Die Beobachtung der fliegenden Tiere lehrt, daß es möglich ist, mit
Hülfe von Flügeln, welche eigentümlich geformt sind, und in geeigneter
Weise durch die Luft bewegt werden, schwere Körper in der Luft schwebend
zu erhalten, und nach beliebigen Richtungen mit großer Geschwindigkeit
zu bewegen.
Die in der Luft schwebenden Körper der fliegenden Tiere zeichnen sich
gegen die Körper anderer Tiere nicht so wesentlich durch ihre
Leichtigkeit aus, daß daraus gefolgert werden könnte, die leichte
Körperbauart sei ein Haupterfordernis, das Fliegen zu ermöglichen.
Man findet zwar die Ansicht verbreitet, daß die hohlen Knochen der Vögel
das Fliegen erleichtern sollen, namentlich da die Hohlräume der Knochen
mit erwärmter Luft gefüllt sind. Es gehört aber nicht viel Überlegung
dazu, um einzusehen, daß diese Körpererleichterung kaum der Rede wert
ist.
Eine specifische Leichtigkeit der Fleisch- und Knochenmasse sowie
anderer Bestandteile des Vogelkörpers ist bis jetzt auch nicht
festgestellt.
Vielleicht hat das Federkleid des Vogels, welches ihn umfangreicher
erscheinen läßt, als wie er ist, besonders wenn dasselbe wie bei dem
getöteten Vogel nicht straff anliegt, dazu beigetragen, ihm den Ruf der
Leichtigkeit zu verschaffen. Von dem gerupften Vogel kann man
entschieden nicht behaupten, daß er verhältnismäßig leichter sei als
andere Tiere; auch unsere Hausfrauen stehen wohl nicht unter dem
Eindruck, daß ein Kilogramm Vogelfleisch, und seien auch die hohlen
Knochen dabei mitgewogen, umfangreicher aussieht als das gleiche Gewicht
von Fleischnahrung aus dem Reiche der Säugetiere.
Wenn nun zu dem gerupften Vogel die Federn noch hinzukommen, so wird er
dadurch auch nicht leichter, sondern schwerer; denn auch die Federn sind
schwerer als die Luft.
Die Federbekleidung kann daher, wenn sie dem Vogel auch die Entfaltung
seiner Schwingen ermöglicht, und seine Gestalt zum leichteren
Durchschneiden der Luft abrundet und glättet, kein besonderer Faktor zu
seiner leichteren Erhebung in die Luft sein. Es ist vielmehr anzunehmen,
daß bei den fliegenden Tieren die freie Erhebung von der Erde und das
Beharren in der Luft, sowie die schnelle Fortbewegung durch die Luft mit
Hülfe gewisser mechanischer Vorgänge stattfindet, welche möglicher Weise
auch künstlich erzeugt und mittelst geeigneter Vorrichtungen auch von
Wesen ausgeführt werden können, welche nicht gerade zum Fliegen geboren
sind.
Das Element der fliegenden Tiere ist die Luft. Die geringe Dichtigkeit
der Luft gestattet aber nicht, darin zu schweben und darin
herumzuschwimmen, wie es die Fische im Wasser vermögen, sondern eine
stetig unterhaltene Bewegungswirkung zwischen der Luft und den
Trageflächen oder Flügeln der fliegenden Tiere, oft mit großen
Muskelanstrengungen verbunden, muß dafür sorgen, daß ein Herabfallen aus
der Luft verhindert wird.
Jedoch diese geringe Dichtigkeit der Luft, welche das freie Erheben in
derselben erschwert, gewährt andererseits einen großen Vorteil für die
sich in der Luft bewegenden Tiere.
Das auf der geringen Dichtigkeit beruhende leichte Durchdringen der Luft
gestattet vielen Tieren mit außerordentlicher Schnelligkeit vorwärts zu
fliegen; und so nehmen wir denn namentlich an vielen Vögeln
Fluggeschwindigkeiten wahr, welche in Erstaunen setzen, indem sie die
Geschwindigkeit der schnellsten Eisenbahnzüge bei weitem übertreffen.
Hat daher eine freie Erhebung von der Erde durch die Fliegekunst erst
stattgefunden, so erscheint es nicht schwer, eine große Geschwindigkeit
in der Luft selbst zu erreichen.
Als Eigentümlichkeit beim Bewegen in der Luft haben wir daher weniger
das schnelle Fliegen anzusehen, als vielmehr die Fähigkeit, ein
Herabfallen aus der Luft zu verhindern, indem das erstere sich fast von
selbst ergiebt, sobald die Bedingungen für das letztere in richtiger
Weise erfüllt sind.
Die fliegende Tierwelt und obenan die Vögel liefern den Beweis, daß die
Fortbewegung durch die Luft an Vollkommenheit allen anderen
Fortbewegungsarten der Tierwelt und auch den künstlichen
Ortsveränderungen der Menschen weit überlegen ist.
