Die Entsilberung des Werkbleies kann geschehen

1) auf dem Treibherde,

2) durch das Pattinsoniren,

3) vermittelst Zink.

[Sidenote: Die Treibarbeit.]

[Illustration: Fig. 55.]

Das =Treiben= (oder Abtreiben) auf =Treibherden= wird mit dem

silberhaltigen Blei sowol auf den Silberhüttenwerken, als auf den

Bleihüttenwerken vorgenommen. Es beruht darauf, dass das oxydirbare Blei

von den nicht oder nur schwer oxydirbaren Metallen, mit denen es gemischt

ist, durch einfache oxydirende Schmelzung abgeschieden wird, indem man

dafür sorgt, dass das entstehende Bleioxyd theils abgezogen wird, theils

in die Poren des Treibherdes sich einzieht. Die dadurch sich stets

erneuernde Oberfläche des Metallbades wird so lange oxydirt, als die

Metalllegirung noch Blei enthält, bis zuletzt das Silber im reinen

Zustande zurückbleibt. Der Treibherd ist ein runder Gebläse-Flammenofen

mit einer angebauten Feuerung _F_ (Fig. 55); der Herd _A_ ist mit einer

aus Blech gefertigten und inwendig mit feuerfestem Thon ausgeschlagenen

Haube _B_ bedeckt, welche durch die Vorrichtung _D_ aufgehoben und

niedergelassen werden kann. Der Herd wird aus ausgelaugter Asche oder

besser aus Kalkmergel geschlagen, in der Mitte befindet sich eine

Vertiefung _c_ zum Ansammeln des Silbers, _b_ ist der Feuerraum. In dem

aus Bruchsteinen bestehenden, den Herd einschliessenden Raum, dem

Ofenkranz, befindet sich 1) das =Glättloch=, welches mit Herdmasse

während der Arbeit so weit geschlossen gehalten wird, dass sich dasselbe

mit der oberen Fläche des im Treibofen eingeschmolzenen Werkbleies im

Niveau befindet, sodass die über dem Metall sich bildende Glätte

abfliessen kann. Sobald die Menge des Werkbleies abnimmt, wird der

Herdmasse im Glättloch durch Auskratzen derselben ein niedriges Niveau

gegeben; diese rinnenförmige Vertiefung heisst die =Glättgasse=; 2) das

=Blechloch= (Schürloch) _P_, in der Regel gegenüber der Feuerbrücke,

dient zum Eintragen der Herdmasse und der Werke; 3) die =Formen= des

Gebläses _a_ und _a'_.

Die Treibarbeit wird bei gesteigerter Temperatur so lange fortgesetzt,

bis sich das auf dem Herde zurückgebliebene Silber nur noch mit einer

dünnen Schicht von Bleiglätte überzieht, die ebenso schnell zu

verschwinden scheint, als sie entsteht. Das Entstehen und Verschwinden

des Häutchens giebt sich durch ein Farbenspiel, das =Blicken des

Silbers=, zu erkennen. Sobald diese Erscheinung wahrgenommen wird, hört

man mit dem Feuern auf, kühlt das =Blicksilber= durch Besprengen mit

Wasser und hebt es aus dem Ofen. Das abfliessende flüssige Bleioxyd

erstarrt beim Erkalten zu einer blättrig krystallinischen Masse von

gelber oder röthlich gelber Farbe, =Bleiglätte= (vergl. Seite 65).

[Sidenote: Das Pattinsoniren.]

Das =Pattinsoniren=. Der Treibprocess ist bei einem sehr geringen

Silbergehalte des Bleies nicht mehr lohnend. Es gilt im Allgemeinen als

Regel, dass Werkblei mit einem geringeren Silbergehalt als 0,12 Proc.

nicht mehr vertrieben werden kann. Der Umstand nun, dass viele Bleiglanze

Englands ein Werkblei geben, welches nur 0,03-0,05 Proc. Silber enthält,

mithin nicht treibwürdig ist, bewog 1833 =Pattinson= in Newcastle,

Versuche über neue Trennungsmethoden anzustellen, welche ihn zur

Entdeckung des nach ihm genannten Krystallisirprocesses führten, durch

welchen es möglich geworden ist, den Silbergehalt armer Bleie (bis herab

zu 0,009 Proc. Silber) so weit zu concentriren, dass neben höchst

silberarmem Kaufblei treibwürdige Werke erfolgen. Indessen wendet man das

Verfahren auch als Concentrationsarbeit bei schon treibwürdigem Blei an.

