Das Haus Wasa und der Sieg der Gegenreformation.
Hatte die zweite freie Wahl nur zu einer Doppelwahl geführt,
so brachte die dritte bereits den Bürgerkrieg. Die Zborowskis
erhoben nach Stephan Báthorys Tode ihr Haupt. Sie bildeten eine
_Generalkonföderation_, die namentlich gegen Johann Zamojski, Stephans
Helfer und Berater, gerichtet war. Ihre Partei wählte den Erzherzog
Maximilian, die Zamojskis, die infolge des Zborowskischen Übermutes
bald aus der Minderheit in die Mehrheit kamen, den Sohn König Johann
Wasas von Schweden und der Tochter Siegmund Augusts (Katharina), den
Jesuitenzögling _Siegmund_ III. (1587-1632). Es kam nun darauf an, wer
den Vorsprung gewann. Maximilian zog mit 11000 Mann gegen Krakau, wurde
aber von Zamojski geschlagen und gefangen genommen, so daß Siegmund
allgemeine Anerkennung fand.
Drei Könige aus dem Hause Wasa haben während eines Jahrhunderts
auf dem polnischen Thron gesessen. Glück haben sie dem Lande
nicht gebracht. Namentlich des ersten bigotter phantastischer
Katholizismus, seine auswärtigen, mit dem Interesse Polens durchaus
nicht zusammenfallenden Sonderinteressen, die seinen absolutistische
Neigungen gepaarte Unfähigkeit zum Herrscherberuf beförderten die
Anarchie in einem Lande, das angesichts seiner Verfassung Männer
vom Schlage Stephan Báthorys gebraucht hätte. Große und glänzende
Gelegenheiten, Polen die von Stephan Báthory angebahnte Vorherrschaft
in Osteuropa endgültig zu sichern, boten sich. Daß sie nicht gehörig
ausgenutzt wurden, war ebensosehr Schuld des die engherzigsten
jesuitischen Pläne verfechtenden Königs wie des jeden Weitblickes und
jeder Opferwilligkeit entbehrenden Reichstages.
Wie Rom seine Wahl gegenüber der doch auch katholischen Kandidatur
des Erzherzogs förderte, weil es durch ihn Schweden zurückzugewinnen
hoffte, so trug es auch kein Bedenken, ihn, als er 1594 in Schweden
gekrönt wurde, eine Erklärung unterschreiben zu lassen, welche
die Katholiken in Schweden von allen Ämtern ausschloß. Er war ja
geneigt, dieselbe Bestimmung in Polen gegenüber den Dissidenten und
Orthodoxen durchzuführen, und Schweden sollte nachher auch an die
Reihe kommen! Durch die Aussicht auf Estland aber hatte man Polen,
dessen Interessen eher auf einen gemeinsamen Kampf mit Schweden gegen
Moskau hinwiesen, mit den dynastischen Interessen des Königs und mit
den Plänen Roms verknüpft.
Zu Österreich, dessen Prinzen er bei der Wahl ausgestochen, trat
Siegmund durchaus nicht, wie man hätte erwarten müssen, in ein
gespanntes Verhältnis. Er verband sich nicht nur durch Heirat zweimal
dem Erzhause, sondern war sogar 1589 bereit, die polnische Krone an
Erzherzog Ernst abzutreten, wenn dieser keine Ansprüche auf Estland
geltend machen wolle. Dieser in der jesuitischen Hofpolitik seine
Erklärung findende Plan kam zwar zu früh ans Tageslicht und brachte
den König 1592 vor dem deswegen so genannten Inquisitionsreichstag zu
Warschau in eine peinliche Lage. Er hinderte ihn aber nicht, Österreich
wider den Willen des Reichstages in seinen Türkennöten beizustehen
und die Angriffe auf Polen hinzulenken, sooft seine Beichtväter es
verlangten.
Dissidenten wie Orthodoxe hat er mit Hilfe des jetzt schon jesuitisch
erzogenen Adels in gleicher Weise unterdrückt (es z. B. 1606 und 1614
zugelassen, daß die Posener Jesuitenschüler zweimal die lutherische
Kirche niederbrannten) und in gleicher Weise dem Staate verfeindet. Bei
der Ämterbesetzung wurden sie systematisch übergangen. Dabei bot sich
eine günstige Gelegenheit, die Orthodoxen mit Rom zu unieren, nachdem
die Florentiner Union infolge der Intoleranz der römisch-katholischen
Geistlichkeit und infolge der Propaganda Iwans III. zu Anfang des
Jahrhunderts auch in Kleinrußland und Litauen verfallen war. Das
Bestreben, die griechische Kirche organisatorisch, geistig und
moralisch auf die Höhe der römischen zu heben, machte sowohl die Führer
der Geistlichkeit als auch die hervorragendsten Laien einer neuen
Union geneigt. Dazu kam als Warnung, daß Boris Godunow 1589, um die
russischen Popen für sich zu gewinnen, ein eigenes, von Konstantinopel
unabhängiges russisches Patriarchat in Moskau gegründet hatte, das
natürlich ganz in der Gewalt des Zaren war. Unmittelbarer Anstoß
wurde, daß der Patriarch von Konstantinopel sich alle Amtshandlungen
von der orthodoxen Geistlichkeit Polens ungebührlich teuer bezahlen
ließ.
