1) Gewinnung von silberhaltigem Blei;

2) Abscheidung des Silbers aus silberhaltigem Blei:

a) Abtreiben auf dem Treibherde,

b) Concentriren des Silbers im Werkblei (Pattinsoniren),

c) Entsilberung des Werkbleies durch Zink,

d) Feinmachen des Blicksilbers.

[Sidenote: Durch Ausschmelzung.]

1) Das =Ausschmelzen des Silbers= aus den Erzen findet nur selten statt

und kann nur mit Erzen vorgenommen werden, die sehr reich an gediegenem

Silber sind.

[Sidenote: Durch Ausziehen des Silbers mittelst Amalgamation.]

[Sidenote: Europäische Amalgamation.]

2) =Die Gewinnung des Silbers durch Quecksilber= oder der

=Amalgamationsprocess= wird nur bei sehr silberarmen Erzen (aber auch bei

silberhaltigem Kupferstein, bei Speise etc.) angewendet, die ungefähr 100

bis 120 Grm. im Zollcentner enthalten. Das in =Europa= gebräuchlich

gewesene Verfahren[18] ist folgendes, welches in vier Hauptoperationen:

1) in das Rösten, 2) in das Amalgamiren, 3) in die mechanische Scheidung

des Silberamalgams vom überschüssigen Quecksilber und 4) in die

Verflüchtigung des Quecksilbers aus dem Silberamalgam zerfällt. Man setzt

zu den zu amalgamirenden Erzen 10 Proc. Kochsalz und röstet das Gemenge,

um Antimon und Arsen zu verflüchtigen, welche im oxydirten Zustande in

besonderen Räumen aufgefangen werden. Durch die gegenseitige Einwirkung

des Kochsalzes und gerösteten Schwefelkieses, aus welchem durch das

Rösten schwefelsaures Eisenoxyd geworden, entstehen schwefelsaures

Natrium, Eisenchlorid und entweichende schweflige Säure. Das Eisenchlorid

giebt sein Chlor an das Silber ab und bleibt als Eisenoxyd zurück. Ferner

haben sich gebildet schwefelsaures Kupferoxyd, schwefelsaures Eisenoxyd,

welche den noch unveränderten Theil des Schwefelsilbers zu schwefelsaurem

Silberoxyd oxydiren, während sie selbst zu Oxydulsalzen reducirt werden.

Durch die Einwirkung des noch unveränderten Kochsalzes bildet sich

Chlorsilber und schwefelsaures Natrium. Die übrigen vorhandenen Metalle

werden ebenso wie das Silber in Chlormetalle verwandelt. Die braune Masse

wird nach beendigtem Rösten gemahlen und auf die =Amalgamirfässer=

gebracht, in denen sie mit Wasser, Eisenstückchen und Quecksilber gemengt

16-18 Stunden lang herumgedreht wird, indem die Fässer in jeder Minute

sich 20-22 Mal um ihre Axe drehen. Durch das Eisen werden alle

vorhandenen Metalle regulinisch ausgeschieden, während sich das frei

gewordene Chlor mit dem Eisen zu Eisenchlorür verbindet. Die reducirten

Metalle verbinden sich mit dem Quecksilber zu =Amalgam=.

[18] In Freiberg trat 1858 die nasse Silbergewinnung durch Auslaugen

nach =Augustin= an die Stelle der bis dahin üblichen Amalgamation.

Zur Verdeutlichung des Wesens des Amalgamationsverfahrens nehmen wir

an, es solle aus einem Silbererz, bestehend aus:

(Cu_{2}S, AgS, FeS) + (As_{2}S_{3}, Sb_{2}S_{3})

nach dieser Methode das Silber ausgeschieden werden[19]. Nach dem

Rösten (das bei dem vorliegenden Beispiele in Aufnahme von 30 Mol.

Sauerstoff besteht) mit Kochsalz (ClNa) haben sich folgende Körper

gebildet:

[(Cu_{2}Cl_{2}, AgCl, FeCl_{2}) + 3Na_{2}SO_{4}] +

zurückbleibende Körper [As_{2}O_{3} + Sb_{2}O_{3} + 6SO_{2}]

sich verflüchtigende Körper.

