Annähernd wäre der erzeugte Luftwiderstand

G = 0,13 × F × v^2 × sin [alpha], und

v = [sqrt](G/(F × 0,13 × sin [alpha])),

wobei die Arbeit G × c = G × v × sin [alpha] oder

G × c = G × [sqrt](G/(F × 0,13)) × [sqrt](sin [alpha]) wäre.

Je kleiner also [alpha] ist, je schneller also geflogen wird, desto

kleiner wird auch [sqrt](sin [alpha]) sein, und desto geringer wäre auch

die aufzuwendende Arbeit; man hätte nur nötig, genügend schnell zu

fliegen, und könnte dadurch die Fliegarbeit beliebig verkleinern.

In Wirklichkeit läßt sich dieser Satz nicht aufrecht halten, weil eine

etwa vorhandene Anfangsgeschwindigkeit des Vogels bald aufgezehrt werden

würde durch die hemmende Komponente des Luftwiderstandes unter den

Flügeln, selbst wenn man von dem Widerstand des Vogelkörpers ganz

absieht.

[Illustration: Fig. 20.

Fig. 21.]

Um dennoch die Vorwärtsgeschwindigkeit des Vogels zu unterhalten, könnte

z. B. das Flügelheben unter schräger Stellung verwendet werden, wie auch

wir bei unseren Versuchen verfuhren. Aus letzterem ergäbe sich aber eine

herabdrückende Wirkung, und für diese müßte der Niederschlag der Flügel

aufkommen.

Statt dessen kann man sich aber auch anderseits vorstellen, der Flügel

wäre beim Abwärtsschlagen nicht horizontal gerichtet, sondern, wie in

Fig. 21, nach vorn etwas geneigt und zwar so, daß die Mittelkraft des

entstandenen Luftwiderstandes genau senkrecht oder noch wenig nach vorn

geneigt steht, um den Widerstand des Vogelkörpers mit zu überwinden. An

dem auf diese Weise thätigen Flugapparate könnte ein Gleichgewicht der

Bewegung bestehen und die Vorwärtsgeschwindigkeit aufrecht erhalten

bleiben.

Der Einfluß eines solchen Vorwärtsfliegens mit ebenen Flügeln auf die

Größe der Flugarbeit läßt sich nun in folgender Weise bestimmen.

Es soll diese Arbeit beim Vorwärtsfliegen ins Verhältnis gestellt werden

zu derjenigen Arbeit, welche ohne Vorwärtsfliegen nötig ist, und zwar

sei diese letztere Arbeit mit A bezeichnet.

Der einfacheren Vorstellung halber sei angenommen, daß die Flügel in

allen Punkten gleiche Geschwindigkeit haben, die Flügel also in allen

Lagen parallel mit sich bleiben und die Verteilung des Luftwiderstandes

auf die Fläche daher gleichmäßig erfolgt.

In Fig. 22 ist der Flügelquerschnitt AB so gegen den Horizont geneigt,

daß die z. B. unter 23° mit der absoluten Geschwindigkeit OD bewegte

Fläche einen lotrecht gerichteten Luftwiderstand OC giebt. Die

Flächenneigung gegen den Horizont beträgt dann nach dem Diagramm Tafel I

Fig. 1 und Fig. 2 etwa 6°.

[Illustration: Fig. 22.]

Um nun einen Luftwiderstand von bestimmter Größe, z. B. gleich dem

Vogelgewichte G zu erhalten, muß die absolute Geschwindigkeit größer

sein, als wenn die Flugfläche senkrecht zu ihrer Richtung bewegt würde

und dabei derselbe Widerstand entstehen sollte.

Aus der Tafel VII ergiebt sich, daß für 23° Neigung der Luftwiderstand

0,45 des Widerstandes für 90° ist. Für 23° Neigung müßte daher die

absolute Geschwindigkeit um den Faktor: 1/[sqrt]0,45 größer sein, als

bei 90°. Dies wäre dann die Geschwindigkeit OD. Für die Arbeitsleistung

kommt aber nur die Geschwindigkeit OE in Betracht und diese ist gleich

OD × sin 29°, mithin: 1/[sqrt]0,45 × sin 29° = 0,72 von der

Geschwindigkeit, mit welcher die Fläche bei normaler Bewegung den

Luftwiderstand G erzeugte.

