge in der Natur und zwar niemals frei,
sondern als Silicat, als Chlorkalium, als Kaliumsulfat, als
pflanzensaures Kalium und endlich als fettsaures Kalium. Es kommt im
Mineralreich und in der organischen Natur vor. Für technische Zwecke
benutzbare Kaliquellen sind gegenwärtig folgende:
{ I. die Stassfurter und Kaluczer Salzmineralien
A. Anorganische { Carnallit, Sylvin, Kainit und Schoenit,
Kaliquellen { II. der Feldspath und ähnliche Gesteine,
{ III. das Meerwasser und die Mutterlauge der Salinen,
{ IV. der natürliche Kalisalpeter;
{ V. die Asche der Vegetabilien,
B. Organische { VI. die Schlempekohle von der Verarbeitung der
Kaliquellen { Rübenmelasse,
{ VII. die Tange (als Nebenprodukt der Jodgewinnung),
{ VIII. der Schweiss der Schafwolle.
[Sidenote: Kalisalze aus den Stassfurter Salzmineralien.]
I. Aus den =Stassfurter= und =Kaluczer Kalimineralien=, dem (in neuerer
Zeit auch für die Bromgewinnung wichtig gewordenen) Carnallit, ferner aus
dem Sylvin (ClK) und dem Kainit (einer Verbindung von Kaliumsulfat mit
Magnesiumsulfat und Chlormagnesium) stellt man gegenwärtig grosse Mengen
von Kalisalzen dar, namentlich aus dem Carnallit, welcher in der obersten
Region des Stassfurter Steinsalzlagers (übrigens auch an anderen Orten,
so z. B. zu Kalucz in Galizien, in der Nähe der Lemberg-Czernowitzer
Bahn; ferner zu Maman in Persien) sich findet, nach der Formel KCl,
Mg {Cl_{2} / {Br_{2} + 6H_{2}O und, abgesehen von dem Brom, in 100 Th. aus
Chlorkalium 27
Chlormagnesium 34
Wasser 39
---
100
Die Fabrikation der Kalisalze aus den Salzmineralien der Carnallit-Region
zerfällt
[Greek: a]) in die Darstellung von Chlorkalium;
[Greek: b]) " " " " Kaliumsulfat;
[Greek: g]) " " Fabrikation von Potasche.
[Greek: a]) =Darstellung von Chlorkalium.= Nach dem ursprünglichen
(1861 patentirten) Verfahren =A. Frank='s wurden die Abraumsalze im
Flammenofen mit oder ohne Wasserdampf einem Glühprocesse unterworfen
und dann mit Wasser extrahirt. Aus der Lauge sollte durch Eindampfen
und Aussoggen das Chlorkalium gewonnen werden. Diesem Verfahren liegt
die Thatsache zu Grunde 1) dass der Carnallit des Abraumsalzes durch
Wasser in Chlorkalium und Chlormagnesium sich spaltet und 2) letzteres
beim Glühen in Wasserdampf sich zersetzt in Salzsäure, die entweicht,
und in zurückbleibende Magnesia. Beim Betrieb im Grossen gab das
Verfahren jedoch ungenügende Resultate. In Folge des Vorhandenseins
anderer Chlormetalle in dem Abraumsalze (Chlornatrium und Tachhydrit)
geht die Zersetzung des Carnallits nur partiell und äusserst langsam
vor sich. Ausserdem giebt der Kieserit des Abraumsalzes zur Bildung von
Schoenit Veranlassung, welches Doppelsalz das erhaltene Chlorkalium
verunreinigt. Endlich findet sich dem Chlorkalium noch fast alles
Chlornatrium beigemengt, das in dem Abraumsalz sich fand. Es war eine
glückliche Idee =Grüneberg='s, vor der Verarbeitung der Abraumsalze
deren Bestandtheile einer mechanischen Separation zu unterwerfen. Die
Grundzüge dieses Verfahrens sind folgende: Das Abraumsalz besteht der
Hauptsache nach aus den drei Salzen,
dem Carnallit mit dem spec. Gew. 1,618
" Kochsalz " " " " 2,200
" Kieserit " " " " 2,517
Wenn das Abraumsalz grob gemahlen und zu verschiedenen Kornsorten
gleicher Grösse gesiebt wird, so lassen sich die einzelnen Salze dem
specifischen Gewichte nach trennen in Apparaten, wie sie im Bergwesen
zur Trennung der Erze von der Gangart benutzt werden. Anstatt Wasser,
welches die Salze während des Setzprocesses lösen würde, wird eine
gesättigte Chlormagnesiumlösung, die als letzte Mutterlauge massenhaft
erhalten wird und keinen Einfluss auf die zu scheidenden Salze ausübt,
angewendet. Der Carnallit, als das specifisch leichteste der
Abraumsalzbestandtheile, bildet nach der Setzung die obere Schicht der
gesetzten Salze, das Kochsalz die mittlere und der Kieserit die
unterste Lage. Die drei Schichten werden durch sauberes Abheben
getrennt. Die Carnallitlage wird zur Chlorkaliumfabrikation verwendet.
