Das Vorwärtsfliegen ist der eigentliche Zweck des Fliegens, und daher
werden die Vögel mit ihren Flügeln in der Luft meistens eine Bewegung
machen, welche nicht bloß von oben nach unten, sondern gleichzeitig
vorwärts gerichtet ist. Es ergiebt sich daher ein absoluter Weg und eine
absolute Geschwindigkeit für die einzelnen Flügelpunkte von verschieden
geneigter Lage.
In Bezug auf den Kraftaufwand, der namentlich zum Herabschlagen der
Flügel nötig ist, wird diese absolute Geschwindigkeit der Flügel aber
nicht in Rechnung zu ziehen sein, sondern nur der Bestandteil dieser
Geschwindigkeit, relativ zum vorwärts bewegten Vogelkörper, denn der
Vogel überwindet den ihm fühlbaren, gegen seine Flügel gerichteten
Luftwiderstand immer nur mit der Geschwindigkeit, mit welcher er die
Flügel relativ zu seinem Körper herabdrückt. Nur diese Bewegung kostet
ihn Anstrengung, indem nur für sie die Zusammenziehung seiner
Flügelmuskeln erforderlich ist.
Diese in Rede stehende Geschwindigkeit der Vogelflügel, relativ
zum Vogelkörper gemessen, dürfen wir daher die fühlbare
Flügelgeschwindigkeit nennen. Nur diese Geschwindigkeit kommt in
Betracht, wenn es sich um die Berechnung der beim Fliegen zu leistenden
Muskelarbeit des Vogels handelt, möge der Vogel noch so schnell dabei
vorwärts fliegen.
Die fühlbare Flügelgeschwindigkeit wird nicht immer absolut senkrecht
gerichtet sein, auch wird nicht nur der Niederschlag, sondern in
geringerem Grade auch die Flügelhebung den Vogel Anstrengung kosten; es
gilt hier aber zunächst, den Teil der Flügelgeschwindigkeit
auszuscheiden, welcher außer acht gelassen werden muß, wenn aus den
Bewegungen des Vogels berechnet werden soll, welche mechanische Arbeit
er beim Fliegen leisten muß.