Die in diesem Falle zu leistende Arbeit ist demnach 0,72A und es wäre

hier durch Vorwärtsfliegen etwa ¼ der Arbeit gespart gegenüber dem

Fliegen auf der Stelle. Die Fluggeschwindigkeit würde dann ungefähr

doppelt so groß sein als die Abwärtsgeschwindigkeit der Flügel, weil ED

ungefähr doppelt so groß als OE ist.

Von dem hierbei resultierenden Nutzen geht aber wiederum noch ein Teil

dadurch verloren, daß der Widerstand des Vogelkörpers nach der

Bewegungsrichtung mit überwunden werden muß.

Der hier herausgegriffene Fall ist aber der günstigste, welcher

entstehen kann; denn wenn die Flügel unter anderen Neigungen bewegt

werden, also langsamer oder schneller geflogen wird, so ergiebt sich ein

noch weniger günstiges Resultat für die aufzuwendende Arbeit. Die

Verhältnisse zu der Arbeit A sind auf Tafel I in Fig. 2 bei einigen

Winkeln angegeben. Der Minimalwert bei 23° ist unterstrichen.

Man sieht, daß das Vorwärtsfliegen mit ebenen Flächen kaum einen

nennenswerten Vorteil zur Kraftersparnis gewährt; denn wenn vorher 1,5

HP zum Fliegen für den Menschen nötig war, bleibt jetzt immer noch über

1 HP übrig als das Äußerste, was sich theoretisch erreichen läßt.

Hieraus geht aber auch gleichzeitig hervor, daß dem Fliegen mit ebenen

Flügeln dieser große Nachteil deshalb anhaftet, weil der Luftwiderstand

bei schräger Bewegung nicht senkrecht zur Fläche steht, und daß deshalb

keine Möglichkeit denkbar ist, daß bei ebenen Flächen, sei die Bewegung

wie sie wolle, jemals eine größere Arbeitsersparnis nachgewiesen werden

könnte.

Wenn dessenungeachtet vielfach unternommen wird, durch eigentümliche

Bewegungen mit ebenen Flügeln, wofür es in der flugtechnischen

Litteratur an Kunstausdrücken nicht fehlt, große Vorteile beim Fliegen

herauszurechnen und gar das Segeln der Vögel darauf zurückzuführen, so

kann dieses nur auf Grund falscher Voraussetzungen geschehen oder auf im

Eifer entstandene Trugschlüsse hinauslaufen, die in den flugtechnischen

Werken leider allzuhäufig anzutreffen sind. Man möchte annehmen, es sei

in der Flugtechnik zu viel gerechnet und zu wenig versucht, und daß

dadurch eine Litteratur geschaffen sei, wie sie entstehen muß, wenn in

einer empirischen Wissenschaft nicht oft genug durch die Wirklichkeit

des Experimentes der reinen Denkthätigkeit neuer Stoff und die richtige

Nahrung zugeführt wird.

21. Überlegenheit der natürlichen Flügel gegen ebene

Flügelflächen.

Wenn nun die Aussichten hoffnungslos sind, mit ebenen Flächen jemals auf

eine Flugmethode zu kommen, welche mit großer Arbeitsersparnis vor sich

gehen kann, und daher durch den Menschen zur Ausführung gelangen könnte,

so bleibt eben nur übrig, zu versuchen, ob denn das Heil in der

Anwendung _nicht ebener_ Flügel sich finden läßt.