Das Kochsalz, die mittlere Schicht, ist so frei von Kali, dass es
direct verwendet werden kann. Der Kieserit endlich geht, nachdem er
durch Waschen mit kaltem Wasser von dem anhängenden Kochsalz befreit
worden ist, in die weiter unten zu beschreibende Fabrikation von
Kaliumsulfat über.
[Illustration: Fig. 57.]
[Illustration: Fig. 58.]
Die meisten Fabriken in Stassfurt verarbeiten jedoch die Abraumsalze
so, wie sie von der Grube geliefert werden, und zwar nach folgendem
Verfahren, das aus fünf auf einander folgenden Operationen besteht. 1)
Auslaugen des Carnallits mit einer zur völligen Lösung unzureichenden
Menge heissen Wassers, wodurch hauptsächlich nur Chlorkalium und
Chlormagnesium gelöst werden, die grösste Menge des Kochsalzes und des
Magnesiumsulfates aber zurückbleibt; 2) Auskrystallisiren des
Chlorkaliums durch Abkühlung; 3) Abdampfen und Abkühlung der
Mutterlauge, wodurch eine zweite Krystallisation von Chlorkalium
erhalten wird; 4) nochmaliges Abdampfen und Abkühlung der Mutterlaugen,
wo das Doppelsalz von Chlorkalium und Chlormagnesium (künstlicher
Carnallit) erhalten wird, welcher dann ebenso wie der natürliche
verarbeitet wird; 5) Auswaschen des Chlorkaliums, Trocknen und
Einpacken.
[Illustration: Fig. 59.]
1) Der Carnallit wird in gusseiserne Auslaugegefässe gebracht und mit
3/4 seines Gewichts von Wasser, welches zum Waschen von Chlorkalium
gedient hat und viel Kochsalz und etwas Chlorkalium enthält, übergossen
und dann durch ein ringförmiges Rohr _T_ (Fig. 59) Dampf von 120° C.
hineingeleitet. In der Fabrik von =Douglas=, welche gemahlenen
Carnallit verarbeitet, fassen die Bottiche (Fig. 57, 58, 59) 20 Tonnen
davon, sind mit einem dicht schliessenden Deckel bedeckt, in welchem
nur eine Oeffnung zum Entweichen des überflüssigen Dampfes befindlich
ist. Eine von einer Dampfmaschine bewegte verticale eiserne Welle _C_
mit Armen geht durch die Achse des Gefässes und bewegt das Salz
beständig umher. Dies dauert etwa drei Stunden, worauf man zwei Tage
ruhig stehen lässt. Die Auflösung ist dann ganz gesättigt und zeigt 32°
B. Der obere Hahn _r_ wird nun geschlossen und ein unterer _r'_ mit
einer auswärts gehenden Röhre _s_ geöffnet. Der Dampf drückt die Lösung
in diese hinauf nach dem Krystallisationsraume. Der Rückstand, welcher
etwa 1/3 des angewendeten Carnallits beträgt, wird noch ein oder zwei
Mal mit Wasser ausgelaugt.
[Illustration: Fig. 60.]