Das Pattinsoniren, so wie es gegenwärtig (so zu Stolberg bei Aachen, an

der Lahn, in Schlesien, am Oberharz etc.) ausgeführt wird, gründet sich

auf die Erscheinung, dass, wenn man eine hinreichende Menge von

silberhaltigem Blei in einem eisernen Kessel einschmilzt und die

flüssige Masse gleichmässig sich abkühlen lässt, in derselben sich

kleine Krystalle (Octaëder, an ihren Enden verwachsen) bilden, deren

Menge fortwährend zunimmt. Werden diese Krystalle mit Hülfe eines

durchlöcherten Löffels herausgeschöpft und untersucht, so findet man,

dass sie weit ärmer an Silber sind als die ursprüngliche Legirung,

während in dem flüssig gebliebenen Theile das Silber sich concentrirt

hat. Schmilzt man diese Krystalle und verfährt auf gleiche Art, so

bilden sich von Neuem Krystalle, die abermals silberärmer sind als die

früheren. Die ersten Anschüsse sind die silberärmsten, die späteren

werden immer silberreicher. Das einer Reihe derartiger Separationen

unterworfene Blei ist nach Beendigung der Arbeit in einen kleinen und

reichen Theil, =Reichblei= (mit 0,5-1,5 Proc. Silber) und einen

grössern, sehr silberarmen Theil, =Armblei= (mit 0,001 bis 0,003

Procent Silber) getrennt worden. Als Grenze, bis zu welcher die

Anreicherung des Silbers im Blei durch des Pattinsoniren fortgesetzt

werden kann, sind 2,5 Proc. Silber im Blei anzunehmen.

Die Grenze, bis zu der man in den Pattinsoniranstalten bei den

einzelnen Krystallisationen mit dem Ausschöpfen der Krystalle zu gehen

pflegt, ist verschieden; am gebräuchlichsten ist das =Drittel=- und das

=Achtelsystem=. Bei ersterem schöpft man bei jeder Krystallisation 2/3,

bei letzterem 7/8 des Kesselinhaltes dem Volumen nach an Krystallen

aus, sodass resp. 1/3 und 1/8 flüssiges Blei (Mutterlauge)

zurückbleibt. Die erstere verlangt eine grössere Anzahl von Arbeitern

und von Kesseln und ist bei silberreicherem Blei am Platze, das

Achtelsystem dagegen eignet sich besser für sehr armes Blei. In neuerer

Zeit hat =Boudchen= eine Modification des Pattinsonirens eingeführt,

welche darin besteht, dass man die Bleikrystalle nicht ausschöpft,

sondern sie in dem Bade löst und in demselben in Bewegung erhält, damit

sie nicht zusammenwachsen und silberhaltiges Blei einschliessen, und

dass man zuletzt das angereicherte flüssige Blei am Boden des Kessels

abzieht. In allen Fällen arbeitet man mit grossen Massen (200 Ctr.)

damit der Zeitraum des Abkühlens möglichst gross sei. Das Reichblei

wird abgetrieben (auf der Friedrichshütte bei Tarnowitz geben 100 Th.

Reichblei beim Abtreiben 1,28 Th. Silber).

[Sidenote: Entsilberung des Werkbleies mittelst Zink.]

Die Entsilberung des Werkbleies =durch Zink= ist im Jahre 1850 von

=Parkes= in Vorschlag gebracht, in jüngster Zeit aber erst durch

=Cordurié= (in Toulouse) u. A. ausgebildet und in die Praxis eingeführt

worden. Diese Methode, die nach dem gegenwärtigen Standpunkte zu

urtheilen (Mai 1870), das Pattinsoniren vollständig verdrängen wird,

gründet sich darauf, dass 1) Blei und Zink mit einander keine Legirung

bilden; 2) die Verwandtschaft des Silbers zum Zink grösser ist als die

zum Blei.