Unter Führung des Metropoliten Michael Rahoza von Kijew und des Fürsten
Wassilij Ostrogski wurden 1595 auf einer _Synode zu Brześć Litewski_
die Unionsbedingungen vereinbart: Beibehaltung der Liturgie, des
Ritus, der slawischen Kirchensprache, Einführung des gregorianischen
Kalenders, Aufnahme der Bischöfe in den Senat. Die Bischöfe von
Łuck und Wladimir wurden nach Rom geschickt, wo Klemens VIII. die
Bedingungen annahm. Als aber eine neue Synode zu Brześć im nächsten
Jahre den Anschluß vollziehen sollte, da hatte jesuitischer Eifer,
der keine Sonderstellung wollte, und der Eigennutz und Hochmut der
römischen Prälaten, die sich der Aufnahme der griechischen Bischöfe
in den Senat widersetzten, alles verdorben. Es bildeten sich zwei
Parteien, die sich gegenseitig bannten. Ein Teil nahm die Union an,
der andere, mit Ostrogski und den Bischöfen von Lemberg und Przemyśl,
verharrte im Schisma. Der Druck, ja die offene Feindseligkeit gegenüber
den Schismatikern wurde so stark, daß die Kosaken, die schon zwischen
1592 und 1596 blutige, mühsam unterdrückte Aufstände verursacht hatten,
sich wieder erhoben. Mit den in gleicher Weise, namentlich durch
fanatisierte Schüler der Jesuitenkollegien verfolgten Dissidenten
schlossen die Orthodoxen zum gemeinsamen Schutze ihrer Rechte und
Freiheiten 1599 eine _Konföderation zu Wilna_. Zur übermäßigen
Einschränkung der königlichen Gewalt, zur Knechtung der Bauern und
Bedrückung der Städte trat hiermit der vierte Faktor, der Polens
wirtschaftlichen und politischen Untergang beförderte.
Es konnte nicht ausbleiben, daß die _Schweden_ einen ständig in der
Ferne weilenden und dem Protestantismus abholden König nicht ertrugen.
Unter seinem Onkel, dem Regenten Karl, Herzog von Sudermanland, wurde
die königliche Partei zurückgedrängt. Die Polen weigerten sich,
in diese Privatangelegenheiten des Königs einzugreifen. Erst als
Siegmund einen schwedischen Einfall in Livland herbeizuführen wußte,
entschlossen sie sich 1601 zum Kriege, der, nur durch Waffenstillstände
unterbrochen, sechzig Jahre diese natürlichen Bundesgenossen in
Anspruch nahm und Moskau Gelegenheit gab, von neuem zu erstarken. Der
Herzog wurde 1604 als Karl IX. zum Könige gekrönt, und wenn ihn auch
1605 Chodkiewicz zu Kirchholm schlug und Livland wiedergewann, so
hinderten innere Unruhen eine weitere Ausnutzung dieses Sieges.
Auch Aussichten, die sich in _Rußland_ boten, wurden durch diese
Unruhen in Frage gestellt.
In Rußland war nach des Zaren Feodor I. Tode 1598 dessen Schwager,
der Tatare Boris Godunow, auf den Thron gelangt, nachdem er schon
vorher (1591) den rechtmäßigen Thronfolger, des Zaren Bruder Dmitrij
Iwanowitsch, ermordet hatte. Seine starke Herrschaft verfeindete
ihm die Bojaren, seine Begünstigung fremder Wissenschaften die
Geistlichkeit, seine Beschränkung der Freizügigkeit die Bauern. Da
tauchte 1603 am Hofe des Fürsten Adam Wiśniowiecki ein entlaufener
Basilianermönch, Grischka Otrepjew, auf, der sich für den wunderbar
geretteten _Dmitrij Iwanowitsch_ ausgab. Dem König und den Jesuiten
erschien er als geeignetes Werkzeug für russische Pläne. Sie
heuchelten Glauben an seine Herkunft und gestatteten, daß er 1604 mit
Unterstützung einiger Magnaten und der Kosaken in Rußland einbrach.