[Illustration: Fig. 61.]
2) Die Krystallisationsgefässe aus Eisenblech oder Holz sind entweder
flache Kästen oder hölzerne Fässer von 1,20 Meter Durchmesser und 1,5
bis 1,9 Meter Höhe. Beim langsamen Abkühlen krystallisirt das
Chlorkalium mit etwas Kochsalz gemischt und stark mit Chlormagnesium
imprägnirt. Das an den Seiten der Gefässe sich ansetzende ist reiner
und enthält etwa 70 Proc. Chlorkalium, das Bodensalz unreiner (55
Proc.). In flachen Gefässen geht die Abkühlung schneller, das Salz ist
feiner, was zu weiterer Verwendung vortheilhaft ist, aber es ist
unreiner als das gröber krystallisirte und verlangt längeres und
sorgfältigeres Auswaschen. Man nimmt dazu reines Wasser, welches man
eine Stunde darauf stehen lässt und dann abzapft. Dieses Wasser dient,
wie oben erwähnt, zum Auskochen des Carnallits. Eine einzige solche
Waschung bringt das grob krystallisirte von den Seiten der Gefässe auf
80 Proc. Chlorkalium, das fein krystallisirte verlangt zwei bis drei
Waschungen. Die meisten Fabriken liefern das Salz mit diesem Gehalt von
80 Proc., einige wenige treiben es auf 85 bis 90 Proc.
3) Das Eindampfen der ersten Mutterlauge geschieht in eisernen Pfannen
von verschiedener Grösse. Da beim Eindampfen reichlich Kochsalz
niederfällt, welches am Boden festbrennen könnte, so lässt man die
Flammen nur seitlich die Wände des Kessels (wie Fig. 61 zeigt) umspülen
und rührt beständig um, damit sich an diesen das Salz nicht festsetzt.
Nachdem die Lauge auf etwa 2/3 ihres Volumens eingedampft ist, zeigt
sie 33° B. Man lässt sie dann in die Krystallisationsgefässe ablaufen
und nimmt das niedergefallene Salz aus den Pfannen heraus. Es besteht
aus 60-65 Proc. Kochsalz, 6 Proc. Chlorkalium und 30 Proc. des
Doppelsalzes von Magnesiumsulfat und Kaliumsulfat, das unter dem Namen
Schoenit oder Pikromerit auch fertig gebildet unter den Stassfurter
Salzen auftritt. Es wird als Dünger verwandt. In einigen Fabriken
erhitzt man die Abdampfkessel durch Dampf. Vier Röhren _T_ (Fig. 60)
liegen dazu parallel den langen Seiten im Kessel und öffnen sich dann
in den Raum _U_ zwischen dem Kessel und einem ihn umgebenden Mantel.
Der unbenutzte Dampf entweicht durch das Rohr _T'_. Die Concentration
geht schneller als bei der directen Erhitzung. Die Krystallisation der
zweiten Lauge giebt eine neue Quantität Chlorkalium, welches aber nur
50-60 Proc. enthält und 2-3 Waschungen erfordert, um auf 80 gebracht zu
werden.
4) und 5) Die zweite Mutterlauge wird bis auf 35° B. concentrirt, wobei
ein ähnliches Salzgemenge wie bei der ersten Concentration niederfällt,
welches mit diesem vereinigt wird. Dieses Gemenge enthält dann gegen 10
Proc. Kali und wird mit Vortheil als Dünger verwandt. Diese
concentrirte Lauge giebt nun aber beim Krystallisiren nicht
Chlorkalium, sondern künstlichen Carnallit, welcher ebenso behandelt
wird wie der natürliche, nur ist die Arbeit bei seiner grösseren
Reinheit viel einfacher und rascher. Man löst etwa drei Tonnen davon
auf einmal in heissem Wasser auf, was drei Stunden erfordert, lässt
zwei Stunden ruhig stehen und zapft dann in die Krystallisationsgefässe
ab. Da der künstliche Carnallit nur wenig Kochsalz enthält, so fällt
das Chlorkalium viel reiner aus und man kann es durch Auswaschen auf
85-90 Proc. bringen.