Man trägt in einen eisernen Kessel 20 Ctr. Werkblei ein,[22] versetzt

diese nach dem Schmelzen mit 1 Ctr. geschmolzenem Zink und lässt es

nach gehörigem Umrühren so lange stehen, bis das Zink an der Oberfläche

zu einem Kuchen erstarrt, den man vom Bleiherd abhebt. Das Zink wird

(nach dem älteren Verfahren) von dem Silber durch Destillation

geschieden. Nach Beendigung der Destillation nimmt man die Rückstände

heraus und treibt, nachdem man etwas Blei hinzugefügt hat, wie

gewöhnlich auf dem Treibherde ab. Das condensirte Zink dient zur

Entsilberung neuer Quantitäten Blei. Nach dem neuen (von =Cordurié=

eingeführten) Verfahren oxydirt man, zum Zweck der Trennung des Silbers

vom Zink letzteres im glühenden Zustande durch überhitzten Wasserdampf

(Zn + H_{2}O = ZnO + H_{2}). -- Das bei der Entsilberung des Werkbleies

durch Zink zurückbleibende zinkhaltige Werkblei wird durch Erhitzen mit

Chlorblei oder einer Mischung von Bleisulfat und Chlornatrium (oder

Stassfurter Chlorkalium) entzinkt, wobei sich Chlorzink bildet (Zn +

PbCl_{2} = ZnCl_{2} + Pb).

[22] Auf dem Hüttenwerke zu Call in der Eifel enthält das Werkblei

durchschnittlich 0,25 Kil. Silber in 1000 Kilogr.

[Sidenote: Feinbrennen des Blicksilbers.]

=Feinbrennen des Blicksilbers.= Das unmittelbar aus den Erzen gewonnene

Silber, mag es nun durch Amalgamation oder durch Bleiarbeit, oder

endlich durch Niederschlagen aus seiner Lösung durch metallisches

Kupfer dargestellt worden sein, ist niemals rein, sondern enthält immer

noch mehrere Procente anderer Metalle. Auch bei der Treibarbeit wird

der Process nie so lange fortgesetzt, bis alle fremden Metalle

vollkommen oxydirt wären, und gewöhnlich beträgt der Silbergehalt des

Blicksilbers oft nicht ganz 95 Proc. (in Tarnowitz, wie oben bemerkt,

nur 93,7 Proc.). Die Reinigung des Silbers von allen Beimischungen

anderer Metalle durch Oxydation nennt man das =Feinbrennen des

Silbers=. Enthält das Silber nur noch Blei oder macht letzteres den

vorwiegenden Bestandtheil des fremden Metalles aus, so ist das

Feinbrennen nichts als ein fortgesetzter Treibprocess, welcher aber

nicht auf den grossen Herden der Treiböfen, sondern in einem mehr

concentrirten Raume vorgenommen wird. Macht dagegen das Blei nicht den

überwiegenden Bestandtheil der Verunreinigungen aus, so wird erst dem

Silber durch Schmelzen ein Zusatz von Blei gegeben und darauf erst die

Oxydation vorgenommen. Stets entstehen beim Feinbrennen kleine

Quantitäten von Bleiglätte, welche man aber nicht wie bei dem

Treibprocess von der Oberfläche des Silbers ablaufen, sondern von der

gewöhnlichen Masse (Knochenasche, Mergel) absorbiren lässt, aus welcher

die Gefässe, deren man sich zum Feinbrennen bedient, gefertigt sind. Im

Allgemeinen lassen sich drei Arten des Feinbrennens unterscheiden,

nämlich 1) das Feinbrennen in Testen, Schalen oder eisernen Ringen,

welche mit Knochenasche ausgefüttert sind, vor dem Gebläse; 2) das

Feinbrennen unter der Muffel; 3) das Feinbrennen im Flammenofen.

Letzteres Verfahren ist das vortheilhafteste und einfachste. 100 Th.

Blicksilber geben 96,8 Th. =Brandsilber= (mit 99,9 Proc. Silber).

[Sidenote: Silberproduktion.]

Die jährliche Produktion an Silber schätzt man (nach Angaben von 1868)

auf circa 60 Mill. Thaler; von letzterer Summe kommen auf

Russland 1,500,000 Thlr.

Schweden und Norwegen 500,000 "

Grossbritannien 1,620,000 "

Preussen mit dem Harz 1,400,000 "

Sachsen 920,000 "

Das übrige Deutschland 1,800,000 "

Oesterreich 80,000 "

Frankreich 2,100,000 "

Spanien 425,000 "

Australien und Oceanien 4,900,000 "

Chile 7,600,000 "

Bolivia 600,000 "

Peru 5,480,000 "

Ecuador 240,000 "

Brasilien 18,000 "

Mexiko 30,000,000 "

Vereinigte Staaten 600,000 "

[Sidenote: Chemisch reines Silber.]

=Chemisch reines Silber= erhält man, indem man kupferhaltiges Silber in

Salpetersäure löst, aus der Lösung das Silber durch Kochsalz oder

Salzsäure fällt und das entstandene Chlorsilber reducirt. Zu diesem

Zwecke trägt man es in schmelzendes kohlensaures Kali ein oder glüht es

mit Colophonium und Potasche. Auf nassem Wege reducirt man Chlorsilber,

indem man dasselbe mit Zink und verdünnter Salzsäure zusammenbringt

(2AgCl + Zn + ClH = ZnCl_{2} + Ag_{2} + ClH).