In den Amalgamirfässern verwandeln sich unter Mitwirkung des Eisens,

Quecksilbers und Wassers die zurückbleibenden Körper in:

(Cu_{2}Cl_{2}, AgCl, FeCl_{2}) + 3Na_{2}SO_{4} + 3Fe + nHg =

3Na_{2}SO_{4}+ (Cu, Ag, nHg) + 4FeCl_{2}).

Amalgam.

[19] Bei diesem Beispiele ist auf die zugleich sich bildenden

flüchtigen Chlorverbindungen (Chlorschwefel, Arsenchlorid,

Antimonchlorid etc.) keine Rücksicht genommen worden. Wer

ausführliche Belehrung über den Vorgang bei der obigen Röstung

sucht, den verweise ich auf das Werk von =B. Kerl=, Metallurg.

Hüttenkunde, 1861: Bd. I. pag. 65; 1865: Bd. III. 1. Abtheil. p.

217.

[Illustration: Fig. 54.]

Nach beendigtem Rotiren sammelt sich das Amalgam am unteren Theile der

Fässer an und wird durch den nach unten gerichteten Spund abgelassen. Das

ablaufende Amalgam fliesst durch einen zwillichen Sack in steinerne

Tröge, das Silberamalgam concentrirt sich in dem Sacke, während das

flüssige Quecksilber abläuft. =Zur Trennung des überschüssigen

Quecksilbers vom Silberamalgam= wird der Sack darauf zugeschnürt und

zwischen Brettern ausgepresst. Das in dem Sacke zurückbleibende feste

Amalgam[20] wird zum Ausglühen auf eiserne Teller _b b_ (Fig. 54)

gebracht, welche in der Mitte einen hohlen Dorn haben, sodass ein Teller

auf den anderen gesetzt werden kann. Der unterste Teller _b_ ist auf

einer eisernen Stange _c_ befestigt, die in der Mitte eines mit Wasser

angefüllten Kastens _d_ steht, das Ganze wird mit einer eisernen Glocke

_e_ bedeckt, sodass der innere Raum luftdicht abgesperrt ist. Durch ein

ausserhalb der Glocke befindliches Kohlenfeuer wird das Quecksilber aus

dem Amalgam dampfförmig ausgetrieben, das, keinen Ausweg findend, in dem

Wasser des Kastens _d_ sich condensirt. Das Silber bleibt nebst den

anderen in dem Amalgam enthaltenen Metallen auf den eisernen Tellern

zurück. Durch die Vorrichtung _g_ kann die Glocke aufgezogen und

niedergelassen werden. Es heisst in diesem Zustande =Tellersilber=

(Anquicksilber, Amalgamirmetall)[21]. Jetzt benutzt man gewöhnlich zur

Trennung des Silbers vom Quecksilber einen Apparat, welcher aus einer

weiten gusseisernen, in einem Ofen befindlichen Röhre besteht, an deren

einem Ende eine rechtwinkelig nach abwärts gebogene Röhre befestigt ist,

während sie an dem anderen Ende luftdicht verschliessbar ist und mit dem

Amalgam beschickt wird. Das nach abwärts gebogene Rohr führt unter

Wasser, in welchem sich das condensirte Quecksilber absetzt. In der

neueren Zeit hat man die Benutzung gespannter Wasserdämpfe zur

Destillation des Quecksilbers aus dem Amalgam empfohlen. Um es von dem

grössten Theile der fremden Metalle zu befreien, wird das Tellersilber in

Graphittiegeln, mit Kohlenpulver bestreut, noch einmal umgeschmolzen.

Selbst nach dem Umschmelzen (=Raffinatsilber=) enthält es aber noch 3-5

Loth Kupfer auf die Mark, von welchem es durch =Abtreiben= oder durch

Affiniren befreit wird.

[20] Das feste Silberamalgam besteht nach =Kersten= aus

Silber 11,0

Quecksilber 84,2

Kupfer 3,5

Blei 0,1

Zink 0,2

[21] Freiberger Tellersilber bestand nach =Lampadius= aus

Silber 75,0

Quecksilber 0,7

Kupfer 21,2

Blei 1,5

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 31 / 167 题