Das durch Waschen gereinigte =Chlorkalium= wird schnell getrocknet,
entweder in einem Flammenofen, wo es eine schwache Calcination
erleidet, oder auf dem metallenen Boden einer Kammer, welche durch
Röhren erhitzt wird, die durch die Feuerluft eines Braunkohlenfeuers
geheizt werden. Nach dem Trocknen wird das Salz zerdrückt, gesiebt und
in Fässer von Tannenholz gepackt, welche etwa 500 Kilogr. enthalten.
Sie werden dann in der Fabrik selbst auf Waggons der Magdeburger
Eisenbahn geladen und nach den verschiedenen europäischen Märkten
versandt. Das käufliche Chlorkalium, welches 80-86 Proc. KCl. enthält,
wandert entweder in die Salpeterfabriken, wo es mit Natriumsalpeter in
Kaliumsalpeter umgesetzt wird, oder in die Alaunfabriken, oder man
verwendet es zur Darstellung von Kaliumchlorat und Kaliumchromat, oder
endlich dient es zur Fabrikation von Kaliumsulfat und Kaliumcarbonat.
[Greek: b]) =Darstellung von Kaliumsulfat.= Das Kaliumsulfat lässt sich
darstellen
a) aus Chlorkalium und Schwefelsäure;
b) aus Chlorkalium und Schwefelkies, durch den =Longmaid='schen
Röstprocess (siehe Sodafabrikation) und in vielen Fällen der chlorirenden
Röstung in der Metallurgie, wenn das bisher übliche Kochsalz durch
Chlorkalium ersetzt wird;
c) aus Chlorkalium und Kieserit;
d) aus dem Kainit.
Die Umsetzung von Chlorkalium in Kaliumsulfat durch Glaubersalz, die
wiederholt zur Darstellung von Kaliumsulfat versucht wurde, hat sich im
Grossen als nicht praktisch erwiesen, weil die beiden Sulfate der
Alkalien allzugrosse Neigung haben, sich mit einander zu einem
Doppelsalze zu verbinden. Die sub a und b genannten Methoden können nur
unter gewissen Bedingungen mit Gewinn ausgeübt werden. In England
stellt man jedoch fabrikmässig Kaliumsulfat aus dem Chlorkalium (der
Kelpfabriken) und aus Schwefelsäure dar. Dies geschieht genau in
derselben Weise, wie die Umwandlung des Kochsalzes in Glaubersalz bei
der Sodafabrikation, und in den identischen Apparaten und Oefen. Eine
weit grössere Bedeutung als die vorstehenden Methoden haben die sub c
und d angeführten Verfahren, das Kaliumsulfat mit Hülfe der
Schwefelsäure des Kieserits darzustellen. Die Hauptgrundzüge des von
=H. Grüneberg= eingeführten Verfahrens sind folgende: Man beginnt mit
der Darstellung von Schoenit (vergl. S. 129) und gleichzeitig auch von
Carnallit, indem man Chlorkalium und Kieserit heiss löst und die Lösung
krystallisiren lässt:
4 Mol. Kieserit } = { 2 Mol. Schoenit,
3 " Chlorkalium } { 1 " Carnallit;
Beide Salze, der Schoenit und der künstliche Carnallit werden durch
Krystallisation geschieden und ersteres nach folgendem Schema mit
Chlorkalium zerlegt:
4 Mol. Schoenit } { 4 Mol. Kaliumsulfat,
3 " Chlorkalium } = { 2 " Schoenit,
{ 1 " Carnallit.
Die einzelnen Salze werden durch Krystallisation getrennt und das
zuerst sich ausscheidende Kalisulfat durch Waschen mit kaltem Wasser
gereinigt. Wie weit die Anreicherung des Kalisulfates aus dem Schoenit
durch blosses Umkrystallisiren desselben und ohne Chlorkaliumzusatz
getrieben werden kann, ist noch zu ermitteln. Es scheint aber
festzustehen, dass in dem zur Potaschenfabrikation bestimmten
schwefelsaurem Kali ein einige Procente betragender Schoenitgehalt
nicht ungern gesehen wird.