[Sidenote: Eigenschaften des Silbers.]

Das reine Silber (=Feinsilber=) ist von rein weisser Farbe und von

starkem Glanz, der durch Politur ausserordentlich erhöht wird. Auf dem

frischen Bruche hat es ein mehr geflossenes und dichtes, als ein

hakiges Ansehen. Es ist weicher als Kupfer, aber härter als Gold. Im

reinen Zustande ist es am weichsten und besitzt einen dumpfen Klang. Es

ist ausserordentlich dehnbar und geschmeidig und übertrifft in dieser

Beziehung mit Ausnahme des Goldes alle übrigen Metalle. Höchst geringe

Beimischungen anderer Metalle vermindern die Dehnbarkeit und

Geschmeidigkeit; ein Kupfergehalt ist dagegen nicht nachtheilig, ein

Goldgehalt sogar vortheilhaft. Sehr nachtheilig ist dagegen ein Gehalt

von Blei und Antimon. Durch Schmelzen mit Kohle verliert des Silber an

Geschmeidigkeit und erhält bei Bearbeitung unter dem Hammer und

Walzwerk Risse und Sprünge. Durch das Umschmelzen des Silbers im

Graphittiegel wird das Silber in seinen Eigenschaften nicht verändert.

Das spec. Gewicht des Silbers ist ungefähr 10,5 und kann durch Hämmern

bis auf 10,7 erhöht werden. Die absolute Festigkeit des Silbers ist

geringer als jene des Kupfers. In der Wärme dehnt es sich von 0-100° um

1/524 aus und schmilzt bei 916° (nach =Deville=). Bei sehr hoher

Temperatur, die nur durch das Knallgasgebläse, durch Brennspiegel

oder durch galvanische Batterien hervorgebracht werden kann,

verflüchtigt sich das Silber[23]. Im geschmolzenen Zustande und bei

Luftzutritt absorbirt das Silber Sauerstoffgas, welches erst bei dem

Erkalten des Silbers, oft mit Geräusch und unter Umherspritzen von

flüssigem Silber, entweicht (=Spratzen= oder =Sprützen= des Silbers).

Enthält das Silber eine geringe Quantität Blei oder etwa 1 Proc.

Kupfer, so erstarrt es ruhig mit concaver Oberfläche, indem es nach dem

Erkalten ein geringeres Volumen einnimmt als im geschmolzenen Zustande.

Das Silber wird von schwachen Säuren nicht angegriffen, von

Salpetersäure aber schon in der Kälte, von concentrirter Schwefelsäure

beim Erhitzen gelöst.

[23] =Stass= (in Brüssel) hat neuerdings (1869) behufs der Darstellung

von chemisch reinem Silber durch die Knallgasflamme 50 Grm. Silber

überdestillirt.

[Sidenote: Legirungen des Silbers.]

Das Silber bildet mit Blei, Zink, Wismuth, Zinn, Kupfer und Gold

Legirungen, von denen die mit Blei für die Gewinnung des Silbers von

Wichtigkeit ist. Die wichtigste der Legirungen ist aber die mit Kupfer,

weil das reine Silber als zu weich, fast nie, sondern nur mit Kupfer

legirt, verarbeitet wird. Diese Legirungen sind härter und klingender als

reines Silber. In Deutschland bezeichnete man früher allgemein und

zuweilen gegenwärtig noch den Gehalt dieser Legirungen an reinem Silber

auf die Weise, dass man die =Lothe= angiebt, die in der Mark enthalten

sind. (Eine Mark = 16 Loth; ein Loth = 18 Grän.) Eine =feine Mark= = 16

Loth Feinsilber. Eine =rauhe= oder =beschickte= Mark enthält Kupfer und

Silber in verschiedenen Verhältnissen; 12löthig heisst z. B. Silber, das

in der Mark auf 4 Loth Kupfer 12 Loth Silber enthält. In Frankreich und

seit 1870 fast allgemein auch in Deutschland bezeichnet man das

Feinsilber mit 1000/1000 und deutet den Feingehalt der Legirungen durch

Tausendtheile an. Wären die Silbermünzen in allen Staaten gleichmässig

legirt, so würde der Münzverkehr ausserordentlich einfach sein, da man

dann den Werth der fremden Münzsorten in einheimische nur nach dem

Gewicht zu reduciren brauchte. Da dies aber nicht der Fall ist, so wird

durch den =Münzfuss= eines Landes der Feingehalt (=Korn=) und das Gewicht

(=Schrot=) bestimmt und angegeben, wie viel einer gewissen Art Münzstücke

aus einer feinen Mark geprägt werden sollen.