Auch auf dem Lande und im Wasser giebt es Tiere, denen die Natur große
Schnelligkeit verliehen hat, teils zur Verfolgung ihrer Beute, teils zur
Flucht vor dem Stärkeren, eine Schnelligkeit, die oft unsere Bewunderung
erregt. Aber was sind diese Leistungen gegen die Leistungen der
Vogelwelt?
Einem Sturmvogel ist es ein Nichts, den dahinsausenden Oceandampfer in
meilenweiten Kreisen zu umziehen und, nachdem er meilenweit hinter ihm
zurückgeblieben, ihn im Nu wieder meilenweit zu überholen.
Mit Begeisterung schildert _Brehm_, dieser hervorragende Kenner der
Vogelwelt, die Ausdauer der meerbewohnenden großen Flieger. Ja, dieser
Forscher hält es für erwiesen, daß ein solcher Vogel auf weitem Ocean
Hunderte von Meilen dem Tag und Nacht unter vollem Dampf dahineilenden
Schiffe folgt, ohne bei seiner kurzen Rast auf dem Wasser die Spur des
schnellen Dampfers zu verlieren und ohne jemals das Schiff als Ruhepunkt
zu wählen.
Diese Vögel scheinen gleichsam in der Luft selbst ihre Ruhe zu finden,
da man sie nicht nur bei Tage, sondern auch bei Nacht herumfliegen
sieht. Sie nützen die Tragekraft des Windes in so vollkommener Weise
aus, daß ihre eigene Anstrengung kaum nötig ist.
Und dennoch sind sie da, wo sie nur immer sein wollen, als wenn der
Wille allein ihre einzige Triebkraft bei ihrem Fluge wäre.
Diese vollkommenste aller Fortbewegungsarten sich zu eigen zu machen,
ist das Streben des Menschen seit den Anfängen seiner Geschichte.
Tausendfältig hat der Mensch versucht, es den Vögeln gleich zu thun.
Flügel ohne Zahl sind von dem Menschengeschlechte gefertigt, geprobt und
-- verworfen. Alles, alles vergeblich und ohne Nutzen für die Erreichung
dieses heiß ersehnten Zieles.
Der wahre, freie Flug, er ist auch heute noch ein Problem für die
Menschheit, wie er es vor Tausenden von Jahren gewesen ist.
Die erste wirkliche Erhebung des Menschen in die Luft geschah mit Hülfe
des Luftballons. Der Luftballon ist leichter als die von ihm verdrängte
Luftmasse, er kann daher noch andere schwere Körper mit in die Luft
heben. Der Luftballon erhält aber unter allen Umständen, auch wenn
derselbe in länglicher zugespitzter Form ausgeführt wird, einen so
großen Querschnitt nach der Bewegungsrichtung, und erfährt einen so
großen Widerstand durch seine Bewegung in der Luft, daß es nicht möglich
ist, namentlich gegen den Wind denselben mit solcher Geschwindigkeit
durch die Luft zu treiben, daß die Vorteile der willkürlichen schnellen
Ortsveränderung, wie wir sie an den fliegenden Tieren wahrnehmen, im
Entferntesten erreicht werden könnten.
Es bleibt daher nur übrig, um jene großartigen Wirkungen des Fliegens
der Tierwelt auch für den Menschen nutzbar zu machen, auf die helfende
Wirkung des Auftriebes leichter Gase, also auf die Benutzung des
Luftballons ganz zu verzichten, und sich einer Fliegemethode zu
bedienen, bei welcher nur dünne Flügelkörper angewendet werden, welche
dem Durchschneiden der Luft nach horizontaler Richtung sehr wenig
Widerstand entgegensetzen.
Der Grundgedanke eines solchen Fliegens besteht in der Vermeidung
größerer Querschnitte nach der beabsichtigten Bewegungsrichtung und der
Hebewirkung durch dünne Flugflächen, welche im wesentlichen horizontal
ausgebreitet und relativ zum fliegenden Körper annähernd vertikal bewegt
werden.
Die fliegenden Tiere sind imstande, unter Aufrechterhaltung dieses
Princips eine freie Erhebung und schnelle Fortbewegung durch die Luft zu
bewirken. Wollen wir also die Vorteile dieses Princips uns auch zu nutze
machen, so wird es darauf ankommen, die richtige Erklärung für solche
Fliegewirkung zu suchen.
Die Zurückführung aber einer derartigen Wirkung auf ihre Ursache
geschieht durch das richtige Erkennen der beim Fliegen stattfindenden
mechanischen Vorgänge, und die Mechanik, also die Wissenschaft von den
Wirkungen der Kräfte, giebt uns die Mittel an die Hand, diese
mechanischen Vorgänge zu erklären.
Die Fliegekunst ist also ein Problem, dessen wissenschaftliche
Behandlung vorwiegend die Kenntnis der Mechanik voraussetzt. Die hierzu
erforderlichen Überlegungen sind jedoch verhältnismäßig einfacher Natur
und es lohnt sich, zunächst einen Blick auf die Beziehungen der
Fliegekunst zur Mechanik zu werfen.