Seitdem der =Kainit= in dem Hangenden der Kalisalze der
Carnallit-Region massenhaft gefunden worden, dient auch er zur
Darstellung von Kaliumsulfat. Zu dem Ende wird der Kainit mit Wasser
behandelt und dadurch in Folge Austretens von Chlormagnesium in
Schoenit übergeführt:
Kainit } = { Schoenit
_minus_ Chlormagnesium } {
Der Schoenit wird dann mit Chlorkalium in Kaliumsulfat umgewandelt. Das
Kaliumsulfat ist entweder Zwischenprodukt für die Potaschendarstellung
oder Handelsartikel für die Alaunfabrikation oder endlich einer der
wichtigsten Bestandtheile der Kalidüngerfabrikate.
[Greek: g]) =Darstellung von Kaliumcarbonat= (Mineralpotasche). Behufs
der technisch vortheilhaftesten Ueberführung von Chlorkalium und
schwefelsaurem Kali in Potasche sind zahlreiche Vorschläge gemacht
worden, die aber zum kleinsten Theil nur realisirbar sind. Das einzige
von der Praxis adoptirte Verfahren der Darstellung von Mineralpotasche
ist eine Nachbildung des =Leblanc='schen Sodabildungsprocesses.
Das =Leblanc='sche Verfahren, von =H. Grüneberg= (1865) zuerst zur
Potaschedarstellung angewendet, hat sich nicht überall bewährt, so
führt z. B. =Lunge= an, dass in einer englischen Fabrik langjährige und
kostspielige Versuche, =Leblanc='s Process zur Potaschenfabrikation
einzuführen, zu einem negativen Resultate geführt hätten. Es war dort
überhaupt nur dann möglich, eine brauchbare Handelswaare zu erzeugen,
wenn man eine bedeutende Menge (bis zur Hälfte) amerikanischer
Perlasche mit hineinarbeitete. Der eigentliche Grund des Scheiterns der
Versuche ist nicht bekannt geworden; doch scheint es, als ob die
erzielte Potasche ein gar zu unscheinbares Ansehen gehabt hätte; man
konnte sie nicht, wie die Soda, einfach weissbrennen, sondern musste
sie auflösen, wieder eindampfen und calciniren und diesen Process sogar
mehrfach wiederholen, was natürlich zu kostspielig wurde. Ein ähnliches
Verfahren macht sich nur für wirkliche gereinigte Potasche (für
Glasfabrikanten) bezahlt, welche dann auch wirklich in derselben Fabrik
in grossem Maassstabe, aber nur aus amerikanischer Perlasche
dargestellt wurde. Vermuthlich zeigte sich bei den Versuchen über
künstliche Potasche nach =Leblanc='s Verfahren auch der Uebelstand,
welchen schon vor einigen Jahren =E. Kopp= bei ähnlichen Versuchen in
der grossen Sodafabrik in Dieuze bei Nancy beobachtet hat: nämlich die
Bildung von Cyankalium, wol auch cyansaurem Kali, welche nur schwierig
zu entfernen sind.
In Kalk bei Cöln und in Stassfurt werden grosse Mengen Mineralpotasche
von tadelloser Beschaffenheit nach =Leblanc='s Process seit Jahren
dargestellt. Das Nähere des Verfahrens wird zur Zeit noch geheim
gehalten. Bekannt ist, dass man (schoenithaltiges) Kaliumsulfat mit
Kreide und Steinkohlenklein calcinirt und die calcinirte Masse mit
Wasser auslaugt, wobei Mineralpotasche in Lösung geht und
Schwefelcalcium zurückbleibt, aus welchem man nach =Schaffner='s
Verfahren Schwefel regenerirt. Die Gegenwart einer gewissen Menge
Schoenit oder Magnesiumsulfat in dem zur Fabrikation von
Mineralpotasche bestimmten Kaliumsulfat ist eher vortheilhaft als
schädlich, indem durch die Magnesia die Rohpotasche porös wird und
leichter und vollständiger ausgelaugt werden kann, als die mit reinem
Kaliumsulfat dargestellte Rohpotasche.
