Die Frage, warum der Vogel beim Fliegen nicht zur Erde fällt, wie es
kommt, daß der Vogel in der Luft durch eine unsichtbare Kraft getragen
wird, ist in Bezug auf _die Art_ der Kraft, welche dem Vogel diesen
unsichtbaren Stützpunkt beim Fliegen gewährt, als vollkommen gelöst zu
betrachten. Wir wissen, daß diese tragende Kraft nur aus dem
Luftwiderstand bestehen kann, den die bewegten Vogelflügel in der Luft
hervorrufen.
Wir wissen ferner, daß dieser Luftwiderstand an Größe mindestens gleich
dem Vogelgewichte sein muß, während seine Richtung der Anziehungskraft
der Erde entgegengesetzt, also von unten nach oben wirken muß.
Da der fliegende Vogel eben mit keinem anderen Körper in Berührung ist
als mit der ihn umgebenden Luft, so kann auch die ihn hebende Kraft nur
aus der Luft selbst stammen, und die Luft oder Eigenschaften der Luft
müssen es sein, welche das Tragen des fliegenden Vogels verursachen.
Diese hier tragend wirkende, durch Flügelbewegungen und Muskelarbeit in
der Luft hervorgerufene Kraft kann daher nichts Anderes als
Luftwiderstand sein, also diejenige Kraft, welche jeder Körper
überwinden muß, wenn er sich in der Luft bewegt, oder der Widerstand,
welcher sich dieser Bewegung entgegensetzt. Sie ist aber auch die Kraft,
mit welcher bewegte Luft oder Wind auf die im Wege stehenden Körper
drückt.
Wir wissen, daß diese Kraft mit der Querschnittsfläche des bewegten oder
im Wege stehenden Körpers zunimmt, und im höheren Grade noch mit der
Geschwindigkeit wächst, mit welcher der Körper durch die Luft bewegt
wird oder mit welcher der Wind auf einen Körper trifft.
Auch auf die von oben nach unten geschlagenen Vogelflügel wird eine
dieser Bewegung entgegenstehende also von unten nach oben wirkende
Luftwiderstandskraft drücken, aber nur, wenn die Geschwindigkeit des
Flügelschlages genügend groß ist, wird ein genügend großer
Luftwiderstand entstehen, der imstande ist, das Herabfallen des Vogels
zu verhindern.
Das Wiederaufschlagen der Flügel muß dabei unter anderen Bedingungen vor
sich gehen, damit nicht auch die umgekehrte Kraft dabei entsteht, die
den Vogel ebenso viel niederdrückt, als der Flügelniederschlag ihn hob.
Man kann sich vorläufig denken, daß vor dem Aufschlag die Flügel eine
solche Drehung machen, daß möglichst wenig Widerstand beim Heben
derselben in der Luft entsteht, oder daß die Luft beim Aufschlag
teilweise zwischen den etwa in anderer Stellung befindlichen Federn des
Flügels hindurchdringen kann, und so dem Aufschlag wenig Widerstand
entgegensetzt.
Was noch an niederdrückender Wirkung beim Heben der Flügel entsteht, muß
durch einen Überschuß an Hebewirkung beim Niederschlagen der Flügel
wieder aufgehoben werden.
Hieraus ergiebt sich nun, daß durch die Flügelschläge eines fliegenden
Vogels ein Luftwiderstand entstehen muß, dessen Gesamtwirkung
durchschnittlich gleich einer Kraft ist, welche eine Richtung nach oben
und mindestens die Größe des Vogelgewichtes hat.