Die Natur beweist uns täglich von neuem, daß das Fliegen gar nicht so

schwierig ist, und wenn wir fast verzagt die Idee des Fliegens aufgeben

wollen, weil immer wieder eine unerschwingliche Kraftleistung beim

Fliegen sich herausrechnet, so erinnert jeder mit langsamem, deutlich

erkennbarem Flügelschlag dahinfliegende größere Vogel, jeder kreisende

Raubvogel, ja, jede dahinsegelnde Schwalbe uns wieder daran: »Die

Rechnung kann noch nicht stimmen, der Vogel leistet entschieden nicht

diese ungeheuerliche Arbeitskraft; es muß irgendwo noch ein Geheimnis

verborgen sein, was das Fliegerätsel mit einem Schlage löst.«

Wenn man sieht, wie ungeschickt die jungen Störche, nachdem sie auf dem

Dachfirst einige Vorübungen gemacht, ihre ersten Flugversuche anstellen,

wo Schnabel und Beine herunterhängen, der Hals aber in einer höchst

unschönen Linie gekrümmt die wunderlichsten Bewegungen macht, um das in

Gefahr geratene Gleichgewicht zu sichern, dann gewinnt man den Eindruck,

als müsse solch notdürftiges Fliegen ganz außerordentlich leicht sein,

und man wird angeregt, sich auch ein Paar Flügel anzufertigen und das

Fliegen zu versuchen. Gewahrt man dann, wie der junge Storch nach

wenigen Tagen schon elegant zu fliegen versteht, so wird der Mut, es ihm

gleich zu thun, nur noch größer. Nicht lange währt es aber, so kreist

dann der junge Storch vor Antritt der Reise nach dem Süden mit seinen

Eltern im blauen Äther ohne Flügelschlag um die Wette. (Siehe

Titelbild.) Das heißt doch wohl, daß hier die richtige Flügelform den

Ausschlag geben muß, und wenn diese einmal vorhanden ist, alles übrige

sich von selbst findet.

Erwägt man ferner, daß die meisten Vögel nicht notdürftig, sondern

verschwenderisch mit der Flugfähigkeit ausgestattet sind, so muß um so

mehr die Einsicht Platz greifen, daß auch das künstliche Fliegen vom

Menschen bewirkt werden kann, wenn es nur richtig angestellt wird, wozu

aber besonders die Anwendung einer richtigen Flügelform gehört.

Daß aber der Vogel oft wirklichen Überschuß an Fliegekraft besitzt,

erkennt man daran, daß die Raubvögel recht ansehnliche Beute noch zu

tragen vermögen. Die vom Habicht getragene Taube wiegt fast halb so

viel, wie der Habicht selbst und trägt nicht etwa mit zur Hebung bei;

denn der Habicht drückt der Taube mit seinen Fängen die Flügel zusammen.

Man merkt dann allerdings dem Habicht die Anstrengung sehr an; er vermag

jedoch trotzdem noch weit mit der Taube zu fliegen und würde dies sicher

noch besser können, wenn die Taube nicht beständig, von Todesangst

getrieben, verzweifelte Anstrengungen machte, sich zu befreien, und wenn

der Habicht mit der unter ihm hängenden Taube nicht den reichlich

doppelten Flugquerschnitt nach der Bewegungsrichtung hätte, so daß er am

schnelleren Fluge dadurch gehindert wird.

Daß aber auch die Flügelgröße der Vögel im allgemeinen sehr reichlich

bemessen ist, erkennt man daran, daß die meisten Vögel mit sehr

reduzierten Flügeln noch fliegen können. Beim Fehlen einiger

Schwungfedern ist meistens kein Unterschied im Fliegen gegen das Fliegen

mit vollzähligen Federn bemerkbar.

An dieser Stelle soll auch erwähnt werden, daß der Schwanzfläche des

Vogels nur sehr geringe Bedeutung beigemessen werden darf gegenüber der

Flügelwirkung, weil nach Verlieren sämtlicher Schwanzfedern der Vogel

kaum merklich schlechter fliegt. Dies gilt nicht bloß für die

Hebewirkung, sondern auch für die Steuerwirkung. Ein Sperling ohne

Schwanz fliegt ebenso gewandt durch einen Lattenzaun wie seine

geschwänzten Brüder. Diese Beobachtung wird wohl fast jeder einmal

gemacht haben.

Wichtiger als für die seitliche Steuerung scheint der Schwanz für die

Steuerung nach der Höhenrichtung zu sein, worauf schon der Umstand

hindeutet, daß der Vogelschwanz entgegen dem Fischschwanz bei seiner

Entfaltung eine horizontale Fläche bildet.