[Sidenote: Münzgewicht.]

In Deutschland war bis zum Jahre 1857 die =kölnische Mark= oder

=Vereinsmark= (= 233,855 Grm.) das Münzgewicht. Die feine Mark Silber

lieferte

nach dem 14 Thalerfusse 14 Thaler,

" " 24-1/2 Guldenfusse 24-1/2 Gulden oder 49 halbe Gulden,

" " 20 Guldenfusse 20 Conventionsgulden.

[Sidenote: Neuer Münzfuss.]

Nach dem =Wiener Münzvertrage= vom 24. Januar 1857 gelten in allen

deutschen und österreichischen Staaten folgende Bestimmungen: 1) Das

Pfund (1/2 Kilogr.) dient der Ausmünzung zur Grundlage. 2) Mit

Festhaltung der reinen Silberwährung wird die Münzverfassung der

betheiligten Staaten in der Art geordnet, dass, je nachdem in denselben

die Thaler- oder Guldenrechnung eingeführt ist, entweder der 30

=Thalerfuss= (an Stelle des früheren 14 Thalerfusses) zu 30 Thalern aus

dem Pfunde Feinsilber, oder der 45 =Guldenfuss= zu 45 Gulden aus dem

Pfunde Feinsilber, und der 52-1/2 =Guldenfuss= (an Stelle des früheren

24-1/2 Guldenfusses) zu 52-1/2 Gulden aus dem Pfunde Feinsilber, als

Landesmünzfuss gilt. 3) Unter Münzen der =Thalerwährung= sind die des

30 Thalerfusses, der =österreichischen Währung= die des 45

Guldenfusses, der =süddeutschen Währung= die des 52-1/2 Guldenfusses zu

verstehen. 4) Der Feingehalt wird nicht mehr wie früher in Lothen,

sondern wie in Frankreich und England in Tausendtheilen ausgedrückt. 5)

Das Mischungsverhältniss der Vereinsmünzen ist

900 Silber,

100 Kupfer.

Es werden demnach 13-1/2 doppelte oder 27 einfache Vereinsthaler 1 Pfd.

wiegen[24]. Die Abweichung im Mehr oder Weniger darf im Feingehalte nie

mehr als drei Tausendtheile, im Gewicht aber bei den einzelnen

Vereinsthalern nie mehr als vier Tausendtheile seines Gewichtes

betragen. Die Feinheit kann mithin 0,897 oder 0,903 sein; das Gewicht

von 30 Vereinsthalern kann 498 oder 502 Grm. (anstatt 500 Grm.)

ausmachen. 6) Die =Silberscheidemünze= wird nie nach einem leichtem

Münzfusse als 34-1/2 Thaler in Thalerwährung, 51-3/4 Gulden

österreichischer Währung und 60-3/8 Gulden süddeutscher Währung

ausgeprägt. (Die preussischen 1/6 Thaler haben einen Silbergehalt von

0,520, die Silbergroschen von 0,220.)

[24] Ein Vereinsthaler wiegt somit 18,518 Grm. und enthält 16,666 Grm.

Silber.

In den Ländern des =lateinischen Münzvereins= (Frankreich, Italien,

Belgien, Portugal und Schweiz), welchen sich nach der Revolution von

1868 auch Spanien angeschlossen hat, prägt man aus 1 Kilogr. Silber von

900/1000 200 Franken (= 222-2/9 Franken aus 1 Kilogr. Feinsilber); die

1 und 2 Frankenstücke, ebenso auch die 50 und 20 Centimesstücke werden

seit 1865 nur zu 835/1000 Silbergehalt ausgeprägt. (1 Kilogr. Silber

von 0,900 = 20 Fünffrankenstücken.) In =England= prägt man aus einem

Troy-Pound (= 373,248 Grm.) Silber von 925/1000 66 Schilling, aus einem

Troy-Pound Feinsilber 71-13/37 Schilling.

[Sidenote: Legirung der Silberarbeiter.]

