Freiberger Raffinatsilber nach =Plattner= aus

Silber 71,55

Kupfer 28,01

[Sidenote: Amerikanische Amalgamation.]

Die =amerikanische Amalgamation= ist in Mexico, Peru und Chile üblich.

Die zur Amalgamation bestimmten Silbererze, hauptsächlich

Rothgültigerz, Fahlerz, seltener Chlorsilber und gediegen Silber,

werden trocken gepocht, ohne vorher gewaschen zu werden, und nachher

mit Wasser gemahlen, bis sie einen hohen Grad von Feinheit erlangt

haben, was zum Gelingen der Operation unerlässlich ist. Das gepochte

Erz wird in die Erzmühlen gebracht, unter deren Steinen aus Porphyr

oder Basalt das Mahlen vor sich geht. 6-8 Ctr. Erz brauchen dazu 24

Stunden; die Arbeiter befeuchten das Erz von Zeit zu Zeit, damit es die

Consistenz eines dünnflüssigen Schlammes habe. Der Brei gelangt nun auf

einen mit Steinplatten ausgelegten Hofraum, der etwas abschüssig ist,

damit das Regenwasser abfliessen kann. Nach einigen Tagen setzt man

=Magistral=, d. i. gerösteten und feingeriebenen =Kupferkies=

(FeCuS_{2}) hinzu in der Menge von 1/2-3 Proc., lässt auch diesen durch

Treten einkneten und setzt sodann nach und nach Quecksilber hinzu,

ungefähr das Sechsfache von dem in dem Erz befindlichen Silber (die

=Incorporation=). Das Durchtreten wird einen Tag um den andern 2-5

Monate lang wiederholt, bis die Entsilberung beendigt zu sein scheint,

darauf wird der Quickbrei in ausgemauerten Cisternen verwaschen, um das

Amalgam zu scheiden, welches durch Pressen in Zwillichsäcken vom

überschüssigen Quecksilber befreit und destillirt wird. Die Theorie der

Amalgamation ist folgende: Der Kupferkies wird durch das Rösten in

schwefelsaures Kupferoxyd und schwefelsaures Eisenoxyd übergeführt,

welche beiden Salze sich mit dem Kochsalze zu Kupfer- und Eisenchlorid

und schwefelsaurem Natrium umsetzen. Diese beiden Chloride wirken nun

auf das vorhandene metallische Silber und bilden Chlorsilber, während

sie selbst zu Chlorüren reducirt werden, während das beim

Verwitterungsprocesse gebildete schwefelsaure Silberoxyd direct mit dem

Kochsalze sich umsetzt. Zugleich findet auch eine chlorende Einwirkung

des Kupfer- und Eisenchlorides auf das Schwefelsilber, sowie auf die

übrigen Schwefelmetalle statt. Das Chlorsilber wird vom Kochsalze

aufgelöst und das Silber aus dieser Lösung durch das Quecksilber

ausgeschieden, welches letztere in Quecksilberchlorür übergeht. Das

reducirte Silber wird von nicht verändertem Quecksilber aufgenommen.

Die amerikanische Amalgamation ist mit grossem Zeitaufwande und enormem

Quecksilberverluste (da für jedes Molekül Silber, welches aus dem

Chlorsilber reducirt wird, 1 Molekül Quecksilberchlorür (Hg_{2}Cl_{2})

sich bildet) verbunden, dagegen kann man nach dieser Methode ohne

Brennmaterial und mit geringer Arbeit Erze behandeln, welche so arm

sind, dass die meisten anderen Methoden nicht anwendbar sein würden.

[Sidenote: Augustin's Methode der Silbergewinnung.]

Die älteste hydrometallurgische Silbergewinnungsmethode ist die von

=Augustin= -- die sogenannte =Kochsalzlaugerei= --; dieselbe gründet sich

auf die Bildung eines leicht löslichen Doppelchlorürs, wenn Chlorsilber

mit einer überschüssigen concentrirten Lösung von Kochsalz in der Wärme

zusammengebracht wird, und auf die Fähigkeit des Kupfers, aus der

concentrirten Lösung dieser Verbindung das Silber vollständig

abzuscheiden. Die durch Pochen und Mahlen in ein Mehlpulver verwandelten,

wesentlich aus Schwefelkupfer, Schwefelsilber und Schwefeleisen

bestehenden Kupfersteine werden zuerst =ohne Kochsalz geröstet=, dadurch

bildet sich zuerst Eisensulfat, dann Kupfersulfat und zuletzt bei höherer

Temperatur Silbersulfat, wobei schon alles Eisensulfat und ein grosser

Theil des Kupfersulfats bereits zersetzt ist, sodass das Röstgut nach

Beendigung des Vorröstens aus Eisenoxyd, Kupferoxyd, kleinen Mengen von

Kupfersulfat besteht. Darauf wird durch fortgesetztes =Rösten mit

Kochsalz= das Silbersulfat in Chlorsilber übergeführt. Das Röstgut wird

mit heisser concentrirter Kochsalzlösung ausgezogen, wobei das

Chlorsilber gelöst wird. Aus der Flüssigkeit scheidet man durch

metallisches Kupfer das =Silber= und aus der sich bildenden

kupferchlorürhaltigen Lauge das Kupfer durch Eisen ab.

[Sidenote: Ziervogel's Methode der Silbergewinnung.]

Die =Ziervogel='sche =Silberextractionsmethode= oder die =Wasserlaugerei=

geht anfangs denselben Weg wie die Methode =Augustin='s, trennt sich von

derselben aber insofern, als beim Rösten =kein= Kochsalz zugegeben wird.