[Sidenote: Kali aus Feldspath.]
II. =Kalisalze aus Feldspath.= Die analytische Chemie hat gezeigt, dass
in den verbreitetsten Arten von Mineralien, die als Gemengtheile ganzer
Gebirgsmassen vorkommen, eine unversiegbare Kaliquelle sich findet. Der
Kaligehalt einiger der bekanntesten Gebirgsarten und Fossilien ist
folgender: 10-16 Proc. im Kalifeldspath (Orthoklas) und in einigen
feldspathreichen Fossilien. 8-10 Proc. im Kaliglimmer. 7-8 Proc. im
Glaukonit, Phonolith, Trachyt. 6-7 Proc. im Granulit und Porphyr,
Glimmerschiefer. 5-6 Proc. im Granit, Syenit, Gneis. 1-2 Proc. im
Dolerit, Basalt, Kaolin, Thon, Lehm.
Vor dem Auffinden der Kalischätze in Stassfurt, Kalucz u. a. O. stand
die Kaligewinnungsfrage aus Feldspath und ähnlichen Gesteinen permanent
auf der Tagesordnung in der technischen Chemie. Gegenwärtig ist
begreiflicherweise angesichts der blühenden Mineralkalisalzindustrie
aus Carnallit und Kainit die Feldspathkalifrage _ad calendas graecas_
vertagt und alle Vorschläge, welche die Extraction des Kalis aus dem
Feldspath zum Zwecke hatten, haben heute nur noch historisches
Interesse zu beanspruchen. Das beste Verfahren zur Darstellung der
Kalisalze aus dem Feldspath ist das von =Ward= (1857) angegebene, bei
welchem das Fluor als Aufschliessungsmittel des Feldspaths dient.
Es besteht wesentlich darin, dass man den bis zur Feine des
Portland-Cämentes gemahlenen Feldspath mit feingepulvertem Flussspath
(die Menge des Fluors darin soll der im Gestein enthaltenen Kalimenge
äquivalent sein) und einem Gemisch von Kreide und Kalkhydrat mengt und
in Gypsöfen, Gasretorten, Cementbrennöfen etc. frittet und die
gefrittete Masse, die in Folge des Kreidezusatzes porös und deshalb
leicht auszulaugen ist, mit Wasser auslaugt, wo der Kali des Feldspaths
sofort als Aetzkali in die Lösung übergeht. Der Rückstand vom Auslaugen
giebt nach dem Brennen und Mahlen einen hydraulischen Mörtel.
[Sidenote: Kalisalze aus dem Meerwasser.]
III. =Kalisalze aus dem Meerwasser.= Die Gewinnung der Kalisalze aus dem
Meerwasser, namentlich aus dem Wasser des mittelländischen Meeres,
welches nach einer Analyse von =Usiglio= in 10,000 Gewichtstheilen 5,05
Gewichtstheile Kali enthält, geht auf dieselbe Weise vor sich, wie die
Verarbeitung der Mutterlaugen der Salinen von Schönebeck, Dürrenberg u.
s. w., die bereits zu Anfang dieses Jahrhunderts von =Herrmann= in
Schönebeck eingeführt wurde.
Die Kalisalzgewinnung wird am Mittelmeere im grossen Maassstabe von der
=Compagnie Merle= in Alais (Gard) ausgeübt. Das gegenwärtig angewendete
Verfahren von =Balard= und =Merle= liefert unter Anwendung von
künstlicher Kälte mittelst des =Carré='schen Apparates von 1 Kubikmeter
Mutterlauge von 28° B. (entsprechend circa 75 Kubikmeter Meerwasser)
40 Kilogr. wasserfreies Natriumsulfat,
120 " raffinirtes Seesalz,
10 " Chlorkalium.