Was die =Legirung der Silberarbeiter= betrifft, so bestehen in den

meisten Ländern gesetzliche oder usuelle Legirungsverhältnisse, aus

welchen die Silberarbeiten gefertigt werden. Silber von dem

vorgeschriebenen Feingehalt heisst =Probesilber=. Es hält

in Bayern[25], Oesterreich 13 Loth -- Grän = 0,812

" Preussen, Sachsen etc. 12 " -- " = 0,750

" England 14 " 14,4 " = 0,925

{ a. 15 " 3,6 " = 0,950

" Frankreich { b. 12 " 14,4 " = 0,800

[25] Kosten 500 Grm. Feinsilber 52-1/2 fl. s. W., so kosten 500 Grm.

13löthiges Silber (= 0,812) 42,6 fl. (1/32 Pfd. = 1 Loth davon

1,31 fl.).

Seit einiger Zeit findet die sogenannte =Drittel-Silberlegirung=

(_tiers-argent_), angeblich aus 1/3 Silber und 2/3 Nickel, aber

factisch aus 27,56 Proc. Silber und 59 Proc. Kupfer, 9,57 Proc. Zink

und 3,42 Proc. Nickel bestehend, in der Silberarbeiterei Anwendung. Der

Verkaufspreis dieser Legirung ist 90 Frcs. per Kilogr. Die aus

derselben gefertigten Bestecke und Tafelgeschirre lassen nichts zu

wünschen übrig, sie besitzt grössere Härte als Silber und lässt sich

trefflich ciseliren.

[Sidenote: Silberprobe.]

Um den Feingehalt einer Legirung (vorausgesetzt, dass dieselbe nur aus

Silber und Kupfer besteht) kennen zu lernen, wendet man 1) die Probe

auf trockenem Wege, die Kupellation, 2) die Probe auf nassem Wege, die

Titrirmethode, 3) die Hydrostatische Probe an.

[Sidenote: Probe auf trockenem Wege.]

Der =eigentlichen Probe auf trockenem Wege= oder der =Kupellation= geht

eine approximative Bestimmung des Feingehaltes der zu untersuchenden

Probe voran, die darin besteht, dass man mit der Probe einen Strich auf

den Probirstein (Basalt, Kieselschiefer) macht und ebenso mit

Probirnadeln, die aus Legirungen derselben Metalle verfertigt und ihrer

Zusammensetzung nach bekannt sind. Aus der Aehnlichkeit der Farbe der

Striche schliesst man auf die Aehnlichkeit der Legirung; hierbei ist

jedoch der Umstand nicht ausser Acht zu lassen, dass die Oberfläche von

Silberlegirungen durch Ansieden häufig silberreicher gemacht worden

ist. Darauf schmilzt man die Legirung auf einer Kapelle (d. h. einem

kleinen Gefässe, das aus 3/4 ausgelaugter Asche von harten Hölzern und

1/4 gebrannten Knochen angefertigt ist) mit Blei zusammen, und zwar mit

einer um so grösseren Menge desselben, je geringer der Silbergehalt

ist. Zuerst macht man die Kapelle in einer Muffel glühend, bringt dann

das Blei hinein und wenn dieses geschmolzen ist, auch die Silberprobe.

Kupfer und Blei oxydiren sich und ziehen sich in die poröse Masse der

Kapelle. Wenn die Oberfläche des geschmolzenen Silbers oxydfrei

erscheint, so ist die Kupellation beendigt. Nach dem Erkalten wird das

Silberkorn gewogen und daraus der Feingehalt der Legirung berechnet.

Man stellt stets zwei Proben an, die, wenn sie Gültigkeit haben sollen,

bis auf 1/1152 übereinstimmen müssen.

[Sidenote: Probe auf nassem Wege.]

Die =Probe auf nassem Wege= oder die =Titrirmethode= wurde wegen der

Ungenauigkeit der Kupellation auf Veranlassung der französischen

Regierung von =Gay-Lussac= ausfindig gemacht. Sie ist leichter

auszuführen und bis auf 1/2000 = 1/20 Proc. genau. Diese Methode beruht

auf der Eigenschaft des Kochsalzes, das Silber aus seiner

salpetersauren Lösung als Chlorsilber niederzuschlagen. Da man weiss,

dass 5,4274 Grm. Kochsalz genau 1 Grm. Silber aus seiner Lösung fällen,

so kann man bei Anwendung der gewöhnlichen Titrirapparate einen Schluss

auf den Feingehalt der aufgelösten Legirung ziehen.

[Sidenote: Hydrostatische Probe.]