Das Röstgut, wesentlich aus Silbersulfat, wenig Kupfersulfat, viel

Kupferoxyd und Eisenoxyd bestehend, wird mit heissem Wasser ausgezogen,

welches das Silber- und das Kupfersulfat auflöst. Aus dieser Lösung wird

das Silber durch metallisches Kupfer niedergeschlagen und als

Nebenprodukt Kupfersulfat erhalten. Im Mansfeld'schen wendet man die

Methode =Ziervogel='s schon seit mehreren Jahren zur Entsilberung der

Kupfersteine an; sie ist weniger complicirt und erfordert, weil das

Auslaugen schneller von statten geht, weniger Röstkosten und Arbeitslohn,

als das Verfahren von =Augustin=, dagegen ist die Röstoperation

schwieriger auszuführen, es werden reichere Steine erfordert und in der

Regel bleiben reichere Rückstände. Bei Gegenwart von Arsen und Antimon

ist =Ziervogel='s Verfahren nicht anwendbar, weil sich beim Rösten

Silberarseniat und Silberantimoniat bilden, die in Wasser unlöslich sind.

Ein Bleigehalt verursacht dagegen leicht Sinterungen, wodurch die Röstung

erschwert wird.

[Sidenote: Andere Methoden der hydrometallurgischen Silbergewinnung.]

=Silberextraction mittelst unterschwefligsauren Natriums und

Chlornatriums.= Nach v. =Hauer='s Vorschlag röstet man die Erze wie

nach der europäischen Amalgamation mit Kochsalz, um das Silber in

Chlorsilber zu verwandeln, und löst letzteres in einer Lösung von

Natriumdithionit (Natriumhyposulfit) auf. Aus der Lösung wird das

Silber durch Kupfer oder Zinn niedergeschlagen. Auch =Patera= schlägt,

veranlasst durch die Unbequemlichkeit, mit welcher die Anwendung einer

heissen concentrirten Kochsalzlösung zur Silberextraction nach

=Augustin='s Verfahren verknüpft ist, ebenfalls Natriumdithionit vor.

Aehnliche Vorschläge sind auch von =Percy= gemacht worden, welcher

ausserdem auf die Anwendbarkeit des Chlorkalkes und Chlors zur

Umwandlung des Silbers in Chlorsilber aufmerksam macht. Schon von

=Rivero= und =Gmelin= wurde vorgeschlagen, die Silbererze nach dem

Rösten mit Kochsalz mit Ammoniakflüssigkeit zu digeriren, aus der

ammoniakalischen Flüssigkeit das Chlorsilber durch Schwefelsäure zu

fällen und durch Schmelzen mit einem Flussmittel zu reduciren.

Erwähnenswerth ist auch die sogenannte =Schwefelsäurelaugerei=, bei

welcher silberhaltige Kupfersteine oder auch Schwarzkupfer mit heisser

verdünnter Schwefelsäure behandelt wird, wobei Kupfersulfat in Lösung

geht, das Silber aber im Rückstande bleibt, welcher durch Verbleien

entsilbert wird.

[Sidenote: Silbergewinnung auf trockenem Wege.]

Die =Extraction des Silbers= aus seinen Erzen =mittelst Blei= beruht:

1) Auf der Eigenschaft des Bleies, Schwefelsilber unter Bildung von

Schwefelblei und Abscheidung von metallischem Silber zu zersetzen:

Ag_{2}S } geben { Ag_{2}Pb_{n}

nPb } { PbS

Andere dem Silber beigemengte Schwefelmetalle, besonders Schwefelkupfer

und Schwefeleisen, werden vom Blei weniger zersetzt. Die Produkte der

Schmelzung sind =silberhaltiges Blei und silberfreier Stein=, aus

Schwefelblei, Schwefelkupfer und Schwefeleisen bestehend. Die

Ausziehung des Silbers durch Blei erfolgt um so vollständiger, je

kupferärmer die Erze sind.

2) Auf der zersetzenden Einwirkung von Bleioxyd und schwefelsaurem

Bleioxyd auf Schwefelsilber, in deren Folge silberhaltiges Blei und

schweflige Säure sich bilden:

Ag_{2}S } geben { Pb_{2}Ag_{2} und Ag_{2}S } geben { PbAg

2PbO } { SO_{2} PbSO_{4} } { 2SO_{2}

3) Auf der reducirenden Einwirkung von Blei auf Silberoxyd oder auf

schwefelsaures Silberoxyd:

2Pb } geben { PbO und 3Pb } geben } PbAg

Ag_{2}O } { Ag_{2}Pb Ag_{2}SO_{4} } } 2PbO

} 2SO_{2}

4) Auf der grösseren Verwandtschaft des Silbers zum Blei als zum

Kupfer. Wird silberhaltiges Kupfer mit Blei zusammengeschmolzen, so

entsteht ein Gemenge von leichtflüssigem silberhaltigem Blei und einer

schwer schmelzbaren Legirung von Kupfer und Blei. Ersteres kann von

letzterem durch Aussaigerung getrennt werden.

[Sidenote: Gewinnung von silberhaltigem Blei (Werkblei).]

Der Bleiarbeit werden =eigentliche Silbererze=, welche geröstete kiesige

Erze, silberhaltige Kupfer- und Bleierze in geröstetem oder ungeröstetem

Zustande, gerösteter silberhaltiger Scherbenkobalt u. s. w. unterworfen.

Das Wesentliche der Bleiarbeit besteht darin, dass man die zu

entsilbernden Substanzen mit geschmolzenem Blei behandelt. Es resultirt

ebenso wie beim Zugutemachen von silberhaltigem Bleiglanz (vgl. Seite 63)

=silberhaltiges Werkblei=.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 32 / 167 题