Vor einigen Jahren noch liess man die auf 28° B. (= 1,225 spec. Gew.)
gebrachten Mutterlaugen künstlich abkühlen, um sie auf Chlorkalium zu
verarbeiten, heutzutage zieht man es vor, die Mutterlaugen in den
Salzgärten selbst sich concentriren zu lassen, wobei folgende drei
Sorten Salz nach einander sich absetzen: a) das =erste= Salz, welches
aus der bis 32° B. (= 1,266 spec. Gew.) concentrirten Mutterlauge sich
abscheidet, ist nur unreines Seesalz; b) das =zweite= Salz, zwischen 32
und 35° B. (= 1,266 bis 1,299) sich absetzend, besteht aus gleichen
Theilen Kochsalz und Bittersalz und heisst =gemischtes Salz=; c) das
=dritte= Salz, welches zwischen 35 und 37° B. (= 1,299 bis 1,321) sich
abscheidet, heisst =Sommersalz=; es enthält noch Kochsalz und
Bittersalz, aber auch alles Kali und zwar zum Theil als Schoenit, zum
Theil auch als Carnallit. Das =zweite= Salz (gemischtes Salz) wird
sofort aufgelöst und die Lösung in die =Carré='sche Eismaschine
gebracht, wo sich in Folge von Umsetzung der Bestandtheile Glaubersalz
krystallisirt ausscheidet. Das =dritte= Salz (Sommersalz) wird in
siedendem Wasser gelöst; beim Erkalten scheidet sich die Hälfte des
Kalis als Kainit ab; aus der Mutterlauge, die ausser Carnallit noch
Kochsalz und Bittersalz enthält, erhält man durch Abkühlung noch
Glaubersalz und durch Abdampfen der Flüssigkeit und durch Versetzen
derselben mit Chlormagnesium einer früheren Operation, alles Kali in
Form von Carnallit, welches durch Auflösen in bekannter Weise in seine
beiden Bestandtheile, Chlorkalium und Chlormagnesium, zerlegt wird.
Auf diese Weise ist es gelungen, von dem in der Mutterlauge
befindlichen Kali 45 Proc. als Chlorkalium und 55 Proc. als Schoenit zu
gewinnen. Letzteres wird von der Compagnie =Merle= auf Kaliumsulfat und
auf Potasche verarbeitet.
[Sidenote: Kali aus der Pflanzenasche.]
IV. =Kalisalze aus der Asche der Vegetabilien.= Verbrennt man eine
Pflanze oder einzelne Theile derselben, so bleibt ein unverbrennlicher
Rückstand, den man Asche nennt. Dieser Rückstand enthält die
anorganischen Bestandtheile, welche die Pflanze während ihrer Vegetation
aus dem Boden genommen. Sie besteht aus Kali, kleinen Mengen von Natron,
Lithion und Rubidion, Kalk, Magnesia, etwas Eisen- und Manganoxydul und
zwar gebunden an Phosphorsäure, Schwefelsäure, Kieselsäure, Chlor, Brom,
Jod, Fluor und Kohlensäure. Die in der Asche sich findenden Verbindungen
sind nicht durchgehends dieselben, welche in den Pflanzen vorkommen; die
zum Einäschern erforderliche hohe Temperatur zerstört vorhandene
Verbindungen und bildet neue. Die Quantität und Qualität der Asche ist
nicht bei allen Pflanzen gleich; während die am Meeresstrande und im
Meere selbst wachsenden Pflanzen vorzugsweise Natron (Soda) enthalten,
sind die Binnenpflanzen besonders kalireich; die Aschenmenge ist nicht
allein bei den verschiedenen Pflanzen eine verschiedene, sondern es geben
auch die verschiedenen Pflanzentheile verschiedene Quantitäten. Die
saftreichsten Pflanzen und Pflanzentheile geben im Allgemeinen die meiste
Asche, Kräuter grössere Mengen als Sträucher, letztere grössere Mengen
als Bäume, Blätter und Rinde der Bäume mehr als der Stamm. Es ist
einleuchtend, dass die Menge der in dem Pflanzensafte enthaltenen
auflöslichen unorganischen Bestandtheile, also hauptsächlich die
Quantität der Salze der Alkalien, in den saftreichsten Pflanzentheilen am
grössten sein muss.
=Böttinger= fand in der Buchenholzasche
21,27 Proc. lösliche Bestandtheile,
78,73 " unlösliche "