Für diejenigen Fälle, in welchen die Silberproben durch Kupellation und

durch Titriren nicht zulässig sind, wie z. B. bei dem geprägten Gelde,

sucht =Karmarsch= die =hydrostatische= Probe zu substituiren, nach

welcher durch alleinige Bestimmung des spec. Gewichtes einer

Kupfer-Silberlegirung der Feingehalt angegeben wird. Da Kupfer und

Silber beim Legiren sich ausdehnen, eine Legirung aber um so dichter

wird, je mehr sie dem mechanischen Druck unterworfen war, so liegt

darin eine Unsicherheit der Basis der hydrostatischen Silberprobe,

welche die Probe nicht für gegossenes und wenig bearbeitetes, sondern

nur ausschliesslich für geprägtes Silber anwendbar macht. Bei geprägtem

Silber weichen die berechneten Resultate von der Probe durch

Kupellation selten mehr als 3 Grän, d. i. 10,4/1000 ab. Die empirische

Regel der Bestimmung des Silbers nach der hydrostatischen Methode ist

folgende: Man subtrahirt von dem gefundenen spec. Gewichte der Legirung

die Zahl 8,814, hängt dem Reste zwei Nullen an und dividirt diese Zahl,

die jetzt als Ganzes gilt, durch 579. Der Quotient giebt den Feingehalt

in Gränen an. Es sei z. B. das spec. Gewicht einer Legirung = 10,076,

so ist der Feingehalt derselben = 216 Grän oder 0,750, denn:

10,076 - 8,814 = 1,251

und

125100/579 = 216.

[Sidenote: Versilbern.]

[Sidenote: durch Plattiren,]

[Sidenote: durch Feuer,]

[Sidenote: auf kaltem Wege,]

[Sidenote: auf nassem Wege.]

Das =Ueberziehen= von Metallen =mit Silber= oder das =Versilbern= kann

geschehen 1) durch =Plattiren=, 2) durch =Feuer= (Feuerversilberung),

3) =auf kaltem=, 4) =auf nassem= und 5) =auf galvanischem Wege=. Um

Kupferblech mit einer Schicht von feinem Silber zu überziehen

(Plattiren), bringt man auf die sorgfältig gereinigte Oberfläche des

Kupfers eine Auflösung von salpetersaurem Silberoxyd, wodurch eine

dünne Silberschicht entsteht. Auf diese Schicht bringt man eine

Silberplatte, glüht beide und streckt sie dann unter Walzen,

Kupferdraht lässt sich schon übersilbern, indem man auf denselben

Silberblech legt und ihn dann heiss durch cannellirte Walzen gehen

lässt. -- Das =Versilbern im Feuer= geschieht mit Hülfe eines

Silberamalgams oder eines Gemenges von 1 Th. gefälltem Silber, 4 Th.

Salmiak, 4 Th. Kochsalz, 1/4 Th. Quecksilberchlorid, das man auf die

sorgfältig gereinigte Oberfläche des Metalles aufreibt; aus dem

Ueberzuge von Silberamalgam wird das Quecksilber durch Ausglühen

entfernt. Zum Versilbern der Knöpfe empfiehlt man einen Teig von 48 Th.

Kochsalz, 48 Th. Zinkvitriol, 1 Th. Quecksilberchlorid und 2 Th.

Chlorsilber. -- Behufs der =Versilberung auf kaltem Wege= wird die

gereinigte Oberfläche des zu versilbernden Metalles mit einem mit

Wasser angefeuchteten Gemenge von gleichen Theilen Chlorsilber,

Kochsalz, 2/3 Kreide und 2 Th. Potasche mittelst eines Korkes

angerieben, bis die gewünschte Silberfarbe zum Vorschein gekommen ist.

Nach Prof. =Stein= soll man 1 Th. salpetersaures Silberoxyd mit 3 Th.

Cyankalium zusammenreiben und so viel Wasser hinzusetzen, dass ein

dicker Brei entsteht, welchen man mit einem wollenen Lappen rasch und

gleichförmig aufreibt. =Roseleur= und =Lavaux= empfehlen zu gleichem

Zwecke ein Bad aus 100 Th. schwefligsaurem Natrium und 15 Th. irgend

eines Silbersalzes. =Thiede=, Uhrmacher in Berlin, schlug vor, die

Uhrzifferblätter dadurch mit einer schönen, matten, weissen körnigen

Silberschicht zu überziehen, dass man mittelst Kupfer gefälltes Silber

mit einem Gemenge von gleichen Theilen Kochsalz und Weinstein mit den

Fingern auf die Kupfer- und Bronzeplatten einreiht. Um =Eisen zu

versilbern=, muss dasselbe erst mit einer Schicht Kupfer überzogen

werden. Bei der auf =nassem Wege= bewirkten =Versilberung= oder dem

=Silbersud= wird das zu versilbernde Metall in eine siedend heisse

Lösung von gleichen Theilen Weinstein und Kochsalz mit 1/4 Chlorsilber

gebracht, bis die Versilberung hinreichend eingetreten ist. Von der

=galvanischen Versilberung=, welche die jetzt allgemein gebräuchlichere

ist, wird am Ende des Kapitels von den Metallen die Rede sein.