Er siegte zunächst bei Nowgorod Sjewersk, wurde dann geschlagen,
gelangte aber infolge des plötzlichen Todes Boris Godunows dennoch
auf den Thron (1605). Der Betrüger mußte sich auf Polen stützen. Er
heiratete Maryna Mniszech, die Tochter des Wojewoden von Sandomir, er
konnte großen Nutzen bringen.
Da brach 1605 der _Zebrzydowskische Aufstand_ aus, in dem sich die
allgemeine Unzufriedenheit gegen Siegmund Luft machte. Bei Sandomir
sammelten sich 100000 Edelleute zu einer Konföderation. Sie wählten
Janusz Radziwill zu ihrem Marschall, den Krakauer Kastellan Nikolaus
Zebrzydowski zu ihrem Hetman, ganz wie bei einem Interregnum,
und faßten ihre Beschwerden in 67 Artikel zusammen, die ebenso
viele Anklagen auf Verletzung der bestehenden Verfassung waren.
Der König sammelte seine Partei, namentlich viele Senatoren, in
Wiślica und ließ 13 Gegenartikel aufsetzen, die den Konföderierten
als Verhandlungsgrundlage vorgeschlagen wurden. Da man zu keinem
Einvernehmen kam und die meisten Unzufriedenen sich verliefen, fiel der
König mit 20000 Mann über die zurückbleibenden 6000 her und besiegte
sie mit leichter Mühe. Sie erklärten sich nun einverstanden, die
Angelegenheit dem Reichstage von 1606 vorzulegen. Als der Reichstag die
Sandomirer Artikel verwarf, sammelten sich die Aufrührer von neuem,
erlitten aber 1607 bei Radom eine entscheidende Niederlage, die den
Aufstand beendigte und den König zum Herren der Situation machte.
Noch einmal bot sich die Gelegenheit, in _Rußlands_ Geschicke
einzugreifen, denn der _falsche Dmitrij_ wurde schon 1606 getötet
und der Fürst _Wassilij Schujski_ wurde zum Zaren gewählt. Vor den
falschen Prätendenten, die sich erhoben, vermochte Schujski sich nicht
zu halten, zumal ein zweiter falscher Dmitrij wieder von den Polen
unterstützt wurde. Schujski suchte Anschluß an Schweden, was Siegmund
zum Anlaß nahm, selbst als Thronbewerber aufzutreten und Schujski
den Krieg zu erklären. Wider den Rat des Hetmans Żółkiewski legte
der König sich vor Smolensk fest, das von 1609-1611 seinen Angriffen
widerstand, anstatt gleich das ganze Land in seine Gewalt zu bringen.
Erst 1610, nach einem Siege über ein russisch-schwedisches Ersatzheer
bei Kluschyn, gelangte Żółkiewski nach Moskau, wo die Bojaren sich zum
Thronrat versammelt hatten und Schujski absetzten. Żółkiewski setzte
die Wahl Władysławs, des Sohnes Siegmunds, durch. Władysław sollte sich
verpflichten, die griechische Kirche und die Privilegien der Bojaren
zu schützen, ihnen das Privileg „$Neminem captivabimus$” zu gewähren
und mit Polen ein Bündnis zu schließen. Aber Siegmund, der den Jesuiten
sicherer schien als sein Sohn, nahm die Krone für sich in Anspruch, gab
der Bojarendeputation einen abschlägigen Bescheid, hielt die Belagerung
von Smolensk aufrecht und berief Żółkiewski von Moskau ab.
Der Widerwille gegen Siegmunds Kandidatur und die Erbitterung über
den Übermut der polnischen Besatzung in Moskau riefen jenen berühmten
Aufstand hervor, der 1613 _Michael Feodorowitsch Romanow_ auf den
Zarenthron brachte. Jetzt, wo es zu spät war, wurde Chodkiewicz, und
obendrein mit zu geringer Truppenzahl gegen Moskau geschickt; er wurde
geschlagen. Militärkonföderationen der auf ihren Sold wartenden Truppen
legten die weitere Kriegsführung lahm. Erst 1617 wurde der Kampf wieder
aufgenommen, diesmal für Władysław, der vorher auf Smolensk und eine
Reihe russischer Gebiete zugunsten Polens hatte verzichten müssen. Die
Kosaken unter _Peter Konaszewicz_ stießen zu ihm. Aber nachdem ein
Sturm auf Moskau gescheitert war, kam auf Wunsch des Königs und des
Reichstages 1618 zu Deulino bei Moskau ein 16jähriger Waffenstillstand
zustande, der Polen im Besitz von Smolensk, Nowgorod Sjewerskij,
Dorogobush und Tschernigow beließ.