Bemerkenswert ist ferner, daß die Vögel mit langem Hals meist kurze

Schwänze und die Vögel mit kürzerem Hals meist längere Schwänze

besitzen. Der lange Hals ist zur Schwerpunktverlegung wohl geeignet und

kann daher auch schnell die Neigung des auf der Flugfläche ruhenden

Vogels nach vorn oder hinten bewirken. Wer einen ganz jungen Storch

fliegen gesehen hat, wird auch bemerkt haben, wie letzterer hiervon in

ergiebigster Weise Gebrauch macht. Der längere Schwanz kann aber den

langen Hals vorzüglich ersetzen, jedoch nicht durch Veränderung der

Schwerpunktslage, sondern durch Einschaltung eines hinten hebenden oder

niederdrückenden Luftwiderstandes, je nachdem der Schwanz beim

Vorwärtsfliegen gesenkt oder gehoben wird. Der Schwanz wirkt dann genau

wie ein horizontales Steuerruder.

Dennoch aber ist für den Vogel der Schwanz leicht entbehrlich, weil er

noch ein anderes höchst wirksames Mittel besitzt, sich nach vorn zu

heben oder zu senken. Er braucht ja nur durch Vorschieben seiner Flügel

den Stützpunkt nach vorn zu bringen, um sofort vorn gehoben zu werden,

und wird durch Zurückziehen der Flügel ebenso vorn sich senken. Durch

letztere Bewegung leitet der stoßende Raubvogel seine Abwärtsbewegung

aus der Höhe ein.

Über die geringste zum Fliegen erforderliche Flugfläche bei Tauben hat

Verfasser Versuche angestellt. Durch stumpfes Beschneiden der Flügel

wird zwar bald die Grenze der Flugfähigkeit erreicht, aber durch

Zusammenbinden der Schwungfedern kann man die Fläche der Flügel

erheblich vermindern ohne der Taube die Flugfähigkeit ganz zu nehmen.

Der äußerst erreichte Fall, in dem die Taube noch dauernd hoch und

schnell fliegen konnte ist in Fig. 23 abgebildet.

[Illustration: Fig. 23.]

Um noch ein Beispiel aus der Insektenwelt anzuführen, selbst auf die

Gefahr hin, daß der Vergleich etwas weit hergeholt erscheint, soll

darauf hingewiesen werden, daß die Stubenfliegen noch sehr gut auf ihren

Flügeln sich erheben können, wenn sie im Herbst vor Mattheit kaum noch

zu kriechen imstande sind. Es ist hierbei allerdings zu berücksichtigen,

daß mit der Kleinheit der Tiere ihre Flugfläche im Vergleich zum

Gewichte beträchtlich zunimmt, kleinen Tieren, also allen Insekten, das

Fliegen besonders leicht gemacht ist. 1 kg Sperlinge hat zusammen 0,25

qm Flugfläche; die Flügel von 1 kg Libellen besitzen dagegen 2,5 qm

Fläche.

Aus diesem Grunde dürfen wir auch die Insektenwelt beim Fliegen nicht

als Vorbild wählen, sondern haben uns an die möglichst großen Flieger zu

halten, bei denen das Verhältnis von Flugfläche zum Gewicht ein

möglichst ähnliches von dem ist, welches der Mensch für sich ausführen

müßte.

Also auf die Form der Flugfläche wurde unsere Aufmerksamkeit gelenkt,

und wir wissen alle, daß der Vogelflügel keine Ebene ist, sondern eine

etwas gewölbte Form hat.

Es fragt sich nun, ob diese Form ausschlaggebend ist für eine Erklärung

der geringen Arbeit beim natürlichen Fluge, und inwieweit andere nicht

ebene Flächen die Arbeit beim Fliegen vermindern können.

Hier scheinen die theoretischen Vorausbestimmungen uns nun vollends im

Stich zu lassen, ausgenommen, daß wir nach derjenigen Theorie handeln,

welche uns immer wieder auf die Natur als unsere Lehrmeisterin verweist

und die genaue Nachbildung des Vogelflügels empfiehlt.

Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst Ein Beitrag zur Systematik der Flugtechnik · 第 29 / 50 题