[Sidenote: Schwarzfärben des Silbers.]

Das jetzt gebräuchliche =Schwarzfärben= von silbernen Gegenständen, das

sogenannte =Oxydiren= oder =Galvanisiren= des Silbers wird entweder

durch Schwefel oder durch Chlor bewirkt; ersterer giebt einen

blauschwarzen, letzteres einen braunen Ton. Die Färbung durch Schwefel

wird durch Eintauchen des Gegenstandes in Schwefelkaliumlösung, die

durch Chlor durch Eintauchen in eine Lösung von Kupfervitriol und

Salmiak hervorgebracht.

[Sidenote: Silbernitrat.]

[Sidenote: Zeichentinte.]

Das =Silbernitrat= (Silbersalpeter, Höllenstein) AgNO_{3} wird aus

kupferhaltigem Silber dargestellt, indem man dasselbe in Salpetersäure

löst, die Lösung zur Trockne verdampft und den Rückstand bis zum

vollständigen Zersetzen des salpetersauren Kupferoxydes erhitzt. Die

zurückbleibende Masse wird mit Wasser ausgezogen, filtrirt und zum

Krystallisiren abgedampft; die erhaltenen Krystalle werden geschmolzen

und in Form von Stängelchen gebracht. Man benutzt das Silbernitrat zum

Wegbeizen von Wucherungen in der Chirurgie, in grösster Menge zu

photographischen Zwecken (in Berlin wurden im Jahre 1869 allein mehr

als 115 Ctr. Silber auf Silbernitrat verarbeitet)[26] und endlich zum

Zeichnen der Wäsche. Eine dazu anwendbare =Zeichentinte=

(unauslöschliche Tinte) besteht aus zwei verschiedenen Flüssigkeiten,

wovon die eine, mit welcher man die zu beschreibende Stelle befeuchtet,

aus einer Lösung von Pyrogallussäure in einem Gemisch von Wasser und

Weingeist, die andere, womit man schreibt, aus einer mit etwas

arabischem Gummi versetzten ammoniakalischen Lösung von Silbersalpeter

besteht. (Das Anilinschwarz, auf dem Gewebe mittelst Anilinlösung und

einer Lösung von Kupferchlorid und chlorsaurem Natrium hervorgerufen,

ist als waschächte Zeichentinte sehr zu empfehlen). Das _Sel Clément_,

welches in neuerer Zeit für photographische Zwecke warm empfohlen wird,

ist ein geschmolzenes Gemenge von Silbernitrat mit Natrium- und

Magnesiumnitrat. Es soll vor dem reinen Silbernitrat mancherlei Vorzüge

besitzen.

[26] Nach einer Schätzung ist die Grösse des Silberverbrauches in der

Photographie gegenwärtig (1870) jährlich

in Deutschland 400 Ctr.

" Frankreich 400 "

" England 400 "

" Nordamerika 200 "

---------

1400 Ctr.

im Werthe von 4,200,000 Thalern.

Das Gold.

(Au = 197; spec. Gew. = 19,5-19,6.)

[Sidenote: Gold, Vorkommen und Gewinnung desselben.]

Das Gold findet sich fast nur gediegen und zwar als =Berggold= auf seiner

ursprünglichen Lagerstätte, meist auf Gängen, seltener auf Lagern,

vorzüglich in Gesellschaft von Quarz, Schwefelkies und Brauneisenstein;

dann secundär als =Waschgold= (Goldsand) in Körnern, Blättchen und

abgerundeten Stücken im Sande der Flüsse und im Seifengebirge, dem von

Flüssen aufgeschwemmten lockeren Lande, dessen Hauptmasse aus Thon- und

Quarzsand besteht, zwischen welchen Glimmerblättchen, Gerölle von Syenit,

Chloritschiefer, Körner von Chromeisen und Magneteisen, Spinell, Granat

u. s. w. sich befinden. Im gediegenen Zustande enthält es stets mehr oder

weniger Silber, so das Elektrum, das Palladgold u. s. w.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 33 / 167 题