Beim nächsten Zusammenstoß war Rußland bereits wieder ein
ebenbürtiger Gegner, das folgende Mal erwies es sich schon als
überlegen und zwar endgültig. Was Stephan Báthory weitschauend
angebahnt hatte, das war durch Siegmund kleinlich vertan.
Inzwischen war Karl IX. gestorben und sein großer Sohn Gustav Adolf
hatte 1611 den Thron bestiegen. Er begann den _Krieg_ gegen Polen von
neuem (1617-1629), um Siegmund zur Thronentsagung in _Schweden_ zu
zwingen und seinen ewigen Umtrieben ein Ende zu machen. Er eroberte den
größten Teil von Livland, dann Kurland und 1626 auch Polnisch-Preußen,
bis auf Danzig und Thorn. Wieder weigerte sich der Reichstag, den
königlichen Privatinteressen Opfer zu bringen, und erst als Wrangel
die Polen bei Gorzno (in der Nähe von Strasburg) geschlagen hatte und
Thorn bedrohte, bewilligte er Mittel. Nun wurden die gerade damals zur
Entlassung gekommenen Wallensteinschen Söldner geworben, mit denen
Stanisław Koniecpolski Gustav Adolf in der Nähe von Marienwerder
schlug. Durch Vermittelung der Westmächte, die Gustav Adolf gegen
den Kaiser verwenden wollten, kam ein sechsjähriger Waffenstillstand
zu Altmark bei Stuhm zustande, kraft dessen der Schwede seine
livländischen Eroberungen und die preußischen Seestädte behielt.
In den Beginn dieses zweiten Schwedischen Krieges, 1618, fällt auch
der Tod _Herzog Albrecht Friedrichs_ von Preußen und die Nachfolge des
_Kurfürsten Johann Sigismund_ im Herzogtum, die Siegmund unter anderen
Umständen sicher nicht ruhig hätte hingehen lassen.
Der Dreißigjährige Krieg griff nicht nur mit der Werbung der
Wallensteiner und mit dem Altmärker Waffenstillstand in Polens
Schicksale hinein, sondern, da Siegmund natürlich die katholische,
kaiserliche Partei hielt, fiel ihm auf Anstiften Bethlen Gábors und
Frankreichs der Türke ins Land. 80000 _Türken_ und Tataren unter
Skinder-Pascha brachen 1620 gegen Polen auf. Zółkiewski rückte ihnen
mit geringen Streitkräften in die Moldau entgegen. In einem befestigten
Lager zu Cecora am Pruth hielt er lange den Feinden stand. Schließlich
mußten die Polen sich aber zurückziehen und wurden auf dem Rückzuge
aufgerieben. Im nächsten Jahre schickte Osman ein aus 300000 Mann
geschätztes Heer aus, denen 65000 Polen unter Karl Chodkiewicz,
Stanisław Łubomirski und dem Sohn des Königs sowie 30000 Kosaken unter
ihrem Hetman Peter Konaszewicz gegenüberstanden. Bei Chotin (Chocim)
am Dnjestr, in der Nähe von Kamjenjez Podolski verschanzten sie sich
und wehrten einen Monat lang den türkischen Sturm ab. Schon waren
sie der Übergabe nahe, als die Türken Frieden anboten. Der König
verpflichtete sich, die Kosaken von Einfällen ins türkische Gebiet
abzuhalten, während der Sultan umgekehrt bezüglich der Tataren das
gleiche versprach. Peter Konaszewicz freilich -- die Kosakeneinfälle
hatten dem Sultan überhaupt den Vorwand zum Kriege gegeben -- unternahm
alsbald wieder einen Raubzug, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Die
Gelegenheit, bei einem Thronwechsel seinen Kandidaten auf den Stuhl der
krimschen Khane zu bringen, benutzte Siegmund nicht richtig, wie alle
anderen Gelegenheiten.
Als er 1632 starb, hatte er noch nicht einmal die Nachfolge seines
Sohnes durchgesetzt.
Trotzdem ging die Wahl _Władysławs_ IV. (1632 bis 1648) ohne
Schwierigkeiten vor sich. Er war in Polen erzogen worden, hatte sich
in manchen Feldzügen hervorgetan und war so beliebt, daß nicht einmal
eine Gegenkandidatur aufgestellt wurde. Außerdem hatte der _Zar
Michael Feodorowitsch_ gemeinsam mit dem Pascha Abasi von Widdin schon
während des Interregnums von neuem den _Krieg gegen Polen_ begonnen
(1632-1634), so daß die Wahl schnell erfolgen mußte. Die russischen
Feldherrn Scheïn und Ismailow eroberten 23 Städte, darunter Dorogobush
und Nowgorod Sjewerskij, und belagerten Smolensk acht Monate lang.
Erst 1633 rückte der König zum Ersatz heran. Er konnte die geschwächten
Russen abschneiden und zwang sie, gegen freien Abzug die Waffen zu
strecken. Da er aber vor Bjelaja scheiterte, kam in _Poljanowka_ ein
Friede zustande, in dem Władysław auf seine Thronansprüche verzichtete,
Michael aber den Waffenstillstand von Deulino anerkannte und 20000
Rubel zahlte. Abasi-Paschas und der von ihm aufgehetzten Tataren wurde
Koniecpolski in der Moldau und am Dnjestr Herr (1633).
Władysław verfolgte in allen Punkten eine der väterlichen
entgegengesetzte Politik, nur die Ansprüche auf die schwedische Krone
hielt er aufrecht. Doch blieben auch seine Bemühungen ohne Erfolg,
da der Reichstag von seiner bekannten Stellungnahme nicht abwich und
sogar gegen den Willen des Königs Bevollmächtigte ernannte, die 1635
mit Schweden einen neuen sechsundzwanzigjährigen Waffenstillstand zu
Stuhmsdorf abschlossen, die preußischen Küstenstädte wiedergewannen,
aber in Livland den $Status quo$ anerkannten.
In seinen _$Pacta conventa$_ hatte sich Władysław noch weitere
Einschränkungen gefallen lassen müssen als seine Vorgänger. Er
durfte keine Soldtruppen aus eigenen Mitteln halten (was jeder
Edelmann durfte), keine Kriege auf eigene Faust führen, mußte
auf die Steuer von zwei Groschen von der Hufe verzichten, zum
Krieg gegen Moskau die Hälfte statt ein Viertel seiner Einkünfte
hergeben, sich zum Bau einer Flotte auf der Ostsee (eine Folge der
Schwedenkriege) und zur Achtung des Religionsfriedens verpflichten.
Später mußte er sich durch verschiedene Konstitutionen noch weitere
Beschränkungen gefallen lassen: nicht ins Ausland zu reisen ohne
Genehmigung des Reichstages, Erhöhung der Zahl der „residierenden”
Senatoren von sechzehn auf achtundzwanzig u. a. Auch eine
_Verschlechterung der Verfassung_ wurde 1635 eingeführt, daß nämlich
die auf den Reichstagen beschlossenen Auflagen erst noch durch die
Relationslandtage genehmigt werden mußten.
Zum Bau einer Flotte kam es nicht, da Danzig, das neben seiner Flotte
keine andere dulden wollte, sich erfolgreich widersetzte. Dagegen
wurde bereits auf dem Krönungsreichstag von 1633 ein _Abkommen mit
den Nichtunierten_ über die Bistümer getroffen, ohne daß freilich die
Streitigkeiten hierdurch beigelegt wurden. Der König, der durchaus
kein Freund der Jesuiten war und die Gründung einer jesuitischen
Akademie in Krakau beim Papst rückgängig zu machen suchte, ließ sogar
den Rücktritt von der Union zur Orthodoxie zu. 1646 veranstalte er in
Thorn ein „$Colloquium charitativum$”, ein _Religionsgespräch_ mit
den Dissidenten, die er gern durch friedliche Verständigung wieder
zur katholischen Kirche zurückgeführt hätte. Einen Erfolg hatte diese
Veranstaltung natürlich nicht, und auch dem fanatischen Treiben der
Jesuitenschüler vermochte der König keinen Einhalt zu tun.
Überhaupt schlugen alle seine Bestrebungen auf Stärkung der
Zentralgewalt und auf Niederdrückung der Jesuiten, die hinter den
Kulissen alles lenkten, fehl. Er mußte noch erleben, daß die durch
diesen Orden begünstigte Politik der Magnaten in Kleinrußland zu dem
großen Kosakenaufstand des Bohdan Chmielnicki führte, der für Polen
wiederum ein Wendepunkt wurde. Auf dem Wege nach dem Kampfplatz
verschied er, 52 Jahre alt, zu Merecz am Njemen. Das Ansehen und
Vertrauen, das er bei den Kosaken genoß, fehlte dem Staate in den nun
folgenden schweren Jahren sehr.